Das Auge zweifelt: Die Haut der Toten oder “Paisajes” der mexikanischen Fotografin Andrea Tejeda Korkowski

„When most I wink, then do mine eyes best see,
For all the day they view things unrespected;
But when I sleep, in dreams they look on thee,
And darkly bright, are bright in dark directed.”

“Am schärfsten sieht mein Blick, schließt Wimpernsaum –
was er am Tag nur sieht, entfällt dem Sinn;
Doch dann im Schlaf seh ich Dich ganz im Traum,
Blicks Dunkelhell sieht hell aufs Dunkel hin.”

Skin after II_600

Das Auge zweifelt. Sinne geraten ins Wanken. Was wie selbstverständlich, direkt, ohne Umschweife ausgebreitet liegt, will sorgfältig durchwandert, erspürt, will gefunden und bestaunt werden: Warmes Grau bespielt gefurchte Flächen, dessen Säume unscharf ins weiche Dunkel dringen. Tiefschattige Täler, kreidige Grate. Fissuren durchzogen von feinstem Liniengeäst. Darin ein Nebeneinander, ein Kreuzen und Queren von noch feineren Linien. Auratische Präsenz gehüllt in schweigendes Erwarten. Das Auge zweifelt.

“Then thou, whose shadow shadows doth make bright,
How could thy shadow’s form form happy show
To the clear day with thy much clearer light,
When to unseeing eyes thy shade shines so!”

“Denn du, der Schatten schattet zur Gestalt,
Wie formtest schattend Anblick überfroh
Erst hellerm Tag mit größrer Lichtgewalt,
Da schon Dein Schatten blindem Aug scheint so!”

Die Sinne zaudern. Wo beginnen? Welche Richtung nehmen?
Wieder und wieder umhüllen Unschärfen die Gewissheit des Geschauten. Wattig und weich vernebeln sie den Geist. Jedoch – mit sanfter Bestimmtheit lenken sie den Blick hinein in sich mit Klarheit offenbarende Räume. Verlässt uns die Furcht, so spüren wir den Sog. Unser Sehen gleitet wie auf Adlerschwingen jetzt und nah wie fern sind wir. Es gilt, eine Landschaft zu begreifen, die einem inneren Wesen entsteigt. Gespeist aus unbekannten Lebensquellen, genährt und gewachsen an der Zeit. Was sich in großer Ruhe bewegt entfaltet, verhüllt und gibt preis. Das Auge schaut.

Skin_After_IV_750

“How would, I say, mine eyes be blessed made
By looking at thee in the living day,
When in dead night thy fair imperfect shade
Through heavy sleep on sightless eyes doth stay!”

“Wie geht mir, sag ich, erst mein Auge ganz
Beseligt auf, wenns Dich im Leben sieht,
Da toter Nacht Dein Schattenwiderglanz
vors blinde Aug so tritt durchs schwere Lid!”

Macht sich Gewissheit breit? Erkenntnis? Schauen wir in das Antlitz dessen, das bleibt, wenn alles vergeht? Es ist die Lebensspur, die jeder zeichnet. Der Hauch des Atems, der uns treibt. Der Puls der Liebe, der in uns wallt. Ist es Wahrheit, die wir dann schauen? Bewegte Stille im lauten Schweigen? Das sanfte Schlagen einer Schwinge, die uns verstehend streift. Wir sehen Sinnlichkeit, die sich beharrend uns verheißt. Alles geboren aus der unergründlichen Tiefe des Himmels und der maßlosen Weite der Zeit. Glänzende Herrlichkeit Arkadiens geronnen und sorgsam bewahrt in jeder Zelle unseres Seins. Umschlossen und geborgen im Geäst des Lebens, Traumgespinsten gleich.

Skin_After_III_800

“All days are nights to see till I see thee,
And nights bright days when dreams do show thee me.”

“Bis ich Dich seh, sind Tage Nächte schier,
Und Nacht wird taghell: scheinst im Traum du mir.”

Das Auge weiß. Legen wir die Masken nieder. Unverhüllter Blick.
Im faltigen Dunkel versprechend das Leben ruft. In hoffender Erwartung es sich dorthin ergießt. Heben wir es auf unsere Schwingen, damit der Schatten weicht.
JOSEFINE RAAB

Andrea Tejeda Korkowski wurde 1983 in Mexiko City geboren. Andrea absolvierte ein Studium im Bereich Kommunikation und Medien an der Universität Iberoamericana, das sie durch zahlreiche nationale und internationale Workshops ergänzte. Seither arbeitete sie als Fotografin und Foto-Editorin für verschiedene Magazine in Mexiko, sowie als Koordinatorin von Foto-Workshops für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen. Ihr fotografisches Werk umkreist die Beziehung zwischen Körper, Vergänglichkeit und die Wechselfälle des Alltäglichen. Ihre Arbeiten wurden von Verlagen wie CONACULTA, Karnac Books und Paradiso editores und in zahlreichen Magazinen wie Tierra Adentro, Letras Libres, Vice, Travel+Leisure publiziert. Sie nahm an Ausstellungen in Mexiko, Chile und Spanien teil, sowie auf den Kunstmessen Zona MACO photo 2015 and FILSA 2016. Zur Zeit studiert sie in einem Master Programm Visuelle Kommunikation. Weitere Informationen & Bilder finden sich auf ihrer Website.

Alle Deutschen & Englischen Zitate aus dem Sonett Nr. 43, von William Shakespeare, Die Sonette, Englisch & Deutsch, Übersetzt von Wolfgang Kaußen, insel taschenbuch 2228, Erste Auflage 1998, Insel Verlag.

gute aussichten deluxe – new german photography beyond the Düsseldorf School ab 27. April 2017 im Museo de la Cancilleria in Mexico City

014_straßmann_expanded_pictures_scatter_faces_700
Die Ikone des digitalen Bilder-Alltags: Das Kuss-Selfie als fortwährender Daseins-Beweis, ein “Scatter Face” aus der Serie “Expanded Pictures” von Sarah Strassmann

Zugegeben: Wir haben uns viel vorgenommen. Wo geht es hin mit der jungen Fotografie? Welchen Tendenzen, Ideen und Vorbildern spüren die jungen Fotografen nach, welche Arbeitsweisen verfolgen sie im volldigitalen, komplett mobilen Zeitalter?

Die Ausstellung gute aussichten deluxe – junge deutsche Fotografie nach der Düsseldorfer Schule wagt sich an eine Bestandsaufnahme: 22 neue Positionen der gute aussichten Preisträger/innen der Jahre 2004-2015 werden ab Donnerstag, 27. April 2017 im Museo de la Cancilleria in Mexico City (Av. República de El Salvador 47, Centro Histórico, Centro, 06000 Ciudad de México) erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

wand
Wer oder was wird denn hier feil geboten? Die multimediale Arbeit “Apples for Sale” von Rebecca Sampson setzt sich mit indonesischen Hausangestellten in Hongkong auseinander

Die Ausstellung gute aussichten deluxe – junge deutsche Fotografie nach der Düsseldorfer Schule // new german photography beyond the Düsseldorf School spiegelt den Fortbestand und Wandel des Mediums Fotografie in all seinen Facetten und bietet einen einzigartigen Überblick über eine Generation von jungen Fotografen, die das Primat der Düsseldorfer Schule hinter sich gelassen hat und sich visuell klar in der Gegenwart verortet. So hat sich die zeitgenössische Fotografie vom reinen Abbild längst verabschiedet. Die durch die Düsseldorfer Schule postulierte Objektivität des Bildes ist – trotz oder gerade wegen der anhaltenden Bilderflut auf allen medialen Kanälen – dahin.

001_luft_poweruser_snip_700
“Hunt & paste” könnten wir die gnadenlose Überführung visueller Marker, Logos, Ikonen in neue Bildkompositionen auch nennen, die Marian Luft in seiner Arbeit “Prosumer Affairs” betreibt

Gesucht und untersucht wird von den jungen Talenten, welche Rolle die Fotografie im medialen Kanon der Bilder spielt und welche neuen Ausdrucks- und Erscheinungsformen man ihr entlocken kann. Ausgehend von den Rändern der etablierten Fotografie erweitert sich so das zeitgenössische Bild in aktuelle mediale Ausdrucksformen. Die jungen Lichtbildner nutzen dafür alle Mittel der digitalen und analogen Bilderzeugung und -umsetzung, bedienen sich unterschiedlicher medialer Strategien ebenso selbstverständlich, wie sie mit Bewegtbildern, Sound und der Malerei hantieren oder sich mit ihren Werken installativ in den Raum bewegen.

001_Dobbert_some_flowers_HG_1000
Stilles Leben oder Stillleben? In “Some Flowers” überführt Felix Dobbert das Genre des Stilllebens ganz in das hier und jetzt – geradezu schmerzhafte Ästhetik mit modernen Artefakten im unbenennbaren Raum

Der Themenreigen der teilnehmenden jungen Talente umgreift zudem die Auseinandersetzung mit Architektur, Erinnerung und Erinnerungskonstruktion, klassische Sujets wie Portraits oder Stillleben, untersucht die visuellen Inszenierungstechniken rechter Parteien in Europa oder definiert die klassische Reportage-Fotografie neu. Dabei setzen die Fotografen in einer Zeit, die allgegenwärtig von Fake-News betwittert wird, immer wieder konzentrierte Akzente mit Bildern von überraschender Schlichtheit, Poesie und elementarer Lebensverbundenheit.

ga_deluxe_invitation_mex_700
Die Einaldungskarte zur Ausstellung mit einem Motiv aus Georg Brückmanns Serie “Kundmanngasse 19″, die die Philosophie des Denkers Ludwig Wittgenstein in irritierend architektonische Bilder übersetzt

gute aussichten deluxe mit ausgezeichneten Werken der Preisträger: Nadja Bournonville, Georg Brückmann, Claudia Christoffel, Monika Czosnowska, Felix Dobbert, Sonja Kälberer, Katrin Kamrau, Kolja Linowitzki, Tamara Lorenz, Marian Luft, Sara-Lena Maierhofer, Thomas Neumann, Nicolai Rapp, Jewgeni Roppel, Rebecca Sampson, Helena Schätzle, Luise Schröder, Sarah Straßmann, Stephan Tillmans, Markus Uhr, Anna Simone Wallinger und Christina Werner von 27. April 2017 bis 16. Juni 2017 im Museo de la Cancilleria in Mexico City. Die Einladungskarte zur Eröffnung & Ausstellung als PDF.

SODADE_27_700
Wenn das, was in Worten fast nicht beschreibar ist, “Sodade”, in Bildern erzählt werden muss, war Anna Simone Wallinger bestimmt vor Ort

gute aussichten deluxe ist ein gemeinsames Projekt der gute aussichten gGmbH, des Goethe-Instituts Mexico, Mexico City, des Museums des Mexikanischen Aussenminsteriums, dem Museo de la Cancilleria, Mexico City, dem Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg, dem Museum für Fotografie, SMB, Berlin und der Landesvertretung des Bundeslandes Rheinland-Pfalz in Berlin. Weitere Informationen.

“Ein verwirrendes Potenzial” von Julia Steinigeweg bei gute aussichten – new german photography 2016/2017, bis 1. Mai 2017 in den Deichtorhallen Hamburg, ab 27. April 2017 auf Zypern & ab 18. Mai 2017 in Koblenz

_MG_5106_600

Bis Montag, 1. Mai 2017 ist die Ausstellung gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photographie 2016/2017 in den Deichtorhallen, Haus der Photographie Hamburg zu sehen. Bereits am Donnerstag, 27. April 2017 eröffnet die Ausstellung gute aussichten 2016/2017 in Nicosia, auf der Mittelmeer Insel Zypern ihre Pforten und ab 18. Mai 2017 ist gute aussichten 2016/2017 im Landemuseum Koblenz zu Gast.

Unter der Headline: “Diese Leute sind einsam, doch nicht verrückt” schrieb die Hannoversche Allgemeine Zeitung am 10. März 2017: “Steinigewegs Fotoserie denunziert diese Fetischliebhaber nicht, doch einige Bilder lassen keinen Zweifel daran, dass die Menschen weit mehr als tote Materie in ihren Puppen sehen – sie schmiegen sich an die Ersatzpartner. „Diese Leute sind sicherlich einsam“, sagt die Fotografin, „doch nicht verrückt. Wie Kinder üben sie den menschlichen Umgang an den Puppen. Abgründe des Alltags waren schon immer bevorzugte Motive für Fotoreportagen, doch Julia Steinigeweg bedient nicht den Voyeurismus, sie legt vielmehr eine ästhetische Auseinandersetzung mit ihren Motiven vor.” Die ganze Geschichte steht hier.

In loser Folge stellen wir hier die Arbeiten der sieben jungen Talente, die bei gute aussichten 2016/2017 dabei sind, vor und präsentieren, nach den Preisträgern Miia Autio und Chris Becher, Carmen Catuti, Andreas Hopfgarten, Holger Jenss und Quoc-Van Ninh heute die Fotografin Julia Steinigeweg und ihre Arbeit Ein verwirrendes Potenzial, die in Deutschland entstanden ist.

JS_Bild_19

Puppen haben eine lange Tradition – im Kinderzimmer wie in der Kunst. Im Kinderzimmer wird spielerisch das Leben an ihnen geübt. In der Kunst dienen sie als Modell, als Artefakt oder Objekt, als Projektionsfläche oder als lebensechte Skulptur. Julia Steinigeweg untersucht ein Phänomen, das irgendwo dazwischen angesiedelt ist: Lebensgemeinschaften mit Puppen – als Partner- oder Kindersatz, möchte man instinktiv hinzufügen und bezweifelt sogleich, ob dies so stimmt. Viele Gründe können Menschen dazu bewegen, ihr Leben mit einem lebensechten, aber nicht lebendigen Gegenüber zu verbringen. Die Rollen zwischen Mensch und Puppe jedenfalls sind klar verteilt. Einerseits. Anderseits stellt sich die Frage, in welche Art der Beziehung ein erwachsener Mensch zu einem leblosen Objekt treten kann und will. Und wie reagieren wir auf ein solches Phänomen? Kinder jedenfalls lieben und hassen ihre Puppen, behandeln sie wie ihresgleichen und benehmen sich ihnen gegenüber manchmal auch sehr schlecht. Also durchaus: “Ein verwirrendes Potenzial”.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Julia Steinigeweg während der Vorstellung ihres “verwirrenden Potenzials” in den Deichtorhallen, Haus der Photographie Hamburg im März 2017, hat an der Hochschule Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg bei Professor Vincent Kohlbecher studiert und dort 2015 mit ihrer Arbeit “Ein verwirrendes Potenzial” ihren Abschluss gemacht. Weitere Bilder der Serie finden Sie hier.

ga_16_17_catalogue_cover_380

gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photography 2016/2017 wird von dem gleichnamigen Katalog (D/E) begleitet, der auf 224 Seiten und im handlichen Readerformat alle sieben Preisträger und ihre Arbeiten ausführlich in Wort und Bild vorstellt. Ausführliche Informationen zum Buch mit einer Leseprobe im freundlichen PDF-Format.

“Tenebrae” von Quoc-Van Ninh bei gute aussichten – new german photography 2016/2017, bis 1. Mai 2017 in den Deichtorhallen Hamburg & ab 27. April 2017 auf Zypern

Zy_MG_5093_quoc_600

Bis Montag, 1. Mai 2017 ist die Ausstellung gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photographie 2016/2017 in den Deichtorhallen, Haus der Photographie Hamburg zu sehen. Bereits am Donnerstag, 27. April 2017 eröffnet die Ausstellung gute aussichten 2016/2017 in Nicosia, auf der Mittelmeer Insel Zypern ihre Pforten. Unter der Headline: “Glaube, Liebe, Herkunft” schrieb DIE ZEIT am 9. März 2017: “Verunsicherung und die Suche nach Identität prägen die Werke der Absolventen deutscher Fotoakademien. Unter den Preisträgern des Nachwuchspreises “Gute Aussichten” ist etwa Quoc-Van Ninh, der in Deutschland aufgewachsen ist, aber in Vietnam – der Heimat seines Vaters – “in die dunkle Welt seines gefühlten Andersseins” eintauchen will.” Die ganze Geschichte steht hier.

In loser Folge stellen wir hier die Arbeiten der sieben jungen Talente, die bei gute aussichten 2016/2017 dabei sind, vor und präsentieren, nach den Preisträgern Miia Autio und Chris Becher, Carmen Catuti, Andreas Hopfgarten und Holger Jenss heute den Fotografen Quoc-Van Ninh und seine Arbeit Tenebrae, die in Vietnam entstanden ist.

TENEBRAE

Was aktuell moralisch wie politisch für gehörigen Sprengstoff sorgt und zwischen den verschiedenen Fronten zu einem Granulat aus bizarren An- und Aussprüchen zer-mahlen wird, betrachtet Quoc-Van Ninh in “Tenebrae” trotz seiner inneren Zerrissenheit mit einer gewissen Gelassenheit. Er hat die gratwandlerische Aufgabe, sich zwischen drei verschiedenen Kulturkreisen zu bewegen: Sein Vater ist Vietnamese, seine Mutter aus China und er in Deutschland geboren und aufgewachsen. Es begleite ihn stets ein Gefühl der Fremde, sagt er, und ich möchte ihm zurufen: „Mich auch!“, bin ich mir doch gar nicht so sicher, ob ich stets auf jene Kultur referieren möchte, die qua Geburt und Familienhintergrund nur deutsch ist. Quoc-Van Ninh ist gerade ob dieses Hin-und-her-Geworfenseins ein gelungenes Beispiel dafür, dass Integration immer dann gelingt, wenn nicht verlangt wird, alle „fremden“ kulturellen Wurzeln zu kappen. Die subjektive Verortung ist bisweilen unbestreitbar schwer, aber sie ist integrativer Bestandteil jeder Sozialisation. Es ist gut, Quoc-Van Ninh in die dunkle Welt seines gefühlten Andersseins zu folgen, erzählt sie uns doch in jedem Fall auch etwas über uns selbst.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Quoc-Van Ninh (mitte), der hier während des Aufbaus der Ausstellung vom Kurator Ingo Taubhorn (rechts) vermessen wird, hat an der Hochschule für Künste Bremen bei Professor Peter Bialobrzeski studiert und dort 2016 mit seiner Arbeit “Tenebrae” seinen Abschluss gemacht. Weitere Bilder der Serie finden Sie hier.

gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photography 2016/2017 wird von dem gleichnamigen Katalog (D/E) begleitet, der auf 224 Seiten und im handlichen Readerformat alle sieben Preisträger und ihre Arbeiten ausführlich in Wort und Bild vorstellt. Ausführliche Informationen zum Buch mit einer Leseprobe im freundlichen PDF-Format.

ga_16_17_nrwforum_names_snip_600

Wer hält hier wohl wem die Stange? Die sieben gute aussichten 2016/2017 Preisträger/innen im NRW-Forum Düsseldorf im November 2016. Ihre Arbeiten werden in der Ausstellung gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photography 2016/2017 nach Hamburg dann vom 18. Mai 2017 bis zum 3. September 2017 im Landesmuseum Koblenz, Festung Ehrenbreitstein, zu Gast sein.

“Last Chance Junction” von Holger Jenss bei gute aussichten – new german photography 2016/2017, bis 1. Mai 2017 in den Deichtorhallen Hamburg & ab 27. April 2017 auf Zypern

_MG_5138_jenss_700

Bis Montag, 1. Mai 2017 ist die Ausstellung gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photographie 2016/2017 in den Deichtorhallen, Haus der Photographie Hamburg zu sehen. Bereits am 27. April 2017 eröffnet die Ausstellung gute aussichten 2016/2017 in Nicosia, auf der Mittelmeer Insel Zypern ihre Pforten. Andrea Späth schrieb dazu in der Zeitschrift PHOTOGRAPHIE (Nr. 04/2017) unter der Headline “Blick in die Zukunft”: “Eine besondere Schau bietet das Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg bis zum 1. Mai: Der fotografische Nachwuchs zeigt, was er kann. Es sollen die besten Jungfotografen dieses Landes sein. Und jeder ist eingeladen, die Talente kennenzulernen. Was umtreibt die Jugend? Was sind ihre Zielsetzungen? Ist sie für die Zukunft gerüstet, um die kulturellen und sozialen Errungenschaften einer Leistungsgesellschaft zu erhalten? – Es ist das Privileg der älteren Generation einen kritischen Blick auf die Nachkommenschaft zu werfen. Und was wir dieser Tage im Haus der Photographie der Deichtorhallen in Hamburg zu sehen bekommen, lässt tief blicken … auf ein erfreuliches Potential. Die ganze Geschichte steht hier.

In loser Folge stellen wir hier die Arbeiten der sieben jungen Talente, die bei gute aussichten 2016/2017 dabei sind, vor und präsentieren, nach den Preisträgern Miia Autio und Chris Becher, Carmen Catuti und Andreas Hopfgarten heute den Fotografen Holger Jenss und seine Arbeit Last Chance Junction, die in Ghana entstanden ist und sowohl aus einem äusserst empfehlenswerten, humorvollen Video und Fotografien besteht.

HJ_GIFTS_AND_TREASURES_006

Ein weißer Europäer fährt nach Afrika – das erweckt in uns Bilder von Forschern und Eroberern, von „Wilden“, denen Kolonialisten Kultur brachten, von Versklavung, Hunger und Krieg, von Dr. Grzimek, Safari und postkolonialer Afrikaromantik. Nichts von alledem hat Holger Jenss aus Ghana mitgebracht, und doch steckt all das in “Last Chance Junction”. „Critical Whiteness“ ist eines der Stichwörter, dem Jenss auf die Spur kommen wollte. Er war in Ghana die Minderheit. Der Weiße, der mit einem Blick nach Afrika kommt, in den unausweichlich all jene Bilder eines Kontinents geflossen sind, der seit der Antike von fremden Mächten heimgesucht wird. So setzt sich Jenss in (selbst)ironischer Weise mit diesen Sedimenten unseres kollektiven (Bild-)Gedächtnisses auseinander und nimmt dabei nicht nur seine eigene kulturelle Aneignung, sondern auch die kuriose Verinnerlichung der weißen Kultur seitens der Afrikaner aufs Korn.

Ein Fotograf und Filmemacher mit schauspielerischen Talenten: Holger Jenss – hier ehrerbietig vor Motiven aus Carmen Catutis Arbeit “Marmarilo” kniend, im März 2017 im Haus der Photographie, Deichtorhallen – hat an der Kunsthochschule Kassel bei den Professoren Bernhard Prinz und Jan Peters studiert und dort 2016 mit seinem Werk “Last Chance Junction” seinen Abschluss gemacht. Weitere Bilder seiner Serie finden Sie hier.

gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photography 2016/2017 wird von dem gleichnamigen Katalog (D/E) begleitet, der auf 224 Seiten und im handlichen Readerformat alle sieben Preisträger und ihre Arbeiten ausführlich in Wort und Bild vorstellt. Ausführliche Informationen zum Buch mit einer Leseprobe im freundlichen PDF-Format.

“Die Weltesche Yggdrasil …” von Andreas Hopfgarten bei gute aussichten – new german photography 2016/2017, bis 1. Mai 2017 in den Deichtorhallen Hamburg

_MG_5065_snip_600

Bis Montag, 1. Mai 2017 ist die Ausstellung gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photographie 2016/2017 in den Deichtorhallen, Haus der Photographie Hamburg zu sehen. Katja Engler schrieb dazu im Hamburger Abendblatt am 10. März 2017: “Das Beste, was Deutschlands meist noch unbekannte Absolventen im Bereich Fotografie zu bieten haben, ist jetzt bis zum 1. Mai im Haus der Photographie zu sehen, … Die Höhepunkte: Herausragend sind die Arbeiten der beiden Hamburger Absolventen Julia Steinigeweg und Andreas Hopfgarten.” Die ganze Geschichte steht hier.

In loser Folge stellen wir hier die Arbeiten der sieben jungen Talente, die bei gute aussichten 2016/2017 dabei sind, vor und präsentieren, nach den Preisträgern Miia Autio und Chris Becher und Carmen Catuti heute den Fotografen Andreas Hopfgarten und seine umfangreiche Serie Die Weltesche Yggdrasil oder die Suche nach einer verlorenen Erinnerung, die hauptsächlich in Hamburg und Umgebung entstanden ist.

AH_Bild_0001

Aus Briefen, Dokumenten, Erzählungen, Fotos und anderen Fundstücken konstruierte Andreas Hopfgarten‚ “die verlorene Erinnerung” seiner Familie aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und unmittelbar danach. Ein hybrides Puzzle mit vielen Leerstellen, das er, einem Archäologen gleich, Stück für Stück ausgräbt, zusammensetzt und mit eigenen Bildern und Objekten füllt. Hopfgartens Vorgehensweise kann als exemplarisch gelten, speist sich unsere Erinnerung doch aus einer Vielzahl von Bruch- und Versatzstücken gelebten Lebens. Sich erinnern ist nie ein faktischer Akt, sondern ein Hineintauchen in die Sedimente unserer Seele. Dorthin, wo wir Angst, Freude, Glück, Liebe, Schmerz und Verlust vergraben, alles Erlebte speichern wie in einer Blackbox. Ein Geruch, ein Klang, ein Bild vermögen diese Box zu öffnen und uns zu vergegenwärtigen, dass Erinnerungen tief verwurzelt sind in unserem Sein ­– wie die “Weltesche Yggdrasil”, der Weltenbaum, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft umgreift.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Andreas Hopfgarten (links) – hier bei der Präsentation seiner Arbeit “Die Weltesche Yggdrasil oder die Suche nach einer verlorenen Erinnerung” im Haus der Photographie, Deichtorhallen, im März 2017, zusammen mit dem Kurator des Hauses Ingo Taubhorn (rechts) und der Gründerin von gute aussichte, Josefine Raab (mitte) – hat an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg bei den Professorinnen Gesa Lange und Linn Schröder studiert und dort 2016 mit der “Weltesche Yggdrasil” seinen Abschluss gemacht. Weitere Bilder der umfangreichen Serie finden Sie hier.

gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photography 2016/2017 wird von dem gleichnamigen Katalog (D/E) begleitet, der auf 224 Seiten und im handlichen Readerformat alle sieben Preisträger und ihre Arbeiten ausführlich in Wort und Bild vorstellt. Ausführliche Informationen zum Buch mit einer Leseprobe im freundlichen PDF-Format.

“Marmarilo” von Carmen Catuti bei gute aussichten – new german photography 2016/2017, bis 1. Mai 2017 in den Deichtorhallen Hamburg

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Bis Montag, 1. Mai 2017 ist die Ausstellung gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photographie 2016/2017 in den Deichtorhallen, Haus der Photographie Hamburg zu sehen. Jana Werner schrieb dazu in der WELT vom 10. März 2017: “Das Haus der Photographie zeigt abermals prämierte Nachwuchsstars. Die Schau ist eine bildgewaltige Annäherung an das Eigene, das Fremde, das Tabuisierte.” Die ganze Geschichte steht hier.
In loser Folge stellen wir hier die Arbeiten der sieben jungen Talente, die bei gute aussichten 2016/2017 dabei sind, vor und präsentieren, nach den Preisträgern Miia Autio und Chris Becher heute die Fotografin Carmen Catuti und ihre Serie Marmarilo, die in Georgien entstanden ist.

CC_Bild_016

Marmor, Gold, Samt und Seide sind Materialien, die in sakralen Kontexten zur Inszenierung von Heiligkeit und Spiritualität dienen. Ihre Kostbarkeit illustriert göttliche Allmacht und Präsenz. Hinzu gesellt sich ein Kanon von Formen, Gesten und Haltungen, der sich im Lauf der Jahrhunderte in der christlichen Bildpraxis etabliert hat. Auf dieses Dreigespann aus Material, Geste und Form referiert “Marmarilo” (georgisch für Marmor). Gegliedert in zwölf Werkgruppen, befragt, zitiert und interpretiert Carmen Catuti die Zeichensprache religiöser Repräsentanz. So schimmert das Blau als Verweis auf das Göttliche im Bildnis einer jungen Frau, in einem Faltenwurf, im Abdruck einer Ikone oder als Dekor für liturgische Artefakte. Gegenspieler ist das Rot, in der Bibel die Farbe für Sünde und Sühne, verknüpft mit Strafe, Krieg und Tod. Im Rot schließt sich der Kreis, ganz im bildhaften Sinne des Wortes – als Metapher und als Versprechen des Ewigen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Carmen Catuti (rechts) – hier bei der Präsentation ihrer Serie “Marmarilo” im Haus der Photographie, Deichtorhallen, im März 2017, zusammen mit dem Kurator des Hauses Ingo Taubhorn (mitte) und der Gründerin von gute aussichte, Josefine Raab (links) – hat an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Professorin Tina Bara und Anna Voswinckel studiert und dort 2016 mit “Marmarilo” ihren Abschluss gemacht. Alle Bilder der Serie finden Sie hier.

gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photography 2016/2017 wird von dem gleichnamigen Katalog (D/E) begleitet, der auf 224 Seiten und im handlichen Readerformat alle sieben Preisträger und ihre Arbeiten ausführlich in Wort und Bild vorstellt. Ausführliche Informationen zum Buch.

Die “Boys” von Chris Becher bei gute aussichten – new german photography 2016/2017, bis 1. Mai 2017 in den Deichtorhallen Hamburg

_MG_5205_700

Bis Montag, 1. Mai 2017 ist die Ausstellung gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photographie 2016/2017 in den Deichtorhallen, Haus der Photographie Hamburg zu sehen. Auch wenn die Hamburger Morgenpost aus gute aussichten 2016/2017 inzwischen die “Neue Deutsche Foto-Welle” (13.03.2017) gemacht hat, sollten wir die Ernsthaftigkeit, mit der sich die jungen Fotgraf/inn/en ihren Aufgaben gewidmet haben, nicht unterschätzen. Sieben Preisträger kürte die Jury, zu der u.a. die renommierte Fotografin Herlinde Koelbl, der Art Director Mario Lombardo, der Kurator des Hauses der Photographie Ingo Taubhorn, die Bildchefin des Magazins NEON, Amélie Schneider, die Kunstwissenschaftlerin und -journalistin Wibke von Bonin und die Gründerin von gute aussichten, Josefine Raab gehörten.

In loser Folge stellen wir hier die Arbeiten der sieben jungen Talente, die bei gute aussichten 2016/2017 dabei sind, vor und präsentieren, nach Miia Autio, heute den Fotografen Chris Becher und seine Serie Boys, die in Köln und Umgebung entstanden ist.

CB_Bild_010

Um vorgefertigte Bilder und klischeebehaftete Meinungen geht es in “Boys” von Chris Becher. Dieses Sujet ist ein besonderes Minenfeld, denn Menschen, die professionell ihren Körper anbieten, umgibt in der Vorstellung der „Normalbürger“ ein schmuddeliges, zwiespältiges Image. Es ist schnell die Rede von einem halbseidenen Milieu mit zwielichtigen Protagonisten. Dabei handelt es sich um ein Gewerbe, das so alt sein dürfte wie die Welt. Je nach kulturhistorischem, politischem oder religiösem Kontext schwankt die öffentliche Meinung zwischen Akzeptanz, Ablehnung, Kriminalisierung oder Verfolgung. All dieses hat Chris Becher mit seiner fotografischen Feldstudie elegant umschifft.
Indem er uns männliche Sexarbeiter auf gleicher Augenhöhe in sachlichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigt, lenkt er unseren Blick auf die Menschen, die im Fokus seiner Untersuchung stehen. Und indem er jegliche Bewertung bewusst vermeidet, öffnet er auch unseren Blick für eine wertfreie Betrachtung.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Chris Becher, hier bei der Präsentation seiner Arbeit in den Deichtorhallen, Haus der Photographie Hamburg, wo er über die Gleichwertigkeit seiner Bild- und Texttafeln spricht, hat an der Kunsthochschule für Medien in Köln bei Professorin Beate Gütschow studiert und dort 2016 mit “Boys” seinen Abschluss gemacht. Alle Bilder der Serie finden Sie hier.

Die Ausstellung wird begleitet von dem Begegnungs- & Kommunikations-Forum für junge Fotografen, der gute aussichten_plattform8: WHERE?!, die vom 23.-26. März 2017 in den Deichtorhallen stattfindet und von über 50 hochkarätigen Fotografie-Experten, -Lieberhabern & -Profis bestritten wird. Das Programm & mehr Infos.

gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photography 2016/2017 bis 1. Mai 2017 in den Deichtorhallen, Haus der Photographie Hamburg

014A5156_700

Donnerstag, 9. März 2017, 20 Uhr, Hamburg: Josefine Raab, die Erfinderin & Gründerin von gute aussichten, laut dem Magazin DER SPIEGEL “Deutschlands renommiertester Wettbewerb für junge Fotografie” (22.01.2009), eröffnet im Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg die Ausstellung gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photography 2016/2017 und führt vor den zahlreichen Vernissagegästen in die ausgezeichneten Arbeiten der sieben Preisträger/innen ein.

Die Auseinandersetzung mit dem Eigenen, dem Fremden und dem Fremden als Teil von sich selbst scheint das unabgesprochene, übergeordnete Thema von gute aussichten 2016/2017 zu sein. Die Ausstellung des wichtigsten deutschen Nachwuchspreises für Absolventen von Fotografiestudiengängen präsentiert alle Arbeiten der sieben Preisträger. Es werden über 280 Motive, sechs Videos, drei Publikationen, zwei Diaprojektionen, ein Buch und erstmals 78 laubgesägte Holzbäume, ein Duschvorhang und ein Baum aus Papier und Tusche als Objekt gezeigt.

In loser Folge stellen wir hier die Arbeiten der sieben jungen Talente, die bei gute aussichten 2016/2017 dabei sind, vor und beginnen heute mit der Fotografin Miia Autio und ihrer Serie Variation of White, die in Tansania entstanden ist.

MA_012

Dunkelhäutige Frauen und Männer in bunter Kleidung bevölkern die Porträts von Miia Autio und verorten diese Menschen in unserem westlichen Blick nahezu instinktiv in Afrika. Irritation erregt jedoch sofort ein roter Punkt an der immer gleichen Stelle. Auch die röntgenartige Optik, die sich in „unser“ Bild drängt, signalisiert, dass unser Eindruck und der wahre Bildgegenstand vielleicht nicht übereinstimmen. Denn nicht das Positiv, sondern das Negativ wurde für den Abzug verwendet. Und dieses sorgt dafür, dass wir schwarze Menschen sehen, die in Wirklichkeit weiß sind. Ein genetischer Defekt hat aus ihnen Albinos gemacht, was in Tansania mit dem Glauben an magische Kräfte verknüpft ist und die Betroffenen zu Außenseitern der Gesellschaft stempelt. So behandelt “Variation of White” in erster Linie das sub­jektive Sehen und das Entstehen von Bildern in unserem Kopf, das nach vergleichbaren Mustern abläuft wie die Bildung von Vorurteilen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Die Finnin Miia Autio, hier bei der Präsentation ihrer Arbeit in den Deichtorhallen, hat an der Fachhochschule Bielefeld bei den Professorinnen Katharina Bosse und Dr. Anna Zika studiert und dort 2016 mit “Variation of White” ihren Abschluss gemacht. Alle Bilder der Serie finden Sie hier.

Die Ausstellung wird begleitet von dem Begegnungs- & Kommunikations-Forum für junge Fotografen, der gute aussichten_plattform8: WHERE?!, die vom 23.-26. März 2017 in den Deichtorhallen stattfindet und von über 50 hochkarätigen Fotografie-Experten, -Lieberhabern & -Profis bestritten wird. Das Programm & mehr Infos.

Dead flowers on expired film.

As my month as guest blogger comes to an end I leave you with one last image. The best one yet out of one and a half packs of old film.

deadflowerssmall

The flowers I salvaged from the bins at the flower market are expired as is my film. Thank you for looking.

Kind regards, Jason

follow my continuing adventures with expired film on instagram @mcgladejason

The death of film and the re-birth of ideas.

deathoffilm

 

My box of Polaroid 559 is in bad shape. Much worse than the Fuji pack.

It pulls me towards the conclusion that film really is dead. Which saddens me.

But in death there is beauty and Death is not the opposite of Life, but the counterpart to Birth.

New ideas are born every second.

should I release the shutter?

doi?2

 

As it’s my last week as guest blogger I will let you into my head. Here is a digital picture of my analogue set-up.

I have another precious box of Polaroid. It expired in 1993. Faded box but inside packaging in great condition.

 

doi?

I spent the afternoon working my gear into position. I unpacked the film and loaded it up. I checked the set again and was about to start on the light when hailstones started drumming on the roof and black clouds rolled over London and changed my picture. I have to wait now till the morning when I will make the exposure. Should I? Will it even work? Is it the death of film?

Rot.

compost1

 

I finished my pack of fuji. The last image needed two sheets of film. I photographed my rotting compost heap. There is a malevolent beauty in it. The musty hues and dank colours suit my mood and are perfect for my last sheet of fuji. I now have a box of polaroid 559 to work with- expired 1992. Today I saw a De Vere 504 enlarger online for a very reasonable price. Is it worth the investment in time and money? Who cares if I shoot on 5×4 film and print the negative myself? The only digital intervention would be if I chose to show it online. Otherwise I could hang it on a wall and it would be a true original: Conceived, executed and presented by me.

Does anybody care? I do.
Maybe that is the point. Is this the inherent strength in the image? Because I care so much.

Process.Craft. Authenticity. These are buzzwords in our hipster culture. A backstory . Something to touch and feel. Keep it real. who gives a damn?
kind regards
Jason

Polaroid 4.

tainwrecksmall

 

The more observant amongst you will notice I have switched film. I am now the proud owner of a very old box of Polaroid 559 that I bought from eBay. The death of film is imminent and the digital world hurtles towards us like a steam train. I can only hasten its demise by shooting on film.

Click the image and take a closer look

Kind regards

Jason

 

BE MY VALENTINE

Be my valentinePolaroid 5×4 on visiting cards and family prints.

My Polaroid adventure continues. I wish you all a day full of love with family or friends or perhaps old expired film.

Kind regards

Jason

 

 

 

POLAROID 1: Instant Fox.

5x4 Instant film

 

To quickly re-cap:I found a pack of discontinued and very rare Polaroid film in an old camera case. I was kindly asked to do this blog and so I am using the opportunity to explore re- occurring themes that come up in my work.One such theme is Process. Not only photographic – that is to say, working in the darkroom or even on the computer but the actual process of making an image. How do we arrive at an image?How was it formulated?What does it mean?
Above you can see todays photograph. I hope you like it! I certainly do. I enjoy looking at it. Although this morning when I awoke I did not think to myself that I would photograph a fox on my 5×4. And yet there he is sitting calmly amongst flowers. The pastel hues in the Polaroid are pleasing. The ’tilt-shift’ effect is subtle yet helps focus the eye towards the fox. The composition is intriguing and the lighting serves to gently confuse the brain so that you have to work a little to understand the image.

Now let me tell you about my day. I woke very early in order to get to to the flower wholesalers where I rummaged around the bins looking for dead or dying flowers. I think Polaroid images of dead flowers are a great metaphor for this notion of the death of film. So my plan today was to shoot dead flowers as my second blog entry and first Polaroid ( remember I only have 8 shots).

I was to talk about the supposed death of analogue photography to accompany the picture.
But my flowers are not dead enough! They are squashed and bashed but still vibrant. I need to wait. So I set about hanging the flowers upside down in order to hasten their death. My little studio smells wonderful and a visitor today commented on how lovely the flowers looked, arranged in such a way.

So now we see how process is starting to play out.!

A set of circumstances starting with an idea to photograph something completely different has led me to create the image you see above. The nature of my practice ( working with an analogue large format camera) serves to channel my energy towards this direction. I have one shot. Everything must be right and I have to be decisive.

Between one notion and another idea, magic can happen.

And that is how I ended up with my “instant fox”.

Warm regards and until next time
Jason

Is film DEAD and does it matter anyway?


By Jason McGlade In an old camera case i found a full pack of fuji fp-100c45 for my 5×4 camera. This film is a now discontinued instant sheet film compatible with large format cameras. Along with Polaroid 55 type (which gave you an accompanying black and white negative ) this is one of many films that is no longer available or sometimes available on eBay. I recently saw an expired pack of fpc40 for €300.5x4one 

I still shoot film for reasons that i will explain later although back in the nineties when digital photography was still in its infancy film was by far superior and so most pros shot with film. We used Polaroid before shooting film to get exposure, lighting and even composition right- it was a great way of working. Polaroid was readily available and affordable and if you had a good client you could add boxes of instant film to your budget sheet. In this way I stockpiled lots of film and over the years have created many projects exclusively in polaroid.

 

 

 

Now my stockpile has gone and so I was very excited to discover this one box.

Now the big question is what to do with it? I have 8 sheets. I used two sheets for testing- film seems perfect – the touch, feel and smell brought memories flooding back!
Over the next month I will (not allowing for any mistakes) shoot 8 images. I will also try to get a handle on this big topic that interests me so much and that is PROCESS. …..Working with a large format camera and film involves a process that is both meticulous and very technical. It slows the process of image making down and helps to focus my mind. Some photographers would argue that this process actually limits us as image makers.
My starting point is a lucky find. I hope to arrive at a point where I have some beautiful images and feel comfortable and justified in my practice.

I hope you can join me and help me to understand some of these questions.
follow me on instagram @mcgladejason

5x4two

 

Max Ernst Stockburger „アメリカ“ (Amerika)

Aus: Max Ernst Stockburger „アメリカ“ (Amerika), 2016.

„The very definition of the real becomes: that of which it is possible to give an equivalent reproduction. The real is not only what can be reproduced, but that which is always already reproduced. The hyper real.“      Jean Baudrillard

 

Max Ernst Stockburger „アメリカ“ (Amerika), 2016.

Max Ernst Stockburger „アメリカ“ (Amerika), 2016.

Max Ernst Stockburgers „アメリカ“ (Amerika) ist eine von zehn Arbeiten, die die Absolvent*innen des aktuellen Abschlussjahrgangs des Studiengangs ‚Fotojournalismus und Dokumentarfotografie‘ der Hochschule Hannover in der vergangenen Woche als ihre Bachelorprojekte präsentiert haben. (http://www.fotostudenten.de/bachelorausstellung-in-der-gaf-hannover/)

Mit Motorroller, Zelt und Großformatkamera war Max Ernst Stockburger in Japan unterwegs, er legte mehr als 35.000 Kilometer zurück und durchquerte dabei 46 der 47 Präfekturen. Motorroller und Zelt waren für ihn nicht nur Mittel zum Zweck, sondern essentieller Bestandteil seiner Arbeit. Sie machten es nicht nur möglich, bis in die entlegensten Ecken Japans vorzudringen, sondern auch intensiv in den Austausch mit der lokalen Bevölkerung zu treten.

Max Ernst Stockburger „アメリカ“ (Amerika), 2016.

Max Ernst Stockburger „アメリカ“ (Amerika), 2016.

Zu Beginn seiner Reise war Max Ernst Stockburger überrascht, dass in Japan, einer seiner Erwartung nach dem Westen völlig fremden Kultur, die visuelle Hegemonie der USA in Form von Mode, Architektur und Lifestyle omnipräsent zu sein schien. Je mehr sich das scheinbar ‚Amerikanische‘ in seine Bilder von Japan einschrieb, umso mehr wich seine Dokumentation Japans der Simulation Amerikas und wurde zum Prinzip. Die Mattscheibe seiner Großformatkamera war nicht mehr Fenster zur Welt, sondern Projektionsfläche derselben. „アメリカ“ (Amerika) zeigt, wie die Wirklichkeit zum Bild und das Bild zur Wirklichkeit wird, denn die fotografierten Gegenstände und Szenerien sind nicht mehr länger allein als das Resultat des medialen Einflusses des Mythos ‚Amerika‘ zu lesen, sondern werden selbst Teil dieses Mythos.

Max Ernst Stockburger „アメリカ“ (Amerika), 2016.

Max Ernst Stockburger „アメリカ“ (Amerika), 2016.

Weitere Bilder und Projekte unter: www.mxrnst.com

 

Die Rahmung des Rahmens – Von Brechts ‚Kriegsfibel’ zu Adam Broomberg & Oliver Chanarin: ‘War Primer 2′

Oliver Chanarin & Adam Broomberg: War Primer 2, 2011.
Aus: Adam Broomberg & Oliver Chanarin ‘War Primer 2′ 2011.

 

 

In meinem ersten Beitrag habe ich über die Figur des Rahmens geschrieben. Mit der Funktion des Rahmens lässt sich aus meiner Sicht hervorragend der komplette Prozess der Bildpolitiken beschreiben, in die Fotografien eingebunden sind. Wenn die Fotografie die Ereignisse nicht nur abbildet und vermittelt, sondern sie im Bild überhaupt erst herstellt, bleibt zu fragen, ob es eine Möglichkeit gibt, die strukturierende Funktion des Rahmens, die sich meistens unsichtbar zu machen sucht, in irgendeiner Form zu durchbrechen. Inwiefern kann also eine Bedeutungsverschiebung im Sinne eines Sichtbarmachens des Rahmens bzw. einer Rahmung des Rahmens erreicht werden?

Gerade künstlerische Arbeiten suchen oftmals über medienreflexive Verfahren, die eine kritische Prüfung der Beschränkung, die über die Deutung der Wirklichkeit verhängt wurde, einzuleiten. Sie arbeiten am Rahmen selbst und damit an einer Verschiebung der Grenze zwischen Eingegrenztem und Ausgegrenztem, Sichtbarem und Unsichtbarem.

Ein frühes Beispiel hierfür ist für mich Berthold Brechts ‚Kriegsfibel’. Die erste Fassung der ‚Kriegsfibel’ stellte Brecht 1944-45 noch im Exil fertig, veröffentlicht wurde sie aber erst 1955 im Eulenspiegel-Verlag, herausgegeben von Ruth Berlau. Mit dem Ziel, sein an der Dramatik geschultes Konzept der ‚Verfremdung’ zu übertragen, nutzte Brecht für die ‚Kriegsfibel’ das Verfahren der Montage. Im Oktober 1940 begann er, vorrangig aus der aktuellen Tagespresse ausgeschnittene Bilder mit vierzeiligen Gedichten zu kombinieren. Mit dem Verfahren des Ausschneidens, De- und Neumontierens suchte Brecht sein Material zu ‚exponieren’ und dabei die Versteh- und Lesbarkeit der einzelnen Elemente zu verschieben. Ähnlich wie in seiner Theorie zum epischen Theater strebte Brecht mit den so entstehenden Bild-Text-Montagen einen Effekt der Verfremdung an. Sieht man sich Brechts Tafeln der ‚Kriegsfibel’ intensiver an, wird deutlich wie er über seine Technik, die heterogenen Bild- und Textmaterialien miteinander zu kombinieren und zu konfrontieren, Ergänzungen, Widersprüche, Gegensätze und Kommentare herstellt und dabei Bedeutung eher evoziert als festschreibt.

