Thomas Wiegand

Thomas Wiegand (* 1960), Fotograf und Kunsthistoriker, arbeitet in den Bereichen Denkmalpflege, Fotogeschichte, Fotobücher. Redakteur von www.kasselerfotobuchblog.de, Mitarbeiter bei www.fotokritik.de, Mitbegründer des Kasseler Fotobuchfestivals, Autor des Buches „Deutschland im Fotobuch“ (2011).

Photographer and art historian Thomas Wiegand (* 1960) works in the fields of historic preservation, the history of photography, and photographic books. He is the editor of www.kasselerfotobuchblog.de and also works for www.fotokritik.de. He is founder of the International Fotobookfestival in Kassel and author of "Deutschland im Fotobuch" (2011).

Buchschutz: Do it yourself!

Fotobücher zu sammeln ist ein Vergnügen, das neben Engagement, Zeit und etwas Geld vor allem Strategien erfordert: Was interessiert mich, wo finde ich es, wieviel möchte ich dafür anlegen, wie werde ich die Schätze irgendwann wieder los? Da es sich oft um wertvolle Stücke handelt, sollen hier kurz und knapp einige Fragen der Werterhaltung im Mittelpunkt stehen.

Beim Kauf oder Verkauf ist der Zustand eines Buches bei der Preisfindung immer ein wichtiges Kriterium: gut erhaltene und vollständige Exemplare sind begehrter und damit teurer als andere. Es kommt dabei sicherlich auch auf die Auflagen und Ausgaben an, aber bleiben wir bei den Zuständen. Diese werden im internationalen Handel mit englischen Begriffen anders klassifiziert als es die wörtlichen Übersetzungen nahelegen: mint = neuwertig, fine = sehr gut (minimale Gebrauchsspuren), near fine = annähernd sehr gut (leichte Gebrauchsspuren), very good = gut (normale Gebrauchsspuren), good = befriedigend (deutliche Gebrauchsspuren), fair = schlecht, poor = sehr schlecht.

Bücher mit Zuständen unter very good oder ohne Schutzumschlag, ehemalige Bibliotheksexemplare, Bücher mit Wasserschäden oder in modernisierten Einbänden sollte man nur dann kaufen, wenn es wirklich kein anderes Angebot gibt oder es sich um sonst sehr teure oder extrem seltene Werke handelt. Vielleicht kann man diese ja irgendwann gegen bessere Exemplare eintauschen.

Entwertet, aber erschwinglich: ein ehemaliges Bibliotheksexemplar

Entwertet, aber erschwinglich: ein ehemaliges Bibliotheksexemplar

Weitere Sonderausstattungen von Büchern sind Schuber, werbende Banderolen (= Obi, Bellyband, Bauchbinde) und Beilagen wie Lesezeichen, Prospekte, Postkarten oder Schallplatten. Für solche Extras ist in jedem Fall mit einem Aufpreis zu rechnen. Ob man einen neutralen Transportschuber aus Graupappe unbedingt braucht, mag dahingestellt sein. Für einen bedruckten Schuber, der an die Stelle eines Schutzumschlags tritt, sieht das wieder anders aus. Schutzumschläge gehören zum Buch dazu; sie sind sozusagen als Gesicht eines Buches oft ausdrucksstark gestaltet.

Rarität: Verlagsprospekt

Rarität: Verlagsprospekt

Es gibt noch immer Leute, die Schutzumschläge, Banderolen oder Schuber nach Kauf eines Buches sofort entsorgen. Bibliotheken machen das schon immer so, denn durch die Benutzung leiden die fragilen Umhüllungen und erlauben auch nicht, Nummern und Aufkleber sicher zu verankern. Oft sind Bibliotheksexemplare unsensibel, aber stabil neu gebunden. Für private Besitzer gilt jedenfalls: Soweit vorhanden Umschläge, Schuber etc. unbedingt am Buch belassen!

