Das Schwingen beim Betrachten. Über die Arbeiten von Henrik Spohler.

 

Lagerung von Leercontainern in Bilbao. (Henrik Spohler: In Between).

Lagerung von Leercontainern in Bilbao. (aus: Henrik Spohler. In Between)

 

Eine der interessantesten Positionen in der deutschen Fotografie nimmt seit Jahren Henrik Spohler ein. Den Fotografen beschäftigen die -im wahrsten Sinn des Wortes- weltumspannenden Themen, die wir zwar immer wieder politisch debattieren, von denen wir aber dennoch nur vage bildliche Vorstellungen entwickeln. Henrik Spohler recherchiert intensiv und versucht schließlich, für seine Absichten eine visuelle Entsprechung an den ausgesuchten Orten zu finden. Ein eigenartiger Effekt entsteht beim Betrachten der Ergebnisse: Seine artifiziellen Ansichten sind anregend und fordern uns zugleich intellektuell heraus.  ”Es dreht sich darum, das Wissen des Betrachters zum Schwingen zu bringen,” sagt Henrik Spohler. Genau das gelingt ihm immer wieder.

Mit welchen Inhalten beschäftigst Du Dich in Deinen vier Werkgruppen, die in Ausstellungen gezeigt und auch als Bücher erschien sind – und nun das erste Mal als Gesamtschau zur Triennale der Photographie zu sehen sein werden?

Seit dem Jahr 2000 beschäftige ich mich mit aktuellen oder zukünftigen Themen unserer Gesellschaft in Bezug auf die moderne wirtschaftliche Globalisierung. Ob das nun mein erstes Projekt „0/1 Dataflow“ war, das die technischen Infrastrukturen eines neu entstehenden Informationszeitalters zeigt. Oder die Bilder von antiseptisch wirkenden Hight-Tech Fabriken in „Global Soul“, die Fragen nach einer radikal veränderten Arbeitswelt stellen. Oder „The Third Day“, wo ich unserem verklärt, romantischem Landschaftsbild die Vision von endlosen Agrarindustrien entgegenstelle.

 

Hafeninsel Yangshan. Zufahrt Containerterminals. (aus: Henrik Spohler. In Between).

Hafeninsel Yangshan. Zufahrt Containerterminals. (aus: Henrik Spohler. In Between).

 

Sind das nicht Themen, die man präziser in bewegten Bildern fassen könnte?

Ich verfolge ja keinem journalistischen Ansatz. Meine Projekte sind eher als Untersuchungen zu aktuellen Themenfeldern zu verstehen. Es geht mir gerade darum, Gewissheiten zu vermeiden. Dabei bewegen sich meine Fotografien auf einem Grat zwischen realen Orten, die ich aufgesucht habe und meiner bildlichen Erzählung. Ich nutze die Fotografie, um eine Balance zwischen dokumentarischen und imaginären Aspekten herzustellen. Die Bilder einer Serie sind bei aller Klarheit weder inhaltlich, zeitlich noch räumlich eindeutig einzuordnen.

Zur Triennale zeigst Du deine neue, bisher unveröffentlichte Arbeit „In between“. Worum geht es da?

Im Grunde geht es um die fast schon absurde Omnipräsenz von Waren – als ein Zeichen der Globalisierung. Wer heute online ein Paar Pantoffeln bestellt, findet sie bereits morgen vor der eigenen Haustür. Egal, ob sie in Taiwan oder Südtirol hergestellt wurden. Waren, Rohstoffe und Industriegüter sind nahezu überall und zu jeder Zeit verfügbar. Die weltumspannende Logistik ist zum Rückrat von Wirtschaft geworden. Das Projekt untersucht Orte des Transits. Schnittstellen der Logistik wie Häfen und Frachtflughäfen, oder Anlagen und Areale, die sich entlang von Handelswegen gebildet haben. Gebiete, die nur dem wirtschaftlichen Funktionieren entsprechen. Orte, die isoliert betrachtet keinen Hinweis auf Länder oder Kontinente geben. Die Fotografien zeigen die Rückseiten industrieller Produktion und wirtschaftlichen Handelns. Es entstehen fiktional anmutende Motive von namenlosen Gebiet.

 

Autoverladung Emden. (aus: Henrik Spohler. In Between).

Autoverladung Emden. (aus: Henrik Spohler. In Between).

 

Henrik Spohler, Jahrgang 1965 studierte an der Folkwangschule/Universität Essen. Spohlers vielfach ausgezeichnete Arbeiten sind in öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten. Er unterrichtet als Professor an der HTW Berlin im Studiengang Kommunikationsdesign. Henrik Spohler lebt in Hamburg und Berlin.

 

Distributionsanlage für Pakete am Flughafen Köln-Bonn. (aus: Henrik Spohler. In Between).

Distributionsanlage für Pakete am Flughafen Köln-Bonn. (aus: Henrik Spohler. In Between).

 

Die Ausstellung  ”When Millenium Begins” wird vom 18.06. bis 28.06.2015 anlässlich der Photo Triennale in der Barlach Halle K in Hamburg gezeigt. Neben der Ausstellung in Hamburg werden Henrik Spohlers Arbeiten dieses Jahr auch auf dem Fotofestival Mannheim Ludwigshafen Heidelberg präsentiert.

Weitere Infos:

http://www.henrikspohler.de

http://www.phototriennale.de/exhibitions/when-millennium-begins/

 

19Aug 2017Write a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *