Julius Schrank

Julius Schrank (1984, Bielefeld) is a German photojournalist, currently based in Amsterdam and Hamburg. After receiving a diploma in visual communication and graphic-design in 2005, he took up his studies of photojournalism and documentary photography at the University of Applied Sciences in Hannover / Germany. He was a co-organizer of the first and second “Lumix Festival for Young Photojournalism” in 2008 and 2010. Together with a group of three other photojournalists he founded beginning 2010 the photo-collective Kollektiv25. Since early 2012 they are represented by the German photo agency “Agentur Focus”. Later in 2010 he moved to the Netherlands and started working for one of the biggest Dutch quality newspapers - De Volkskrant. Since 2013 his work gets represented by Dutch photo agency “Hollandse Hoogte”. Next to his work for the Newspaper, he spends a lot of time on autonomous projects. Often his work is related to the human race, our environment, and the relation between these two. The impact of man on our Planet - mining, logging or poaching, just to name a few topics that he worked on in the last years. Since 2011 he intensely traveled in southeast Asia and worked on story’s in Indonesia, Thailand, Laos, The Philippines, Cambodia and Burma. Beginning of 2012 Julius started his project “New Burma’s Shadows”, for which he recently finished my 6th trip and that was awarded with a first price in the 2014 World Press Award. Julius work regularly appears in magazines like Der Spiegel, Stern, NZZ, National Geographic, Geo, etc. In the last years his pictures have been awarded and shortlisted in several German, Dutch and international Contest, like the Canon Profifoto Grand, the dutch Zilveren Kamera award, CNN journalist award or the World Press Photo award. Next to that his work has been shown in exhibitions like the Visual Gallery at Photokina / Germany, the Visa Pour L'image / France or the Lumix Festival for Young Photojournalism / Germany.

Julius Schrank (1984, Bielefeld) is a German photojournalist, currently based in Amsterdam and Hamburg. After receiving a diploma in visual communication and graphic-design in 2005, he took up his studies of photojournalism and documentary photography at the University of Applied Sciences in Hannover / Germany. He was a co-organizer of the first and second “Lumix Festival for Young Photojournalism” in 2008 and 2010. Together with a group of three other photojournalists he founded beginning 2010 the photo-collective Kollektiv25. Since early 2012 they are represented by the German photo agency “Agentur Focus”. Later in 2010 he moved to the Netherlands and started working for one of the biggest Dutch quality newspapers - De Volkskrant. Since 2013 his work gets represented by Dutch photo agency “Hollandse Hoogte”. Next to his work for the Newspaper, he spends a lot of time on autonomous projects. Often his work is related to the human race, our environment, and the relation between these two. The impact of man on our Planet - mining, logging or poaching, just to name a few topics that he worked on in the last years. Since 2011 he intensely traveled in southeast Asia and worked on story’s in Indonesia, Thailand, Laos, The Philippines, Cambodia and Burma. Beginning of 2012 Julius started his project “New Burma’s Shadows”, for which he recently finished my 6th trip and that was awarded with a first price in the 2014 World Press Award. Julius work regularly appears in magazines like Der Spiegel, Stern, NZZ, National Geographic, Geo, etc. In the last years his pictures have been awarded and shortlisted in several German, Dutch and international Contest, like the Canon Profifoto Grand, the dutch Zilveren Kamera award, CNN journalist award or the World Press Photo award. Next to that his work has been shown in exhibitions like the Visual Gallery at Photokina / Germany, the Visa Pour L'image / France or the Lumix Festival for Young Photojournalism / Germany.

(un)Wanted bei BredaPhoto 2016

Nächsten Monat beginnt das Fotofestival “BredaPhoto“. Wie der Name schon sagt, das Festival findet in Breda im Süden der Niederlande statt. Ich werde dort auch mit einer Ausstellung vertreten sein. Zu dem Anlass möchte ich gerne ein paar Sätze über das Festival sowie mein Projekt schreiben.

Vor einigen Monaten bekam ich eine Anfrage, ob ich eine neue Serie für das diesjährige Festival fotografieren will. Es ist eins der größten Fotofestivals der Niederlande und findet dieses Jahr zum 7. Mal statt. Ich war persönlich noch nie dort, aber habe bereits einige interessante Dinge über das Festival gehört. Die Ausstellungen sind auf über 25 Locations in der ganzen Stadt verteilt, insgesamt stellen rund 70 Fotografen ihre Arbeiten aus und es werden um die 80 000 Besucher erwartet. Mainact ist der Magnumfotograf Carl de Keyzer mit seiner Arbeit “Cuba, La Lucha“, wofür er die kubanische Transformation vom kommunistischen Regime hin zum Kapitalismus dokumentierte.
Doch es gibt auch eine Vielzahl anderer Aktivitäten, wie eine Masterclass, verschiedene Lesungen und Diskussionsrunden oder Führungen und Workshops. Das Festival beginnt am 15. September und endet am 30. Oktober.