Grundausstattung: Falzbein, Pinsel, Japanpapier, Radierschwamm, Buchschutzfolie

Grundausstattung: Falzbein, Pinsel, Japanpapier, Radierschwamm, Buchschutzfolie

Dass man wertvolle Bücher nicht im muffigen Kellern oder im direkten Sonnenlicht aufbewahrt, dürfte jedem einleuchten. Was aber kann man zum Schutz der bei älteren Büchern oft schon lädierten Umschläge und Einbände tun? Lose Schutzumschläge lassen sich sehr einfach sichern, indem man sie mit archivfeste Buchschutzfolien oder -doppelfolien umhüllt. Diese müssen unbedingt aus alterungsbeständigem Material hergestellt sein und dürfen keine negativen Auswirkungen auf die eingelegten Umschläge haben. Es gibt klare Polyester- (bzw. Mylar-)Folien in unterschiedlichen Stärken, die man (nach Ausmessen und vorherigem Falzen!) um Einbände oder Schutzumschläge legen kann. Vorteil dieser sogar mit UV-Schutz erhältlichen Folien ist, dass man immer auch die (offen bleibende) Rückseite des Schutzumschlags sehen kann. Nachteil ist eine geringere Stabilität. Selbstverständlich wird die Folie nur lose umgeschlagen und am oder im Buch NICHT festgeklebt! Folien, die an der oberen Kante mittels eines konservatorisch unbedenklichen Klebers mit einem rückseitigen Archivpapier verbunden sind, bieten für die eingelegten Schutzumschläge einen noch besseren mechanischen Schutz. An der unteren Kante wird der überstehende Rand umgelegt und die Umschlagstelle mit einem Falzbein geglättet und gefalzt. Bei Bedarf kann man den umgelegten Teil mit etwas Archivklebeband fixieren. Es gibt auch Produkte, bei denen bereits ein Klebestreifen eingearbeitet ist, was die Sache vereinfacht. Diese Materialien sind nur für Schutzumschläge geeignet, die damit optimal gegen Einreißen und Bereiben (beim Entnehmen aus dem Regal passiert das schnell!) gesichert sind. Nachteil: wenn man die Umschläge zum Beispiel zum Fotografieren wieder entnehmen möchte, muss man das ganze „Sandwich“ wieder auseinandernehmen. Außerdem wird ein prüfender Blick auf die Rückseite des Schutzumschlags durch das Rückseitenpapier der Schutzhülle erschwert. Dieser Blick wird freilich nur beim Kauf oder Verkauf des Buches nötig sein. Vorbeugend lohnt es sich, auch nagelneue Bücher in (selbstverständlich reversible) Archivfolie zu hüllen. Gute Buchhändler und Antiquare machen das schon lange so, denn das minimiert die Spuren, die Interessenten beim Blättern im Laden oder auf Festivals hinterlassen.

Schutzumschlag falsch geklebt: Transparentband vergilbt

Schutzumschlag falsch geklebt: Transparentband vergilbt

Schutzumschlag falsch geklebt: nassklebendes Paketklebeband verhinderte immerhin größere Schäden, müsste aber entfernt werden

Schutzumschlag falsch geklebt: nassklebendes Paketklebeband verhinderte immerhin größere Schäden, müsste aber entfernt werden

