Julia Schiller

Julia Schiller, geboren in Landshut, studierte Mediadesign, Fotografie und Kommunikationsmanagement und begann ihre Laufbahn als Art Director in München, gefolgt von Athen, wo sie für ein paar Jahre lebte und als Kreativdirektorin in der Werbung arbeitete. Seit 2006 ist sie in Berlin beheimatet, wo sie zusammen mit Oliver Schneider das Online-Magazin »Actual Colors May Vary {ACMV}« ins Leben rief. Mit ACMV stellten sie neue Talente in der Fotografie vor, organisierten und kuratierten Ausstellungen & Veranstaltungen in Berlin, und nahmen an internationalen Fotofestivals teil. Motiviert von stets wachsender Leidenschaft für künstlerische Fotografie gründete sie »PiB — Photography in Berlin« im Frühling 2015. PiB ist eine zweisprachige (de/en) Plattform für künstlerische & dokumentarische Fotografie, und widmet sich der Vorstellung ausgewählter Höhepunkte aus Berlins lebendiger Fotografie-Szene – auf PiBs Website, im wöchentlichen E-Newsletter, und im zweimonatlich erscheinenden gedruckten PiB Guide, welcher mittlerweile auch internationale Abonnenten anzieht. Mit »ele studio« designen Julia und Oliver für Print & Web und realisieren Websites im kulturellen & sozialen Bereich. Julia ist Mitglied bei SALOON BERLIN, dem Netzwerk für Frauen der Berliner Kunstszene. PiB: http://www.fotografie-in.berlin/ ACMV: http://www.actualcolorsmayvary.com/ ele studio: http://www.ele-studio.de/ Saloon: https://www.saloon-berlin.de/

Julia Schiller, born in Landshut, studied media design, photography and communication management and began working as an art director in Munich, followed by Athens where she lived for a couple of years, working as a creative director in advertising. Since 2006 she is based in Berlin, where she founded the online magazine »Actual Colors May Vary {ACMV}« together with Oliver Schneider. With ACMV they featured emerging talents, organised and curated photography exhibitions & events in Berlin, and took part in international photography festivals. Motivated by an ever-growing interest in fine art photography she founded »PiB — Photography in Berlin« in spring 2015. PiB is a bilingual (en/de) platform for fine art & documentary photography in Berlin, dedicated to presenting highlights from this city's vibrant photography scene – on its website, in a weekly e-newsletter, and in the bi-monthly published PiB Guide, which attracts international subscribers. As »ele studio«, Julia and Oliver design printed matter and develop websites for the cultural & social sector. Julia is a member of SALOON BERLIN, the network for women of Berlin's art scene. PiB: http://www.photography-in.berlin/ ACMV: http://www.actualcolorsmayvary.com/ ele studio: http://www.ele-studio.de/ Saloon: https://www.saloon-berlin.de/

»7 Fragen an…« Sibylle Fendt

PiB Interview »7 questions for… / 7 Fragen an…« SIBYLLE FENDT

Für das #PiBinterview Nº4 in der Reihe »7 Fragen an…« hatte PiB das große Vergnügen, mit Sibylle Fendt zu sprechen.

Liebe Sibylle, magst du dich kurz vorstellen?

Ich habe an der FH Bielefeld Fotografie studiert und bin direkt nach meinem Abschluss im Jahr 2002 nach Berlin gezogen. 2003 bis 2005 besuchte ich als Gaststudentin die Klasse von Wolfgang Tillmans am Städel, Frankfurt am Main. Ab 2007 begann ich selbst zu unterrichten und bin bis heute Dozentin durchgehend an der Ostkreuzschule und hin und wieder an anderen Hochschulen (FH Bielefeld,  HS Hannover, FH Anhalt, KH Weißensee). Vor allem in den Nullerjahren habe ich sehr viel für Magazine fotografiert. 2010 bin ich der Agentur Ostkreuz beigetreten. Im Jahr 2015 haben wir den Ostkreuz-Verein für Fotografie e.V. gegründet, deren 1. Vorsitzende ich bin.

© Sibylle Fendt / OSTKREUZ

Selfie © Sibylle Fendt / OSTKREUZ

Woran arbeitest du aktuell, und hast du bereits ein zukünftiges Projekt geplant?

Im Juni 2016 habe ich ein neues Projekt begonnen über die Bewohner einer abgelegenen Flüchtlingsunterkunft im Schwarzwald, 15 km von meinem Elternhaus entfernt. Dort leben etwa 30 Geflüchtete, ausschließlich junge alleingereiste Männer, da für alle anderen die Abgelegenheit und der Zustand des Hauses nicht zumutbar wären. Ich besuche sie regelmäßig und bleibe meist zwischen 3 und 5 Tagen vor Ort. Es passiert fast gar nichts dort. Diesen Zustand versuche ich zu beschreiben. Gegen Ende diesen Jahres möchte ich gerne mein 2. Fotobuch daraus machen.

