Nadine Ethner

Nadine Ethner, an artist and photographer based in Berlin, was born in Germany in 1975 and studied at Burg Giebichenstein University of Art and Design in Halle, Germany and at the Academy of Fine Arts in Rome, Italy. After finishing her art degree in Germany she spent seven years in Rome, where she held lectures and workshops about photography and collaborated with international artists on various interactive projects. Travel in Europe, India, Japan, North Africa and Turkey during the same period exerted a strong, lasting influence on her visual language. This diversity of experience resulted in numerous group and solo shows in various galleries, institutions and foundations. In 2007 she moved to Berlin, where she and other international artists and photographers co-founded the exhibition space exp12 / exposure twelve in 2010. In 2016 she founded VTph Visual Thoughts – an online magazine and platform from which she presents international artistic positions in photography and discusses the following essential question: What do they do to us, these photographs that describe, narrate and interpret time and our world with such great complexity? www.vt-ph.com

Nadine Ethner, an artist and photographer based in Berlin, was born in Germany in 1975 and studied at Burg Giebichenstein University of Art and Design in Halle, Germany and at the Academy of Fine Arts in Rome, Italy. After finishing her art degree in Germany she spent seven years in Rome, where she held lectures and workshops about photography and collaborated with international artists on various interactive projects. Travel in Europe, India, Japan, North Africa and Turkey during the same period exerted a strong, lasting influence on her visual language. This diversity of experience resulted in numerous group and solo shows in various galleries, institutions and foundations. In 2007 she moved to Berlin, where she and other international artists and photographers co-founded the exhibition space exp12 / exposure twelve in 2010. In 2016 she founded VTph Visual Thoughts – an online magazine and platform from which she presents international artistic positions in photography and discusses the following essential question: What do they do to us, these photographs that describe, narrate and interpret time and our world with such great complexity? www.vt-ph.com

STRRR TV

Emil Schult / © Photo: Max Dax

Emil Schult / © Photo: Max Dax

Season 1 Episode 6: Emil Schult

Friederike von Rauch / © Photo: Luci Lux

Friederike von Rauch / © Photo: Luci Lux

Season 3 Episode 7: Friederike von Rauch

Hans Ulrich Obrist / © Photo: Luci Lux

Hans Ulrich Obrist / © Photo: Luci Lux

Season 2 Episode 6: Hans Ulrich Obrist

Sven Marquardt / © Photo: Luci Lux

Sven Marquardt / © Photo: Luci Lux

Season 3 Episode 4: Sven Marquardt

Yasmine Hamdan / © Photo: Luci Lux

Yasmine Hamdan / © Photo: Luci Lux

Season 4 Episode 8: Yasmine Hamdan

Intro

Ehrlich, direkt, klar und mit großer Offenheit geben verschiedene Künstler Einblicke in ihre Welt, immer dem schöpferischen Prozess auf der Spur. Manchmal kommen sie selbst neuen Einsichten näher, anderes verschwindet in der Erinnerung. STRRR TV zeigt emotionale Episoden, die alle Sinne wachrütteln.

Sorgfältig kuratierte und ausgewählte Episoden von Künstlern verschiedener Genres – Newcomer und Stars – erzählen unabhängig voneinander über ihre Einflüsse, über Bilder und Filme, die sie gesehen, Musik, die sie gehört und Begegnungen, die sie berührt haben. Einem Selbstportrait gleich offenbaren die Protagonisten Teile ihres Innenlebens und geben insights, die verblüffend und zum Teil überraschend sind, aber immer als ein weiteres Puzzleteil ihrer Persönlichkeit zu betrachten sind. Bekannte Künstler wie Emil Schult, Friederike von Rauch, Sven Marquardt und Yasmine Hamdan und wichtige Kuratoren wie Hans Ulrich Obrist öffnen sich ihrem Gegenüber.