Schutzumschlag lädiert: Restaurierung wäre möglich und sinnvoll

Schutzumschlag lädiert: Restaurierung wäre möglich und sinnvoll

Puristen mögen keine restaurierenden Maßnahmen an ihren Büchern und Schutzumschlägen. Auch ohne speziell ausgebildeten Papierrestaurator kann man aber noch ein paar weitere Handgriffe selbst ausführen. Staub auf Einbänden lässt sich mit speziellen Radiergummis oder Radiergranulaten entfernen. Normale Radiergummis lieber nicht verwenden, sie sind meist zu hart und manchmal auch gefärbt! Lose sitzender Staub lässt sich einfach mit einem weichen Pinsel beseitigen. Verschmutzung auf versiegelten bzw. laminierten Oberflächen von Einbänden oder Umschlägen lassen sich vorsichtig mit Wattestäbchen entfernen, die, je nach Charakter des Schmutzes, mit ein wenig destilliertem Wasser oder mit einem selbstverständlich farblosen Lösungsmittel getränkt sind. An einer unauffälligen Stelle unbedingt vorher testen! Muffige Gerüche, die alte Bücher wegen zu feuchter Lagerung oft verströmen, werden (fälschlicherweise) von Antiquaren oft nicht als Mangel angesehen, stören aber sehr. Lavendelblüten oder frisch gemahlener Kaffee, für einige Zeit zuammen mit dem Buch in einer verschlossenen Plastiktüte aufbewahrt, helfen, das Odeur zu mildern. Da meist der ganze Buchblock übel riecht, wird man mit dieser Einfachmethode keine wirklich guten Ergebnisse erzielen. Für hartnäckig Muffelndes gibt es aber ein fertig konfektioniertes Buchdeo-Granulat, dessen zwei Wochen währende Anwendung ich aber noch nicht ausprobiert habe.

Einrisse in einzelnen Seiten des Buches lassen sich mit dem feinsten, aus fast transparentem Papier bestehenden Archivklebeband schließen. Für Risse in Schutzumschlägen verwendet man dünnstmögliches, langfaseriges Japanpapier, dass man vorzugsweise reißt (und nicht schneidet) und so sparsam wie möglich verwendet. Obacht: Viele Sammler tolerieren solche Eingriffe nicht! Der Umschlag mag nach dem Kleben besser aussehen, aber er ist dann vielleicht weniger wert. Ob man Umschläge als Faksimile mitbestellt oder anfertigen lässt, ist Geschmackssache. Es geht nichts über ein Original, aber das hat oft seinen Preis: Der berühmte und begehrte, doppelseitig bedruckte und wendbare Schutzumschlag für E.O. Hoppés Buch Deutsche Arbeit (1930) potenziert den Wert des eigentlichen Buches – da kommt man schnell in Versuchung, es mit einem Reprint zu versuchen.

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Die Restaurierung war schwierig: der doppelseitig verwendbare Schutzumschlag von E.O. Hoppés Buch

Die Restaurierung war schwierig: der doppelseitig verwendbare Schutzumschlag von E.O. Hoppés Buch

Wenn ein Buch größere Schäden hat wie Flecken, eine ausgeleierte Bindung, lose Seiten, Löcher oder ähnliches, sollte man diese von Anfang an tolerieren oder das Buch erst gar nicht erst anschaffen. Wenn beides keine Lösung ist und das Buch einen gewissen Wert hat, kann man ein solches Stück einem speziell ausgebildeten Restaurator anvertrauen. Das wird seinen Preis haben, dafür kann man sich aber wieder an dem Buch erfreuen und in die Hand nehmen, ohne Schäden zu befürchten. Aber: Eine professionelle Restaurierung mit Erhöhung des Nutzwerts kann den Verkaufswert des Buches – entgegen der Erwartungen des stolzen Besitzers! – durchaus schmälern. Das kommt freilich auf den Einzelfall an und es gibt dazu keine allgemeingültigen Richtwerte.

Materialien wie Buchschutzfolien, Radiermittel, Klebe- und Japanpapier sind bei Fachhändlern für Restaurierungs- und Archivierungszubehör zu bekommen. In Kassel sitzt einer der wenigen Händler in Deutschland, der auf solche Nachfragen eingestellt ist.

