Manfred Zollner

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit: Giacomo Brunelli

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Ein Flaneur müsse seine Sinne stets für das Große und Ganze öffnen, stellt Luc Sante in seinem gerade erschienen Buch „The Other Paris“ (Farrar, Straus and Giroux) fest. Neben all dem Offensichtlichen im Stadtleben eben auch für das Ephemere und all das, was gewöhnlich unterhalb unserer Wahrnehmungsgrenzen läge. Für die Textur und den Geschmack des Unbeschreiblichen und jene Dinge, die viel zu subjektiv seien, als dass sich ihnen je ein Reporter widmen würde. Ja, der Flaneur benötige geradezu einen sechsten Sinn für die Geister der Straße, ohne gleich an Übernatürliches zu glauben. Denn auf der Straße sei die Vergangenheit doch stets gegenwärtig.

In einer Zeit, in der Fußgänger lieber auf die Textbotschaften ihrer Smartphones starren, als ihren Blick für die Stimmung und das Ambiente einer Stadt zu schärfen, droht die Idee des sich entschleunigt treiben lassenden Flaneurs aus unserem kulturellen Gedankengut zu verschwinden. Wer will denn heute überhaupt noch Geister sehen?

Giacomo Brunelli ist in vielerlei Hinsicht ein Flaneur alter Schule. Geister tauchen gewissermaßen in den tiefschwarzen Schattenzonen oder im milchigen Unschärfebereich seiner Bilder auf. Und manchmal auch im wahnwitzig aggressiven Blick eines Straßenköders unmittelbar vor seiner Linse. Gerne erinnert man sich noch seiner „Flaneur“-Installation, die im Sommer 2015 vor dem Hamburger Rathaus seine Motivwelt in großen Lichtwürfeln zum Leuchten brachte. Brunellis derzeit in der Fotogalerie von Robert Morat präsentierte Bilder der Hansestadt wurden also ursprünglich von der Hamburger Triennale der Fotografie in Auftrag gegeben. Doch erst jetzt, im dunklen Holzrahmen an den Wänden der Galerie, entwickeln diese Motive vollends ihren träumerisch-narrativen Charme. Hier ist der vom Fotokünstler kontrastreich abgezogene Schwarzweißprint geradezu haptisch erfahrbar und hier intensiviert sich die nostalgische Note dieser Bilder noch einmal. Bei dem Italiener wird die Stadt zur Kulisse emotionaler Begegnungen, die einem Orson Welles-Film entnommen sein könnten. Derart düstre Stadtimpressionen in „Noir“, mit einem abgrenzendem (stets die Perspektive des Fotografen betonenden) Negativrand, kennen wir beispielsweise von einer US-Fotokünstlerin wie Susan Burnstine.

International bekannt geworden ist der in London lebende Fotokünstler Giacomo Brunelli 2008 mit seiner Serie „The Animals“ (Dewi Lewis Publishing). Auch diese stilistisch ähnlichen Tier-Portraits im finstren Streetstyle sind mit einer alten, analogen Miranda Sensomat-Kamera aus den 1960er-Jahren entstanden, die er gerne in Bodennähe und aus der Hüfte schießend einsetzt. Seine Tierbilder vermitteln uns Momente mit einer tiefenpsychologisch angelegten Instinkthaftigkeit, einer überraschenden bildjournalistischen Unmittelbarkeit und Nähe, die unsere Reaktionen unmittelbar herausfordert.

Tiere tauchen auch in Brunellis Hamburg-Bildern als bereitwillige Akteure auf. Hunde, Möwen, Graugänse begleiten uns in diesen manchmal fast schon scherenschnittartig angelegten Aufnahmen, die im Laufe von zwei jeweils dreiwöchigen Aufenthalten in der Stadt entstanden sind. Der Fotograf interessiert sich – wie bei der vorangegangen Serie „Eternal London“ in seiner britischen Wahlheimat ¬ – für die spontanen Begegnungen mit Mensch und Tier. Mit einer ausgefeilt individualisierten Bildsprache voller Schatten und Silhouetten zeigt er uns die dunkle Seele der Street Photography, vignettiert dabei akzentuierend seine Motive, dass sie und bisweilen wie im Traum anmuten.