Announcing the BredaPhoto 2016 theme from BredaPhoto on Vimeo.

Das diesjährige, Thema des Festivals lautet “You“. Ich konnte anfangs nicht viel mit diesem vorgegebenen, abstrakten Thema anfangen. Es erinnerte mich irgendwie an die Aufnahmeprüfungen fürs Fotografiestudium. Damals musste ich mich auch mit Themen wie “Heimat“ oder “Kontrast“ herumschlagen, um einen der begehrten Studienplätze zu bekommen. Ich hatte aber große Lust an dem Festival mitzuwirken und nahm dies als Anlass ein neues Projekt zu beginnen.

Zu meiner Arbeit:
Da es in unserer Gesellschaft immer mehr Menschen gibt, die auf selbstständige Weise ihr Geld verdienen, war die Idee des Kurators, eine Reportage über ein Unternehmen zu machen, das auf innovative Art und Weise eine Lösung für ein bestehendes Problem gefunden hat.
Nach einigem Grübeln hatte ich die Idee, eine Geschichte über ein Unternehmen zu fotografieren, auf das ich schon vor längerer Zeit aufmerksam geworden war. Ich war damals auf einem Festival in Amsterdam und aß dort Gänsebrust bei einem improvisierten Essensstand. Es schmeckte gut, allerdings brach ich mir an einem Schrotkorn beinahe einen Zahn aus. Auf die Frage ob und wo denn die Gans geschossen wurde erzählte die Köchin mir, dass sie auf dem Amsterdamer Flughafen erlegt wurde. Ich kam mit ihr ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass sie zusammen mit ihrem Freund, Essen aus Schädlingstieren zubereitet – sie nennen sich “Die Küche des unerwünschten Tieres”.
Ich musste gleich an diese Begegnung denken, als mir der Kurator von seiner Idee erzählte. Ich nahm also Kontakt mit ihnen auf und bekam eine Zusage. Kurz darauf begann ich Nicolle und Rob, die beiden Initiatoren des Projektes fotografisch zu begleiten.
Die beiden sind ein Künstlerpaar, das die Küche des unerwünschten Tieres ins Leben gerufen hat. Sie wollen auf die Verschwendung von Fleisch von Schädlingstieren, was sich perfekt für den menschlichen Verzehr eignet, aufmerksam machen.
Auf der Karte der Beiden stehen, außer Flughafengänsen, noch eine Vielzahl anderer Tiere, die der Mensch als minderwertig betrachtet. Sie verwenden beispielsweise Stadttauben, Bisamratten, Flusskrebse, Ponys, Füchse oder Krähen für ihre Gerichte. Am besten laufen Gänsekroketten und der “My little Pony Burger“.
Ich habe aber nicht nur Nicolle und Rob begleitet, sondern bin auch mit auf die Jagd nach Schädlingen gegangen. So habe ich z.B. einen “Schädlingsbekämpfer“ beim Taubenfangen in Amsterdam oder eine Flusskrebsfischerin bei der Arbeit begleitet.
Bei dem Festival werden 21 Bilder aus der Serie ausgestellt. Die Ausstellung befindet sich bei STEK, einer Art kreativem Industriegebiet auf dem Festivalgelände. Ich werde die erste Woche in Breda sein und bin gespannt darauf.

kvhod_02

kvhod_04

kvhod_08

kvhod_09

kvhod_14

kvhod_17

kvhod_19

Elefantenumzug Malawi

Ich möchte heute gerne ein aktuelles Projekt vorstellen. Ich war im letzten Monat in Malawi und habe eine groß angelegte Elefantenumsiedlung fotografiert. Für diejenigen die nicht wissen wo Malawi liegt (ich hatte bis dato auch keine Ahnung), hier mal eine Karte.

Malawi

Ich war dort im Auftrag der niederländischen Tageszeitung “De Volkskrant“, für die ich schon viele Aufträge im Ausland fotografiert habe. Ich schätze mich sehr glücklich, für diese Zeitung arbeiten zu können. Welche andere (Tages)Zeitung schickt noch Schreiber und Fotografen für 10 Tage in die afrikanische Savanne, um eine Reportage umzusetzen?

