Über den Fotoblog

Jeden Monat ein anderer Experte. Wir laden bekannte Blogger und Spezialisten aus der internationalen Fotoszene ... Read more »

About the Blog

Another expert every month: We invite well-known bloggers and specialists from the international photography scene... Read more »

Gedanken zu einem Fotospaziergang – oder zu Neudeutsch, zum (Insta-)Walk

Gehetztes Durch-die-Straßen-Rennen, den Blick stur geradeaus gerichtet, zielstrebig von A nach B gelangen – so sieht es meist aus, wenn man im Trubel der Stadt einen Moment lang inne hält und sich umschaut. Lauter Menschen, die wie vom Wind nach vorn geneigt dahineilen, mit Blick auf das Smartphone, am Telefonieren, immer unter Strom. Vieles entgeht einem in diesem Tempo. Und selbst jene, die lange an einem Ort sitzen, schauen selten mal nach oben, an den Fassaden empor oder auf die ganz kleinen Details in der nahen Umgebung: Pflanzen, die zwischen Gehsteigfugen herauswachsen, Wandfresken, die an unmöglich hohen Stellen an Gebäuden aufgebracht wurden ― von trompetenden Engeln oder harfespielenden Jünglingen. Graffiti, die das Stadtbild prägen und kalligrafische, abstrakte oder farbenfrohe Qualitäten haben können. Menschen, die auf ihren Balkonen ganze Universen errichtet haben, Schaufensterdekorationen, die einen mit ihren zusammengewürfelten Inhalten zum Schmunzeln bringen, architektonische Besonderheiten oder skurrile Details, die bei genauerer Betrachtung viel über die Zeit ihrer jeweiligen Entstehung preisgeben. Zusammengebastelte Provisorien, die Fahrräder sein sollten, Urban Gardening im Stadtgebiet, kleine versteckte Streetart-Überraschungen, wundersam geformte Fenstersimse, typografische Auffälligkeiten und absurde Sprüche… – die Liste ließe sich ewig fortführen.

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Das Auge zweifelt: Die Haut der Toten oder “Paisajes” der mexikanischen Fotografin Andrea Tejeda Korkowski

„When most I wink, then do mine eyes best see,
For all the day they view things unrespected;
But when I sleep, in dreams they look on thee,
And darkly bright, are bright in dark directed.”

“Am schärfsten sieht mein Blick, schließt Wimpernsaum –
was er am Tag nur sieht, entfällt dem Sinn;
Doch dann im Schlaf seh ich Dich ganz im Traum,
Blicks Dunkelhell sieht hell aufs Dunkel hin.”

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Das Auge zweifelt. Sinne geraten ins Wanken. Was wie selbstverständlich, direkt, ohne Umschweife ausgebreitet liegt, will sorgfältig durchwandert, erspürt, will gefunden und bestaunt werden: Warmes Grau bespielt gefurchte Flächen, dessen Säume unscharf ins weiche Dunkel dringen. Tiefschattige Täler, kreidige Grate. Fissuren durchzogen von feinstem Liniengeäst. Darin ein Nebeneinander, ein Kreuzen und Queren von noch feineren Linien. Auratische Präsenz gehüllt in schweigendes Erwarten. Das Auge zweifelt.

“Then thou, whose shadow shadows doth make bright,
How could thy shadow’s form form happy show
To the clear day with thy much clearer light,
When to unseeing eyes thy shade shines so!”

“Denn du, der Schatten schattet zur Gestalt,
Wie formtest schattend Anblick überfroh
Erst hellerm Tag mit größrer Lichtgewalt,
Da schon Dein Schatten blindem Aug scheint so!”

Die Sinne zaudern. Wo beginnen? Welche Richtung nehmen?
Wieder und wieder umhüllen Unschärfen die Gewissheit des Geschauten. Wattig und weich vernebeln sie den Geist. Jedoch – mit sanfter Bestimmtheit lenken sie den Blick hinein in sich mit Klarheit offenbarende Räume. Verlässt uns die Furcht, so spüren wir den Sog. Unser Sehen gleitet wie auf Adlerschwingen jetzt und nah wie fern sind wir. Es gilt, eine Landschaft zu begreifen, die einem inneren Wesen entsteigt. Gespeist aus unbekannten Lebensquellen, genährt und gewachsen an der Zeit. Was sich in großer Ruhe bewegt entfaltet, verhüllt und gibt preis. Das Auge schaut.

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“How would, I say, mine eyes be blessed made
By looking at thee in the living day,
When in dead night thy fair imperfect shade
Through heavy sleep on sightless eyes doth stay!”

“Wie geht mir, sag ich, erst mein Auge ganz
Beseligt auf, wenns Dich im Leben sieht,
Da toter Nacht Dein Schattenwiderglanz
vors blinde Aug so tritt durchs schwere Lid!”