STRRR TV wurde vor einem Jahr im Frühjahr 2017 von Daniel Brandt gegründet und besteht nun aus einer Crew von 4 bis 5 Partnern: Max Dax, der als Chefredakteur die Ideen mit beisteuert, die Protagonisten interviewt und das Team koordiniert. Er war zuvor Chefredakteur sowohl beim Spex Magazin (2007 bis 2010) als auch bei Electronic Beats, ein Magazin der Deutschen Telekom (2011 bis 2014). Dem Team von STRRR gehören neben Daniel Brandt und Max Dax außerdem auch Philip L., Oskar Rough und Luci Lux an. Music, art, film, fashion and inspiration – das könnte der rote Faden sein, der alle auftretenden Künstler verbindet, die in jeweils einer Episode von ihren Einflüssen berichten. Sensibel geschnitten und kuratiert scheinen die fast einstündigen Videoclips aus einer Ära zu kommen, die ohne Werbung auskam und den puren Charakter der Sendung – der Ausstrahlung – übermittelte. Jedes Video ist ein eigens abgeschlossenes künstlerisches Werk, das ohne die Kooperationen mit Producer, Künstler und Redakteur so nicht möglich wäre.

Damit verabschiede ich mich vom Hatje Cantz fotoblog. Herzlichen Dank an Hatje Cantz, es war mir ein Vergnügen!

And now: Enjoy STRRR TV!

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STRRR

www.strrr.tv

Axel Hütte “Imperial – Majestic – Magical“ & “Unterwegs – in der Ferne“

© Axel Hütte, Raucheck, Österreich / Austria, 2011, Pigmentdruck / Pigment print (Ditone), 135 × 165 cm, Courtesy Galerie Nikolaus Ruzicska, Salzburg, Foto / Photo: Axel Hütte

© Axel Hütte, Raucheck, Österreich / Austria, 2011, Pigmentdruck / Pigment print (Ditone), 135 × 165 cm, Courtesy Galerie Nikolaus Ruzicska, Salzburg, Foto / Photo: Axel Hütte

© Axel Hütte, Ortler, Österreich, 2012, Ortler, Italien / Italy, 2012, Pigmentdruck / Pigment print (Ditone), 110 × 140 cm, Courtesy Galerie Nikolaus Ruzicska, Salzburg , Foto / Photo: Axel Hütte

© Axel Hütte, Ortler, Österreich, 2012, Ortler, Italien / Italy, 2012, Pigmentdruck / Pigment print (Ditone),
110 × 140 cm, Courtesy Galerie Nikolaus Ruzicska, Salzburg , Foto / Photo: Axel Hütte

© Axel Hütte, Furkablick, Schweiz, 1994, Furkablick, Schweiz / Switzerland, 1994, C-Print, 187 x 213 cm, Foto / Photo: Axel Hütte

© Axel Hütte, Furkablick, Schweiz, 1994, Furkablick, Schweiz / Switzerland, 1994, C-Print, 187 x 213 cm, Foto / Photo: Axel Hütte

© Axel Hütte, Seitenstetten, Bibliothek-1 / Library-1, 2017, Glasdruck / Glass print, 58 x 69 cm, Foto / Photo: Axel Hütte

© Axel Hütte, Seitenstetten, Bibliothek-1 / Library-1, 2017, Glasdruck / Glass print, 58 x 69 cm, Foto / Photo: Axel Hütte

© Axel Hütte, Altenburg, Bibliothek, 2017, Altenburg, Bibliothek / Library, 2017, Glasdruck / Glass print,  205 x 150 cm, Foto / Photo: Axel Hütte

© Axel Hütte, Altenburg, Bibliothek, 2017, Altenburg, Bibliothek / Library, 2017, Glasdruck / Glass print,
205 x 150 cm, Foto / Photo: Axel Hütte

© Axel Hütte, Melk Kirche, 2017, Melk, Kirche / Church, 2017, Glasdruck / Glass print, 145 x 175 cm, Foto / Photo: Axel Hütte

© Axel Hütte, Melk Kirche, 2017, Melk, Kirche / Church, 2017, Glasdruck / Glass print, 145 x 175 cm, Foto / Photo: Axel Hütte