Wir haben die erste Phase der Umsiedlung von insgesamt rund 500 Tieren begleitet. Die “Capture“, also das einfangen der Tiere, fand im südlich gelegenen “Liwonde National Park“ statt. Dieser Park verfügt noch über eine relativ stabile Elefantenpopulation. Das Management wurde vor kurzem von der gemeinnützige Naturschutz-Organisation „African Parks“ mit Sitz in Südafrika übernommen.
Da der Wildpark für afrikanische Verhältnisse nicht besonders groß ist, kommt es in Liwonde immer wieder zu Problemen mit Elefanten, die in Dörfer eindringen und dort Felder verwüsten. Um dies zu verhindern, aber auch um die Tiere besser vor Wilderern schützen zu können, wurde die Entscheidung zu dieser wohl größten Elefantenumsiedlung aller Zeiten getroffen. Neue Heimat der Tiere ist das etwa 350 Kilometer weiter nördlich gelegene „Nkotakota Wildlife Reserve“. Hier hat African Parks eine Schutzzone eingerichtet, die von einem hochmodernen Elektrizitätszaun umrandet ist. So soll kein Wilderer mehr rein und kein Elefant mehr raus kommen.
Vor wenigen Tagen erreichte uns allerdings die Nachricht, dass ein Elefantenbulle aus der Schutzzone ausgebrochen ist und eine 40 Kilometer lange Spur von Verwüstung in den umliegenden Dörfern hinterlassen hat. Er tötete drei Menschen und wurde letztendlich von Rangern erschossen. Dies hinterlässt doch einen bitteren Beigeschmack bei der ansonsten sehr erfolgreichen Aktion.

Ich persönlich bin ausnahmsweise ziemlich zufrieden mit dem Trip. Meist habe ich nach intensiven Reisen die Angst, nicht fertig geworden zu sein oder etwas verpasst zu habe. Dieses Gefühl hielt sich bei unserer Abreise aus Malawi aber in Grenzen.
Dazu kommt, dass es natürlich ein extrem fotogenes Thema war und wir als Team von Fotograf und Schreiber gut funktioniert haben (was nicht immer selbstverständlich ist). Das Thema an sich fand ich sehr spannend. Ich arbeite häufig an Themen die einen Bezug zu der Natur haben. Mich reizt es zu dokumentieren wie der Mensch in die Natur eingreift, sie lenkt, sie sich zu nutzen macht oder sie ausbeutet. Ich habe in der Vergangenheit schon viele Reportagen zu diesen Themen fotografiert. Bergbau, Abholzung oder auch andere Tierumsiedlungen – irgendwie beginne ich einen roten Faden zu erkennen, bei Themen die mir am Herzen liegen.

Der Junge in der Ambulanz

Der Krieg in Syrien hat seit gestern ein weiteres ikonisches Foto dazu bekommen. Seit Donnerstagmorgen kursiert das Bild eines syrischen Jungen durch die sozialen Netzwerke, der staubig und blutverschmiert in einem Rettungswagen sitzt. Inzwischen wissen wir, dass der Junge fünf Jahre alt ist und Omran Daqneesh heißt. Er wurde kurz zuvor aus den Trümmern seines Elternhauses in Aleppo geborgen, nachdem dieses von einem Luftangriff getroffen wurde. Kriegsroutine sollte man zynisch behaupten können.
Heute morgen, im Kiosk bei mir um die Ecke, schaut mich der blutverschmierte Junge von ziemlich jeder Zeitungstitelseite aus an. Er ist über Nacht zum Symbol für den nun fünf Jahre tobenden Krieg geworden.

IMG_2680

Nach und nach tauchen immer mehr Informationen auf. Anscheinend hat der Rest seiner Familie das Bombardement ebenfalls überlebt. Beide Eltern und alle drei Geschwister seien allerdings ebenfalls verletzt. Auch ihr Haus sei zerstört worden. Mindestens drei Menschen starben bei dem Angriff.
Auch eine längere Version des Videos ist nun auf der Website des Guardian zu finden. Hier sieht man wie der traumatisierte Junge auf dem Arm eines Mannes aus dem zerstörten Haus getragen und in der Ambulanz auf einen Stuhl gesetzt wird. Daraufhin verschwindet der Mann wieder und die Szene in der Omran sich verstört an den Kopf fasst wird gefilmt.
Das Material wurde vom „Aleppo Media Center“ (AMC) verbreitet, eine oppositionelle Gruppierung, die das Elend im Osten Aleppo’s dokumentiert.
Mr. Ahmad, einer der lokalen Journalisten, der die Szene filmte, zeigte sich verwundert über die grosse Aufmerksamkeit die sein Video bekommt: “Als Journalist in Aleppo sehe ich tausende solcher Situationen. Omrans Fall ist nur einer von vielen…“

Ich finde Bilder wie diese werfen immer viele Fragen auf: Sollte oder muss man sie sogar zeigen? Bezwecken oder verändern sie etwas? Werden wir von ihnen manipuliert?

Schaut man sich auf Twitter um, wird klar wie das Bild instrumentalisiert wird:

CqIRk8dWAAAtoa0

CqIe_d4XEAA5JW5.jpg-large

CqGZ5pkWAAAC5-V

Wie kommt es, dass mache Bilder so viel Aufmerksamkeit bekommen, tausendfach geteilt und veröffentlicht werden und uns an das Grauen von Krieg, Verfolgung oder Flucht erinnern?
Ich habe gerade bei Googles Bildersuche “Injured child Syria“ eingegeben und bekam zahllose grauenhafte Bilder zu sehen. Viele deutlich schlimmer als das Foto von Omran. Einige wenige kannte ich bereits (wahrscheinlich auch nur, weil ich selber Fotojournalist bin), doch den Großteil hatte ich noch nie vorher gesehen.
Anne Barnard, Korrespondentin der New York Times für Syrien und den mittleren Osten, fragte sich das in ihrem gestrigen Artikel auch und hat folgenden Erklärungsversuch:

“Maybe it was his haircut, long and floppy up top; or his rumpled T-shirt showing the Nickelodeon cartoon character CatDog; or his tentative, confused movements in the video. Or the instant and inescapable question of whether either of his parents was left alive.“

Ich denke Schreckensbilder wie dieses, die erst in einen viralen Hype landen und daraufhin von den grossen Zeitungen und Nachrichtensendern übernommen werden, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen.
Sie müssen uns emotional hart treffen, ebenso müssen sie schocken. Dennoch dürfen sie nicht zu grausam sein. Sie brauchen etwas Unschuldiges. Denkt an das Bild des ertrunkenen Jungen an einem türkischen Strand – Aylan Kurdi war sein Name. Vor etwa einem Jahr tauchte das Bild plötzlich in sozialen Medien auf und war für einige Zeit nicht mehr aus den Nachrichten wegzudenken. Es wurde zum Symbol für die Flüchtlingskrise.
syrian cartoon

Inhaltlich hatte das Foto einige Parallelen zu dem Bild von Omran. Beides sind Bilder von Kindern, die Opfer eines Krieges geworden sind. Beides unschuldige Jungen und beide Bilder zeigen keine abgerissenen Gliedmassen, sondern kommunizieren auf eine andere, eine subtilere Art das Schrecken des Krieges. Der “Durchschnittsbürger“ muss sie sich angucken können und doch muss sich das Bild in unser kollektives Gedächtnis einbrennen.

Zugegeben, das Foto von Omran ist blutig, aber er hat überlebt! Scheinbar wäre ein totes Kind zu hart gewesen. Auch das Video von der Szene ist genau genommen ein sehr ruhiges. Ein Junge sitzt blutverschmiert auf einem Stuhl, er schreit oder weint aber nicht, wir hören auch keine Kriegsgeräuche, keine Schüsse oder Einschläge und doch wissen wir alle welchen Horror dieser junge Mensch gerade durchmacht.

Ich bin mir sicher, dass uns dieses Bild noch einige Tage verfolgen wird. Vielleicht bekommt Oman Daqneesh sogar einen Wikipedia Eintrag. Doch dann werden werden wir ihn wahrscheinlich langsam wieder vergessen…. und der Krieg in Syrien geht weiter.

Drohnen, überall Drohnen!

Passend zum Neustart in Hamburg habe ich mit zwei Freunden in eine professionelle Drohne investiert. Ich bin eigentlich nicht besonders an Technik interessiert, doch dieses Stück Hightech ist sehr beeindruckend. Es ist eine DJI Inspire 1 Raw (falls das jemandem was sagt…), kostet mit Zubehör rund 7000€ und ist vollgestopft mit schlauen Sensoren und blinkenden Lämpchen.
Wir haben uns aus verschiedenen Gründen entschlossen eine Drohne anzuschaffen. Wie gesagt, die Technik ist nicht der Hauptfokus, vielmehr ist es die neue Perspektive als Zusatz zu dem was wir als Fotojournalisten eh machen – Nämlich Geschichten erzählen. Natürlich müssen wir zu diesem Zweck Herr dieses komplexen Gerätes werden und die vielen Knöpfe betätigen können. Dies kostet Zeit Nerven und Übung. Nach einer ersten Bruchlandung in einer Tanne ist das Gerät allerdings gerade im “Krankenhaus“.

Übung macht den Meister. Illegaler Drohnenflug im Garten. © Julius Schrank

Übung macht den Meister. Illegaler Drohnenflug im Garten. © Julius Schrank

Wenn man sich in der Welt der Luft und Drohnenfotografie mal umschaut, fällt mir auf, dass die Leute eher technikversierte Amateure als professionelle Fotografen sind. Deshalb gibt es zahlreiche Anbieter für Drohnenaufnahmen. Meist findet man auf deren Websites Aufnahmen von Firmengeländen, Hochzeiten oder Blumenfeldern. No offence, doch ich denke eine Drohne bietet auch im Bereich der journalistischen Fotografie viele Möglichkeiten und ist weit unterschätzt. Bei meiner Recherche fiel mir auf, dass es noch nicht viele Beispiele gibt, bei denen die Vogelperspektive als erzählerisches Mittel für journalistische Geschichten genutzt wird.
Ein paar Arbeiten habe ich jedoch gefunden und möchte diese gerne vorstellen:

Thomas van Houtryve’s Arbeit „Blue Sky Days“ ist so eine. Van Houtryve hat in den USA Luftbilder von Situationen gemacht, die an den US Drohnenkrieg in Pakistan oder dem Jemen erinnern, der bisher tausende Zivilisten das Leben kostet hat. Er nimmt uns mit in die Welt eines Drohnenpiloten der U.S.Army der aus einem Kontrollzentrum in Nevada oder New Mexico über Leben und Tod am anderen Ende der Welt entscheidet. Dazu überflog Van Houtryve Orte und Situationen des alltäglichen Lebens in den USA. Von oben betrachtet hätten diese Bilder ebenso im afghanisch-pakistanischem Grenzgebiet gemacht sein können. Schaut man genauer hin, entpuppt sich zum Beispiel die Ansammlung betender Muslime als eine Yogasession im Park von San Francisco.

Suspect behavior - People exercise in a public park in San Francisco. Aus der Serie "Blue Sky Days". © Tomas van Houtryve

Suspect behavior – Menschen beim Workout in einem öffentlichen Park in San Francisco. Aus der Serie “Blue Sky Days”. © Tomas van Houtryve

Ein weiteres Beispiel ist die Arbeit des italienischen Fotografen Rocco Rorandelli. Er fotografierte die Flüchtlingsroute quer durch Europa aus der Vogelperspektive. Seine Aufnahmen zeigen Menschen auf der Flucht, irgendwo zwischen Griechenland und Deutschland. Auf dem ersten Blick wirken die Bilder anonym, aus großer Distanz aufgenommen, fast wie Ausschnitte aus einer Landkarte. Doch schaut man genauer, offenbaren sie zahlreiche Details – der Müll entlang des Weges, Schlangen bei einer Essensausgabe, Menschen die sich gegenseitig aus dem Matsch ziehen.
Mich erinnern einige der Aufnahmen an Ameisenstraßen, die sich durch die Natur ziehen. Irgendwie planlos und doch scheinen alle ein Ziel zu verfolgen.

Aus Rocco Rorandelli's Serie: "Trans Europe Migration".

Aus Rocco Rorandelli’s Serie: “Trans Europe Migration”.

Fakt ist: Drohnen sind angesagt und ein neuer Verkaufshit. Vor kurzem war ich im Mediamarkt und sah dort ein Angebot von ca. 20 Drohnen in verschiedensten Ausführungen und Preiskategorien. Es gibt auch bereits ein Drohnen-Pendant zu Instagram; Es heißt (wie auch sonst)  “Dronestagram“. Letzten Monat wurde zum dritten mal der “International Drone Photography Award“ von Dronestagram und National Geographic verliehen. Es wurden über 6000 Bilder eingesendet….

Allerdings werden Drohnen mittlerweile weitaus breiter eingesetzt als zum Fotos machen und Krieg führen. So wurde Ende 2014 in Londons größtem Kultur und Konferenzzentrum, dem “Barbican“ eine life musik-performance mit verkleideten Drohnen aufgeführt: Das Loop>>60Hz. Dabei wurde die Stimme des Sängers von den Drohnen, an denen Lautsprecher befestigt waren, durch den Theatersaal getragen. Auch der Cirque du Soleil entwickelte eine beeindruckende Performance bei der Mensch und 10 Quadrocopter synchron miteinander Tanzten.

Wie sich die Drohenfotografie in Bereich der erzählerischen Fotografie weiterentwickeln wird bleibt abzuwarten. Ich denke, wir werden in Zukunft noch einige innovative Projekte zu sehen bekommen.