Macht sich Gewissheit breit? Erkenntnis? Schauen wir in das Antlitz dessen, das bleibt, wenn alles vergeht? Es ist die Lebensspur, die jeder zeichnet. Der Hauch des Atems, der uns treibt. Der Puls der Liebe, der in uns wallt. Ist es Wahrheit, die wir dann schauen? Bewegte Stille im lauten Schweigen? Das sanfte Schlagen einer Schwinge, die uns verstehend streift. Wir sehen Sinnlichkeit, die sich beharrend uns verheißt. Alles geboren aus der unergründlichen Tiefe des Himmels und der maßlosen Weite der Zeit. Glänzende Herrlichkeit Arkadiens geronnen und sorgsam bewahrt in jeder Zelle unseres Seins. Umschlossen und geborgen im Geäst des Lebens, Traumgespinsten gleich.

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“All days are nights to see till I see thee,
And nights bright days when dreams do show thee me.”

“Bis ich Dich seh, sind Tage Nächte schier,
Und Nacht wird taghell: scheinst im Traum du mir.”

Das Auge weiß. Legen wir die Masken nieder. Unverhüllter Blick.
Im faltigen Dunkel versprechend das Leben ruft. In hoffender Erwartung es sich dorthin ergießt. Heben wir es auf unsere Schwingen, damit der Schatten weicht.
JOSEFINE RAAB

Andrea Tejeda Korkowski wurde 1983 in Mexiko City geboren. Andrea absolvierte ein Studium im Bereich Kommunikation und Medien an der Universität Iberoamericana, das sie durch zahlreiche nationale und internationale Workshops ergänzte. Seither arbeitete sie als Fotografin und Foto-Editorin für verschiedene Magazine in Mexiko, sowie als Koordinatorin von Foto-Workshops für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen. Ihr fotografisches Werk umkreist die Beziehung zwischen Körper, Vergänglichkeit und die Wechselfälle des Alltäglichen. Ihre Arbeiten wurden von Verlagen wie CONACULTA, Karnac Books und Paradiso editores und in zahlreichen Magazinen wie Tierra Adentro, Letras Libres, Vice, Travel+Leisure publiziert. Sie nahm an Ausstellungen in Mexiko, Chile und Spanien teil, sowie auf den Kunstmessen Zona MACO photo 2015 and FILSA 2016. Zur Zeit studiert sie in einem Master Programm Visuelle Kommunikation. Weitere Informationen & Bilder finden sich auf ihrer Website.

Alle Deutschen & Englischen Zitate aus dem Sonett Nr. 43, von William Shakespeare, Die Sonette, Englisch & Deutsch, Übersetzt von Wolfgang Kaußen, insel taschenbuch 2228, Erste Auflage 1998, Insel Verlag.

gute aussichten deluxe – new german photography beyond the Düsseldorf School ab 27. April 2017 im Museo de la Cancilleria in Mexico City

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Die Ikone des digitalen Bilder-Alltags: Das Kuss-Selfie als fortwährender Daseins-Beweis, ein “Scatter Face” aus der Serie “Expanded Pictures” von Sarah Strassmann

Zugegeben: Wir haben uns viel vorgenommen. Wo geht es hin mit der jungen Fotografie? Welchen Tendenzen, Ideen und Vorbildern spüren die jungen Fotografen nach, welche Arbeitsweisen verfolgen sie im volldigitalen, komplett mobilen Zeitalter?

Die Ausstellung gute aussichten deluxe – junge deutsche Fotografie nach der Düsseldorfer Schule wagt sich an eine Bestandsaufnahme: 22 neue Positionen der gute aussichten Preisträger/innen der Jahre 2004-2015 werden ab Donnerstag, 27. April 2017 im Museo de la Cancilleria in Mexico City (Av. República de El Salvador 47, Centro Histórico, Centro, 06000 Ciudad de México) erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

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Darf’s ein bisschen mehr sein? In diesem Fall wären das dann +20% Magenta und +10% Yellow. Katrin Kamrau macht in ihrer Arbeit „SPEKTRUM*objekt18(portrait)“ die Farbtönung von Fotografien optisch sicht- und köperlich spürbar

Die Ausstellung gute aussichten deluxe – junge deutsche Fotografie nach der Düsseldorfer Schule // new german photography beyond the Düsseldorf School spiegelt den Fortbestand und Wandel des Mediums Fotografie in all seinen Facetten und bietet einen einzigartigen Überblick über eine Generation von jungen Fotografen, die das Primat der Düsseldorfer Schule hinter sich gelassen hat und sich visuell klar in der Gegenwart verortet. So hat sich die zeitgenössische Fotografie vom reinen Abbild längst verabschiedet. Die durch die Düsseldorfer Schule postulierte Objektivität des Bildes ist – trotz oder gerade wegen der anhaltenden Bilderflut auf allen medialen Kanälen – dahin.

