| Sprache: |
Im so vielseitigen wie wirkungsreichen Werk der Künstlerin Anna Bogouchevskaia (* 1966 in Moskau) eröffnen sich im Skulpturalen fantastische Welten, die eine fremdartige Atmosphäre heraufbeschwören und einen neuen Blick auf natürliche Phänomene ermöglichen. Vor dem Hintergrund einer globalisierten Welt, in der das Gleichgewicht zwischen Zivilisation und Natur erschüttert ist, stehen Momente der Transformation und die Fragilität natürlicher Schönheit im Fokus ihrer Arbeit.
Bogouchevskaia nimmt Bezug auf eine visuelle Welt, die wir nur aus Fotos oder filmischer Zeitlupe kennen, solch wundersame Gebilde in der Verformung von Wasser sind in der direkten Wahrnehmung für Menschen nicht erfahrbar. Der Philosoph Walter Benjamin spricht in seinem berühmten Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ von 1936 in diesem Zusammenhang vom „Optisch-Unbewussten“, dessen Existenz für den Mensch erst mit Zuhilfenahme der Fotografie sichtbar wird.
Die menschliche Wahrnehmung erfährt durch die technischen Neuerungen eine Erweiterung. Die Sezierung eines Phänomens der physischen Realität jenseits unserer Wahrnehmungsmöglichkeiten verdeutlicht hier ein Denken, dass das theoretische Wissen um die Bedingungen unseres Bewusstseins im visuellen Gedächtnis schon impliziert. Bogouchevskaia erkundet die Grenzen des für den Menschen Erfahrbaren, reflektiert den Einfluss technischer Entwicklungen auf die Wahrnehmung und evoziert eine Atmosphäre apokalyptischer Zeitlosigkeit, in der die Grenzen zwischen Ephemeren und Dauerhaften verschwimmen.