Mehr als 50 Jahre nach Brechts Erstveröffentlichung der ‚Kriegsfibel’ greifen Adam Broomberg und Oliver Chanarin Brechts Arbeit auf, um das Verfahren der Montage über die Neukontextualisierung von Fotografien an Brechts Buch fortzusetzen und das Spiel mit der Bedeutung weiterzutreiben. Für ihr Projekt ‚War Primer 2‘ erstanden sie 100 Original-Exemplare von Brechts Ausgabe der ‚Kriegsfibel’ (englisch ‚War Primer‘), um diese ihrem eigenen künstlerischen Verfahren zu unterwerfen. Dafür konfrontieren sie Brechts Bild-Text-Kombinationen zum zweiten Weltkrieg mit Bildern der aktuellen Kriegs- und Krisenberichterstattung.

aus: Oliver Chanarin & Adam Broomberg: War Primer 2, 2011.

Aus:  ’Adam Broomberg & Oliver Chanarin ‘War Primer 2′, 2011.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An diesem Beispiel kann man sehen, wie in Brechts ‚Kriegsfibel’ über einen sehr engen Bildausschnitt ein weiblicher Körper erkennbar wird, dessen Hände mit einer schwarzen Substanz beschmutzt sind. Der Textkontext (Brechts vierzeiliges Gedicht) verweist auf die im zweiten Weltkrieg versenkten Schiffe vor der spanischen Küste. Broomberg & Chanarin konfrontieren nun in ihrer Intervention Brechts Bild-Text-Kombination mit einem Foto, das über einen ähnlich begrenzten Bildausschnitt, die Bedeutungsfelder ‚weiblicher Körper’, ‚schwarz’ und ‚im Meer gefunden’ interpretiert, indem sie auf Brechts Tafel eine am 3. August 2006 aufgenommene Fotografie von Arturo Rodriguez montieren, die eine sonnenbadende Touristin am Strand von Tejita Beach auf Teneriffa zeigt, die einem von 46 an eben diesem Strand gelandeten Flüchtlingen zu Hilfe eilt. Der historische Bezug wird so um eine aktuelle Deutungsdimension erweitert.

Aus: Oliver Chanarin & Adam Broomberg 'War Primer 2', 2011.

Aus: Adam Broomberg & Oliver Chanarin ‘War Primer 2′, 2011.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Broomberg & Chanarins künstlerisches Verfahren der De- und Neukontextualisierung ist eine grandiose Arbeit an den Konstruktionsbedingungen medialer Bilder, die die diskursive Rahmung derselben zum Thema macht und so die bedeutungskonstituierende Funktion des Rahmens zu verschieben sucht.

Das komplette Buch ‚War Primer 2’ findet sich als Download unter: http://mappeditions.com/publications/war-primer-2

Weitere Informationen unter: http://www.broombergchanarin.com/war-primer-2/


Hannes Jung ‘How is life?‘

Mücken in der Luft an einem See in der Nähe von Kupiskis. Vilma, die an diesem See wohnt, verlor ihren Mann vor fünf Jahren durch Suizid.

Mücken in der Luft an einem See in der Nähe von Kupiskis. Vilma, die an diesem See wohnt, verlor ihren Mann vor fünf Jahren durch Suizid. Aus Hannes Jung ‚How is life?‘, 2016.

Edita mit ihrem Mann Darius. Editas Vater hat im Januar 2016 Selbstmord begangen. Litauen, Kaunas, 21. Mai 2016. (c) Hannes Jung

Edita mit ihrem Mann Darius. Editas Vater hat im Januar 2016 Selbstmord begangen. Litauen, Kaunas, 21. Mai 2016. (c) Hannes Jung

____________________________

Seit 2001 findet an der Hochschule Hannover die Fotografie-Ausbildung mit einem deutschlandweit einmaligen Schwerpunkt im Bereich des Fotojournalismus und der Dokumentarfotografie statt. Ziel der Ausbildung war von Beginn an die Entwicklung fotografischer Persönlichkeiten, die es verstehen, Themen und Inhalte in ihren individuellen Bildsprachen zu visualisieren.

Angesichts aktueller Phänomene wie der Fotografie als Massengut und -kommunikationsform, der Visualisierung von Daten, die hergebrachte Vorstellungen der Spezifik des fotografischen Mediums auf die Probe stellen und der Tatsache, dass wir uns mehr und mehr mit einer medialisiert vermittelten Welt konfrontiert sehen, durchläuft das Medium massive Veränderungsprozesse, die seine Instabilität vorantreiben. Die Frage ist heute weniger: Was ist Fotografie? Als: Was wird Fotografie? – sozial, kulturell, politisch. Das hat vielerlei Auswirkungen auf die Gebrauchsweisen und Kontexte, in denen Fotografie auftritt. Und das muss auch Auswirkungen auf die Ausbildung haben. Für uns geht es daher in der Lehre mehr und mehr um das Reflektieren der Möglichkeiten einer zeitgenössischen erzählerischen Fotografie und einer zukünftigen Praxis in diesem Feld.

Ein gutes Beispiel für eine aktuelle Position, die die Grenzen der dokumentarischen Fotografie auslotet, ist für mich die Arbeit von Hannes Jung, der 2016 bei uns im Studiengang seinen Abschluss gemacht hat. In ‚How is life?‘ beschäftigt sich Hannes Jung mit Litauen, einem Land, das die höchste Suizidrate Europas und eine der höchsten der Welt hat. Proportional mehr als dreimal so viele Menschen wie in Deutschland bringen sich jährlich um, im ländlichen Raum steigt die Rate bis um das neunfache. Betroffen sind vor allem Männer zwischen 40 und 50 Jahren. Seit dem 2. Weltkrieg und mit Beginn der sowjetischen Besatzung ist die Suizidrate unter Männern in Litauen bis um das 10fache gestiegen. Experten sprechen von einem kollektiven Trauma und Identitätsverlust. Dies ist die Ausgangssituation für Hannes Jungs fotografische Arbeit, die keine soziologische Analyse über Suizide in Litauen sein kann und will. Mit dem Medium der Fotografie, das von der Sichtbarkeit lebt, nähert er sich einem Thema, dessen entscheidende Aspekte und Hintergründe einer unmittelbaren Sichtbarkeit verborgen bleiben. Dokumentarische und konzeptionelle Strategien verbindend, interessiert sich Hannes Jung für das Spannungsfeld zwischen dem, was sichtbar ist, und dem, was vorstellbar wird, und lotet in seinen Bild-Text-Kombinationen die Möglichkeiten und Grenzen des Abbildbaren aus.

„Vielleicht kann der Wind nicht fotografiert werden. Aber vielleicht seine Wirkung, wie er das Meer und die Bäume bewegt und verändert.“, wie Hannes Jung selber sagt.

Litauen, Kupiškis, 9. Mai 2016. (c) Hannes Jung

Porträt von Donata mit ihrem Hund Mikutis im Bett. Litauen, Kupiškis 30. Januar , 9. Mai 2016. (c) Hannes Jung

Ein Brunnen im Garten von D*. D*'s Mann versuchte sich in diesem Brunnen umzubringen. Litauen, Katiliškiai, 20. Mai 2016. (c) Hannes Jung

Ein Brunnen im Garten von D*. D*’s Mann versuchte sich in diesem Brunnen umzubringen. Litauen, Katiliškiai, 20. Mai 2016. (c) Hannes Jung

Porträt von Teresa tanzend in ihrer Küche. Teresas Mann brachte sich vor 19 Jahren um. Litauen, Varėna, 21. Februar, 14.Mai 2016. (c) Hannes Jung

Porträt von Teresa tanzend in ihrer Küche. Teresas Mann brachte sich vor 19 Jahren um. Litauen, Varėna, 21. Februar, 14. Mai 2016. (c) Hannes Jung

Weitere Informationen und Bilder unter: www.hannesjung.com

Faktisch – postfaktisch?

Martin Schoberer: Words Once Written, 2011
Martin Schoberer: Words Once Written, 2011.

Weniger die Schrift- als die Fotografieunkundigen werden die Analphabeten der Zukunft sein, wussten schon László Moholy-Nagy und Walter Benjamin in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

_________________________

Kürzlich wurde das Adjektiv ‚postfaktisch’ von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) als das Wort des Jahres 2016 gewählt. Dabei sind die Vorstellungen, die sich mit dem Begriff verknüpfen, keinesfalls so neu, wie es seine aktuelle Konjunktur glauben macht. Zum anderen gibt das Kunstwort durchaus Anlass für eine kritische Lektüre, denn der Begriff impliziert ein Davor, das sich aus meiner Sicht nicht im Sinne eines Dualismus als ‚faktisch‘ begreifen lässt.

Beim Wort ‚postfaktisch‘ impliziert die Vorsilbe in Anlehnung an Begriffe wie ‚Postmoderne‘ und ‚Poststrukturalismus‘, dass sich unsere Medienverhalten dahingehend verändert habe, dass ein vorher auf Fakten rekurrierendes Denken und Handeln nun abgelöst würde von einer Rezeption, die eher Gefühlen, Spekulationen, Lügen und Propaganda zu glauben scheine. Nun ist unser Umgang mit Medien ganz sicher zentralen Veränderungsprozessen unterworfen und gerade das Medium der Fotografie, um das es mir im Folgenden gehen soll, erfährt gegenwärtig eine massive Transformation, die unsere Vorstellungen von Repräsentation, Dokumentation und fotografischer Zeugenschaft radikal in Frage stellt. Dennoch halte ich die im Begriff formulierte Implikation, es habe vor der ‚postfaktischen‘ Berichterstattung eine gegeben, die vor allem Fakten vermittelt habe, für problematisch. Denn gerade für Fotografien, die in der für die journalistische Berichterstattung charakteristischen Kombination von Bild und Text eine zentrale Rolle spielen, sollte die Idee einer Faktizität und Zeugenschaft ungeachtet des Vermittlungspotenzials, das Fotografien ohne Frage haben, schon immer Ausgangspunkt einer kritischen Betrachtung sein.

Fotografische Repräsentationen fungierten noch nie als neutrale objektive Abbilder einer wie auch immer beschaffenen Wirklichkeit, sie waren schon immer mehr als reine Zeugen einer Wirklichkeit, mehr als Fakten. Fotografien sind ebenso wie Bewegtbilder und Texte unausweichlich eingebunden in Funktionsweisen von Macht.

Ein Bild, das im vergangenen Jahr zu einem zentralen Ereignis der Medienberichterstattung wurde, ist das Bild des Jungen Omran aus dem August 2016. An seiner Rezeptionsgeschichte lässt sich sehr gut, das enge Verwobensein von Bildern in Prozesse von Politik, Macht und Ethik nachvollziehen.

In den ersten beiden Tagen der intensiven Rezeption des Bildes war nicht wirklich viel über die Quelle bekannt. Trotzdem müssten wir uns fragen: Was zeigt dieses Bild? Was zeigt es nicht? Und was steckt hinter diesem Bild? Ist die Quelle überhaupt vertrauenswürdig? Aus Syrien gibt es für westliche Medien fast nur Informationen aus zweiter Hand, da westliche Journalisten so gut wie keinen Zugang zum Gebiet haben. Das Bild des kleinen Omran wurde über das oppositionelle Aleppo Mediacenter verbreitet. Das ist ein Zusammenschluss von Aktivisten, die seit 2011 Nachrichten aus den von den Rebellen gehaltenen Vierteln liefern, die aber in der Regel vor allem die Menschenrechtsverbrechen der gegnerischen Parteien in den Fokus stellen. Dass man nicht über die Verbrechen der eigenen Lager berichtet, gehört zu den ungeschriebenen Gesetzen eines solchen Krieges. Einen Tag nach der weltweiten Rezeption des Fotos, gab es eine neue Welle der Aufmerksamkeit, die dieses Mal dem Fotografen des Bildes, Mahmoud Raslan, galt. Blogger hatten nach der Veröffentlichungswelle auf Raslans Facebook-Seite hingewiesen, auf der er sich mit zwei Kämpfern der Zenki-Miliz zeigt, die bei der Enthauptung eines Zwölfjährigen mitgewirkt haben sollen, den sie selbst beschuldigten ein Kindersoldat des Machthabers Assad gewesen zu sein. Die Tatsache, dass das Foto von Omran in Russland kaum Verbreitung fand, ist ein weiteres Indiz, dass die Veröffentlichung solcher Bilder immer mehr ist als der Beweis für ein Unrecht. Sie ist Teil eines Kriegs, der sich auf die Gesetze der Repräsentation ausdehnt und sich dieser als Mittel bedient. Hierbei wird die Steuerung des Sichtbaren mit der Absicht der Regulierung von Inhalten durch die Kontrolle der Perspektive, aus der die Kriegshandlungen und ihre Folgen gesehen werden können, ergänzt. Darstellungen in den Medien sind über jede Zeugenschaft hinaus eine Spielart politischen Handelns. Es besteht dabei mittlerweile kaum eine Möglichkeit, die Fakten und die materielle Realität des Krieges von den Repräsentationsregimes zu trennen.

Sicher haben sich das Tempo und die globale Reichweite, mit denen solche Bilder eine massive und zeitlich nahezu unmittelbare Aufmerksamkeit erfahren, verändert, dennoch sind die kritischen Fragen, die man an das Bild des Jungen Omran richten sollte, die gleichen, die man an Bilder schon immer richten musste.

„You don’t take a photograph, you make it.“ Dieser häufig zitierte Satz von Ansel Adams macht deutlich, dass jedes Bild Ergebnis eines Konstruktionsprozesses ist und nicht der unmittelbare, authentische Abdruck einer Wirklichkeit, die sich 1:1 im Bild wieder finden ließe. Jede Fotografie nimmt eine Rahmung vor. Fotografien ‚rahmen‘ erst einmal rein formal, indem sie einen Ausschnitt festlegen und durch Mittel wie Kamerawinkel, Fokus, Blende, Belichtung etc. gestalterisch wirksam werden. Doch der Rahmen fungiert nicht nur als formale Begrenzung des Bildes, er fasst das Gesehene ein, überträgt und determiniert es und strukturiert letztlich den kompletten Prozess der Bildpolitiken, in die Fotografien involviert sind. Das ‚Wie‘ der Fotografie bestimmt daher nicht allein die Bildgestaltung, sondern auch die Gestaltung unserer Wahrnehmung und unseres Denkens. Fotografien bilden Ereignisse nicht nur ab und suchen über diese zu berichten, sondern sie werden im Bild überhaupt erst hergestellt und mit Bedeutung angereichert.

Die Figur des Rahmens macht deutlich, dass sich Bilder nicht verstehen lassen, indem man sich in der Analyse alleine auf das im Rahmen Dargestellte bezieht. Bedeutung im Feld der Repräsentation konstituiert sich über das im Rahmen Sichtbare hinaus. Genauso wie sich jedes Bild im Kontext bereits existierender Bilder und Ikonografien bewegt und auf diese explizit oder implizit rekurriert, ist die Rezeptionsgeschichte von Bildern Teil ihres Bedeutungsumfeldes. Der Rahmen grenzt ein und schließt aus. Aber auch das, was außerhalb des Rahmens bleibt, innerhalb dessen Repräsentation sichtbar wird, ist Teil des Bedeutungsfeldes. Dabei bildet das, was der Rahmen ausgrenzt, den nicht thematisierten Hintergrund des Dargestellten, gehört aber zu dessen nicht sichtbarer Organisationsstruktur. Das heißt auch, das Unsichtbare ist immer Teil des Feldes der Repräsentation, aber die Ausgrenzungsmechanismen vollziehen sich in der Regel, ohne sichtbare Spuren zu hinterlassen. Daher sehen sich die Betrachtenden mit einer vermeintlich unmittelbaren Abbildung der Realität im fotografischen Bild konfrontiert. Der gerade im Fotojournalismus vorherrschende Glaube an das fotografische Wirklichkeitsversprechen gründet sich auf diese Unsichtbarkeit des Rahmens. Doch innerhalb und außerhalb des Rahmens sind soziale und politische Normen wirksam, die das Feld der Repräsentation strukturieren. Noch die scheinbar transparentesten dokumentarischen Bilder entlarven sich als gerahmt, und zwar gerahmt zu einem bestimmten Zweck, und sie transportieren und erfüllen diesen Zweck durch ihren Rahmen.

Dies war schon immer so – mit ‚faktischen‘ oder ‚postfaktischen‘ Zeiten hat das wenig zu tun und das kritische Lesen von Bildern war schon immer unerlässlich. So hat es Walter Benjamin bereits 1931 lange vor der sogenannten ‚Bilderflut‘ in seiner Lesart von Moholy-Nagy konstatiert, als er propagierte, dass der Fotografieunkundige der Analphabet der Zukunft sein werde.

Nicht erst, aber angesichts der aktuellen Bild- und Medienkultur braucht es allemal einen anspruchsvollen, reflektierten Umgang mit Fotografie. Wir benötigen ‚alphabetisierte‘, kritische Rezipienten und wir benötigen ‚Metafotografen‘, die die Milliarden an Bildern, die zur Verfügung stehen, zu reflektieren wissen, um ihnen ihre eigenen entgegensetzen zu können. ‚Metafotografen‘, die verstehen, dass jedes Bild Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels nicht nur fotografischer und ikonografischer Gegebenheiten ist, sondern auch politischer und medialer Zusammenhänge. Denn Bilder wirken unmittelbar, aber sie verstehen sich nie von selbst.

 

Zum Begriff der ‚Metafotografie‘ vgl. auch Fred Ritchin: Bending the Frame. Photojournalism, Documentary, and the Citizen, 2013.
Zur Figur des Rahmens ist lesenswert Judith Butler: Frames of War. When Is Life Grievable?, 2009.

Eleanor Macnair / Photographs Rendered in Play-Doh

Tiina Itkonen copy

Image: Tiina Itkonen ‘House’ rendered in Play-Doh and photographed by Eleanor Macnair

__________

Happy New Year to Hatje Cantz Fotoblog readers.  It’s been a pleasure sharing some inspiring photography with you this month.

Wishing you a festive year end with the most recent photograph by Eleanor Macnair: modelled on Tiina Itkonen’s photograph ‘House’.

__________

Eleanor Macnair is an artist living and working in London. For further viewing:

Eleanor Macnair’s website , Eleanor Macnair on instagram 

Photographs Rendered in Play-Doh, by Eleanor Macnair, was published by MacDonaldStrand / Photomonitor (2014)

Joséphine Michel / Mercures

MERCURES_9ld

Image: from the series Mercures © Joséphine Michel

Year end is almost here, and it’s time for a brisk walk in the park.  The wind plays with leaves and hats, ruffling the surface of a small lake in smooth ripples, interrupted by ducks and geese.  I am reminded of an image from Joséphine Michel’s recent photographic series, Mercures, and asked her a couple of questions as to the origins of this image:

__________

CM: Here we are immersed in the visual but also limited sensual landscape of an online blog, and I’m thinking of this image of yours which speaks to the experience of seeing, but also of taking in other frequencies and trying to make sense of their patterns. Could you tell me what interested you in making this image?

JM: Although the photograph may appear premeditated, it was discovered through an improvised process, in which I tend to embrace all visual accidents, during a walk across Regent’s Park in London in September 2015. This was in the very early days of a photographic ensemble now titled Mercures, which revolves around the multiple modes of our relationship with birds.

At the time, this on-going project was anything but conceptualized, thought through. Still I had interiorized, in an engrammatic way, what has been at the core of my experiments and research for years, the photographic’s relationship to the sonic. The project arose on a summer dawn the month before as I noticed the gulf between the generic, coarse mental image I had of birds and the splendid subtlety of a seabird song, which I was not then able to identify.

This photograph reveals a visual echo in which an actual acoustic experience eventuates at its core. Whilst editing, I suddenly remembered the visual patterns of Cymatics, where the incidences of sound on water initiated by Hans Jenny created a renewed visualisation of the acoustic experience. Here, the bird’s movements create a plethora of sonic matters materialized by the multiple aquatic patterns, from micro-sounds to larger noises. This image crystallises several recurring obsessions: the textural encounter of the visible and the acoustic realms, the coexistence of multiple states of matter (here, solidity, and liquidity) and the encounter of inertia and liveliness.

Although the bird occupies only a proportionately small area of the image, it is the vector of the photograph. It sizes it between the orthodox and the chaotic characters of grids and their reflections. Its vibrations animate the field and graphically undermine its own enclosure. This fugal trajectory stimulates thoughts about the boundaries we constantly try to impose to these frontier-less creatures.

CM: Where is this enquiry taking you, and what are you looking for in the images you are making, to add to this series?

JM: The project is gradually coming into focus. It gravitates around an exploration of the impact on birds of their habitats, which may be artificial, degraded or reduced by humankind, and the explicit tension and interplay this generates between bird and photographer.

If each new photograph should be able to take the project along an unforeseen path, I feel that the photographic experience intensifies when I record the ire of gazes, the pressure of gestures, the oddities of details.

In Mercures, birds are mostly represented without their surroundings, and there is not any clear sign of deforestation or agricultural clearance to be found. However, habitats affect and sometimes contaminate the images as hors-champs, generating undertones and shadows in these encounters with birds.

I am also interested in digital noise, by the manner in which digital code and compression, on one side, and the fineness of detail of the subject on the other, generate unpredictable textures, which defy a definitive reading of the photographs. In most of the images, a tension imposes itself between the photographic form, its implications of stasis and fixity, and the bird as a process, durational.

__________

For further reading:

Joséphine Michel is a French Photographer, who has recently collaborated with the Finnish electroacoustic composer Mika Vainio to produce the book and audio CD, Halfway to White. An essay about this project, written by Justin Coombes, was published on Photomonitor in 2015.

 

 

Katie Barlow

Looking Back at the Sea © Katie Barlow 2016

Looking Back at the Sea © Katie Barlow 2016

As these festive days at the end of December make one reflect on the most important things in life, in this column I’m sharing some images that made an indelible impression on me during the past year. At present the refugee crisis and the visual communication thereof continues to draw my attention, especially as the resolution of this crisis is not yet in sight.

This year, I had the privilege to be on the jury to select photographs for the Taylor Wessing Photographic Portrait Prize (currently exhibiting at London’s National Portrait Gallery until 26 February 2016) where 57 images were selected for exhibition from more than 4,300 photographs submitted.  In this exhibition two works by Katie Barlow made an enormous impact on all of the judges, in her sensitive portrayal of child refugees – something which we only had confirmed in the actual exhibition, when we were able to read the caption accompanying the images (uniquely, the Taylor Wessing Prize judges are shown physical photographs without any caption, text or author’s name, and judge these by image alone).  These two photographs told a story that needed no words to communicate it, yet I wanted to know more.  At a recent meeting with Katie, I had the pleasure to learn more about these images; below I am sharing her story with you.

__________

Katia beach, Lesvos, Jan 2016

I travelled to Lesvos at the beginning of this year to bear witness to and document the refugee crisis. Unable fully to comprehend the scale of the crisis through the TV screen, I felt the need to go myself. The image of Aylan Kurdi had evoked upset and anger in me, as it had for millions. It had also been broadcast to the world on a day that I had been swimming in the English Channel, with a GoPro on my head, filming a woman doing the cross-channel swim. She was swimming to raise awareness of infertility, a story personal to her and which forms part of a documentary I am making about not being able to have children.

had spent most of the summer training in Dover to be her support swimmer, looking over to Calais as news of the mass influx of refugees in the Jungle camp emerged. Most were hoping to make it across to England in the back of trucks, but some had tried to swim, and drowned.  I started to question the validity of my professional and personal focus, unsure that my feelings about my own situation were justified in comparison to the global loss of life. It was jarring to have been immersed in the water, filming a “rites of passage” film about loss and longing for a child, in the channel that so many refugees were desperately trying to cross, risking their lives to do so.

A few hours after I had filmed Jessica’s elation as she reached the shore of Calais – a kind of rebirth and a new lease of life beyond childlessness – our screens were flooded with images of a dead child, washed up on a beach in Turkey after a failed attempt to cross the sea in a search for sanctuary.  My response was to change focus and go to Calais, delivering aid, and then on to Lesvos where many of the boats from Turkey arrive. I knew I was strong enough to be helpful as a water rescuer if need be, and I was asked to take photos for the Refugee Council. I spent two weeks at Katia beach, helping with and documenting the arrival of thousands of refugees as their boats drifted to the Greek shore. Many photographers were waiting at the shoreline trying to capture the essence of what we were witnessing: a mass migration of historical proportions. Finding it hard to film and photograph people in distress and feeling the need to help the refugees off the boats and to change sodden clothes instead of document, I found myself waiting until people were safe and dry before taking portraits.

 Away from the chaos of the beach, I became drawn to the UN transfer buses that were waiting to take the refugees to the registration camps. Although uncertain of what the immediate future held, their first perilous journey over the sea had been successfully accomplished and the UN bus became a temporary place a sanctuary, where families and individuals could get warm, shelter from the rain and freak snow storms. As the refugees took to their seats, some would look out of their windows, back at the ocean that had brought them to this point. Others would slump exhausted, others huddled in the warmth, some smiled with relief.

From where I was standing, each bus window served as a frame and presented a portrait.  There was a calm, although it was harrowing. Away from the chaos of the beach, people were still and reflective.

Two of the portraits taken at Katia Beach are currently being exhibited in the National Portrait Gallery as part of the Taylor Wessing Photographic Portrait Prize exhibition. I would like to think that they are helping to keep the issue in the public eye. But to give practical assistance to the thousands of refugees in desperate need this winter please donate generously to: http://www.helprefugees.org.uk

- Katie Barlow

Pink Bobble Hat © Katie Barlow 2016

Pink Bobble Hat © Katie Barlow 2016

__________

Katie Barlow is an award winning film maker and documentary photographer whose most recent projects took her to Calais, Dunkirk and Lesvos refugee camps.

For further viewing:  Katie Barlow’s website  , Taylor Wessing Photographic Portrait Prize

 

Clarisse d’Arcimoles / Forgotten Tale

Installation

Above: Installation of Forgotten Tale by Clarisse d’Arcimoles at The Photographers’ Gallery, London, 2016

__________

There are some photography exhibitions in 2016 that were pleasant to view, some that were forgettable; only a few will leave an indelible mark on your memory and will forever have you wondering how, why and what have you seen.

The recent exhibition of French photographer Clarisse d’Arcimoles at the print sales gallery within The Photographers’ Gallery in London was one of those experiences in the last category, which almost defies categorisation itself.

Four years of crowd-funding enabled D’Arcimoles to create a Victorian set design centred on found photographic imagery, then photograph it and re-create it within The Photographers’ Gallery in a dizzying warp between 2D to 3D which pays homage to analogue craft on many dimensions.

A review of D’Arcimoles exhibition by Paul Carey-Kent on Photomonitor further traces the research and thematic expression of this compelling artist, whose show was, for me, one of the highlights of London exhibitions in 2016.

This was the image she was working from:

The image Clarisse was woring from

Details from the installation:

Detail

For further viewing:

Paul Carey-Kent reviews Clarisse d’Arcimoles: Forgotten Tale for Photomonitor

Clarisse d’Arcimoles at Print Sales / The Photographers’ Gallery

Darren Harvey-Regan / The Erratics / Interview by Naomi Itami

The-Erratics-wrest-11-C-type

Above: The Erratics (wrest #11), C-type © Darren Harvey-Regan

__________

Today I’d like to share a very special interview, one of those treasured spaces where two artists speak about photography from shared experience.

Darren Harvey-Regan is a London-based artist whose work has been featured in a number of international exhibitions and publications and is held in the permanent photography collection at the Victoria and Albert Museum.  After solo exhibitions in Pisa, Amsterdam, London and Exeter in the past several years, his most recent exhibition The Erratics was presented at Copperfield Gallery, London this past winter (2015 – 2016) and is presently part of the MAC International exhibition in Belfast.

The Erratics contained photographic and sculptural work engaged in a compelling discussion between form and abstraction.  In geology, an ‘erratic’ refers to a rock that differs from its native environment, having been carried and deposited there by a long-vanished glacier.

Naomi Itami is a cross-disciplinary artist working in mixed media and sound. She was formerly an international opera singer and holds several masters degrees including one from the LCC in Photography. She writes on the arts and is a frequent contributor to various publications and monographs. Below, Itami interviewed Harvey-Regan to find out more about the background to the works and text in The Erratics, after discovering she had also been to and photographed the same desert in Egypt that appeared in the exhibition.

__________

NI: I understand that this body of work originated in the White Desert of Egypt. When I went there the landscape struck me as lunar— with obvious themes of erosion, obsolescence, and emptiness. It occurs to me that these adjectives speak as much of the inner workings of the mind and heart as they do of the outer world of geology and matter.  Can you tell us how you came to travel there, and whether you sought out this unique remote landscape for the purposes of creatingThe Erratics?

DHR: I sought it out to make work, though I didn’t know what work I was making when I first found it! Finding an image of the desert online to arriving there with a camera all happened within a matter of weeks, and I remember wandering alone through these vast chalk forms at night, this near-mythic landscape so at odds with life in London, feeling overwhelmed I was actually there. I was thinking then about tipping points – the fragile choices and occurrences that can pass unnoticed yet at some point cause an idea to become a reality – I remember trying to trace the lineage of those that had led me to that point in the desert and they vary, from conceptual to personal to practical; it all becomes about which narrative I choose to tell as to which become prioritised, since different phrasings suit different contexts.

My exhibition statement follows the more conceptual line in considering abstraction as a form, intention and process, but it’s interesting you talk about the mind and heart in relation to the work since there is a more internal, personal narrative implied there, one I’m exploring through writing as a part of an upcoming bookwork. It focusses more on the elements an exhibition can’t encompass so well, a reflection on the doubts and drives of my own creative process and a need to disrupt a deadlock I found within my studio-bound practice at the time.

NI: Those giant, abstract chalk formations were formed over eons. When compared to the click of the shutter, does it make time itself an abstraction? Were notions of time integral to this project, and if so, in what way?

DHR: Photography naturally speaks very clearly about time – something I’ve tried to cloud in the past by showing photographs alongside the exact objects they depict. While that considers the interplay around the translation of object to image – a photographic object being located at an intriguing point of overlap between the two –The Erratics does attempt to reach wider, bringing the flattening of that forth dimension into the picture, using subjects and process that literally and poetically speak about time: as surfaces stilling time I see rocks themselves as a type of image, and my own incremental carving of collected chalk with razorblades is like a gestural re-enactment of the erosion that so slowly shaped those formations photographed in the desert.

Rosalind Krauss writes about the idea that perspective is the visual correlative of time, that one thing follows another in space. A lot of the studio photography in this work makes use of forced perspective – a type of rephrasing of physical relationships. I like the idea that this has an echo of re-presenting things in their relationship to time. The more I write around the work – drawing on my memory of the desert and the process of carving chalk while using the photographs I’ve made as things to think with – the more prominent a theme time becomes.

NI: In your practise the interplay between photography and sculpture (or objects) seems to be fluid, with each medium commenting on and complementing the other. I wondered if you could tell us which comes first: photography or sculpture?

DHR: I have a longer relationship with photography and to that extent it feels like my native language, other disciplines become like learnt secondary languages always translated – internally at least – through my mother tongue. That means I approach sculpture from the perspective of the photographic, but not necessarily that the photographic precedes the sculptural in a work.

NI: I noticed at Copperfield that the sculptures on plinths, as well as the framed b/w prints, were quite formal in their presentation. The sculptures’ relationships to the plinths also suggested a melding of sorts, with the angles and planes of both often in alignment. Could you talk about this decision and its origins?

DHR: There was certainly an intention to present the work under the guise of tradition – photographs as framed objects and sculptures on plinths – since essentially I feel the thinking and process involved in making the work are where its ambiguities exist, and I thought a more neutral presentation allowed a quieter work to not become eclipsed though a louder, heavier styling. So there are very defined formal choices that set the work and their presentation into an ordered system, but one I think the work’s subjects and slowly shifting reading begin to undermine and erode.

NI: The connection between the monoliths you photographed in Egypt and the sculptures you created out of chalk from the south coast of England points to a slippery slope in terms of perception and experience. Was the act of physically carving flat planes into the rough chalk pushing sculpture toward the flatness of the photographic image? Was it your intention to forge a kind of truce or sympathy between the body and the mind? 

DHR: For the studio photographs the raw material of the chalk was being physically shaped towards the image plane it would become – like some kind of preparatory ritual for its own visualisation. And the physical sculptures in the show – largely different to those within the images – enacted a type of reversal to this, where surface and shape were pulled out of the idea or appearance of two dimensions and mapped into or onto three. So while their physical presence as framed photographs and sculptures is unavoidable, they both certainly address perception – or the mind – directly.

However, the process of their making is very physical – my entire studio being covered in chalk dust for months on end with me white and messy, leaving cloud-like traces everywhere I went! I would never be entirely comfortable with the impassivity of photography as a technical medium without also being able to touch and mould and mark, without something in my process being immediately gestural.

I think at a personal level this work has been about trying to integrate the tendencies I feel that pull in different directions, types of creative fulfilment such as embracing natural beauty alongside a desire to strip it all away in preference for abstracted line and form; working in both the mess of real matter and the purity of the flawless surface; allowing narratives based in my experience and feelings to entwine with those guided by ideas and by medium.

It’s been a very slowly evolving work for me and one I feel very close to.

__________

For further viewing:

Photomonitor interview: Harvey-Regan/Itami

Darren Harvey-Regan website

MAC Belfast 

 

 

Paul Hart / Farmed

23-PAUL-HART-Donnington-Bridge-from-the-series-FARMEDD-300

Image above: Donnington Bridge from the series ‘Farmed’ © Paul Hart

Paul Hart / Farmed

The Fens, also known as Fenland, is an area of reclaimed marshland in the east of England which is one of the richest arable areas of the UK. British photographer Paul Hart has been making images in this landscape of agribusiness over the last six years. Most of this land was drained several centuries ago, resulting in a flat, low-lying agricultural region. The majority of the Fens lies within a few metres of sea level. As with similar areas in The Netherlands, much of the Fenland originally consisted of fresh-or salt-water wetlands, which have been artificially drained, and continue to be protected from floods by drainage banks and pumps. With the support of this drainage system, the area has become a major arable agricultural region in Britain.

Farmed engages with the recurring themes of this linear landscape, a place comprised primarily of straight lines with a flat horizon. Hart explores an environment of control, one of nature faceted by symbols of industrialisation, a landscape with monoculture at it’s core. Hart’s working method is in the vein of documentary, exploring our relationship to this landscape by highlighting elements that are so often overlooked. His narrative pin points the objects that remain, when all that surrounds has been cleared by modern agricultural practice. He aims to convey nature’s vulnerability within this unsheltered and unprotected environment, but as Steven Collier Brown stresses, he “resists narratives of pure catastrophe in places clearly impacted by centuries of mismanagement.” He employs the analogue process and traditional darkroom techniques, to convey something of the soulful in a landscape that is rarely considered of any aesthetic interest.

Hart grew up in a rural, agricultural part of the UK, and when young, spent much time outdoors in an area quite untouched by the modern world. This free and unrestrained up bringing, a personal history so attached to tangible landscapes, informs his work. As Steven Collier Brown writes of Farmed; “Hart’s photographs raise important questions about possession, ownership, mobility, stewardship, history, memory, perspective – the list goes on.”

Biography

British photographer Paul Hart (b. 1961) explores our relationship with the landscape, in both a humanistic and socio-historical sense. His projects usually concentrate on a specific geographic region, where he photographs intensively over a number of years. Hart studied at Lincoln College of Art (UK) and graduated from Nottingham Trent University (UK) in 1988 with a BA (Hons) Photography. He works solely with the analogue process; shooting on medium and large format, personally processing film and making handcrafted silver gelatin prints in a traditional manner. This hands-on approach, which includes a mix of science, chemistry and craft, is integral to his working practice and results in, what could be described as, a poetic interpretation of his subject. Hart has concentrated on self initiated projects for exhibition and publication for the past fifteen years. His work has been widely exhibited and internationally shown at Paris-Photo and The AIPAD Photography Show.

Publications

Farmed : Dewi Lewis Publishing, UK (2016) Monograph
Looking at Images : LensWork Publishing, USA (2014) Brooks Jensen
Truncated : Dewi Lewis Publishing, UK (2008) Monograph
Photo Projects : Argentum, UK (2006) Chris Dickie

Portfolio

To see more images from Paul Hart’s series ‘Farmed’ please visit Photomonitor  online magazine for current photography in the UK and Ireland.

Bettina von Zwehl / Bloodlines

C-type print, 21.4 x 17.3cm, 2016 © Bettina von Zwehl

Rosa (Lampropeltis Getula Splendida) , c-type print, 21.4 x 17.3cm, 2016 © Bettina von Zwehl

Hello – this is Christiane Monarchi, delighted to be sharing some current photography with you on Hatje Cantz fotoblog from artists and photographers working around the UK and Ireland, which is the geographic focus for the online magazine Photomonitor that I started 5 years ago.  Since 2011 Photomonitor has published more than 750 features from more than 200 artists and writers, for a broad spectrum of current thinking on photography, lens-based media and photobooks created and exhibited in the UK and Ireland.

_____________

Bettina von Zwehl / Bloodlines

Each portrait in Bettina von Zwehl’s new series Bloodlines shows a young girl, in a studio environment, holding a live snake. The encounter between human and snake is at the core of each portrait, the slow and gliding movements of these mesmerising creatures quietly and subtly guiding the gestures of the sitter as she seeks to retain her composure and her poise.

“I am drawn to the snake’s unblinking stare, its sculptural presence, its symbolic potential, the beauty of its shimmering scales, and to its transformative presence in the frame of the image, evoking so many different associations: from fear and disgust to sensuality and feelings of awe. The girls approach the challenge of the session in their own unique way: a mix of anxiety, trepidation, excitement and also pride. The encounter with the snake as it undulates and coils across each young sitter’s body calls for her to find her own way to support it, guide it, protect it, and in some sense, to connect with it.” – (BvZ, 2016)

_____________

Bettina von Zwehl (b, 1971, Munich) lives and works in London.  She has built her international reputation on subtle yet captivating photographic portraits; works from her recent series Bloodlines will be shown at Konsthallen Bohusläns Museum from 3rd December 2016 – 27 February 2017.

For further reading:

Photomonitor (Bettina von Zwehl / Bloodlines) www.bettinavonzwehl.com

Shortcuts 13

5 questions on photography
Today: Andres Serrano, photographer
Met at the opening of his exhibition at Musée Europeen de la Photographie, Paris

AndresSerrano_©NadineBarth

How do you see photography today?
The same way I saw it yesterday. The only difference is that there is a lot of digital photography now. I have a problem with digital photography. Because it looks manipulated and it looks fake. The other thing is everybody can be a photographer, everybody with an iphone is a photographer, and that means there are few artists left who are real photographers.

What has impressed you recently?
I have to tell you my own work impresses me the most, and I have two exhibitions right now in Paris. The other thing that impresses me is a photo I took in 2012 for my american series, which I never showed before, now for the first time, and it’s a portrait of Donald Trump. It’s a special portrait for me now, because it’s a picture of the president of the United States.

Your first photo book?
I don’t remember the first one. I still like my book on The Morgue. That has been very special to me. It’s out of print now, I think we should publish it again.

Next project?
I’m thinking about it. Jerusalem „Salvation“ is a recent project. „Torture“ is a new project. And I’m planning more museum shows in the next future. My next project should be my memories. I’ve been putting off for years.

Photography is …
… not dead.

Shortcuts 12

5 Fragen zur Fotografie.
Heute: Josephine Raab, Gute Aussichten GmbH
Getroffen bei der Eröffnung Gute Aussichten 2016 / 2017, NRW-Forum, Düsseldorf

JosephineRaab_©NadineBarth

Wie siehst du Fotografie heute?
Seit 12 Jahren organisieren wir mit gute aussichten – junge deutsche fotografie eine der begehrtesten Auszeichnungen für junge künstlerische Fotografie. Wir sehen eine enorme kreative Bandbreite, die das Primat der Düsseldorfer Schule hinter sich gelassen hat und sehr diverse Positionen hervorbringt. Die klassischen Genres wie Reportage, Dokumentation, Portrait, Stilllife oder Landschaft werden dabei permanent neu interpretiert, erweitert und ergänzt. Aktuell wandert Fotografie installativ in den Raum, arbeitet mit Ton- oder Film, mit Websites, mit found footage oder recycelt vorhandenes Bildmaterial. Sie entsteht mit der Handykamera, durch Scanner, durch Bearbeitungen in der Dunkelkammer oder mit selbst erdachten Apparaturen und natürlich nach wie vor mit der klassischen Kamera – analog wie digital. Ein enorm wandelbares Medium!

Was hat dich kürzlich beeindruckt?
Begeistert hat mich die Ausstellung „Echolalia“ der 1963 in Belgien geborenen Künstlerin Ana Torfs im Museum Calouste Gulbenkian in Lissabon. Die Ausstellung vereinte vier Installationen einer Künstlerin, die, ausgehend vom Wort, mit Fotografie, Text, Installation, Film- und Dia-Projektionen, bedruckten Stoffen und Wandbehängenn arbeitet. Torfs visuelle Untersuchung gilt ethymologischen Prozessen und narrativen Strukturen und umkreist Begriffe wie lexikalische Determinierung, Repräsentation und Bedeutungsverschiebung. Damit überschreitet sie klassische Genregrenzen so spielend wie spielerisch und steht exemplarisch für eine neue Generation von “visuellen” Künstlern.

Dein erstes Fotobuch?
Das Allerserste war sicherlich ein Familienalbum! Mit etwa 10 Jahren bekam ich Bücher über die Entdeckung Afrikas geschenkt und vertiefte mich begeistert in die Fotografien einer mir fremden Welt.

Nächstes Projekt?
gute aussichten hält uns in Atem: die nächste Ausstellung der aktuellen Preisträger eröffnet im März 2017 in den Deichtorhallen Hamburg. Parallel organisieren wir gute aussichten deluxe, eine Wanderausstellung mit neuen Werken von 23 Preisträgern der letzten 12 Jahre, die im Frühsommer in Mexiko City startet.

Fotografie ist …
… ein Augenöffner.

Shortcuts 11

5 questions on photography
Today: Karol Pysz + Pawel Rubkiewicz, bookoff, Warsaw, Poland
Met at the international sales conference at Hatje Cantz, Berlin

Polen

How do you see photography today?
Karol Pysz: Photography is very democratic, which is a good thing and a bad thing. The good thing is, that it is available to everybody, that everybody can pick up a camera or an iphone and make photos. The bad thing is the quality of the product. It really went done. When it comes to photo books – they are not as good as before.
Pawel Rubkiewicz: The internet might be to blame for that. Everyone is in a hurry. Showing images on their website and on facebook, even when they are not finished. Instead of working patiently on larger projects – in the past you had photographers working 20 years on a project –, nowadays everyone shows their work immediately. That takes away the artist’s motivation and concentration from where the real story is.

What has impressed you recently?
Karol Pysz: It was a book published by a guy that does a very popular fotoblog called „A new american picture“.The pictures are not done by a human being. They are done by a computer. And he selected them. Doug Rickard is his name. That refers to the democracy of photography.
Pawel Rubkiewicz: Yes, that is interesting. The entire essence of road trip photography has changed – now you don’t need to travel, you use google street view. You can travel using your computer. Which is like the weirdest thing that happened. No human being is necessary any more to create images.

Your first photo book?
Karol Pysz: Maybe „The Americans“ by Robert Frank.
Pawel Rubkiewicz: Yes, mine, too. It’s the most important photo book in the history of photography.
Karol Pysz: The way it changed photography, removing all the texts, leaving the images for themselves. There are so many different perspectives. I guess 75 % of the answers will lead to this book as the first book.

Next project?
Karol Pysz: Steidl is making an exhibition on „The Americans“ around the world, maybe also in Warsaw. So we like to work with him on that.

Photography is …
Karol Pysz: … great.
Pawel Rubkiewicz: … everything.

Shortcuts 10

5 Fragen zur Fotografie.
Heute: Torge Schümann, Toma Artservice
Getroffen im NRW-Forum bei der Installation der Ausstellung „Bling Bling Baby!“

TorgeSchümann_©NadineBarth

Wie siehst du Fotografie heute?
Erst im Sicherheitslager, dann, wenn ich sie aufhänge, an der Wand. Wie sehe ich Fotografie heute? Hoffentlich wieder auf dem leichten Weg ins Analoge zurück.

Was hat dich kürzlich beeindruckt?
Was für immer in meinem Kopf bleiben wird, ist die Hängung mit Albert Watson. Das war großartig. Die 1 oder 2 Wochen, die wir mit Albert Watson hatten – so ein Gentleman, feiner Kerl, er kann unglaublich gut Geschichten erzählen. Das Hängen war sehr anstrengend mit ihm, hat aber unglaublichen Spaß gemacht.

Dein erstes Fotobuch?
Das war auch auch die erste Ausstellung, die ich gemacht hab: „Und läuft und läuft und läuft“ hier im Haus, 1999.

Was ist dein nächstes Projekt?
Die Horst Wackerbarth Wanderausstellung. Und das Photoweekend 2017 im NRW-Forum.

Fotografie ist …
… eine der schönsten Sachen der Welt.

Shortcuts 9

5 Fragen zur Fotografie.
Heute: Alain Bieber, Leiter NRW-Forum
Getroffen im Café des NRW-Forums, Düsseldorf

AlainBieber_©NadineBarth

Wie siehst du Fotografie heute?
Der Bundespräsident Joachim Gauck hat in diesem Jahr, zum ersten Mal überhaupt, die Fotografie geadelt, ins Schloss Bellevue zu einem „Gipfel der Starfotografen“ eingeladen, und vor u.a. F.C. Gundlach, Herlinde Koelbl und Juergen Teller eine bemerkenswerte Rede gehalten. “Die Fotografie ernst zu nehmen, nicht nur ihre eigentümliche, gelegentlich vielleicht auch unheimliche Macht anzuerkennen, nein, sie wahr zu nehmen als ein höchstrangiges Ausdrucksmittel, als eine ganz eigene Kunstform, darum geht es mir heute Abend.“
(ganze Rede online: http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Joachim-Gauck/Reden/2016/09/160930-Soiree-Fotografie.html).
Und auch auf Fotomessen wie der Paris Photo, mit über 60.000 Besuchern in 4 Tagen, merkt man: Die Fotografie ist angekommen, wird als eigenständige Kunstform akzeptiert, wird geliebt und gefeiert. Auf der anderen Seite: Vielleicht steht sie gerade deshalb jetzt vor einem Scheideweg. Heute hat jeder eine Kamera, jeder ist Fotograf, alles wurde bereits fotografiert. Die spannende Frage ist: Wie verändert sich die künstlerische Fotografie, welche Themen, Formate, Projekte, Künstler entstehen mit Hinblick auf die Digitalisierung? All dies sind Fragen, die wir in unseren Ausstellungsprojekte im NRW-Forum Düsseldorf thematisieren wollen.