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“Hunt & paste” könnten wir die gnadenlose Überführung und beispiellose Verfremdung visueller Marker, Logos, Ikonen und Zeichen in neue Bildkompositionen auch nennen, die Marian Luft in seiner Arbeit “Prosumer Affairs” betreibt

Gesucht und untersucht wird von den jungen Talenten, welche Rolle die Fotografie im medialen Kanon der Bilder spielt und welche neuen Ausdrucks- und Erscheinungsformen man ihr entlocken kann. Ausgehend von den Rändern der etablierten Fotografie erweitert sich so das zeitgenössische Bild in aktuelle mediale Ausdrucksformen. Die jungen Lichtbildner nutzen dafür alle Mittel der digitalen und analogen Bilderzeugung und -umsetzung, bedienen sich unterschiedlicher medialer Strategien ebenso selbstverständlich, wie sie mit Bewegtbildern, Sound und der Malerei hantieren oder sich mit ihren Werken installativ in den Raum bewegen.

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Stilles Leben oder Stillleben? In “Some Flowers” überführt Felix Dobbert das Genre des Stilllebens ganz in das hier und jetzt – geradezu schmerzhafte Ästhetik mit modernen Artefakten im unbenennbaren Raum

Der Themenreigen der teilnehmenden jungen Talente umgreift zudem die Auseinandersetzung mit Architektur, Erinnerung und Erinnerungskonstruktion, klassische Sujets wie Portraits oder Stillleben, untersucht die visuellen Inszenierungstechniken rechter Parteien in Europa oder definiert die klassische Reportage-Fotografie neu. Dabei setzen die Fotografen in einer Zeit, die allgegenwärtig von Fake-News betwittert wird, immer wieder konzentrierte Akzente mit Bildern von überraschender Schlichtheit, Poesie und elementarer Lebensverbundenheit.

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Die Einladungskarte zur Ausstellung mit einem Motiv aus Georg Brückmanns Serie “Kundmanngasse 19″, die die Philosophie des Denkers Ludwig Wittgenstein in irritierend architektonische Bilder übersetzt

gute aussichten deluxe mit ausgezeichneten Werken der Preisträger: Nadja Bournonville, Georg Brückmann, Claudia Christoffel, Monika Czosnowska, Felix Dobbert, Sonja Kälberer, Katrin Kamrau, Kolja Linowitzki, Tamara Lorenz, Marian Luft, Sara-Lena Maierhofer, Thomas Neumann, Nicolai Rapp, Jewgeni Roppel, Rebecca Sampson, Helena Schätzle, Luise Schröder, Sarah Straßmann, Stephan Tillmans, Markus Uhr, Anna Simone Wallinger und Christina Werner von 27. April 2017 bis 16. Juni 2017 im Museo de la Cancilleria in Mexico City. Die Einladungskarte zur Eröffnung & Ausstellung als PDF.

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Wenn das, was in Worten fast nicht beschreibar ist, “Sodade”, in Bildern erzählt werden muss, war Anna Simone Wallinger bestimmt vor Ort

gute aussichten deluxe ist ein gemeinsames Projekt der gute aussichten gGmbH, des Goethe-Instituts Mexico, Mexico City, des Museums des Mexikanischen Aussenminsteriums, dem Museo de la Cancilleria, Mexico City, dem Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg, dem Museum für Fotografie, SMB, Berlin und der Landesvertretung des Bundeslandes Rheinland-Pfalz in Berlin. Weitere Informationen.

“Ein verwirrendes Potenzial” von Julia Steinigeweg bei gute aussichten – new german photography 2016/2017, bis 1. Mai 2017 in den Deichtorhallen Hamburg, ab 27. April 2017 auf Zypern & ab 18. Mai 2017 in Koblenz

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Bis Montag, 1. Mai 2017 ist die Ausstellung gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photographie 2016/2017 in den Deichtorhallen, Haus der Photographie Hamburg zu sehen. Bereits am Donnerstag, 27. April 2017 eröffnet die Ausstellung gute aussichten 2016/2017 in Nicosia, auf der Mittelmeer Insel Zypern ihre Pforten und ab 18. Mai 2017 ist gute aussichten 2016/2017 im Landemuseum Koblenz zu Gast.

Unter der Headline: “Diese Leute sind einsam, doch nicht verrückt” schrieb die Hannoversche Allgemeine Zeitung am 10. März 2017: “Steinigewegs Fotoserie denunziert diese Fetischliebhaber nicht, doch einige Bilder lassen keinen Zweifel daran, dass die Menschen weit mehr als tote Materie in ihren Puppen sehen – sie schmiegen sich an die Ersatzpartner. „Diese Leute sind sicherlich einsam“, sagt die Fotografin, „doch nicht verrückt. Wie Kinder üben sie den menschlichen Umgang an den Puppen. Abgründe des Alltags waren schon immer bevorzugte Motive für Fotoreportagen, doch Julia Steinigeweg bedient nicht den Voyeurismus, sie legt vielmehr eine ästhetische Auseinandersetzung mit ihren Motiven vor.” Die ganze Geschichte steht hier.

