Meike Gatermann

Fotosommer an der Elbe – Teil 2

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Das Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) zeigt die ambitionierte Fotoausstellung „When We Share More Than Ever“ mit rund 200 historischen Exponaten und Werken von zehn zeitgenössischen Künstlern wie Nobuyoshi Araki, Terry Richardson oder Taryn Simon. In zehn Kapiteln geht es hier um das Teilen und Sammeln von Bildern. Esther Ruelfs, die Fotokuratorin des MKG, spannt den Bogen weit: von historischen Studioaufnahmen bis hin zu Portalen wie Facebook und Twitter. Der Kunstverein wiederum beschäftigt sich im Rahmen der Triennale mit der Relevanz von fotografischen Bildern und Abbildern innerhalb des zeitgenössischen Kunstdiskurses. In den sechs Kapiteln ihrer Schau „The Day Will Come – When Photography Revises“ entwickelt Direktorin Bettina Steinbrügge zusammen mit ihrer Co-Kuratorin Amelie Zadeh ganz unterschiedliche Fragekomplexe. Aktualität und Zukunft der Fotografie mit ihren Möglichkeiten, aber auch Grenzen stehen im Zentrum dieser intellektuell aufgeladenen Schau über das Denken in Bildern. Unter anderem mit dabei sind Harun Farocki, Dirk Stewen, Josephine Pryde und Tris Vonna-Michell.

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Phototriennale: Ai Weiwei, 11. Juni, 2014, auf Instagram gepostetes Foto, Courtesy Ai Weiwei Studio, © Ai Weiwei

Das Haus der Photographie in den Deichtorhallen zeigt unter dem Titel „The Day Will Come When Man Falls“ eine große Einzelausstellung des in New York lebenden britischen Fotografen Phillip Toledano, Jahrgang 1968. Er gibt damit dem Leitmotiv der Triennale „The Day Will Come“ eine eher pessimistische Wendung. 160 Arbeiten aus teilweise nie zuvor gezeigten Serien sind zu sehen. Außerdem sechs Kurzfilme und ein gerade erst fertig gestellter Dokumentarfilm. International bekannt geworden ist Toledano mit der Serie „Days With My Father“, in der er die letzten drei Lebensjahre seines an Alzheimer erkrankten Vaters mit der Kamera begleitete. Das bedrängte Individuum im Zeichen von Bedrohungsszenarien und apokalyptischen Vorstellungen vom Ende der Menschheit rückt Phillip Toledano gekonnt in den Fokus. Ergänzt wird diese Schau durch eine Kabinettausstellung mit rund 50 Porträts aus der Sammlung von F.C. Gundlach.

Weitere Infos unter www.phototriennale.de

Fotosommer an der Elbe

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Vom Selfie bis zum Baryt-Abzug: In diesem Sommer steht Hamburg mit zahlreichen Ausstellungen ganz im Zeichen des Mediums Fotografie.

Hamburg. Hamburg im Fotofieber: Vor vier Jahren fand die 1999 von der Hamburger Fotografie-Legende F. C. Gundlach, Jahrgang 1926, gegründete Triennale der Photographie mit Ausstellungen in nahezu allen Hamburger Museen und Galerien zum bisher letzten Mal statt. 200.000 Besucher haben sie damals gesehen. Im Juni startet nun die 6. Ausgabe der Megaschau. Zwecks weiterer Schärfung des Profils wurde der international ausgerichtete, polnische Fotospezialist Krysztof Candrowicz, Jahrgang 1979, zum künstlerischen Leiter bestimmt. Erstmals hat die Phototriennale damit einen externen Kurator. Unter dem Bibelmotto „The Day Will Come“ stellt er das Thema Zukunft in den Fokus. „In der Fotografie dreht sich eigentlich alles um die Vergangenheit“, sagt Candrowicz. „Wir nehmen die Herausforderung an, die Zukunft mit den Mitteln der Fotografie vorauszusagen.“ Welche Rolle spielt die künstlerische Fotografie in einer durch Handybilder, Selfies und soziale Netzwerke visuell übersättigten Gesellschaft? Aktuellen Fragen wie dieser will die Phototriennale auf den Grund gehen.

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Phototriennale: Eva Leitolf (*1966) Überfahrt, Melilla-Almería, Mittelmeer, 2009 aus der Serie: Postcards from Europe Archivpigmentdruck auf Karton, Konsole, Postkarten, 68,6 x 83,5 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Die Gruppenschau „When There Is Hope“ zu den Themen Identität und Emigration ist in der Hamburger Kunsthalle zu sehen. Die Werke stammen überwiegend aus der Sammlung der Deutschen Bank. Viele Fotokünstler setzen sich in der Schau mit ihrer eigenen Migrationsgeschichte, aber auch ganz allgemein mit den Lebensbedingungen von Flüchtlingen auseinander. Mit dabei sind etwa die indische Künstlerin Dayanita Singh, der Chinese Cao Fei und der Albaner Adrian Paci. Momente der Hoffnung, Utopien und die Suche nach dem eigenen Ich in einer fremden Welt prägen die inhaltlich stark aufgeladenen Fotografien dieser Schau.

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Phototriennale: Robert Longo (geb. 1953): Ohne Titel (Drachenkopf), 2005, aus der Serie „Monster“, DZ BANK Kunstsammlung, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015

>>> Fortsetzung folgt.