Horizonte, Fiktionen, Blow-up – drei Neuerscheinungen

Der Horizont ist das Thema des Fotografen Sze Tsung Leong. Die Bildstrecke beginnt und endet mit Meeresmotiven, bei denen Weiß überwiegt. Auf jeder Doppelseite stehen je zwei mit einem weißen Rand versehene, durch die Weite des Blickwinkels ähnliche Landschafts- oder Architekturmotive aus aller Welt, bei denen zum Bund hin der Horizont in ähnlicher Höhe ansetzt, ohne aber ineinander überzugehen. Dieses durchgängige Gestaltungsprinzip wird auch über die Ausklappseiten fortgesetzt, auf denen dann vier Fotos nebeneinander stehen. Über das so simple wie wirkungsvolle Layout des Buches hinaus stellen sich bei genauerer Betrachtung auch hinsichtlich der sorgfältig für die Gegenüberstellung ausgewählten Motive Überraschungen ein. Farben oder Formen kehren auf benachbarten Bildern wieder, kontrastieren oder ergänzen sich. Die Sequenzierung erinnert durch die vielfältigen Bezüge der Bilder untereinander an eine Partie Domino. Ein subtiles Seh-Erlebnis!

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Weniger filigran sind die durch Bildbearbeitung im Computer entstandenen, zwischen Ironie und Surrealismus einzuordnenden Architekturmotive von Filip Dujardin. Er konstruiert aus real fotografierten Versatzstücken Gebäude. Statik und Perspektiven sind offensichtlich irreal, doch bei einigen Motiven kommt man ins Grübeln, ob der Fotograf hier überhaupt mit der Bildbearbeitung nachgeholfen hat oder ob das nicht doch so irgendwo vorhanden sein könnte. Das sind Dujardins stärksten Arbeiten, zu denen auch eine Serie von Feldscheunen und Ackerschuppen gehört, die im Zusammenhang dieses Buches voller Fakes ob ihrer archaischen Bruchbudenoptik irritieren.

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Die Bezüge zwischen Antonionis Film „Blow Up“ und der Fotografie sind vielfältig: Modefotografie, Medienkritik, Pop, Zeitgeist, Reportage, das Blow-Up-Prinzip als künstlerische Methode, Standbildfotografie, Werbung… Zu diesem Film und den Einflüssen, die auf ihn wirkten und die von ihm ausgingen, findet unter besonderer Berücksichtigung der Fotografie derzeit eine Ausstellung in der Wiener Albertina statt (bis 24.8.2014), zu der ein bild- und materialreicher Katalog erschienen ist, der auch für die weiteren Ausstellungsstationen in Winterthur (13.9.-30.11.2014) und Berlin (13.12.2014-8.3.2015) Gültigkeit hat. Das komplexe Buch macht neugierig auf die Ausstellung!

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Bibliografische Daten der genannten Bücher:

Horizons

Sze Tsung Leong, Horizons, Texte (englisch) von Joshua Chuang, Charlotte Cotton, Duncan Forbes, Pico Iyer, Sze Tsung Leong, Gestaltung von Sze Tsung Leong, 176 S. im Format 28 x 34,5 cm, Leinen mit Schutzumschlag, ISBN 978-3-7757-3789-0

Fictions

Filip Dujardin
, Fictions, Texte (deutsch, englisch) von Pedro Gadanho, Gestaltung von Sven Beirnaert, 120 S. im Format 27,5 x 29, 5 cm, Hardcover, ISBN 978-3-7757-3802-6

Blow-Up – Antonionis Filmklassiker und die Fotografie

herausgegeben von Walter Moser, Klaus Albrecht Schröder, Texte von Roland Fischer-Briand, Philippe Garner, Anna Hanreich, Gabriele Jutz, Astrid Mahler, Thomas Seelig, Gestaltung von Manuel Radde, Klappenbroschur mit 278 S. und lose beiligender Folienlupe, Format 29 x 23 cm, deutsche Ausgabe ISBN 978-3-7757-3736-4; englische Ausgabe (Antonioni’s Classic Film and Photography) ISBN 978-3-7757-3737-1