Holzbachtal © Sibylle Fendt / OSTKREUZ

Aus der Serie “Holzbachtal, nothing, nothing” © Sibylle Fendt / OSTKREUZ

Könntest du bitte eines deiner Fotos auswählen und die Geschichte dazu erzählen?
Uneins © Sibylle Fendt / OSTKREUZ

Aus der Serie “Uneins” © Sibylle Fendt / OSTKREUZ

Dieses Foto war das erste Bild, das ich für meine Serie ‚Uneins’, mit der ich 2002 meinen Abschluss an der FH Bielefeld machte, anfertigte. In meiner Arbeit wollte ich mich mit sogenannten Messies beschäftigen. Ein damals ziemlich unbekanntes und wenig ergründetes Phänomen. Einerseits faszinierte mich die Symbolkraft der zugemüllten Zimmer, des puren Überflusses, der Unorganisiertheit, die meiner Meinung nach einen Rückschluss auf unsere Wertegesellschaft zogen, andererseits wollte ich die Menschen kennen lernen und zeigen, dass es keine Freaks sondern Menschen wie Du und ich sind, die einfach den Überblick verloren haben, die durch ihre unbändige Sammelleidenschaft alltägliche Aufgaben verdrängen, und natürlich vieles mehr.
Was ich dabei als junger Student nicht abgeschätzt hatte, war, wie schwer es war, nicht nur an die Menschen heranzukommen, sondern vor allem überhaupt vor Ort zu fotografieren. Einen Monat lang besuchte ich wieder und wieder Margot, wir verbrachten Stunden im Gespräch, sprachen über alles, jedes Mal brachte ich meine Kamera mit, aber nie holte ich sie aus der Tasche. Irgendwann rief ich frustriert meine Eltern an, um ihnen mitzuteilen, dass ich nicht in der Lage war, dieses Projekt zu realisieren und mich deshalb wieder von der Diplomprüfung abmelden müsste. Als nächstes ging ich ins Prüfungsamt um heraus zu finden, wieviel Zeit mir für die Abmeldung noch blieb. Ich hatte noch 2 Wochen. Ich zwang mich, es wenigsten ein Mal zu probieren, bevor ich mich abmeldete. Dabei entstand dieses Portrait. Als ich es im Labor entwickelte, erzählte es mir so viel von Margot, was ich nie hätte in Worte fassen können. Es war das erste Portrait eines Menschen, das ich angefertigt habe, das weit mehr als nur die Oberfläche beschreibt. Es gab mir Vertrauen, dass diese Arbeit vielleicht doch ihre Berechtigung hat und nicht nur „das Leiden anderer betrachtet“.

Mit welcher Kamera/Ausstattung/Film fotografierst du am liebsten?

In meinen freien Projekten benutze ich eigentlich immer meine Mamiya RB 67. Ich habe für sie nur ein Objektiv und auch nur ein Rückteil. Spätestens nach dem 10. Bild muss ich eine Pause machen, da ich den Film wechseln muss. Ich liebe die Langsamkeit, die Trägheit, irgendwie sogar, dass ich immer den entscheidenden Moment verpasse oder dann gerade der Film voll ist. Die Kamera hat mir beigebracht, dass ich in gewisser Weise die Geschichten, die ich vor Ort erlebe, auf meine Weise nacherzähle, sie neu schreibe. Die Kamera zwingt mich dazu, mir Zeit zu nehmen. Ich komme mir vor wie ein alter Bauer, der seine Wiese immer noch mit der Sense mäht, weil er dadurch seinem Gras näher ist. Ich liebe die Ungewissheit, ob die Bilder überhaupt etwas geworden sind und das Überraschungsmoment, wenn ich die entwickelten Filme abhole und zum ersten Mal auf dem Leuchttisch anschaue, bevor ich ins Labor gehe.

Gärtners Reise © Sibylle Fendt / OSTKREUZ. Der Film wurde bei der Entwicklung versehentlich beschädigt, was nun fester Bestandteil des Bildes ist.

Aus der Serie “Gärtners Reise” © Sibylle Fendt / OSTKREUZ.
Der Film wurde bei der Entwicklung versehentlich beschädigt, was nun fester Bestandteil des Bildes ist.

Falls es eine alltägliche Routine in deinem Leben gibt, wie sieht diese aus?

6:30 Uhr aufstehen und erst mal eine große Tasse Milchkaffee trinken. Ohne die geht nichts. Danach wird mein großer Sohn aus dem Bett geschmissen und die üblichen Vorbereitungen für die Schule getroffen. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, beginnt das Chaos ; )

Welchen Aspekt deines fotografischen Schaffens magst du am liebsten?

Ich liebe es einerseits, wenn ich mich für ein Fotoprojekt entschieden habe und mir die Zeit dafür freigeschaufelt habe, mich – ohne auf die Uhr zu schauen – der Situation hinzugeben. Das sind Momente, in denen ich versuche, nicht mehr in Kategorien wie Effektivität, Sinn und Vernunft zu denken, sondern mich einfach treiben zu lassen. Für mich sind das Zeitlöcher, in denen ich wirklich das mache, was mir am aller meisten Befriedigung verschafft.
Worauf ich mich aber genauso freue, ist die Zeit danach im Labor. Da ich meine freien Projekte immer analog fotografiere, verbringe ich viel Zeit im Labor. Die Laborarbeit macht mir immer noch den selben Spaß, den ich auch mit 16 Jahren im elterlichen Keller hatte, als ich meine ersten eigenen schwarzweiß Bilder vergrößerte.

Holzbachtal © Sibylle Fendt / OSTKREUZ

Aus der Serie “Holzbachtal, nothing, nothing” © Sibylle Fendt / OSTKREUZ

Welches historische Ereignis würdest du gerne fotografien?

Die sogenannte ‚Flüchtlingskrise’ war ein Ereignis, wo mir klar wurde, dass ich als Fotograf irgendwie Stellung dazu nehmen muss. Es ist mir nicht leicht gefallen, bei einem Thema, das fernab von meiner persönlichen Biografie liegt, eine Position zu beziehen. Letztendlich habe ich den deutschen bürokratischen Apparat unter die Lupe genommen, also die Art und Weise, wie wir damit umgehen.

Flüchtlingskrisenland © Sibylle Fendt / OSTKREUZ. Bereitgestellte Betten auf der Freifläche hinter den Hangars auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof, 2016.

Flüchtlingskrisenland © Sibylle Fendt / OSTKREUZ.
Bereitgestellte Betten auf der Freifläche hinter den Hangars auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof, 2016.