In loser Folge stellen wir hier die Arbeiten der sieben jungen Talente, die bei gute aussichten 2016/2017 dabei sind, vor und präsentieren, nach den Preisträgern Miia Autio und Chris Becher, Carmen Catuti, Andreas Hopfgarten, Holger Jenss und Quoc-Van Ninh heute die Fotografin Julia Steinigeweg und ihre Arbeit Ein verwirrendes Potenzial, die in Deutschland entstanden ist.

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Puppen haben eine lange Tradition – im Kinderzimmer wie in der Kunst. Im Kinderzimmer wird spielerisch das Leben an ihnen geübt. In der Kunst dienen sie als Modell, als Artefakt oder Objekt, als Projektionsfläche oder als lebensechte Skulptur. Julia Steinigeweg untersucht ein Phänomen, das irgendwo dazwischen angesiedelt ist: Lebensgemeinschaften mit Puppen – als Partner- oder Kindersatz, möchte man instinktiv hinzufügen und bezweifelt sogleich, ob dies so stimmt. Viele Gründe können Menschen dazu bewegen, ihr Leben mit einem lebensechten, aber nicht lebendigen Gegenüber zu verbringen. Die Rollen zwischen Mensch und Puppe jedenfalls sind klar verteilt. Einerseits. Anderseits stellt sich die Frage, in welche Art der Beziehung ein erwachsener Mensch zu einem leblosen Objekt treten kann und will. Und wie reagieren wir auf ein solches Phänomen? Kinder jedenfalls lieben und hassen ihre Puppen, behandeln sie wie ihresgleichen und benehmen sich ihnen gegenüber manchmal auch sehr schlecht. Also durchaus: “Ein verwirrendes Potenzial”.

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Julia Steinigeweg während der Vorstellung ihres “verwirrenden Potenzials” in den Deichtorhallen, Haus der Photographie Hamburg im März 2017, hat an der Hochschule Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg bei Professor Vincent Kohlbecher studiert und dort 2015 mit ihrer Arbeit “Ein verwirrendes Potenzial” ihren Abschluss gemacht. Weitere Bilder der Serie finden Sie hier.

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gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photography 2016/2017 wird von dem gleichnamigen Katalog (D/E) begleitet, der auf 224 Seiten und im handlichen Readerformat alle sieben Preisträger und ihre Arbeiten ausführlich in Wort und Bild vorstellt. Ausführliche Informationen zum Buch mit einer Leseprobe im freundlichen PDF-Format.

“Tenebrae” von Quoc-Van Ninh bei gute aussichten – new german photography 2016/2017, bis 1. Mai 2017 in den Deichtorhallen Hamburg & ab 27. April 2017 auf Zypern

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Bis Montag, 1. Mai 2017 ist die Ausstellung gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photographie 2016/2017 in den Deichtorhallen, Haus der Photographie Hamburg zu sehen. Bereits am Donnerstag, 27. April 2017 eröffnet die Ausstellung gute aussichten 2016/2017 in Nicosia, auf der Mittelmeer Insel Zypern ihre Pforten. Unter der Headline: “Glaube, Liebe, Herkunft” schrieb DIE ZEIT am 9. März 2017: “Verunsicherung und die Suche nach Identität prägen die Werke der Absolventen deutscher Fotoakademien. Unter den Preisträgern des Nachwuchspreises “Gute Aussichten” ist etwa Quoc-Van Ninh, der in Deutschland aufgewachsen ist, aber in Vietnam – der Heimat seines Vaters – “in die dunkle Welt seines gefühlten Andersseins” eintauchen will.” Die ganze Geschichte steht hier.

In loser Folge stellen wir hier die Arbeiten der sieben jungen Talente, die bei gute aussichten 2016/2017 dabei sind, vor und präsentieren, nach den Preisträgern Miia Autio und Chris Becher, Carmen Catuti, Andreas Hopfgarten und Holger Jenss heute den Fotografen Quoc-Van Ninh und seine Arbeit Tenebrae, die in Vietnam entstanden ist.