Alle erschienen bei Hatje Cantz, Ostfildern, 2014

„Protest on Paper“

Protest on Paper“ war der Arbeitstitel einer schließlich als Protestbox von Martin herausgegebenen Sammlung von fünf Fotobüchern, die im Kontext des Protestes gegen eine als ungerecht oder repressiv empfundene Politik, gegen Krieg oder gesellschaftliche Fehlentwicklungen herausgegeben wurden. Was das „Protestbuch“ vom „Propagandabuch“ unterscheidet, ist nicht immer einfach zu definieren. Staatlich angeordnete Propaganda kann durchaus auch den Charakter des Protestes gegen etwas haben; so war der DDR im Jahre 1960 das Algerien-Buch von Dirk Alvermann sehr willkommen, um Stellung gegen den Imperialismus zu beziehen. Auf der anderen Seite des Protestspektrums stehen sozialdokumentarische Bücher, die sich gegen Missstände wenden und informieren oder aufklären wollen. Die Grenzen der Genres sind fließend und vielleicht ist es auch gar nicht sinnvoll, eine Abgrenzung vorzunehmen.

Ein Kernaufgabe des fotografischen „Protestbuchs“ liegt in der Dokumentation bürgerschaftlichen Engagements im Rahmen von Demonstrationen, Bürgerinitiativen und Protestbewegungen. So werden die Ziele der Protestes artikuliert, so wird auf nachhaltige Weise die Öffentlichkeit erreicht. Das Buch erfüllt Funktionen als Souvenir und Chronik. Die Ästhetik der Drucksachen ist oft dem provisorischen Charakter von Transparenten oder Flugblättern angepasst. Bücher und Broschüren erhalten eine größere Dauerhaftigkeit, weil man so etwas nicht so schnell wegwirft. Die Produktion erfolgt meist rasch und in absehbar kurzer Zeit nach dem Ereignis und ohne großen Aufwand und oft im Eigenverlag. Letzteres macht diese Art der Literatur schon bald zur Rarität, weil sie nicht oder nicht vollständig von Bibliotheken gesammelt und erfasst wird. Verstärkt trat sie seit dem Ende der sechziger Jahre auf; Katalysatoren waren Studentenbewegung und Vietnamkrieg. Ein bekanntes frühes Beispiel aus Deutschland ist das Buch Demonstrationen von Bernard Larsson (1967). Eines der auflagenstärksten Fotobücher der Zeit um 1980 war Günter Zints Gegen den Atomstaat, ein Taschenbuch, das einen Vorgänger unter dem Namen Atomkraft hatte. Dessen Erstausgabe aus dem Jahre 1977 gehört inzwischen ebenso zum Kanon der wichtigen Fotobücher wie ähnliche Werke aus Italien, den USA und vor allem aus Japan, wo man unter dem traumatischen Eindruck des Atombombenabwurfs zu ästhetisch deutlich radikaleren Lösungen für Bücher und Bilder fand. Parr und Badger haben im dritten Band ihres Überblickswerks The Photobook nicht nur ein eigenes Kapitel für diese Art der Literatur bis hin zur Occupy-Bewegung reserviert, sondern auch eine ganze Ausstellung zusammengestellt, die im vorigen Jahr anlässlich der ParisPhoto zu sehen war. Ebenfalls in Paris lief bis vor kurzem eine kleine, von einem originellen Katalog in Plakatform begleitete Verkaufsausstellung mit solchen Büchern. 