Ein Feedback, Kommentar oder Kompliment zu deiner Arbeit, welches du nie vergessen wirst?

Barbara Klemm sagte einmal zu einem 20-minütigen Spontan-Vortrag, den ich vor Studenten über mich und meine Arbeit gehalten hatte, dass in diesen 20 Minuten die Studenten mehr gelernt hätten als in einem kompletten Studium. Das ging runter wie Butter.

 

PiB: Sibylle, herzlichen Dank für dieses Interview!

Ausstellungstipp: Im Kunstquartier Bethanien in Berlin-Kreuzberg ist nur noch heute (22. Januar 2018) die Gelegenheit, die Gruppenausstellung »HAB KEINE ANGST« zu besuchen. Geöffnet ist bis 20 Uhr, Eintritt frei, schaut vorbei!
Die Ausstellung vereint die Ergebnisse von 11 Seminarteilnehmer_innen der Ostkreuzschule, die unter der Leitung von Sibylle Fendt im Laufe eines Jahres eine fotografische Arbeit angefertigt haben. Mit Arbeiten von Anna Eiling, Solveig Faust, Christian Lima Dehne, James Haliburton, Dirk Heinecke, Natalia Kepesz, Anke Krey, Anastasia Lobanova, Benjamin Markstein, Gregor Nobis, und Fynn Rettberg.

Exhibition recommendation: Today (Jan 22, 2018) is the last chance to visit the group show »HAB KEINE ANGST (Don’t be afraid)« at Kunstquartier Bethanien in Berlin-Kreuzberg! Open until 8 pm, free admission, drop by!
Over the course of a year, and under the guidance of Sibylle Fendt, 11 Ostkreuzschule Seminar participants undertook a photographic journey of discovery. This exhibition brings together the final results. With works by Anna Eiling, Solveig Faust, Christian Lima Dehne, James Haliburton, Dirk Heinecke, Natalia Kepesz, Anke Krey, Anastasia Lobanova, Benjamin Markstein, Gregor Nobis, and Fynn Rettberg.

»HAB KEINE ANGST« Ostkreuzschule für Fotografie / Seminar Sibylle Fendt.  Titelbild © Natalia Kepesz

»HAB KEINE ANGST«
Ostkreuzschule für Fotografie / Seminar Sibylle Fendt.
Titelbild © Natalia Kepesz

»7 Fragen an…« Heide Springer

PiB Interview »7 questions for… / 7 Fragen an…« HEIDE SPRINGER

Für das #PiBinterview Nº3 hatte PiB das Vergnügen, »7 Fragen an…« Heide Springer, Leiterin der Galerie Springer Berlin (Charlottenburg) zu stellen.

Was macht für Dich ein gutes Bild aus?

Ein gutes Bild, ist für mich eins, das sich mir zwar durch die Augen und mein Verstand erschließt, welches jedoch eine andere Ebene in mir zum Klingen bringt, ähnlich wie bei der Musik. Ich spüre das in meinem Bauch, es ist durch Logik nicht zu erklären.

Wie definierst du Erfolg?

Erfolg ist für mich natürlich auf einer Seite auch ein finanzieller, wenn ich diesen nicht habe, kann ich meine Familie nicht ernähren. Aber darüber würde ich am liebsten nicht nachdenken müssen, sondern mich lieber dem anderen Aspekt des Erfolges widmen. Es sind die immateriellen Werte des Erfolges, die mich interessieren: Gute Gespräche mit Künstlern, Sammlern und Kunstliebhabern, glückliche Besucher in unseren Ausstellungen, interessante Veranstaltungen, Eröffnungen und Konzert in der Galerie. Wenn ich höre, dass unsere Galerie gute und ernsthafte Arbeit leistet, macht mich das froh.

Was schätzt Du am meisten bei Deinen Freunden?

Vertrauen und Ehrlichkeit.

Welcher Ort auf der Welt macht dich glücklich / schenkt Dir Ruhe?

Dieser Ort liegt in Südfrankreich, ein altes Dorf auf einem Hügel, der steil abfällt, mit Blick auf die Küste, hinter mir die Berge. Ich fühle mich an diesem Ort wie in einem Adlerhorst, alle Sorgen und Probleme scheinen sich zu relativieren. Das Licht dort ist unbeschreiblich, zu jeder Jahreszeit und es erfüllt mich mit Glück.

Wenn Du nur einen einzigen Fotoabzug besitzen könntest, welches Bild wäre das?

Saul Leiter, Package, ca. 1960.

Saul Leiter, Package, ca. 1960 © Saul Leiter

Saul Leiter, Package, ca. 1960 © Saul Leiter

Welches historische Ereignis hättest Du gerne fotografiert?

Den Fall der Mauer!

Wenn du in einer anderen Zeit leben könntest, welche wäre das?

Die 1920er Jahre in Paris und Berlin.

 

PiB: Liebe Heide, herzlichen Dank für das Interview!

Die aktuelle Einzelausstellung in der Galerie Springer Berlin, »Cities, Interiors, Still Lifes« von Evelyn Hofer (zu sehen noch bis 3. Februar 2018), ist auf dem Cover des PiB Guides Nº16 Jan/Feb 2018.
Die Ausstellung wird begleitet von einem Konzert und einer Lesung am Donnerstag, den 25. Januar 2018 um 19 Uhr.

The current solo show »Cities, Interiors, Still Lifes« by Evelyn Hofer at Galerie Springer Berlin (on view until Feb 3, 2018) is featured on the cover of the PiB Guide Nº16 Jan/Feb 2018.
The exhibition is accompanied by a concert and reading (in German) on Thursday, January 25, 2018, 7 pm, please find further details on PiB.

