Anika Meier

Anika Meier lebt und arbeitet als freie Autorin in Hamburg. Für das Monopol Magazin schreibt sie über Kunst und soziale Medien, auf „artefakt" bloggt sie über Kunst, Literatur und Internetphänomene, auf Instagram ist sie als @gert_pauly unterwegs und spielt mit der @thisaintartschool. Sie ist Spezialistin für Dog Content und geht gern im Regen spazieren.

Anika Meier lives and works in Hamburg. She writes about art and social media for Monopol Magazin and for anyone who needs texts to do with books, photography, art and Instagram. When she's not checking her phone, she reads, blogs for artefakt and plays with This Ain't Art School on Instagram. She is a specialist for dog content and loves to go for a stroll in the rain.

This Ain’t Art School: Wie Instagram und Fotografie zusammenkommen

Ist Instagram wirklich so langweilig? Posten alle nur Selfies und Essen? This Ain’t Art School zeigt einen Weg aus der Krise. 

Als ich mit einem Stipendium für meine Doktorarbeit für ein Jahr nach Paris ziehen konnte, nahm ich mir vor, die Stadt kennenzulernen. So richtig. Woody Allen hatte sich mit seiner romantischen Liebeskomödie „Midnight in Paris“ gerade in die Goldenen Zwanziger zu den großen Künstlern und Legenden der französischen Hauptstadt zurückgeträumt – seine Bilder von Straßen und Plätzen, von der Nacht und den Lichtern flimmerten vor meinem inneren Auge, während ich meine Koffer packte. Also kaufte ich mir eine Kamera, damit ich beim Flanieren genauer hinsehe und meinen Freunden und der Familie zu Hause zeigen kann, wie es ist, dieses Paris, dieser Sehnsuchtsort. Die teure Kamera kam in diesem Jahr nicht zum Einsatz. Ich hatte sie fast nie dabei. Dafür aber mein Smartphone und die App Instagram, mit der ich damals wie so viele andere meine Fotos einfach nur bearbeitete. Über jedes Bild legte ich einen Retro-Filter, um der Vergangenheit so nah sein zu können wie Woody Allens Gil, der dafür nur nachts in eine Limousine steigen musste. Da ich weit weg von zu Hause war und alles interessanter zu sein schien als der deutsche Dichter, mit dem ich mich für meine Doktorarbeit befassen wollte, blieb mir viel Zeit, mich mit meinem Smartphone, der Bildbearbeitung und dem – wie ich bald merkte – sozialen Fotonetzwerk Instagram zu befassen.

Paris sagt: "Love Me". Das Foto habe ich Jahre später gemacht, als ich längst wieder in einer deutschen Großstadt wohnte und Retro-Filter schon out waren auf Instagram.

Paris sagt: “Love Me”. Das Foto habe ich Jahre später gemacht, als ich längst wieder in einer deutschen Großstadt wohnte und Retro-Filter schon out waren auf Instagram.

Heute, fast sechs Jahre später, sind 300 Millionen Menschen täglich auf Instagram aktiv, 95 Millionen Fotos und Videos werden geteilt und 4.2 Milliarden Likes vergeben. Nie war es einfacher, mit Bildern zu kommunizieren und sie zu konsumieren. Nie konnte man sich schneller als Fotograf oder Künstler ohne an den Hütern des Tempels der Kunst vorbei zu müssen einen Namen machen oder sich zumindest so nennen und sich sicher sein, dass schon irgendwer zur Kenntnis nehmen wird, was man ist. Ein Fotograf zum Beispiel, schließlich steht es so im Profil auf Instagram geschrieben und die Facebook-Fanpage sagt auch nichts anderes. Und die Follower, die täglich zustimmend nickend, während sie zwei Mal mit dem Daumen auf das Display des Smartphones tippen, ein Like mehr, ein „WOW“ mehr, das auch immer noch schnell in das Kommentarfeld gehämmert werden muss. Das ist die Bestätigung, man kann es, das mit der Fotografie. 100 Likes lügen nicht. Während auf dem Kunstmarkt der Preis eines Kunstwerks vermeintlich Auskunft gibt über dessen Qualität, sind es in den sozialen Medien die Followerzahlen oder auch die Likes und die Kommentare, die ein Foto sammelt.

Dino Kuznik / @dinokuznik, Arizona Pastels, 2016. Bei This Ain't Art School zeigen wir unter dem Hashtag #taastakeover Arbeiten ausgewählter Fotografen und führen mit ihnen kleine Interviews, die wir auf Instagram teilen.

Dino Kuznik / @dinokuznik, Arizona Pastels, 2016. Bei This Ain’t Art School zeigen wir unter dem Hashtag #taastakeover Arbeiten ausgewählter Fotografen und führen mit ihnen kleine Interviews, die wir auf Instagram teilen.

Bis vor etwas über einem Jahr gab es auf Instagram noch die Liste der vorgeschlagenen Nutzer. Wer Instagram in irgendeiner positiven Form aufgefallen war, wurde ein paar Wochen lang auf die Suggested User List gesetzt. Meist waren das zwei Wochen, in dieser Zeit wurden zwischen ca. 15.000 und 150.000 Followern gesammelt. Und da schon bald klar war, dass Geld verdienen kann, wer viele Follower hat, oder man sich zumindest instafamous fühlen kann, arbeiteten viele Nutzer darauf hin, auf diese Liste zu kommen. Sie gingen zu InstaMeets, organisierten selbst solche Treffen, wünschten ihren Followern täglich einen schönen Guten Morgen und ein erholsames Wochenende und posteten Fotos, die zur Lifestyle-Oase Instagram passten und zu einem warmen Werbeumfeld beitrugen.

(Für Zeit Online habe ich kürzlich aufgeschrieben, wie sich mit Instagram Geld verdienen lässt und warum das nicht unbedingt so cool ist, wie es klingen mag.)

Ich fand das ziemlich langweilig, denn obwohl das Medium auf Instagram Fotografie ist, ging es nicht darum. Alle machten sehr ähnliche Fotos, fotografierten symmetrisch U-Bahnstationen, kitschige Sonnenuntergänge und Wendeltreppen, weil Kevin Systrom, einer der Gründer von Instagram sagte, das Hashtag #theworldneedsmorespiralstaircases möge er besonders gern.

Als ich dann in Berlin beim ersten großen internationalen InstaMeet war und es nur um Likes und Followerzahlen ging, kam ich nach der Lektüre eines Interviews im System Magazin auf die Idee, etwas zum Thema Fotografie zu machen. Juergen Teller sprach mit Hans Ulrich Obrist über seine Tätigkeit als Professor an der Akademie in Nürnberg und erzählte, welche Aufgaben er seinen Studenten gibt. Amazing, dachte ich, das machen wir auf Instagram. Eine Freundin und ich posteten also, wer mitmachen wolle, melde sich bitte per Privatnachricht, wir geben die Aufgaben raus, Fotos bitte unter dem Hashtag #juergentellerassignment teilen. Offenbar fanden Instagram noch ein paar mehr Leute langweilig.

Maria Moldes oder Martin Parr? Maria Moldes aus Spanien, auf Instagram: @mariamoldes. Sie möchte sich nicht über die Menschen lustig machen, ganz im Gegenteil, am Strand kann jeder so sein, wie er mag, das Gefühl sollen ihre Fotos vermitteln.

Maria Moldes oder Martin Parr? Maria Moldes aus Spanien, auf Instagram: @mariamoldes. Sie möchte sich nicht über die Menschen lustig machen, ganz im Gegenteil, am Strand kann jeder so sein, wie er mag, das Gefühl sollen ihre Fotos vermitteln.

Jedenfalls meldeten sich in wenigen Stunden über 50 Leute – also legten wir einen Account an und teilten die Aufgaben öffentlich. Innerhalb von knapp vier Wochen kamen über 2.000 Fotos von Teilnehmern aus der ganzen Welt zusammen, Kunstmagazine wie Monopol und art berichteten, ich gab im Radio Interviews, jetzt.de schrieb über die große Kunstklasse auf Instagram und Modeblogs wie Dandy Diary berichteten. Da alle Spaß hatten und wir auch, ging es unter dem Namen This Ain’t Art School. Seit drei Jahren gibt es jeden Monat eine neue Aufgabe, meist schauen wir uns das Werk eines Fotografen an und überlegen, was auf Instagram funktionieren könnte. Museen denken ja sehr oft, ach, cool, machen wir mal irgendwas auf Instagram, was irgendwie total super sein könnte. Meist finden das dann aber nur die Museen selbst total super. Sehr oft ist das auch sehr schade. Ein Beispiel: Aktuell hat das Kölner Museum Ludwig dazu aufgerufen, unter dem Hashtag #kunstausdemleben Fotos vom Tisch nach dem Essen zu teilen. Passt nicht so ganz zum sozialen Fotonetzwerk Instagram und dem, was die Nutzer auf ihren durchkuratierten Accounts sonst so aus ihrem Alltag zeigen. Die Autorin und Journalistin Kathrin Wessling hat sich auch vor ein paar Wochen etwas überlegt, das gegen den Perfektionismus, die Selbstdarstellungssucht und die viel zu aufgeräumte Instagram-Welt helfen könnte. Ihr Projekt und Hashtag heißen: #abouttherealstruggle, sie teilt Bilder (jeder kann mitmachen) aus dem Leben, für die sich vorher nicht drei Stunden geschminkt wurde oder die Wohnung neu dekoriert oder umgeräumt werden musste.

Das Problem außerdem vieler Museen: Sie haben sich keine Community aufgebaut, die sie ansprechen könnten. Museen begreifen Instagram noch immer halbherzig als Verlängerung der Website oder lassen Praktikanten herumspielen, denn die wollen ja auch beschäftigt werden. Dass mit einem Instagram-Account schon mal so viele Leute erreicht werden, wie mit einer Anzeige in einem Magazin, geschenkt, ist doch nur Social Media.

Museen übersehen auch oft, dass es auf Instagram tatsächlich um Fotografie geht bzw. dass sich das sehr viele Nutzer wünschen. Sie stellen lieber eine Selfie-Station ins Foyer ihres Museums, die Besucher werden schon Spaß damit haben und die Selfies auf Instagram teilen. Das Kölnische Stadtmuseum hat gerade solch eine Selfie-Station aufgebaut, die Besucher dürfen Selfies mit Konrad Adenauer machen und unter dem Hashtag #adenauer2017 teilen.

(Für Monopol habe ich 2016 einen Text mit dem Titel „Keine Selfie-Stationen mehr!” geschrieben.)

Selfie game strong bei Künstler Andy Kassier / Andy Kassier. Er spielt auf Instagram mit männlichen Rollenklischees und gibt den erfolgreichen Geschäftsmann. "Success is just a smile away", sagt Andy Kassier.

Selfie game strong bei Künstler Andy Kassier / Andy Kassier. Er spielt auf Instagram mit männlichen Rollenklischees und gibt den erfolgreichen Geschäftsmann. “Success is just a smile away”, sagt Andy Kassier.

Bei This Ain’t Art School also tummeln sich Instagram-Nutzer aus der ganzen Welt, die sich eh schon mit Fotografie befassen oder ein bisschen mehr über Fotografie wissen wollen. Gerade ging es in Zusammenarbeit mit der Berlinischen Galerie und den Fotografen Tobias Zielony und Heidi Specker als Juroren um das Thema Reisefotografie (#farawayassignment), der Fotograf Stephen Shore hat sich auch schon eine Aufgabe für uns überlegt, als seine Ausstellung bei C/O Berlin zu sehen war und im September haben wir Alec Soth zu Gast, wenn „Gathered Leaves“ im Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg zu sehen sein wird. Er denkt sich gerade eine Aufgabe aus, die ab Anfang September unter dem Hashtag #alecsothassignment erledigt werden kann.

Hier entlang geht es zu This Ain’t Art School.

7 großartige (Foto)Magazine

Einmal die Woche gehe ich Bücher und Magazine anschauen und kaufen. Mein Freund mag es mehr, wenn ich mir alles nur ansehe und dann wieder zurücklege. Das Bücherregal in unserer Wohnung ist längst übervoll und die Stapel auf dem Boden sind schon so hoch, dass sie irgendwann umfallen. Das wird dann aussehen, als hätte jemand mit Büchern Domino gespielt. Und trotzdem gehen wir jeden Samstag zusammen – sofern wir beide am Wochenende zu Hause in Hamburg sind – in die Schanze, um eine Runde durch die Buchhandlung Cohen + Dobernigg zu drehen.