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Was aktuell moralisch wie politisch für gehörigen Sprengstoff sorgt und zwischen den verschiedenen Fronten zu einem Granulat aus bizarren An- und Aussprüchen zer-mahlen wird, betrachtet Quoc-Van Ninh in “Tenebrae” trotz seiner inneren Zerrissenheit mit einer gewissen Gelassenheit. Er hat die gratwandlerische Aufgabe, sich zwischen drei verschiedenen Kulturkreisen zu bewegen: Sein Vater ist Vietnamese, seine Mutter aus China und er in Deutschland geboren und aufgewachsen. Es begleite ihn stets ein Gefühl der Fremde, sagt er, und ich möchte ihm zurufen: „Mich auch!“, bin ich mir doch gar nicht so sicher, ob ich stets auf jene Kultur referieren möchte, die qua Geburt und Familienhintergrund nur deutsch ist. Quoc-Van Ninh ist gerade ob dieses Hin-und-her-Geworfenseins ein gelungenes Beispiel dafür, dass Integration immer dann gelingt, wenn nicht verlangt wird, alle „fremden“ kulturellen Wurzeln zu kappen. Die subjektive Verortung ist bisweilen unbestreitbar schwer, aber sie ist integrativer Bestandteil jeder Sozialisation. Es ist gut, Quoc-Van Ninh in die dunkle Welt seines gefühlten Andersseins zu folgen, erzählt sie uns doch in jedem Fall auch etwas über uns selbst.

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Quoc-Van Ninh (mitte), der hier während des Aufbaus der Ausstellung vom Kurator Ingo Taubhorn (rechts) vermessen wird, hat an der Hochschule für Künste Bremen bei Professor Peter Bialobrzeski studiert und dort 2016 mit seiner Arbeit “Tenebrae” seinen Abschluss gemacht. Weitere Bilder der Serie finden Sie hier.

gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photography 2016/2017 wird von dem gleichnamigen Katalog (D/E) begleitet, der auf 224 Seiten und im handlichen Readerformat alle sieben Preisträger und ihre Arbeiten ausführlich in Wort und Bild vorstellt. Ausführliche Informationen zum Buch mit einer Leseprobe im freundlichen PDF-Format.

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Wer hält hier wohl wem die Stange? Die sieben gute aussichten 2016/2017 Preisträger/innen im NRW-Forum Düsseldorf im November 2016. Ihre Arbeiten werden in der Ausstellung gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photography 2016/2017 nach Hamburg dann vom 18. Mai 2017 bis zum 3. September 2017 im Landesmuseum Koblenz, Festung Ehrenbreitstein, zu Gast sein.

“Last Chance Junction” von Holger Jenss bei gute aussichten – new german photography 2016/2017, bis 1. Mai 2017 in den Deichtorhallen Hamburg & ab 27. April 2017 auf Zypern

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Bis Montag, 1. Mai 2017 ist die Ausstellung gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photographie 2016/2017 in den Deichtorhallen, Haus der Photographie Hamburg zu sehen. Bereits am 27. April 2017 eröffnet die Ausstellung gute aussichten 2016/2017 in Nicosia, auf der Mittelmeer Insel Zypern ihre Pforten. Andrea Späth schrieb dazu in der Zeitschrift PHOTOGRAPHIE (Nr. 04/2017) unter der Headline “Blick in die Zukunft”: “Eine besondere Schau bietet das Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg bis zum 1. Mai: Der fotografische Nachwuchs zeigt, was er kann. Es sollen die besten Jungfotografen dieses Landes sein. Und jeder ist eingeladen, die Talente kennenzulernen. Was umtreibt die Jugend? Was sind ihre Zielsetzungen? Ist sie für die Zukunft gerüstet, um die kulturellen und sozialen Errungenschaften einer Leistungsgesellschaft zu erhalten? – Es ist das Privileg der älteren Generation einen kritischen Blick auf die Nachkommenschaft zu werfen. Und was wir dieser Tage im Haus der Photographie der Deichtorhallen in Hamburg zu sehen bekommen, lässt tief blicken … auf ein erfreuliches Potential. Die ganze Geschichte steht hier.

In loser Folge stellen wir hier die Arbeiten der sieben jungen Talente, die bei gute aussichten 2016/2017 dabei sind, vor und präsentieren, nach den Preisträgern Miia Autio und Chris Becher, Carmen Catuti und Andreas Hopfgarten heute den Fotografen Holger Jenss und seine Arbeit Last Chance Junction, die in Ghana entstanden ist und sowohl aus einem äusserst empfehlenswerten, humorvollen Video und Fotografien besteht.

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Ein weißer Europäer fährt nach Afrika – das erweckt in uns Bilder von Forschern und Eroberern, von „Wilden“, denen Kolonialisten Kultur brachten, von Versklavung, Hunger und Krieg, von Dr. Grzimek, Safari und postkolonialer Afrikaromantik. Nichts von alledem hat Holger Jenss aus Ghana mitgebracht, und doch steckt all das in “Last Chance Junction”. „Critical Whiteness“ ist eines der Stichwörter, dem Jenss auf die Spur kommen wollte. Er war in Ghana die Minderheit. Der Weiße, der mit einem Blick nach Afrika kommt, in den unausweichlich all jene Bilder eines Kontinents geflossen sind, der seit der Antike von fremden Mächten heimgesucht wird. So setzt sich Jenss in (selbst)ironischer Weise mit diesen Sedimenten unseres kollektiven (Bild-)Gedächtnisses auseinander und nimmt dabei nicht nur seine eigene kulturelle Aneignung, sondern auch die kuriose Verinnerlichung der weißen Kultur seitens der Afrikaner aufs Korn.