Seine Hamburger Wege führen uns immer wieder zur Binnenalster und dem Elbufer. „Das Wasser bringt dort Mensch und Tier zum Innehalten, deshalb konnte ich mit meinen Fotos hier weiter gehen“, erzählt er. „Die vielen Kanäle und Brücken in der Stadt haben mir neue Perspektiven geöffnet, mit denen ich anderswo noch nie arbeiten konnte. Das Element Wasser habe seinen Bildern von der Waterkant eine neue faszinierende Dimension gegeben, die er in London nicht hatte.

Giacomo Brunelli ist ein in Jäger und Sammler, dessen Bildgeschichten die Straße, die Hinterhöfe einer Stadt, die Wiesen und Felder einer Landschaft schreiben. Der Mensch bleibt dabei immer nur ausschnitthaft, in Umrissen erkennbar, er repräsentiert im diffusen Licht der Morgen- und Abendstunden eher den aus der Zeit gerissenen Flaneur, den Spaziergänger, als konkrete Charaktere. Ein Bildhintergrund solle im Idealfall die Emotionen der abgebildeten Menschen reflektieren, hat der Fotokünstler mal in einem Interview angedeutet. In seinen Motiven verschmilzt diese Emotion zu einer melancholischen Grundstimmung, die in uns, den Betrachtern Verankerungen sucht.

Giacomo Brunelli: Hamburg, vom 16. Januar bis 12. März 2016 in der Robert Morat Galerie, Kleine Reichenstraße 1, 20457 Hamburg. Website: www.robertmorat.de

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Portrait des Fotokünstlers: © Manfred Zollner
Alle anderen Fotos: © Giacomo Brunelli

Haley Morris-Cafieros „The Watchers“

© Haley Morris-Cafiero

Flander

Sunscreen

TurtleEs sind diese Blicke, die uns in Erinnerung bleiben werden: Abschätzend, herablassend in der jugendlich-dumpfen Arroganz derjenigen, die ein paar Kilo weniger auf den Knochen haben. Direktes, aufdringliches Gegaffe genormter Durchschnittsbürger mit amüsiertem Grinsen und offenmundigem Staunen hinter dem Rücken einer Frau mit anderen Körpermaßen. Die zum Bild gefrorene Einstellung zeigt sich uns in der entlarvenden Mikrogeste während eines – ohne Kamera kaum wahrnehmbaren – Sekundenbruchteils.

Keiner dieser Passanten ahnte zum Zeitpunkt der Aufnahme, dass sein Blick integraler Bestandteil eines künstlerischen Anliegens werden könnte. Er bemerkte nicht einmal, dass er im Mittelpunkt einer mühseligen, weil völlig unberechenbaren Fotosession stand. Jetzt ist er Teil von Haley Morris-Cafieros Langzeitprojekt The Watchers. Der Beobachtende wird selbst beäugt. Von Haley, von uns und von der Gesellschaft.

Haley Morris-Cafiero inszeniert sich im öffentlichen Raum. Das heißt: sie stellt sich hin, skatet entlang einer Strandpromenade, schleckt ziemlich unspektakulär an ihrem Softeis oder wartet einfach nur. Vor ihr: eine Kamera mit Selbstauslöser, vielleicht auch mal Assistenten hinter ihrer Kamera. Den Rest übernehmen die Passanten. Denn ab jetzt wird jene spontane Interaktion festgehalten, die zwischen dieser scheinbar so gänzlich in sich ruhenden Amerikanerin und anderen anwesenden Personen auf diesen öffentlichen Plätzen stattfindet.

In dieser gänzlich eigenständigen Mischung aus öffentlich inszenierter Portrait- und sozialpolitisch engagierter Dokumentarfotografie schreiben also Zufallsbegegnungen die Story. Wir können uns vorstellen, wie viel Leerlauf das Warten auf jene signifikanten Aufnahmen mit sich bringt, die erst die spätere Bildschirm-Analyse offenlegen wird. Erst in ihrer Summe kann dann aus vielen fixierten Einzelreaktionen ein relevantes Statement werden.

Manchmal spiegelt sich der fiese Blick der Betrachter selbst in deren Körperhaltung. Dann wird aus einer davor verborgenen „Einstellung“ plötzlich eine direkte, gestikuläre „Stellungnahme“, wenn etwa der Polizist in New Orleans die Abgebildete mit einer Macho-Pose hinterrücks dekoriert. Dann zeigen sich offene Formen der Ablehnung und Diskriminierung, die viele dieser Menschen öffentlich nie artikulieren würden. Oder etwa doch?

Haley Morris-Cafieros Bilder sind mittlerweile zu einer kleinen viralen Sensation geworden, zum Medienereignis mit Nachrichtenwert, das Amerika zur Reflektion gezwungen hat. Und noch bevor dieser Tage ihr crowdfinanzierter Bildband „The Watchers“ von der Magenta Foundation publiziert worden ist, hat die auch als Professorin am Memphis College of Art lehrende Künstlerin im Web viel Zuspruch, aber auch offene Hass-Kommentare geerntet. Auszüge dieser verbalen Reaktionen nahm sie nun ebenfalls in ihren wichtigen Bildband auf.

Das dort beschriebene Phänomen des diskriminierenden Blicks ist natürlich keineswegs landesspezifisch, wie Haley über einen Zeitraum von nun bereit fünf Jahren dokumentiert hat. Als Aufnahmeorte wählte neben US-Metropolen unter anderem auch öffentliche Räume in Berlin, Barcelona, Paris oder Prag.

Ist unsere Gesellschaft tatsächlich schon von derart konstruierten Körperidealen besessen, dass Abweichungen vom diesem künstlichen Schönheitstypus mit Hass und Spott abgestraft werden? Weil Barbie-Puppen, Lara Croft-Figuren und, ja selbst die „Silikone“ Pamela Anderson Generationen auf Slim-Fit-Format geeicht haben? Haley Cafiero-Morris arbeitet hier im doppelten Sinne mit einer Spiegelreflexkamera. Sie hält der Gesellschaft einen Spiegel vor, der ihre Reflexe aufzeigt.

„The Watchers“ erscheint mir deshalb in seinem konzeptionellen, ästhetischen und gesellschaftspolitischen Ansatz als eines der spannendsten Fotoprojekte seit Jahren.

Foto: © Haley Morris-Cafiero

Zum Tod von Marc Lagrange

Marc Lagrange fotografiert von Stephan Vanfleteren

Es gibt bislang nur spärliche Informationen, doch mittlerweile haben die spanischen Behörden und die Brüsseler Young Gallery offiziell bestätigt: Am ersten Weihnachtsfeiertag 2015 ist Marc Lagrange unter tragischen Umständen auf Teneriffa ums Leben gekommen. Am Tag seiner Anreise verunglückte der 57-jährige Belgier in einem Golfcart auf dem Gelände seines Hotels in Guia de Isora.

Die Tragödie ereilte einen der besten und erfolgreichsten Aktfotografen unserer Tage auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Nachdem ihn der 2013 erschienene Bildband „Diamond & Pearls“ weit über Belgien hinaus auf dem internationalen Kunstmarkt etabliert hatte, war bei uns erst vor wenigen Wochen Marcs neues Fotobuch „Senza Parole“ bei uns veröffentlicht worden.