©  Axel Hütte, Portrait #23, 06 / Courtesy Galerie Daniel Marzona

© Axel Hütte, Portrait #23, 06 / Courtesy Galerie Daniel Marzona

©  Axel Hütte, Portrait #26, 07 / Courtesy Galerie Daniel Marzona

© Axel Hütte, Portrait #26, 07 / Courtesy Galerie Daniel Marzona

„Imperial, Majestic und Magical verweisen auf konkrete und zugleich rätselhafte Bildwelten, die uns vertraut aber im Bild fremd erscheinen. Sie sollen beim Betrachter und der Betrachterin Erinnerungen oder Träume reaktivieren, also das implizite Gedächtnis ansprechen, und die Welt als real und zugleich als Imagination erfahrbar machen.“

Axel Hütte

„Mit Axel Hütte zeigen wir den Doyen der Landschaftsfotografie in Krems. Er ist der Explorer auf dem Globus, vermisst mit seiner Kameralinse die Welt – Gletscher, Wüsten, Mangrovensümpfe, urbane Landschaften – und wandelt die Ausschnitte der Wirklichkeit in bildstarke Kompositionen: imperiale Innenräume, majestätische Gebirge und magische Wasserspiegelungen.“

Florian Steininger

© Axel Hütte, Rio Negro #2, Brazil, 1998, C-print, 187 x 237 cm / Foto / Photo: Axel Hütte

© Axel Hütte, Rio Negro #2, Brazil, 1998, C-print, 187 x 237 cm / Foto / Photo: Axel Hütte

© Axel Hütte, Paradise Bay, Antarctic, 2017, Inkjet print, 115 x 135 cm /  Foto / Photo: Axel Hütte

© Axel Hütte, Paradise Bay, Antarctic, 2017, Inkjet print, 115 x 135 cm / Foto / Photo: Axel Hütte

© Axel Hütte, Berlin Nationalgalerie #2, 2001/2016 Duratrans, 157 x 257 cm /  Courtesy Galerie Daniel Marzona

© Axel Hütte, Berlin Nationalgalerie #2, 2001/2016 Duratrans, 157 x 257 cm /
Courtesy Galerie Daniel Marzona

Gleich zwei Ausstellungen des Künstlers sind in diesem Frühjahr sowohl in Österreich als auch in der Schweiz zu sehen, die tiefer in das komplexe und umfassende Werk von Axel Hütte eintauchen. In der Kunsthalle Krems in Österreich zeigt Axel Hütte imperiale Bauten und Räume, die in österreichischen Palais, Schlössern und Stiften aufgenommen worden sind. Mit „Imperial – Majestic – Magical“ akzentuiert Hütte seine Faszination für das Imaginäre und Majestätische – und offenbart das Erhabene, das seinen Bildern innewohnt. Die Ausstellung wurde von Florian Steininger kuratiert und zeigt neben dem fotografischen Werk auch zwei Videoarbeiten des Künstlers.

Mit der Ausstellung „Unterwegs – in der Ferne“, die im Museum Franz Gertsch in der Schweiz zu sehen ist, wird die Zeitspanne von 1999 bis zum Jahre 2017 beleuchtet. In dieser Ausstellung, die von Axel Hütte und Anna Wesle gemeinsam kuratiert wurde, knüpfen Künstler und Kuratorin an die große Doppelausstellung im letzten Jahr im Museum Kunstpalast Düsseldorf und in dem Josef Albers Museum Quadrat Bottrop an. Beide Ausstellungen erstrecken sich über das Gesamtwerk Hüttes und zeigen seine wichtigsten Werkszyklen bis heute.

Axel Hütte (*1951 in Essen), der aus der Düsseldorfer Becher-Klasse hervorging, prägte neben Thomas Struth, Andreas Gursky, Candida Höfer und anderen wichtigen Vertretern die internationale Fotografie und gilt als Maler unter den Fotografen.

