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ANNI ALBERS
Der Weg ans Bauhaus: Zwischen Malerei und Neuanfang
Anni Albers, geboren als Anneliese Elsa Frieda Fleischmann 1899 in Berlin, beginnt 1922 im Alter von 23 Jahren ihre Ausbildung am Bauhaus in Weimar. Zuvor hatte sie an der Hamburger Kunstgewerbeschule studiert und ursprünglich das Ziel verfolgt, Malerin zu werden.
Am Bauhaus wird sie jedoch aufgrund der Geschlechterordnung dem Vorkurs der Webereiwerkstatt zugewiesen. Die Weberei ist nicht ihre erste Wahl, sondern das Resultat struktureller Einschränkungen – entwickelt sich jedoch bald zu ihrem zentralen künstlerischen Medium.
© 2025 The Josef and Anni Albers Foundation/ProLitteris, Zurich, Photo: Tim Nighswander/Imaging4Art
Vom Umweg zur Berufung: Die Weberei als künstlerische Sprache
Nach dem Vorkurs beginnt Anni Albers 1923 ihre Ausbildung in der Webereiwerkstatt. Trotz anfänglicher Enttäuschung entfaltet sie dort rasch eine außergewöhnliche gestalterische und handwerkliche Kompetenz. Die Arbeit am Webstuhl bietet ihr Stabilität, Struktur und neue Ausdrucksmöglichkeiten in einer Phase intensiver künstlerischer Experimente am frühen Bauhaus.
© 2025 The Josef and Anni Albers Foundation/ProLitteris, Zurich, Photo: Tim Nighswander/Imaging4Art
1930 schließt sie ihr Studium mit einem innovativen, schallabsorbierenden und lichtreflektierenden Vorhang aus Baumwolle und Zellophan ab, der in der Bundesschule in Bernau eingesetzt wird. 1931 übernimmt sie die Leitung der Webereiwerkstatt – eine Ausnahme für Frauen am Bauhaus.
Josef Albers, Abstraktion und künstlerische Weiterentwicklung
Während ihrer Zeit am Bauhaus lernt Anni Albers den Künstler und Bauhausmeister Josef Albers kennen, den sie 1925 heiratet. Beide verbindet eine lebenslange Auseinandersetzung mit der Abstraktion. Besonders die Arbeiten Paul Klees beeinflussen Anni Albers nachhaltig.
Sie überträgt Prinzipien der Malerei – Farbe, Rhythmus und Komposition – konsequent in das textile Medium und erweitert damit die Möglichkeiten der Webkunst weit über das Handwerkliche hinaus.
© 2024 The Josef and Anni Albers Foundation/ProLitteris, Zurich, Photo: Tim Nighswander/Imaging4Art
Emigration, internationale Anerkennung und bleibender Einfluss
Nach Stationen in Dessau und Berlin emigriert das Ehepaar Albers 1933 in die Vereinigten Staaten. Josef Albers erhält eine Lehrtätigkeit am Black Mountain College, wo Anni ab 1939 ebenfalls unterrichtet. Parallel dazu arbeitet sie als Textilkünstlerin, Designerin und Autorin.
1949 lassen sich beide in Connecticut nieder. Anni Albers erweitert ihr Werk um Zeichnung und Druckgrafik, bleibt jedoch der Textilkunst eng verbunden. Reisen nach Mexiko und Südamerika prägen ihr Verständnis von Material, Struktur und Abstraktion nachhaltig. 1965 veröffentlicht sie mit On Weaving ein grundlegendes theoretisches Werk zur Webkunst.
Anni Albers gilt heute als eine der bedeutendsten Textilkünstler*innen des 20. Jahrhunderts. 1949 ist sie die erste Textilkünstlerin mit einer Einzelausstellung im Museum of Modern Art in New York. Bis zu ihrem Tod 1994 prägt sie die moderne Kunst weit über das Medium Textil hinaus.
veröffentlicht am 15.1.2025 – Mathilde Busse


