Buchschutz: Do it yourself!

Fotobücher zu sammeln ist ein Vergnügen, das neben Engagement, Zeit und etwas Geld vor allem Strategien erfordert: Was interessiert mich, wo finde ich es, wieviel möchte ich dafür anlegen, wie werde ich die Schätze irgendwann wieder los? Da es sich oft um wertvolle Stücke handelt, sollen hier kurz und knapp einige Fragen der Werterhaltung im Mittelpunkt stehen.

Beim Kauf oder Verkauf ist der Zustand eines Buches bei der Preisfindung immer ein wichtiges Kriterium: gut erhaltene und vollständige Exemplare sind begehrter und damit teurer als andere. Es kommt dabei sicherlich auch auf die Auflagen und Ausgaben an, aber bleiben wir bei den Zuständen. Diese werden im internationalen Handel mit englischen Begriffen anders klassifiziert als es die wörtlichen Übersetzungen nahelegen: mint = neuwertig, fine = sehr gut (minimale Gebrauchsspuren), near fine = annähernd sehr gut (leichte Gebrauchsspuren), very good = gut (normale Gebrauchsspuren), good = befriedigend (deutliche Gebrauchsspuren), fair = schlecht, poor = sehr schlecht.

Bücher mit Zuständen unter very good oder ohne Schutzumschlag, ehemalige Bibliotheksexemplare, Bücher mit Wasserschäden oder in modernisierten Einbänden sollte man nur dann kaufen, wenn es wirklich kein anderes Angebot gibt oder es sich um sonst sehr teure oder extrem seltene Werke handelt. Vielleicht kann man diese ja irgendwann gegen bessere Exemplare eintauschen.

Entwertet, aber erschwinglich: ein ehemaliges Bibliotheksexemplar

Entwertet, aber erschwinglich: ein ehemaliges Bibliotheksexemplar

Weitere Sonderausstattungen von Büchern sind Schuber, werbende Banderolen (= Obi, Bellyband, Bauchbinde) und Beilagen wie Lesezeichen, Prospekte, Postkarten oder Schallplatten. Für solche Extras ist in jedem Fall mit einem Aufpreis zu rechnen. Ob man einen neutralen Transportschuber aus Graupappe unbedingt braucht, mag dahingestellt sein. Für einen bedruckten Schuber, der an die Stelle eines Schutzumschlags tritt, sieht das wieder anders aus. Schutzumschläge gehören zum Buch dazu; sie sind sozusagen als Gesicht eines Buches oft ausdrucksstark gestaltet.

Rarität: Verlagsprospekt

Rarität: Verlagsprospekt

Es gibt noch immer Leute, die Schutzumschläge, Banderolen oder Schuber nach Kauf eines Buches sofort entsorgen. Bibliotheken machen das schon immer so, denn durch die Benutzung leiden die fragilen Umhüllungen und erlauben auch nicht, Nummern und Aufkleber sicher zu verankern. Oft sind Bibliotheksexemplare unsensibel, aber stabil neu gebunden. Für private Besitzer gilt jedenfalls: Soweit vorhanden Umschläge, Schuber etc. unbedingt am Buch belassen!

Grundausstattung: Falzbein, Pinsel, Japanpapier, Radierschwamm, Buchschutzfolie

Grundausstattung: Falzbein, Pinsel, Japanpapier, Radierschwamm, Buchschutzfolie

Dass man wertvolle Bücher nicht im muffigen Kellern oder im direkten Sonnenlicht aufbewahrt, dürfte jedem einleuchten. Was aber kann man zum Schutz der bei älteren Büchern oft schon lädierten Umschläge und Einbände tun? Lose Schutzumschläge lassen sich sehr einfach sichern, indem man sie mit archivfeste Buchschutzfolien oder -doppelfolien umhüllt. Diese müssen unbedingt aus alterungsbeständigem Material hergestellt sein und dürfen keine negativen Auswirkungen auf die eingelegten Umschläge haben. Es gibt klare Polyester- (bzw. Mylar-)Folien in unterschiedlichen Stärken, die man (nach Ausmessen und vorherigem Falzen!) um Einbände oder Schutzumschläge legen kann. Vorteil dieser sogar mit UV-Schutz erhältlichen Folien ist, dass man immer auch die (offen bleibende) Rückseite des Schutzumschlags sehen kann. Nachteil ist eine geringere Stabilität. Selbstverständlich wird die Folie nur lose umgeschlagen und am oder im Buch NICHT festgeklebt! Folien, die an der oberen Kante mittels eines konservatorisch unbedenklichen Klebers mit einem rückseitigen Archivpapier verbunden sind, bieten für die eingelegten Schutzumschläge einen noch besseren mechanischen Schutz. An der unteren Kante wird der überstehende Rand umgelegt und die Umschlagstelle mit einem Falzbein geglättet und gefalzt. Bei Bedarf kann man den umgelegten Teil mit etwas Archivklebeband fixieren. Es gibt auch Produkte, bei denen bereits ein Klebestreifen eingearbeitet ist, was die Sache vereinfacht. Diese Materialien sind nur für Schutzumschläge geeignet, die damit optimal gegen Einreißen und Bereiben (beim Entnehmen aus dem Regal passiert das schnell!) gesichert sind. Nachteil: wenn man die Umschläge zum Beispiel zum Fotografieren wieder entnehmen möchte, muss man das ganze „Sandwich“ wieder auseinandernehmen. Außerdem wird ein prüfender Blick auf die Rückseite des Schutzumschlags durch das Rückseitenpapier der Schutzhülle erschwert. Dieser Blick wird freilich nur beim Kauf oder Verkauf des Buches nötig sein. Vorbeugend lohnt es sich, auch nagelneue Bücher in (selbstverständlich reversible) Archivfolie zu hüllen. Gute Buchhändler und Antiquare machen das schon lange so, denn das minimiert die Spuren, die Interessenten beim Blättern im Laden oder auf Festivals hinterlassen.