Ein Fotograf und Filmemacher mit schauspielerischen Talenten: Holger Jenss – hier ehrerbietig vor Motiven aus Carmen Catutis Arbeit “Marmarilo” kniend, im März 2017 im Haus der Photographie, Deichtorhallen – hat an der Kunsthochschule Kassel bei den Professoren Bernhard Prinz und Jan Peters studiert und dort 2016 mit seinem Werk “Last Chance Junction” seinen Abschluss gemacht. Weitere Bilder seiner Serie finden Sie hier.

gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photography 2016/2017 wird von dem gleichnamigen Katalog (D/E) begleitet, der auf 224 Seiten und im handlichen Readerformat alle sieben Preisträger und ihre Arbeiten ausführlich in Wort und Bild vorstellt. Ausführliche Informationen zum Buch mit einer Leseprobe im freundlichen PDF-Format.

“Die Weltesche Yggdrasil …” von Andreas Hopfgarten bei gute aussichten – new german photography 2016/2017, bis 1. Mai 2017 in den Deichtorhallen Hamburg

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Bis Montag, 1. Mai 2017 ist die Ausstellung gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photographie 2016/2017 in den Deichtorhallen, Haus der Photographie Hamburg zu sehen. Katja Engler schrieb dazu im Hamburger Abendblatt am 10. März 2017: “Das Beste, was Deutschlands meist noch unbekannte Absolventen im Bereich Fotografie zu bieten haben, ist jetzt bis zum 1. Mai im Haus der Photographie zu sehen, … Die Höhepunkte: Herausragend sind die Arbeiten der beiden Hamburger Absolventen Julia Steinigeweg und Andreas Hopfgarten.” Die ganze Geschichte steht hier.

In loser Folge stellen wir hier die Arbeiten der sieben jungen Talente, die bei gute aussichten 2016/2017 dabei sind, vor und präsentieren, nach den Preisträgern Miia Autio und Chris Becher und Carmen Catuti heute den Fotografen Andreas Hopfgarten und seine umfangreiche Serie Die Weltesche Yggdrasil oder die Suche nach einer verlorenen Erinnerung, die hauptsächlich in Hamburg und Umgebung entstanden ist.

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Aus Briefen, Dokumenten, Erzählungen, Fotos und anderen Fundstücken konstruierte Andreas Hopfgarten‚ “die verlorene Erinnerung” seiner Familie aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und unmittelbar danach. Ein hybrides Puzzle mit vielen Leerstellen, das er, einem Archäologen gleich, Stück für Stück ausgräbt, zusammensetzt und mit eigenen Bildern und Objekten füllt. Hopfgartens Vorgehensweise kann als exemplarisch gelten, speist sich unsere Erinnerung doch aus einer Vielzahl von Bruch- und Versatzstücken gelebten Lebens. Sich erinnern ist nie ein faktischer Akt, sondern ein Hineintauchen in die Sedimente unserer Seele. Dorthin, wo wir Angst, Freude, Glück, Liebe, Schmerz und Verlust vergraben, alles Erlebte speichern wie in einer Blackbox. Ein Geruch, ein Klang, ein Bild vermögen diese Box zu öffnen und uns zu vergegenwärtigen, dass Erinnerungen tief verwurzelt sind in unserem Sein ­– wie die “Weltesche Yggdrasil”, der Weltenbaum, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft umgreift.

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Andreas Hopfgarten (links) – hier bei der Präsentation seiner Arbeit “Die Weltesche Yggdrasil oder die Suche nach einer verlorenen Erinnerung” im Haus der Photographie, Deichtorhallen, im März 2017, zusammen mit dem Kurator des Hauses Ingo Taubhorn (rechts) und der Gründerin von gute aussichte, Josefine Raab (mitte) – hat an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg bei den Professorinnen Gesa Lange und Linn Schröder studiert und dort 2016 mit der “Weltesche Yggdrasil” seinen Abschluss gemacht. Weitere Bilder der umfangreichen Serie finden Sie hier.

gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photography 2016/2017 wird von dem gleichnamigen Katalog (D/E) begleitet, der auf 224 Seiten und im handlichen Readerformat alle sieben Preisträger und ihre Arbeiten ausführlich in Wort und Bild vorstellt. Ausführliche Informationen zum Buch mit einer Leseprobe im freundlichen PDF-Format.