Was hat dich zuletzt beeindruckt?
Mich begeistert die konzeptuelle Fotografie von Joan Fontcuberta und Taryn Simon. Und die Werke des jungen, französischen Fotografen Thomas Mailaender (http://www.thomasmailaender.com/), mit dem wir gerade auch an seiner ersten Einzelausstellung in Deutschland arbeiten. Er kennt die Geschichte der Fotografie, er beschäftigt sich mit dem Medium, er fotografiert aber gar nicht mehr selbst, sondern sammelt nur bizarre Amateurbilder aus dem Netz und Flohmarkt, archiviert, „recycelt“ und schleust diese wieder in die Welt der Hochkultur ein. Und das passiert mit so viel Humor und Genialität – dafür kann man ihn einfach nur lieben.

Dein erstes Fotobuch?
An mein erstes Kunstbuch erinnere mich leider nicht mehr; aber es war bestimmt eher ein privates Familienalbum. Aber der erste Kunstkatalog, der mich nahhaltig beeinflusst hat, war: „Hardcore“, eine Gruppenausstellung zur politischen Kunst, im Pariser Palais de Tokyo.

Nächstes Projekt?
Die nächsten Projekte sind zwei Ausstellungsprojekte im NRW-Forum Düsseldorf, die beide am 2. Februar 2017 eröffnet werden: Eine von Ralph Goertz kuratierte Ausstellung, die zwei Weltstars der Fotografie zusammenbringt:
Peter Lindbergh und Garry Winogrand (http://www.nrw-forum.de/ausstellungen/lindbergh-winogrand) und eine von mir kuratierte Einzelausstellung mit dem französischen Künstler Thomas Mailaender, der seit Jahren bizarre Bilder und Objekte der Alltagskultur, die er im Netz und auf Flohmärkten findet, archiviert, „recycelt“ und in die Welt der Kunst einschleust (http://www.nrw-forum.de/ausstellungen/thomas-mailaender)

Fotografie ist…
Eine Kollegin hat einmal Barry White in einem New Yorker Club getroffen und voller Ehrfurcht gefragt: „Sind Sie Barry White?“ Er in seiner rauchigen Schlafzimmerstimme: „I am whoever you want me to be.“
In diesem Sinne würde ich sagen: Fotografie ist was auch immer man daraus macht.

Shortcuts 8

5 questions on photography.
Today: Hadley Hudson, photographer
Met at her book signing at Paris Photo at the stand of Hatje Cantz

Hadley Hudson_Paris Photo

How do you see photography today?
Much differently than I did 10 years ago. What I know today, and what I didn’t realize then, is that the portraits I take of others are also portraits of me.

What has impressed you recently?
This summer at Art Basel I saw Jeff Wall’s “Listener”. It is an image which I have thought about over and over since then. It’s narrative, documentary & totally fiction at the same time. He seems to capture “the decisive moment” , however the image is actually carefully staged and pulls the viewer into what seems like a violent act.

Your first photo book?
“The Americans” from Robert Frank and Paul Strand from Aperture Masters of Photography.

Next project?
My first photo book was just released a few days ago which was thrilling! I am currently working on an exhibition based on the book.

Photography is …
… To quote Paul Strand:
“If you can find out something about the laws of your own growth and vision as well as those of photography you may be able to relate the two, create an object that has a life of its own, which transcends craftsmanship. That is a long road, and because it must be your own road nobody can teach it to you or find it for you.
There are no shortcuts, no rules.”

Shortcuts 7

5 questions on photography.
Today: Anderson & Low, photographer
Met at Paris Photo’s VIP room

Anderson&Low_©NadineBarth

How do you see photography today?
Jonathan Anderson: Photography is always changing. And it’s extremely complex, both in the digital world, and in the traditional print world. It’s really too complicated to summarize in a single reply. But we believe that the importance of making images that can stand up to a real longevity of viewing (rather than grabbing one’s attention, but not sustaining that initial interest) remains vital.

What has impressed you recently?
Jonathan Anderson: We have been looking a lot at Nineteenth Century photographs in Paris Photo. It’s very important to be reminded of what wonderful work has been made right at the inception of this new art form.
Edwin Low: Two things that impress me: One is Georgia O’Keefe, not only in the sense of her work, but the process, how she developed what she had achieved, and how it related to other visual art forms, including photography. The influence and cross-fertilization of many photographic contemporaries, such as Alfred Steglitz, Paul Strand, Berenice Abbott, and so forth.

Your first photo book?
Jonathan Anderson: I’can’t remember. They were around the house so much. Books on photography and painting and sculpture.
Edwin Low: The first image that struck me was on a Chinese screen, a screen that was made of stone. The frieze-like depictions were wonderful. And also, a family photo album if it’s considered a photo book.

Next project?
Jonathan Anderson: Our next project relates once again to the ideas of fantasy and reality, what is artificial and what is the actual. And how one’s perception can be altered in the photographic process.

Photography is …
Edwin Low: … having an open mind.
Jonathan Anderson: … having a good eye and a good heart.

Shortcuts 6

5 questions on photography.
Today: Mariano Vivanco, photographer
Met at Paris Photo at the stand of Bernheimer

Mariano Vivanco_©NadineBarth

How do you see photography today?
With my eyes (laughs). Ok, I see it moving really fast, I see it being consumed by the public, by general public really fast through social media, through networks, through the internet. We are looking at more images, and our brain is not holding as many memories as we had in the past. And I see fine art photography falls into that. We are more disposable. It feels we need to make more of an impression, more of an effort, to send our work out to the world, but that’s good, I think. Because from that comes better work.

What has impressed you recently?
We were in Rome last weekend and I spend some quality time in the Vatican. And I think I’m reincarnated roman-greek. That where my heart literally starts beating a little bit more fast looking at that art work. Looking at that level of costume shift, looking at that level of passion. It makes me feel alive.

Your first photo book?
My first book I got was “Time Life goes to the Movies”, when I was 12 years old. It totally obsessed me with photography, movie stars and glamour. My first photo book was by Helmut Newton. And I fell in love with his imagery.

Next project?
To relax. It has been really intense, getting the book out (“Flower Portraits Nudes”, Damiani), getting the New York exhibition out, the Munich Highlight exhibition, all my advertisting. I’m looking forward to seeing my family over christmas …

Photography is …
… my life.

Shortcuts 5

5 Fragen zur Fotografie.
Heute: Benjamin Flüglister, Artistic Director
Getroffen auf der Paris Photo

Benjamin Flüglister_©NadineBarth

Wo steht die Fotografie heute?
Fotografie ist das wichtigste Kommunikationsmedium überhaupt geworden ist. Angetrieben durch die schon historische Digitalisierung, was auch positive Auswirkungen hat, z.B. dass jeder Zugang zur Fotografie hat. … Andererseits hat auch die Qualität darunter gelitten. Unsere Sehgewohnheiten haben sich geändert. Aber grundsätzlich ist das erfreulich, wie es sich entwickelt hat.

Was hat dich kürzlich beeindruckt?
Die Paris Photo. Ich war seit fünf Jahren nicht mehr hier. Und der Grand Palais: das ist schon eine super Atmosphäre hier.

Dein erstes Fotobuch?
Von Karl Blossfeldt The Alphabet of Plants.

Was ist dein nächstes Projekt?
Klar, gerade läuft die Ausschreibung zum Cap Prize of Contemporary Photography, der ins sechste Jahr geht, bei dem Künstler prämiert werden, die auf dem afrikanischen Kontinent arbeiten oder leben.

Fotografie ist …
… mein Leben.

Shortcuts 4

5 Fragen zur Fotografie.
Heute: Hans-Michael Koetzle, Kurator
Getroffen auf der Paris Photo am Stand von Hatje Cantz

Hans-Michael Koetzle_©NadineBarth

Wo steht die Fotografie heute?
Im Umbruch. Von Analog zu Digital. Nachdenklich zu spontan. Gebaut zu eher trashig. Und global unterwegs.

Was hat dich kürzlich beeindruckt?
Die junge niederländische Fotografin Hanne van der Woude. Die Ausstellung Emmy’s World läuft gerade im Fotografieforum in Frankfurt. Sie hat ein älteres Paar begleitet, Emmy, ihren Lebensgefährten und seine Brüder. Tolle, intensive, sehr emotionale Fotografie. Sie strahlen Lebensfreude aus. Ein wunderbares Buch, schon in der zweiten Auflage – das finde ich ganz großartig.

Dein erstes Fotobuch?
Geschenkt bekommen habe ich von einem älteren amerikanischen Herren aus Utah den Katalog zu The Family of Man. Das Original von 1955! Das war meine Sozialisation.

Was ist dein nächstes Projekt?
Die Internationalisierung der Willy Fleckhaus Ausstellung. Ich finde es wichtig, dass er auch über die Grenzen von Deutschland bekannt wird – er war einer der wichtigsten deutschen Art Directoren.

Fotografie ist…
… ein wunderbares Medium, das weit über seine technischen Möglichkeiten hinausreichend das Formale, das Emotionale, das Sinnliche verbindet.

Shortcuts 3

5 Fragen zur Fotografie.
Heute: Karen Fromm, Professorin für Fotografie an der Hochschule Hannover
Getroffen auf der Paris Photo bei den Publishern

Karen Fromm_©NadineBarth

Wo steht die Fotografie heute?
Es hängt unglaublich davon ab, von welcher Art von Fotografie man spricht. Natürlich ist Fotografie omnipräsent, wir sind umgeben von Bildern, mehr als jemals zuvor. Fotografie ist etwas, das uns alltäglich begleitet. Ich glaube, dass der Status der Fotografie fast verliert, weil Bilder so selbstverständlich sind – das ist im Bereich des Fotojournalismus z.B. ein Thema, wo man sagen könnte, der Wert des Einzelbildes sinkt vielleicht –. wärhend im Kunstkontext Fotografie ganz gleichberechtigt angekommen ist. Das war in der Anfangsphase ja nicht so, wenn man sich überlegt, wie lang es gedauert hat, bis Fotografie den Weg ins Museum gefunden hat. Je nach Kontext ist es also sehr unterschiedlich, aber es ist wichtiger denn je, sich mit Fotografie zu beschäftigen..

Was hat dich kürzlich beeindruckt?
Mich hat tatsächlich zuletzt eine Arbeit eines jungen Studenten von mir beeindruckt, der seine Bachelor-Arbeit gemacht hat über Selbstmord in Litauen. Ein europäisches Land, das die höchste Selbstmordrate überhaupt hat. Und er hat sich – und das ist ja immer spannend in der Fotografie, wenn man sich auf die Suche begibt nach etwas, was erst mal schwer sichtbar zu machen ist, weil das Medium über Visualität lebt –, also er hat sich auf dem Land auf den Weg begeben, Spuren dessen zu finden, und Antworten darauf, warum das so sein könnte. Entstanden ist eine Arbeit aus Bild und Text, die einem ganz viel darüber erzählt und die das erahnbar und spürbar macht.

Dein erstes Fotobuch?
Hm, das war wahrscheinlich … – Robert Frank The Americans.

Was ist dein nächstes Projekt?
Wir machen zusammen mit der Schule in Arhus und Magnum ein Projekt zum Thema Jugend und Europa. Das ist einer der Gründe, warum ich jetzt auch hier war.

Fotografie ist…
… alles und nichts.

Shortcuts 2

5 Fragen zur Fotografie.
Heute: Thomas Seelig, Fotomuseum Winterthur
Getroffen auf der Paris Photo am Stand einer Galerie

Thomas Seelig_©NadineBarth

Wo steht die Fotografie heute?
Fotografie in Transition, spannende Zeit, es bewegt sich viel. Neugierig bleiben, was passiert.

Was hat dich kürzlich beeindruckt?
Mehr Bücher als Kunst.

Dein erstes Fotobuch?
Keine Erinnerung.

Was ist dein nächstes Projekt?
Francesco Jodice nächstes Jahr im Februar. Und unsere Plattform, die ja jedes Jahr im Januar stattfindet.

Fotografie ist…
… immer noch relevant.

Shortcuts 1

5 Fragen zur Fotografie.
Heute: Robert Voit, Fotograf.
Getroffen auf der Paris Photo am Stand von Hatje Cantz.

RobertVoit_©NadineBarth

Wo steht die Fotografie heute?
Ich sehe sie wie immer: bunt, schwarz-weiß, alles Mögliche.

Was hat dich zuletzt beeindruckt?
Die Arbeit von Olaf Unverzart mit seinem Jahrhundertprojekt. Da hat er ein Jahr lang seine Großmutter fotografiert, die kürzlich 100 geworden ist – eine fantastische Serie.

Dein erstes Fotobuch?
Ich glaub’, von Klauke eins. Irgendein fieses Klauke-Buch…

Was ist dein nächstes Projekt?
Ich arbeite immer noch wacker an meiner Fukushima-Serie und fahre auch nochmal hin, jetzt im November.

Fotografie ist…
… bunt und fantastisch – damit sind wir wieder beim Anfang.

Colonia Dignidad: Wie Fotojournalismus aktuelle Debatten begleitet

Kaum ein Teil der deutschen Geschichte ist so skurril wie die der „Colonia Dignidad“. Der gleichnamige Film mit Emma Watson und Daniel Brühl bewirkte, dass auch die Politik sich dem Thema wieder angenommen hat. Einen fotojournalistischen Beitrag zur Debatte liefert Jann Höfer mit seiner Arbeit „Wie nasser Zement“. Ein Porträt über den Wandel einer Gemeinschaft.

Die Rückseite des Freihauses, indem Paul Schäfer sein privates Zimmer hatte. Das ehemalige Badezimmer wurde von den Bewohnern zerstört. Schäfer verging sich hauptsächlich im diesem an den Jungen der ehemaligen Colonia Dignidad. © Jann Höfer

Die Rückseite des Freihauses, indem Paul Schäfer sein privates Zimmer hatte. Das ehemalige Badezimmer wurde von den Bewohnern zerstört. Schäfer verging sich hauptsächlich in diesem an den Jungen der ehemaligen Colonia Dignidad. © Jann Höfer

 

Eine christliche Sekte verpackt in ein deutsches Musterdorf 400 km südlich von Santiago de Chile. Die Colonia Dignidad (zu deutsch: „Kolonie der Würde“) gründete sich 1961 als Folgeorganisation der 1959 in Deutschland aufgelösten „Private Sociale Mission“. Dieser radikalchristlichen Gruppe stand Paul Schäfer vor, ein evangelischer Laienprediger und ehemaliger Sanitäter der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Nachdem er in Deutschland wegen Missbrauch zweier Kinder gesucht wurde, tauchte er mit einigen seiner Anhänger unter. Zwei Jahre später tauchten sie in Chile wieder auf und gründeten den „Staat im Staate“. Nach dem Pinochet-Putsch gegen die sozialistische Regierung 1973 diente dieser Ort nicht nur zum Handel mit Waffen, sondern wurde von Pinochets Geheimpolizei auch als Foltergefängnis genutzt. Paul Schäfer selbst nutzte seine Stellung in der Gemeinschaft aus, um seiner Pädophilie zu frönen.

 

Ein autarkes Musterdorf mit Nazi-Verbindungen

Auf dem Farmgelände der Colonia Dignidad kümmerten sich währenddessen über 300 Menschen um die Versorgung der Gemeinschaft. Die Autarkiebestrebungen wurden unter härtester Zwangsarbeit durchgesetzt und bis auf wenige Güter konnte sich die Gemeinschaft komplett selbstversorgen. Nach außen wahrten sie den Anblick einer Gemeinschaft, die sich deutschen Traditionen und einem gottesfürchtigen Leben verpflichtet fühlten. Diesen Idealen hängen die weniger als 200 heute noch verbleibenden Anwohner nach wie vor an.

Bis heute ranken sich viele Mythen um die Nazi-Verbindungen des deutschen Musterdorfs. Über die „Rattenlinien“ und mit Hilfe der OdeSSA (kurz für: Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen) konnten viele Täter des NS-Regimes in Südamerika untertauchen. Eines der bekanntesten Beispiele dürfte der SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann sein, der von Agenten des Mossad in Argentinien gefasst und 1962 in Israel für seine Verbrechen hingerichtet wurde. Bei der Verfolgung von NS-Tätern in Südamerika kam auch immer wieder die Colonia Dignidad in den Fokus. So gibt es mehrere Berichte, unter anderem des Nazi-Jägers Simon Wiesenthal, wonach der Lagerarzt des Vernichtungslagers Ausschwitz Josef Mengele in der Colonia zweitweise Unterschlupf gefunden hat.

02_Wie_nasser_Zement

Offiziell zum Schutz vor den Kommunisten, ließ Schäfer einen Zaun um die Colonia Dignidad errichten. Ausgestattet mit Stolperdraht und Infrarotsensoren diente er jedoch mehr dazu die Flucht der Bewohner zu verhindern. © Jann Höfer


„So ähnlich muss Theresienstadt gewesen sein.“

Nachdem lange Jahre sowohl die chilenische Diktatur als auch die deutschen Diplomaten vor Ort die Aktivitäten in der Colonia Dignidad gedeckt haben, begannen in den 80er Jahren in Deutschland die ersten Ermittlungen. Im Jahr 1997 wurden zum dritten Male Ermittlungen der Bonner Staatsanwaltschaft aufgenommen, die zu einem Haftbefehl gegen Schäfer führten. Wieder war dieser zur Flucht gezwungen und konnte erst 2005 in Argentinien verhaftet werden. Im anschließenden Prozess wurde er in 20 Fällen dem Kindesmissbrauch überführt und starb 2010 im Alter von 88 Jahren im Gefängnis in Santiago de Chile. Die Gemeinschaft auf dem Gelände der Colonia Dignidad besteht bis heute fort.

Angestoßen durch den gleichnamigen Film begann eine politische Debatte um die Verfehlungen der deutschen Diplomatie. Im April 2016 gestand Außenminister Frank Steinmeier ein, dass es Verfehlungen in der deutschen Politik gab. Um die Aufarbeitung zu befördern ließ er die geheimen Akten des Auswärtigen Amtes zu dem Thema offenlegen. Auch Bundespräsident Joachim Gauck bemüht sich um die Wiederaufarbeitung. Während seines Besuches in Chile Mitte 2016 äußerte er sich zu dem Fehlverhalten der deutschen Staatsbediensteten. Diplomaten hätten jahrelang weggesehen und das Geschehen vor Ort gedeckt. Und das, obwohl die Kolonie nicht ohne Kritik war. So notierte der deutsche Diplomat Dieter Haller nach einem Besuch in der Kolonie: „So ähnlich muss Theresienstadt gewesen sein.“ Doch es gab schon damals deutsche Politiker, wie zum Beispiel Franz Josef Strauß, die Colonia zum Teil mehrmals besuchten – ohne Kritik zu äußern.

Thomas mit Frau Elke und seinen Töchtern. Sein Vater Kurt gehörte zum engsten Kreis Schäfers. Er wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Thomas setzt sich dafür ein, dasss er am Wochenende Freigang bekommt. © Jann Höfer

Thomas mit Frau Elke und seinen Töchtern. Sein Vater Kurt gehörte zum engsten Kreis Schäfers. Er wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Thomas setzt sich dafür ein, dass er am Wochenende Freigang bekommt. © Jann Höfer

Aufarbeitung braucht vielfältige Perspektiven

Die fotojournalistische Arbeit von Jann Höfer liefert einen wichtigen Beitrag für eine differenzierte Debatte. Während sich die Berichterstattung und die Politik auf die Geschichte der Colonia konzentriert, zeigt Höfer, wie die Gegenwart der Menschen dort aussieht. Was ist übrig von der totalitären Sekte? Wer ist geblieben, nachdem bekannt wurde, was hinter verschlossenen Türen vor sich ging?

Was uns Jann Höfer zeigt, sind Menschen und Familien, die durch jahrelange Zwangsarbeit gezeichnet sind und zwischen Tätern und Opfern gewohnt und gelebt haben. Wir sehen das Haus, in dem Paul Schäfer reihenweise Kinder missbraucht hat und das Hotel, dass den Fortbestand der Gemeinschaft sichern soll. Der Tourismus ist zu einem neuen Standbein der radikalchristlichen Gemeinschaft geworden. Sie veranstalten Volksfeste und bieten Erholung an den Orten, wo früher Oppositionelle gefoltert und ermordet wurden.

Wie in Zukunft mit dem Ort, seiner Geschichte und Gegenwart umgegangen wird, muss sich noch zeigen. Die Arbeit von Jann Höfer zeigt den Status quo einer entwurzelten Gemeinschaft auf der Suche nach einer neuen Perspektive.

Stefan Weger ist Textredakteur bei emerge.

 

Die komplette Arbeit “Wie nasser Zement” von Jann Höfer findet ihr seit heute auf emerge.


Hiermit verabschiedet sich emerge vom Hatje Cantz fotoblog. Vielen Dank! Wer weiter an unseren Geschichten oder an unserer neuen Printausgabe zum Thema „Naher Osten“ interessiert ist, kann uns bei Facebook, twitter und Instagram folgen oder hier unseren Newsletter abonnieren.

Neue Perspektiven finden. Ein Interview mit Sibylle Fendt.

Fotoprojekte nehmen oft mehrere Monate bis Jahre in Anspruch. Gerät man dabei in eine Sackgasse braucht es Mut, um die Perspektive zu ändern und neu anzufangen. Sibylle Fendt sprach mit uns über ihre Arbeit zum Thema Flucht, für welche auch sie sich aus ihrer Komfortzone herauswagen musste.

 

Liebe Sibylle, in deinem aktuellen Projekt widmest du dich dem Thema Flucht. Wie hast du dich diesem Thema genähert?

Ich habe Ende 2014 mit meiner Arbeit „Eine Reise durch deutsches Flüchtlings(krisen-)Land“ begonnen, wofür ich ein Stipendium von der VG Bild-Kunst erhielt. In dieser Arbeit baue ich auf meiner Serie „Sehr geehrte Frau K.“ aus den Jahren 2011 und 2012 auf. Während ich mich dort mit der Situation von Flüchtlingen in Berlin auseinandersetzte, begab ich mich nun in ganz Deutschland auf die Suche nach Orten des staatlichen und bürokratischen Umgangs mit Flüchtlingen.

Bevor im Spätsommer 2015 die sogenannte Flüchtlingskrise begann, hatte ich unter ganz anderen Prämissen meine Arbeit angefangen. Zu dieser Zeit war die Zahl der Flüchtlinge noch weitaus überschaubarer. Selbst wenn es damals weniger als 80.000 Anträge im Jahr gab, so mussten Flüchtlinge sehr lange auf die Entscheidung ihres Asylverfahrens warten. Und das bei teilweise unzumutbaren Zuständen in den Unterkünften.

Durch die zunehmende Zahl an Flüchtlingen im Sommer 2015 musste ich völlig neu auf mein Thema schauen und neue Kriterien an meine Bilder stellen. Mir wurde deutlich, dass Deutschland im europäischen Vergleich auch einiges besser machte. Während dieser permanenten Veränderungen, wo die heutige Situation morgen schon historisch sein könnte, habe ich mich immer wieder auf die Suche nach Orten der Krise gemacht.

bamberg_2016001

Schreibtisch eines BAMF-Mitarbeiters in der Rückführungseinrichtung Bamberg, 2016 © Sibylle Fendt / Ostkreuz

Ursprünglich hast du damit angefangen Portraits von Flüchtlingen zu machen – wie kam es dazu, dass du letztendlich vor allem Orte fotografiert hast?

In meiner ersten Serie wollte ich eine Handvoll Flüchtlinge über einen längeren Zeitraum begleiten. Diese Arbeitsweise habe ich auch bei vorangegangenen Projekten verfolgt. Doch ich merkte schnell, dass bei den Flüchtlingen nur wenig passierte und ich deswegen fotografisch wenig erzählen konnte. Zur selben Zeit lernte ich viele Orte kennen, die Flüchtlinge während ihres Verfahrens durchlaufen und spürte ihren symbolhaften Wert. Ich besuchte verschiedene Behörden, die Abschiebehaft, die Ausländerbehörde und verschiedene Unterkünfte. Diese Orte haben alle ganz unterschiedliche Strukturen und sagen viel darüber aus, wie mit Flüchtlingen umgegangen wird. Meine Kollegen bestärkten mich darin, mich auf die Orte zu konzentrieren um auch eine für mich neue Arbeitsweise auszuprobieren. Außerdem merkte ich, dass es mir schwer fiel nachzuempfinden, was diese Menschen erlebt haben. Ich habe nichts in meinem eigenen Leben, womit ich ihre Erfahrungen vergleichen könnte. Mir fehlte schlichtweg eine Idee um dieses Lebensgefühl darzustellen.

Traglufthalle Metten, sie wurde als Entlastung der Erstaufnahme Deggendorf errichtet, Januar 2016 © Sibylle Fendt / Ostkreuz

Traglufthalle Metten, sie wurde als Entlastung der Erstaufnahme Deggendorf errichtet, Januar 2016 © Sibylle Fendt / Ostkreuz

Geparkte Schlepperfahrzeuge auf dem Gelände der Bundeswehr Freyung, Januar 2016 © Sibylle Fendt / Ostkreuz

Geparkte Schlepperfahrzeuge auf dem Gelände der Bundeswehr Freyung, Januar 2016 © Sibylle Fendt / Ostkreuz

Registratur, BAMF Nürnberg, Januar 2016 © Sibylle Fendt / Ostkreuz

Registratur, BAMF Nürnberg, Januar 2016 © Sibylle Fendt / Ostkreuz

Gab es einen Schlüsselmoment, in dem du dir gesagt hast „So wie ich das jetzt fotografiere, funktioniert das nicht, ich muss einen anderen Ansatz wählen“? Und wie schwer war es für dich, diesen neuen Ansatz umzusetzen?

Einen solchen Schlüsselmoment gab es eigentlich nicht. Es war eher eine Reaktion auf die unzähligen fotografischen Arbeiten, die in den Jahren 2015, 2016 und eigentlich auch schon vorher entstanden sind. Diese Arbeiten von heroisierten Flüchtlingen, diese dramatischen Emotionen und das Leid sowie andererseits die Dankbarkeit und Freude. Ich wollte bewusst einen Kontrapunkt setzen und nach einer Möglichkeit suchen, wie man diese Geschichten auch leiser erzählen kann.

Konntest du etwas aus dieser neuen Arbeitsweise für dich lernen?

Bei bestimmten Themen muss man über seinen eigenen Schatten springen und die bevorzugte Art und Weise zu fotografieren verlassen. Gleichzeitig habe ich es sehr vermisst, Menschen zu fotografieren. Die konzeptionelle Arbeit und die damit verbundenen Recherchen haben mich dann doch sehr angestrengt.

Bearbeitungsstraße Passau, Januar 2016 © Sibylle Fendt / Ostkreuz

Bearbeitungsstraße Passau, Januar 2016 © Sibylle Fendt / Ostkreuz

Essensausgabe, Patrick Henry Village, Heidelberg, August 2015 © Sibylle Fendt / Ostkreuz

Essensausgabe, Patrick Henry Village, Heidelberg, August 2015 © Sibylle Fendt / Ostkreuz

Container-Küche der Notunterkunft Bauschlott einen Tag vor Bezug, Februar 2015 © Sibylle Fendt / Ostkreuz

Container-Küche der Notunterkunft Bauschlott einen Tag vor Bezug, Februar 2015 © Sibylle Fendt / Ostkreuz

Gibt es ein Bild, das du besonders symbolhaft für das leise Erzählen findest?

Das ist schwierig. Die Geschichte ist zu komplex, um sie auf ein Bild zu reduzieren. Spannend finde ich einerseits die eher harmlosen Fotos aus den Büros. Die Aktenberge sind mal größer, mal kleiner. Mal herrscht eine gewisse Ordnung, mal eine gewisse Unordnung. Man merkt einfach, hier sitzen Beamte, abgeschottet von den Eindrücken und den Schicksalen des einzelnen Menschen. Im Kontrast dazu gibt es Bilder von Unterkünften, bei denen man schon näher an den Schicksalen der Menschen dran ist.

Auch interessant finde ich die Bilder von Flüchtlingsunterkünften, insbesondere von Notunterkünften. Hier spürt man, dass – in typisch deutscher Manier – möglichst zielstrebig und akkurat versucht wurde eine gute Unterkunft zu errichten. Doch dann bricht dieser Ordnungswille zusammen und das System muss kapitulieren, weil man schlichtweg nicht auf die Massen an Menschen vorbereitet war.

Temporärer Betraum, Traglufthalle Metten, August 2015 © Sibylle Fendt / Ostkreuz

Traglufthalle Metten, Januar 2016, die Bewohner haben sich in einer Ecke einen Gebetsraum eingerichtet © Sibylle Fendt / Ostkreuz

Temporärer Betraum, Esslingen, August 2015 © Sibylle Fendt / Ostkreuz

Temporärer Betraum, Esslingen, August 2015 © Sibylle Fendt / Ostkreuz

Schlafraum in der Notunterkunft Patrick-Henry-Village, Juli 2015, hier wurden im Sommer 2015 4000 Flüchtlinge beherbergt. Die Notunterkunft war im Gespräch zu einer offiziellen Erstaufnahme umfunktioniert zu werden © Sibylle Fendt / Ostkreuz

Schlafraum in der Notunterkunft Patrick-Henry-Village, Juli 2015, hier wurden im Sommer 2015 4000 Flüchtlinge beherbergt. Die Notunterkunft war im Gespräch zu einer offiziellen Erstaufnahme umfunktioniert zu werden © Sibylle Fendt / Ostkreuz

Woran arbeitest du gerade?

Wie das im Leben so ist, widerspreche ich mir mit meiner neuen Arbeit. Während meiner mehrwöchigen Touren durch die Bundesrepublik, bin ich im Februar 2015 auf eine Flüchtlingsunterkunft im Schwarzwald gestoßen. Sie wurde vor etwa 10 bis 15 Jahren in einer ehemaligen Pension mitten in der urdeutschen Landschaft des Schwarzwaldes eingerichtet. Zurzeit leben an die 30 Männer in dieser abgelegenen und sehr vernachlässigten Unterkunft.

Sie warten zum Teil sehr lange auf die Entscheidung ihres Asylverfahrens. Im Schnitt sind die Männer dort bis zu zwei Jahre untergebracht und viele von ihnen werden danach in eine sogenannte Anschlussunterbringung verlegt.

Als ich dort zum ersten Mal war kam mir sofort der Gedanke nach einer kleinen, abgeschlossenen Geschichte vor Ort. Und zwar aus einem denkbar einfachen Grund: Wegen der Lage können die Leute dort nicht weg. Das ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Zuerst dachte ich, dass ein männlicher Fotograf eigentlich besser geeignet sei dafür. Doch ich stellte trotzdem eine Anfrage und bekam erstaunlicherweise die Zusage. Nun darf ich mich dort frei bewegen und so lange und so oft fotografieren wie ich will. Dabei habe ich unendlich viel Zeit mich mit ihnen auseinander zu setzen. Unter diesen Voraussetzungen kann ich eine sehr intime Arbeit mit und über diese Flüchtlinge machen.

Danke dir für das Interview.

Sibylle Fendt ist seit 2010 Mitglied der Agentur Ostkreuz. Neben ihrer fotografischen Arbeit unterrichtet sie Fotografie an der Ostkreuzschule und der FH Hannover.

Das Gespräch führte Doro Zinn, Fotografin und Bildredakteurin bei emerge.

We need Change – Bilder im Auslandsbildjournalismus

Ein Gastbeitrag von n-ost.

n-ost ist das größte Netzwerk von Foto- und Textjournalist*innen mit Schwerpunkt auf Osteuropa. Stefan Günther leitet die Bildredaktion von n-ost. Für uns schreibt er über die Herausforderungen von Bildjournalisten in der Auslandsberichterstattung und präsentiert die Texte mehrerer internationeler Fotografen von der n-ost Medienkonferenz „Translating Worlds“.

 

In der Auslandsbildberichterstattung erliegt man noch schneller als im vertrauten Nachrichtenumfeld der Macht der einfachen Bilder. Betrachter, Redakteure, aber auch die Fotografen selbst scheuen oft die Komplexität der Welt, über die berichtet werden soll zugunsten von einfach verständlichen Mustern.

Die Aufgabe von journalistischen Bildern (oder des einen Teaserbildes) tendiert immer mehr in Richtung Werbebild oder Schubladenetikett. Die Funktion des Bildes, Interesse für ein Thema zu wecken, ist grundsätzlich gut. Gerade der Auslandsjournalismus muss oft verstärkt um Wahrnehmung seiner Themen kämpfen. Denn wen interessiert es in Zeiten von Beiträgen über reale und fiktive Probleme mit Flüchtlingen in Deutschland, warum beispielsweise die Menschen in Mazedonien auf die Straße gehen?
Trotzdem dürfen alle Beteiligten in der Bilderkette nicht der Versuchung nachgeben, das einfach lesbare und das den bereits existierenden Vorstellungen entsprechende Bild zu bevorzugen. Über (Agentur-)Bilder, die losgelöst von ihrem Entstehungskontext beliebig die These des Beitrages untermauern, wird unterbewusst vermutlich sehr stark die Wahrnehmung der Sachverhalte im Beitrag geprägt. Gerade weil die Bilder so einfach lesbar erscheinen und trotz des Wissens um das selektive Wesen der Fotografie werden sie als vermeintlicher Beleg einer These der Redaktion akzeptiert.

Die Autoren der folgenden drei ausgewählten, von n-ost in Auftrag gegebenen Thesen zum aktuellen Internationalen Fotojournalismus formulieren Lösungsansätze für die erwähnten Spannungsfelder. Dabei geht es einmal um die oben beschriebenen inhaltlichen Probleme bei der Auswahl von Bildern im Produktions- und Redaktionsprozess und der damit verbundenen Steuerung von Wahrnehmung der Welt. Zum anderen geht es um konstruktive Überlegungen, wie man mit modernen und vielleicht ungewöhnlichen visuellen Mitteln der Komplexität der Welt und der stereotypen Verwendung von Bildern in den Medien begegnen kann.

Stefan Günther, Leitung Bild bei n-ost

 

We need change / Dario Bosio

Two images from the series “On the Identity of a Tomato Picker”

Two images from the series “On the Identity of a Tomato Picker” by Dario Bosio

The complete series here.

Photojournalism needs to think beyond the frame.

The repetition of the same tropes, over and over again, has done nothing to foster a better understanding of the world.

On the contrary, it has flattened the depiction of every crisis into a handful of clichés which are quickly forgotten, and the lack of uniqueness of the images fail to make a lasting impression on the audience. Instead, we should be open to working with techniques not traditionally part of photojournalism. Photographers should borrow from portraiture, still life, or even be willing to contaminate our images with external elements. Most importantly, though, we need more openness from the publications themselves. It is futile to bend the frame if nobody publishes the work. The powers that be must break the rules and try something different because the same old thing is not working in our magazines and newspapers anymore. We must be brave enough to jump into the void and experiment, to produce and publish that which breaks the mold.

Dario Bosio specializes in documentary photography. He also works as an editor and a curator. In 2015 he worked as a photo editor at Metrography, the first Iraqi photo agency. He co-produced the project, “Map of Displacement.”

 

A New Narrative / Delizia Flaccavento

From the series, “Not only Boko Haram” by Delizia Flaccavento

From the series, “Not only Boko Haram” by Delizia Flaccavento

Although there are more photojournalists than ever operating across the globe today, images published in media outlets continue to pander to stereotypes, providing a monotonous narrative of suffering and destruction to the exclusion of all else.

As prior World Press Photo jury secretary Stephen Mayes once noted, “The afflicted, the poor, the injured are photographed way in excess of their actual numbers… 90 percent of the pictures is about 10 percent of the world…From the infinity of human experience, the list of subjects covered by WPP entrants would fill a single page, and could be reduced even to three lines: the disposed and the powerless; the exotic; anywhere but home.”

Take Nigeria, for example, which is usually only featured through the lens of corruption or Boko Haram, the terror group operating in the north. There is a lot more to Nigeria, though.

With the project, “Not only Boko Haram,” I decided to feature a group of nuns running a school for 1,000 students of all ages. The school includes room and board for 100 girls too poor to be able to afford school otherwise, a clinic for the poor and a community service and home visitation program in what was once Biafra. I chose this school to show a side of Nigeria that is often ignored by international media: joyous, despite poverty; stubborn in the face of hardship; and embracing life through sports, music and dance.

Delizia Flaccavento works as a freelance photographer, mainly focusing on social topics. She teaches documentary photography at Bahcesehir University in Istanbul and has collaborated with various NGOs.

 

Bending Visibility / Nils Bröer

From the series, "Silent Histories," by Kazuma Obara

From the series, “Silent Histories,” by Kazuma Obara

More images from this series can be found here.

The future of photojournalism will be driven by overcoming the classic narrative techniques of linear storytelling to tell stories differently.

By awarding Japanese photographer Kazuma Obara’s “Exposure” series first prize in the 2016 People stories category, the World Press Photo Jury made a point of supporting innovation – a hint as to what the future of photojournalism could look like. It also brings back an essential discussion: The question of how to integrate non-traditional and innovative layers to underscore the story visually.

The series consists of eight frames shot on medium-format film found close to the Chernobyl nuclear power plant. It explores the life of a young woman who was one of the victims of the reactor accident.

What makes this series special is the texture of the photo, which was created by merging different elements to create visual interdependency. The monochromatic images are grainy and bleached out. Radiation has put its stamp on the material – and the photo – both impairing and defining what the viewer sees – and sending an implicit message of the decay caused by radiation.

Nils Bröer studied Cultural Sciences and Media and Mass Communication Sciences. He works as a photojournalist and reporter for various magazines and also keeps busy as an author, answering questions pertaining to photographic theory.

_____

Die Beiträge entstanden im Rahmen des Fotoexperten-Workshops „Beyond the Frame“ auf der n-ost Medienkonferenz „Translating Worlds“ im November 2015 in Berlin.

Alle Thesen, sowie ein E-Paper mit zusätzlichen Essays von Medienexperten u.a. von Donald Weber gibt es auf ostpol, dem onlinemagazin von n-ost.

n-ost ist Medien-NGO und beliefert unter anderem Medien mit Bildern und Texten aus Osteuropa. Dabei arbeitet n-ost in seinem Berichtgebiet langfristig mit freien Bild und Textjournalisten zusammen, die entweder dort leben oder sich regelmäßig dort aufhalten. So entstehen, auch in der Zusammenarbeit mit Textjournalisten, Beiträge, die eine differenzierte Einordnung ermöglichen. Alle Informationen, auch zu den anderen Tätigkeitsfelder von n-ost: www.n-ost.org

Agnes Stubers Ästhetik der Stille

Die Digitalisierung hat unseren Umgang mit Bildern entschieden verändert. Die Frage nach einer Ästhetik des Digitalen drängt sich auf. Die neue Fotostory bei emerge zeigt prototypisch, wie sich Stille und Frieden auch im Digitalen transportieren lässt. Ein Review zu Agnes Stubers Pauli.

Ich lese gerade die letzten Zeilen des Romans die „Entdeckung der Langsamkeit“, als ich mit dem Text für diesen Blog beginne. Das Buch handelt von dem Entdecker Sir John Franklin, der 1847 auf der Suche nach der Nordwestpassage mit samt seiner Mannschaft im Polareis zu Tode kommt. Als die Verschollenen gefunden werden, heißt es:

„Die Zeit war zu lang für sie. Wer nicht weiß, was Zeit ist versteht kein Bild, und dieses auch nicht.“ Der Einzige, der nicht zuhörte, war der Photograph der Illustrated News, der eilends seinen Apparat, System Talbot, in Stellung brachte, um den Zustand der Skelette im Bild festzuhalten.

Seit dem Medienboom der achtziger Jahre wird die Gefahr der Übersättigung mit medialen Spektakeln verstärkt diskutiert. Der Kunsthistoriker Jonathan Crary meint, dass die sogenannte Kultur des Spektakels weniger darauf aufbaut, Menschen sehend zu machen als sie Zeit in einem Zustand der Ohnmacht erleben zu lassen. Die Medienwelt, so die These des Filmwissenschaftlers Thomas Elsaesser, produziere einen geradezu traumatischen Modus der Zuschauerschaft, der aus flexibler Aufmerksamkeit und selektiver Abstumpfung besteht und sich in der Flachheit von Erinnerungen und der Spurenlosigkeit von Gewalt äußert.

Aus der Serie "Pauli" von Agnes Stuber © Agnes Stuber / emerge

Aus der Serie “Pauli” von Agnes Stuber © Agnes Stuber / emerge


Vom Medienboom zur Ästhetik des Digitalen

Auch Film- und Videokünstler beschäftigen sich seither verstärkt mit der Omnipräsenz medialer Bilder in Film und Fernsehen, insbesondere deren narrativen und zeitlichen Strukturen. Sie verwenden vorgefundenes Material und verfremden dessen zeitlichen Ablauf, um die Konstruktion von Realität in den Medien bewusst zu machen oder die Aufmerksamkeit auf minimale Details und Ereignisse zu lenken. Douglas Gordon etwa dehnt den zweistündigen Hitchcock Film „Psycho“ auf vierundzwanzig Stunden aus. Omer Fast benutzt die Montage, um die scheinbare Geschlossenheit von Erzählungen aufzubrechen und die Konstruiertheit medialer Berichte aufzuzeigen. In seiner Arbeit „CNN Concatenated“ zerstückelt er Nachrichtenbeiträge und setzt sie zu neuen Botschaften zusammen, die sich direkt an den Zuschauer wenden (‘I need your attention. I need to know I’m being listened to’; ‘You recycle anything older than a day. Anything that carries a history is dangerous’). Fotokünstler und Kunstwissenschaftler Jeff Wall widmet sich in „Dead Troops Talk“ dem Thema Fotojournalismus und der Darstellbarkeit geschichtlichen Grauens. Indem er ein historisches Gemälde fotografisch reinszeniert, stilisiert und bis ins Groteske übersteigert, verwandelt es sich je nach Lesart in eine philosophische Tragödie oder Komödie.

Der Bildjournalismus allerdings kann sich im Gegensatz zum Künstler von seinem Anspruch, die Wahrheit zu dokumentieren per se nicht völlig lösen und ein Foto bietet im Vergleich zum Film oder zur Sprache kaum Möglichkeiten, sich selbst (kritisch) zu reflektieren. Trotzdem oder gerade deswegen muss der Fotojournalismus sich die Frage gefallen lassen, ob der Anspruch die Betrachter aufzuklären oder sogar durch emotional starke Bilder aufzuwecken, „realistisch“ ist.

Aus der Serie "Pauli" von Agnes Stuber © Agnes Stuber / emerge

Aus der Serie “Pauli” von Agnes Stuber © Agnes Stuber / emerge

Eine aktuellere Kritik bezieht sich auf die Ästhetik digitaler Bilder: die heutigen digitalen Bilder seien lärmend und dröhnend, ohne Stille, ohne Melodie und Duft, schreibt Byung-Chul Han, Professor für Philosophie und Kulturwissenschaft in seinem Text „Bitte Augen schließen“. Er bezieht sich dabei auf Roland Barthes Studie zur Fotografie „Die helle Kammer.“ Darin heißt es: „Die Fotografie muss still sein. Das ist keine Frage der Diskretion, sondern der Musik. Die absolute Subjektivität erreicht man nur in einen Zustand der Stille, dem Bemühen um Stille (die Augen schließen bedeutet das Bild in der Stille zum Sprechen bringen).” Hans Text ist eine Kritik nicht nur an der Ästhetik des Digitalen sondern am Zustand der heutigen (Müdigkeits)gesellschaft, die die Zeit selbst in Geiselhaft nimmt. Er fordert eine Zeitrevolution, die der Zeit ihren Duft zurückgibt und eine Zeit des Anderen ist, weil sie sich der Beschleunigung entzieht.


Pauli: Nicht glücklich, aber in Frieden

Vor diesem Hintergrund gefragt: Was gibt es denn da zu sehen in der Serie Pauli von Agnes Stuber?

Aus der Ferne sieht man am linken Rand des ersten Bildes einen Mann über ein Eisfeld laufen. Er ist klein, wirkt etwas verloren in der weiten Landschaft und außerdem irgendwie an den Rand gerutscht. Bildbeherrschend ist die weiße Schneefläche, in der das Eis kleine Muster hinterlassen hat. Ebenfalls nur angeschnitten am oberen Bildrand ist eine Gruppe kahler Bäume zu erkennen. Das kleine rote Haus im Wald am unteren Rand des nächsten Bildes wirkt fast eben so verloren. Ein Einsiedler also, der sich in den Wald zurückgezogen hat. Beim ersten Überblick auf die Serie stellen sich bei mir folgende Assoziationen ein: Winter, Lebensabend, Kälte, schwindendes Licht, Monotonie, Einsamkeit, Leere aber auch Ruhe, Stille.

Dann seh ich die Bilder genauer an: Thema und Bildsprache erinnern zunächst an die Romantik, allerdings hat die Natur nichts Erhabenes und der Blick der Fotografin nichts Sentimentales. Auf den nächsten Bildern verliert dieser Blick seine Distanz, jedoch ohne aufdringlich zu werden. Bildfüllend das Gesicht des Mannes, dessen Ausdruck: uneindeutig. Ist er glücklich, einsam? Vielleicht nicht glücklich, aber scheinbar in Frieden mit sich und seinem kleinen Reich. Die Bildkomposition hat nichts Dynamisches und rückt scheinbar Nebensächliches, Unspektakuläres in den Fokus: den Stamm einer Birke, Schneeflocken auf einer Wollmütze, ein Fenster mit einer verwelkten Orchidee, ein Stapel Holz, Hausschuhe. Die geringe Schärfentiefe lenkt den Blick auf winzige Details, wie die Strukur einer Schneeflocke, die leise auf der Wollmütze gelandet ist.

Aus der Serie "Pauli" von Agnes Stuber © Agnes Stuber / emerge

Aus der Serie “Pauli” von Agnes Stuber © Agnes Stuber / emerge

Der Blick der Fotografin ist ein einfühlsamer Blick, weil es auch der Blick des Protagonisten sein könnte. Sie konzentriert sich auf die Dinge, die für ihn wesentlich sind: Essen, Spazieren, Holzhacken, die Gesellschaft einer Katze. Die Bilder erzählen von einem unspektakulären Tagesablauf, in dem aber alles irgendwie seine Zeit und seine Mitte gefunden zu haben scheint. Eine Stärke des visuellen Geschichten-Erzählens, das zeigt diese Serie, liegt darin, andere Wahrnehmungsweisen und Zeitlichkeiten zu eröffnen. Wenn das gelingt, davon gehen phänomenologische Bildtheorien aus, kann der Betrachter mehr von der Welt und sich selbst fühlen, sehen, erfahren und erinnern als im alltäglichen Leben. Dafür müssen sich aber beide Zeit nehmen und ab und zu die Augen schließen: Fotograf und Betrachter. Agnes Stuber scheint sich die Zeit genommen zu haben.