Ich glaube, Cohen + Dobernigg ist die am besten sortierte Buchhandlung in Hamburg, jedenfalls finde ich dort meist eine Neuerscheinung, von der ich nichts wusste. Oder Titel, die andere gar nicht erst in ihr Sortiment aufnehmen würden. In der Buchhandlung im Haus der Photographie informiere ich mich über Fotobücher, sehr oft im Gespräch mit den Mitarbeitern, und bei Gudberg Nerger in der Neustadt gibt es alle Indie Magazine, nach denen ich suche. Ziemlich gut ist, dass man bei Gudberg Nerger einfach sagen kann, hey, was gibt es denn Neues oder besonders Tolles und dann geht man nach zwei Stunden und einer guten Unterhaltung über Fotografie und Magazine mit einem Stapel Heften unter dem Arm oder mit einer Flasche Bier in der Hand nach Hause.

Unregelmäßig meldet sich mein guter Bekannter Tho, auf Instagram als @lastguest_hh bekannt, bei mir und schickt mir Links zu Magazinen, die mich interessieren könnten. Tho bestückt in Hamburg ausgewählte Kaffeeläden mit Indie Magazinen, bei den Public Coffee Roasters in der Neustadt verkauft er sie unter dem Namen Coffee Table Mags – und natürlich im Internet.

Was ich in den letzten Monaten so gekauft habe und empfehlen kann:theonesweloveDer Titel The Ones We Love klingt unfassbar kitschig, aber das macht nichts. Das hier ist die dritte Ausgabe aus dem Sommer 2016. Die Studio Managerin von Alec Soth, Carrie Elizabeth Thompson, sollte mit ihm über sein Projekt Niagara sprechen, das machte sie etwas nervös, weil sie ihn schon so oft Fragen dazu hat beantworten hören. Was sollte sie ihn jetzt noch Neues fragen? Also unterhielt sie sich mit ihm über das Thema Liebe. Ihre erste Frage: “How do you define love?” Er antwortet: “(…) I guess love has to do with the feeling of an external being not being truly separate. You feel like another person is part of you the way your toes are a part of you. But surely there are many different kinds of love. My hands feel like a bigger part of myself than my toes and so on.”

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On top zum Thema Propaganda (Robert Rauschenberg, Christopher Anderson und mehr) dieser Ausgabe kommt Thomas Mailaender und Self Portrait.

The Printed Dog hatte mich sofort als Leser, weil beispielsweise Ryan McGinley seinen Hund Dick fotografiert hat und Juergen Teller Straßenhunde (beides Ausgabe 1). Das Titelbild dieser Ausgabe stammt von Terry Richardson.

Ein bisschen traurig bin ich ja, dass Teenie Magazine Mitte der 90er nicht aussahen wie Sofa von Ricarda Messner und Caia Hagel. Das Thema der zweiten Ausgabe: Cyberlove. Nicht nur für Teenager, natürlich.

Das ist das Jubiläumsheft von Der Greif. Wem Instagram zu durcheinander und unübersichtlich ist, weil mal zu viel und mal zu wenig kuratiert, wird mit dieser, der zehnten Ausgabe sehr glücklich.

Dieses Mal habe ich mir das System Magazin wegen des Beilegers gekauft. Juergen Teller sollte eigentlich Rihanna fotografieren, die musste sehr kurzfristig absagen, deshalb gibt es jetzt also von ihm Waiting vor Rihanna. Juergen Teller, wie er über eine Hanfplantage hüpft usw. usf.

The Travel Almanac lese ich gern wegen der Interviews. Und wenn es eine Titelgeschichte über Taryn Simon gibt, lese ich erst recht.

Vielleicht sollte ich noch kurz etwas zu den Fotos in diesem Beitrag sagen. Es ist schon eine Weile her, dass ich auf Instagram solch ein Foto von mir teilte – Kaffee in der Hand, Magazin auf dem Tisch, Strickjacke an. Meine Follower fanden die Strickjacke ziemlich gut, deshalb ziehe ich sie jetzt immer an, wenn ich ein Foto von einem Magazin teilen möchte. Meine Follower freut das. Kaffee trinke ich eigentlich gar nicht, Cola oder Kakao machen sich aber nicht so gut auf Instagram. Alles recht bescheuert, ich weiß. Wenn Sie mir jetzt trotzdem auf Instagram folgen möchten, bitte hier entlang.