Die Unruhen auf dem Maidan in Kiew sind noch nicht lange her – und schon gibt es einen Dummy Maidan – under construction mit wie arrangiert wirkenden, durch die Beleuchtung aus dem Umfeld hervogehobenen Barrikadenstillleben, im März 2014 fotografiert von Kirill Golovchenko und eingereicht beim diesjährigen Kasseler Fotobuch-Dummywettbewerb. Ein anderes Buch zum gleichen Thema liegt schon gedruckt in einer kleinen Auflage von 250 Exemplaren vor: Euromaidan von Vladyslav Krasnoshchok und Sergiy Lebedynskyy. Das von Ilkin Huseynov gestaltete Buch knüpft mit seiner rauen Optik und den düsteren, expressiven Bildern von Barrikaden und Auseinandersetzungen an die Ästhetik der früheren Protestbücher an. Die beiden Künstler der „Shilo Group“ geben sich als glühende Patrioten und Anhänger einer freien Ukraine und haben ihr Buch den gefallenen Helden vom Maidan gewidmet. Auch die anderen Fotobücher aus dem Verlag Riot Books zeigen, mit welchen Mitteln der Buchgestaltung sich künstlerischer Anspruch und politisches Engagement vereinen lassen. Solche dank moderner Drucktechnik und Zuhilfenahme von Handarbeit in kleiner Stückzahl schnell, aber sicherlich nicht überstürzt publizierten Fotobücher bewahren ihre Authentizität. Mit derartigen Publikationen lässt sich anders auf die Ereignisse reagieren als mit Einzelfotos oder Bildstrecken in Zeitungen.

Euromaidan_Cover

Euromaidan_1

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Als Rückblick auf frühere Jahre der Protestkultur in der Schweiz ist eine telefonbuchdicke Neuerscheinung konzipiert. Der Fotograf Miklós Klaus Rózsa (*1954) stand auf der Seite der Demonstranten während der „Zürcher Bewegung“ und hatte deswegen Probleme mit Polizei und Behörden. Rózsas Fotos sollten Willkür und Härte seitens der Staatschützer dokumentieren so wie umgekehrt die Beamten auch die Demonstranten fotografierten, um Beweise zu sammeln. Dabei trieb der Staat einen grotesk hohen Aufwand, um die Demonstrationen zu überwachen. Die chronologisch angelegte Monografie zur Arbeit Rózsas aus den Jahren zwischen 1971 und 1989 nimmt die Protokolle und Rapporte des „Staatschutzes“ als Gestaltungsmittel und setzt die bildjournalistischen Arbeiten vor einen Hintergrund aus Akten, die über den Fotografen angelegten worden waren. Das Montage aus Fotos, oft hastig aus den Demonstrationen heraus gemacht, faksimilierten Texten (Flugblätter, Akten, Zeitungsausschnitte) und Schreibmaschinentypografie ist typisch für das Genre des Protestbuches. Die Gestalter aus dem Jahre 2014 arbeiteten wieder konsequent mit diesen Elementen, ohne freilich in Nostalgie zu verfallen. Dabei geht es vor allem um die Zuspitzung des Konflikts zwischen Beobachten und Beobachtetwerden. Wer das kräfteraubende Duell auf lange Sicht gewonnen hat? Bei Lektüre des Buches wird das schnell klar…

Protest gegen Politik, Krieg, Atomenergie, Aufrüstung, gegen die Schließung von Jugendeinrichtungen, für Frieden, Menschenrechte, Freiheit, Demokratie und und und. Leider gibt es weiterhin Anlässe, dem Protest Form und Dauerhaftigkeit mit einem Fotobuch zu geben.

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Bibliografische Daten der genannten Bücher:

Miklós Klaus Rózsa, herausgegeben und gestaltet von Christof Nüssli und Christoph Oeschger, Zürich: cpress und Leipzig: Spector Books, 2014, 624 Seiten!, ISBN: 978-3-944669-42-7 (Elke Rüppels ausführliche Rezension zu diesem Buch finden Sie hier)

Vladyslav Krasnoshchok/Sergiy Lebedynskyy, Euromaidan, Madrid: Riot Books, 2014, (Gestaltung: Ilkin Huseynov)

Attenzione, Ausgabe Protest (zum Kommentar von Herrn Koltermann)

Attenzione, Ausgabe Protest (zum Kommentar von Herrn Koltermann)