PiB Guide Nº16 Jan/Feb 2018 Booklet, A6 format, 52 pages On the cover: Galerie Springer Berlin | Evelyn Hofer »Cities, Interiors, Still Lifes«

PiB Guide Nº16 Jan/Feb 2018
Booklet, A6 format, 52 pages
On the cover: Galerie Springer Berlin | Evelyn Hofer »Cities, Interiors, Still Lifes«

 

Hommage à Zurbarán (Still Life No. 6), New York, 1997, Dye Transfer, 37,2 x 53,5 cm © Evelyn Hofer, Estate Evelyn Hofer

Hommage à Zurbarán (Still Life No. 6), New York, 1997, Dye Transfer, 37,2 x 53,5 cm © Evelyn Hofer, Estate Evelyn Hofer

 

Marianne Moore's Gloves, 1983, Dye Transfer, 42,3 x 33,3 cm © Evelyn Hofer, Estate Evelyn Hofer

Marianne Moore’s Gloves, 1983, Dye Transfer, 42,3 x 33,3 cm © Evelyn Hofer, Estate Evelyn Hofer

 

Queensboro Bridge, New York, 1964, Dye Transfer, 42,5 x 33,6 cm © Evelyn Hofer, Estate Evelyn Hofer

Queensboro Bridge, New York, 1964, Dye Transfer, 42,5 x 33,6 cm © Evelyn Hofer, Estate Evelyn Hofer

 

Coney Island, New York, 1965, Dye Transfer, 33, 9 x 25,8 cm © Evelyn Hofer, Estate Evelyn Hofer

Coney Island, New York, 1965, Dye Transfer, 33, 9 x 25,8 cm © Evelyn Hofer, Estate Evelyn Hofer

 

Die kommende Gruppenausstellung »Raum / Räume II« präsentiert Arbeiten von Anna Lehmann-Brauns, Jens Liebchen, Joel Meyerowitz, Aitor Ortiz und Georges Rousse. Die Vernissage findet am Samstag, den 17. Februar 2018 von 13-18 Uhr statt.

The upcoming group show »Space / Spaces II« presents works by Anna Lehmann-Brauns, Jens Liebchen, Joel Meyerowitz, Aitor Ortiz and Georges Rousse. The opening reception takes place on Saturday, Feb 17, 2018, 1 – 6 pm.

Muros de Luz 001, 2005 © Aitor Ortiz

Muros de Luz 001, 2005 © Aitor Ortiz

Wer über zukünftige Ausstellungen und Veranstaltungen der Galerie Springer Berlin (und weitere Fotografie-Highlights in Berlin) informiert werden will, kann sich gerne für PiBs wöchentlichen E-Newsletter anmelden – oder die zweimonatliche erscheinende Printausgabe – den PiB Guide – abonnieren! : )

The PiB Guide Nº16 | Jan/Feb 2018 © PiB. COVER PHOTO: Hommage à Zurbarán (Still Life No. 6), New York, 1997, Dye Transfer, 37,2 x 53,5 cm © Evelyn Hofer, Estate Evelyn Hofer; Exhibition at Galerie Springer Berlin.

The PiB Guide Nº16 | Jan/Feb 2018 © PiB.
COVER PHOTO: Hommage à Zurbarán (Still Life No. 6), New York, 1997, Dye Transfer, 37,2 x 53,5 cm © Evelyn Hofer, Estate Evelyn Hofer; Exhibition at Galerie Springer Berlin.

»7 Fragen an…« FOTOTREFF Berlin

PiB Interview »7 questions for… / 7 Fragen an…« FOTOTREFF BERLIN

[Read more in English about FOTOTREFF Berlin on PiB]

Seit 2014 gibt es eine Initiative in Berlin, die PiB (auch als Medienpartner) allen Fotografieinteressierten wärmstens ans Herz legen kann: den FOTOTREFF Berlin – eine Plattform für FotografInnen und BildredakteurInnen und alle, die sich für künstlerische und dokumentarische Fotografie interessieren.

Die regelmäßigen Treffen finden im STUDIO JACOB & REISCHEL in Berlin-Kreuzberg statt, und bieten die Möglichkeit, sich am kritischen Diskurs über die Autorenschaft, das Editieren und das Präsentieren von freien fotografischen Projekten zu beteiligen.
Im kuratierten Programm werden renommierte Gäste vorgestellt, und im weiteren Verlauf des Abends sind alle TeilnehmerInnen eingeladen, eigene Arbeiten oder entstehende Projekte mitzubringen und vorzustellen.

FOTOTREFF Berlin ist initiiert von Winifred Chiocchia, Tobias Laukemper und Anna Charlotte Schmid.

Das FOTOTREFF Berlin Team: Winifred Chiocchia, Tobias Laukemper und Anna Charlotte Schmid. Foto © Hahn + Hartung, 2018

Das FOTOTREFF Berlin Team: Winifred Chiocchia, Tobias Laukemper und Anna Charlotte Schmid.
Foto © Hahn + Hartung, 2018

 

FOTOTREFF #22 findet diesen Samstag statt (20. Januar 2018, 19 Uhr) und stellt die Arbeiten dreier Künstler vor – Beatrice Minda, Norman Behrendt, Anton Roland Laub – die sich mit den Wechselwirkungen zwischen urbanen Strukturen und politischen Systemen befassen.