Von Alexandra Horn, Medienwissenschaftlerin und Textredakteurin bei emerge

Junger Fotojournalismus im Fokus

Liebe Leserinnen und Leser,

mit großer Freude übernehmen wir von emerge ab heute für einen Monat den Hatje Cantz Fotoblog. Im Laufe der nächsten Wochen werden wir unseren Fokus auf jungen Fotojournalismus legen. Wir möchten euch spannende fotografische Positionen vorstellen und euch zeigen vor welchen Herausforderungen Fotojournalisten*innen heutzutage stehen.

 

Der digitale Wandel

Die Medienlandschaft hat sich durch den digitalen Wandel dramatisch verändert. Die klassischen Printmedien kämpfen weiterhin gegen schwindende Auflagenzahlen und suchen nach neuen Geschäftsmodellen, um in der digitalen Zukunft bestehen zu können. Inmitten dieser Umwälzungen finden sich junge Fotojournalisten*innen vor den großen Unsicherheiten eines Lebens als Freiberufler wieder: schlechte Honorare, wachsender Konkurrenzdruck und verschwindend geringe Chancen für eine Festanstellung. Hinzu kommt die schnelle technologische Entwicklung, welche auch die Anforderungen an das Berufsbild ständig verändern. Zunehmend erwarten Redaktionen, dass Fotojournalisten*innen über die reine Fotografie hinaus auch multimediale Inhalte (Video, Audio) liefern und textliche Elemente beisteuern oder etwa ein Interview mit einem Protagonisten führen können. Der klassische Fotojournalismus entwickelt sich in eine modernere und noch komplexerer Form: Visual Journalism. Hierbei ist es selbstverständlich, dass Fotojournalismus, Videojournalismus, Dokumentarfilm und interaktives Storytelling im Web sich zunehmend überschneiden. Es entstehen neue visuelle Reportageformen, die vor allem über digitale Kanäle gestreut werden. Dies stellt auch die Ausbildungsstätten für Fotojournalisten*innen vor neue Anforderungen. Der wunderbare Fotograf und Filmemacher Tim Hetherington, der leider 2011 in Misrata, Libyen während seiner Arbeit getötet wurde, brachte es schon 2010 auf den Punkt:

“I encourage the students to look at many different forms. Not to say, ‘I am a photographer,’ but to say: ‘I am an image maker. I make still or moving images in real-life situations, unfiltered and un-photoshopped. I am going to look into how I can put this into different streams for different audiences; maybe some on the Web, some in print.“

 

Mut, Haltung, Verantwortung

Während manch einer nostalgisch zurückblickt auf die „goldenen Zeiten“, in denen man mit journalistischer Fotografie noch gutes Geld verdienen konnte, schaut die junge Generation nach vorne und sucht sich neue Wege, um ihre Geschichten zu erzählen und zu vermarkten.

Sie tun dies mit einer beeindruckenden Überzeugung und großem Mut. Und sie sind besser ausgebildet als je zuvor. Die zunehmend journalistisch-fundierte Ausbildung sorgt dafür, dass die junge Generation mehr will als starke Bilder – sie wollen starke Geschichten. Ihr Handwerk besteht darin ein gesellschaftsrelevantes Thema zu finden und sich diesem angemessen zu nähern. Sie entwickeln eine Bildsprache und wählen unterschiedliche, dem Thema angepasste Erzählformen. Zusehends spielen dabei auch die Verwendung von multimedialen Elementen und Online-Publikationen eine Rolle und fordern gegenüber der klassischen Zeitungs- und Zeitschriftenfotografie ihre Stellung ein.

Aus der Serie "Was bleibt?" von Ricardo Wiesinger © Ricardo Wiesinger / emerge

Aus der Serie “Was bleibt?” von Ricardo Wiesinger © Ricardo Wiesinger / emerge

Mit diesen Entwicklungen gehen aber auch ständige Herausforderungen und eine große Verantwortung einher, die Fotojournalisten*innen übernehmen müssen. Man kann durch die Auswahl und Zusammenstellung bestimmter Bilder auch einer Person schaden, z.B. in dem man Fakten verdreht oder den Kontext verzerrt. Gerade auch weil Foto- und Textjournalisten*innen immer seltener im Team auf Reportagereise gehen, müssen Fotografierende genau wie schreibende Journalisten*innen sehr gründlich recherchieren, sich tiefergehend mit ihrem Thema auseinandersetzen und das Vertrauen ihrer Protagonisten gewinnen. Schließlich gehen sie damit an die Öffentlichkeit und schaffen Aufmerksamkeit. Dies hat wiederum Risiken zur Folge, denn gerade bei der Veröffentlichung im Internet kann eine Geschichte auch in kürzester Zeit starke Verbreitung finden. Diese Verantwortung muss jedem bewusst sein. Gerade deshalb ist es wichtig eine fundierte Ausbildung zu durchlaufen und nach journalistischen Grundsätzen und Sorgfaltspflichten zu arbeiten.

 

Fotojournalismus ist unverzichtbar

Trotz aller Schwierigkeiten sind wir überzeugt, dass junger Fotojournalismus unglaublich lebendig ist und die zeitgenössischen Arbeiten mitunter stärker sind als je zuvor. Die Arbeiten, welche heutzutage entstehen, brauchen Wochen, Monate, manchmal Jahre, um am Ende eine Kraft und Tiefe zu entwickeln, mit der sie sich von der alltäglichen Bilderflut absetzen können. Doch kaum eine Redaktion verfügt noch über die Ressourcen, um solche Projekte zu finanzieren. De facto müssen Fotojournalist*innen also in Vorleistung gehen und sich selbst finanzieren, im Idealfall durch andere journalistische Fotojobs, aber auch durch Porträt-, Corporate-, Event-, Produkt oder sogar Hochzeitsfotografie, oder im Zweifelsfall eben doch durch gänzlich andere berufliche Standbeine. Auch neue Wege wie Crowdfunding oder das Anbieten von Weiterbildungen können der Finanzierung dienen. Das ein oder andere Stipendium gibt es glücklicherweise auch noch – leider nur viel zu wenige.

Aus der Serie "Kurze Beine, große Schritte" von Patrick Junker © Patrick Junker / emerge

Aus der Serie “Kurze Beine, große Schritte” von Patrick Junker © Patrick Junker / emerge

Und dennoch gibt es unzählige Fotojournalisten*innen, die sich nicht dafür zu schade sind, die unbeliebten Jobs zu machen, um die nächste Reise für das Herzensprojekt zu finanzieren. Diesen Leuten gilt eine ordentliche Portion Anerkennung und Respekt, denn sie leisten einen wichtigen Beitrag zum öffentlichen Diskurs, und das nicht primär für Geld, sondern aus Überzeugung und einer Haltung heraus, die Missstände auf dieser Welt nicht einfach hinnehmen zu wollen. Gerade wenn sie Geschichten erzählen, die abseits des Medienrummels stattfinden und eine differenzierte, menschliche Sicht auf Themen ermöglichen, tun sie der Gesellschaft einen unschätzbaren Dienst.

Für genau diese jungen Fotojournalisten*innen haben wir vor über fünf Jahren unsere Plattform geschaffen. Wir konnten es nicht ertragen, dass wunderbare Geschichten aufgrund schwindender Veröffentlichungsoptionen in der Schublade landen und nicht gesehen werden.

Kevin Mertens
Gründer und Chefredakteur

(un)Wanted bei BredaPhoto 2016

Nächsten Monat beginnt das Fotofestival “BredaPhoto“. Wie der Name schon sagt, das Festival findet in Breda im Süden der Niederlande statt. Ich werde dort auch mit einer Ausstellung vertreten sein. Zu dem Anlass möchte ich gerne ein paar Sätze über das Festival sowie mein Projekt schreiben.

Vor einigen Monaten bekam ich eine Anfrage, ob ich eine neue Serie für das diesjährige Festival fotografieren will. Es ist eins der größten Fotofestivals der Niederlande und findet dieses Jahr zum 7. Mal statt. Ich war persönlich noch nie dort, aber habe bereits einige interessante Dinge über das Festival gehört. Die Ausstellungen sind auf über 25 Locations in der ganzen Stadt verteilt, insgesamt stellen rund 70 Fotografen ihre Arbeiten aus und es werden um die 80 000 Besucher erwartet. Mainact ist der Magnumfotograf Carl de Keyzer mit seiner Arbeit “Cuba, La Lucha“, wofür er die kubanische Transformation vom kommunistischen Regime hin zum Kapitalismus dokumentierte.
Doch es gibt auch eine Vielzahl anderer Aktivitäten, wie eine Masterclass, verschiedene Lesungen und Diskussionsrunden oder Führungen und Workshops. Das Festival beginnt am 15. September und endet am 30. Oktober.

Announcing the BredaPhoto 2016 theme from BredaPhoto on Vimeo.

Das diesjährige, Thema des Festivals lautet “You“. Ich konnte anfangs nicht viel mit diesem vorgegebenen, abstrakten Thema anfangen. Es erinnerte mich irgendwie an die Aufnahmeprüfungen fürs Fotografiestudium. Damals musste ich mich auch mit Themen wie “Heimat“ oder “Kontrast“ herumschlagen, um einen der begehrten Studienplätze zu bekommen. Ich hatte aber große Lust an dem Festival mitzuwirken und nahm dies als Anlass ein neues Projekt zu beginnen.

Zu meiner Arbeit:
Da es in unserer Gesellschaft immer mehr Menschen gibt, die auf selbstständige Weise ihr Geld verdienen, war die Idee des Kurators, eine Reportage über ein Unternehmen zu machen, das auf innovative Art und Weise eine Lösung für ein bestehendes Problem gefunden hat.
Nach einigem Grübeln hatte ich die Idee, eine Geschichte über ein Unternehmen zu fotografieren, auf das ich schon vor längerer Zeit aufmerksam geworden war. Ich war damals auf einem Festival in Amsterdam und aß dort Gänsebrust bei einem improvisierten Essensstand. Es schmeckte gut, allerdings brach ich mir an einem Schrotkorn beinahe einen Zahn aus. Auf die Frage ob und wo denn die Gans geschossen wurde erzählte die Köchin mir, dass sie auf dem Amsterdamer Flughafen erlegt wurde. Ich kam mit ihr ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass sie zusammen mit ihrem Freund, Essen aus Schädlingstieren zubereitet – sie nennen sich “Die Küche des unerwünschten Tieres”.
Ich musste gleich an diese Begegnung denken, als mir der Kurator von seiner Idee erzählte. Ich nahm also Kontakt mit ihnen auf und bekam eine Zusage. Kurz darauf begann ich Nicolle und Rob, die beiden Initiatoren des Projektes fotografisch zu begleiten.
Die beiden sind ein Künstlerpaar, das die Küche des unerwünschten Tieres ins Leben gerufen hat. Sie wollen auf die Verschwendung von Fleisch von Schädlingstieren, was sich perfekt für den menschlichen Verzehr eignet, aufmerksam machen.
Auf der Karte der Beiden stehen, außer Flughafengänsen, noch eine Vielzahl anderer Tiere, die der Mensch als minderwertig betrachtet. Sie verwenden beispielsweise Stadttauben, Bisamratten, Flusskrebse, Ponys, Füchse oder Krähen für ihre Gerichte. Am besten laufen Gänsekroketten und der “My little Pony Burger“.
Ich habe aber nicht nur Nicolle und Rob begleitet, sondern bin auch mit auf die Jagd nach Schädlingen gegangen. So habe ich z.B. einen “Schädlingsbekämpfer“ beim Taubenfangen in Amsterdam oder eine Flusskrebsfischerin bei der Arbeit begleitet.
Bei dem Festival werden 21 Bilder aus der Serie ausgestellt. Die Ausstellung befindet sich bei STEK, einer Art kreativem Industriegebiet auf dem Festivalgelände. Ich werde die erste Woche in Breda sein und bin gespannt darauf.

kvhod_02

kvhod_04

kvhod_08

kvhod_09

kvhod_14

kvhod_17

kvhod_19

Elefantenumzug Malawi

Ich möchte heute gerne ein aktuelles Projekt vorstellen. Ich war im letzten Monat in Malawi und habe eine groß angelegte Elefantenumsiedlung fotografiert. Für diejenigen die nicht wissen wo Malawi liegt (ich hatte bis dato auch keine Ahnung), hier mal eine Karte.

Malawi

Ich war dort im Auftrag der niederländischen Tageszeitung “De Volkskrant“, für die ich schon viele Aufträge im Ausland fotografiert habe. Ich schätze mich sehr glücklich, für diese Zeitung arbeiten zu können. Welche andere (Tages)Zeitung schickt noch Schreiber und Fotografen für 10 Tage in die afrikanische Savanne, um eine Reportage umzusetzen?

Wir haben die erste Phase der Umsiedlung von insgesamt rund 500 Tieren begleitet. Die “Capture“, also das einfangen der Tiere, fand im südlich gelegenen “Liwonde National Park“ statt. Dieser Park verfügt noch über eine relativ stabile Elefantenpopulation. Das Management wurde vor kurzem von der gemeinnützige Naturschutz-Organisation „African Parks“ mit Sitz in Südafrika übernommen.
Da der Wildpark für afrikanische Verhältnisse nicht besonders groß ist, kommt es in Liwonde immer wieder zu Problemen mit Elefanten, die in Dörfer eindringen und dort Felder verwüsten. Um dies zu verhindern, aber auch um die Tiere besser vor Wilderern schützen zu können, wurde die Entscheidung zu dieser wohl größten Elefantenumsiedlung aller Zeiten getroffen. Neue Heimat der Tiere ist das etwa 350 Kilometer weiter nördlich gelegene „Nkotakota Wildlife Reserve“. Hier hat African Parks eine Schutzzone eingerichtet, die von einem hochmodernen Elektrizitätszaun umrandet ist. So soll kein Wilderer mehr rein und kein Elefant mehr raus kommen.
Vor wenigen Tagen erreichte uns allerdings die Nachricht, dass ein Elefantenbulle aus der Schutzzone ausgebrochen ist und eine 40 Kilometer lange Spur von Verwüstung in den umliegenden Dörfern hinterlassen hat. Er tötete drei Menschen und wurde letztendlich von Rangern erschossen. Dies hinterlässt doch einen bitteren Beigeschmack bei der ansonsten sehr erfolgreichen Aktion.

Ich persönlich bin ausnahmsweise ziemlich zufrieden mit dem Trip. Meist habe ich nach intensiven Reisen die Angst, nicht fertig geworden zu sein oder etwas verpasst zu habe. Dieses Gefühl hielt sich bei unserer Abreise aus Malawi aber in Grenzen.
Dazu kommt, dass es natürlich ein extrem fotogenes Thema war und wir als Team von Fotograf und Schreiber gut funktioniert haben (was nicht immer selbstverständlich ist). Das Thema an sich fand ich sehr spannend. Ich arbeite häufig an Themen die einen Bezug zu der Natur haben. Mich reizt es zu dokumentieren wie der Mensch in die Natur eingreift, sie lenkt, sie sich zu nutzen macht oder sie ausbeutet. Ich habe in der Vergangenheit schon viele Reportagen zu diesen Themen fotografiert. Bergbau, Abholzung oder auch andere Tierumsiedlungen – irgendwie beginne ich einen roten Faden zu erkennen, bei Themen die mir am Herzen liegen.

Der Junge in der Ambulanz

Der Krieg in Syrien hat seit gestern ein weiteres ikonisches Foto dazu bekommen. Seit Donnerstagmorgen kursiert das Bild eines syrischen Jungen durch die sozialen Netzwerke, der staubig und blutverschmiert in einem Rettungswagen sitzt. Inzwischen wissen wir, dass der Junge fünf Jahre alt ist und Omran Daqneesh heißt. Er wurde kurz zuvor aus den Trümmern seines Elternhauses in Aleppo geborgen, nachdem dieses von einem Luftangriff getroffen wurde. Kriegsroutine sollte man zynisch behaupten können.
Heute morgen, im Kiosk bei mir um die Ecke, schaut mich der blutverschmierte Junge von ziemlich jeder Zeitungstitelseite aus an. Er ist über Nacht zum Symbol für den nun fünf Jahre tobenden Krieg geworden.

IMG_2680

Nach und nach tauchen immer mehr Informationen auf. Anscheinend hat der Rest seiner Familie das Bombardement ebenfalls überlebt. Beide Eltern und alle drei Geschwister seien allerdings ebenfalls verletzt. Auch ihr Haus sei zerstört worden. Mindestens drei Menschen starben bei dem Angriff.
Auch eine längere Version des Videos ist nun auf der Website des Guardian zu finden. Hier sieht man wie der traumatisierte Junge auf dem Arm eines Mannes aus dem zerstörten Haus getragen und in der Ambulanz auf einen Stuhl gesetzt wird. Daraufhin verschwindet der Mann wieder und die Szene in der Omran sich verstört an den Kopf fasst wird gefilmt.
Das Material wurde vom „Aleppo Media Center“ (AMC) verbreitet, eine oppositionelle Gruppierung, die das Elend im Osten Aleppo’s dokumentiert.
Mr. Ahmad, einer der lokalen Journalisten, der die Szene filmte, zeigte sich verwundert über die grosse Aufmerksamkeit die sein Video bekommt: “Als Journalist in Aleppo sehe ich tausende solcher Situationen. Omrans Fall ist nur einer von vielen…“

Ich finde Bilder wie diese werfen immer viele Fragen auf: Sollte oder muss man sie sogar zeigen? Bezwecken oder verändern sie etwas? Werden wir von ihnen manipuliert?

Schaut man sich auf Twitter um, wird klar wie das Bild instrumentalisiert wird:

CqIRk8dWAAAtoa0

CqIe_d4XEAA5JW5.jpg-large

CqGZ5pkWAAAC5-V

Wie kommt es, dass mache Bilder so viel Aufmerksamkeit bekommen, tausendfach geteilt und veröffentlicht werden und uns an das Grauen von Krieg, Verfolgung oder Flucht erinnern?
Ich habe gerade bei Googles Bildersuche “Injured child Syria“ eingegeben und bekam zahllose grauenhafte Bilder zu sehen. Viele deutlich schlimmer als das Foto von Omran. Einige wenige kannte ich bereits (wahrscheinlich auch nur, weil ich selber Fotojournalist bin), doch den Großteil hatte ich noch nie vorher gesehen.
Anne Barnard, Korrespondentin der New York Times für Syrien und den mittleren Osten, fragte sich das in ihrem gestrigen Artikel auch und hat folgenden Erklärungsversuch:

“Maybe it was his haircut, long and floppy up top; or his rumpled T-shirt showing the Nickelodeon cartoon character CatDog; or his tentative, confused movements in the video. Or the instant and inescapable question of whether either of his parents was left alive.“

Ich denke Schreckensbilder wie dieses, die erst in einen viralen Hype landen und daraufhin von den grossen Zeitungen und Nachrichtensendern übernommen werden, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen.
Sie müssen uns emotional hart treffen, ebenso müssen sie schocken. Dennoch dürfen sie nicht zu grausam sein. Sie brauchen etwas Unschuldiges. Denkt an das Bild des ertrunkenen Jungen an einem türkischen Strand – Aylan Kurdi war sein Name. Vor etwa einem Jahr tauchte das Bild plötzlich in sozialen Medien auf und war für einige Zeit nicht mehr aus den Nachrichten wegzudenken. Es wurde zum Symbol für die Flüchtlingskrise.
syrian cartoon

Inhaltlich hatte das Foto einige Parallelen zu dem Bild von Omran. Beides sind Bilder von Kindern, die Opfer eines Krieges geworden sind. Beides unschuldige Jungen und beide Bilder zeigen keine abgerissenen Gliedmassen, sondern kommunizieren auf eine andere, eine subtilere Art das Schrecken des Krieges. Der “Durchschnittsbürger“ muss sie sich angucken können und doch muss sich das Bild in unser kollektives Gedächtnis einbrennen.

Zugegeben, das Foto von Omran ist blutig, aber er hat überlebt! Scheinbar wäre ein totes Kind zu hart gewesen. Auch das Video von der Szene ist genau genommen ein sehr ruhiges. Ein Junge sitzt blutverschmiert auf einem Stuhl, er schreit oder weint aber nicht, wir hören auch keine Kriegsgeräuche, keine Schüsse oder Einschläge und doch wissen wir alle welchen Horror dieser junge Mensch gerade durchmacht.

Ich bin mir sicher, dass uns dieses Bild noch einige Tage verfolgen wird. Vielleicht bekommt Oman Daqneesh sogar einen Wikipedia Eintrag. Doch dann werden werden wir ihn wahrscheinlich langsam wieder vergessen…. und der Krieg in Syrien geht weiter.

Drohnen, überall Drohnen!

Passend zum Neustart in Hamburg habe ich mit zwei Freunden in eine professionelle Drohne investiert. Ich bin eigentlich nicht besonders an Technik interessiert, doch dieses Stück Hightech ist sehr beeindruckend. Es ist eine DJI Inspire 1 Raw (falls das jemandem was sagt…), kostet mit Zubehör rund 7000€ und ist vollgestopft mit schlauen Sensoren und blinkenden Lämpchen.
Wir haben uns aus verschiedenen Gründen entschlossen eine Drohne anzuschaffen. Wie gesagt, die Technik ist nicht der Hauptfokus, vielmehr ist es die neue Perspektive als Zusatz zu dem was wir als Fotojournalisten eh machen – Nämlich Geschichten erzählen. Natürlich müssen wir zu diesem Zweck Herr dieses komplexen Gerätes werden und die vielen Knöpfe betätigen können. Dies kostet Zeit Nerven und Übung. Nach einer ersten Bruchlandung in einer Tanne ist das Gerät allerdings gerade im “Krankenhaus“.

Übung macht den Meister. Illegaler Drohnenflug im Garten. © Julius Schrank

Übung macht den Meister. Illegaler Drohnenflug im Garten. © Julius Schrank

Wenn man sich in der Welt der Luft und Drohnenfotografie mal umschaut, fällt mir auf, dass die Leute eher technikversierte Amateure als professionelle Fotografen sind. Deshalb gibt es zahlreiche Anbieter für Drohnenaufnahmen. Meist findet man auf deren Websites Aufnahmen von Firmengeländen, Hochzeiten oder Blumenfeldern. No offence, doch ich denke eine Drohne bietet auch im Bereich der journalistischen Fotografie viele Möglichkeiten und ist weit unterschätzt. Bei meiner Recherche fiel mir auf, dass es noch nicht viele Beispiele gibt, bei denen die Vogelperspektive als erzählerisches Mittel für journalistische Geschichten genutzt wird.
Ein paar Arbeiten habe ich jedoch gefunden und möchte diese gerne vorstellen:

Thomas van Houtryve’s Arbeit „Blue Sky Days“ ist so eine. Van Houtryve hat in den USA Luftbilder von Situationen gemacht, die an den US Drohnenkrieg in Pakistan oder dem Jemen erinnern, der bisher tausende Zivilisten das Leben kostet hat. Er nimmt uns mit in die Welt eines Drohnenpiloten der U.S.Army der aus einem Kontrollzentrum in Nevada oder New Mexico über Leben und Tod am anderen Ende der Welt entscheidet. Dazu überflog Van Houtryve Orte und Situationen des alltäglichen Lebens in den USA. Von oben betrachtet hätten diese Bilder ebenso im afghanisch-pakistanischem Grenzgebiet gemacht sein können. Schaut man genauer hin, entpuppt sich zum Beispiel die Ansammlung betender Muslime als eine Yogasession im Park von San Francisco.

Suspect behavior - People exercise in a public park in San Francisco. Aus der Serie "Blue Sky Days". © Tomas van Houtryve

Suspect behavior – Menschen beim Workout in einem öffentlichen Park in San Francisco. Aus der Serie “Blue Sky Days”. © Tomas van Houtryve

Ein weiteres Beispiel ist die Arbeit des italienischen Fotografen Rocco Rorandelli. Er fotografierte die Flüchtlingsroute quer durch Europa aus der Vogelperspektive. Seine Aufnahmen zeigen Menschen auf der Flucht, irgendwo zwischen Griechenland und Deutschland. Auf dem ersten Blick wirken die Bilder anonym, aus großer Distanz aufgenommen, fast wie Ausschnitte aus einer Landkarte. Doch schaut man genauer, offenbaren sie zahlreiche Details – der Müll entlang des Weges, Schlangen bei einer Essensausgabe, Menschen die sich gegenseitig aus dem Matsch ziehen.
Mich erinnern einige der Aufnahmen an Ameisenstraßen, die sich durch die Natur ziehen. Irgendwie planlos und doch scheinen alle ein Ziel zu verfolgen.

Aus Rocco Rorandelli's Serie: "Trans Europe Migration".

Aus Rocco Rorandelli’s Serie: “Trans Europe Migration”.

Fakt ist: Drohnen sind angesagt und ein neuer Verkaufshit. Vor kurzem war ich im Mediamarkt und sah dort ein Angebot von ca. 20 Drohnen in verschiedensten Ausführungen und Preiskategorien. Es gibt auch bereits ein Drohnen-Pendant zu Instagram; Es heißt (wie auch sonst)  “Dronestagram“. Letzten Monat wurde zum dritten mal der “International Drone Photography Award“ von Dronestagram und National Geographic verliehen. Es wurden über 6000 Bilder eingesendet….

Allerdings werden Drohnen mittlerweile weitaus breiter eingesetzt als zum Fotos machen und Krieg führen. So wurde Ende 2014 in Londons größtem Kultur und Konferenzzentrum, dem “Barbican“ eine life musik-performance mit verkleideten Drohnen aufgeführt: Das Loop>>60Hz. Dabei wurde die Stimme des Sängers von den Drohnen, an denen Lautsprecher befestigt waren, durch den Theatersaal getragen. Auch der Cirque du Soleil entwickelte eine beeindruckende Performance bei der Mensch und 10 Quadrocopter synchron miteinander Tanzten.

Wie sich die Drohenfotografie in Bereich der erzählerischen Fotografie weiterentwickeln wird bleibt abzuwarten. Ich denke, wir werden in Zukunft noch einige innovative Projekte zu sehen bekommen.

Neue Stadt, neues Leben…… und jetzt?

Dies ist also mein erster Blogeintrag. Unbekanntes Terrain. In der Regel beschränkten sich meine schreiberischen Fähigkeiten auf Exposés und das Beantworten von E-mails.

Wie oben angekündigt bin ich Fotojournalist und habe die letzten 6 Jahre in den Niederlanden gelebt und hauptsächlich auch dort gearbeitet. In erster Linie war ich als News- und Porträtfotograf für eine große Tageszeitung tätig. Als fester Freier – immer auf Abruf, immer on-the-road. Seit wenigen Wochen habe ich die Vorzüge eines mehr-oder-weniger festen Einkommens aufgegeben und bin mit Freundin und junger Tochter nach Hamburg gezogen.

Ich möchte diesen Blog unter anderem nutzen, um über Erfahrungen, Herausforderungen und Chancen zu schreiben, die ein solcher Standortwechsel für einen (doch noch relativ) jungen Fotografen mit sich bringt. Ebenso will ich etwas von meinen aktuellen Arbeiten und Projekten zeigen. Ich freu mich drauf….

13900808_1209539972411341_1823097446_n

Monsanto: A Photographic Investigation

I am an avid maker and viewer of photo books, but gradually I have come to think that this two word term can be as much of a shackle on interesting work as it is a useful genre distinction. The best photo books are not really photo books at all. They are just books, which might predominantly contain photography and which might employ and manipulate it in ways which have the nuance and subtlety you would expect from the photography world, but which avoid letting this nuance define them. They are books which, rather than becoming bogged down in design fads and trends, or in self-referential and irrelevant ponderings about the specificities of photography, have something that they urgently need to say about the world, and which they need to say to as wide an audience of possible.

In all the many books I view each year, I encounter relatively few which really seem to do this, and particularly at the Rencontres d’Arles Festival where there was a staggering number of books on display I discovered only a handful amongst the works shortlisted for the various prizes which spoke to me in this way. One of these few titles was Mathieu Asselin’s Monsanto: A Photographic Investigation, which received the honourable mention in the festival’s LUMA dummy book award. In it Asselin uses photography as an investigative tool to probe and reveal the consequences of the practices and products of the multinational agrochemical corporation Monsanto in Vietnam and it’s home country of the United States. These activities are immensely broad, but those documented in the book share the common trait that they have had severe long term consequences for the communities where Monsanto’s products have been developed or deployed.

M-A-I_Mathieu_Asselin_005

In some respects Asselin is revisiting depressingly familiar territory. He looks for example at the company’s manufacturing of the toxic defoliant Agent Orange during the Vietnam War, considering the well-known consequences for Vietnamese today through a series of gruelling images of Vietnamese people with severe physical and mental defects caused by dioxin poisoning. What makes this book distinct though is the way he connects threads and links issues which other photographers might have treated in isolation. For example alongside these images from Vietnam he considers how United States servicemen exposed to the chemicals have also subsequently had children with birth defects likely to have been caused by the chemical, as in two striking images of Helen Bowser, the daughter of a former serviceman. In one striking image Bowser’s hand holds a photograph of her father in military uniform, only after a moment do you notice the misshapen fingers which clutch the print.

In another sequence of the book Asselin examines Monsanto’s contemporary diversification and development of genetically engineered crops, designed to resist herbicidal chemicals like the corporation’s Roundup weed killer. Asselin highlights the way the company treats these engineered crops as a patented product, forcing farmers to purchase seeds each year rather than resowing from the seeds of a previous crop, and litigating against those who don’t, a policy which has led to a spate of cases and bankruptcies. As Asselin pointed out when I met him in Arles, this idea of seed crops as corporate property is an entirely new and frightening development, which takes ownership away from the farmers for the first time in history.

M-A-I_Mathieu_Asselin_030

Another important component of the book is the reproduction of material from some of Monsanto’s own advertising campaigns, which arrayed alongside Asselin’s documentation of the fallout of their activities creates a jarring contrast between the corporation’s own projected self-image and the realities of its activities for the communities it operates within. Perhaps the most potent example of this is the Monsanto House of the Future, a Disneyland attraction sponsored by the corporation and which opened in 1957. ‘Tomorrow is always built on today’ a video advertising the house prophetically announces, but in this book this house of the future becomes a sort of dark metaphor for a future which corporations focused on short term profits actually care very little about.

Asselin’s photographs become a sort of testament to what happens when the well-being of the future is traded for profit in the present, and specifically the consequences for those people who have to occupy that future, who are inevitably often the poor and the marginalised, the last people in other words who might own stocks in a company like Monsanto. So many images in this book stand for this idea, but one in particular lingers on my mind. Taken in West Anniston, Alabama, formerly the site of a major Monsanto plant, the photograph shows 65 year old David Baker at the grave of his brother, who died at the age of 16 from cancers caused by PCB exposure. Baker was a leading figure in the campaign which ultimately led to Monsanto being fined $700 million for polluting the town. It is a powerful, shocking image of past, present, and a future denied.

 

M-A-I_Mathieu_Asselin_020

As I’ve said, many photographers would have documented just one of these issues in isolation, particularly the devastating long term consequences of dioxin poisoning in Vietnam, famously recorded Phillip Jones Griffiths in his book Agent Orange: Collateral Damage in Vietnam. What is rare though is to see a photographer making the connection between these different activities and using them to develop a sustained and highly persuasive argument against a company’s activities, and by connection against this sort of aggressive corporate activity in general. This type of interlinking seems to be me to be an ever more essential strategy for documentary photographers in a world which is so interlinked, globalised and networked, yet relatively few yet employ it perhaps because such an approach runs so counter to the way we tend to think about photographs. In that sense, and in terms also of the sense of indignation which seems to boil below the surface of the book, Monsanto: A Photographic Investigation calls to mind Griffith’s seminal anti-war book Vietnam Inc. as a work which transcends simply being a photo book to become a powerful investigative polemic on a topic which affects us all.

On Abortion

Historically documentary photography has tended to push repeatedly into the same subject territories, while leaving other topics noticeably unattended. The reasons for this are certainly complex, and range from practical questions, for example issues around what topics are accessible, to concerns about aesthetics, through to what are essentially value judgements about the worth or non-worth of certain topics, experiences and places. That latter reason is intimately connected with the fact that documentary photography has, with some notable exceptions, historically been practiced by a relatively homogeneous group of white, western men. This is troublesome, not because being a white western man is in itself a problem, but because documentary photography can only realise it’s ambitions when it’s practitioners reflect the heterogeneity of backgrounds, viewpoints and experiences that they seek to document. Things are changing, the field is gradually becoming more representative, and that was evidenced in some of the exhibitions at this year’s iteration of the Rencontres d’Arles Festival and the topics they opted to explore.

Laia Abril has made a name for herself focusing on subjects which have been examined by relatively few photographers, this despite the fact that they are issues we might all have had some contact with in our daily lives. Her past works have explored complex questions related to sexuality, identity and gender, and have done so in ways which are often sensitive, appropriate to the subject, and often also quite innovative. Probably her best known body of work is The Epilogue, a book published in 2014 which reconstructs the events leading up to a young woman’s death as a result of the eating disorder Bulimia nervosa, and which movingly documents the grieving and familial fallout which results from her death. At the festival this year Abril was showing an exhibition of her latest project, one which is in some respects very different to an intense, close focusing work like The Epilogue, but which at the same time continues her interest in gender and health.

The title of the show, A History of Misogyny, chapter one: On Abortion requires no elaboration, this exhibition is the first part of an extended body of work which examines misogyny in a broad sense of the word, from both historical and contemporary perspectives. The exhibition opens with a historical overview, most strikingly a series of photographs of historic contraceptives and medical equipment, ranging from condoms made from animal innards to equipment designed or adapted for abortions. These are arrayed in angular grids, and photographed in a soft pink light which might well be the muted lighting of a museum display case but in the context of the exhibition recalls a dingy lab. Other items in this section include early medical diagrams and an overview of historic attitudes to abortion. As it soon becomes clear, many of these attitudes remain entrenched in the present.

 

On Abortion Tourism, Marta (Krakow, 29). On January 2nd, 2015, she was forced to travel to Slovakia to have an abortion, which is illegal in Poland unless a woman’s health is at risk, the foetus is malformed or the pregnancy is the result of a criminal act. Because she learned about her pregnancy during Christmas time, she had to a wait few weeks before making the trip. The anxiety of waiting made her try desperate (and cheaper) alternatives: ‘I took a bath in boiling water and swallowed many aspirins, I did not succeed. I was too afraid to hurt myself. I just wanted to end it, I wanted to feel stronger than the law.’ On her 7th week of pregnancy, 445 euros in hand (all the money she had at that time), she jumped into a van at a gas station in Krakow, together with two more gravid girls, and travelled to an abortion clinic in Sliac specialised in welcoming polish women unable to have the procedure in their country. Although the almost 15-hour experience passed without any altercation, Marta had to face her—at that time, coercive boyfriend. ‘He begged me to not do it […] when I called him during the trip complaining about the van's bad smell, he answered: “that seems fair, murderers should be treated as cattle”. ’ Krakow, Poland, 2016. Courtesy of the artist / INSTITUTE.

On Abortion Tourism, Marta (Krakow, 29). On January 2nd, 2015, she was forced to travel to Slovakia to have an abortion, which is illegal in Poland unless a woman’s health is at risk, the foetus is malformed or the pregnancy is the result of a criminal act. Because she learned about her pregnancy during Christmas time, she had to a wait few weeks before making the trip. The anxiety of waiting made her try desperate (and cheaper) alternatives: ‘I took a bath in boiling water and swallowed many aspirins, I did not succeed. I was too afraid to hurt myself. I just wanted to end it, I wanted to feel stronger than the law.’ On her 7th week of pregnancy, 445 euros in hand (all the money she had at that time), she jumped into a van at a gas station in Krakow, together with two more gravid girls, and travelled to an abortion clinic in Sliac specialised in welcoming polish women unable to have the procedure in their country. Although the almost 15-hour experience passed without any altercation, Marta had to face her—at that time, coercive boyfriend. ‘He begged me to not do it […] when I called him during the trip complaining about the van’s bad smell, he answered: “that seems fair, murderers should be treated as cattle”. ’ Krakow, Poland, 2016. Courtesy of the artist / INSTITUTE.

 

Moving on through the exhibition it is the contemporary accounts from women who have sought abortions in countries where they remain restricted which are the most powerful and also the most effective in illustrating just how complex the issue is in different parts of the world. Closely connected to these are grids of images which create narratives recounting the stories of women seeking abortions. The photographs are intentionally prosaic, showing waiting rooms, the exteriors of buildings, but combined with text the narrative effect of them is forensic and remarkably powerful. They also offer a strange and presumably unintentional echo of the lewd, indeed sometimes misogynist photo narratives included in a nearby exhibition in of material from the French satirical magazine Hara Kiri.

Each of these accounts acts as an individual testimony of one woman’s experience of seeking abortion, but they also individually illustrate different issues and attitudes towards abortion in different states and parts of the world, in effect priming and educating a viewer who might know little beyond the context of their own country. For example these narratives introduces the idea of medical staff who conscientiously object to performing the procedure, even where it is legal and mandated, and the danger in other countries of doctors denouncing patients who they believe have sought an illegal abortion to the police. But the exhibition also demonstrates the way the procedure is not just as something which is variously either available or denied to women, but also as procedure which is sometimes used against them, as in the horrifying account  of a woman forced to undergo an abortion for contravening China’s one child policy.

 

2016-ABR-cat01

Abortion instruments, including soap and an enema syringe, widely used for termination by insertion into the uterus. The instruments were used to cause a miscarriage, but would often result in the woman’s death. Such thick-walled cylinders with plungers were in use from as early as the 15th century to cleanse the intestines. However, the short attachment tube could be replaced with a longer one, making the cylinders suitable for rinsing other body openings. At the same time, it met the most important requirement for every tool used to perform abortions: it raised no suspicions. Since abortions were illegal, a variety of items were repurposed — anything too obvious would be noticed during a police search. This allowed abortionists to protect themselves, but the hygienic and medical inadequacies resulting from legal prohibition cost many women their health or even their life. Museum of contraception and Abortion, Vienna, Austria, August 2015. Courtesy of the artist / INSTITUTE.

 

At the far end of the topic (and the gallery space) from those first muted images of medical instruments, Abril considers the ways that the issue of abortion is met by very contemporary technologies. One image examines how Apple’s Siri personal assistant displayed a bias towards users seek abortion clinics, directing them instead adoption clinics, posing the question of how prejudices can be built into supposedly neutral technologies by design or accident. Another image reflects the use of consumer drones to transport abortion drugs across borders in Europe into countries like Poland where the procedure remains highly restricted. In the great span of time covered by this work Abril draws well observed connections between past and present, for example in the euphemistic adverts offering to treat ‘menstrual delays’ and other conditions, which have remained a historical constant and are just one illustration of how in some respects very little has changed.

As with previous works the visual strategies that Abril employs are also enormously diverse, from comparatively straight documentation of objects, people and places to more contemporary strategies including displaying archival material, appropriation of material from campaign groups and in a few cases the reconstruction of events, as in an image of hand cuffs on a hospital bed. Does this subvert the documentary legitimacy of the work? Not for a moment, indeed it fits with the atmosphere of forensic reconstruction which pervades the entire exhibition.

Abril manages to deal with an incredibly challenging subject in a way which meets the clear need for the show like this to be visceral and challenging. At the same time she also succeeds in balancing that against the danger of the exhibition being written off by some viewers as a mere chamber of horrors, and their consequently not engaging with it on the level it demands. The exhibition is underpinned by detailed research and explanation throughout and never becomes gratuitous or feels designed to shock for the sake of it, indeed at times Abril goes to the extent protecting viewers from some of the more shocking material, in one case pixelating an image of an aborted foetus used by pro-life campaigners. In all this is an exhibition which manages to be informative, moving, bleak but without being nihilistic. Above all it is one which avoids providing viewers with simple preformed answers and instead demands that as well as looking at these images they decide for themselves what they think and feel.

Nothing but Blue Skies

It is common to hear it said that we live today in a world of images, where the volumes of photographs that are produced each day do as much to confound our attempts to understand things as they actually serve to enlighten us. There was certainly a strong sense of this torrent of imagery at the Rencontres d’Arles Festival in the South of France this year, which overflowed with exhibitions, many of which were exhaustingly enormous. The sight of so many huge shows had me wondering whether the practice of some curators has unwittingly come to reflect this abundancy of photography in the world, with exhibitions growing ever larger in response. As viewers are we so used to gorging on the masses of imagery avaliable online that we are simply no longer satisfied with small selections of the images, or is it the need for such careful curation in fact more essential than ever?

With these thoughts already playing on my mind one particular exhibition at the festival had a particular impact on me. Nothing but Blue Skies which has been curated by Mélanie Bellue and Arles festival director Sam Stourdzé considers artistic responses to the attacks of September 11th 2001. Without necessarily accepting the often repeated claim that this was ‘the day that changed everything’ these attacks undeniably acted as a form of a watershed, making unavoidably clear some of the changes which had been brewing over the previous decade. One of those changes was a recognition that the prophesied ‘end of history’ anticipated by the collapse of Soviet communism had not occurred, that ideological war continued albeit in a new form, one where conventional media are at risk of becoming the unwitting mouthpieces of the competing armed factions. The other obvious sense in which 9/11 was a key marker was as a moment where it became evident how ubiquitous digital photographic imaging had become, that cameras existed in the pockets of so many of the bystanders who watched these attacks, and that photography was indeed an essential part of their effect, in magnifying the sense of terror that the attacks created to a profound degree.

2016-NOT-cat02

Joan Fontcuberta, GOOGLEGRAM: 11-S NY, 2005. GOOGLEGRAM: 11-S NY, 2005. September 11 plane crash snapshots. The photographs have been refashioned using photomosaic freeware, linked to Google’s Image Search function. The final result is a composite of 8,000 images available on the Internet that responded to the words: ‘God’, ‘Yahve’ and ‘Allah’.

As if to reflect this idea of the magnification of terror, Nothing but Blue Skies opens with a room plastered from floor to ceiling with newspaper front pages from the day after the attacks, which have been collected and rephotographed by Hans-Peter Feldmann as the series 9/12 Front Page. Global headlines scream of a ‘World under attack’, an ‘Apocalypse’ and ‘40,000 dead’ accompanied by photographs of the towers at different stages of the attack, from moments after the impact of the first plane into the north tower through to it’s final collapse an hour and a half later. This display is simple but remarkably powerful, both a reminder of the diverse media responses that follow in the wake of any atrocity, but also hinting more darkly at the ways that the media themselves unwittingly became complicit in carrying the shock wave of terror out across the world from its epicenter in Manhattan. In the mass replication of images of the burning towers we see evidence of an attack intended to be an irrepressible spectacle and pyschic trauma as much as a strategic or material blow.

A similar display follows in the next room, but uses audio-visuals as its medium. Guillaume Chamahian’s Breaking News consists of a babel like tower of televisions which visitors can crawl into, within which they are bombarded with global news reports from the day of the attacks. Panicked reporters and newscasters yell over footage of planes hitting the twin towers or sit uncertainly in their television studios, unsure of what they are witnessing or how to respond to it. A sculptural theme continues throughout the show, in the same room is Mounir Fatmi’s piece Save Manhattan 2, a model cityscape made of VHS cassettes roughly laid out like New York’s central island. The black innards of these tapes spill out onto the floor around the sculpture like the cloud of dust that was left behind following the collapse of the twin towers. Like many in the exhibition this work also seems to speak to the rapid onwards evolution of electronic and digital media, which has left the often grainy and pixelated imagery of the attacks looking increasingly date-able as products of the first decade of mass digital imagery.

Mounir Fatmi, Save Manhattan 02, 2005. Courtesy of the artist and of Goodman Gallery, Johannesburg–Le Cap.

Mounir Fatmi, Save Manhattan 02, 2005. Courtesy of the artist and of Goodman Gallery, Johannesburg–Le Cap.

Proceeding deeper into the show the works become more meditative, more about picking through the psychic ruins to ask how these attacks could have happened, what they might mean, and how to move forward. Waalid Raad’s series Cotton Under my Feet is a response to the artist’s inability to remember the colour of the sky on the day of the attacks, a cold blue which has become in many ways as iconic as the image of the towers themselves. His response has been to collect images of the New York skyline before digitally cutting away at them, removing everything in the image but the blue of the sky. In the crude digital cutting there is a strange violence, with jagged pixelated edges hinting at what is no longer there. In some cases what has been removed is clearly identifiable as the outline of a building, in some cases of the twin towers themselves, and in one image towards the end of the series the white outline of an plane recalls the moment before a second airliner hit the south World Trade Center tower, a moment frozen by a thousand waiting lenses.

Continuing this theme of analysis is the final piece in the show, Michal Kosakowski’s video installation Just Like the Movies. In this piece, short clips from Hollywood movies including American Psycho, Wall Street, Die Hard, Independence Day, Marathon Man and many others are montaged together into an approximate narrative of the day of the attacks, set against movie music which ebbs from the inappropriately jaunty to the overly tragic. While the images on screen are fictions which bear no true relation to the destruction of the World Trade Centre, they combine in their new sequence with the prior knowledge of these events held in the viewer’s mind to create a compelling narrative which at moments becomes remarkably difficult to watch. Underlying it is a sophisticated commentary on US culture, and the country’s strange fascination with the fiction of it’s own demise played out in disaster movies, an inclination which Jean Baudrillard described as a need to ‘exorcise through images’. Kosakowski hints at the idea that on some level these attacks fitted with a dark narrative which runs back deep into the country’s history and which would run forwards from September 11th into some of the worst excesses of the War on Terror.

Reeve Schumacher, #1, from the Nothing but Blue Skies series, 2016. Courtesy of the artist.

Reeve Schumacher, #1, from the Nothing but Blue Skies series, 2016. Courtesy of the artist.

In each space the artistic works are accompanied by short texts by Jean Paul Curnier which stand alone on plinths and consider different aspects of the reporting, processing and memorialisation of 9/11. The inclusion of these texts rather seemed to me to hint at the idea that these images of the burning towers remain so powerful that even after their processing by artists and photographers they can not comfortably be left alone to ‘speak for themselves’ and still require further context and exploration to be made safe. Overall, what makes this exhibition so compelling and thought provoking is that rather than confronting a viewer with dozens, or hundreds of images on the same theme, it does what we are rarely asked to do today, that is to essentially consider one image over and over, from multiple angles and from different perspectives. And what better candidate for this consideration than an image surely seared indelibly into the memory of all who have seen it.

An Overview of Rencontres d’Arles 2016

Hello! My name is Lewis Bush and I’m taking over the Hatje Cantz blog for July. I’ve just returned from the 47th Rencontres d’Arles photography festival in the South of France and over the course of the month I’ll be writing in depth about a few of the highlights. To kick things off thought I thought it would be good to offer a broader overview of the best of the festival.