Bilderbuchatmosphäre

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Der Markt für Fotobücher ist sicherlich nicht einfach. Aber es gibt ihn, ganz ohne Zweifel. Sowohl Fotografen als auch Sammler können sich auf Festivals über die wunderbare Möglichkeit austauschen, die ein Fotobuch bietet. Das älteste und die Richtung vorgebende Spezialfestival dieser Art ist das in Kassel, erstmals 2008 ausschließlich dem Buch-Thema gewidmet und seitdem sechsmal als Nonprofit-Unternehmen organisiert (Archiv: bis 2009ab 2010). Als wesentliche Bestandteile haben sich seitdem herauskristallisiert: Vorträge und Diskussionen, Workshops, ein Markt mit neuen und antiquarischen Büchern, innovative (weil ja nur für wenige Tage sichtbare!) Ausstellungen von Bildern und Büchern, die Möglichkeit für Besucher, mit Experten über eigene Arbeiten zu diskutieren („Portfolio-Viewings“), Preisvergaben für beste Bücher, Prämierungen von Buchentwürfen („Dummys“) und nicht zuletzt und ganz wesentlich die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und zur Schaffung neuer Kontakte. Dies ist selbstverständlich in den Pausen während des Festivals möglich, aber auch in besonderer Intensität während der Abendveranstaltungen nach dem „offiziellen“ Programm, entspannt bei Essen und Trinken.

Die Erfahrung der letzten Jahre hat gelehrt, dass ein Fotobuchfestival keine Massenveranstaltung sein kann – abgesehen von der ParisPhoto und der daran angebundenen Verkaufsausstellung Offprint. In Paris überwiegt der Messecharakter, die Besucherzahlen sind fünfstellig. Um wieder mehr am Kern der Sache, dem Fotobuch, seiner Geschichte und seinen Besonderheiten, zu bleiben, entschied sich der in Bristol beheimatete, für sein Metier sehr engagierte Fotobuchhändler und Fotobuchenthusiast Rudi Thoemmes zusammen mit seinem Freund und Nachbarn Martin Parr zu einem entscheidenden Schnitt, um einen neuen Typ des Fotobuchfestivals zu etablieren. Ein Teil des Festival-Standardprogramms wurde schlichtweg weggelassen, ein anderer wurde verstärkt. Übrig blieb eine auf das Wesentliche konzentrierte Mischung, bei der vor allem der Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt stand. Photobook Bristol verzichtete auf fast jede Werbung; Informationen konnten nur über die eigene, mit viel Material über die Vortragenden gespickte Website oder über Facebook etc. gefunden werden. Die Kunde von dem Festival in England verbreitete sich in der Community in Windeseile – auch ohne Flyer, Plakate, Anzeigen oder redaktionelle Vorberichte. Ein Übriges tat das hochkarätig besetzte Vortragsprogramm, bei dem selbstverständlich Martin Parr eine zentrale Rolle als Vermittler, Moderator und Kommunikator spielte. Auf dem Podium saßen zudem mit Stephen Gill, Donovan Wylie und Paul Seawright weitere Größen aus der Fotoszene Großbritanniens und mit Jon Tonks, Anouk Kruithof, Sebastien Girard, Bart Sorgedrager und Max Pinckers weitere international bekannte Fotografen, die über ihre Fotobücher bekannt geworden sind. Das gilt auch für Peter Mitchell als Vertreter einer älteren Generation, wobei man sich fragt, warum Mitchell bislang nur die Möglichkeit zu einem einzigen Buch hatte – sein mit viel Applaus bedachter Diavortrag über seine Straße in seiner Stadt Leeds war gespickt mit trockenem englischem Humor und machte neugierig auf mehr. Ja, Mitchell projizierte tatsächlich Dias! Überaus unterhaltsam stellte auch Joachim Schmid sein eigenes Werk vor; einmal in einer Solopräsentation seiner Bücher, dann im Rahmen der Talkserie Desert Island Photobooks, bei der Stephen Bull dem Berliner Fotokünstler die Frage stellte, welche acht Fotobüchern er mit auf eine einsame Insel nehmen würde.