Postkarte mit Foto von Norman Behrendt zum FOTOTREFF BERLIN #22 am 20. Januar 2018, mit Beatrice Minda, Norman Behrendt, Anton Roland Laub

Postkarte mit Foto von Norman Behrendt zum FOTOTREFF BERLIN #22 am 20. Januar 2018, mit Beatrice Minda, Norman Behrendt, Anton Roland Laub

 

Dark Whispers © Beatrice Minda

Dark Whispers © Beatrice Minda

 

Brave New Turkey © Norman Behrendt

Brave New Turkey © Norman Behrendt

 

Mobile Churches © Anton Roland Laub

Mobile Churches © Anton Roland Laub

 

Im Folgenden nun PiBs »7 Fragen an…« FOTOTREFF Berlin, die die Initiatoren netterweise abwechselnd beantwortet haben:

Wie/wann kamst du zur Fotografie, und was bedeutet Fotografie für dich?

Anna Charlotte Schmid: Als Kind hatte ich so eine kleine “Knipse”. Das Negativ Format war klein und quadratisch, welches man heute gar nicht mehr kennt. Ich hatte keine Ahnung davon, was ein Negativfilm bedeutet.

Meine erste richtige Kamera bekam ich dann von meinem Vater (der Klassiker!), der Maler ist. Da ich nicht mit einem Pinsel umgehen kann, nahm ich meine Nikon FE2 und fotografierte mein Umfeld. Alles, zu dem ich eine emotionale Bindung aufgebaut hatte. Wollte Momente auf etwas Ewigem festhalten. Heute weiss ich, dass ich mittels dieser Bilder die Möglichkeit gesucht habe, mit meinem abwesenden Vater, der weit weg wohnte, eine Verbindung auf einer bildnerischen Ebene aufzubauen. Ich suchte die Nähe über die Kunst. Das hat mich nicht mehr losgelassen: Durch die Fotografie einem Menschen näher zu kommen, sich auszudrücken und mitzuteilen und: die Fotografie als Ausdrucksmittel zum Austausch mit anderen Menschen zu benutzen. Die Fotografie sehe ich als ein Übermittler meiner Sicht auf die Welt.

Später in meinen Studium bei Peter Bialobrzeski lernte ich viel über das Editieren und die Herangehensweise an Projekte. Er war sehr streng und sehr fokussiert auf die Qualitäten jedes einzelnen Stundenden. Ich verstand mehr und mehr das Fotografieren als ein “Innen nach Außen-Filter”. Ein Moment, der persönlich und intuitiv festgehalten wird, muss durch sorgsame Auswahl den Betrachter verständlich gemacht werden und dennoch Offenheit für Interpretation lassen.

Die Fotografie hat für mich zwei Gesichter: Sie ist das Abbild meiner Wahrnehmung dieser/meiner Welt und das, was der Betrachter in meinen editierten Bilder liest.

Bietet Berlin für dich ein gutes Umfeld, um im künstlerischen Bereich tätig zu sein – und wie schätzt du die zukünftige Entwicklung ein?

Anna Charlotte Schmid: Berlin hat einen großen Pool von wirklich guten Fotografen. Es ist die Vielfältigkeit der künstlerischen Arbeiten, die hier produziert und gezeigt wird. Das Umfeld lebt vom Austausch und der Inspiration durch Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, die Berlin zu bieten hat. “Berlin ist arm, aber sexy”. Es ist ein begehrter Ort für Fotografen, die hier unendliche Anregungen finden. Viele Galerien bieten ein umfangreiches Programm von lokalen Fotografen an. Die Stadt ist für mich ein gutes Sprungbrett, um in die künstlerische Welt einzutauchen. Es ist die Frage, was jeder Fotograf daraus macht. Mit der Veranstaltungsreihe FOTOTREFF Berlin ist es mir möglich, mit renommierten Fotografen und Galeristen/Kuratoren in Kontakt zu treten. Dennoch unterscheide ich zwischen meiner eigenen künstlerischen Tätigkeit als Fotografin und der als Teammitglied und Organisatorin für das Fototreff Berlin.

Wie schätze ich die zukünftige Entwicklung ein?
Wenn es in Berlin so weiter geht – dass die Mittel zur Unterstützung von fotografischen Projekten gekürzt werden und die Mieten immer teuerer werden – sehe ich weniger Möglichkeiten für eine finanzielle Freiheit, um dem produktiven Prozess Raum zu geben, den jeder Künstler braucht. Es wird immer Fotografen geben, die hier in Berlin Fuß fassen und die, großartige Ausstellungsmöglichkeiten geboten bekommen oder von hier aus Bücher für den internationalen Markt publizieren und für weltweite Magazine arbeiten können. Irgendwann jedoch ist das künstlerisch-individuelle Berlin ausgeschöpft, dann wird es auch hier für jeden einzelnen Fotografen schwer werden zu überleben. Und so werden einige weiterziehen, in eine noch unentdeckte Welt, um sich vielleicht dort zu verwirklichen.

Ist das Medium Fotobuch wichtig für dich – wenn ja warum, und welche Fotobücher haben dich am meisten geprägt?

Winifred Chiocchia: Für mich sind Fotobücher nicht nur sehr wichtig, sondern sogar unverzichtbar. In einem Zeitalter der sofortigen Befriedigung und unmittelbaren Kommunikation ist ein Fotobuch etwas Besonderes, das eine angemessene Zeit für die Interaktion erfordert.

Wir können uns alleine hinsetzen und beginnen, uns privat mit einem Buch zu beschäftigen, wir können es anfassen, wir können es riechen. Wir können buchstäblich mit der Arbeit leben, die darin gezeigt wird, wir schaffen eine sehr persönliche und intime Beziehung mit dem Buch selbst, mit dem Ergebnis dass wir anschließend einen Dialog mit dem Fotografen eingehen können, der es produziert hat. Ein Fotobuch ist ein einzigartiges Objekt und es ist für immer da, es ist unbestechlich, unveränderlich.