“Marmarilo” von Carmen Catuti bei gute aussichten – new german photography 2016/2017, bis 1. Mai 2017 in den Deichtorhallen Hamburg

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Bis Montag, 1. Mai 2017 ist die Ausstellung gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photographie 2016/2017 in den Deichtorhallen, Haus der Photographie Hamburg zu sehen. Jana Werner schrieb dazu in der WELT vom 10. März 2017: “Das Haus der Photographie zeigt abermals prämierte Nachwuchsstars. Die Schau ist eine bildgewaltige Annäherung an das Eigene, das Fremde, das Tabuisierte.” Die ganze Geschichte steht hier.
In loser Folge stellen wir hier die Arbeiten der sieben jungen Talente, die bei gute aussichten 2016/2017 dabei sind, vor und präsentieren, nach den Preisträgern Miia Autio und Chris Becher heute die Fotografin Carmen Catuti und ihre Serie Marmarilo, die in Georgien entstanden ist.

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Marmor, Gold, Samt und Seide sind Materialien, die in sakralen Kontexten zur Inszenierung von Heiligkeit und Spiritualität dienen. Ihre Kostbarkeit illustriert göttliche Allmacht und Präsenz. Hinzu gesellt sich ein Kanon von Formen, Gesten und Haltungen, der sich im Lauf der Jahrhunderte in der christlichen Bildpraxis etabliert hat. Auf dieses Dreigespann aus Material, Geste und Form referiert “Marmarilo” (georgisch für Marmor). Gegliedert in zwölf Werkgruppen, befragt, zitiert und interpretiert Carmen Catuti die Zeichensprache religiöser Repräsentanz. So schimmert das Blau als Verweis auf das Göttliche im Bildnis einer jungen Frau, in einem Faltenwurf, im Abdruck einer Ikone oder als Dekor für liturgische Artefakte. Gegenspieler ist das Rot, in der Bibel die Farbe für Sünde und Sühne, verknüpft mit Strafe, Krieg und Tod. Im Rot schließt sich der Kreis, ganz im bildhaften Sinne des Wortes – als Metapher und als Versprechen des Ewigen.

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Carmen Catuti (rechts) – hier bei der Präsentation ihrer Serie “Marmarilo” im Haus der Photographie, Deichtorhallen, im März 2017, zusammen mit dem Kurator des Hauses Ingo Taubhorn (mitte) und der Gründerin von gute aussichte, Josefine Raab (links) – hat an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Professorin Tina Bara und Anna Voswinckel studiert und dort 2016 mit “Marmarilo” ihren Abschluss gemacht. Alle Bilder der Serie finden Sie hier.

gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photography 2016/2017 wird von dem gleichnamigen Katalog (D/E) begleitet, der auf 224 Seiten und im handlichen Readerformat alle sieben Preisträger und ihre Arbeiten ausführlich in Wort und Bild vorstellt. Ausführliche Informationen zum Buch.

Die “Boys” von Chris Becher bei gute aussichten – new german photography 2016/2017, bis 1. Mai 2017 in den Deichtorhallen Hamburg

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Bis Montag, 1. Mai 2017 ist die Ausstellung gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photographie 2016/2017 in den Deichtorhallen, Haus der Photographie Hamburg zu sehen. Auch wenn die Hamburger Morgenpost aus gute aussichten 2016/2017 inzwischen die “Neue Deutsche Foto-Welle” (13.03.2017) gemacht hat, sollten wir die Ernsthaftigkeit, mit der sich die jungen Fotgraf/inn/en ihren Aufgaben gewidmet haben, nicht unterschätzen. Sieben Preisträger kürte die Jury, zu der u.a. die renommierte Fotografin Herlinde Koelbl, der Art Director Mario Lombardo, der Kurator des Hauses der Photographie Ingo Taubhorn, die Bildchefin des Magazins NEON, Amélie Schneider, die Kunstwissenschaftlerin und -journalistin Wibke von Bonin und die Gründerin von gute aussichten, Josefine Raab gehörten.

In loser Folge stellen wir hier die Arbeiten der sieben jungen Talente, die bei gute aussichten 2016/2017 dabei sind, vor und präsentieren, nach Miia Autio, heute den Fotografen Chris Becher und seine Serie Boys, die in Köln und Umgebung entstanden ist.