Marc Lagrange vereinte in seinen besten Bildern die Hintersinnigkeit eines Arthur Schnitzler mit der wilden Gedankenwelt später Federico Fellini-Filme. In opulenten, oft riesig vergrößerten Bildszenarien konnte dieser Fotokünstler bourgeoise Lust-Phantasien mit der provokativen, surrealen Kraft eines Louis Bunuel im Ambiente eines Luchino Visconti-Dramas inszenieren. Seine Bild gewordenen Lust-Spiele zelebrieren zwischen westlicher Bohème und orientalischem Harem meisterhaft die Abenteuer und Ausschweifungen der Libido.

Die Frau war in dieser Motivwelt, wie einst bei Helmut Newton, zugleich zeigefreudige Muse und selbstbewusste Partnerin im ewigen Reigen um Versuchung und Verführung. Seine exklusiven Sets in Schlössern, Luxushotels und Künstlerateliers dienten Marc Lagrange als Bühne des Unterbewussten, auf der dezent orgiastisch Triebe und maskuline Sehnsüchte ausgelebt und traumartig Tabu-Brüche angedeutet wurden. Der Belgier zelebrierte feminine Schönheit und Eros, er inszenierte makellos perfekte Körper und Szenarien der Seh(n)sucht. Häufig führten uns seine Bilder dabei in eine scheinbar vergangene Welt gepflegter großbürgerlicher Ausschweifungen.
In Zeiten omnipräsenter, billiger Internet-Erotik setzten Lagranges Werke auf die narrative Kraft elaborierter, bisweilen exotischer „One-Picture-Movies“, die die Phantasie der Bildbetrachter anfeuern. So wird sein Werk noch weit über die Gegenwart hinaus Bestand haben, während das Genre der künstlerischen Aktfotografie derzeit seine bislang größte Krise durchlebt.

In meiner Küche steht eine etwa 40 cm große Plastik, die den französischen Chansonnier Serge Gainsbourg in comicartiger Überzeichnung zeigt. 2013, bei meinem ersten Besuch in Marc Lagranges Antwerpener Hinterhofstudio, stand diese Statue in einem Regal neben dessen Schreibtisch. Einen kurzweiligen, verregneten Winternachmittag lang plauderten wir über die Kunst und die Fotografie und sprachen auch kurz über Serge und dessen Lieder, bevor wir uns Marcs damals gerade geplanten Bildband „Diamonds & Pearls“ zuwandten. Knapp eine Woche nach meiner Rückkehr in die deutsche Heimat stand die Gainsbourg-Skulptur sicher verpackt vor meiner Haustür. Marc hatte sie mir per Kurier hinterher geschickt. Er konnte in seiner spontanen Herzlichkeit unendlich großzügig sein und seine Freude und Faszination für die Kultur von Gestern und Heute mit anderen teilen.

Die kleine Gips-Skulptur in meiner Küche wird mich ab sofort an zwei viel zu früh verstorbene Künstler erinnern. Marcs Lagranges Tod ist in der deutschen Presse bislang noch fast überhaupt nicht kommuniziert worden, nachdem die Familie des Künstlers keine Informationen über die tragischen Ereignisse zur Weihnachtszeit veröffentlicht hat. Es ist jetzt an der Zeit, sein fotografisches Vermächtnis hierzulande zu würdigen.

Von Fotos, die Eindruck hinterlassen

© Manfred Zollner

Die Nachricht flatterte kurz vor Jahresende in die US-Haushalte. Wissenschaftler hätten jetzt aufgedeckt, was ein Foto zeigen müsse, um in Erinnerung zu bleiben, vermeldete die Washington Post am 29. Dezember 2015. Wenn das nicht nach einer mysteriösen neuen Geheimformel klingt. Das Geheimnis der nachhaltigen, ja unvergesslichen Fotografie? Endlich! Gelüftet!!

Die nüchterne Wahrheit hinter der journalistischen Schlagzeile der amerikanischen Tageszeitung liegt, wie so oft im Zeitalter von Big Data, in neuesten Erkenntnissen der Computerwissenschaft. In Analysen menschlicher Auswahlkriterien bei der Bildbetrachtung. Und letztlich in komplexen Wahrscheinlichkeitsrechnungen nach dem Motto: Menschen, die dieses Foto mögen, werden auch jenes lieben. Sie kennen ein ähnliches Prinzip beispielsweise vom Bucheinkauf beim Online-Versandhändler Amazon.

Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT)  haben tatsächlich jetzt einen neuen Algorithmus entwickelt, der unvergessliche Fotos in der medialen Bilderflut ausfindig macht. Hinter Ihrer Arbeit verbirgt sich eine Frage, die jeden Fotografen interessieren sollte: Woran erinnern wir uns nach den Betrachten von Fotos und welche Bilder bleiben in unserem Gedächtnis haften? Die Antwort der Wissenschaftler sollte nicht sonderlich überraschen: Aufnahmen, die sich von anderen unterscheiden, werden von uns besser erinnert. Seltsame, surreale und widersprüchliche Fotos gehören dazu. Bilder mit einem Spannungsbogen, die Dinge andeuten aber nicht auflösen. Die Aufnahme eines Stop-Schildes im Straßenverkehr, auf das jemand „GO“ gesprüht hat prägt sich demnach stärker ein, als das Foto einer „normalen“ Straßenkreuzung mit Stop-Schild.

Den neuen MemNet-Algorithmus können auch Sie testen. Dazu müssen Sie Ihre Bilder auf diese Website http://memorabilty.csail.mit.edu/demo.html  laden. Die Analyse-Software der Universität wird Ihnen zeigen, welche Bildbereiche in Ihrer Aufnahme den größten Wiederkennungswert besitzen. Vor der Entwicklung dieses Analysewerkzeugs zeigten Aditya Khosla und seine Forscherkollegen ihren Probanten hunderte Fotos zweimal und werteten anschließend aus, welche davon wiedererkannt wurden. Der MemNet-Algorithmus suchte anschließend im Bildvergleich nach den Merkmalen, die jene Auswahlfotos unvergesslich machten.

Für den zeitgenössischen Bildjournalismus bleibt diese Auswertung allerdings ungenügend. Der Computer kann die historische Bedeutung eines Fotos und komplexer sozio-kultureller Zusammenhänge heute noch nicht einordnen. Als Beispiel nennen die Forscher jenes berühmte Foto des Protestierenden, der sich 1989 mutig vor die Regierungspanzer an Pekings Tiananmen Square stellte. Laut Algorithmus besitzt das Bild wenig Erinnerungswert. Dazu müssten wohl erst die Bedeutung von Aufnahmeort und –zeitpunkt, kulturelle und gesellschaftspolitische Faktoren einbezogen werden.

Fakt bleibt jedoch: künstliche neuronale Netzwerke werten heute bereits nicht nur am MIT unseren Bildgeschmack aus und folgen jenen digitalen Spuren, die unser User-Verhalten im Web hinterlassen. Diese helfen den Wissenschaftler dabei, eine neue Matrix unseres Denken und intuitiven Fühlens festzulegen.

Wie weit sind wir heute davon entfernt, dass ein für uns individualisierter Algorithmus in unserem Computer Bilder selektiert, die vermeintlich unserem Geschmack entsprechen? Die aktuelle Forschung um „Deep Learning“ und Künstliche Intelligenz hat diesen Weg längst beschritten. Analysiert würden dann all die von uns beim Surfen (eventuell etwas länger) betrachteten Bilder.

Fragt sich nur, ob wir derlei Bevormundung gut finden und wie derlei suggestive Software-Vorselektion langfristig unser ästhetisches Empfinden prägt. So mögen die neuen Erkenntnisse der MIT-Forscher didaktisch in der visuellen Kommunikation sehr hilfreich sein und sich die Werbewirkungsforschung schnell vieles davon aneignen. Ein gesellschaftlicher Diskurs darüber, welche Folgen derlei neuronale Netze für unser visuelles Denken und Gedächtnis haben, ist jetzt jedoch mindestens ebenso dringend nötig.