Interview

Interview mit Kristian Ly Serena und Dominique Hauderowicz

Age-Inclusive Public Space

Age-Inclusive Public Space

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ISBN 978-3-7757-4590-1
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Katharina Cichosch: Frau Hauderowicz, Herr Ly Serena, Sie widmen sich mit ihren Projekten vor allem älteren Menschen – einer Zielgruppe, die sonst eher eine untergeordnete Rolle in der Gestaltung des öffentlichen Raums spielt. Wie kam es dazu?

Kristian Ly Serena: Als Architekten sind wir immer wieder darauf gestoßen, wie durch die Gestaltung moderner Städte ältere Menschen oftmals von gewissen Aspekten des öffentlichen Lebens ausgegrenzt werden. Wenn man heute von altersgerechter Stadtplanung spricht, geht es noch immer vor allem um Stereotype, was ältere Menschen vermeintlich wollen oder benötigen. Sie werden in eine Schublade gesteckt.

Dominique Hauderowicz: Nur, weil du 80 Jahre alt bist, hast du nicht automatisch andere Interessen als dein junger Nachbar oder begeisterst dich nur noch für sogenannte »Seniorenthemen«. Wir fragen zunächst einmal: »Wer sind eigentlich die Älteren?« Viele stellen diese Frage gar nicht erst, sondern fangen gleich an mit dem Planen und Entwerfen. Hinzu kommt, dass Altern nur als Nachteil gesehen wird. Wir sollten stattdessen mehr die positiven Effekte des Älterwerdens betrachten

(…)

Cichosch: In ihrem Buch Age-Inclusive Public Space erzählen Sie das Beispiel niederländischer Senioren, die keine Lust haben auf die ihnen angebotenen Seniorenaktivitäten von Sport bis Spiele. Stattdessen treffen sie sich am liebsten in den schicken Bistros der Kaufhauskette Hema, wie viele junge Menschen auch. Was kann man daraus für die Gestaltung des öffentlichen Raums lernen?

Hauderowicz: Unserer Meinung nach ist es jetzt wichtig, darüber nachzudenken, wie man mit einer alternden, urbanen Gesellschaft in der Architektur und Stadtplanung umgeht. Fällt uns nichts Besseres ein als Senioren-Spielplätze? (…) Deshalb ist es nun entscheidend, wie wir über den Prozess des Alterns denken – und wie sich dieses Wissen architektonisch manifestiert. Der Kerngedanke ist, dass ein sensibleres Planen und Bauen am Ende eine bessere Stadt für alle bedeuten wird.

Ly Serena: Deshalb haben wir uns in einem Abschnitt auch dem Blick aus dem Fenster gewidmet.

Cichosch: Sie spielen an auf das Klischee vom neugierig bis grimmig aus dem Fenster blickenden älteren Nachbarn?

Ly Serena: Dabei geht es oft um etwas Anderes: Für viele Menschen könnte ein Balkon wichtiger sein als eine barrierefreie Wohnung. So können sie »auf die Straße« gehen, selbst wenn es körperlich oder psychisch schwerfällt; mit einem Balkon können sie die eigene Wohnung verlassen, ohne wirklich hinaus zu müssen. Das bezeichnen wir als Elastizität – das Leben in mehrere Richtungen dehnen. Moderne Städte sollten so etwas bieten: Abstufungen zwischen dem eigenen und dem gemeinsamen Raum. Die Schwelle zwischen privatem und öffentlichem Raum so herunterzusetzen, dass auch ältere Menschen sie leicht überqueren können, darüber sollten Architekten und Stadtplaner nachdenken.

Cichosch: Und wie könnte so ein »elastischer« öffentlicher Raum noch aussehen, jenseits von Balkonen?

Hauderowicz: Das kann sich auf verschiedene Weise manifestieren – von der Stadtplanung bis zum Design. 

(…)

Ein Interview von Katharina Cichosch. Das komplette Interview können Sie auf spiegel nachlesen.

 

 

 

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