INTERVIEW MIT ULRIKE ROSENBACH

INTERVIEW MIT ULRIKE ROSENBACH

Die Künstlerin Ulrike Rosenbach, geboren 1943 in Salzdetfurth, ist spezialisiert auf Videoinstallationen und Performances. Sie studierte von 1962 bis 1969 an der Düsseldorfer Kunstakademie, unter anderem als Meisterschülerin von Joseph Beuys. Ihr Schaffen lässt sich als prozesshaft und medienübergreifend charakterisieren. Bereits in frühen Arbeiten brach sie mit herkömmlichen Wahrnehmungsmustern durch den Einsatz von Live-Kameras bei Performances. In ihren Werken thematisiert sie weibliche Identität, hinterfragt Klischees und erkundet spirituelle Zusammenhänge, welche die Kunst als Heilritual zur Wiederherstellung der Verbindung zwischen Mensch und Natur begreifbar werden lässt.
Im Interview mit Hatje Cantz spricht Ulrike Rosenbach über ihren Zugang zu Caspar David Friedrich und die Erkenntnisse aus Friedrichs Werken für ihre eigenen künstlerischen Arbeiten.

Hatje Cantz: Haben Sie in Ihrem Leben einen ganz persönlichen Friedrich-Moment erlebt, von dem Sie uns erzählen mögen?

Ulrike Rosenbach: In meinem Werk hat das Thema Natur einen gewichtigen Stellenwert. In der frühen Arbeit Die Einsame Spaziergängerin von 1979 folgte ich einer Einladung des Direktors Zdenek Felix am Museum Folkwang Essen zu einem Werk meines Interesses eine Performanceinstallation zu produzieren und zu zeigen. Die Gemälde von Caspar David Friedrich beeindrucken mit ihrer intensiven Ausstrahlung von Stille, ihrer kontemplativen Stimmung. Die Konzeption der Aktion war es, den eben beschriebenen Eindruck mit meinen Medien darzustellen.

Ulrike Rosenbach: Die einsame Spaziergängerin, 1979/2009 Foto © ZKM Karlsruhe/ Tobias Wootton/VG Bildkunst

Ulrike Rosenbach: Die einsame Spaziergängerin, 1979, Performance, Museum Folkwang Essen © Foto: Klaus vom Bruch/ VG Bildkunst

HC: Können Sie uns sagen, welche Elemente aus Friedrichs Werk Sie in Ihren eigenen Kunstwerken aufgegriffen haben und welche Rolle diese in Ihrer künstlerischen Praxis spielen?

UR: Der Mondbogen, der die Komposition des Bildes beherrscht, hatte mein Interesse. Es ist ein wunderbares Bild mystischer Naturmalerei. Die intensive Stimmung hat mich zu meiner Medien-Performance mit Installation inspiriert, das Bild wurde die Grundlage und der „Begehungsplan“ für den Bewegungsablauf in der Aktion.

»Die einsame Spaziergängerin«, 1979/2009, Foto © ZKM Karlsruhe/ Tobias Wootton/VG Bildkunst

Ulrike Rosenbach: Die einsame Spaziergängerin, 1979/2009, Installationsfoto, ZKM Karlsruhe © Foto: ZKM Karlsruhe/Tobias Wootoon/VG Bildkunst 

HC: Warum ist Friedrichs Werk Ihrer Meinung nach heutzutage relevant?

UR: Meiner Meinung nach zeigt die Bedeutsamkeit der poetischen Kontemplation in den Werken von Caspar David Friedrich relevant die Verbindung von Mensch und Natur auf. Natur heute ist nicht nur ein ökologisches und damit politisches Problem, sondern haben Mensch und Natur auch eine grundsätzliche geistige Verbindung - zwischen uns und der Natur muss eine seelisch geistige Verbindung da sein, die beide in lebendiger Interaktivität verbindet.


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