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Axel Hütte
“Imperial – Majestic – Magical”
11.03.2018–10.06.2018
Kunsthalle Krems / Österreich
www.kunsthalle.at

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Axel Hütte. Unterwegs – in der Ferne
24.03.2018–26.08.2018
Museum Franz Gertsch / Schweiz
www.museum-franzgertsch.ch

 

Noga Shtainer “Pandora”

© Noga_Shtainer, from the series "Pandora", Ella and Zohar my sister and my daughter, Israel 2014

© Noga Shtainer, from the series “Pandora”, Ella and Zohar my sister and my daughter, Israel 2014

© Noga Shtainer, from the series "Pandora", Homesick, Berlin 2017

© Noga Shtainer, from the series “Pandora”, Homesick, Berlin 2017

© Noga Shtainer, from the series "Pandora", Zohar (my daughter), the begining of the winter, Berlin 2016

© Noga Shtainer, from the series “Pandora”, Zohar (my daughter), the beginning of the winter, Berlin 2016

© Noga Shtainer, from the series "Pandora", I can not see my way but I know the way of my daughters, Berlin 2016

© Noga Shtainer, from the series “Pandora”, I can not see my way but I know the way of my daughters, Berlin 2016

„Als das Kind Kind war. Bei der Fotografin Noga Shtainer tritt das Kind als göttliches Unschuldswesen auf, das den Wald ausschließlich als Ort der Versprechungen begreift. Niemand, der störend in das kindliche Treiben eingreift. Alles Buschwerk dient allein dem vergnüglichen Versteckspiel. Noga Shtainer zeigt das lustvolle Verkleiden mit Masken. Die Puppe wird zum treuesten Wegbegleiter. Doch je mehr man sich den sorgsam aufbereiteten Inszenierungen dieser Kindwelt übergibt, desto mehr kippen die darin dargestellten Situationen, werden immer mysteriöser und berühren etwas im Innersten des Betrachters.

Dann sind die Kinder plötzlich viel zu ernste Wesen. Der Wald zeigt sich als dräuende Kulisse. Das Verschlingende der Pflanzen wirkt ängstigend. Die Maskierung dient als Abwehr gegen alles bedrohliche Äußere, hinter dem sich das wahre, das eigentliche Selbst zu schützen versucht. Vertrautes Spielzeug entwickelt sonderbares Eigenleben. Die Ungestörtheit verkehrt sich in eine alle Szenen durchströmende Einsamkeit. Die äußere Welt wird zu einer Spiegelung der inneren Welt, zu einem Ort seelischer Verfasstheit.

Shtainers Bilder sind magische Beschwörungen einer Sehnsucht nach Kindheit, die uns innewohnt, der sich gleichzeitig aber immer wieder dunkle Phantasien aufdrängen. Das Seltsame daran ist, dass man sich der Düsterkeit der Bildinhalte als Betrachter keineswegs entziehen möchte. Alles scheint darin möglich, das Schöne wie das Schreckliche. Keinesfalls verlassen wir fluchtartig die Szenen. Da ist ein halluzinatorischer Sog, der uns tief und tiefer in die Zonen der Unerklärlichkeiten treibt. Immer stärker verfangen wir uns in den Bildern, um uns am Ende benommen aus den von der Fotografin ausgebreiteten magischen Landschaften wieder herauszubewegen. Doch Noga Shtainers Inszenierungen laden den Betrachter ein: er kann zurückkehren, wann immer er will. Ihre Bilder halten die Tür einen Spalt auf in verschüttete Erinnerungen.“

Peter Lindhorst

© Noga Shtainer, from the series "Pandora", self portrait as a mother, a wife and a woman, 2014

© Noga Shtainer, from the series “Pandora”, self-portrait as a mother, a wife and a woman, 2014

© Noga Shtainer, from the series "Pandora", Zohar my daughter, 2.5 years old, Berlin 2014

© Noga Shtainer, from the series “Pandora”, Zohar my daughter, 2.5 years old, Berlin 2014