Selfies und Verehrung auf Instagram. Chris Dranges “Relics”

“Instagram ist mittlerweile ein Sujet wie Landschaft”, sagt der Künstler Chris Drange. Richard Prince hat sich als bekannter Künstler die Fotos Unbekannter angeeignet, Chris Drange als beinahe Unbekannter hat jetzt die Selfies bekannter weilblicher Stars refotografiert und unter dem Titel “Relics” veröffentlicht. 

Die erste Band, für die ich mich interessierte, waren in den 90ern New Kids on the Block. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf die Band kam, ich weiß nur noch, dass in meinem Kinderzimmer Poster von New Kids on the Block hingen. Später waren es Poster der australischen Band Silverchair, im Zimmer nebenan bei meiner Schwester hing die Kelly Family, unser damals bester Freund, der Nachbarsjunge mochte die Prinzen. Wenn wir uns über unsere Lieblingsbands informieren wollten, mussten wir zum Zeitschriftenladen laufen und in der Bravo blättern. Über Silverchair wurde nicht sehr viel geschrieben in der deutschen Presse. Immer wieder erzählten sie, wie sie auf den Namen gekommen sind und wie sie mit 14 bei einem Musikwettbewerb gewonnen haben und dann plötzlich mit der Single „Tomorrow“ auf Platz 1 der Charts landeten.

Als sich Sänger Daniel Johns nach acht Jahren Beziehung und vier Jahren Ehe von Natalie Imbruglia scheiden ließ, fand sich darüber so gut wie nichts in den Medien, denn beide sprachen einfach nicht mit den Medien über ihre Trennung. Heute ist Daniel Johns auf Instagram, seine jeweils aktuelle Freundin postet Fotos aus seinem Haus und wie sie gemeinsam im Bett liegen, er selbst auch – und wenn es dann zur Trennung kommt, streitet sich die Schwester der aktuellen Freundin mit der Ex-Freundin auf Instagram. Er liebt mich mehr. Nein meine Schwester. So eine tiefe Beziehung wie wir werden die beiden nie haben. Usf. Die Medien freuen sich, die Fans auch. Kommen kritische Kommentare von den Fans (trink weniger Alkohol, mach mehr Musik, geh zurück zu Natalie Imbruglia), löscht und blockt Daniel Johns. Ich würde gern ein Buch darüber lesen, wie sich die Fankultur durch soziale Medien verändert hat.

Derweil ist ein kleines Büchlein von einem Künstler erschienen, kaum größer als ein Smartphone, das zeigt, wie Verehrung in Zeiten von Instagram aussehen kann. Der Titel: „Relics“, also die Reliquie. Chris Drange hat sich die Spitze von Instagram fast ein Jahr lang angeschaut, um herauszufinden, was typisch ist. An der Spitze sind übrigens fast nur Frauen. Darunter Selena Gomez mit 123 Millionen Followern, Kim Kardashian mit 101 Million Followern, Ariana Grande mit 110 Millionen Followern, Kylie Jenner mit 95.8 Millionen Followern, Kendall Jenner mit 82.2 Millionen Followern und Miley Cyrus mit „nur“ 69.5 Millionen Followern.

Was er gefunden hat, sind Selfies auf der einen Seite und auf der anderen Seite Kommentare von weiblichen Fans, die sein wollen wie ihr Star: so hübsch, so reich, so erfolgreich. Sie posten auch Selfies, ganz ähnlich wie ihr Idol. Im Buch hat Drange das Selfie des Stars dem Profilbild des Followers gegenübergestellt und darunter den Kommentar geschrieben. In der Ausstellung hängen jetzt gerahmt die refotografierten Selfies der weiblichen Influencerinnen, wie Drange die berühmten Frauen in seinem Vorwort nennt. Dort steht über den Titel:

„Dabei verweist der Titel auf zwei Phänomene: Erstens auf eine neue Form der Verehrung, in der Selfies zu digitalen Objekten der Anbetung und Smartphones zu ‚Schein-Devices‘ werden. Und zweitens auf ein Frauenbild – im Spannungsfeld zwischen antiquierter Männervorstellung und moderner weiblicher Selbstbestimmung.“

Auf die Frage, ob die Fotos tatsächlich für den Blick der Männer gemacht sind, antwortet er mit einer Beobachtung. Ein Jahr lang habe er intensiv die Kommentare zu den Selfies gelesen. „Die Männer wollen die Frau haben, die Mädchen wollen sein wie sie“, sagt er. In der Ausstellung habe er jetzt bewusst die Kommentare weggelassen, damit der Betrachter seinen Kommentar selbst schreiben kann.

