R – RÜCKENFIGUR

R – RÜCKENFIGUR

Damit war bereits eine entscheidende Funktion der Rückenfigur erfasst. Sie lenkt den Blick in das Bild hinein und verstellt ihn zugleich – sie »verdirbt die Aussicht«*, wie Brentano und von Arnim ironisch, aber treffend formulierten. Das, was die Rückenfigur sieht – wenn sie, wie oft bei Friedrich, in der Mittelachse des Bildes steht –, bleibt dem Blick des Publikums vor dem Gemälde verborgen und appelliert dadurch an die Vorstellungskraft. Sie ist Stellvertreterin und Identifikationsfigur der Betrachterinnen und Betrachter, erzeugt aber auch eine Distanz zwischen ihnen und der dargestellten Landschaft. Zugleich verkörpert die Rückenfigur die Erfahrung und den Genuss des Betrachtens selbst, die kontemplative Versenkung in eine Landschaft und den unendlichen Raum.

Ein Textauszug aus Barbara Hess’ Caspar David Friedrich A–Z

Caspar David Friedrich A–Z | Hatje Cantz Verlag
Caspar David Friedrich A–Z | Hatje Cantz Verlag

*Zit. nach: Clemens Brentano und Achim von Arnim, »Verschiedene Empfindungen vor einer Seelandschaft von Friedrich, worauf ein Kapuziner«, in: Berliner Abendblätter, 13.10.1810, wieder abgedruckt in: Werner Hofmann, Caspar David Friedrich. Naturwirklichkeit und Kunstwahrheit, München 2000, S. 285. 
Bildcredit: Caspar David Friedrich, Frau am Fenster, 1822, Öl auf Leinwand, 44 x 37 cm, Alte Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin


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