As ever Arles was well provided for with historic photography from both well-known photographers and more obscure names. The first exhibition I visited was Looking Beyond the Edge which features photographs by veteran conflict photographer Don McCullin. The twist is that there is barely a conflict photograph in sight in this display. Instead it encompasses social documentary, landscape and archaeological photographs taken between McCullin’s overseas conflict assignments, and while I knew much of the work already it was still an interesting take on a familiar name’s work.

For something a little more humorous it was great to see Peter Mitchell’s A New Refutation Of The Viking 4 Space Mission. In this work Mitchell combines images taken by the first spacecraft to land on Mars with his own colour social documentary photographs of the North of England, all displayed alongside humorous captions which often read as if they were written by a Martian visiting earth for the first time. While none of this might sound radical today you have to remind yourself that you are viewing a series first exhibited in 1979, before colour photography (let alone such a humorous approach to documentary) had really entered the mainstream.

2016-MIT-cat04

Mr. & Mrs. Hudson. Wedsneday 14 August 74. 11 a.m. Seacroft Green, Leeds. I liked the way the ladder is propping up the shop. They have just moved into a new shop on the same spot, with the church getting a face-lift to match. Courtesy of the artist.

Lastly for the historic photography, a really pleasant new discovery for me was the work of mid-century street photographer Sid Grossman and his exhibition From Document to Revelation. Alongside producing some brilliant observational photographs Grossman’s embracing of ‘bad’ photography effects like grain and blur anticipated some of the photographic trends of the New York school of photography typified by William Klein. Grossman was also a politically engaged activist, blacklisted from 1947 for his communist links. It would have been fascinating to see how he might have used his camera to respond to key events like the Civil Rights Movement had he not died so tragically young in 1955.

The trend for raiding archives set in previous years, with exhibitions like the 2015 exhibition Vernacular continue with some great examples this year. Camarguais Western was a favourite of mine, an exhibition telling the rather bizarre story of how the region of France where Arles is located became an alternative set for the American Wild West in early cowboy films. Another successful movie display was Scary Monsters! Effectively a series of typologies of different movie monsters through the ages, this exhibition uses behind publicity photographs and movie memorabillia to show the on screen evolution of movie monsters and to illustrate the ways they have served to embody different public fears, from fears about nature to nuclear war.

2016-MON-cat06

Bretaigne Windust, The Enforcer, 1951. Courtesy of United States Pictures.

Lastly for the archival shows, Severely Queer was a fascinating exhibition of historic photographs of transvestitism, exploring the different contexts where it has occurred and the gradual move from a taboo activity towards something with a broader public acceptance. Like many of the larger shows though this one suffered a little for the sheer quantity of material on display, when half as many photographs would have told the same fascinating story just as well.

Contemporary photography was also well represented, with a broad range roving from documentary through to fine art photography bordering on conceptualism. In terms of documentary, Dominic Nahr’s Fractured State was a small but powerful exhibition on the emergence of South Sudan and the struggles of the state’s early years. Another strong example was Laia Abril’s A History Of Misogyny, Chapter One: On Abortion, a grueling but engaging exhibition on the legal restrictions and moral attitudes towards abortion in different parts of the world and the consequences this has for women seeking the procedure.

On the more arts influenced wings of photography, Stephanie Solinas’s exhibition Methods of Loci was a deep, multi-faceted investigation of a vast warehouse situated in Arles which had originally been constructed as the venue for a French colonial exhibition in 1905. Through archival imagery, sound, interviews, objects and more Solinas creates a fascinating investigation of the building and it’s history. Through a micro-focus on a relatively small space this work asks complex questions about macro processes like capitalism and globalisation.

The annual Discovery Award shortlist also had it’s share of interesting work among the ten photographers who are in the running for the €25,000 prize. On a similar theme to Solinas’s exhibition, Christodoulos Panayiot’s work explores ideas about power, capitalism and globalisation in very different ways, employing his own photography alongside ready-made sculptural fountains composed of copper sheets and off the shelf piping. I think my favourite of the Discovery Award shortlistees though was Sarah Waiswa’s Strange in a Familiar Land, a moving portraiture series about the experience of Africans with Albinism.

Seeking to Belong, Stranger in Familiar Land series, Kibera, 2016. Courtesy of the artist.

Seeking to Belong, Stranger in Familiar Land series, Kibera, 2016. Courtesy of the artist.

Saving the best to last, my pick of the festival was Nothing but Clear Blue Skies, a group exhibition of artists who have made work in response to the September 11th attacks. Where many of the exhibitions at this year’s festival suffered from being oversized with far too many photographs this one was perfectly scaled but had a depth which kept me thinking long after I had left the venue. I’ll be writing in much more depth about this and several of my other highlights in my forthcoming posts.

Out of Obscurity

Chris McCaw, Heliograph #28, 2013. Unique Gelatin Silver Paper Negative, © Chris McCaw, Courtesy Yossi Milo Gallery, New York

Chris McCaw, Heliograph #28, 2013. Unique Gelatin Silver Paper Negative, © Chris McCaw, Courtesy Yossi Milo Gallery, New York

Julie Cockburn, Happenstance 2, 2013, Hand embroidery, graphite on distressed found photograph, 20.4 x 25.3 cm (c) Julie Cockburn, Courtesy of Flowers Gallery

Julie Cockburn, Happenstance 2, 2013, Hand embroidery, graphite on distressed found photograph (c) Julie Cockburn, Courtesy of Flowers Gallery

 

John Maclean, Container Ships, Horizon and Sky, 2016, Chromogenic print, 79 x 105 cm (C) John Maclean, Courtesy of Flowers Gallery

John Maclean, Container Ships, Horizon and Sky, 2016, Chromogenic print (C) John Maclean, Courtesy of Flowers Gallery

Wang Ningde, Colour Filter for a Utopian Sky, 2013, Photo Installation, 200 x 144 cm (c) Wang Ningde, Courtesy of Flowers Gallery3

Wang Ningde, Colour Filter for a Utopian Sky, 2013, Photo Installation (c) Wang Ningde, Courtesy of Flowers Gallery

Summertime and a two-part group exhibition focusing on abstraction within contemporary photography.

Out of Obscurity presents a speculative journey in response to the series of cloud studies produced in the 1920s by Alfred Stieglitz titled Equivalents. From the disorienting perspectives of aerial photography to physical manipulation of photography’s material properties, the exhibition draws together visions of the sky produced by a range of international artists.

The horizon line, seen here as a subjective or symbolic point of contact between two distinct spaces, forms an initial seam running through the exhibition. On the Clouds by Boomoon, taken from a plane at high altitude, presents the dividing line between sky and cloud as though at eye-level, forming an ‘absolute horizon’, which Boomoon considers to lead to the realm of infinity. Also from an aerial viewpoint, the flattened frontal aspect and dizzying perspective of Edward Burtynsky’s Phosphor Tailings navigates a narrow path between form and content. What appears to be the sky mirrored in a lake below is revealed as the vivid hues of toxic algae blooms generated by phosphorous mining. The image functions, from Burtynsky’s viewpoint, as a reflecting pool of our times, seducing the eye to the surface and immersing the viewer in painterly details of line, shape and colour.

A sensitivity to both surface and material can be seen in many of the exhibiting artists, manifesting in images that are interrupted, deconstructed and re-assembled through both digital and analogue processes. Alliance by Chloe Sells, which captures the atmospheric patterns of birds flocking to the flooded plains of the Okavango Delta in North-Western Botswana, is constructed from two images overlaid on an irregularly shaped photographic print, offsetting the chance effects produced by chemical manipulation in the darkroom with the organic decay and transience of nature. Chris McCaw directly harnesses the power of the sun’s rays to scorch traces onto light sensitive paper negatives. His Heliograph series explores the effects of multiple exposures of the sun’s path, conflating the indelible records of time and place, and forming an indexical relationship between the subject and its representation. Letha Wilson brings the image and the sensory effects of the rugged desert landscape together by subjecting her photographs to sculptural processes. Corrugating, splicing and shuttering the photographic prints, Wilson also pours concrete into their ridges and folds, blurring the lines between photography and sculpture, representation and abstraction. An intersection of horizontal and vertical planes is present in the evocative and minimal work Colour Filter for a Utopian Sky by Wang Ningde. Graduating between the cool sunrise tones of turquoise and pink, the original representation of the sunset is deconstructed and reconfigured in three dimensions as an abstracted and inverted photographic image.

John Maclean applies a reductive process in his series Outhinking the Rectangle. In the work Container Ships, Horizon and Sky, Maclean digitally removes all but the most minimal information to evoke the sensation of a sunset in a sequence of graduated lines. In the work of Julie Cockburn, sculptural or physical manipulation can be seen equally as a process of embellishment and erasure. In Happenstance, a blizzard-like atmosphere is achieved through scratching away the photographic emulsion from found photographs, and is further masked by protruding hand-embroidered spheres.

Seeking abstraction in the man-made urban environment, Randy West photographs the spaces between the New York skyline observed during his daily walks in the city. In New York Sky, buildings are thrown into sharp relief in the long shadows cast by the September evening light, causing the negative space to form an impression of inverse skyscrapers.

Shifting both perspective and magnitude, Michael Benson’s US Cloud Sheet pictures cloud formations over the coastline of New York State, rendered from satellite data sent back to earth from space. Within this alien viewpoint of the landscape, Benson creates a counter image to the view Stieglitz captured almost a century before, extending the scope of the abstracted photograph through advancements in science and technology.

http://www.flowersgallery.com/exhibitions/view/out-of-obscurity

Ryan L. Moule, The Structure of Things, Fibre-based Silver Gelatin Print, 2015, (c) Ryan L. Moule, Courtesy of Flowers Gallery

Ryan L. Moule, The Structure of Things, Fibre-based Silver Gelatin Print, 2015, (c) Ryan L. Moule, Courtesy of Flowers Gallery

Alessandro Dandini de Sylva, Untitled (Landscape #68), 2012, Instant Colour Film Print, 10.8 cm x 8.5 cm (c) Alessandro Dandini de Sylva, Courtesy of Flowers Gallery

Alessandro Dandini de Sylva, Untitled (Landscape #68), 2012, Instant Colour Film Print, 10.8 cm x 8.5 cm (c) Alessandro Dandini de Sylva, Courtesy of Flowers Gallery

Giulia Marchi, Après Marat, from the series Dit-Mansion, 2015, (c) Giulia Marchi, Courtesy of Flowers Gallery

Giulia Marchi, Après Marat, from the series Dit-Mansion, 2015, (c) Giulia Marchi, Courtesy of Flowers Gallery

Sophy Rickett, Observation 123

Sophy Rickett, Observation 123, 1997_2013, Black & White Bromide Print (c) Sophy Rickett, Courtesy of Flowers Gallery

Murmur, by invited Curator Magali Avezou brings together five international contemporary artists who address questions of form, colour, movement and the surface dynamics of the photographic print, with two unique sound works created to respond to the space of the exhibition. Through the absorbing sensorial dialogue established between sound and sight, the exhibition explores the intuitive and metaphysical aspects of abstraction.

In Paesaggi, Alessandro Dandini De Sylva intervenes in the chemical process of developing his Polaroid images, either by interrupting or overlapping the photographic impression. The resulting images break down into sequences of colours and abstract shapes, evocative of watercolours. The ambiguous nature of the work questions the relationship between photography and reality, deconstructing and rebuilding the essence of the landscape through abstract means.

Lacan’s three orders, the symbolic, the real, and the imaginary, are the starting points of Giulia Marchi’s series Dit-mansion. The mundane scenes found in empty spaces are both mirrored and abstracted by the image, echoing the symbolic-real-imaginary triad. Marchi creates an intriguing visual lexicon through the texture and chromatic specificity of digital images.

Ryan L. Moule’s enigmatic images are both familiar and uncanny. The chemically unfixed photographs bathed in a red ‘safe light’ are on the verge of disappearing. Moule is interested in the dissolution of the photographic image and the notion of latency, praising oblivion in an age of visual saturation. Through this romantic gesture, his work has a visceral feel that questions the validity of images and our emotional attachment to them.

Tom Lovelace’s Forms in Green are ‘ready-made’ photograms, which exude a sense of evanescence and unsteadiness. The depicted forms have been created through the chance exposure of sunlight onto light-sensitive fabric in the window of a London library. Over time, the light has revealed the shapes of the paper notices fixed to the wall, indexically linked to the movements and actions of those who attached them.

With Objects in the Field, Sophy Rickett reinterprets scientific imagery to create new narratives. The series of photographic prints are made from the original negatives that Dr. Roderick Willstrop produced during the period of time that Cambridge Observatory’s telescope was operational. By printing his original negatives by hand, and altering them, she disrupts the conventions of the techno-scientific and functional discourse that produced them in the first place, opening up metaphysical questions around the notion of the “unknown” today.

Text by Hannah Hughes

http://www.flowersgallery.com/exhibitions/view/murmur-curated-by-magali-avezou

 

Boomoon

Skogar #5084, 2015, Pigment Print, 140x180cm

Boomoon, Skogar #5084, 2015, Pigment Print (c) Boomoon, Courtesy of Flowers Gallery

_MG_8244

Boomoon, Skogar – Installation view, Courtesy of Flowers Gallery

_MG_8285

Boomoon, Sansu – installation view, Courtesy of Flowers Gallery

_MG_8275

Boomoon, Sansu – installation view, Courtesy of Flowers Gallery

A solo exhibition by South Korean photographer Boomoon, centred around a new series of photographs produced at Skogar Falls, Iceland. The exhibition presents the powerful elemental force of the waterfall as the subject for Boomoon’s ongoing investigation into the infinite and ungovernable character of the natural world.

The exhibition Skogar brings together a selection of black and white photographs from a series of 300 exposures. Each taken from the same frontal viewpoint, they capture distinct variations of light and form within the arrested momentum of a singular waterfall. Boomoon entered the freezing water of the pool below the falls to attain a position where the ‘horizon’ would be situated precisely at the lower third of the frame, presenting an immersive view, which appears to extend beyond the limits of an individual standpoint or subjective experience.

Within the shape-shifting cascades and veils of spray, each photograph records discrete changes in focus and detail, resulting in a complex and evocative layering of the image. The photographs are composed horizontally, contrary to the essentially upright configuration of the waterfall itself, and are cropped closely to exclude all peripheral detail and sense of scale. Applying a similarly reductive approach to colour, Boomoon attributes the crystalline clarity of his monochromatic images to the stark purity of northerly light.

Poet and Critic Shino Kuraishi has likened the Northern quality of Boomoon’s approach to the pursuit of the sublime in Northern Romanticism, particularly the work of German painter Caspar David Friedrich.1 Extending beyond romantic notions of a confrontation between man and the natural world as distinct forces, and suggesting a more totalised assimilation of the self within nature, Boomoon’s photographs can also be seen to resonate with attitudes towards the sublime within Minimalism.

According to Kuraishi, Boomoon’s focused attention on the particular, dispenses with continuity or a sense of passage between past and future – delivering us instead into the ‘here and now’ of the present moment. He says: “The destination or the end of time is permanently postponed. The waterfall keeps falling self-recursively, aimlessly, and meaninglessly carrying the undetermined present. The waterfall descends defying associations of any other place and any other time. In the minimalist waterfall captured by Boomoon, I as an observer am liberated from the bondages of both the identity of the “artist” and the “work” and the identity of “another self” chained to the system of appreciation. The falling waterfall declares my freedom. “I” facing the waterfall am free.”

Also on view will be selected works from the series Sansu, including the exceptionally large-scale photographic print Untitled #18134, Inje, spanning ten metres in length, which was first displayed in the Salon D’Honneur at Paris Photo 2015. Each of the photographs on show will be displayed for the first time in London. Sansu (meaning ‘mountain-water’ in Korean) is a core concept in the representation of landscape in Far-Eastern aesthetics, centred on a metaphysical union with nature. Boomoon’s contemporary vision of Sansu evokes an attitude or philosophical state of mind. The series comprises of mountain landscapes and forests blanketed by snow, often presented at a large scale, balancing an intense clarity of detail with atmospheric passages of snowfall and mountain mist.

Text by Hannah Hughes

http://www.flowersgallery.com/exhibitions/view/boomoon-skogar-and-sansu

Photo London

_MG_7018 (Edit)

_MG_7023_MG_7039_MG_7043

 

Just over a month ago the newly formed Photo London hosted its second edition at Somerset House – a neo-classical labyrinth overlooking the Thames. Throughout what people are now calling “Photo London week”, a wide range of talks, events, exhibitions and book fairs takes place with the main focus being the international and local galleries exhibiting at the fair. For us this is an opportunity to convey the depth of our photography programme.

On one side of the space we presented the type of large-format abstracted landscapes that we are most renowned for. Examples of new works by Nadav Kander were presented for the first time alongside works by Edward Burtynsky and Boomoon. In contrast, the mirrored space included artists newer to our gallery. From Appropriation and found objects to painted photography and investigative documentary, this group demonstrates a wider scope of photographic production; Edmund Clark, Julie Cockburn, Tom Lovelace and Esther Teichmann.

Photographs from Edmund Clark’s series Negative Publicity were displayed concurrently with his solo exhibition Terror Incognitus at Zephyr Mannheim in Germany. The artist’s new book, produced together with counterterrorism investigator Crofton Black brings together photographs and documents that confront the nature of contemporary warfare and the invisible mechanisms of state control.

Tom Lovelace works at the intersection of photography, performance and sculpture. Inspired by Industrial forms, his practice is grounded in a reinvention or subversion of everyday objects, materials and processes.Tom Lovelace partcipated in the Photo London satellite event Peckham 24, a 24 hour festival of contemporary photography and video art.

Esther Teichmann’s practice uses still and moving image, collage and painting to create alternate worlds, which blur autobiography and fiction. Central to the work lies an exploration of the origins of fantasy and desire and how these are bound to experiences of loss and representation. Both filmic works and photographs of turned away bodies and primordial spaces of enchantment work with the relationships between images, and the narratives these juxtapositions create.

 http://photolondon.org/

Nadav Kander

Nadav kander, The Aral Sea I (Officers Housing), Kazakhstan 2011 (c) Nadav kander, Courtesy of Flowers Gallery

Nadav kander, The Aral Sea I (Officers Housing), Kazakhstan 2011 (c) Nadav kander, Courtesy of Flowers Gallery

Fengjie III (Monument to Progress and Prosperity), Chongqing Municipality, 2007‘These images do not make beautiful what is not, they ask of us that we repurpose ourselves to accept a new order of both the beautiful and the real’ Will Self

It only seems natural to begin here – with the work of UK based artist Nadav Kander. Having published three books with Hatje Cantz to date, it was through Kander that I learnt of the photography programme run by this publisher. Nadav Kander (b. 1961) is best known for Yangtze – The Long River, for which he earned the prestigious Prix Pictet award in 2009. Kander made several voyages along the course of China’s Yangtze River, travelling up-stream from mouth to source over a period of three years. Using the river as a metaphor for constant change Kander attempted at every stage of the journey, to relate and reflect the consequences of the incomprehensible and seemingly unnatural development in modern-day China.

Qinghai Province II (Fallen Bridge), 2007Both timely and timeless, Yangtze – The Long River has enjoyed a long run of exhibitions since first being exhibited at Flowers, London in 2008. Most recently The Barbican in London included a room of seven large works in Constructing Worlds: Photography and Architecture in the Modern Age, a survey that looked beyond the medium’s ability to simply document the built world and explored the power of photography to reveal wider truths about society. Grace of Intention: Photography, Architecture and the Monument at Museum of Contemporary Photography Chicago explored how monuments champion collective aspirations and serve to cement narratives about our past. The exhibition focused on a number of Kander’s most iconic workss fromYangtze and the more recent series Dust. Priozersk XIV (I Was Told She Once Held An Oar), Kazakhstan 2011Rooted in an interest in the ‘aesthetics of destruction,’ Dust explores the vestiges of the Cold War through the radioactive ruins of secret cities on the border between Kazakhstan and Russia. Fascinated by the area’s past and driven by discovery, Kander’s photographs portray stark fact and bleak setting with a characteristic poeticism. Secrets seem to seep from the silence of the crumbling monuments, bowing under heavy grey skies. Describing what he saw as ‘empty landscapes of invisible dangers’ Kander’s images evoke his sense of awe and fear as he responded to these places and to the weight of their history.

http://www.nadavkander.com/works-in-series

http://www.mocp.org/exhibitions/2015/10/grace-of-intention-photography,-architecture-and-the-monument.php

http://www.barbican.org.uk/news/artformnews/art/visual-art-2014-constructing-wor

Israel, fotografiert wie durch ein ikonographisches Kaleidoskop: Andres Serranos Buch „Salvation, The Holy Land“

cover Salvation Serrano

Wie nähert man sich fotografisch, künstlerisch einem Land wie Israel, diesem kleinen, großen, dem „Heiligen Land“, in dem die monotheistischen Weltreligionen aufeinandertreffen wie in keinem zweiten? Und das, wenn man Andres Serrano heißt, erklärter Christ ist und von konservativen Kreisen mehrfach der Blasphemie bezichtigt wurde? Serranos internationale Karriere beginnt 1987 mit einem Paukenschlag: dem Foto eines Kruzifix’, das in einem mit Urin befüllten Plexiglasgefäß steckt und das später mehrfach attackiert und beschädigt wurde. Später experimentiert der vermeintliche Dauerskandalisierer mit Körperflüssigkeiten wie Blut und Sperma und fertigt ikonographisch anmutende Bilderzyklen von Leichen, Obdachlosen oder Vertretern des Ku Klux Klan an.

4124_8b-352402_20-5_v01_hc

Was also macht dieser Andres Serrano in seinem Essay über Israel? Er wählt die leise Ouvertüre. Sein bei Hatje Cantz erschienenes Buch „Salvation, The Holy Land“ – die Quintessenz eines vierwöchigen Lehraufenthalts an der Musrara School of Photography - beginnt mit Landschaftsaufnahmen. Neuland für den 1950 in Brooklyn geborenen Sohn eines Honduraners und eine Kubanerin. Kontemplative, archetypische Ansichten, die uns Abendländern seltsam vertraut vorkommen: Knorrige Bäume und steinige, karge Landschaften, Treibgut am See Genezareth oder am Toten Meer, Landschaftsbilder mit alttestamentarischer Aura: “dunkel, spirituell geheimnisvoll und bezaubernd“ (Serrano). Doch erwartungsgemäß bleibt Serrano nicht stehen bei diesen lichtbildnerischen Archetypen, deren Zeitvergessenheit noch durch die analoge Anmutung der mit einer Mamiya RB 67 auf Portra 160 eingefangenen Bilder verstärkt wird.

4124_3a-352402_59_12_hc

Im Laufe der 225 Seiten gehen die Landschafts- allmählich in Stadtlandschaftsaufnahmen über, dann in Gruppenbilder und Portraits. Wir sehen: das warmgelbe Licht, das die Straßenlaternen in der Altstadt von Jerusalem ausschütten; eine betende Nonne im Kerzenlicht; Mönche in mythische Erscheinungen suggerierenden Doppelbelichtungen; ein zerkratztes Jesus-Poster; geschlachtete Tierkörper; israelische Soldaten und Soldatinnen; die Souks in der Altstadt Jerusalems; Checkpoints für Palästinenser; desolate Beduinenbehausungen; Esel, Ziegen, Haiköpfe; Gruppen orthodoxer Juden in schwarz-weißer Uniformität, konterkariert durch die karnevaleske Verkleidung ihrer Kinder während des jüdischen Purimfests. In einer wie beiläufig daherkommenden und keiner offensichtlichen Ordnung unterworfenen Sequenz von Streetfotografien folgen Portraits von Palästinensern und Israelis, Moslems, Juden und Christen.

4104_gomez_02_hc

 

Das Buch endet mit einem langsam anschwellenden Crescendo von Familien- und Einzelportraits. Erst leise und dann immer lauter schleicht sich in diesen Studio-Aufnahmen wieder Serranos ikonenhafter Stil ein: Nonnen, wie freigestellt mit ihrer weißen Kopfbedeckung und dem schwarzen Chormantel vor schwarzem Hintergrund. Ein Mann, der unter dem „Jerusalem-Syndrom“ leidet und sich für eine Figur aus der Heiligen Schrift hält, gefolgt von Jesus-artigen Männern mit wallendem Haar und Vollbärten; ihre Blicke werden gegen Ende des Buchs immer verklärter und scheinen schließlich wie erleuchtet. Das letzte Bild holt den Betrachter dann mit einem Paukenschlag wieder zurück in die profane Wirklichkeit. Es zeigt das entstellte Gesicht eines unter der Elefantenkrankheit leidenden Mannes.

4104_romero_02_hc

In „Salvation“ entfaltet Serrano ein kaleidoskopartiges Panorama der israelischen/palästinensischen Gesellschaft – eine vielschichtige, subjektive, interpretationsoffene Annäherung an ein kleines, großes, geschichts- und religionstrunkenes, zerrissenes Land. Es ist ein schweres, schönes Buch mit mattem Hardcover und negativ geprägtem Titelbild. Ein vermeintlich willkürlich kompiliertes, nicht leicht zu dechiffrierendes, im besten Sinne irritierendes Buch, das seine Wirkung erst ganz allmählich entfaltet. Eins, in dem man sich verlieren kann, auch als Agnostiker oder Atheist. Ein gutes Buch.

 

PS: Noch bis zum 21.8.2016 ist im Royal Museum of Fine Arts of Belgium in Brüssel eine Ausstellung mit Bildern Serranos zu sehen.

PPS: Hiermit verabschiede ich mich als Gastautor aus dem Hatje-Cantz-Blog. Auf Wiederlesen!

 

Zwischen den Welten ist es am schönsten. Oder: Die bewegte Gegenwart der Stills

Videoprojektion von David Claerbouts."The American Room", third movement

Wirklichkeit ist für mich gesellschaftlich geformter Wahnsinn.“ (David Claerbout)

 

Im Grenzgebiet zwischen den fotografischen Stills und den Bewegtbildern nimmt der Transitverkehr in letzter Zeit deutlich zu. Es bewegt sich etwas, vor allem in eine Richtung: Immer mehr Berufsfotografen filmen, um sich ein Zubrot zu verdienen, und die Fotoindustrie verspricht: Wer 4k- (und bald 8k-)fähige Aufnahmegeräte nutzt, verpasst den decisive moment“, den entscheidenden Augenblick, nimmermehr. Denn schließlich lässt sich der ultimative Sekundenbruchteil aus dem Fluss der (Film-)bilder herausfiltern: hochaufgelöst, druckfähig, verwertbar. Bleibt die Frage: Ist der entscheidende Augenblick ebenso entscheidend, wenn er nicht dem zuckenden Auslösefinger eines genialen Fotografen geschuldet ist, sondern dem Mausklick eines begabten Editors? 

Prosaischer Workflow, poetische Wirkung. David Claerbout. Aus "The American Room"

Prosaischer Workflow, poetische Wirkung. David Claerbout. Aus “The American Room”

Rückblende: Als sich die Flugzeuge am 11.09.2001 mit sanfter Gewalt in die WTC-Tower bohrten als seien sie aus Seidenpapier, lag ich mit leicht erhöhter Temperatur sofalägrig vor dem Fernseher. Neben dem Horror, der Ungläubigkeit und der Trauer, die ich angesichts der Bilder empfand, konnte ich nach Stunden des Hin- und Herschaltens zwischen den Privaten und den Öffentlich-Rechtlichen irgendwann nicht anders als die mediale Aufbereitung selbst zu betrachten – ein klassischer Fall einer „Deformation professionelle“. Tage später, der Berufsalltag hatte mich wieder im Griff, machte sich eine Frage in meinem Kopf breit: Welches Medium vermag die Geschehnisse, das Grauen, die ganze Dimension des Wahnsinns besser abzubilden – bewegte Bilder oder das Standbild? Natürlich lässt sich so eine Frage nicht mit A oder B beantworten, schon klar. Aber: Neben den offensichtlichen Vorzügen, die allein der Film bietet, ist das Still – und nur das Still – zu etwas in der Lage, das bei 50 Frames per second verlustig geht: das Innehalten. Das Still reißt einem Moment aus den Stromschnellen der Zeit, schafft Raum für Kontemplation und verleiht dem Betrachter eine absolute Autonomie über die Zeitdauer des Betrachtens. 

Der Betrachter "geht" durch die Reihen der Zuschauer. David Claerbout. Aus "The American Room".

Der Betrachter “geht” durch die Reihen der Zuschauer. David Claerbout. Aus “The American Room”.

Knapp zehn Jahre später stieß ich auf der PHotoEspaña auf eine „Videoarbeit“ von David Claerbout. Der belgische Künstler legt die medialen und wirkungsästhetischen Unterschiede zwischen Stand- und Bewegtbildmedium frei wie ein Präparator, der einen Schmetterling aufspießt: nailed! In „The Amercian Room“, so der Titel, verwischt der Belgier die Grenze zwischen Film und Fotografie. Der Workflow ist durch und durch prosaischer Natur Zehntausende von 360-Grad-Scans, Bluebox-Shots, virtuelle Kameras und die Rechenpower von fünf parallel geschalteten Macs stecken in dem Werk (mehr zur technischen Umsetzung auf Monopol) . Das Ergebnis aber ist pure Poesie. Das gut 24-minütige, mit Klavierklängen unterlegte Video zeigt nicht mehr und nicht weniger als eiKlavierkonzert und die ergriffenen Reaktionen des Publikums Das Irritierende und zugleich Faszinierende: Während  die Kamera durch die Reihen der Zuhörer fährt, verharren diese regungslos – gefangen in ihrem Raum-Zeit-Kontinuum als plastische Fotografien. Der Betrachter von Claerbouts Werk aber bewegt sich durch ihre Reihen wie durch ein Aquarium mit gefrorenem Wasser. Stehende Filmbilder? Animierte Stills? You name it!

 

Der White Cube als Rezeptionstunnel. David Claerbout. Aus "The American Room".

Der White Cube als Rezeptionstunnel. David Claerbout. Aus “The American Room”.

Die emotionale und mediendiskursive Wirkung des Foto-Film-Hybrids, lässt sich hier nicht wirklich nacherzählen (und anders als einige wenige konzeptuell ähnlich gelagerte Arbeiten Claerbouts ist „The American Room“ nicht als Video abrufbar im Web; (man muss sich also auch noch 2016 in den White Cube begeben – welch formvollendeter Anachronismus). Claerbout jedenfalls gelingt so etwas wie die Vivisektion bewegter und unbewegter Bilder. Und dazu noch etwas Magisches. Etwas, das wir uns alle in bestimmten Lebensmomenten wünschen (wenn auch nicht gerade an Tagen wie dem 11.09): einen bestimmten Augenblick anzuhalten, hineinzutauchen und zu verweilen. Es lebe der Stillstand!

PS: Auch bei Hatje Cantz gibt’s was zu Claerbout, ganz analog und „still“- auf Papier.

 

 

 

 

 

 

„Wir sollten uns mehr um die Langeweile kümmern“: Zum Tode von Gerhard Vormwald

Gerhard Vormwald, 1999, in der FH Düsseldorf, vor einem seiner Scanner-Bilder, (c) Peter Schuffelen

Mit ein wenig Verspätung ergreife ich für diesen Monat hier das Wort – und der Anlass für meine erstes Posting ist gleich ein trauriger: Der Tod des Fotokünstlers und Fotografie-Professors Gerhard Vormwald, der Mitte März, kurz nach seinem 68. Geburtstag, verstorben ist. Ich habe noch nie einen Nachruf geschrieben, und dies hier wird auch keiner werden, jedenfalls kein klassischer. Eher so etwas wie ein öffentliches Nachsinnen über diesen zu frühen Tod. Ich habe ihn nicht wirklich gut kennengelernt, aber gut genug, um Trauer darüber zu empfinden, dass er nicht mehr da ist. An die wenigen persönlichen Begegnungen erinnere ich mich intensiv. Hochsympathisch war er mir gleich bei der ersten. Das war 1999, er war gerade erst Professor an der FH Düsseldorf geworden, und ich verabredete mich mit ihm zu einem Interview zum Thema „Digitale Bildsprache“. Da war er schon lange ein anerkannter Künstler mit Bildern im Museum Ludwig, im Kodak-Eastman House, im Centre Pompidou, hatte eine erfolgreiche Karriere als Werbe- und Editorialfotograf hinter sich (mit mehr als 60 Titeln allein für den stern). Jetzt also Professor. Ich zog dem Anlass entsprechend ein frisch gebügeltes Hemd und ein Sakko aus dem Schrank, nichts ahnend, dass ich hoffnungslos overdressed sein würde. Dann fuhr ich zur FH und fragte auf den Gängen nach „Professor Vormwald“. Ein Student sagte mir: „Der Gerhard ist irgendwo dahinten“.

 

Ich fand ihn in seinem Büro, ein schlanker Hüne im offenen Jeanshemd, auf einem hölzernen Schreibtisch sitzend. Hinter sich, auf die Tafel, hatte er einen Spruch geschrieben, dessen doppelbödiger Witz sich erst beim zweiten Lesen offenbart: „Wir sollten uns mehr um die Langeweile kümmern.“ Rückblickend erscheint mir das Bonmot wie ein Leitspruch für ein Künstlerleben, in dem das Augenzwinkernde eine tragende Rolle spielte.Wir sprachen über seine aktuellen Arbeiten, er experimentierte gerade mit fehleranfälligen digitalen Aufnahmegeräten, scannte Gesichter und historische Kameramodelle, ließ Eidotter in einer blauen Flüssigkeit durch die Luft wabern. Es war ein Gespräch auf Augenhöhe, so wie es seine Lehre war, wie ich an diesem Tag beobachten konnte und wie es mir einige seiner Studenten in späteren Gesprächen bestätigt haben. Ein Dozent, der seine Studenten ermuntert, in ihrem eigenen Weg bestärkt, der sie unbedingt ernst nahm – im akademischen Betrieb ist das eher die Ausnahme als die Regel.

Die Bescheidenheit in Bezug auf seine eigene Person und seine Offenheit habe ich auch in späteren Begegnungen immer wieder erlebt, stets hatte man das Gefühl, dass man mit dem Menschen spricht und nicht mit der öffentlichen Figur. (Er verstand sich – anders als in seinen Ding-Inszenierungen und Selbstportraits – als Mensch wohl nicht sonderlich auf die Selbstinszenierung). Wir trafen uns noch auf einigen seiner Ausstellungen, etwa zur „Autonomie der Dinge“, abstrusen Action-Stills, die unsere Sinne und unseren manchmal allzu gesunden Menschenverstand veräppeln und den physikalischen Gesetzen den Mittelfinger zeigen. Das scheinbar Unumstößliche hinterfragen, eine anarchische Lust, die Welt gegen den Strich zu bürsten, dazu ein lakonischer „Bild-Witz“. Es folgten einige Interviews, in denen er in klugen Sätzen skizzierte, wie man die eigene Kreativität wachkitzeln bzw. dauerhaft wachhalten kann oder warum er gerade die angehenden Werbefotografen, die bei ihm studierten, dazu anhielt, alles Stromlinienförmige und Marktkonforme erst einmal beiseite zu schieben.

gerhard vormwald

Das letzte Mal sprach ich ihn im Herbst letzten Jahres, ich suchte seinen Rat zu irgendeiner Story, die ich zum Thema künstlerische Strategien schrieb; es war dann doch eher ein gemeinsames Brainstorming. Außerdem schlug ich ihm eine Geschichte unter dem Arbeitstitel „So wurde ich Fotokünstler“ vor – eine Art Rückblick auf seine Karriere, angereichert mit Tipps für die nachfolgende Fotografengeneration, für das er mir dieses frühe Selbstportrait  zugeschickt hatte.

 

Gerhard Vormwald, Selbstportrait, Glasgow

Gerhard Vormwald, Selbstportrait, Glasgow

Aus redaktionellen Gründen wurde dann doch nichts daraus. Zufällig fiel mir Anfang des Jahres wieder das Portrait in die Hand, das ich bei unserer ersten Begegnung gemacht hatte. Ich legte es auf meinen Schreibtisch, um mich daran zu erinnern, es ihm zu schicken. Jetzt ist es wenigstens hier noch einmal zu sehen. Als er Anfang März starb, war ich gerade im Ausland, und so erreichte mich die Nachricht über seinen Tod erst als ich die PHOTONEWS aufschlug und einen Nachruf fand. Jetzt hat er, „der bescheidene Künstler mit Weltruf“ (Eifel-Zeitung), dort oben oder wo auch immer er jetzt gerade sein mag, die Möglichkeit sich noch intensiver um die Langeweile zu kümmern. Jedenfalls hoffe ich das. P.I.P.

Gerhard Vormwald, Paris, 1973

Gerhard Vormwald, Paris, 1973

PS: Unbedingt noch mal auf seiner Website vorbeischauen, nicht nur wegen der Klassiker, wie dem „flying black man“, sondern gerade auch bei den in den letzten Jahren entstandenen „concrete illusions“ und den grandiosen „early reportages“ aus den 70er Jahren, in denen bereits der ganze vormwaldsche Bildwitz aufblitzt.

The end, the beginning, the end

My time us up. I’m unlikely to write until May. By then I won’t be in this blog.

I learnt photography from my dad. He was in the military, and carried a camera with him to Kashmir, Golan, and other similar places in the 1960s and 1970s. I remember photographing when I was six years old. Two of the cameras I used then are ones that I still have (and used till recently): Asahi Pentax Spotmatic, a reflex camera from the 60s, and Olympus XA, a compact camera from the 80s. I remember getting the XA as a camera I could handle easily when I was small. I also remember carrying a light meter when I was seven or eight.

The one thing about photography back then was that it was not available to everyone. Having some relatively fine piece of kit and a light meter did give you an advantage. With my dad we photographed quite a few local events in the South of Spain. Soon we started selling photographs to local magazines. At times I don’t know where my photographs end and his start, or vice versa. The only problem was that it soon became a job. I didn’t see at the time any means of personal expression in photography. It was mainly about getting a picture to set the scene, couple of portraits, maybe a landscape. In hindsight, I think the archives at my mum’s flat in Spain must have interesting photographs from a time when the South of Spain was moving from the 1980s to the 1990s. Things changed a lot. You can judge from the Ole magazine front pages that there was a sense of a time gone by to the 1980s. Some of our photographs are in there too, not quite sure which or where. I can’t remember

Ole_lehti

By when I was 14 I was quite fed up of the whole photography thing. I did carry on a bit but I quitted. I did other stuff instead. I wrote horror and sci-fi short stories. I did a degree in psychology. I learnt to write code.

I picked up photography again in my mid-late twenties, this time having seen how it can be a personal thing (and not just a job to do the biding of others). I had seen a man jumping over a puddle and I was aware of flashy photographs of seagulls eating chips. I enrolled into a documentary photography evening course (that I didn’t finish). I picked up a camera again and tried to take more and more challenging photographs. Not technically challenging. I tried to find liberating photographs that would put me in challenging situations. I wanted to see what I was made of. I tried to get these photographs to express something that was beyond the thing in front of the camera. And I burned, burned, burned. Projects had become too ambitious, life too chaotic. I was assaulted a couple of times. Exhausted of challenging myself over the years I quitted again less than ten years before picking up photography again. Running a gallery and helping photography via others was more soothing, but still hard work.

So in 2014 I decided not to pick up a camera again. At least for the many years. In the summer of 2014 I took some rolls of film to be developed. I moved house. Forgot about those last rolls of film (which I had developed with the intention to be the last). I picked them up in the autumn of 2015. I’ve not scanned them.

They look sad and melancholic.

Last_6x6

Quiet.

Last 35mm

Silent.

 

 

 

Lost relations: Cyril Costilhes

I completely lost track of Cyril. For a long time we used to discuss photography and what we shot on a very regular basis. We had quite an exciting photography history where we discussed stuff like documentary photography. Not the objective stuff (do musicians get asked to write objective music?!) but the way in which you try to convey a message or personal story through photographs. Funny that so many years after we used to be in touch, Cyril published a great book that for me ticks all the boxes. It revisited something that did really happen, conveyed it to the viewer in a way that doesn’t ignore the emotional / subjective feel of the journey, and it’s made of great photographs. Recurring themes: jungles, darkness, spider webs. Plenty of abstract patterns and expressionism. A document of dreams and nightmares.

Circle Diego

Circle Diego

Circle Diego

Circle Diego

Circle Diego

Circle Diego

 

 

I found out that discussions with Cyril since 2008 (presented here in the original chat format) follow up my relationship with photography. From the first guerrilla shows, to having camera crews, opening Third Floor Gallery, running shows and all the way to quitting photography.

 

20/6/2008

10:10 PM Cyril: cool

10:11 PM did you have to pay anything to book the camp site?!

10:15 PM trying to put together a selection of black’n'white street photos, had to find everything and scan again and eveything after that…i realise the hard work that it is to edit your work down to something great…but i can’t go there without anything to show!! Anyway, you are probably already down the pub, i’m off cooking some food, speak to you late :) !

10:30 PM me: I was at the chinese for four minutes and I saw both goals…

10:31 PM Cyril: man turkey there are unbelievable!

10:39 PM Cyril: are you briçnging a project or just various stuff aside from you serie that will be projected there

me: just bringing more of the same

sticking it on a wall

maybe 60 5×7” prints :D

10:40 PM Cyril: fuck:)!

that’s a lot!

me: yeah

I’m editing it

Cyril: your serie of Cardif nights right?!

me: I just think that it doesn’t work like a sequence

but like a mosaic

10:53 PM Cyril: i miss england, going a lot to London since i left there but still….and it’s a shame i wasn’t into photography at the time as it was some made years!!

me: my area is quite much more local, though

yeah, the uk is great to shoot

10:54 PM huge variety in a small place

and people are mad

Cyril: exactly:)!!

10:55 PM did lots of “rave party”, techno stuff and man, such a shame i didn’t document this period of my life

me: shame indeed

I’ve been to a few raves

I just don’t have the time now to take two three days off

10:56 PM Cyril: yeah well that was when i was 20, now i just turned 31 all this is finish for me….but tomorrow is different, it is Music Day here :p!!

 

17/9/2008

3:03 PM me: your pics are not on flickr anymore!

3:04 PM Cyril: i know lol

made them private….felt like taking most stuff out of the web for now, need to step back and concentrate on shooting…

back from shooting my father, actually…

 

2/12/2008

9:00 AM me: I have my viva today!

doctoral thesis defense!

in two hours and half!

9:01 AM Cyril: what the fuck is that lol

me: lol

I go to this debate that determines if I’ll be a doctor or not

Cyril: wow

excellent

what kind of doctor?

9:02 AM me: I guess that doctor in philosophy

 

30/1/2009

7:55 PM me: first is good

but I am unsure of the back of the guy at the right

Cyril: untitle 1?

me: untitled 7

7:56 PM I would change the back of somebody for the door

thats it

Cyril: Mat prefered that one too…yeah could find something different for the man back

me: cool

sounds good then

7:57 PM Cyril: but really…i’ve been hating my shot recently…depressing…life is boring and so are my photos..

7:58 PM me: gotta go

dont worry

ups and downs

just shoot more

 

18/4/2009

12:06 PM me: going to ask david hurn for mindfist gallery :D

a friend has his address, so I’ll send him a letter

Cyril: really :)

12:08 PM me: :D

it’s his kind of place

Cyril: scanning back everything from my book project “Aaron Jacob”, have polaroids all over the place, some i can’t find, negatives everywhere, going throught everything and scanning them properly…fuck that’s a lot of works….

 

1/6/2009

9:21 PM me: trying to get an arts studio / exhib space in cardiff

with local visual arts people

9:24 PM Cyril: nice nice nice

me: we expect to pay £50-60 / month each

Cyril: not bad

9:25 PM me: yeah

Cyril: good idea

9:26 PM just checking with you, make sure i get the boxe around the beginning of july

9:27 PM i will go there and put the stuff up around the 6th or 7th before going to Arles

(i’ll see if it can stay up there for 3 different parties )

 

8/6/2009

Cyril: cool thanks Joni:)

3:53 PM i need a good stock of films for Arles….thinking of shooting color for d’Agata workshop, fuji 1600 iso, but not 100% sure yet…

me: I don’t know if I can make it…

 

6/7/2009

4:53 PM so what Pizzafellas is doing in Cardif?!

me: filming

he’s going to arles from here

Cyril: you?!

me: yeah!

then he’s filming you!

Cyril: héhéhé

still don’t know where we will show the photos in arles

4:55 PM me: blue tack!

Cyril: maybe the chemist shop from last year

me: cool

Cyril: yeah but then we are stuck

me: ask, ask

Cyril: we’ll have to stay near by the prints as people expect to have their prints traveling around

me: yeah

4:56 PM or put them INSIDE the window :D

 

4/9/2009

10:25 AM Cyril: so what do you think of Rubens edit?!

10:27 AM me: I want more of the cityscapes

:)

10:28 AM Cyril: i know same here

but…

so is he in?!

10:32 AM me: we might have to re-edit, though

work closely with him on the new one

 

6/12/2009

11:15 PM me: and what is ph up to?

I’ve completely lost track of him

he seems to write in facebook a lot

Cyril: yeah i know

11:16 PM no more flickr account

i don’t know…i don’t even know if he shoot those days…

11:18 PM Haven’t seen much of Rubens stuff recently

 

17/1/2010

9:48 PM me: I got an email that a kid stole my work to show in class

9:49 PM Cyril: lol

from internet?!

me: yeah

 

5/2/2010

10:46 PM me: sent an email to roger ballen if he wants to show at our gallery

10:47 PM Cyril: héhéhé nice!!!

me: not bad

hopefully he has a sense of humour

met peter dench today and he was saying to try to get martin parr to show or auction a print

Cyril: nice

what about Bourcart?!

10:48 PM me: I want to get bourcart but maciej doesn’t think he’s famous enough!

I still want him in!

Cyril: really?!

me: so much nice stuff

Cyril: wtf

me: hahaha

Cyril: yeah man!!

me: send an email to maciej

Cyril: i mean…

what this about not being famous enough?!

i don’t get it

10:49 PM me: I’m not up for that either

bourcart rocks

I liked his wedding stuff

I probably like most of his stuff

he’s just good

no matter if it’s serious or fun or kinky

10:50 PM Cyril: yep

10:51 PM his forbidden city stuff

infetil madonnas

traffic stuff

wedding

really good

he deserves it much more than Ballen in my opinion

 

12/2/2010

10:50 AM me: I’m standing off hcsp!

10:53 AM Cyril: really?!

not an admin anymore?!

Why?

10:54 AM me: too much going on

more exciting than hcsp

but I need to find somebody to replace me

 

13/2/2010

11:42 AM me: was good last night

:)

http://retwite.appspot.com/GdnCardiff

11:43 AM about 200 people

Cyril: oh yeah fuck it was last night

excellent

me: around 100 at the same time

around 400 beers were drank, and bottles and bottles of wine

and bottle of vodka

Cyril: héhéhéhé

 

22/2/2010

12:56 PM Cyril: preparing next exhib?! Who’s next, salomon?!