Wer mehr über den weiblichen Blick in der Fotografie in Zeiten von Social Media lesen möchte, dem empfehle ich das Buch „Girl on Girl. Art and Photography in the Age of the Female Gaze“ von Charlotte Jansen, „Pics or It Didn’t Happen“ von Molly Soda und Arvida Byström und die aktuelle Ausgabe von European Photography.

Ariana 1.490.423 Likes

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Kim 938.360 Likes

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Miley 210.310 Likes

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Kylie 249.525 Likes

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Kendall 2.061.294 Likes

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Selena 4.009.020 Likes

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Chris Drange zeigt „Relics“ im Rahmen der Absolventenausstellung an der Hochschule für bildende Künste Hamburg von 14. bis 16. Juli 2017, 14.00 bis 20.00 Uhr in Raum 253. Das Buch „Relics“ ist bei Hatje Cantz erschienen.

20 artsy Instagram-Accounts

Hatje Cantz fragte mich, ob ich im Juli Gastblogger sein möchte, ich könne auch schreiben, worüber ich wolle. Das ist schön, dachte ich. Endlich ein Anlass, meine zwanzig Lieblingshunde auf Instagram zu listen. Dann dachte ich, das könnte vielleicht nur mir Freude bereiten, lieber lassen. So ein Gastblogger wird im Zweifel vielleicht schnell wieder abgesetzt, man weiß es ja vorher immer nicht. Deshalb also bin ich meinen Kopf und meine Instagram-Abonnements durchgegangen und liste 20 Accounts, die ich aus den verschiedensten Gründen ziemlich gut finde. Vielleicht haben auch Sie in Zukunft ein wenig Freude daran. Das wiederum würde mich freuen ­– Ihnen eine Freude bereitet zu haben.

Fangen wir an. (Wenn Sie einem Account folgen wollen, klicken Sie auf den Namen, darunter ist der jeweilige Account verlinkt oder öffnen Sie die App Instagram und tippen Sie in das Suchfeld @ und dann beispielsweise littlebrownmushroom).

Alec Soth, @littlebrownmushroom

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Man könnte Alec Soth auf Instagram aus vielen Gründen folgen: Weil er Magnum-Fotograf ist und das per se gut ist. Weil er die besten Nicht-Selfies macht – er nennt sie Unselfies. Weil er regelmäßig schöne Gedichte teilt. Und weil er verdammt lustig ist. Ich folge ihm wegen seines Hundes Misha. Er hat sogar ein eigenes Hashtag: #lbmisha.

Andy Kassier, @andykassier

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Andy Kassier als die männliche Version von Amalia Ulman einzuführen, das wäre etwas unfair. Denn Andy Kassiert performt schon ein paar Jahre länger in den Sozialen Medien. Andy Kassier ist superreich. Er sieht blendend aus. Er ist gut gekleidet, seine Frisur sitzt, ohne sein Lächeln geht er nicht aus dem Haus. Andy Kassier hat, was es braucht, um die Kunst des guten und erfolgreichen Lebens in den Sozialen Medien zu inszenieren. „Nichts gehört mir, aber alles könnte mir gehören“, sagt er. Was möglich ist, ohne Geld in die Hand zu nehmen, das möchte Andy Kassier zeigen. Und natürlich möchte er Klischees auseinandernehmen, indem er sie auf die Spitze treibt.

art et cinema, @art_et_cinema
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Haben Sie den Film „Catch Me If You Can“ mit Leonardo Di Caprio gesehen? Der Scheckfälscher und Hochstapler Frank Abagnale ist permanent auf der Flucht vor dem FBI-Ermittler Hanratty. Benjamin und Frédéric von art et cinema sind auch permanent auf der Flucht – wer, warum und wie lange noch, man weiß es nicht. Was ich weiß: Ihre Instagram-Serie „Catch Me If You Can“ ist großartig und die Flucht soll noch sehr lange erfolgreich sein, bitte.

