A – ATELIER

A – ATELIER

Darstellungen, die Künstlerinnen und Künstler bei der Arbeit zeigen, dürfen als programmatisch angesehen werden. Sie geben nicht nur Aufschlüsse zu handwerklichen Fragen, sondern veranschaulichen auch das Selbstverständnis und die Kunstauffassung der Dargestellten. Das gilt auch für die Gemälde von Georg Friedrich Kersting, die Friedrich in seinem Dresdner Atelier zeigen. [...] Die Kargheit von Friedrichs Atelier wurde von mehreren Besuchern anschaulich beschrieben; für Wilhelm von Kügelgen war es um 1813 »von so absoluter Leerheit, dass [der Dichter] Jean Paul es mit dem ausgeweideten Leichnam eines toten Fürsten hätte vergleichen können.«* So erscheinen Kerstings Atelierbilder einerseits als realistische Einblicke in Friedrichs Arbeitsraum; zugleich veranschaulichen sie den konzeptuellen Charakter der Malerei Friedrichs, der bekannte, dass er seine Bilder »mit dem geistigen Auge zuerst« sah.

Ein Textauszug aus Barbara Hess’ Caspar David Friedrich A–Z

Caspar David Friedrich A–Z | Hatje Cantz Verlag

Caspar David Friedrich – A–Z | Hatje Cantz Verlag


* Zit. nach: Jens Christian Jensen: Caspar David Friedrich. Leben und Werk, Köln 1974, S.24
Bildcredit: Georg Friedrich Kersting: Caspar David Friedrich, 1811, Öl auf Leinwand, 54 x 42 cm, Hamburger Kunsthalle. 


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