12:58 PM me: solomons

12:59 PM hopefully then jocelyn bain hogg

Cyril: never heard

me: http://www.jocelynbainhogg.com/portfolio.cfm?nK=2502&nS=2&nL=1

Cyril: yes i’m on it already

 

21/5/2010

12:17 AM me: got a deal with newport uni on printing

they’re going to print shows for us

Cyril: found a guy named Chad states on Alec soth blog, he just won second prize for dummy book, his project is named “Cruising” and is on gay dogging spots (he works on different places), at first i didn’t want to watch it but then was curious, was scared it would look very similar, the places feels the same but different way of working so it is ok :) http://chadstates.com/

me: lambda prints

Cyril: héhéhé nice

12:18 AM cheaper?

me: free

Cyril: fuck that’s perfect, lambda print are very nice

12:21 AM me: yeah

heh, that guy has good pictures of trees ;)

 

18/10/2010

1:26 PM me: dropped an email to mark cohen about exhibiting him and he replied ;-)

Cyril: héhéhé nice:p!!!!

me: you like mark cohen? @D

:D

Cyril: hahaha

1:27 PM no he sucks ;) !!!

me: it’s one of the most underrated guys out there

Cyril: totally!!!!!!!

me: you should hear his name quite a lot more often

Cyril: yep!!!

keep me posted about this

me: yeah

you could pop by for the opening if he’s coming

1:28 PM if we have an exhib :D

Cyril: about to go visit my dad, bought 2 disposable cameras to give to nurse for them to shoot my dad

i can’t i’m working

1:29 PM me: well, it would be closer to next summer or something

 

1/4/2011

5:07 PM me: hey

5:08 PM just got home from work, but have to do phonecalls and emails about pr and exhibitions straight away… send requested images to press and such

5:09 PM Cyril: good good

 

2/11/2011

10:49 PM Cyril: You’ll be all day at nofound on saturday?! I’ll come in the afternoon i think, did you change your phone number?!

10:50 PM me: no, still 079XXXXXX

I think so

I’ll be doing portfolios in the morning

then something in the afternoon I guess

but free to look around :D

10:51 PM sounds like christian (pizzafellas) is coming too

Cyril: nice nice:)!

10:53 PM but maybe i’ll be there earlier don’t know yet, i’m supposed to see antoine but i’m sure it’s going to be very tricky for it to happen specially during a week end like paris photo…he told me to phone him when there, let’s see

planning on going to Offprint, le bal

10:57 PM me: heh, yes

I’d like to go to offprint and le bal

but depends on how I do in terms of time…

I arrive friday night and leave monday morning :)

[Here we stopped chatting via google chat. We exchanged some emails.]

 

14/11/2011 20:22

Cyril: So did you get Antoine?! I’m glad you got to meet him!

14/11/2011 22:11

Me: Hey, yes, but he already was in Marseille on his way to Asia! Just landed in the UK, on my way to the train station. Feeling quite tired even if I tried to sleep as long as I could!

07/02/2013 21:11

Me: Hey Cyril!

How are things? Here really busy with work, a bit crazy! I was thinking if it would be ok to talk about The Pond in a Magnum professional practice workshop I’ve been invited to. I’m keen on talking about stuff we haven’t exhibited! smile emoticon

08/02/2013 20:32

Cyril: Hey Joni! I’m good, been in Diego Suarez, Madagascar, for two months now, back to france in 2 weeks, 6 months work then back to Diego. Hard first month, didn’t feel like photographing, was more into living, experimenting the place, absorbing the atmosphere and darkness of it…

29/04/2013 10:29

Cyril: Hé Joni, here is a little edit of my first trip to Diego, planning on doing another trip there but shorter to be in a different energy, probably 3 weeks, then will start working on a dummy…then maybe a third trip and that’s it…

29/04/2013 11:32

Me: nice :)

12/04/2014 23:45

Cyril: Happy birthday man! What’s up with you, are you done with photography?!

Me: I think so! I’ve barely picked up a camera over the last year

Cyril: Crazy how you lost the passion! Missing Joni the photographer:(! I have a book planned with Akina Books, i’ll keep you posted if you’re interested!

6 April  2016 19:17

Me: Hey Cyril!

any more books on the works after Grand circle?

I was going to order it last year around this time but I somehow forgot, just put an order out for it

completely disconnected from photography

Cyril: hé Joni so cool to get news from you

Me: yeah, it’s weird

Local Vs Global

Photography is a fairly globalised thing. Check the internet: it’s full of pictures. You can easily read of lands far away where photography is happening… and see the pictures. People on the other hand don’t travel digitally. They have to move around with bicycles, planes and trains. They are sort of local creatures of habit. Much less nomadic than they used to be.

What is the point of galleries nowadays? In Third Floor Gallery we’ve got the criticism of not being local enough. We keep an eye on blogs, publishers, photographers and galleries independently of their location. But is it enough to be part of that network and node structure? How locally focused and by which means should you be? Welsh photography or British photography quotas? Great conversation to go hand in hand with Brexit.

TFG in Western Europe
TFG in the context of Western Europe

What do you think is the solution to having a physical gallery that is local within a network and content that are global? Do you follow galleries which you have never visited (I’ve never been to MoMA or FOAM)? Do you think there is a risk of being so local as to being insular?

Beginnings (iterate)

This should probably have been two better thought blog posts. No time for that.Curating a show

It’s so hard to find people to take over a gallery. When we started it was easy. It was 2010. It was difficult to get a job. Lots of students didn’t get part time jobs and they volunteered instead. Actually, it was probably the best thing you could do if you wanted to get a job. You could show you pulled your socks up or whatever. You could claim to have some experience managing people. Other people wanted longer hours in paid jobs but could only work part time. We had some time. I worked part time (four days a week) and spent another 20 hours or so emailing photographers, being at the gallery, curating shows, writing PR, changing light bulbs, sequencing, writing legal paperwork. You name it. Exhausting stuff, but we were young (-ish) and ambitious (-ish). Now that the gallery is set up it’s all easier. There are lists for PR, designers, the legal paperwork is sorted, the brand, etc. You’d expect to find people to help.

Early beginnings - Metro

Sunday before last we met up with a guy that answered our call for help on Twitter. We explained what running a gallery is: literally running a gallery. Sounds daunting but it’s easier than working at a hotel reception because it’s more fun. And people invite you to give talks about it. You can go to exciting places like Liverpool expenses paid.

An aside. I really like Open Eye Gallery in Liverpool. I’ve been there once for a show and it was great. I thought that being a fan of Kohei Yoshiyuki their show of The Park would be sparse and disappointing. Instead it was great, full of content and massive immersive prints shown in the dark.

Back to the Sunday before last. We met at this new alternative cafe that shows photography called Little Man. Great that we have an interest in such a democratic medium. You can just bang prints on a wall of a cafe and you might be doing a better job than the Tate. The interesting thing was the beer we had.meetup_10_4_16Pipes brewery in Cardiff had to change name for legal reasons, but when they started they hit a niche. We hit a niche back in 2010 as well. In Cardiff I had a reasonable access to photobooks (via online shops and occasional visits to London) and photography on the web. But exhibitions were hard to come by. We had Ffotogallery which was doing a good job at arts photography (mainly-ish). But in a way that was like being in a town that has only one cinema and doesn’t always show what you wanted to see. We craved to see more photographers we saw on the web and in books up in print. Some personal documentary, some photobook bestsellers that didn’t seem to show up much in the UK, a few controversial types. Pipes beers were a bit of the same.

If the reader doesn’t know much about the UK beer scene, here is a summary: there is a strong tradition of British beer (you get plenty of this), a lot of poor commercial lager (even more of this) and more and more American influenced craft beer (back in 2010 this was on the up but not like nowadays). Pipes didn’t really specialised in any of these. They are the only British brewery that I know that has brewed what I had that Sunday in Little Man: a German Doppelbock. German beer is pretty scarce in the UK, mainly because imports are dominated by Pilsner and Weissbier. Pipes insted has featured the likes of a regular Helles, smoked lager, Altbier, Schwartz, Berliner Weisse, etc. They aren’t madly popular in the UK, but you just can’t get them anywhere else. Lots of people do actually like them. Beer, like photography, is democratic. And if you don’t like your scene you can brew your own.Vincent Delbrouck

So on Thursday (day after tomorrow) we are catching up again in a pub. Bringing photography, beer and diversity in each back together. We need to talk with the volunteers, we need to get people to run a gallery (please, give it a go) and we need people to curate shows. I usually aim at people in the 20-30 age range because they are foolish enough. But universities make them conservative and they seem to have the wrong expectations. Think it’s once in a lifetime that you are foolish and you get to follow your dreams. They are nothing particularly glamorous, but you can go to bed at some point in twenty years thinking to yourself, “you know what? I did put together a wicked show of Japanese photography”.

TFG achievements over the years

(All the photographs of the gallery come from memory lane and have been taken by a variety of photographers. You can find the credits of each on the TFG Facebook page.)

Imperfection

There is nothing more to aspire than harmonic imperfection. Imbalanced imperfection. Something that is real and true but not rehearsed. Like Kerouac in The Subterraneans (you have to read it in English, and you have to read it fast, it has a beat beat beat). Like Robert Frank photographing the USA. Only one take. Quick, quick, go, go. Garry Winogrand trying to hit the beat of LA in the dusk of his career. You might have planned it but you are trying to transcend. You are touching god. And you fail every time. It will never work but sometimes it touches others. Like PK Dick’s VALIS, a pink ray of energy from the Cosmos.

It’s my birthday.

This is the best song I have ever heard: Sister Ray

It should not work. It’s one take. John Cale played organs too loud. Lou Reed went through some lyrics. Moe Tucker bashed a drum set at different paces. Everything changed, everything was improvised but planned. Sterling Morrison tried to bring his guitar up in the mix. Only one take. The sound engineer walks out. It somehow held together like a beautiful broken butterfly. Good photography is the same. It should keep you wondering why you are drawn to it. It shouldn’t work. It should bring the irrational and the rational to the same plane, like a folded paper plane. It’s not worth it if you can explain it. Photography can bring you back to unexplained rainbows.

I’m not sure if linking here to youtube is somehow not ok. All the credit goes to the Velvet Underground (Reed, Morrison, Cale, Tucker).

 

Introduction & April preview

Just a quick post to introduce myself and tell you what I’m planning for April.I’m Joni. I’ve gone into retirement from photography, slowly, since around 2014. Before that I was very heavily involved in both photographing and running a photography gallery (Third Floor Gallery). I have to be grateful for Hatje Cantz to jolt me out of retirement and get me thinking on photography. It’s a strange set of coincidences that make me think about it more through this first half of 2016. Now I don’t go out with a camera in my pocket and spare batteries and film in the other. Instead, I’ve just been having a cup of coffee in the garden after doing some weeding. Sounds boring, but I’m a lot more boring nowadays than I was ten years ago. And I enjoy that.

To be fair, photography does show up in my life a lot. I quitted once before when I was 14 or 15. I’ll touch on that too. It features as an obsession I work hard to get rid of. A bit like smoking, it’s not something you just stop and expect to not take up again. You have to expressly work on it. Burn bridges. Get other hobbies. Hope you don’t get dragged in. I’ll touch on obsession in another blog post (obsessive photography obsesses me).

Here is another thing that obsesses me.

Fruit tree

Fruit trees. Lovely things that give you back many times more than the effort you put in. Like photography projects they do take a lot of time. You have to plan, design, nurture them, etc. But they reward you in that way easy, physical way that you can easily share with others. Three years after planting, having mulched and pruned you pick that first apple and give it a bite. After that they run free. You can let go, which is something that with photography you can’t.

I’ll also pick up what has happened to Cardiff. What happened to all those photographers here. The other week I got invited for a pint with some people I’ve worked very closely with: Claire Kern, Bartosz Nowicki and Gareth Phillips. I had to think about photography and we discussed a lot about the past. I had to think and justify why I stopped; which isn’t easy. We discussed archives, we discussed how Cardiff had changed. Flickr, running a gallery, how people don’t get as drunk anymore. More on that later, including how things I’ve lived through have ended up in museums, which is a surprise given I’m not 35 until next week.

Other things I’ll pick up:
- People I haven’t exhibited.
- Some great people I did exhibit and I’m proud of.
- Does quitting photography make you happier?
- I’ll catch up with photographers I’ve not spoken with for years.
- My photography archives from the 80s, before I was 10 years old.
- How difficult it is to find people to run a photography gallery.
- Mistakes.

I might not get to cover all of these but it’s a good reminder. It will also hold me accountable and focused for a few weeks.

To wet your appetite, here is a picture of one of the simple pleasures in life that just seem to taste better when you don’t have to wake up early next morning to scan through ten rolls of film.

Pint of beer

Also, don’t bother with my old blog, my flickr page or my website. I let all go.

Künstler, Klischees und Kreissägen

Marta Herford, Modell des Museums mit geplanter Ausstellung "Momente der Auflösung", 24.6.–9.10.2016

Marta Herford, Modell des Museums mit geplanter Ausstellung “Momente der Auflösung”, 24.6.–9.10.2016

Paris, Amsterdam, London – die Frisur sitzt. Warum auch nicht, schließlich entsteige ich keinem Privatjet auf den Flughäfen dieser Welt, sondern sitze in meinem windstillen Atelier vorm Rechner. Auch bin ich nicht dabei, Ausstellungen im Palais de Tokyo, im Foam und in der Tate einzustielen, sondern kommuniziere mit den Metropolen aus einem ganz einfachen, aber folgenschweren Grund: Das Papier ist alle!

Ein Tag zuvor. Ich stehe bei HSL in Düsseldorf vor der Leuchtwand und schaue mir die großen Probestreifen der Bilder an, die ich zur Zeit für verschiedene Ausstellungen produziere. Zwei davon, Einzelausstellungen in der Thomas Rehbein Galerie in Köln und bei Sipgate in Düsseldorf, sind bereits Anfang April, die dritte im Marta Herford im Juni – nicht mehr viel Zeit also. Ich bin regelrecht aufgedreht, wie ein Kind an seinem Geburtstag: Die Tests sehen richtig gut aus, und ich freu mich darauf, die Bilder in groß zu sehen.

IMG_4839 IMG_4836 IMG_5002 IMG_4998IMG_4993

“Und jetzt die schlechte Nachricht.” sagt Jürgen Halfar, mit dem man sich vorzüglich über verschiedene Schärfetechniken unterhalten kann und der immer die Ruhe weg hat, wenn ich gefühlt stundenlang vor meinen Bildern sitze und über Farbe und Kontraste sinniere, und rückt mit den Neuigkeiten raus. Er habe nur noch eine Rolle mit 15 m (was bei 15 meist großformatigen Arbeiten gerade für die Hälfte reicht) und er könne wider Erwarten so schnell kein neues Papier bekommen. Ein Lieferengpass. Ich denke an alles Mögliche, was passieren kann: an Festplatten, die abrauchen, an verunglückende Glastransporter, an Grippewellen und an Wassereinbrüche im Bildlager – ein Produktionsrückstand bei der Papierherstellung stand bislang nicht auf der Liste.

Sooo schlimm sieht das Muster des Alternativpapiers, das mir jetzt Jürgen vor die Nase hält, nicht aus. Ich verwende ein Fine Art Papier (Was auch immer das heißt. Gibt es auch Rough Art?) aus 100% Baumwolle, einem Naturpapier also, bei dem die Oberflächenbeschaffenheit naturgemäß Schwankungen ausgesetzt ist. Das andere – erhältliche – Papier hat dieselbe Farbe, allerdings sieht man beim näheren Hinschauen feine parallele Linien. Man könnte dies als eine solche Schwankung abtun, ich befürchte aber, dass der Effekt je nach Lichtsituation deutlicher ausfällt als gewünscht.

Und so setze ich mich vor den Compi und schaue, ob nicht irgendwo noch eine Rolle IFA22 von Innova ihr tristes Dasein als Ladenhüter in einem dunklen Regal fristet. Das Internet ist toll, Google spuckt sofort eine Liste aus mit Händlern, die mit dem Papier dealen. Dass die Liste nicht allzu lang ist und die deutschen Einträge bereits nach wenigen Zeilen aufhören, dafür kann das Internet nichts. Auch nicht dafür, dass die meisten Händler nur Emailadressen als Kontaktmöglichkeit anbieten und keine Telefonnummern. Wie blöd ist das denn? Der Zeitgewinn, den uns die Online-Suche verschafft, wird dadurch zunichte gemacht, dass man auf Antwortemails warten muss.

Letztlich, es ist inzwischen der nächste Tag, finde ich noch eine Rolle in der Schweiz. Während wir schon über die Zollformalitäten sprechen (etwas aus dem Alpenland herauszubekommen ist fast schwieriger als aus Südkorea!), erhalte ich einen Anruf vom deutschen Vertreter von Innova. Eine neue Charge Papier sei soeben in England fertiggestellt worden und könnte direkt zu HSL geshippt werden. Ok, 3 Rollen reichen erstmal, Glück gehabt. Sorry Schweiz, hallo London!

Hallo Krankenwagen! – das nächste Hindernis. Gerd Stenmans, Geschäftsleiter und -inhaber (früher hätte man “Chef” gesagt) von HSL berichtet mir von einem beunruhigenden Anruf des Schreiners, der die Rahmenleisten liefert. Er hätte sich soeben in Daumen und Zeigefinger gesägt und der Rettungswagen sei unterwegs. Wenn Gerd die Leisten unbedingt sofort bräuchte, solle er schnell vorbeikommen, möglichst vor dem Eintreffen des Notarztes, damit er noch an die Leisten käme, bevor der Schreiner ins Krankenhaus gebracht würde. Ein Schreiner, der sich mit der Kreissäge verstümmelt? Ich dachte, dieses Klischee gäb’s nur in schlechten Witzen, die mit Bierbestellungen zu tun haben. Warum muss mir die Welt ausgerechnet jetzt, in der Endphase einer wichtigen Produktion, zeigen, wie banal sie wirklich ist?

Begutachtung eines Lightjetprints bei der Firma Grieger, Düsseldorf

Begutachtung eines Lightjetprints bei der Firma Grieger, Düsseldorf

Gerd Stenmans, Rahmenlackierkabine, HSL

Gerd Stenmans, Rahmenlackierkabine, HSL

Einrahmung

Einrahmung

A propos Klischees. Ein Bäcker bäckt, ein Hacker hackt, ein Friseur schneidet Haare, ein Schreiner sich in die Finger und ein Banker schaufelt sich Geld in die Taschen – alles klare Berufsbilder mit klar definierten Tätigkeiten. Und ein Fotokünstler? Fotografiert und schläft lange? Zugegeben, letzteres kommt schon mal vor, aber fotografieren tue ich so gut wie nie, wenn man mal von Erinnerungsbildchen absieht. Tatsächlich habe ich meine letzte “richtige” Fotoarbeit im Sommer vergangenen Jahres gemacht, ausgerechnet in einer Zeit, die andere “Urlaub” nennen. Ein gutes Besispiel dafür, wie wenig Beruf und Freizeit zu trennen sind.

Wäre die Zeit, die man mit einer bestimmten Tätigkeit verbringt, maßgeblich für die Bezeichnung des Berufs, den man ausübt, wäre ich weniger Fotograf als Buchhalter, Archivar, Bildbearbeiter, Produktionsleiter, Grafiker, Architekt, Handwerker, Kurator oder Pressesprecher. Ich bin der Leiter meines eigenen Betriebs, der pro Jahr etwa 10 Fotowerke erstellt, und mein eigener Mitarbeiter. Daher kann ich nicht den Pressesprecher anschnauzen, wenn er mal wieder versäumt hat, den News-Bereich der Webseite zu aktualisieren, oder den Grafiker, der vergessen hat, auf dem Ausstellungsposter das Eröffnungsdatum zu erwähnen, oder dem Buchhalter in den Arsch treten, damit er endlich mal die Kostenkalkulation der kommenden Ausstellung macht. Zumindest sollte ich es nicht tun, damit meine Mitmenschen nicht den Eindruck bekommen, mein Verhalten würde pathologische Züge annehmen.

Und dennoch: Alles, was ich mache, hat mit meinen Bildern zu tun, und so werden selbst Exceltabellen und Kostenvoranschläge erträglich. Ich bin mein eigener Herr (der “Chef”) und meines eigenen Glückes Schmied (der “Handwerker”). Ich komme viel rum, habe mit vielen netten Menschen zu tun, und immer kommt was neues um die Ecke. Wie beispielsweise dieser Fotoblog, der mir – fast unerwartet – viel Spaß gemacht hat. Wenn ich jetzt noch wüsste, dass Ihr meine Beiträge gern verfolgt habt und dass meine Bilder ohne weitere Zwischenfälle heil an die Wände kommen, wäre ich ein sehr glücklicher Fotokünstler, der um nichts in der Welt mit einem Bäcker tauschen wollte (ich liebe Ausschlafen) oder mit einem Schreiner (ich liebe meine Finger).

PS: Dem Schreiner geht’s den Umständen entsprechend gut, und keine Gliedmaßen sind komplett ab. Die Rahmenleisten sind inzwischen bei HSL.

PPS: Auch das Papier ist heute gekommen.

Untitled (Sandtracks), verkauftes Exemplar, fertig zum Versand bei HSL

Untitled (Sandtracks), verkauftes Exemplar, fertig zum Versand bei HSL

 

Brüssel

Ganz unkommentiert möchte ich die Anschläge in Brüssel nicht lassen und zeige heute als einen nonverbalen Beitrag ein Bild, das ich vor gut 2 Jahren von der Baustelle des neuen Europa-Gebäudes direkt gegenüber dem Europaparlament gemacht habe.

FR 20, aus Blank, 2013, 117 x 98 cm

FR 20, aus Blank, 2013, 117 x 98 cm

Es ist ein Buch! Oder: Leere Batterie erzeugt Spannung

Beinah hätte ich am Freitag die Anlieferung des Vorabexemplars meines neuen Buchs Blank verpasst, weil die Batterie der Klingelanlage meines Ateliers leer war. Der Kurier war schon auf dem Weg zurück zu seinem Auto, als ich ihn zufällig sah. Hätte ich ihn nicht abgefangen, wäre ich weitere 2 Tage bis zum nächsten Anlieferungsversuch auf die Folter gespannt. Dann gälte: Leere Batterie erzeugt Spannung!

buch-auspacken

Ich öffne den Karton. Mal wieder ein Grund, aufgeregt zu sein. Seltsamerweise denke ich an eine Schweineschlachtung, die ich vor etwa 20 Jahren in der Ukraine fotografierte. Zwei Männer hielten das Tier fest, während ein Dritter ein langes Messer in das Herz stach, und das Schwein minutenlang quiekte, bis es die Augen verdrehte und endlich starb. Eigentlich ein schlimmer Anblick, der aber erträglicher wurde, indem ich das Geschehen unter dem Tuch meiner Großbildkamera betrachtete, auf der Mattscheibe, um 180 Grad gedreht. Wie gefiltert im Fernsehen. Vielleicht kein Zufall, dass die Bildfläche sowohl des TVs als auch der Kamera “Mattscheibe” heißt.

Jetzt ist es ähnlich. Ich fotografiere das Auspacken und schaue dabei mehr auf das Display meines iPhones als auf das Buch selbst, das ich inzwischen in den Händen halte. Mein Blog-Auftrag, meinen Alltag zu dokumentieren, lenkt angenehm ab und beruhigt. Dabei ist es natürlich ganz das Gegenteil einer Schlachtung – ich wohne keiner Tötung, sondern einer Geburt bei: Ein neues Buch erblickt das Tageslicht!

Dokumentationsauftrag erfüllt, Handy auf die Seite, mal einen direkten Blick riskieren. Wow! Fettes Teil, super Cover, hab ich das gemacht? Ich erwähnte es bereits in einem anderen Zusammenhang: Neben meinen Augen ist meine Nase ein wichtiges Sinnesorgan. Also Nase rein. Geruch? Super – so, wie er zu sein hat, würzig mit einem Hauch Fernweh. Stärke des Papiers, Haptik, Blättertest: bestanden. Jetzt die Tonwerte: im vorderen und hinteren Bereich krasse Schwärzen, noch tiefer als ich sie in Erinnerung und erhofft hatte, sehr gut! Und jetzt die hellen Bilder, um die es bei Blank maßgeblich geht: sehr, sehr geil. Fein und scharf. Zarte Übergänge bis in die Bereiche, in denen das Papierweiß Überhand nimmt. Das Konzept geht auf, die Randlosigkeit irritiert, wird aber als Konzept akzeptiert, das sich konsequent im Verlauf des Buchs entfaltet. Zumindest in meinen Augen.

Und doch bleibt ein Stück Restzweifel, den ich kurz nach Erhalt meiner Bücher immer habe und der sich erst nach ein paar Wochen verflüchtigt (mit Ausnahme eines Buches, das ich auch heute noch für nicht gelungen halte). In der Zeit nach dem Druck bin ich ein Seismograph, der auf hypersensibel geeicht ist. Wie ein Gerät, das eigentlich Kontinentalverschiebungen im Erdinnern messen soll, stattdessen aber zusammenzuckt, weil jemand in der Nachbarschaft eine Autotür zuschlägt. Ich habe mich Monate, eigentlich Jahre, mit den Tonwerten meiner Bilder und dem Layout des Buches beschäftigt, und so sehe ich jede kleinste Abweichung vom Original. Ein Bild hätte einen Hauch mehr Tiefe haben müssen, ein anderes ist 1 Punkt zu gelb, und ein weiteres hätte ich um 3 mm nach links schieben können. Noch fehlt mir der Blick für das Ganze. Ich zähle Sandkörner und merke nicht, wie schön der Strand ist, auf dem ich sitze. Ich werde nicht gern ausgelacht, aber als meine Frau genau das tut, nachdem ich ihr von meinen Zweifeln erzählt habe und sie das Buch gesehen hat, bin ich beruhigt.

Aber schaut selbst.

01_MG_9204 02_MG_919203_MG_9193 05_MG_9195 06_MG_9196 07_MG_9197 09_MG_9199 10_MG_9200 11_MG_9201 13_MG_9203

Eine Kiste Konkretes versus Black Box

Zu wahr, um schön zu sein.

Zugegeben, die folgende Geschichte hat sich nicht gestern ereignet, sondern liegt schon eine Weile zurück. Sie passt aber so gut zu meinem letzten Eintrag, dass ich sie Euch nicht vorenthalten möchte.

Ich habe eine kleine Kammer mit einem Regal, in dem ich Kameraequipment und Werkzeug aufbewahre. Außerdem befindet sich in dem obersten Fach ein Datenspeicher, der praktisch alles enthält, das ich jemals digital fotografiert habe. Er ist groß und ragt etwas hervor. Er ist schwer. Und hat spitze Kanten. Dies hatte bislang keine besondere Relevanz (und war auch nicht kaufentscheidend), das änderte sich aber an dem Tag schlagartig, an dem er mir entgegenfiel.

Ich stehe auf der obersten Stufe einer Leiter und nehme die Kiste aus dem Regal, die neben dem Raid steht. Keine gute Idee. Alles ist im Leben miteinander verknüpft, so auch hier: Das Raid steht auf einem Extrabrett, das Extrabrett ist mit dem regulären Regalbrett verschraubt, das Regalbrett liegt lose auf, und die Kiste bildet ein Gegengewicht. So entsteht eine direkte physikalische Beziehung zwischen dem Raid und der Kiste. Nimmt man diese weg, folgt das Computerteil den Naturgesetzen, respektive der Schwerkraft.

Das etwa 20 kg schwere Gerät kippt mir also samt Regalbrett entgegen, während ich mit beiden Händen eine Kiste mit Pentax-67-Gehäusen, verschiedenen Nikons, Polaroidrückteilen und Objektiven halte. Ich kann nichts anderes tun, als mich mit aller Kraft mit meinem Rücken dem Datenkoloss entgegenzustemmen.

zeichnung_b

Ich komme mir vor wie in einem Film, bei dem Jacques Tati, Louis de Funès und Loriot gleichzeitig Regie führten. “Das Bild hing schief” schießt mir kurz durch den Kopf, während ich den digitalen Speicher mit meinem Rücken gegen die Wand drücke und mir dabei die scharfen Kanten in die Haut schneiden.

Eine interessante Situation, die sofort philosophische Fragen aufruft und zu allegorischen Gedankenspielchen einlädt. Eingekeilt zwischen analog und digital sozusagen. Zwischen zwei unterschiedlichen technischen Zeitaltern. Diametral verschiedene fotografische Philosophien, in einen einzigen Moment gepresst. Vor meinem Bauch ein großer Teil meiner beruflichen Vergangenheit, Equipment, mit dem meine fotografische Laufbahn begann, Erinnerungen aus der Studienzeit, Reliquien einer vergangenen Ära aus der vordigitalen Zeit. In meinem Rücken meine gesamte Arbeit aus der Zeit danach: mehrere Terabytes Bilder, die als Negative in Ordnern einige Meter Platz einnehmen würden und nun, auf meinen Schultern lastend, ebenso schwer scheinen.

Die Kiste kann ich nicht mehr zurückstellen und alles ungeschehen machen. So stehe ich vor der Wahl, was ich fallen lasse. Mechanische, herrliche Präzisionswerkzeuge, die ich zwar nicht mehr benutze, aber nach wie vor liebe, oder virtuelle Daten? Eine Kiste Konkretes oder eine Black Box? Die Vergangenheit oder die Zukunft?

Für was ich mich entscheide, ist klar. Als die Kiste aus über 2 Metern Höhe auf den Boden kracht, gibt es ein schreckliches Geräusch, und Objektive rollen über den Boden. Das Raid kann ich sicher zurück ins Regal hieven.

Ich würde gern sagen können, der Unfall hätte ein paar Narben auf meinem Rücken hinterlassen, das hat er aber nicht. Einschneidend war er aber für mich dennoch. Nie zuvor befand ich mich in einer derart klaren, aussagekräftigen, parabelartigen Situation, die von mir eine sofortige Entscheidung verlangte. Normalerweise gewöhnt man sich langsam an neue Techniken, entwickelt neue Gewohnheiten, bis man sich an alte kaum noch erinnert – ein Prozess, der sich meist über Jahre hinzieht. Selten verbindet man eine solche schleichende Veränderung mit einem bestimmten Moment wie hier. Eine Situation, die nur Metaphern beschreiben können: der Weg, den man nur vor und zurück gehen kann; der Schalter, der nur An und Aus kennt.

Ich habe mich für “vorwärts” und für “An” entschieden – es lebe die digitale Fotografie!

Herr Genereller regt sich auf

Ich lese einen Artikel über die neue E-Klasse von Mercedes. Der Hang der Autodesigner, das Innere der Autos, insbesondere des Oberklassesegments, mit barockem Unsinn auszukleiden und so abzudämmen, dass kein Geräusch der Außenwelt mehr eindringt, ist zwar geschmacklich eine Entgleisung und unter ökologischen Gesichtspunkten wegen der Gewichtszunahme kontraproduktiv, aber als Ausnahme noch zu ertragen. Dass jedoch die Karosserien (nicht nur die von Mercedes, sondern insgesamt) immer bulliger werden, und die Fenster im selben Maße immer kleiner, bis sie – insbesondere im Fondbereich – zu schmalen Sehschlitzen verkommen, ist symptomatisch für die oft zitierte “moderne” Gesellschaft und Ausdruck von Asozialität: Was interessiert mich der Rest der Welt? Sich von der Umwelt abschotten ist die Devise. Auf dem Weg von A nach B igelt man sich ein in kleine Kokons, Raumkapseln gleich. Drinnen ist es heimelig, draußen ist die böse Welt. Keine analoge, ungefilterte Wahrnehmung (Licht trifft auf Baum, wird reflektiert und landet auf Netzhaut), sondern digitalisierte, zerstückelte und neu zusammengesetzte, gefilterte, zensierte Häppchen via Infotainmentsystem. Vorhang zu, Bildschirm an – die Kids auf den hinteren Plätzen werden bespaßt mit Xbox und X-Men. Fahren Sie weiter, es gibt nichts zu sehen!

(Jetzt ein Wort, das ich als vorwärtsgewandter, moderner Künstler vielleicht besser nicht verwenden sollte, aber egal, man kann es sich manchmal nicht aussuchen: Das F-Wort ist “früher”.)

Früher habe ich während langer Autofahrten stundenlang aus dem Fenster gesehen, mit Menschen in anderen Autos kommuniziert, indem ich selbstgemalte Zettel an die Scheibe hielt oder einfach nur winkte, Häuser und Kühe und andere Dinge zählte (irgendwas zu zählen gab’s immer) oder Nummernschilder erriet (was mangels Google nicht überprüft werden konnte und oft zu seltsamen Städtenamen führte). Kurz: Die Phantasie wurde angeregt, und man war im direkten Austausch mit der Umwelt und nahm sie wahr.

(Es sprach der Großvater in mir, jetzt wieder der Fotokünstler.)

Was das mit Fotografie zu tun hat? Nichts, aber meine Fotoarbeiten haben etwas damit zu tun.

Zwar sind sie nicht die unmittelbaren Illustrationen einer aus den Fugen geratenen Welt, nicht die Visualisierungen eines verzweifelten Menschen zwischen zwei Generationen, der nicht weiß, welchem Zeitalter er sich verbundener fühlt, dem analogen oder dem digitalen. Im Gegenteil empfinde ich es als Privileg, in einer Zeit aufgewachsen zu sein, in der man sich noch per direkter Sprache verabredete, und heute in einem Alter zu sein, in dem ich noch alle (zumindest die nötigsten) Sinne beisammen habe, um die Vorteile der Digitalisierung genießen und die tollen neuen Möglichkeiten der Bildbearbeitung nutzen zu können. Ich fahre ein 50 Jahre altes Rad und bearbeite meine Fotografien mit den neuesten Programmen – das geht prima, und nichts löst sich in Unlogikwölkchen auf (Danke, Douglas Adams, für dieses tolle Wort).

Und doch schwingen meine Vorbehalte gegenüber einem unreflektierten Konsum und einer grenzenlosen Nutzung aller technischen Neuerungen und den damit einhergehenden sozialen Veränderungen in meinen Arbeiten deutlich mit. Abweisende Häuserfassaden mit Mustern kleiner, quadratischer Fenster, die – an Lochstreifen erinnernd – einen digitalen Code enthalten zu scheinen und die Menschen dahinter verschwinden lassen. Leitungen einer petrochemischen Industrieanlage, die aus dem Nichts kommen, im Nichts verschwinden, und dazwischen synapsengleich etwas auszutauschen scheinen – ein Sinnbild für nicht nachvollziehbare Kommunikation, die Black Box als White Space sozusagen. Metallschrott auf einem Recyclinghof als molekulare Grundstruktur alles Technischen, geschreddert und in seiner neuen Anordnung wieder organisch anmutend und an Venen und menschliche Organe erinnernd, auf der Schwelle zwischen Leben und Tod, zwischen Seele und künstlicher Intelligenz.

A propos künstliche Intelligenz – und jetzt komme ich wieder zu meinem Auftrag, aus meinem Alltag zu berichten: “Guten Morgen Herr Genereller, Ihre Tests liegen zur Begutachtung bereit.” lese ich vor 2 Tagen in der Email einer bekannten Düsseldorfer Produktionsfirma. Der Fortschritt schreitet voran und treibt mitunter seltsame Blüten. Die neue Mercedes E-Klasse kann weitestgehend autonom fahren, und die Texterkennung des Email-Programms ist ebenso überambitioniert. Sie macht nicht mehr das, wofür sie entwickelt wurde, nämlich einen Text zu “erkennen”, sondern sie glaubt zu wissen, was der Nutzer schreiben möchte. Und so wird aus einem individuellen Namen etwas Allgemeines, etwas Generelles eben.

Gefeller, ich heiße Gefeller, verdammt nochmal!

 

FR 01, aus Blank, 2010, 117 x 136 cm

FR 01, aus Blank, 2010, 117 x 136 cm

 

IP 12, aus Blank, 2012, 117 x 174 cm

IP 12, aus Blank, 2012, 117 x 174 cm

 

IP 20, aus Blank, 2014, 117 x 85 cm

IP 20, aus Blank, 2014, 117 x 85 cm

 

 

 

Farben sind Opportunisten

Oh, ein Fotoblog! Ob ich einen schreiben möchte, werde ich gefragt. Ist das nicht sowas, wo man sein Leben mit der Community teilt, sein Frühstücksei fotografiert und in die Runde fragt, ob sie das Gelb des Dotters auch so schön findet? Ehrlich gesagt, bin ich nicht sehr vertraut mit den sozialen Medien, zwar stolpere ich beim Googeln manchmal bei Facebook, Xing oder sonstwo rein, darf dann aber nicht weiterlesen, weil ich kein Mitglied bin, nicht dazu gehöre. Nein, nein, mein Frühstücksei müsste ich nicht fotografieren, wird mir versichert, und überhaupt reichten ein paar aktuelle Beschreibungen aus meinem Alltag. Das trifft sich gut, da gerade in diesem Monat viel passiert, über das ich schreiben könnte. Und dass ich nicht viel schreiben muss, passt auch, da ich wenig Zeit habe.
Na, dann mal los.

01_Druck_b

Vor 2 Wochen wurde mein neues Buch Blank gedruckt. Seit 2001 mein fünftes bei Hatje Cantz, es gab also genug Zeit, Routine zu entwickeln. Alles easy: kurz zur Druckerei, auf die Bögen schauen, alles toll finden und wieder nach Hause. – Von wegen. Neue Arbeit, neues Buch, neues Papier, neue Druckerei, neue Maschine, neue Drucker. Für Routine ist da nicht viel Raum. Dass nichts Schlimmes passieren würde, weiß ich noch nicht, als ich morgens um 8 die Druckerei Grammlich südlich von Stuttgart betrete, und so bin ich etwas aufgeregt.

Seltsam, wie beruhigend sich der Geruch von Farbe und Lösungsmitteln bei mir auswirkt. Ich bin in einer Siebdruckerei groß geworden und offensichtlich bin ich positiv konditioniert: Die Erinnerung an eine spannende Kindheit zwischen Farbregalen und Papierbergen entspannt mich. Damals wurde während der Arbeit geraucht (der Zigarettenrauch vermischte sich herrlich mit den Lösungsmitteldämpfen), Bier getrunken und später am betriebseigenen Grill mit dem Farbspachtel, mit dem man kurz zuvor noch die Farbe umgerührt hatte, die Wurst umgedreht – aber das ist eine andere Geschichte aus einer anderen Zeit an einem anderen Ort. Hier passiert sowas heute nicht. Zum Glück.

Denn Farben sind eine sehr, sehr heikle Sache, und Rauch und Alkohol begünstigen eine Beurteilung nicht. Farben ändern sich wie Meinungen, sie sind Opportunisten und passen sich an. Schaue ich mir den Druckbogen an der Maschine unter Normlicht an, ist er klar und kalt, schaue ich ihn mir in einer anderen Ecke an, ist er gelb, gehe ich damit nach draußen in den Schatten der Halle, ist er blau, und in der Sonne ist er einfach nur viel zu hell. Am Morgen anders als am Nachmittag und wieder anders in der Nacht. Das Papier des Buchs ist weiß, das der Originaldrucke, die ich als Referenz mitgebracht habe, gelb. Die Drucker (alle 8 Stunden ist Schichtwechsel, und so lerne ich während des 19-stündigen Druckvorgangs 3 sehr nette, wache Mitarbeiter kennen, während ich immer müder werde) helfen, wo sie können, aber letztlich hat jeder ein anderes Farbempfinden und ich meine eigene Vorstellung vom Endergebnis, so dass mir die finale Entscheidung über die Farbe keiner abnehmen kann.

Andreas Gefeller und Christine Stäcker, Hatje Cantz

Andreas Gefeller und Christine Stäcker, Hatje Cantz

Außerdem sprechen die Drucker eine eigene Sprache, und ich meine nicht Schwäbisch: Sagen sie “Blau”, meinen sie “Cyan”, statt “Magenta” sagen sie “Rot”, nur “Gelb” bleibt “Gelb”, und “Schwarz” bleibt auch, was es ist – der Druckbetrieb ist eine verrückte Welt, in der wie in Alice’s Wonderland nichts ist, wie es scheint – die Farbe eines Bildes, seine Schärfe, das Papier, alles scheint sich stetig zu verändern, und wenn man sich einmal umdreht und wieder einen Blick auf den Druck wirft, hat er seine Gestalt verändert. Man muss seinen Augen trauen und darf es gleichzeitig nicht. Mein wichtigster und verlässlicher Partner ist daher eine Graukarte. Die verändert zwar je nach Situation auch ihre Farbe, ist diese aber identisch mit dem Druck, weiß ich, dass der wohl neutral sein muss.

Aber der Kampf mit der Farbe ist nicht der einzige, den ich austrage. Ich kämpfe mit meiner eigenen Courage. In meiner neuen Serie Blank treibe ich die Auseinandersetzung mit dem Thema Wahrnehmung und Relationen auf die Spitze. Licht ist ein Informationsträger, zu viel Information kann man nicht mehr verarbeiten, zu viel Licht blendet. So werden meine extrem überbelichteten Bilder zu einer Metapher für Informationsflut mit größtenteils blanken Flächen, die auch die Ränder des Fotos verschwinden lassen: Wo hört das Bild auf, wo fängt das Papier an? Breitet sich das Bild auf dem Papier aus oder frisst sich das Papier in das Bild hinein? Ein Bild ohne Ränder: Unsere Sehgewohnheit sträubt sich dagegen. Ich muss daran denken, dass kürzlich Konzertbesucher, die bei einem Stück von Steve Reich, das nach einem klassischen Stück gespielt wurde, buhten und aus Protest den Saal verließen. Reich hatte auf den 3/4-Takt geschissen und unsere Hörgewohnheit gebrochen. Funktioniert das auch in der Fotografie? Oder hätte ich doch besser wie üblich einen leichten Ton als Hintergrund drucken sollen?

03_Druck_b

Zwar fehlt mir in einem eigens für Künstler eingerichteten Aufenthaltsraum nichts an Komfort und ich döse tatsächlich zwischen zwei Kontrollgängen kurz weg, aber gegen Ende bin ich so k.o., dass es sehr verlockend ist, den letzten Druckbogen einfach so durchzuwinken. Später bin ich dem Drucker sehr dankbar, dass er morgens um 2 darauf besteht, eine neue Schwarz-Platte zu machen, um die tiefen Töne (wo es sie denn gibt) ein bisschen besser zu modulieren. Eine Buchproduktion ist Teamwork, und im Gegensatz zu einer Küche darf in der Druckerei jeder ein bisschen nachwürzen.

04_Druck_b

Wieder zurück in Düsseldorf, liegt die Rolle mit den Musterdrucken einige Tage in meinem Atelier, und ich traue mich nicht, reinzuschauen. Erst auf Bitten eines Freundes öffne ich sie und wir sind beide begeistert, wie gut der Druck aussieht. Vielen Dank, Daniel Grammlich, für Deine Geduld und Bereitschaft, wo nötig als Feinkorrektur eine neue Druckplatte zu machen, Dank auch an die netten Mitarbeiter und – nicht zu vergessen – meine tolle Graukarte! Wenn jetzt bei der Bindung, der Prägung und dem transparenten Schutzumschlag nichts schief läuft, liegt das Buch in etwa 2 Wochen fertig bei mir auf dem Tisch – Ihr werdet es als erste erfahren.

Revolutionary Archive by Jochem Hendricks and Magdalena Kopp

DSC02767

Chorus: a discussion of Jochem Hendricks’s “Revolutionary Archive

Susan Sontag: Jochem, for years now you have had an extensive archive of police photographs in your possession, consisting of numerous files with negatives and contact prints as well as a crate with 16mm and super 8 films. In 2011, you started consistently drawing on the archive materials and processing them. Why did so much time elapsed between finding the archive and starting to work with it?

Jochem Hendricks: Sometimes you have to be able to wait! Many of my projects have had very long lead times, often several years in fact. Yes, of course you need patience and the confidence in the material and the idea underpinning the piece. I often walked around the two crates and looked at the materials there. I never doubted that it had the potential to be something exciting. It was simply that for a time I was not sure what. I simply knew something was lacking, and it was Magdalena Kopp who was then the missing link. That was clear to me the moment I met her the first time.

Roland Barthes: How should we imagine your stance towards this material? These are strong images without doubt and they are also politically explosive to a certain extent. But that is all historical, as these are anonymous found objects with a strong temporal link. Do you consider yourself a documentarist?

Jochem Hendricks: No, I’m neither a documentarist nor a sociologist, political scientist or historian. I am an artist and my focus is on the present. Of course I’m interested in all these things and references, they belong to the material as it were. My work involves extracting at various levels from their actual contents without erasing them, however! But working on them with artistic, I transfer the archive from a historical into an art context.
DSC02768
Anna Oppermann: All of that remains very theoretical. So what is the artistic effort involved, what do you actually do in your studio?

Jochem Hendricks: Actually? Well, I have an archive here that I view through the eyes of an artist and with his thoughts. An archive of very strong images that were not taken by me and have a sensitive background because the material was compiled by the police. The content of the images is down-to-earth, historical and for very many people relates to their biographies. My task is to absorb these factors, transport them into the present, where many analogous events occur…

Arthur “Weegee” Fellig: You are alluding to the current protest marches, the assassinations, political acts of violence, etc the world over?

Jochem Hendricks: … yes, I present they are simply everywhere! There’s Occupy and Blockupy in the west, Mass demonstrations in Brazil, in Hong Kong, in Egypt, in the Middle East, in Africa…
DSC02769
Anna Politkowskaya: … from where, thanks to the social media, a flood of images comes from an unprecedented scale. Do you see the “revolutionary archive” in this context? Is there a reference to everyday politics?

Jochem Hendricks: That happens automatically. If you are at my exhibitions has the images in mind anyway, as I do. But the archive is simply the wrong material and the surface of my work. I want to transcend the initial material, and the actual event is meant to become the archetype. Meaning what I focus on is precisely not archiving or storable analysis and certainly not on nostalgic mnemonic objects or putting my finger on the good or the evil.
DSC02770
Aby Warburg: Many artists rely on archives, be they existing ones or ones they create themselves. Is the archive of interest to you as a mnemonic system, a system of order?

Jochem Hendricks: Not really. I tend to find collectors of material suspect and I definitely am no archivist. I’m happy if I manage to keep a handle on storing my own works and don’t lose anything. Which constantly happens… no, what drives me on is the potential in eight in this police archive, not the implicit system of order. Even if it is amazingly thorough. Art is an open game with no fixed results, and per se for that reason I don’t champion some special hypothesis. I want to maintain the political element, but not let it dominate the artistic part, my objective is to strike a balance.
DSC02771
Bernd Becher: Back to the artistic practice. What’s the art component that you contribute?