Daniel Arnold, @arnold_daniel

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Der New Yorker Straßenfotograf Daniel Arnold ging vor ein paar Jahren durch die internationalen Medien, weil er zu seinem 34. Geburtstag Fotos via Instagram verkaufte. Der Grund: Er war pleite. Für $ 150 den Print. „I swear I will never sell anything this cheap again“, schrieb er damals. Wenige Stunden später war er $ 15.000 reicher. Daniel Arnold ist einer der besten Straßenfotografen auf Instagram, mittlerweile fotografiert er regelmäßig unter anderem für die New York Times und Vogue. Verdammt harte und gute Arbeit zahlt sich eben doch irgendwann aus. Mit seiner Contax und einem iPhone rennt er jeden Tag den ganzen Tag durch die Straßen von New York, er isst nicht, er macht keine Pausen, nur wenn er einen Film unterwegs verloren hat, dann rennt er zurück. Und vielleicht wird er irgendwann nicht mehr als Instagram-Fotograf, sondern als Fotograf eingeführt.

(Wenn Sie sehen möchten, wie er arbeitet, kann ich Ihnen diesen Film empfehlen.)

Ich kenne übrigens auch Instagram-Accounts, die nicht mit dem Buchstaben A beginnen.

Stephen Shore, @stephen.shore

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Stephen Shore halt.

Tag Christof, @americaisdead

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Wenn Sie Stephen Shore auf Instagram doof finden, weil er so gern den Boden oder den Garten seiner Frau fotografiert, folgen Sie einfach Tag Christof. Bei ihm sieht es aus, wie Stephen Shores Instagram in den 70ern ausgesehen hätte.

Jochen Overbeck, @ofeneck

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Der Journalist Jochen Overbeck mag für Nicht-Instagrammer eine etwas seltsame Leidenschaft haben. Er radelt stundenlang manchmal sogar tagelang kilometerweit durch Berlin, um eine schicke alte Karre vor einer im besten Fall noch schickeren Fassade zu finden. Und das alles für ein heißes #asundaycarpic. Er hat aber auch eine Leidenschaft für die Architektur der Moderne und für gutes Design.

Tekla Evelina Severin, @teklan

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Noch mehr Design. Noch mehr Architektur. Maximal bunt. Die Schwedin Tekla Evelina Severin ist Innenarchitektin, lebt in Stockholm und sie findet Farben, egal, wo sie gerade ist.

Ronja von Rönne, @sudelheft

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Falls Sie jetzt mit den Augen rollen, überspringen Sie diese Empfehlung. Falls Ihre Augen jetzt leicht glänzen und Sie nicht wussten, dass Ronja von Rönne eine erfolgreiche Frau auf Instagram ist, folgen Sie ihr ruhig. Selfies sind okay, zumindest von Ronja von Rönne und das fast nur wegen der komischen Bildunterschriften.

Wolfgang Tillmans, @wolfgang_tillmans

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Ja, Wolfgang Tillmans ist auch da. Und er ist auch auf Instagram, wie Wolfgang Tillmans eben so ist: politisch aktiv, an Kunst interessiert. Und manchmal postet er auch betrunken Fotos auf Instagram. Vermutlich wie wir alle.

Für das Monopol Magazin habe ich kürzlich mit Wolfgang Tillmans über “Handygeknipse” gesprochen und über sein Instagram geschrieben.

Teju Cole, @_tejucole

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Teju Cole ist der Fotografiekritiker des New York Times Magazine, für das er die Kolumne „On Photography“ schreibt, er ist außerdem Schriftsteller und Fotograf. Gerade ist sein erstes Fotobuch unter dem Titel „Blind Spot“ erschienen. Teju Cole hat die Geschichte der Fotografie eingeatmet und atmet sie in seinem Fotobuch wieder aus. Seine Einflüsse sind Stephen Shore, Joachim Brohm, Guido Guidi und Luigi Ghirri, und so sehen auch seine Fotos aus. Auf Reisen fotografiert er die blinden Flecken der Touristen, man könnte sein Projekt als intellektuelle Vermessung der Welt beschreiben. Instagram ist sein Notizbuch, sein visuelles Tagebuch. Dort arbeitet er gerade nach „Blind Spot“ an seiner neuen Serie. „Black Paper“ handelt davon, was man alles sieht, wenn man in die Dunkelheit starrt.

