INTERVIEW MIT HIROYUKI MASUYAMA

Hiroyuki Masuyama ist bekannt für seine einzigartige Verbindung von Fotografie und digitalen Techniken. Der japanische Künstler kombiniert historische und moderne Elemente, um faszinierende neue Perspektiven zu schaffen. Masuyamas neueste Ausstellung im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald widmet sich dem deutschen Romantiker Caspar David Friedrich. Durch innovative Fotomontagen interpretiert Masuyama Friedrichs Werke neu und verbindet die zeitlose Schönheit der Natur mit der Ästhetik des digitalen Zeitalters. Im Interview mit Hatje Cantz spricht Masuyama über seine Reisen zu Friedrichs Landschaftsmotiven und daraus entstehenden Momenten persönlicher Verbindungen zu ihm.

Hiroyuki Masuyama – Der Wanderer über dem Nebelmeer

 
Hiroyuki Masuyama: nach Caspar David Friedrich, Der Wanderer über dem Nebelmeer 1818, 2022

Hatje Cantz: Haben Sie in Ihrem Leben einen ganz persönlichen Friedrich-Moment erlebt, von dem Sie uns erzählen mögen?

Hiroyuki Masuyama: Das erste Mal habe ich originale Arbeiten von Caspar David Friedrich in einer Ausstellung im Folkwang Museum in Essen im Jahr 2006 gesehen. Damals habe ich mich gefragt, wie diese Landschaften wohl heute aussehen würden. Also habe ich im Jahr 2007 mit Reisen begonnen, die mich an genau die Orte führten, an denen Friedrich damals gemalt hatte. Ich habe mich im Vorhinein informiert und alles daran gelegt, dass meine Reise unter denselben Bedingungen stattfinden würde, wie Friedrich sie damals vorgefunden haben muss. Das bedeutet zur gleichen Jahreszeit mit ähnlichem Wetter und zur gleichen Tageszeit. Als ich genau die Landschaft sah, die er gemalt hatte, genau an dem Ort, an dem er sie gemalt hatte, empfand ich ein unaussprechliches Gefühl. Es war eine eindrucksvolle Erinnerung daran, dass zwei Menschen durch ein natürliches System verbunden sind, das 200 Jahre Zeit und kulturelle Unterschiede überwindet.

Hiroyuki Masuyama – Der Watzmann

 
Hiroyuki Masuyama: nach Caspar David Friedrich, Der Watzmann 1824, No. 2, 2023

HC: Können Sie uns sagen, welche Elemente aus Friedrichs Werk Sie in Ihren eigenen Kunstwerken aufgegriffen haben und welche Rolle diese in Ihrer künstlerischen Praxis spielen?

HM: Ich habe die Orte, die er besucht hat, in der Gegenwart fotografiert und die gleichen Bilder wie seine Gemälde in der Digitalfotografie nachgebildet. Ich betrachte es nicht als meine Arbeit, da es sich um Digitalfotografie handelt. Meine Produktion ist nur ein Teil eines langen, großen kulturellen Flusses, eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Zukunft.

Hiroyuki Masuyama – Hochgebirge

  
Hiroyuki Masuyama: nach Caspar David Friedrich, Hochgebirge, 1824, 2023

HC: Warum ist Friedrichs Werk Ihrer Meinung nach heutzutage noch relevant?

HM: Er lebte in einer Zeit, in der sich die Gesellschaft zu Beginn der industriellen Revolution stark veränderte. Ich habe den Eindruck, dass wir uns von der Ära der industriellen Revolution in die Ära der digitalen Revolution begeben. Ich denke, dass es in diesem Sinne Ähnlichkeiten zwischen unserer Zeit und der Zeit, in der er lebte, gibt. Wir können etwas von der Zeit lernen, in der Friedrich lebte.

Headerbild: Hiroyuki Masuyama © Florian Hammerich 2021

Veröffentlicht am: 05.07.2024
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