Ein Fotograf, der sich darauf vorbereitet, ein Fotobuch zu produzieren, weiß das gut und deshalb nähert er sich der Umsetzung erst, wenn er sich dafür komplett bereit fühlt. In gewisser Weise ist ein Fotobuch wirklich repräsentativ für einen ganz spezifischen Moment in der Karriere eines Fotografen: Der Moment, in dem er sich bereit fühlt, in einen Prozess der emotionalen – und auch logistischen – Selbstdarstellung einzutreten, der die Zeit überdauern wird.

Wenn ich einige der Fotobücher nennen sollte, die den größten Einfluss auf mich hatten, würde ich sicherlich Sleeping by the Mississippi von Alec Soth erwähnen, ein brillantes Fotobuch mit großformatigen Details über Grenzerlebnisse im Mittleren Westen. Und natürlich würde ich auch The Dream von Fabio Bucciarelli erwähnen. Ein kleines Juwel, das Pinhole-Fotografie mit preisgekrönten fotojournalistischen Aufnahmen vermischt, und dem es gelingt, unsere repetitive Darstellung der Flüchtlingskrise zu durchbrechen, und eine kraftvolle und poetische Geschichte zu erzählen. Weitere Bücher, die ich sehr schätze, sind The Island of the Colorblind von Sanne De Wilde, und I Love You, I’m Leaving von Matt Eich.

Was macht für dich ein “gutes” Bild aus?

Winifred Chiocchia: Ein gutes Foto spricht mich emotional und intellektuell an.
Es hat eine starke Aussage, und diese Botschaft schafft eine intime Beziehung zwischen dem Subjekt, dem Fotografen und dem Betrachter.
Starke, emotionale Fotografien haben die Fähigkeit, Menschen innehalten zu lassen, sie zum Nachdenken zu bringen und zum Handeln zu bewegen.

Wie wird sich die Fotografie in 20 Jahren entwickelt/verändert haben?

Winifred Chiocchia: Wir leben in einer Welt, in der das digitale Bild nahezu unendlich flexibel und in ständiger Entwicklung ist, und in der das Publikum immer mehr fordert, aktiv an der dokumentierten Erfahrung teilzuhaben. Sicherlich werden Video und 3D-Realität ihre Präsenz erweitern, wenn es um Nachrichten oder Dokumentationen geht.

Gleichzeitig glaube ich, dass künstlerische Fotografie und Fotobücher ihren Stellenwert als Kunstobjekte festigen werden, ebenso als Momente friedlicher Stille in einer Welt, die (vielleicht) zu schnell ist.

Abgesehen davon hat die Fotografie seit ihren Anfängen 1839 bis zum heutigen Tage einige unglaubliche Veränderungen erlebt – aber was mehr oder weniger das Gleiche geblieben ist, ist die Tatsache, dass sie die Sicht eines Menschen auf die Welt teilt.

Vor kurzem habe ich einige sehr interessante Artikel über verschiedene Ansätze gelesen, über Fotografie nachzudenken, über die Rolle, die Computervision und künstliche Intelligenz (AI) in der Zukunft spielen werden und wie dies den Status von Bildern verändern wird. Wir haben immer an Fotografie als etwas gedacht, das von Menschen und für Menschen gemacht wird, aber was passiert, wenn Maschinen anfangen zu fotografieren? Der in Berlin lebende Künstler Trevor Paglen untersucht in seiner Arbeit A Study of Invisible Images das Gebiet der “Machine Vision”, um Bilder von Maschinen für andere Maschinen aufzuzeichnen. Paglens Studien zufolge bekommen zeitgenössische Bilder eine zunehmend größere Rolle und werden zu aktiven Teilnehmern der Welt, anstatt nur eine bloße Darstellung davon zu sein. Dies könnte ein sehr interessanter Punkt in der Diskussion über die Zukunft der Fotografie sein.
(Winifred Chiocchia’s answers have been translated from English by PiB; her original answers will be published on PiB’s blog in February 2018)

Was sind deine Lieblingsorte für Fotografie im Berliner Umfeld?

Tobias Laukemper: In Berlin ist die Fotografie vielfältig präsent. Allen voran die großen Institutionen, bspw. das C/O Berlin, die Helmut Newton Stiftung und das Haus am Kleistpark, dann natürlich die vielfältige Galerien- und Projektraumlandschaft. Da finde ich Robert Morat sehr interessant, und die vielen kleineren Galerien wie bspw. Podbielski Contemporary (Anm. von PiB: Beatrice Mindas dortige Einzelausstellung »Dark Whispers« läuft noch bis 20. Januar)f³ – freiraum für fotografie (Anm. von PiB: Am 1. Februar 2018 um 19 Uhr eröffnet bei f³ in Kooperation mit Hatje Cantz die neue Ausstellung »Kriegskinder«, das gleichnamige Buch von Frederike Helwig und Anne Waak ist 2017 bei Hatje Cantz erschienen), pavlov’s dog, die Galerie fuer Moderne Fotografie oder die aff Galerie und die Fotogalerie Friedrichshain.

In den letzten Jahren haben sich auch Orte etabliert, die den Diskurs durch Gespräche fördern – nicht mehr durch die klassische Frontal- oder Unterrichtsperspektive, wie sie Podiumsdiskussionen oder Panelveranstaltungen oft bieten, sondern in intimer, fast heimeliger Athmosphäre, wie beispielsweise unser FOTOTREFF Berlin, Veranstaltungen der Ostkreuzschule für Fotografie, der Sofatalk im  oder Beyond the Ring. (Anm. von PiB: die nächsten beiden Talks in der Beyond the Ring Veranstaltungsreihe finden am 25. Januar 2018 mit Alexander Gehring sowie am 22. Februar 2018 mit Hahn+Hartung statt!)