@biblio_philo

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Da Sie das Fotoblog von Hatje Cantz lesen, nehme ich an, dass Sie sich für Bücher interessieren. Philipp, seinen Nachnamen kenne ich nicht, der steht nicht in seinem Instagram Profil, ist Architektur Nerd, das steht dort, und er sammelt Bücher. Er zeigt regelmäßig Bücher aus seiner Sammlung und schreibt ausführlich darüber. Ganz klare Folgeempfehlung.

@geile_tiefgaragen_einfahrten

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Ich fahre kein Auto. Vielleicht schaue ich mir auch deshalb gern die geilen Tiefgarageneinfahrten auf Instagram an. Sie bekommen zu sehen, was der Account verspricht: geile Tiefgarageneinfahrten eben.

Heidi Specker, @heidispecker

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Sympathisch ist ein seltsames Wort. Man benutzt es nicht so gern, weil es irgendwie klingt wie nett. Und nett, das sagt man nicht über eine andere Person, außer man findet die Person ziemlich doof, langweilig, jedenfalls nicht weiter erwähnenswert. Die Fotografin Heidi Specker ist aber genau das auf Instagram: wahnsinnig sympathisch. Ihr letztes Instagram-Posting zeigt sie, wie sie sich eine Schweinchennase vor’s Gesicht hält.

Stephen Erfurt, @stephanerfurt

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„Fotograf und Director @coberlin Foundation“, steht in der Profilbeschreibung. Stephan Erfurt hat sich vorgenommen, jeden Tag ein Foto auf Instagram zu posten und das macht er auch. Die Übergänge zwischen privat und beruflich sind bei ihm fließend, die Beschreibung wahnsinnig sympathisch würde auch auf ihn zutreffen. Und er hat einen Hund, Baal heißt er, und Baal hat viele Hunde-Freunde. Es gibt also jede Menge Dog Content.
Falls Sie jetzt noch wissen wollen, von welchen Fotografen, die ich dank Instagram kenne, ich mir ein Fotobuch wünschen und kaufen würde, bitte weiterlesen. Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss.

Hayley Eichenbaum, @inter_disciplinary

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Hayley Eichenbaum ist ein Viralhit unter den Fotografen auf Instagram. Es gibt vermutlich kein Online Magazin oder Blog, das ihre Bilder noch nicht gezeigt hat. Hayley spricht ganz offen über ihre Angststörung und wie ihr die Fotografie dabei geholfen hat, damit besser leben zu können. Sie fährt mit ihrem Auto und der Kamera im Gepäck die Route 66 entlang und macht dabei Fotos, so surreal, bunt und aufgeräumt, als wären es Standbilder aus einem Hollywood-Film, den es leider nicht gibt.

Kelsey McClellan, @kelseyemc

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Kelsey McClellan könnte der nächste Instagram-Viralhit werden. Schöner kann man Essen und Kleidung nicht kombinieren und fotografieren. Für das Styling ist Michelle Maguire zuständig, @pandahandler auf Instagram.

Pierco Percoco, @melted_butterr

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#foodporn im wahrsten Sinne des Wortes. So schmutzig wie Porn eben sein kann. Großartig.

Stefan Tschirner, @mr_sunset
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Der Berliner Stefan Tschirner ist Goldschmied, durch Instagram ist er zur Fotografie gekommen. Seine Fotos sind untypisch für Instagram. Man muss sich Zeit nehmen und genau hinsehen, um die Geschichten lesen zu können, die sie erzählen.

Und zum Schluss darf ein Dogs only Account doch nicht fehlen.
Steve, @wolfgang2242
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Der vermutlich schönste und manchmal auch traurigste Hundeaccount auf Instagram. „Life with Senior Dog Rescues, Bikini the pig, Stuart the rabbit, and etc.“, steht in der Profilbeschreibung. Dieses etc. sind Hunde, die zu alt, zu krank oder zu häßlich für eine Adoption sind. In diesem amerikanischen Haushalt finden sie ihre letzte Heimat und leben mit einem Huhn, einem Schwein und Hasen in einem Haus. Manchmal sterben die altersschwachen oder kranken Vierbeiner. Vor wenigen Tagen ist die blinde Phyllis (oben rechts im Bild) gestorben.