Jochem Hendricks: Let me put it this way: I find the right people and take decisions. I set up a team of able players whom I’ve been coached unmotivated until we reach a result or the project fails. That’s how I tend to work. For the “Revolutionary archive”, meeting Magdalena Kopp set things rolling, and that was about eight years after I came across the collection. Then, my first basic decision was to reverse the sides/perspectives and have an ex-terrorist, a potential “victim” of police work, become the “active player” handling the material. In this way the two sides interact illicitly as it were…

Diane Arbus: … and what goes to make up the quality of the photos?

Jochem Hendricks: Thanks to Magdalena Kopp’s efforts, these amateurish snapshots become high-grade art photographs. She brings to the project not only a spectacular biography, but her skills as a photographer and as a veritable darkroom magician. Magdalena is so key to the project that she is always mentioned as the co-producer and jointly signs the photographs with me. We select the negatives and cropped sections together and Magdalena produces those marvelous gelatin silver barite prints in the darkroom we have set up in a Montessori school near her place. I had Cartier-Bresson in mind, and it’s not a great leap of faith to end up with Gunther Forg.

Gunther Forg: I disagree.

Jochem Hendricks: Your photographs are often out of focus, wobbly, and yet successful anyway!
DSC02772
Hannah Darboven: The path from found archive material to the claim to Art is a long and ambitious one.

Jochem Hendricks: Perhaps it’s clear that way: By enhancing the images I stripped them of a bit of their political/historical surface and insert them into an art context. The photos are always classically mounted in passe-partouts and framed ready for museum display. I can also influence how they function in exhibitions by how I choose and arrange the images and films in line with criteria such as narration, contrast, formalization etc.

Harun Farocki: We should definitely dwell a bit on the subject of films. Magdalena Kopp presumably does not play a role there?

Jochem Hendricks: No, not actively, but we reviewed them together and discussed them at length. The films are as important as the photographs. Both address the same topics: demonstrations, surveillance, evictions, terrorist bombings, department store arson, exchanging hostages, etc. Sometimes the photos and films were shot on the same day and on the same occasion. One red thread running through all the archive material and my project is the constant, redundant images discourse among all involved, in all the different variations. Photographers photograph photographers and cameramen and vice versa, policeman photograph or film demonstrators and they shoot back, people photograph one another, or reciprocate. For an artist that is of course marvelous material!
DSC02773
Nan Hoover: Does your treatment of the films differ from that for the photographs? They are related media, but do differ significantly in key areas.

Jochem Hendricks: in my exhibitions, the films assume the physical side to things, as it were. Films are per se more overwhelming than photographs. And I emphasize this with the presentation in large, closed and dark rooms with projection screens that run from wall to ceiling, each seamlessly abutting the next, surrounding the viewer. If the budget were to be there, I even put projections on the floor and ceiling…

Bernhard Blume: Do you really think that you will be visible as an artist as a consequence? That your work will simply because it is exhibited in galleries and museums be perceived as art?

Jochem Hendricks: Well, I retort by asking: Why does it get exhibited in museums? Of course the question then is: where’s the artist and where’s the art? Now, I developed the idea, structure the setting for the project, fine-tune things select and combined the people, elements and levels, like a movie director as it were, and transform them into a new whole. With each exhibition and each publication anew.
DSC02774
Charlotte Posenenske: Is it even important to be visible as an artist?

Jochem Hendricks: I ask myself the same question. Just like, where is the material from which part is made?

Bernhard Blume: Well, in terms of art theory that’s quite ambitious. You disappear as the producer, as it were, and yet claim to be there as the artist. The photos and films were not taken by you, neither are they ready-mades nor are they pieces made by assistants with your instructions. Magdelena Kopp is the co-producer, but not the co-artist. I can’t really pigeonhole this, it’s as blurred as the one or other of the photos…

Jochem Hendricks: If meant seriously, artistic work does not rest on solid foundations. But Art is not just analytical, it always has to do with emotions as well, with physical and psychic stimulation, especially if there’s a strong visual portion, like there is here. Which is why the films are presented as a large physical installation but the photographs as intimate portrait formats. And of course the enjoyment of images is also at work here.

August Sander: Unfortunately I didn’t catch any of your shows and ask myself whether your approach can actually be conveyed to others. Does the “Revolutionary Archive” also make sense to young people? And don’t the older ones simply get bogged down in memories?

Jochem Hendricks: The response was, at any rate, always unusually pronounced. Depending on the generation of viewers, biographical, historical and contemporary context are called into play, memory and the presents are then related to each other. This in itself serves to exaggerate things to the point of archetypes. Here, a prime example is the first presentation of the “Revolutionary Archive” in 2011, that took place exactly during the social unrest in London and in other English cities – at the time when Tottenham was on fire.

Text originally reproduced in the book Revolutionary Archive.

Revolutionary Archive
Jochem Hendricks and Magdalena Kopp
Koenig Books, 2015
ISBN: 978-3-86335-506-7

Arthur Mole: Living Photographs

DSC02785
I am not certain that photographs like those made by Arthur Mole in the early twentieth-century are purely an ‘Only in America’ phenomenon, but their patriotism towards Mole’s adopted country of the United Sates of America certainly make it seem so. Starting in the early days of World War I, Mole was commissioned to create spectacular images where thousands of people, properly arranged and photographed from a high vantage point, created a unified image of various patriotic symbols and emblems that included; the Statue of Liberty, the Liberty Bell, and a huge portrait of Uncle Sam. A new book by RVB features many of Mole’s epic ‘living photographs’.
DSC02786
DSC02787
The logistics of Mole’s photographs are staggering and took at times more than a week of elaborate planning for a single photograph. Shot with an 11X14 inch view camera high atop a towering platform, Mole’s partner John Thomas would direct the positioning of upwards of 25,000 people into the exact shape desired.
DSC02790
From these elevated vantage points, the foreground might have contained just a few hundred soldiers, where as the distant background, in order to keep the proportions correct might require tens of thousands.
DSC02791
Living Photographs presents 27 photographs in a creative design as is typical with RVB’s books. Blue tinted heavyweight plastic covers with white lettering and a red thread binding set the star-spangled tone. A fine essay by Louis Kaplan called “Photographic Patriotism: Arthur Mole’s Living Photographs” provides the historical context of Mole’s life and work.
DSC02793

Living Photographs
Arthur Mole
RVB Books, 2015
ISBN: 979-10-90306-27-1

Auto Body Collision by Shannon Ebner

DSC02776
A late discovery but one of my remaining book favorites from 2015 was Shannon Ebner’s latest book Auto Body Collision. Ebner has always found an intersection between symbols, letters and words and photography. Whether found within the everyday or constructed in her studio, she dissects the linguistic and visual representations in unexpected and meaningful ways.
DSC02777
DSC02778
By presenting the repetitive language of auto repair culture and subverting the intended meanings of those words, she draws a deeper metaphor of the self and the sense of interchangeability between language of the body and of the vehicle.
DSC02779
DSC02780
Part photography, part sculpture, and part performance, this ‘artist book’ combines equal amounts of text and photographs where “…the works involve the principle of collision where artist and viewer alike are confronted with the experience of treating photography as a language to be read, seen and experienced.” She has her way of slowing down the process of reading to a stand still, causing us to linger on alternate notions of meaning in the most common phrase.
DSC02781
DSC02782
As excited as I am about the work, I am less excited by the actual book. Ebner’s past publications, The Sun as Error (LACMA, 2009) and Strike (Mousse, 2015) were books made that felt like complete objects down to material, here though the type of paper chosen for the content, covers etc, has an feeling that doesn’t, in my opinion, suit the work. One might stretch to argue that the material feels like an auto-body repair manual but I am not convinced that was ever a consideration. Here is great work, take the body it came in, and hope someday it gets repaired.
DSC02783
DSC02784

Auto Body Collision
Shannon Ebner
Carnegie Museum of Art
ISBN 9780880390576

Publisher Spotlight: Cafe Royal Books

cafe royal
Last summer at the Photobook Bristol festival, one of the publishers in the book market was Café Royal Books. I had heard of Café Royal for a few couple years but never managed to actually see any of their publications in person which probably speaks more about me than them as they have published over 300 books since 2005.
grant_shankley_01
grant_shankley_02
grant_shankley_03
Shankly One by Ken Grant, 12.02.15, 28 pages, 14cm x 20cm, b/w digital, Edition of 200

Concentrating on small documentary projects by mostly UK based photographers they publish books on a weekly basis. The books feel like a half-step between a ‘zine and a book, usually on one subject. Those subjects often feel like a great short photo-essay as one would have seen in magazines of the 70s and 80s.
grant_oneday_01
grant_oneday_02
grant_oneday_03
One Day in July near Cable Street Southport by Ken Grant, 09.07.15, 28 pages, 14cm x 20cm, b/w digital, Edition of 200

The authors range from the likes of Martin Parr, Daniel Meadows, Ken Grant, Homer Sykes to the lesser known Jeremy Sutton-Hibbert, Colin Shaw, David Solomons and many others. Parr says of Café Royal, “A great archive of much forgotten documentary from the 70s and 80s.”
grant_shankley2_01
grant_shankley2_02
grant_shankley2_03
Shankly Two by Ken Grant, 14.05.1528 pages, 14cm x 20cm, b/w digital, Edition of 200

Café Royal was founded and is run solely by Craig Atkinson, based in the North West of England. Atkinson has a background not in photography but in architecture and himself has published dozens of the publications on his interest in the shifting face of architecture through his own photographs and in some books by using archival sources.
parr_china_01
parr_china_02
parr_china_03
parr_china_04
Chinatown 1984 by Martin Parr, 18.06.15, 36 pages, 14cm x 20cm, b/w digital, Edition of 250

The publications share the same cover design and are typically 28-36 pages, digital offset printed and priced usually £5- £7. The print runs are short, usually in 250 copies or less. Check them out, but be warned, it is very easy to become hooked on these small unassuming books to the point of becoming a collector before you realize it.

 

Ravenna by Gerry Johansson

DSC03106
Gerry Johansson’s most recent book, Ravenna is a walk along the city’s Candiano canal that leads from the city center to Porto Corsini at the Adriatic. His first visit in 2013 was spurred by an invitation to participate in a project called Adriatic Coast to Coast about the territories overlooking the Adriatic Sea. As the accompanying text states, “…he parked his car and started walking, alone, in the direction that seemed more inviting to him.” The 54 photographs were made over several visits between 2013 and 2015.
DSC03108
DSC03109
“When I am in a foreign country, I always read the signs and try to understand what they mean. In this case, I quickly realized that it was a place where someone was selling melons, which in Sweden have a similar name, meloner. Reading the sign MELONIMELONI, the sound made me automatically think of the words ‘melody’ and ‘meloncholy’. It was this combination of letters and sounds that urged me to start walking along via Bosca.” – Gerry Johansson
DSC03110
DSC03111
What I have always found refreshing about Johansson is the sense one feels of his enjoyment of moving through an unfamiliar landscape and responding with instinct to what is before him. The work forms not in the mind first but through the steps he takes and directness at which he looks. This is not unique to Johansson by any stretch but the sense of solitude and fullness of his frames are a reward for those who pause and look. Essentially, he trusts in the world to provide.
DSC03112
Ravenna as a bookwork is beautifully realized with a fine design by Leonardo Sonnoli. Many of Johansson’s books share the same size, almost like individual chapters to a larger work. This book is a sequence of loose leaves held together simply by the gutter fold and housed in an elegant black folder with silkscreened texts and cover. Published by Osservatorio Fotografico in a small edition of 350 copies, this will be gone before you know it.
DSC03113

Ravenna
Gerry Johansson
Osservatorio Fotografico, 2016

The Alphabet of New Plants by Robert Voit

DSC03086
In Robert Voit’s first book New Trees (Steidl, 2014), he traveled the world and photographed the typology of cellphone towers disguised to look like trees with the intention that they ‘fit’ in with the natural landscape – though the immediate perception is one of the fake and absurd.
DSC03103
Instead, they wind up looking like some alien device meant for harm, as if their creators had never really looked the natural predecessors closely. Towering palm trees sparse with fronds reveal metallic receiver panels; a saguaro cactus (perhaps the most realistic) with a black cable snaking from its trunk; unconvincing pines and redwoods with branches bunched only at their tops.
DSC03105
Voit’s latest book from Hatje Cantz is called The Alphabet of New Plants and again, deception is at work. Instead of the grand and physically large cellphone tower, he has turned his attention to a smaller form inspired by nature – artificial houseplants.
DSC03097
The Alphabet of New Plants has its precedent in Karl Blossfeldt’s Urformen der Kunst published in 1929, a book that found the intersection between science and art through photos of magnified botanical specimens so the details of the plant’s structure could be examined.
DSC03099
Unlike Voit’s previous project, one can easily be duped by these artificial versions. It is not until the viewer falls under the spell of the images that one starts to perceive the small ‘unnatural’ seems of a plastic-molded stem or the cloth texture of a leaf.
DSC03100
DSC03101
Comparing Blossfeldt to Voit one senses the inverse nature of both bodies of work – Blossfeldt’s were real specimens that when magnified become almost unbelievable that they are naturally occurring, while Voit’s specimens are completely artificial but appear remarkably natural to the eye.
DSC03102
The Alphabet of New Plants is clean in design much like New Trees. They share the same trim and plate size with captions on the left facing page. In essence one can see these as companion volumes – a set of two books that bridge nature, man, and the absurd.

The Alphabet of New Plants
Robert Voit
Hatje Cantz, 2016
ISBN: 978-3-7757-4046-3

Walker Evans: Labor Anonymous

DSC02745
Walker Evans: Labor Anonymous
Essays by David Campany, Jerry Thompson and Heinz Liesbrock.
Verlag der Buchhandlung Walther Koenig, 2016
ISBN: 9781938922947

The publication Walker Evans: Labor Anonymous is the first in-depth investigation into a series of the same name, which Evans published in Fortune magazine in 1946. On a Saturday afternoon in Detroit, Evans positioned himself with his Rolleiflex camera on the sidewalk and photographed pedestrians, mostly laborers, in his characteristically clear and unadorned way – an aesthetic he described as the “documentary style”.
DSC02746

DSC02747
As in his earlier subway portraits from the New York underground, his subjects were often unaware they were being photographed, but some of the pedestrians also looked straight into the camera. Representing much more than a simple typology, this photographic series does not offer a preconceived image of humankind or class, but – as foreshadowed in its ambiguous title – encourages critical reflection on such concepts.
DSC02748

DSC02749
This publication anchors the series in Evans’s oeuvre and presents a selection of more than fifty photographs from the series along with contact sheets, drafts for an unpublished text, notes, and letters from the Walker Evans Archive at the Metropolitan Museum of Art, New York.
DSC02750

© Brian Griffin 1978

DSC02755
A couple weeks ago Bernd Detsch at Art Book Cologne offered me a curious little booklet by the British photographer Brian Griffin. It was 34 pages including the cover, staple-bound with seventeen black-and-white photographs accompanied by curious line drawings in the page margins. There was seemingly no title except for a tiny script below the cover image that stated ©Brian Griffin 1978.

I have admired Brian’s work for some years after buying a paperback copy of his book Work published in 1989 by his imprint Black Pudding. That book has remained a favorite of mine, and one I recommend often as an overlooked gem in the photobook world.

His commissions for corporate portraiture began when he was ‘discovered’ by the Swiss art director, Roland Schenk of Management Today. His book Open was featured in Parr/Badger’s The Photobook: A History Vol II, of which Badger describes Griffin’s style of portraiture as “…always slightly subversive, its surreal qualities gently ‘biting the hand that feeds him’.”

A press release for his upcoming show at Steven Kasher Gallery describes his work a bit more succinctly than I can: “When Margaret Thatcher came to power in 1979, business was empowered and labor was belittled. To capture the heroes and victims of Thatcherism and globalization, Griffin invented a new photographic style, Capitalist Realism, parodying Socialist Realism. Griffin’s photographs embody the essence of the decade, modish white-collars, rock bands suited up in business-casual and tin lunch-pail toting masons. Inspired by the bureaucratic and claustrophobic world of Kafka, by the French filmmaker Jacques Tati and by German Expressionist cinema, Griffin turned the workplaces in which he photographed into stages and his subjects into actors.”

I decided to ask Brian Griffin a few questions about this quirky little find.
DSC02756
Jeffrey Ladd: You refer to this as a ‘zine, was it intended as a promotional piece for your professional commissions or an artistic statement?

Brian Griffin: It was an artistic statement. The whole book is a self-portrait of me at the time, with symbolic representations.

JL: How many were made?

BG: Maybe 500 copies.
DSC02757
JL: Was it ever officially for sale?

BG: It was for sale at £1 but I only sold one! I then stored it for 30 years!

JL: There are large differences between the selection of images in the printed ‘zine than on your website. Were there limitations to the printing cost or another reason that caused this different edit?

BG: To my website I added further images from the time as an afterthought. The images that were included in the ‘zine were my favorites for this project at the time.
DSC02758
JL: I am curious about the four images towards the end that appear as full page bleeds. What prompted the diversion in design?

BG: When the images expand to full bleed it was meant to take us into another zone.

JL: Were most of the subjects friends of yours? On your site you mention Simon Callow the film actor was a subject, who are the others in the photos?

BG: Charles Woods and Martin Cropper were friends. Martin Cropper is featured on the front cover and five other images. Charles Woods in two.

JL: There are two photos made near the ocean, they seem to greatly differ from the others.

BG: Those two were from a press session made for the band “The Pop Group” and shot near Weymouth. You have to remember that I was young, enthusiastic and really into expressionism. I was just starting to work on my music photography and that’s how I met Barney.
DSC02759
JL: On your website it mentions that “Barney Bubbles (who was an English graphic designer known for his album cover art and design) came to my flat in Chiswick London one evening and we came up with the concept for this ‘zine.” He contributed the graphic drawings?

BG: Yes, each graphic symbolizes what I felt about each image and Barney could only use a line, which of course could be curved.

JL: One could easily mistake the book for having no title. Originally was Brian Griffin Copyright 1978 intended to be the title?

BG: That was the original title. That was a Barney’ism!
DSC02760
JL: I had heard that this might be the first British self-published books from a photographer of your generation. Do you know if this is true?

BG: Yesterday I asked my friend Martin Parr to verify this, and to his knowledge, it is.

JL: Thank you Brian!
bstiff_12_900
One last bit for music fans, one photo that appears in Copyright Brian Griffin 1978 is from a shoot for photos that graced the band Devo’s B Stiff e.p. in 1977.

Copyright 1978 and other work is appearing in a show entitled Brian Griffin: Capitalist Realism starting February 25th 2016 at the Steven Kasher Gallery in New York.

Thanks also to Anatole Desachy!

The Double Elephant Press

DSC02794Double Elephant Portfolios: Manuel Alvarez Bravo, Walker Evans, Lee Friedlander, Garry Winogrand

Steidl/Galerie Thomas Zander, 2015

ISBN:978-3-86930-743-5

 

Back in the mid-to-late 1980s when I was a young photography student at the School of Visual Arts in New York City I was infatuated with the history of American photography and specifically that rich era of the 1960s and 70s. In association with names like Garry Winogrand, Manuel Alvarez Bravo, Walker Evans and Lee Friedlander I had heard about these print portfolios that were created and sold in the early 1970s called “The Double Elephant” Portfolios.
DSC02797
I never saw one in person but I knew that to publicize their sale, the publisher Double Elephant Press also created posters for each portfolio. I knew this because one of these posters, for the Winogrand portfolio, hung in a small postcard and bookstore on Broadway near 4th street in Greenwich Village. I wanted to own the poster so desperately I offered the owner the outrageous sum of $50 for it – he wasn’t selling it.
DSC02799
In celebration of these rare portfolios and that tiny moment in photography history, the Galerie Thomas Zander and Steidl has released a box set of four books each featuring the individual portfolios that appeared before the short-lived project went out of business. An additional paperback booklet included provides on the history of Double Elephant Press.
DSC02799a
Each portfolio included fifteen photographs so each of these volumes is slim but elegantly printed and realized. Over the four portfolios, one can see that they contained many of the landmark photographs from each of the photographers, and perhaps as Susan Kismaric points out in her essay, “…some of the greatest photographs of the twentieth century.”
DSC02800
There is one annoying discrepancy to all of the information provided, there is no mention of the original selling price of the portfolios. This is something I always wondered about and sadly no answer is found here. Mention of the selling price would provide an important reference point to the ‘value’ at the time for photographic prints, which we all know was quite low. The medium was new, photographs were not valued as an investment or commodity like other mediums – the first gallery dedicated to the sale of photography Lee Witkin’s gallery, opened just a few years prior in 1969.
DSC02801
For many years I hadn’t ever seen the other three posters from the set until one day I stumbled across this Adam Bartos photograph from the late 70s. The tail end of the Manuel Alvarez Bravo poster can be seen hanging on the back wall.
DSC02801a
One last thought, if this portfolio venture hadn’t failed and continued to publish, would they have gotten around to a portfolio by a woman photographer? And who would that have been?

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit: Giacomo Brunelli

giacomo

Ein Flaneur müsse seine Sinne stets für das Große und Ganze öffnen, stellt Luc Sante in seinem gerade erschienen Buch „The Other Paris“ (Farrar, Straus and Giroux) fest. Neben all dem Offensichtlichen im Stadtleben eben auch für das Ephemere und all das, was gewöhnlich unterhalb unserer Wahrnehmungsgrenzen läge. Für die Textur und den Geschmack des Unbeschreiblichen und jene Dinge, die viel zu subjektiv seien, als dass sich ihnen je ein Reporter widmen würde. Ja, der Flaneur benötige geradezu einen sechsten Sinn für die Geister der Straße, ohne gleich an Übernatürliches zu glauben. Denn auf der Straße sei die Vergangenheit doch stets gegenwärtig.

In einer Zeit, in der Fußgänger lieber auf die Textbotschaften ihrer Smartphones starren, als ihren Blick für die Stimmung und das Ambiente einer Stadt zu schärfen, droht die Idee des sich entschleunigt treiben lassenden Flaneurs aus unserem kulturellen Gedankengut zu verschwinden. Wer will denn heute überhaupt noch Geister sehen?

Giacomo Brunelli ist in vielerlei Hinsicht ein Flaneur alter Schule. Geister tauchen gewissermaßen in den tiefschwarzen Schattenzonen oder im milchigen Unschärfebereich seiner Bilder auf. Und manchmal auch im wahnwitzig aggressiven Blick eines Straßenköders unmittelbar vor seiner Linse. Gerne erinnert man sich noch seiner „Flaneur“-Installation, die im Sommer 2015 vor dem Hamburger Rathaus seine Motivwelt in großen Lichtwürfeln zum Leuchten brachte. Brunellis derzeit in der Fotogalerie von Robert Morat präsentierte Bilder der Hansestadt wurden also ursprünglich von der Hamburger Triennale der Fotografie in Auftrag gegeben. Doch erst jetzt, im dunklen Holzrahmen an den Wänden der Galerie, entwickeln diese Motive vollends ihren träumerisch-narrativen Charme. Hier ist der vom Fotokünstler kontrastreich abgezogene Schwarzweißprint geradezu haptisch erfahrbar und hier intensiviert sich die nostalgische Note dieser Bilder noch einmal. Bei dem Italiener wird die Stadt zur Kulisse emotionaler Begegnungen, die einem Orson Welles-Film entnommen sein könnten. Derart düstre Stadtimpressionen in „Noir“, mit einem abgrenzendem (stets die Perspektive des Fotografen betonenden) Negativrand, kennen wir beispielsweise von einer US-Fotokünstlerin wie Susan Burnstine.

International bekannt geworden ist der in London lebende Fotokünstler Giacomo Brunelli 2008 mit seiner Serie „The Animals“ (Dewi Lewis Publishing). Auch diese stilistisch ähnlichen Tier-Portraits im finstren Streetstyle sind mit einer alten, analogen Miranda Sensomat-Kamera aus den 1960er-Jahren entstanden, die er gerne in Bodennähe und aus der Hüfte schießend einsetzt. Seine Tierbilder vermitteln uns Momente mit einer tiefenpsychologisch angelegten Instinkthaftigkeit, einer überraschenden bildjournalistischen Unmittelbarkeit und Nähe, die unsere Reaktionen unmittelbar herausfordert.

Tiere tauchen auch in Brunellis Hamburg-Bildern als bereitwillige Akteure auf. Hunde, Möwen, Graugänse begleiten uns in diesen manchmal fast schon scherenschnittartig angelegten Aufnahmen, die im Laufe von zwei jeweils dreiwöchigen Aufenthalten in der Stadt entstanden sind. Der Fotograf interessiert sich – wie bei der vorangegangen Serie „Eternal London“ in seiner britischen Wahlheimat ¬ – für die spontanen Begegnungen mit Mensch und Tier. Mit einer ausgefeilt individualisierten Bildsprache voller Schatten und Silhouetten zeigt er uns die dunkle Seele der Street Photography, vignettiert dabei akzentuierend seine Motive, dass sie und bisweilen wie im Traum anmuten.

Seine Hamburger Wege führen uns immer wieder zur Binnenalster und dem Elbufer. „Das Wasser bringt dort Mensch und Tier zum Innehalten, deshalb konnte ich mit meinen Fotos hier weiter gehen“, erzählt er. „Die vielen Kanäle und Brücken in der Stadt haben mir neue Perspektiven geöffnet, mit denen ich anderswo noch nie arbeiten konnte. Das Element Wasser habe seinen Bildern von der Waterkant eine neue faszinierende Dimension gegeben, die er in London nicht hatte.

Giacomo Brunelli ist ein in Jäger und Sammler, dessen Bildgeschichten die Straße, die Hinterhöfe einer Stadt, die Wiesen und Felder einer Landschaft schreiben. Der Mensch bleibt dabei immer nur ausschnitthaft, in Umrissen erkennbar, er repräsentiert im diffusen Licht der Morgen- und Abendstunden eher den aus der Zeit gerissenen Flaneur, den Spaziergänger, als konkrete Charaktere. Ein Bildhintergrund solle im Idealfall die Emotionen der abgebildeten Menschen reflektieren, hat der Fotokünstler mal in einem Interview angedeutet. In seinen Motiven verschmilzt diese Emotion zu einer melancholischen Grundstimmung, die in uns, den Betrachtern Verankerungen sucht.

Giacomo Brunelli: Hamburg, vom 16. Januar bis 12. März 2016 in der Robert Morat Galerie, Kleine Reichenstraße 1, 20457 Hamburg. Website: www.robertmorat.de

Untitled #04

Untitled #06

Untitled #08

Untitled #01

Untitled #02

Portrait des Fotokünstlers: © Manfred Zollner
Alle anderen Fotos: © Giacomo Brunelli

Haley Morris-Cafieros „The Watchers“

© Haley Morris-Cafiero

Flander

Sunscreen

TurtleEs sind diese Blicke, die uns in Erinnerung bleiben werden: Abschätzend, herablassend in der jugendlich-dumpfen Arroganz derjenigen, die ein paar Kilo weniger auf den Knochen haben. Direktes, aufdringliches Gegaffe genormter Durchschnittsbürger mit amüsiertem Grinsen und offenmundigem Staunen hinter dem Rücken einer Frau mit anderen Körpermaßen. Die zum Bild gefrorene Einstellung zeigt sich uns in der entlarvenden Mikrogeste während eines – ohne Kamera kaum wahrnehmbaren – Sekundenbruchteils.

Keiner dieser Passanten ahnte zum Zeitpunkt der Aufnahme, dass sein Blick integraler Bestandteil eines künstlerischen Anliegens werden könnte. Er bemerkte nicht einmal, dass er im Mittelpunkt einer mühseligen, weil völlig unberechenbaren Fotosession stand. Jetzt ist er Teil von Haley Morris-Cafieros Langzeitprojekt The Watchers. Der Beobachtende wird selbst beäugt. Von Haley, von uns und von der Gesellschaft.

Haley Morris-Cafiero inszeniert sich im öffentlichen Raum. Das heißt: sie stellt sich hin, skatet entlang einer Strandpromenade, schleckt ziemlich unspektakulär an ihrem Softeis oder wartet einfach nur. Vor ihr: eine Kamera mit Selbstauslöser, vielleicht auch mal Assistenten hinter ihrer Kamera. Den Rest übernehmen die Passanten. Denn ab jetzt wird jene spontane Interaktion festgehalten, die zwischen dieser scheinbar so gänzlich in sich ruhenden Amerikanerin und anderen anwesenden Personen auf diesen öffentlichen Plätzen stattfindet.

In dieser gänzlich eigenständigen Mischung aus öffentlich inszenierter Portrait- und sozialpolitisch engagierter Dokumentarfotografie schreiben also Zufallsbegegnungen die Story. Wir können uns vorstellen, wie viel Leerlauf das Warten auf jene signifikanten Aufnahmen mit sich bringt, die erst die spätere Bildschirm-Analyse offenlegen wird. Erst in ihrer Summe kann dann aus vielen fixierten Einzelreaktionen ein relevantes Statement werden.

Manchmal spiegelt sich der fiese Blick der Betrachter selbst in deren Körperhaltung. Dann wird aus einer davor verborgenen „Einstellung“ plötzlich eine direkte, gestikuläre „Stellungnahme“, wenn etwa der Polizist in New Orleans die Abgebildete mit einer Macho-Pose hinterrücks dekoriert. Dann zeigen sich offene Formen der Ablehnung und Diskriminierung, die viele dieser Menschen öffentlich nie artikulieren würden. Oder etwa doch?

Haley Morris-Cafieros Bilder sind mittlerweile zu einer kleinen viralen Sensation geworden, zum Medienereignis mit Nachrichtenwert, das Amerika zur Reflektion gezwungen hat. Und noch bevor dieser Tage ihr crowdfinanzierter Bildband „The Watchers“ von der Magenta Foundation publiziert worden ist, hat die auch als Professorin am Memphis College of Art lehrende Künstlerin im Web viel Zuspruch, aber auch offene Hass-Kommentare geerntet. Auszüge dieser verbalen Reaktionen nahm sie nun ebenfalls in ihren wichtigen Bildband auf.

Das dort beschriebene Phänomen des diskriminierenden Blicks ist natürlich keineswegs landesspezifisch, wie Haley über einen Zeitraum von nun bereit fünf Jahren dokumentiert hat. Als Aufnahmeorte wählte neben US-Metropolen unter anderem auch öffentliche Räume in Berlin, Barcelona, Paris oder Prag.

Ist unsere Gesellschaft tatsächlich schon von derart konstruierten Körperidealen besessen, dass Abweichungen vom diesem künstlichen Schönheitstypus mit Hass und Spott abgestraft werden? Weil Barbie-Puppen, Lara Croft-Figuren und, ja selbst die „Silikone“ Pamela Anderson Generationen auf Slim-Fit-Format geeicht haben? Haley Cafiero-Morris arbeitet hier im doppelten Sinne mit einer Spiegelreflexkamera. Sie hält der Gesellschaft einen Spiegel vor, der ihre Reflexe aufzeigt.

„The Watchers“ erscheint mir deshalb in seinem konzeptionellen, ästhetischen und gesellschaftspolitischen Ansatz als eines der spannendsten Fotoprojekte seit Jahren.

Foto: © Haley Morris-Cafiero

Zum Tod von Marc Lagrange

Marc Lagrange fotografiert von Stephan Vanfleteren

Es gibt bislang nur spärliche Informationen, doch mittlerweile haben die spanischen Behörden und die Brüsseler Young Gallery offiziell bestätigt: Am ersten Weihnachtsfeiertag 2015 ist Marc Lagrange unter tragischen Umständen auf Teneriffa ums Leben gekommen. Am Tag seiner Anreise verunglückte der 57-jährige Belgier in einem Golfcart auf dem Gelände seines Hotels in Guia de Isora.

Die Tragödie ereilte einen der besten und erfolgreichsten Aktfotografen unserer Tage auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Nachdem ihn der 2013 erschienene Bildband „Diamond & Pearls“ weit über Belgien hinaus auf dem internationalen Kunstmarkt etabliert hatte, war bei uns erst vor wenigen Wochen Marcs neues Fotobuch „Senza Parole“ bei uns veröffentlicht worden.

Marc Lagrange vereinte in seinen besten Bildern die Hintersinnigkeit eines Arthur Schnitzler mit der wilden Gedankenwelt später Federico Fellini-Filme. In opulenten, oft riesig vergrößerten Bildszenarien konnte dieser Fotokünstler bourgeoise Lust-Phantasien mit der provokativen, surrealen Kraft eines Louis Bunuel im Ambiente eines Luchino Visconti-Dramas inszenieren. Seine Bild gewordenen Lust-Spiele zelebrieren zwischen westlicher Bohème und orientalischem Harem meisterhaft die Abenteuer und Ausschweifungen der Libido.

Die Frau war in dieser Motivwelt, wie einst bei Helmut Newton, zugleich zeigefreudige Muse und selbstbewusste Partnerin im ewigen Reigen um Versuchung und Verführung. Seine exklusiven Sets in Schlössern, Luxushotels und Künstlerateliers dienten Marc Lagrange als Bühne des Unterbewussten, auf der dezent orgiastisch Triebe und maskuline Sehnsüchte ausgelebt und traumartig Tabu-Brüche angedeutet wurden. Der Belgier zelebrierte feminine Schönheit und Eros, er inszenierte makellos perfekte Körper und Szenarien der Seh(n)sucht. Häufig führten uns seine Bilder dabei in eine scheinbar vergangene Welt gepflegter großbürgerlicher Ausschweifungen.
In Zeiten omnipräsenter, billiger Internet-Erotik setzten Lagranges Werke auf die narrative Kraft elaborierter, bisweilen exotischer „One-Picture-Movies“, die die Phantasie der Bildbetrachter anfeuern. So wird sein Werk noch weit über die Gegenwart hinaus Bestand haben, während das Genre der künstlerischen Aktfotografie derzeit seine bislang größte Krise durchlebt.

In meiner Küche steht eine etwa 40 cm große Plastik, die den französischen Chansonnier Serge Gainsbourg in comicartiger Überzeichnung zeigt. 2013, bei meinem ersten Besuch in Marc Lagranges Antwerpener Hinterhofstudio, stand diese Statue in einem Regal neben dessen Schreibtisch. Einen kurzweiligen, verregneten Winternachmittag lang plauderten wir über die Kunst und die Fotografie und sprachen auch kurz über Serge und dessen Lieder, bevor wir uns Marcs damals gerade geplanten Bildband „Diamonds & Pearls“ zuwandten. Knapp eine Woche nach meiner Rückkehr in die deutsche Heimat stand die Gainsbourg-Skulptur sicher verpackt vor meiner Haustür. Marc hatte sie mir per Kurier hinterher geschickt. Er konnte in seiner spontanen Herzlichkeit unendlich großzügig sein und seine Freude und Faszination für die Kultur von Gestern und Heute mit anderen teilen.

Die kleine Gips-Skulptur in meiner Küche wird mich ab sofort an zwei viel zu früh verstorbene Künstler erinnern. Marcs Lagranges Tod ist in der deutschen Presse bislang noch fast überhaupt nicht kommuniziert worden, nachdem die Familie des Künstlers keine Informationen über die tragischen Ereignisse zur Weihnachtszeit veröffentlicht hat. Es ist jetzt an der Zeit, sein fotografisches Vermächtnis hierzulande zu würdigen.

Von Fotos, die Eindruck hinterlassen

© Manfred Zollner

Die Nachricht flatterte kurz vor Jahresende in die US-Haushalte. Wissenschaftler hätten jetzt aufgedeckt, was ein Foto zeigen müsse, um in Erinnerung zu bleiben, vermeldete die Washington Post am 29. Dezember 2015. Wenn das nicht nach einer mysteriösen neuen Geheimformel klingt. Das Geheimnis der nachhaltigen, ja unvergesslichen Fotografie? Endlich! Gelüftet!!

Die nüchterne Wahrheit hinter der journalistischen Schlagzeile der amerikanischen Tageszeitung liegt, wie so oft im Zeitalter von Big Data, in neuesten Erkenntnissen der Computerwissenschaft. In Analysen menschlicher Auswahlkriterien bei der Bildbetrachtung. Und letztlich in komplexen Wahrscheinlichkeitsrechnungen nach dem Motto: Menschen, die dieses Foto mögen, werden auch jenes lieben. Sie kennen ein ähnliches Prinzip beispielsweise vom Bucheinkauf beim Online-Versandhändler Amazon.

Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT)  haben tatsächlich jetzt einen neuen Algorithmus entwickelt, der unvergessliche Fotos in der medialen Bilderflut ausfindig macht. Hinter Ihrer Arbeit verbirgt sich eine Frage, die jeden Fotografen interessieren sollte: Woran erinnern wir uns nach den Betrachten von Fotos und welche Bilder bleiben in unserem Gedächtnis haften? Die Antwort der Wissenschaftler sollte nicht sonderlich überraschen: Aufnahmen, die sich von anderen unterscheiden, werden von uns besser erinnert. Seltsame, surreale und widersprüchliche Fotos gehören dazu. Bilder mit einem Spannungsbogen, die Dinge andeuten aber nicht auflösen. Die Aufnahme eines Stop-Schildes im Straßenverkehr, auf das jemand „GO“ gesprüht hat prägt sich demnach stärker ein, als das Foto einer „normalen“ Straßenkreuzung mit Stop-Schild.

Den neuen MemNet-Algorithmus können auch Sie testen. Dazu müssen Sie Ihre Bilder auf diese Website http://memorabilty.csail.mit.edu/demo.html  laden. Die Analyse-Software der Universität wird Ihnen zeigen, welche Bildbereiche in Ihrer Aufnahme den größten Wiederkennungswert besitzen. Vor der Entwicklung dieses Analysewerkzeugs zeigten Aditya Khosla und seine Forscherkollegen ihren Probanten hunderte Fotos zweimal und werteten anschließend aus, welche davon wiedererkannt wurden. Der MemNet-Algorithmus suchte anschließend im Bildvergleich nach den Merkmalen, die jene Auswahlfotos unvergesslich machten.

Für den zeitgenössischen Bildjournalismus bleibt diese Auswertung allerdings ungenügend. Der Computer kann die historische Bedeutung eines Fotos und komplexer sozio-kultureller Zusammenhänge heute noch nicht einordnen. Als Beispiel nennen die Forscher jenes berühmte Foto des Protestierenden, der sich 1989 mutig vor die Regierungspanzer an Pekings Tiananmen Square stellte. Laut Algorithmus besitzt das Bild wenig Erinnerungswert. Dazu müssten wohl erst die Bedeutung von Aufnahmeort und –zeitpunkt, kulturelle und gesellschaftspolitische Faktoren einbezogen werden.

Fakt bleibt jedoch: künstliche neuronale Netzwerke werten heute bereits nicht nur am MIT unseren Bildgeschmack aus und folgen jenen digitalen Spuren, die unser User-Verhalten im Web hinterlassen. Diese helfen den Wissenschaftler dabei, eine neue Matrix unseres Denken und intuitiven Fühlens festzulegen.

Wie weit sind wir heute davon entfernt, dass ein für uns individualisierter Algorithmus in unserem Computer Bilder selektiert, die vermeintlich unserem Geschmack entsprechen? Die aktuelle Forschung um „Deep Learning“ und Künstliche Intelligenz hat diesen Weg längst beschritten. Analysiert würden dann all die von uns beim Surfen (eventuell etwas länger) betrachteten Bilder.

Fragt sich nur, ob wir derlei Bevormundung gut finden und wie derlei suggestive Software-Vorselektion langfristig unser ästhetisches Empfinden prägt. So mögen die neuen Erkenntnisse der MIT-Forscher didaktisch in der visuellen Kommunikation sehr hilfreich sein und sich die Werbewirkungsforschung schnell vieles davon aneignen. Ein gesellschaftlicher Diskurs darüber, welche Folgen derlei neuronale Netze für unser visuelles Denken und Gedächtnis haben, ist jetzt jedoch mindestens ebenso dringend nötig.

Worldtour #5: Kapstadt, Stevenson Gallery

Cape Town Station, Kapstadt, Dezember 2015 ©Nadine Barth

Cape Town Station, Kapstadt, Dezember 2015
©Nadine Barth

Die Beteiligten: Anna (Yoga Teacher), Joost, Andrew & Federica (Stevenson Gallery), Gosh (Flatmountain Coffee)
Anlass: Ein Dienstag in Woodstock, Kapstadt, Ausstellung „Schema“ bei Stevenson, mit Zander Blom, Wim Botha, Edson Chagas, Ian Grose, Samson Kambalu, Mawande Ka Zenzile, Moshekwa Langa, Mitchell Gilbert Messina, Meleko Mokgosi, Serge Alain Nitegeka, Odili Donald Odita, Deborah Poynton, Robin Rhode, Hans Richter, Viviane Sassen, Guy Tillim

Sie sagt, es sei ihr erstes Mal. Und dann spricht sie über Anfänge, über das anstehende Neue Jahr, darüber, dass man ohne Furcht seine Schritte setzen soll und der Energie vertrauen, und ich denke an meine Großmutter, die gern das Bonmot referierte, jedem neuen Anfang wohnt ein Zauber inne. Wir sitzen im Schneidersitz und singen das Om zusammen, und dann leitet uns Anna, die Yogalehrerin, durch die Vinyasas. Kapstadt, Dienstag früh, der Himmel ist blau. Wie ein Nest sitzt das Studio über den Warehouses, Hafenkräne kratzen am Horizont, die Weite ist eine Weite der Gedanken. Air Yoga.

Woodstock, Kapstadt, Dezember 2015 ©Nadine Barth

Woodstock, Kapstadt, Dezember 2015
©Nadine Barth

Woodstock, Kapstadt, Dezember 2015 ©Nadine Barth

Woodstock, Kapstadt, Dezember 2015
©Nadine Barth

Woodstock heißt dieses Viertel Kapstadts, ein kreativer Spot, renovierte Lofts neben Brachflächen, ein Dazwischen in Zeit und Kreativität. Wandel, wenn man so will, auf die bekannte Art. Erst die Künstler, dann die Galerien, dann die Cafés & Co. Ich parke mein kleines weißes Mietauto, von dem ich immer noch nicht die Marke verstanden habe, vor dem Fabrikgebäude, in dem die Stevenson Galerie beheimatet ist. Einer der Parkwächter mit offiziellem gelben Westchen nimmt meinen Wagen in Obhut. Er hat kaum Zähne im Mund, grinst aber freundlich.

Stevenson Gallery ©Nadine Barth

Stevenson Gallery
©Nadine Barth

Installationsansicht "Schema" ©Nadine Barth

Installationsansicht “Schema”
©Nadine Barth

Installationsansicht "Schema" ©Nadine Barth

Installationsansicht “Schema”
©Nadine Barth

Der Eingang zu Stevenson ist eine Art Rampe, Worte an der Wand, wie der Geleittext in einem Museum, auch die Großzügigkeit und Weitläufigkeit der Räume lässt mich eher an eine staatliche Institution denken denn eine private Galerie. Passend dazu die Thematik der laufenden Ausstellung: „Schema“ heißt sie, die deutsche Konnotation ist durchaus gewollt, man rekurriert auf Erwin Panofsky und seine Theorie einer „konstruierten Objektivität“, die uns bestimmt. Nach der Entdeckung der Zentralperspektive in der Kunst der Renaissance gehören der Raum und das Sehen, die Überführung der dreidimensionalen Wirklichkeit in die zweidimensionale Fläche eines Kunstwerkes und die Auseinandersetzung mit ihren Bedingungen, Grenzen und Auswirkungen, zum Grund-„Schema“ moderner Kunstwerke. Die spielerische und gleichzeitig tiefsinnige Art, in der etwa der südafrikanische Künstler Robin Rhode damit umgeht, reißt die Schwelle zwischen Performance, Fotografie und serieller Kunst ein: „The object that was drawn always symbolised a kind of object of desire, and the scenario was an extension of a dream of a desire to a dimension that you could place yourself inside.“ (Robin Rhode, Ausstellungstext zu „Schema“). Erst vor ein paar Wochen habe ich Robin in Berlin getroffen, wo er lebt und ein gigantisches Atelier hat, und es freut mich, hier seine Werke als esssentiellen Teil dieser Konzept-Schau zu sehen.

Installationsansicht "Schema":  Robin Rhode, "Restless Mind", 2009

Installationsansicht “Schema”:
Robin Rhode, “Restless Mind”, 2009

Installationsansicht "Schema":  Robin Rhode, "CMYK", 2015

Installationsansicht “Schema”:
Robin Rhode, “CMYK”, 2015

Und dann: Guy Tillim. Ich liebe seine Fotos sehr. Die afrikanischen Alltagsszenen, das Großstädtische, die Interaktionen zwischen den Menschen. Hier ist die Stadt der Raum. Wie Robin Rhode kommt er aus Johannesburg, vor Ort zärtlich „Jo-Burg“ genannt, er arbeitete lange als Pressefotograf, coverte die Kriege des Kontinents, bemüht um Objektivität, er wertet nicht mit seinen Bildern, nie geht es ihm um den „perfekten Moment“ (Cartier-Bresson), sondern eher um den zufälligen, den er zu sich kommen lässt. In „Schema“ hängen verstreut Diptychen von Straßenaufnahmen aus Addis Abeba, ganz frische Arbeiten von 2015. Auch Viviane Sassen spürt dem All(tag)-Tag nach, doch sie komponiert mehr, findet „ästhetische Schönheit“ durch einen sehr subjektiven Blick. Die Niederländerin, die dieses Jahr auf der Shortlist des Deutsche Börse Photography Prize stand, findet viele ihrer Motive in Afrika. Im gerade bei Hatje Cantz erschienenen Buch „Africa under the Prism“ über die ersten 5 Jahre des LagosPhotoFestivals sind einige ihrer farbenfrohen Porträts zu sehen. Geometrischer Bildaufbau, Ikonografien schon jetzt.

Installationsansicht "Schema":  Guy Tillim, "Addis Ababa", 2015

Installationsansicht “Schema”:
Guy Tillim, “Addis Ababa”, 2015

Detail aus Guy Tillim: "Addis Ababa", 2015

Detail aus Guy Tillim: “Addis Ababa”, 2015

Installationsansicht "Schema":  Viviane Sassen, "Alpha", 2011

Installationsansicht “Schema”:
Viviane Sassen, “Alpha”, 2011

Mit Joost plaudere ich über die Geschichte der Galerie: Stevenson wurde 2003 gegründet, erzählt er mir, seit 2009 ist man in Woodstock. Mehr Raum, eine bessere Miete. Und ein Statement ist es natürlich auch. Goodman Gallery waren die ersten, die hier herzogen. Hast du Blank Projects gesehen? fragt er mich. Das ist eine junge Galerie, genau gegenüber. Wild. Er schenkt mir eine Zeitung, die Pieter Hugo gemacht hat. The Journey. Über schlafende Passagiere im Flugzeug. Zwischen Jo-Burg und Atlanta. Mit Infrarotlicht. Ich kenne eigentlich nur die Hyänen-Bilder, fällt mir auf. Pieter Hugo ist schon lange bei euch, sage ich zu Joost. Ja. Er lacht, Pieter hat lange Zeit unsere Miete gezahlt. Er ist super erfolgreich. Jetzt kommt ein anderer Mitarbeiter zu uns, er stellt etwas ins Regal mit den zahlreichen Büchern und Katalogen der Galerie. Ich sehe, dass dort auch das Buch des ägyptischen Fotografen Youssef Nabil steht. „I Won’t Let You Die“. Hatje Cantz, 2008. Eine zarte Auseinandersetzung mit Einsamkeit und Sexualität. Mit handkolorierten Fotos. Joost möchte, dass ich Federica kennenlerne, sie betreut die Fotografie bei Stevenson und arbeitet in der Dependance in Jo-Burg. Wir sprechen noch über die nächsten Messen, die Frieze, die Armory Show, und alle sind aufgeregt, dass Stevenson im Juni zum ersten Mal in Basel dabei sein wird.