Durch Buchläden wie 25books, Kehrer, Pro qm oder Motto wird der Diskurs unterstützt, und man kann sich durch diverse Fotobücher, Kunst- und Gesellschafttheorie inspirieren. Nicht vergessen möchte ich auch die Buchmessen wie MissRead oder Friends with Books und spezialisierte Zeitschriftenläden wie Do you read me, die ich sehr gern besuche. So gibt es für viele Positionen und Diskurse auch viele Möglichkeiten der Präsentation.

Gibt es Trends in der zeitgenössischen Fotografie, die dich interessieren?

Tobias Laukemper: Mich interessieren vor allem Serien, in denen die Dokumentations- mit der Autorenfotografie vermischt ist. In diesen Bildern wird eine Geschichte subjektiv erzählt, so wie der Fotograf sie erlebt und bildlich umsetzt. Die Bilder gelten als Argumente oder Handlungsstränge, sie sind teils dokumentarisch, teils abstrakt. Es ist Raum für die eigene Ausführung und Handschrift und doch hat das Ganze eine Art Bodenhaftung und einen Realitätsbezug (bspw. Heinrich Holtgreve, Julia Sellmann, Sarah Straßmann).

Ebenso gefallen mir Bilder, die mit dem Digitalen spielen – damit meine ich nicht die Montage oder Veränderung von Bildern sondern die Inszenierung von Künstlichkeit und Ungewohntem. So wird eine Geschichte erzeugt, die Zwischenwelten stattfindet, die zwischen dem Digitalen und dem Analogen liegen, und so für mich auf unsere Zeit rekurrieren (bspw. Werner Amann, Hahn+Hartung, Roman Schramm).

In zeitgenössischen Arbeiten spielt das Portrait eine große Rolle um eine Geschichte zu erzählen. Die Storyline wird an einen Protagonisten festgemacht, und die Geschichte kann so sehr nahe an der Situation erzählt werden. Es entsteht eine Empathie mit den Akteuren der Geschichte, und Inhalte können so emotional aufgeladen und vermittelt werden (bspw. Maria Sturm, Tobias Zielony, Sonja Hamad, Tobias Kruse).

PiB: Herzlichen Dank an euch drei für dieses spannende Interview!

Abschließend ein paar Impressionen vergangener FOTOTREFF Berlin Meetings:

© FOTOTREFF Berlin

© FOTOTREFF Berlin

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© FOTOTREFF Berlin

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Wer über zukünftige Veranstaltungen des FOTOTREFF Berlin (und weitere Fotografie-Highlights in Berlin) informiert werden will, kann sich gerne für PiBs wöchentlichen E-Newsletter anmelden – oder die zweimonatliche erscheinende Printausgabe – den PiB Guide – abonnieren! : )

The PiB Guide Nº16 | Jan/Feb 2018 © PiB. COVER PHOTO: Hommage à Zurbarán (Still Life No. 6), New York, 1997, Dye Transfer, 37,2 x 53,5 cm © Evelyn Hofer, Estate Evelyn Hofer; Exhibition at Galerie Springer Berlin.

The PiB Guide Nº16 | Jan/Feb 2018 © PiB.
COVER PHOTO: Hommage à Zurbarán (Still Life No. 6), New York, 1997, Dye Transfer, 37,2 x 53,5 cm © Evelyn Hofer, Estate Evelyn Hofer; Exhibition at Galerie Springer Berlin.

»7 Fragen an…« Kirsten Landwehr

PiB Interview »7 questions for… / 7 Fragen an…« KIRSTEN LANDWEHR

Zum Auftakt in PiBs Interview-Reihe »7 Fragen an…« hatte PiB das Vergnügen, sich mit Kirsten Landwehr zu unterhalten.

Liebe Kirsten, magst du dich kurz vorstellen?

Ich bin Kirsten Landwehr, bin in Rostock geboren und lebe nach Aufenthalten in Hamburg und London seit 2003 mit meinem Mann und unserer Tochter in Berlin. Nach meiner 14 jährigen Tätigkeit als Stylistin habe ich 2008 die Galerie fuer Moderne Fotografie gegründet. Der Schwerpunkt des Galerieprogramms liegt insbesondere auf dem Medium der Fotografie und konzentriert sich dabei sowohl auf die Präsentation internationaler etablierter Künstlerinnen und Künstler als auch auf die Entdeckung junger fotografischer Arbeiten sowie die Fotografen der ehemaligen DDR.

PiB_Interview_7questionsfor_no1_01_portrait_kirsten_landwehr

Wie & wann kamst du zur Fotografie, und was bedeutet Fotografie für dich?

Ich bin mit dem weiten Blick auf flaches Land, die Ostsee und dem Sibylle Magazin grossgeworden. Neulich fand meine Tochter Kisten voller von mir gemachter Fotos aus meiner Zeit in London, als ich dort noch als Stylistin gearbeitet habe. Es fühlt sich im Nachhinein so an, als ob alles so sein sollte. Konkret habe ich dann ja erstmal 14 Jahre am Set mit Fotografen gearbeitet, um Werbung, Fashion, Portraits zu fotografieren. Das war eine gute Schule, viel sehen, verstehen, warum dieses Foto eins ist und das andere nur ein Effekt, der nur die ersten 3 min knallt und dann verhallt. Dann wollte ich mehr, habe gemerkt, das Styling nur Mittel zum Zweck war, ein guter aber dennoch irgendwann musste ich weiter. Und ja, ich hatte nachgedacht, selbst Fotografin zu werden, aber irgendwie wollte ich die Szene wechseln, den Point of View und irgendwie das Fotografieren auch als Hobby behalten, ganz unbeschwert. Und das war gut so. Ich bin glücklich mit der Arbeit als Galeristin, es ist auch viel geselliger…. Aber wie gesagt, jetzt nach so langer Zeit habe ich das Gefühl, Fotografie war immer da, ganz intuitiv.