© Noga Shtainer, from the series "Pandora", Homesick #2, Berlin 2017

© Noga Shtainer, from the series “Pandora”, Homesick #2, Berlin 2017

Die israelische Fotografin Noga Shtainer (*1982 in Zefat, Israel) lebt und arbeitet seit 2010 in Berlin. Während Noga Shtainer versucht, sich selbst und ihre Familie im Jetzt neu zu verorten, führen uns ihre Schwarzweißaufnahmen zurück in die Kindheit, die hinter einem Schleier und hinter einer Maske verborgen bleibt. Jede Generation ist bereit, Grenzen zu verschieben und mit den Traditionen zu brechen, um Wandel zu ermöglichen. Es ist ein Prozess der Transition – einer Reise – von einem Zustand in einen anderen, von einem Ort hin zu einem anderen Ort, von einer Generation zur nächsten. Mit den Augen ihrer Töchter und durch sie hindurch sieht Noga den Transformationsprozess ihrer eigenen Person als Frau, als Ehefrau, als Mutter, aber auch als Freundin und Begleiterin. Auf eloquente Art und Weise verortet sich die Fotografin direkt und unmittelbar in ihrem neuen Umfeld, immer ihrer eigenen Geschichte und Herkunft gewahr. Im griechischen Mythos „Pandora“ versteckt sich die Hoffnung in einer Büchse, durch die, wenn sie unachtsam geöffnet wird, Klagen und Mühsal in die Welt gelangen – sofern sie sorgsam geöffnet wird, die Hoffnung Einzug hält.

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Noga Shtainer

www.artnoga.com

Podbielski Contemporary

www.podbielskicontemporary.com

Norman Behrendt “Brave New Turkey” – Interview –

© Norman Behrendt, from the series "Brave New Turkey" #1, Ahmediye Camii - realized in 2015, Batikent, Ankara, 2016

© Norman Behrendt, from the series “Brave New Turkey”, Ahmediye Camii – realized in 2015, Batikent, Ankara, 2016

© Norman Behrendt, from the series "Brave New Turkey" #3, Ankara Yaşamkent Nur Camii, realized 2015, Yaşamkent, Ankara,

© Norman Behrendt, from the series “Brave New Turkey” , Ankara Yaşamkent Nur Camii, realized 2015, Yaşamkent, Ankara

© Norman Behrendt, from the series "Brave New Turkey" #4, Türkkonut Merkez Camii, realized in 2014, Etimesgut, Ankara

© Norman Behrendt, from the series “Brave New Turkey”, Türkkonut Merkez Camii, realized in 2014, Etimesgut, Ankara

© Norman Behrendt, from the series "Brave New Turkey" #5, Atasehir Mimar-Sinan-Camii, realized 2012, Atasehir, Istanbul

© Norman Behrendt, from the series “Brave New Turkey” , Atasehir Mimar-Sinan-Camii, realized 2012, Atasehir, Istanbul

© Norman Behrendt, from the series "Brave New Turkey" #7, İvedik Yavuz Sultan Selim Cami, still in construction, Yenimaha

© Norman Behrendt, from the series “Brave New Turkey”, İvedik Yavuz Sultan Selim Cami, still in construction, Yenimaha

© Norman Behrendt, from the series "Brave New Turkey" #8, Niyaziye Cami-i Serifi, realized 2015, Yenimahalle, Ankara, 2015

© Norman Behrendt, from the series “Brave New Turkey”, Niyaziye Cami-i Serifi, realized 2015, Yenimahalle, Ankara, 2015

© Norman Behrendt, from the series "Brave New Turkey" #9, Orhan Gazi Camii, in construction, Ostim, Yenimahalle, Ankara

© Norman Behrendt, from the series “Brave New Turkey”, Orhan Gazi Camii, in construction, Ostim, Yenimahalle, Ankara

© Norman Behrendt, from the series "Brave New Turkey" #10, Abdülkadir Eylani Camii, realized 2014/15, Sincan, Ankara, 2016

© Norman Behrendt, from the series “Brave New Turkey”, Abdülkadir Eylani Camii, realized 2014/15, Sincan, Ankara, 2016

Norman Behrendt (*1981 in Berlin) dokumentiert seit über drei Jahren die neu errichteten Moscheen, die sich zwischen den modernen Hochhäusern in Istanbul und Ankara befinden. Fasziniert von diesen klassisch-osmanischen Moscheen, entstand die Serie “Brave New Turkey”, die bereits 2017 in Arles gezeigt wurde und nun in Stuttgart in der Galerie UNO ART SPACE – UTE NOLL zu sehen ist.