Schutzumschlag falsch geklebt: Transparentband vergilbt

Schutzumschlag falsch geklebt: Transparentband vergilbt

Schutzumschlag falsch geklebt: nassklebendes Paketklebeband verhinderte immerhin größere Schäden, müsste aber entfernt werden

Schutzumschlag falsch geklebt: nassklebendes Paketklebeband verhinderte immerhin größere Schäden, müsste aber entfernt werden

Schutzumschlag lädiert: Restaurierung wäre möglich und sinnvoll

Schutzumschlag lädiert: Restaurierung wäre möglich und sinnvoll

Puristen mögen keine restaurierenden Maßnahmen an ihren Büchern und Schutzumschlägen. Auch ohne speziell ausgebildeten Papierrestaurator kann man aber noch ein paar weitere Handgriffe selbst ausführen. Staub auf Einbänden lässt sich mit speziellen Radiergummis oder Radiergranulaten entfernen. Normale Radiergummis lieber nicht verwenden, sie sind meist zu hart und manchmal auch gefärbt! Lose sitzender Staub lässt sich einfach mit einem weichen Pinsel beseitigen. Verschmutzung auf versiegelten bzw. laminierten Oberflächen von Einbänden oder Umschlägen lassen sich vorsichtig mit Wattestäbchen entfernen, die, je nach Charakter des Schmutzes, mit ein wenig destilliertem Wasser oder mit einem selbstverständlich farblosen Lösungsmittel getränkt sind. An einer unauffälligen Stelle unbedingt vorher testen! Muffige Gerüche, die alte Bücher wegen zu feuchter Lagerung oft verströmen, werden (fälschlicherweise) von Antiquaren oft nicht als Mangel angesehen, stören aber sehr. Lavendelblüten oder frisch gemahlener Kaffee, für einige Zeit zuammen mit dem Buch in einer verschlossenen Plastiktüte aufbewahrt, helfen, das Odeur zu mildern. Da meist der ganze Buchblock übel riecht, wird man mit dieser Einfachmethode keine wirklich guten Ergebnisse erzielen. Für hartnäckig Muffelndes gibt es aber ein fertig konfektioniertes Buchdeo-Granulat, dessen zwei Wochen währende Anwendung ich aber noch nicht ausprobiert habe.

Einrisse in einzelnen Seiten des Buches lassen sich mit dem feinsten, aus fast transparentem Papier bestehenden Archivklebeband schließen. Für Risse in Schutzumschlägen verwendet man dünnstmögliches, langfaseriges Japanpapier, dass man vorzugsweise reißt (und nicht schneidet) und so sparsam wie möglich verwendet. Obacht: Viele Sammler tolerieren solche Eingriffe nicht! Der Umschlag mag nach dem Kleben besser aussehen, aber er ist dann vielleicht weniger wert. Ob man Umschläge als Faksimile mitbestellt oder anfertigen lässt, ist Geschmackssache. Es geht nichts über ein Original, aber das hat oft seinen Preis: Der berühmte und begehrte, doppelseitig bedruckte und wendbare Schutzumschlag für E.O. Hoppés Buch Deutsche Arbeit (1930) potenziert den Wert des eigentlichen Buches – da kommt man schnell in Versuchung, es mit einem Reprint zu versuchen.

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Die Restaurierung war schwierig: der doppelseitig verwendbare Schutzumschlag von E.O. Hoppés Buch

Die Restaurierung war schwierig: der doppelseitig verwendbare Schutzumschlag von E.O. Hoppés Buch

Wenn ein Buch größere Schäden hat wie Flecken, eine ausgeleierte Bindung, lose Seiten, Löcher oder ähnliches, sollte man diese von Anfang an tolerieren oder das Buch erst gar nicht erst anschaffen. Wenn beides keine Lösung ist und das Buch einen gewissen Wert hat, kann man ein solches Stück einem speziell ausgebildeten Restaurator anvertrauen. Das wird seinen Preis haben, dafür kann man sich aber wieder an dem Buch erfreuen und in die Hand nehmen, ohne Schäden zu befürchten. Aber: Eine professionelle Restaurierung mit Erhöhung des Nutzwerts kann den Verkaufswert des Buches – entgegen der Erwartungen des stolzen Besitzers! – durchaus schmälern. Das kommt freilich auf den Einzelfall an und es gibt dazu keine allgemeingültigen Richtwerte.

Materialien wie Buchschutzfolien, Radiermittel, Klebe- und Japanpapier sind bei Fachhändlern für Restaurierungs- und Archivierungszubehör zu bekommen. In Kassel sitzt einer der wenigen Händler in Deutschland, der auf solche Nachfragen eingestellt ist.