Was macht für dich ein “gutes” Bild aus?

Ehrlich? Ich weiss es nicht, aber ich erkenne es, wenn es vor mir ist. Zum Einen ist es also etwas sehr persönliches. Zum Anderen denke ich, besonders im digitalen Zeitalter, sind wir sehr beeinflussbar, wir „einigen” uns auf Bilder, Bilder, die wir sehr oft sehen, deren Kontext wir spannender finden, als das eigentliche Bild. Man muss schon sehr viel Erfahrung haben, um der Manipulation zu widerstehen.

Gibt es Trends in der zeitgenössischen Fotografie, die dich interessieren?

Junge Fotografen suchen wieder mehr nach der Einzigartigkeit in der Fotografie, oft über technische Details, wie z.B. das Material auf dem sie Printen. Oft bleibt mir das zu technisch, es wird dann fast Grafikdesign, zu viel und dann eben auch zu sehr auf den Effekt aus. Einige jedoch schaffen es durch technische Details Leidenschaft zu materialisieren, irgendetwas unerklärbares, was dich aufwühlt oder auch beruhigt, was dich immer wieder auf dieses Bild schauen lässt.

Welchen Ratschlag würdest du einem Fotografen am Beginn seiner/ihrer Laufbahn geben?

Habe immer eine Kamera bei dir!

Was ist der beste Ratschlag, den du je bekommen hast?

Es gab einige, dieser aber war sozusagen der Startschuss in die Unabhängigkeit. Ich musste im Rahmen meiner Ausbildung ein Assessment Center absolvieren, da wurden wir auf emotionale Kompetenzen getestet. Das war das einzige, was mir an der ganzen elendigen Ausbildung irgendwie Spass gemacht hatte. Mein Supervisor meinte dann aber bei der Auswertung: „Sie waren genial, aber sie langweilen sich doch zu Tode. Ich rate Ihnen, nehmen Sie ihr langen Beine und hauen Sie hier bloss ab, das ist nix für Sie. Laufen Sie endlich mal los“.  Ich meine, der Typ war da, um uns sozusagen zu rekrutieren und dann das. Da steckte soviel drin für mich: Such Dein Glück, sei mutig, sei ehrlich zu dir, spring ins kalte Wasser, mach, trau dich. Ich weiss seinen Namen nicht mehr, aber Danke bis in alle Ewigkeit Herr Unbekannt!

Woran arbeitest du aktuell, und hast du bereits ein zukünftiges Projekt geplant?

Kurzfristig an der neuen Ausstellung von Konrad Hoffmeister, Eröffnung ist am 25.1.2018, kommt alle, haha. Langfristig immer auch an dem grundsätzlichen klassischen Konzept einer Galerie im digitalen Zeitalter. Es gibt immer Zweifel, wie zeitgemäss dieses Konzept noch ist, besonders bei Fotografie.

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© bpk / Konrad Hoffmeister

© bpk / Konrad Hoffmeister

© bpk / Konrad Hoffmeister

© bpk / Konrad Hoffmeister

© bpk / Konrad Hoffmeister

© bpk / Konrad Hoffmeister

Was sind deine Lieblingsorte für Fotografie im Berliner Umfeld?

Es gibt so viele gute etablierte aber auch junge Galerien für Fotografie in Berlin, das schätze ich im allgemeinen sehr, also die Arbeit der Kollegen, der Foto Community. Ich möchte jedoch drei Orte und Initiativen hervorheben:

1) AESTHETIK 01, ein ganz toller feiner Projektraum in Moabit. Kristina Nagel, selbst eine sehr interessante Fotokünstlerin betreibt diesen Projektraum und zeigt immer wieder spannende Positionen zur Fotografie, derzeit der junge georgische Fotograf Davit Giorgadze.

2) d’mage Print Ma­nu­fak­tur. My favorite two power women. Ul und Annette leben Fotografie. Sie haben technisches Wissen gepaart mit einem guten Blick, sind gut gelaunt, lieb und visionär im allerbesten Sinne. Für mich derzeit die beste Print Bude Berlins!

3) Last but not least: Ich liebe PiB. Julia du hast soviel getan für die gute Information über besonders auch zeitgenössische Fotografie, dass man dir gar nicht genug danken kann. PiB ist unkompliziert, sieht toll aus und ist hochprofessionell und das muss hier mal gesagt sein.

Courtesy Galerie fuer Moderne Fotografie

Courtesy Galerie fuer Moderne Fotografie

Courtesy Galerie fuer Moderne Fotografie

Courtesy Galerie fuer Moderne Fotografie

Courtesy Galerie fuer Moderne Fotografie

Courtesy Galerie fuer Moderne Fotografie

Courtesy Galerie fuer Moderne Fotografie

Courtesy Galerie fuer Moderne Fotografie

Courtesy Galerie fuer Moderne Fotografie

Courtesy Galerie fuer Moderne Fotografie

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The PiB Guide Nº16 | Jan/Feb 2018 © PiB. COVER PHOTO: Hommage à Zurbarán (Still Life No. 6), New York, 1997, Dye Transfer, 37,2 x 53,5 cm © Evelyn Hofer, Estate Evelyn Hofer; Exhibition at Galerie Springer Berlin.

The PiB Guide Nº16 | Jan/Feb 2018 © PiB.
COVER PHOTO: Hommage à Zurbarán (Still Life No. 6), New York, 1997, Dye Transfer, 37,2 x 53,5 cm © Evelyn Hofer, Estate Evelyn Hofer; Exhibition at Galerie Springer Berlin.