Norman, dein Projekt “Brave New Turkey” ist ein ongoing project und daher in stetiger Entwicklung. Was war damals der Auslöser für dich, um dieses Projekt zu starten?

Ja, das stimmt. Das Projekt selbst ist noch nicht abgeschlossen. Der wirkliche Auslöser war eigentlich nur ein kurzer Schlüsselmoment bei meinem ersten längeren Aufenthalt in Ankara im Jahr 2015. Ich kann mich noch genau an diesen Moment erinnern, wir sind mit dem Auto aus dem Zentrum zurück nach Batikent (einem Außenbezirk) gefahren. Die Abendsonne stand schon tief am Horizont und spiegelte sich in den Fassaden der Häuser. Wir passierten ein großes Neubaugebiet mit zahlreichen sich noch im Rohbau befindenden Hochhäusern und einer Brache mit vielen Hügeln aus Bauschutt und Erde. Zwischen den modernen Hochhäusern befand sich eine klassisch-osmanische Moschee. Dieses Bild ging mir nicht aus dem Kopf. Am nächsten Tag kehrte ich zur gleichen Uhrzeit an diesen Ort zurück und machte mein erstes Bild für diese Arbeit. Das Bild zeigt die Niyaziye Serifi Mosque in Yenimahalle, die aber entgegen meiner Erwartung nicht historisch war, sondern ebenso wie die umliegenden Apartmentblocks frisch fertig gestellt wurde. Das empfand ich als sehr interessant. Die Moschee glich exakt ihren historischen osmanischen Vorfahren aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Nach ersten Recherchen fand ich heraus, dass dies kein Einzelfall ist, vielmehr, dass der türkische Staat den Bau von zahlreichen Moscheen in der ganzen Türkei finanziert. Laut New York Times wurden allein zwischen 2006 und 2009 neuntausend neue Moscheen in der Türkei gebaut.

Verspürst du selbst eine bestimmte Affinität zum Islam?

Nein. Ich bin religionslos. Jedoch finde ich es interessant, wie die Religion im 21. Jahrhundert wieder einen Aufschwung erlebt – das ist keine Entwicklung, die ausschließlich im Islam stattfindet, das kann man weltweit in allen großen Weltreligionen beobachten. Das finde ich sehr spannend, wenn auch nicht wirklich verwunderlich. Betrachtet man sich den Lauf der Geschichte, dann wird immer wieder sichtbar, wie sich bestimmte Dinge wiederholen. Auch auf die Zeiten der Aufklärung im 18. Jahrhundert, in der rationales Denken, die Hinwendung zu den Naturwissenschaften und die Emanzipation von üblichen Traditionen Einzug hielten, folgten im 19. Jahrhundert wiederum Entwicklungen, die zur Erstarkung des Christentums führten. Als Antwort auf den Kommunismus und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kann man so gut wie in allen ehemaligen Ländern der Sowjetunion eine Besinnung auf die alten christlichen Werte beobachteten. Mit der Gründung der Türkei 1923 versuchte Atatürk, der erste türkische Präsident, mit allen Mitteln die Türkei hin zu einer modernen, westlich-orientierten, säkularen Republik zu entwickeln. Heute können wir feststellen, wie der Islam wieder zur nationalen Identität wird.

Monumentale Architektur wird auch in diktatorischen Staaten als Ausdruck der politischen Macht und oftmals auch zur Einschüchterung von Andersdenkenden genutzt. In demokratischen Staaten sind es aber zumeist Symbole der wirtschaftlichen Macht, mit denen architektonisch ein Statement zelebriert wird. Warum war für dich der Orient, oder genauer die Türkei, so interessant für dich?