Draußen ist es mittlerweile richtig heiß, ich zögere den Moment, in mein kochendes Auto zu steigen, noch etwas hinaus und gehe ins Café gegenüber. Flatmountain heißt es, und es ist eines von diesen trendigen Spots, in denen selbst geröstet und das „Brauen“ von Kaffee zur Kunst erhoben wird. Ich mag zwar lieber die dunkle, leicht verbrannte und ölige Espressovariante, die man aus Italien kennt, aber der Junge hinterm Tresen lächelt mich so charmant an, dass ich mal wieder einen Versuch starte. Noch ehe er mir meine Tasse hinstellt, ermuntert er mich, das „Coffee Magazine“ zu kaufen, für nur 35 Rand (ca. 2 Euro), die Tafel Schokolade, die daneben steht, gebe es umsonst dazu: „Lindt Excellence Roasted Sesam Dark Chocolate“. Ob ich die kennen würde. Klar, sage ich, ich komme aus Deutschland, die Schokolade ist aus der Schweiz, das ist ganz nah. Und ich denke an den Paradeplatz und den Sprüngli-Laden und wieder an meine Großmutter, mit der ich dort mal war und im ersten Stock Kuchen gegessen habe. Ich nehme also das Magazin und die Tafel, reiße das Papier auf und hole ein weiches Stückchen heraus, das sofort an den Fingern kleben bleibt, aber so kann ich auch den etwas säuerlichen Espresso trinken, er schmeckt gar nicht so übel. Ich biete dem Jungen auch ein Stück an und frage nach seinem Namen. Er klingt wie Zeus, buchstabiert sich aber mit T und s und ein h ist auch noch da, ich verstehe es immer noch nicht, da meint er nur: „Just call me Gosh like in ‚Oh my Gosh’“.

Gosh, Flatmountain Coffee, Woodstock, Kapstadt, 2015 ©Nadine Barth

Gosh, Flatmountain Coffee, Woodstock, Kapstadt, 2015
©Nadine Barth

Woodstock, Kapstadt, Dezember 2015 ©Nadine Barth

Woodstock, Kapstadt, Dezember 2015
©Nadine Barth

Auf dem Rückweg fahre ich noch ein bisschen durch die Stadt und an der Küste zurück. Bei Metro FM, dem HipHop & R’n’B-Sender läuft wieder dieser coole Track von DJ Merlon, „Ubugingqigingqi“, und das Stakkato durchschneidet die Luft, der Rhythmus ist ein Rhythmus der Bilder, Sequenzen, Graffitti und Performances, dem Sehen und Erleben, der Liebe und ihrer Energie, und der Moderator gibt uns noch das aktuelle Hashtag des Tages mit in den Nachmittag: #WeAreNotDoneYet. Und so geht es immer weiter. Durch Raum und Zeit und Emotion.

Woodstock, Kapstadt, Dezember 2015 ©Nadine Barth

Woodstock, Kapstadt, Dezember 2015
©Nadine Barth

Die Ausstellung geht bis zum 16.1.2016, www.stevenson.info

Worldtour #4: Hamburg, Haus der Photographie / Deichtorhallen

Installationsansicht "Sarah Moon" ©Henning Rogge / Haus der Photographie, Deichtorhallen

Installationsansicht “Sarah Moon”
©Henning Rogge / Haus der Photographie, Deichtorhallen

Die Beteiligten: Ausstellungsbesucher, eine Wärterin, zwei Französinnen
Anlass: Ein Sonntag während der Schau „Sarah Moon: Now and Then“ im Haus der Photographie, Deichtorhallen

Draußen ist es schon dunkel, und das Dunkle, Mysteriöse spiegelt sich sofort wieder in den Bildern, zieht mich rein in die Traumwelt der Sarah Moon. Moon, Mond, nicht ihr richtiger Name, sie hat ihn sich selbst gegeben, als sie im Paris der 1960er Jahre erst als Model, dann als Künstlerin arbeitete. Mondsüchtig, vielleicht, und ich denke an die Moon Salutations in Goa, die Vollmondparties. Es hat etwas Spielerisches, aber nicht Leichtes, das einen umfängt in diesen Bildern. Eher schwingt eine gewisse Melancholie mit. Ich war nicht zur Eröffnung da, sonst hätte ich Ingos Rede gehört, als er über die „Verunsicherung des Bildbetrachters“ sprach, darüber, dass die Künstlerin ihn, den Betrachter, herauswerfe „aus dem Raum der geordneten Identität in die Zeit des Zwiespalts und der chaotischen Differenz“. Ingo, das ist Ingo Taubhorn, der Kurator des Hauses der Phographie. Er und seine Co-Kuratorin Brigitte Woischnik haben das Lebenswerk der Sarah Moon zusammengetragen, 350 Werke und 5 Filme, ein Ritt durch ein Oevre, vielen bislang in seinem Umfang unbekannt.

Sarah Moon: "Fashion 9, Yohji Yamamoto, 1996" ©Sarah Moon

Sarah Moon: “Fashion 9, Yohji Yamamoto, 1996″
©Sarah Moon

Sarah Moon: "L’avant dernière pivoine" ©Sarah Moon

Sarah Moon: “L’avant dernière pivoine”
©Sarah Moon

Sarah Moon: "Ohne Titel", 2008 ©Sarah Moon

Sarah Moon: “Ohne Titel”, 2008
©Sarah Moon

Ich erinnere mich noch dunkel an die Cacharel-Anzeigen, die ich als Kind sah. Ich glaube, meine Mutter trug auch Cacharel, es war die Zeit des Flanells, des Taktilen, Flower, Love & Peace, und die verführerischen, leicht verschwommenen Frauen-Antlitze der Moon passten wohl gut in diese Zeit. Vielleicht läuteten sie auch schon einen Übergang zur bewussteren, sinnlichen Ära ein, die dem knallig Bunten der Sechziger, der Space Shuttle Ästhetik à la Barbarella eine gefühlvollere, auch zurückgenommenere Weichheit und Sinnlichkeit entgegensetzte, beziehungsweise sie dahin überführte.

Installationsansicht "Sarah Moon" ©Henning Rogge / Haus der Photographie, Deichtorhallen

Installationsansicht “Sarah Moon”
©Henning Rogge / Haus der Photographie, Deichtorhallen

Installationsansicht "Sarah Moon" ©Nadine Barth

Installationsansicht “Sarah Moon”
©Nadine Barth

Installationsansicht "Sarah Moon" ©Nadine Barth

Installationsansicht “Sarah Moon”
©Nadine Barth

Die Französin beobachtet die Wellen eines Bildes, fährt mit ihren Augen die Bewegung ab, eingefroren auf den Hundertstelsekunden-Moment der Fotografie. Ich bitte sie, mir den Text, der darunter steht, zu übersetzen:
„Elle, c’est seulement à la nuit tombée qu´elle venait nager au ras de la vague,/ dans l’espoir de le rencontrer./ Et puis, il y eut les grandes marées. Septembre arriva vite.“
Es geht um das Schwimmen mit den Wellen, im Einklang mit ihnen, um die Hoffnung, „ihn“ zu treffen. Um die Gezeiten, die besonders stark daherkommen, sicher einen extremen Wellengang mit sich bringen, und das schnelle Herannahen des „Septembers“, des Herbstes, plötzlich ist er da, wohl geht es um eine Liebe des Sommers, um die Leidenschaft und Intensität, ein Sich-Vergessen, bis es vorbei ist.

Installationsansicht "Sarah Moon" ©Nadine Barth

Installationsansicht “Sarah Moon”
©Nadine Barth

Installationsansicht "Sarah Moon" ©Nadine Barth

Installationsansicht “Sarah Moon”
©Nadine Barth

In der hell erleuchteten Halle gibt es diese Inseln vor den Bildern, in denen man ganz für sich sein kann, und die meisten Besucher bleiben immer wieder stehen, schaffen für sich einen Raum, um die Vertrautheit zu begreifen, das Private, das einzelne Fotografien mit ihren Aussagen bedeuten können. Manchmal, wenn sehr viele Bilder in unmittelbarer Nähe hängen, ist es wie ein Stakkato des Intimen, und so bleiben einige Besucher länger als sonst vor den Filmen sitzen, vielleicht, um sich zu sortieren. Im Spielfilm „Missisippi One“ von 1990 geht es um die Entführung eines Mädchens, das von einem psychisch labilen Mann auf dem Schulweg mitgenommen wird. Ein fragiles, seltsames Werk über Kommunikation, über Realität und Vergessen. Sehr zart, ein wenig verstörend. Vielleicht hätte man durch Licht noch ganz eigene Inseln schaffen können, sagt die Französin. Sie arbeitet mit Licht, sie kennt sich aus. Ja, sage ich, vielleicht, und dann sitzen wir noch ein wenig auf der Bank vor einem experminentellen Schwarz-Weiß-Film mit Blumenbildern.

Installationsansicht "Sarah Moon" ©Nadine Barth

Installationsansicht “Sarah Moon”
©Nadine Barth

Installationsansicht "Sarah Moon" ©Nadine Barth

Installationsansicht “Sarah Moon”
©Nadine Barth

Installationsansicht "Sarah Moon" ©Nadine Barth

Installationsansicht “Sarah Moon”
©Nadine Barth

Zum Abschluss zeigt mir meine Lieblingswärterin noch ihr Lieblingsbild. Ganz vorn hängt es, es ist anders als die anderen Bildern, größer, fast eine Malerei, und sie sagt, das ist meins, hieran kann ich einiges erklären, die Vielschichtigkeit, die Bezüge, und wenn Kinder kommen, das ist toll, sie sehen so viel. Überhaupt, schwärmt sie, ist diese Ausstellung wahnsinnig gut besucht, die Leute sind begeistert. In der Buchhandlung fragt dann eine andere Französin nach einem Buch über Sarah Moon, das kommt aber erst im Januar. Um 18 Uhr schließen die Hallen, es ist Zeit zu gehen. Als ich an der Binnenalster vorbeifahre, werfe ich eine kurzen Blick auf den leuchtenden Weihnachtsbaum auf dem Wasser, das so still und blau wie eine Eisfläche schimmert, auf das Alsterhaus dahinter, auf den Jungfernstieg, Lichter, wie getupft. Die Pressefrau wird mir ein Bild schicken, auf dem Sarah Moon dort fotografiert wurde. Aber das weiß ich in dem Moment noch nicht.

SarahMoon_13_©NadineBarth

Sarah Moon, Hamburg, 2015 ©Isabella Hager / Haus der Photographie, Deichtorhallen

Sarah Moon, Hamburg, 2015
©Isabella Hager / Haus der Photographie, Deichtorhallen

Die Ausstellung geht bis zum 21.Februar 2016. www.deichtorhallen.de

Worldtour #3: Amsterdam, Huis Marseille

Huis Marseille ©Nadine Barth

Huis Marseille
©Nadine Barth

Die Beteiligten: Martin Roemers (Fotograf), Maartje Wildermann (Agentin), Hans van Blommestein (Berater), Loek van Vliet (Post Productioner), Els Barent (Leiterin des Huis Marseille), Narda van ’t Veer (The Ravestijin Gallery), weitere Vernissagegäste
Anlass: Opening „Martin Roemers: Metropolis“ und „Dana Lixenberg: Imperial Courts. 1993–2015“ im Huis Marseille, Amsterdam

Es regnet. Ein Samstag Nachmittag in Amsterdam. Leute schieben sich durch die Fußgängerzonen, die Multi-Brand-Stores sind proppenvoll, in den Cafés werden Fritten serviert, es gibt Bier vom Fass. In einem Store kaufe ich noch einen runden Käse mit Kümmel, ich laufe durch die nassen Straßen, ducke mich unter die Häuservorsprünge. Mein Handy sagt mir, wo ich hin muss, Kaizersgracht, irgendwann bin ich da, steige die Stufen hoch zum Huis Marseille, es ist eines dieser hübschen Grachtenhäuser, eine rote schmale Fahne weht über dem Eingang. Schon sehe ich den Stapel „Metropolis“-Bücher, ganz frisch sind sie aus der Druckerei gekommen, ich habe noch gar kein Exemplar gesehen und streiche andächtig darüber. Martin sieht mich sofort, obwohl ich noch meine Mütze tief im Gesicht kleben habe, er freut sich wahnsinnig, die Überraschung ist gelungen. Zusammen blättern wir durch das Buch. Die Seiten glänzen, und er sagt, er ist froh, das ihn Julia zu dem Papier überredet hat. Julia Wagner ist die Art Directorin des Buches. Zusammen haben wir drei schon zwei Bücher von Martin gemacht. Das erste, „Relics of the Cold War“ erschien 2009, das zweite „Eyes of War“, 2012. Beide sind wie „Metropolis“ bei Hatje Cantz erschienen.

"Metropolis" von Martin Roemers. Art Direction: Julia Wagner. Editor: Nadine Barth. Verlag: Hatje Cantz

“Metropolis” von Martin Roemers. Art Direction: Julia Wagner. Editor: Nadine Barth. Verlag: Hatje Cantz

Installationsansicht "Martin Roemers: Metropolis", Huis Marseille ©Nadine Barth

Installationsansicht “Martin Roemers: Metropolis”, Huis Marseille
©Nadine Barth

Installationsansicht "Martin Roemers: Metropolis", Huis Marseille ©Nadine Barth

Installationsansicht “Martin Roemers: Metropolis”, Huis Marseille
©Nadine Barth

Dann gehen wir durch die Ausstellung, Martin zeigt mir stolz den „asiatischen“ Raum, hier hängen die Bilder aus Beijing, Shanghai und Guangzhou. Das Rot der lackfarbenen Holzverkleidung korrespondiert mit dem Rot in den Bildern, und ich muss an die Verbotene Stadt denken und das Rot, das als Farbe nur den Kaisern vorbehalten war. Wir gehen die Stufen hoch, jeder Raum hat eine andere Atmosphäre durch die anderen Städte, es geht um Metropolen, Millionenstädte, darum, dass bald zwei Drittel der Menschheit in „urban agglomeration“ leben werden, städtischen Gebilden, inklusvie Peripherien, und das macht natürlich etwas mit dem Menschen, er wird ein anderer, wenn die Natur so fern ist und das Zusammenleben eine Aufgabe und die “Stadt” als solche Inhalt des Seins. Und dass man in Beijing heute nicht mehr atmen kann, dass Städte wie Bangladesh und Dhaka unter ihren Einwohnern zusammenbrechen, dass Reich und Arm so nah beieinader liegen, das zeigt das Buch, wenn es ein Shopping-Foto vom Rodeo Drive in Los Angeles einer Autopanne in Mexico City gegenüberstellt, und auch in der Ausstellung hängen diese beiden Ansichten beieinander.

Installationsansicht "Martin Roemers: Metropolis", Huis Marseille ©Nadine Barth

Installationsansicht “Martin Roemers: Metropolis”, Huis Marseille
©Nadine Barth

Installationsansicht "Martin Roemers: Metropolis", Huis Marseille ©Nadine Barth

Installationsansicht “Martin Roemers: Metropolis”, Huis Marseille
©Nadine Barth

Huis Marseille_7_©NadineBarth

Gegen halb sechs beginnt die Ansprache von Els Barent, der Leiterin des Huis Marseille. Sie findet im Raum der Nachbarausstellung statt, von Dana Lixenberg, die eine Langzeitdokumentation über ein Schwarzen-Viertel zeigt, inklusive deren Lebensgeschichten, sehr berührend. Ich treffe Narda, eine befreundete Galeristin, die sagt, sie sei wegen Lixenberg hier, sie kenne die Arbeiten schon seit langem. Ich frage sie, ob es immer so voll sei bei diesen Eröffnungen, und sie sagt ja, that´s the place to be. Els stellt derweil die Protagonisten vor, es gibt Kurzinterviews, Blumensträuße werden überreicht, dann zerstreut es sich etwas, gefühlt wird es aber noch voller, weil noch mehr Leute hineinströmen, alle wollen diese Städte sehen, die Menschen, wollen fühlen, erleben, was Fotografie kann. Bilder, die bewegen.

Installationsansicht "Dana Lixenberg: Imperial Courts 1993-2015", Huis Marseille ©Nadine Barth

Installationsansicht “Dana Lixenberg: Imperial Courts 1993-2015″, Huis Marseille
©Nadine Barth

Ich suche Martin, weil ich noch ein Foto von ihm mit dem Buch machen will. Maartje, seine Agentin, besorgt eines, und wir gehen zu dem Motiv, das auch das Cover ziert. Martin lacht, ist gelöst, eine jahrelange Arbeit findet heute ihren Abschluss. Das erste Foto für die Serie machte er 2007, seit 2008 konzentrierte er sich darauf, fuhr in dutzende Länder, machte tausende an Fotos. Bis eines seinen hohen Ansprüchen genügte, brauchte es lang. An einige Orte kehrte er zurück, weil er noch nicht zufrieden war mit dem Ergebnis. 2011 bekam er für die Serie den World Press Award in der Kategorie „Daily Life“. Über die Jahre druckten die wichtigsten Magazine der Welt immer wieder Bilder aus „Metropolis“: Von der New York Times bis zu Geo, von der NZZ bis zur aktuellen Photonews.

Martin Roemers vor dem Bild "Madan Street and Lenin Sarani, Chandni Chowk, Kolkata, India, 2008" ©Nadine Barth

Martin Roemers vor dem Bild “Madan Street and Lenin Sarani, Chandni Chowk, Kolkata, India, 2008″
©Nadine Barth

Installationsansicht "Martin Roemers: Metropolis", Huis Marseille ©Nadine Barth

Installationsansicht “Martin Roemers: Metropolis”, Huis Marseille
©Nadine Barth

Installationsansicht "Martin Roemers: Metropolis", Huis Marseille ©Nadine Barth

Installationsansicht “Martin Roemers: Metropolis”, Huis Marseille
©Nadine Barth

Mein Lieblingsfoto war immer das Bild aus Delhi mit dem fahrenden Zug, der in einer Linie verschwimmt, sage ich zu Martin. Und dann mochte ich „Rodeo Drive“ sehr gern, weil es irgendwie anders ist als die anderen. Ja, das stimmt, sagt Martin. Das mag ich auch sehr. Und wir sprechen noch darüber, wie viele Details man plötzlich in den Bildern sieht, die man vorher nicht gesehen hat, ein Bettler vorn in New York, ein Handschlag zwischen zwei Männern am Gleis hinter dem verschwimmenden Zug. Und die Blumen in Guangzhou. Bougainvillea. Pink-rot-leuchtend hängen sie an der Balustrade eines Highways. Dann gibt es noch ein Gruppenfoto mit den Beteiligten des Buches. Und dann muss ich los, zum Flughafen und zurück nach Berlin. Die Straßen sind noch immer nass. Ich nehme die Tram.

Maartje Wildermann, Hans van Blommestein, Martin Roemers, Loek van Vliet, Nadine Barth ©Peter Gerritsen

Maartje Wildermann, Hans van Blommestein, Martin Roemers, Loek van Vliet, Nadine Barth
©Peter Gerritsen

Bookshop Huis Marseille ©Nadine Barth

Bookshop Huis Marseille
©Nadine Barth

Draußen regnet es immer noch. Amsterdam, Dezember 2015 ©Nadine Barth

Draußen regnet es immer noch. Amsterdam, Dezember 2015
©Nadine Barth

Die Ausstellung geht bis zum 6. März 2016. http://www.huismarseille.nl

Worldtour #2: Strassburg, La Chambre

Installationsansicht Érich Tabuchi "Carte Mémoire", La Chambre, Strassburg ©Nadine Barth

Installationsansicht Érich Tabuchi “Carte Mémoire”, La Chambre, Strassburg
©Nadine Barth

Die Beteiligten: Catherine Merckling (Koordination und internationale Beziehungen „La Chambre“, Strassburg), Besucher des Tages #10, #12 und #13, Aufsicht
Anlass: Ein normaler Ausstellungstag, kurz vor Schluss. Draußen tobt der Weihnachtsmarkt.

Das Licht ist hell, ist ein Versprechen. Lockt und ist gleichzeitig wie eine Wand, die man durchschreiten muss. Das Glitzermeer draußen, in dem man so schön umherirren kann, zwischen den Weihnachtsständen, unter den mit Lichtern geschmückten Fachwerkhäusern, den Girlanden aus Lämpchen und Zweigen, den kitschigen Figuren, dieses Meer verlasse ich jetzt kurz und gehe auf die Frau zu, die rauchend vor dem Eingang des La Chambre auf mich wartet.

Das La Chambre ist eine Art kommunale Galerie, gefördert vom französischen Staat und privaten Gönnern, der Eintritt ist frei, Werke können zwar gekauft werden, das steht aber nicht im Vordergrund. Es geht um Vermittlung fotografischer Postitionen, pro Jahr gibt es eine historische Ausstellung und eine mit Nachwuchskünstlern. Die würde man auch auf ihrem weiteren Weg beobachten. Das erzählt mir Catherine, während wir durch die Ausstellung gehen – ein krasser Gegensatz zu der flockigen Christmas-Nummer draußen.

Installationsansicht Érich Tabuchi "Carte Mémoire", La Chambre, Strassburg ©Nadine Barth

Installationsansicht Érich Tabuchi “Carte Mémoire”, La Chambre, Strassburg
©Nadine Barth

Installationsansicht Érich Tabuchi "Carte Mémoire", La Chambre, Strassburg ©Nadine Barth

Installationsansicht Érich Tabuchi “Carte Mémoire”, La Chambre, Strassburg
©Nadine Barth

Installationsansicht Érich Tabuchi "Carte Mémoire", La Chambre, Strassburg ©Nadine Barth

Installationsansicht Érich Tabuchi “Carte Mémoire”, La Chambre, Strassburg
©Nadine Barth

Éric Tabuchi heißt der Künstler. Dänisch-japanischer Herkunft. Geboren 1959 in Paris. Ein Konzeptfotograf. Sehr anspruchsvoll. Nachdenklich. Später werde ich im Netz lauter Topographische Reihen von ihm finden, von Lastwagen-Hecks auf Autobahnen bis zu Bunkern. Hier hat er sich während seines Aufenthaltes in Straßburg in einer Residenz der Universität gewidment. Video-Installationen reflektieren den Alltag der Forscher, Fotos von heute mischen sich mit gefundenen Ansichten aus der Historie. Eine Speicherkarte. Carte Mémoire.

Dass die Ausstellung etwas schwierig sei für die Besucher, gibt Catherine zu, daher würden nicht so viele Leute kommen. Beim deutschen Fotografen Frank Kunert und seiner Ausstellung „Wunderland“ war das anders: Da kamen ungefähr 3.000. Das Mädchen, das die Aufsicht macht, schaut nach und sagt mir die genaue Zahl. Und wieviele waren heute da, frage ich? Naja, 10, sagt sie. Ich bin also Nummer 11, lache ich. Ja, genau. In diesem Moment kommt ein Mann mit wirren weißen Haaren herein. Er ist Nummer 12, denke ich.

Installationsansicht Érich Tabuchi "Carte Mémoire", La Chambre, Strassburg ©Nadine Barth

Installationsansicht Érich Tabuchi “Carte Mémoire”, La Chambre, Strassburg
©Nadine Barth

Installationsansicht Érich Tabuchi "Carte Mémoire", La Chambre, Strassburg ©Nadine Barth

Installationsansicht Érich Tabuchi “Carte Mémoire”, La Chambre, Strassburg
©Nadine Barth

Catherine zeigt mir noch das auf die Wand aufgebrachte Foto eines großen Turmes. Es gebe zwei hohe Gebäude in Strassburg, eines ist die Kathedrale, das andere dieser Turm, Chemie-Turm nennen sie ihn. Er gehört zur Universität. Viele finden ihn häßlich, sagt sie. Ich dagegen bin begeistert. Ist das Foto aus den Siebzigern, frage ich. Die Autos, die Ente, das könnte sein. 1962, sagt sie. Was? Da gab es das Auto schon?

Installationsansicht Érich Tabuchi "Carte Mémoire", La Chambre, Strassburg ©Nadine Barth

Installationsansicht Érich Tabuchi “Carte Mémoire”, La Chambre, Strassburg
©Nadine Barth

Installationsansicht Érich Tabuchi "Carte Mémoire", La Chambre, Strassburg ©Nadine Barth

Installationsansicht Érich Tabuchi “Carte Mémoire”, La Chambre, Strassburg
©Nadine Barth

Dann schauen wir noch die Skulptur-Serie an, der Wellenbrecher, den Tabuchi an verschiedenen Orten platziert, so auch in eine Einkaufszone mitten zwischen eine Familie, die dort auf Sofas chillt. Im Ambiente der Aufbruchsjahre. Zeiten, Formen, Geflechte verwirren sich. Und in das Regal eines Forschers mischen sich die Weihnachtslämpchen von draußen.

Wir sprechen noch kurz über das nächste Jahr, über eine Schau mit koreanischen Künstlern, Korea ist das Land des Jahres 2016 in Frankreich. Ach, das wusste ich gar nicht, sage ich, und erzähle Catherine von dem Buch über „Contemporary Korean Photography“, das wir bei Hatje Cantz im Frühjahr herausbringen.

Als ich gehe, kommt Besucher #13.

Ich komme an einem Café namens „Berlin“ vorbei, und gönne mir einen weißen Glühwein, der mit Zitronen- & Orangenscheiben garniert ist. Nebenan werden in einer Boulangerie frische Hefezöpfe gebacken. Eigentlich sollte jetzt um 19 Uhr eine Jazzband spielen, aber als ich nochmal auf die Tafel schaue, ist die Schrift weggewischt. In diesem Jahr ist alles anders, die Stadt ist abgesperrt, Taschenkontrollen, die Straßenbahnen halten nicht im Zentrum, Soldaten patroullieren. Der Weihnachtsmarkt schließt gegen 8. Das Credo Frankreichs „Liberté, Egalité, Fraternié“ bleibt.

Strassburg, Weihnachtsmarkt 2015 ©Nadine Barth

Strassburg, Weihnachtsmarkt 2015
©Nadine Barth

Strassburg, Weihnachtsmarkt 2015 ©Nadine Barth

Strassburg, Weihnachtsmarkt 2015
©Nadine Barth

Strassburg, Weihnachtsmarkt 2015 ©Nadine Barth

Strassburg, Weihnachtsmarkt 2015
©Nadine Barth

Die Ausstellung geht bis zum 20.12.2015. www.la-chambre.org

Worldtour #1: Berlin, Helmut Newton Foundation

Greg Gorman, June Newton, Matthias Harder Pressekonferenz 3.12.2005 ©Nadine Barth

Greg Gorman, June Newton, Matthias Harder
Pressekonferenz 3.12.2005
©Nadine Barth

Die Beteiligten: June Newton (Witwe von Helmut, selber Fotografin unter dem Namen „Alice Springs“, Greg Gorman (Fotograf), Matthias Harder (Kurator Helmut Newton Foundation). Diverse Journalisten, Fotografen, Kuratoren.
Anlass: Pressekonferenz der Ausstellung „Helmut Newton: Pages from the Glossies / Greg Gorman: Color Works“.

Eigentlich ist es nicht wichtig, um welche Ausstellung es geht. Es ist immer wichtig. Der Ort, die Beteiligten. Berlin. Das Erbe von Helmut. Die Aura, die dem Ganzen beiwohnt.

Das Prozedere: Auftritt June Newton. Punkt 11. Die Journalisten in Hab-Acht-Stellung. Die Fotografen mit geladenen Akkus. Blitzlichtgewitter. Dass es diesmal erst nach 11 anfängt… Unruhe macht sich breit. June, es gehe ihr nicht gut. Ansage, sie komme gleich. Noch fünf Minuten. Dann kommt sie, wird hereingerollt im Rollstuhl, links von ihr nimmt Greg Platz, rechts von ihr Matthias. Sie scheucht die Fotografen weg, unwirsch, und doch, sie genießt die Aufmerksamkeit. Man richtet ihr das Mikro. Sie fängt an, die Fäden zu ziehen. Alle Augen sind auf sie gerichtet. Dass sie es unfair gefunden hätte, nicht zu kommen, wo wir doch alle hier seien. Unsere Familien zu Hause verlassen hätten. Weite Wege auf uns genommen hätten. Daher sei sie hier. Und in ihrem sonst etwas verkniffenen Gesicht macht sich ein mildtätiges Lächeln breit.

Ask questions, ruft sie dann forsch, entertain me! Und ein paar trauen sich. Greg lächelt dazu, er antwortet smart, er lässt ihr den Vortritt. Matthias moderiert, manchmal flüstert er June etwas zu, richtet dann das Wort an die Meute. Sie saugen gierig alles auf, lachen mit, machen Notizen.

Geht es um die Kunst?
Geht es um die Fotografie?

Es geht um Helmut. Immer wieder. Um seine Art, die Dinge zu sehen. Um seine Art, die Frauen zu sehen.

Helmut Newton: Queen, 1968. ©Helmut Newton Estate

Helmut Newton: Queen, 1968.
©Helmut Newton Estate

Helmut Newton: The Story of O, American Vogue, 1975. ©Helmut Newton Foundation

Helmut Newton: The Story of O, American Vogue, 1975.
©Helmut Newton Foundation

Gun for Hire. So hieß mal eine Ausstellung. Daran erinnert June, als jemand nach dem Verhältnis von Auftragsarbeit, Mode und Geld fragt. Er hätte auch Milchkannen fotografiert, wenn man ihn damit beauftragt hätte. Sagt sie. Und jemand meint: Und doch sehen wir hier mehr Frauen als Milchkannen.

Natürlich war Helmut eine Inspiration für Greg. Natürlich haben sie aber ganz anders fotografiert. Die Nähe vielleicht zum Subjekt, das Licht, das den Körper umschmeichelt – vielleicht begegnen sie sich dort. Dass Helmut der Grund war, warum Greg zu fotografiern begann… Nunja. Eine schöne Geschichte.

Greg Gorman: Mick Jagger, Daylight Wall, Los Angeles, 1984. ©Greg Gorman

Greg Gorman: Mick Jagger, Daylight Wall, Los Angeles, 1984.
©Greg Gorman

Greg Gorman: Grace Jones, Close Up, Los Angeles, 1989. ©Greg Gorman

Greg Gorman: Grace Jones, Close Up, Los Angeles, 1989.
©Greg Gorman

Was wichtig ist bei den Präsentationen in der Helmut Newton Foundation: Das Beziehungsgeflecht. Helmut ist das Zentrum, der strahlende Stern, von ihm, zu ihm, laufen die Strahlen. Freunde, Weggefährten, Einflüsse. Gerade ging die Ausstellung „Newton-Horvat-Brodziak“ zu Ende. Helmut Newton und Frank Horvat fotografierten zur gleichen Zeit für die französische Vogue, sie kannten und schätzten sich. Szymon Brodziak war der junge Vertreter, der Helmuts Linie irgendwie in die Neuzeit übersetzte. Einst gab es eine Ausstellung mit dem Titel „Men, War & Peace“, darin neben Helmuts Fotos auch die des Kriegsfotografen James Nachtweh und des Fashion- & Pop-Fotografen David LaChapelle. Eine gewagte Kombination, die aber auch ihre Reize hatte. Oder „Wanted“, die wie eine Wild-Western-Suchmeldung aufgemacht war, neben Helmut waren noch das Infant Terrible Larry Clark und der Erotikästhet Ralph Gibson „zur Fahndung“ ausgeschrieben.

Ich glaube, meine Lieblingsausstellung dort war „Fired“. Da ging es um die Zeit, als Helmut aus der Gunst der französischen Vogue entlassen wurde. Er hatte es 1964 gewagt, für das Magazin „Queen“ die damals unerhörte und revolutinonäre Kollektion von Courrèges zu fotografieren. Fünf Jahre lang hielt dieser Bann, doch in der Zeit entstanden witzige, ungewöhnliche Arbeiten – für Elle, Nova oder MarieClaire. Ich mochte den Side-Kick, dieses Infrage-Stellen dieses wichtigsten Magazins, für das er dann ab 1969, als Francine Crescent Chefredakteurin der Pariser Vogue wurde, wieder arbeitete.

Helmut Newton: Pages from the Glossies. Installation View.  ©Nadine Barth

Helmut Newton: Pages from the Glossies. Installation View.
©Nadine Barth

Und dann, während ich noch in den Erinnerungen schwelge, sagt June einen Satz, der alles ins rechte Licht rückt. „That’s all history, but it was a great history.“

Das, nachdem eine zu junge Journalistin fragen mochte, wie June Social Media, Facebook & Instagram bewertet… Nunja, klar, June lässt einen Freund für sich antworten: Das ist alles nicht wichtig. Man möchte sich vorstellen: Helmut und June hatten in ihrer wichtigsten Schaffensperiode kein Handy. Und kein Internet. Keinen Computer. Und sie haben analog fotografiert. Und ein großes Werk geschaffen.

Greg Gorman: Color Works. Michael Jackson.  ©Nadine Barth

Greg Gorman: Color Works. Michael Jackson.
©Nadine Barth

Ob er analog oder digital arbeite, fragt dann noch jemand Greg. Und der, wiederum smart ass, sagt, seit 2001 fotografiere er digital. Man könne sich dem nicht mehr verschließen. Photosphop etc. Doch manchmal, da greife er noch zu seiner analogen kleinen Kamera: Wegen der Zwischentöne, dem Nicht-Scharfen, dem Moment, in dem Emotionen entstehen. Er sagt dies in einem Nebensatz, und die Journalisten begreifen so schnell nicht die Tiefe und auch die Wehmut dieser Aussage, schon ist die Aufmerksamkeit wieder bei June, die von ihrer Ausstellung im Musée de la Photographie in Paris demnächst erzählt, das ihre Werke, also die von Alice Springs zeigen würde, anschließend kämen sie dann nach Berlin. Da blitzen wieder die Kameras. Und June sagt: „Oh, Klick Klick, that used to be such a happy sound.“

Die Ausstellung geht bis zum 22. Mai 2016. www.helmutnewton.com

Bookshop Helmut Newton Foundation. ©Nadine Barth

Bookshop Helmut Newton Foundation.
©Nadine Barth

Hamburg

morat_michaellange_R7808_2013

While the gallery has moved to Berlin in summer, we still operate the showroom in Hamburg, open Friday and Saturday 12 – 6pm. So on my way there today.

The current show there is Michael Lange’s “Fluss“ (“River“).The project is a consistent sequel to his former “Wald” series, examining nature and aiming to find stillness and order. “River” focuses on the Rhine and the adjacent meadows of the Upper Rhine in the south of Germany. Between 2012 and 2014 Lange spent three years, working in the late fall and winter seasons, mostly shooting in the early monring hours at the break of dawn.

Lange says about his work: “To lose myself in situations and images, to indulge in the longing for stillness is a major element of my artistic work. My works are intimate encounters.“

morat_michaellange_R3909_2012

morat_michaellange_R10772_2014

 

 

Berlin

Patterson-telephone_deconstruction_001

Back in Berlin, the gallery work continues. For it’s last week on show at our gallery in Linienstraße, the current exhibit is Christian Patterson’s “Bottom of the Lake”.

Patterson-the_brass_lantern

Christian Patterson gained international critical acclaim five years ago for his series “Redheaded Peckerwood”. The book received multiple awards, the Rencontres d’Arles Book Author Award 2012 amongst others. A year later, in 2013, Christian Patterson received the prestigious Guggenheim Foundation Fellowship.

In his new work titled “Bottom of the Lake”, Christian Patterson revisits his hometown of Fond du Lac, Wisconsin (French for “Bottom of the Lake”) and weaves together visual threads related to the town’s iconography, climate and culture. A 1973 telephone book from Fond du Lac serves as leitmotif. Patterson employs the same strategies that made his prior work, “Redheaded Peckerwood”, such a success, mixing large-format colour landscapes, black-and-white snapshots, appropriated and manipulated archival images, and studio still lifes. In addition the work contains interactive sculptural objects, such as a blue dial plate telephone, which plays sound files that the artist recorded during his field work.

Christian Patterson, born 1974, lives and works in New York. A monograph titled “Bottom of the Lake” is published by Koenig Books.

Patterson-telephone_deconstruction_003

Paris

IMG_4337

 

Paris Photo at Grand Palais, on Saturday November 14, around 1pm. This is usually pretty much the busiest time at the fair. After the horrific, barbaric terrorist attacks in Paris on Friday night, the fair closed it’s doors and walking the empty aisles on the morning after made all of us feel devastated, frustrated, numb, angry and sad, all at the same time.

Paris Photo provides a virtual tour of the fair on it’s website, the ghostly emptiness of the building is representative of the feeling of being in Paris that day:

http://www.parisphoto.com/paris/news/take-a-virtual-tour-of-the-2015-fair

 

Paris

image3

Installation day at Paris Photo! Very happy with our booth and excited to be showing “The Alphabet of New Plants” by Robert Voit! Hatje Cantz is launching the book here at the fair this week and we are thrilled to show this selection from the project!

Hamburg

Hamburg storag

A glimpse behind the scenes – this is a look into our Hamburg storage and yes, we have an issue with space! There is a great quote by Liza Minnelli: “Show Business is like a hospital gown – looking from behind, it’s a sorry sight!”

Most of what you see in this snap shot are the pieces packed and ready to be shipped off to Paris for our booth at Paris Photo! The fair kicks off Wednesday and we are on our way today!

Hamburg

image

November is always the busiest month in our gallery calendar. With the fall openings in both our gallery locations in Hamburg and Berlin in September, November mostly sees two openings of follow up shows AND preparations for the year’s most important fair, “Paris Photo”, kicking off next Wednesday!

For us, the month started Friday night with the opening of Michael Lange’s FLUSS exhibition in Hamburg. It is already our third exhibition of Michael’s work and an opening that I had been looking forward to. The gallery has shifted activities to Berlin this year, I moved and live in Berlin now and it was great to be catching up with our Hamburg circle of friends and collectors and….with a great group of people at the post-opening dinner….well, it got late!

Keith Arnatt said he’s a Real Artist. And A Real Photographer.

Keith Arnatt said he’s a Real Artist. And A  Real Photographer.

This is my selection of a fascinating, curious and in places beautiful series of photographs from the many in Keith Arnatt’s collection. One of the UK’s leading Conceptual artists (1930 – 2008), I’ve put him into an overview of his intriguingly changeable and even impulsive works covering nearly five decades. Visible shifts, disappearances, changing locations, contexts, methods and processes, all assemble to complete making unpredictable Art works.

From his early years of painting in the 1950s, Arnatt moved into the next decade and landed amongst the birth of Conceptual art. From there, Claes Oldenburg and many others moved outdoors and worked by buildings and in landscapes, all of which lured him into the new Land Art. Oldenburg’s materially sculptural pieces contrasting with Arnatt’s move to photography and the second dimension of prints.Keith Arnatt, The Absence of the Artist, 1968

The Absence of the Artist, 1968. 

          I’m a Real Artist, 1969-72.

  I’m a Real Artist, 1969-72.

A feature from that time shows the fashion for sans serif texts which Arnatt jumped at here in “The Absence of the Artist” (1968) and later, “I am a Real Artist” and later still, “I am a Real Photographer.” These humorous and series of titles suggest and deny his existence. Posing against that wall with the tiny board, he made a statement of pride and perhaps sarcasm.     

Keith Arnatt, Self-Burial with Mirror, 1969Self-Burial with Mirror, 1969.

Here, Keith Arnatt is facing the moment before he was dug deeper into the earth but paused by a friend positioning him in a mirror where we viewers, see his soon invisibility. Mirrors played a major part in that decade and after that burial experience, he distracted and confused other constructions in dug-out boxes. But below is the full story.

Keith Arnatt, Self-Burial, 1969

Self-Burial, 1969

The most famed and familiar work by Keith Arnatt is expressed in this piece. It’s a frightening, beautifully designed art work waiting to be de-materialized. His method for building the subject into it nine-piece grid, “Self-Burial, 1969,” marks the vanishing point. The landscape changed as the soil was dug out and a sculptural mound left. At the sealed ground where Arnatt stood upright, deep under the earth and breathing through a pipe, it almost suggests a game. But today, that raises images of the gruesome ISIS burials of people alive as seen in the film “Timbuktu.”

Claes Oldenberg. “Invisible Sculpture,” Central Park, New York, 1967

Claes Oldenberg. “Invisible Sculpture,” Central Park, New York, 1967

In New York, two grave-diggers emptied a trench then filled it; that was described as ‘Invisible Sculpture,’ while Arnatt developed became more complex and more vulnerable by moving inside the earth.

Keith Arnatt, Mirror-plug, 1968 “Mirror Plugs, 1968”

In this situation, mirrors became a highly passionate hands-on process for Arnatt. Here, we’re watching a patch of grass cut out and chunks of soil dug out and then mirrors line a pit and new processes fill his new conceptual plans. The different approach via Land Art leaves him with obvious pleasure in shaping the constructed boxes – invisible and intangible but seemingly realistic for the third dimensional images on this screen.

Artist's Piss 2 Artist's Piss 1

Artist’s Piss, 1961

This irresistible diptych carries the look of a Rorschach test in this spray of piss. They create a wonderful pair of silhouetted shadows where the straggly octopod’s legs sprawl down the wall and across the pavement next to Arnatt’s back door. They suggest sinister spurts of black blood. During the similar time, Andy Warhol presented his version in ‘Piss Paintings’ but his were on canvases and lack the depth of beauty or substantiality that Arnatt possessed.

Keith Arnatt, Portrait of the Artist as a Shadow of his Former Self, 1969

 

Portrait of the Artist as a Shadow of his Former Self, 1969-72

This scene in a similar Piss Street, set up by Arnatt to outline his shadow with chalk and filling his shape with semi-transparent black paint. The figure is almost convincingly three dimensional but for the black ghost’s transparency against the wall. A recent connection links to today’s Dutch photographer, Vivien Sassen who builds exquisite play and body shapes using dazzling colours and stunning sunlight in her versions of these silhouettes.  

On “Miss Grace’s Lane,” the ‘Untitled’ images are “Pictures from a Rubbish Tip, 1988-89”       clip_image022[2] clip_image023[2]

On “Miss Grace’s Lane,” the ‘Untitled’ images are “Pictures from a Rubbish Tip, 1988-89”       

This a final phase of Keith Arnatt’s work, photographs taken in country lanes (including Miss Grace’s). There, with his first colour series, he produced some of the richest aided by natural light. The subjects he found abandoned were lying on the ground, amongst bushes and leftovers from slimy spaghetti, mouldy bread, and rotting meat to torn clothing. Ironically, his incredible colours resemble the abstract paintings which loop him back to his early Expressionist years.

Here’s a quote from Keith Arnatt about a couple of his works. He wrote: “An interest in illusion (and delusion), in the sense of creating a false impression runs through much of my work. For example, the “Self Burial” photographs create the illusion that something is happening to me. And, in the later “Keith Arnatt is An Artist,” I consider the illusion –or possible delusion – of “being an artist.” Another connection is with the idea of absurdity.”

All photographs are Copyright of the Keith Arnatt Estate.

 

Blog # 1 – LAURA EL-TANTAWY

The Shadow of the Pyramids: Laura El-Tantawy’s Egyptian Journey.

I met Laura El-Tantawy in Cairo in 2012 but strangely, I was there to write about a Rolex mentoring project with Gilberto Gil, Brazilian superstar and former Minister of Culture, and Gaza’s popular singer, songwriter and musician in Cairo, Dina El-Wedidi. I sat in on their rehearsals in an indie studio watching preparing new songs for the Cairo Jazz Festival, and their work ran curiously in parallel with Laura’s photographs and writing.

Laura El-Tantawy, photographer, writer, artist.

For our meeting, Laura and I headed to the grandiose Zamalek district where we caught a Costa coffee because cafes on the banks of the Nile were closed or abandoned. Emptied tourist boats bobbed while we discussed the current crisis in Egypt and studied her photographs from the Cairo protests in Tahrir [Liberation] Square. That vast space is known to everyone there for January 25th, 2011 where hundreds of thousands of protesters began to shake the country just two months after Tunisia’s birth of the Arab Spring. Tents and flags and masses of people singing and shouting filled the air with joy and hope, but later on, fear. The intention was to eradicate the corrupt, brutal President, Hosni Mubarak and it worked: he was imprisoned in 2013.

On another January night as Laura moved amongst the crowds, the city’s ‘Underground’ bands and singers including Dina, were radiant with her new songs and the traditional ones from elderly women in desert villages. Singing to the crowds, she said, “It had been “The beginning for me.” And similarly, Laura told me of her life’s new identities.

Laura’s background shifted across countries from birth in England to grown teenaged years, then the family moved back to Cairo, then Saudi Arabia, then Cairo. She studied and graduated in the US, and in 2002 began her career in newspaper Photo-Journalism. Hearing about the growing protests in Egypt, she fled home and entered the Square – with her camera. “It was a moment when my past, present and future came together as never before,” she said. “In the Square, I found my dreams and I found myself again; the essence of Egyptian identity and my desire to reconnect with a country I no longer knew, my country of origin.”

  

Victims of attack cluster together on the ground under dark, reddish lighting, one with a bloodied hand, another a bandaged head, and the scene resembles a Caravaggio painting for its colours, lighting and composition.

The beautiful blur of waving flags and the chaotic vision of the distant women, almost suggests double exposure.

   

These tents in Tahrir Square are reminders of the vast numbers being lived in around the entire world today.

Faces of a Revolution; A Room of Faces.

From 2011 to 2005, Laura worked close to the crammed people to capture expressions. In 2012, the Liverpool Photography Festival “Look!” invited her to exhibit her portraits of protesters in Tahrir Square. She lined the room with her small prints which expose their intimacy, emotion, sadness, anger, loss and hope. I asked Laura how she got permission to get such close shots with people in such distress and were they aware of the camera. She explained that most were captured at candid moments and most unaware of the lens. “Usually I try to get through the crowds,” she said, “And always try to speak to the person I photographed, to understand the story behind the emotion I captured.” After that description, she added:  “In their faces, I see my own.”