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Um vorgefertigte Bilder und klischeebehaftete Meinungen geht es in “Boys” von Chris Becher. Dieses Sujet ist ein besonderes Minenfeld, denn Menschen, die professionell ihren Körper anbieten, umgibt in der Vorstellung der „Normalbürger“ ein schmuddeliges, zwiespältiges Image. Es ist schnell die Rede von einem halbseidenen Milieu mit zwielichtigen Protagonisten. Dabei handelt es sich um ein Gewerbe, das so alt sein dürfte wie die Welt. Je nach kulturhistorischem, politischem oder religiösem Kontext schwankt die öffentliche Meinung zwischen Akzeptanz, Ablehnung, Kriminalisierung oder Verfolgung. All dieses hat Chris Becher mit seiner fotografischen Feldstudie elegant umschifft.
Indem er uns männliche Sexarbeiter auf gleicher Augenhöhe in sachlichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigt, lenkt er unseren Blick auf die Menschen, die im Fokus seiner Untersuchung stehen. Und indem er jegliche Bewertung bewusst vermeidet, öffnet er auch unseren Blick für eine wertfreie Betrachtung.

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Chris Becher, hier bei der Präsentation seiner Arbeit in den Deichtorhallen, Haus der Photographie Hamburg, wo er über die Gleichwertigkeit seiner Bild- und Texttafeln spricht, hat an der Kunsthochschule für Medien in Köln bei Professorin Beate Gütschow studiert und dort 2016 mit “Boys” seinen Abschluss gemacht. Alle Bilder der Serie finden Sie hier.

Die Ausstellung wird begleitet von dem Begegnungs- & Kommunikations-Forum für junge Fotografen, der gute aussichten_plattform8: WHERE?!, die vom 23.-26. März 2017 in den Deichtorhallen stattfindet und von über 50 hochkarätigen Fotografie-Experten, -Lieberhabern & -Profis bestritten wird. Das Programm & mehr Infos.

gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photography 2016/2017 bis 1. Mai 2017 in den Deichtorhallen, Haus der Photographie Hamburg

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Donnerstag, 9. März 2017, 20 Uhr, Hamburg: Josefine Raab, die Erfinderin & Gründerin von gute aussichten, laut dem Magazin DER SPIEGEL “Deutschlands renommiertester Wettbewerb für junge Fotografie” (22.01.2009), eröffnet im Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg die Ausstellung gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photography 2016/2017 und führt vor den zahlreichen Vernissagegästen in die ausgezeichneten Arbeiten der sieben Preisträger/innen ein.

Die Auseinandersetzung mit dem Eigenen, dem Fremden und dem Fremden als Teil von sich selbst scheint das unabgesprochene, übergeordnete Thema von gute aussichten 2016/2017 zu sein. Die Ausstellung des wichtigsten deutschen Nachwuchspreises für Absolventen von Fotografiestudiengängen präsentiert alle Arbeiten der sieben Preisträger. Es werden über 280 Motive, sechs Videos, drei Publikationen, zwei Diaprojektionen, ein Buch und erstmals 78 laubgesägte Holzbäume, ein Duschvorhang und ein Baum aus Papier und Tusche als Objekt gezeigt.

In loser Folge stellen wir hier die Arbeiten der sieben jungen Talente, die bei gute aussichten 2016/2017 dabei sind, vor und beginnen heute mit der Fotografin Miia Autio und ihrer Serie Variation of White, die in Tansania entstanden ist.

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Dunkelhäutige Frauen und Männer in bunter Kleidung bevölkern die Porträts von Miia Autio und verorten diese Menschen in unserem westlichen Blick nahezu instinktiv in Afrika. Irritation erregt jedoch sofort ein roter Punkt an der immer gleichen Stelle. Auch die röntgenartige Optik, die sich in „unser“ Bild drängt, signalisiert, dass unser Eindruck und der wahre Bildgegenstand vielleicht nicht übereinstimmen. Denn nicht das Positiv, sondern das Negativ wurde für den Abzug verwendet. Und dieses sorgt dafür, dass wir schwarze Menschen sehen, die in Wirklichkeit weiß sind. Ein genetischer Defekt hat aus ihnen Albinos gemacht, was in Tansania mit dem Glauben an magische Kräfte verknüpft ist und die Betroffenen zu Außenseitern der Gesellschaft stempelt. So behandelt “Variation of White” in erster Linie das sub­jektive Sehen und das Entstehen von Bildern in unserem Kopf, das nach vergleichbaren Mustern abläuft wie die Bildung von Vorurteilen.

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Die Finnin Miia Autio, hier bei der Präsentation ihrer Arbeit in den Deichtorhallen, hat an der Fachhochschule Bielefeld bei den Professorinnen Katharina Bosse und Dr. Anna Zika studiert und dort 2016 mit “Variation of White” ihren Abschluss gemacht. Alle Bilder der Serie finden Sie hier.

Die Ausstellung wird begleitet von dem Begegnungs- & Kommunikations-Forum für junge Fotografen, der gute aussichten_plattform8: WHERE?!, die vom 23.-26. März 2017 in den Deichtorhallen stattfindet und von über 50 hochkarätigen Fotografie-Experten, -Lieberhabern & -Profis bestritten wird. Das Programm & mehr Infos.