Mein Zugang ist zum einen sehr persönlich – meine Freundin kommt aus der Türkei. Wir sind regelmäßig zu Besuch bei Familie, Bekannten und Freunden, da bekommt man einiges von den individuellen Sorgen und Problemen mit. Ich denke, dadurch war ich von Anfang an sehr stark für die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Türkei sensibilisiert. Gleichzeitig komme ich aus Deutschland und bringe meine eigenen Erfahrungen mit, die natürlich sehr stark durch die westlichen Medien, die Außenpolitik Deutschlands und der EU im Hinblick auf die Türkei als EU-Beitrittskandidat geprägt sind.

Wie kamen die Kontakte zustande, waren es spontane Begegnungen?

Das ging zum größten Teil alles über meine Freundin und dem engen Bekanntenkreis. Sie kommt aus einer sehr offenen Familie, die meine Arbeit von Anfang an verstanden hat und mich darin sehr unterstützte. Ein guter Freund der Familie und selber Fotograf kennt sich in Ankara unglaublich gut aus. Er ist viel unterwegs und teilt mein Interesse für die Neubau-Moscheen in der Türkei. Er hatte schnell verstanden, was genau mich interessierte und wie ich arbeite und hatte mir dadurch zahlreiche Türen geöffnet, die sonst verschlossen geblieben wären. Danke Mebrur und Ali!

Welche Orte stehen noch auf deiner Liste?

Obwohl die Entwicklung in der ganzen Türkei stattfindet und ich auch viel in Istanbul fotografiert habe, konzentriere ich mich in meiner Serie „Brave New Turkey“ auf die Hauptstadt Ankara, der meiner Meinung nach, eine Schlüsselrolle zukommt. Ankara wurde durch Kemal Atatürk 1923, nach dem erfolgreich geführten Befreiungskrieg gegen die Alliierten, zur Hauptstadt erklärt. Das war ein bewusster Bruch Atatürks mit dem Osmanischen Reich, in dem Istanbul die Hauptstadt war. Doch Atatürk wollte die junge türkische Republik weg vom Osmanischen Reich und hin zu einer modernen Republik führen. Er brach mit dem Sultanat des Osmanischen Reiches, sandte die Kalifen ins Exil und reformierte die Türkische Republik im Sinne des Kemalismus, der, neben anderen Reformen, den Laizismus – die Trennung von Staat und Religion – beinhaltete. Ankara wurde Hauptstadt und Regierungssitz, von der aus Atatürk die junge türkische Republik reformierte, so wurden z.B. die Religionsschulen abgeschafft und die religiösen Gerichtshöfe geschlossen. Die Dokumentation der Neubau-Moscheen in Ankara steht somit repräsentativ für die gesamte türkische Entwicklung.

Gibt es daher auch Moscheen außerhalb der Türkei, die dein Interesse wecken?

Klar, bei meiner Recherche bin ich natürlich auf zahlreiche andere interessante Moscheen außerhalb der Türkei gestoßen. Aber genauso auch auf interessante Neubau-Kirchen im Balkan, Polen, Russland oder Rumänien.

Du bist gerade für ein Jahr nach London gezogen. Was sind deine Pläne, woran wirst du arbeiten oder lässt du dich überraschen?

Ja, das stimmt. Ich mache gerade meinen Master in „Photographic Arts“ an der University of Westminster in London. Woran ich arbeite, möchte ich eigentlich noch gar nicht verraten, aber wir haben ja eine Abschlussausstellung Mitte Juni. Kommt vorbei!

Interview: Nadine Ethner

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Die Arbeit “Brave New Turkey” wird in Zusammenarbeit mit Hartmann Projects bis zum 15. Juni in der Galerie Uno Art Space in Stuttgart gezeigt und wird vom 20. – 22. April bei den Darmstädter Tagen für Fotografie zu sehen sein.

Book: Norman Behrendt “Greetings from Turkey” by Hartmann Projects 

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Norman Behrendt

www.normanbehrendt.com