Immerhin war die Quote der Vorträge über Bücher, die (ausgerechnet bei diesem Thema!) statt mit Doppelseiten mit Einzelbildern argumentierten, nicht mehr so hoch wie bei anderen Gelegenheiten. Wenn man über Bücher spricht, sollte man auch Bücher zeigen, und zwar in Form der Doppelseiten und nicht isoliert in Einzelbildern. Das darf man von einem Autor, einer Autorin eines Fotobuchs, der/die diese Publikationsform ernst nimmt, im Rahmen eines Fotobuchfestivals durchaus erwarten…

Die kleinere Hälfte des Vortragsprogramms war dem Blick auf die Fotobuchgeschichte gewidmet oder betraf allgemeine Fragen der Fotobuchproduktion und -distribution. Dabei ging es in einer spannenden Präsentation um die Fotobuchgeschichte(n) Portugals und Spaniens (Jose Pedro Cortes, Andre Principe, Jose Luis Neves, Jon Uriarte, Jesus Mico, Moderation Moritz Neumüller), um den erstaunlichen Erfolg der Absolventen der Kunstakademie in Den Haag auf dem Fotobuchsektor (Corinne Noordenbos), um das Für und Wider des selbstpublizierten Fotobuchs (Bruno Ceschel, Delphine Bedel, Colin Pantall), die Abgrenzung zwischen Fotobuch und Künstlerbuch (Jose Luis Neves) und in der illuster besetzten Schlussrunde um die Zukunft des Fotobuchs überhaupt. An der Diskussion beteiligt waren einerseits die Fotografen Stephen Gill und Thijs Groot Wassink, andererseits die Verleger Michael Mack und Dewi Lewis, die nicht nur für unterschiedliche Generationen, sondern auch unterschiedliche Konzeptionen verlegerischen Handelns stehen. Souveräner Moderator dieses Gesprächs war Martin Parr. Inzwischen wurden zwei der aufgezeichneten Beiträge zum Ansehen und Anhören im www veröffentlicht: The Future of Self Publishing und The Future of Photobooks.

Parr und sein Partner Gerry Badger standen zweimal zu Not in Parr/Badger im Ring, wobei die zweite Runde als eine Art Quiz gedacht und vom Autoren dieser Zeilen vorbereitet worden war. Ergebnis: Badger hat in diesem Duo den analytischen Part übernommen, Parr den spielerischen. Die Frage, ob ein gutes Fotobuch nun unbedingt auch aus guten Fotos bestehen muss, oder man nicht aus jedem Material ein gutes Buch machen könne, beantwortete Martin Parr so lakonisch wie zutreffend mit: „If the book works, it works“. Auch kuriose Anleitungsschriften für Fahrschüler (The Art of Driving oder ähnliches) oder Kochbücher können von Interesse sein. Es braucht nicht nur diese Antipoden zum Einschätzen der Werke für den Fotobuchkanon, sondern auch viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl, um die Spreu vom Weizen trennen zu können. Parr beherrscht das hervorragend, wovon sich eine kleine Gruppe „Special Guests“ bei einer kurzen Tour durch einen Teil seiner berühmten Bibliothek überzeugen konnte.

Dies zum von Jessa Fairbrother zurückhaltend, aber bestimmt moderierten Vortragsprogramm. Die Veranstaltung fand in einem privat geführten Kultur- und Stadtteilzentrum in Bristol-Southville in der unmittelbaren Nachbarschaft des Organisators Rudi Thoemmes statt. Der Raum wird sonst für Tanzgruppen oder Konzerte genutzt, was selbst beim Fotobuchfestival nicht anders war. Denn man hatte am Freitagabend die Singer/Songwriterin Melissa Laveaux zu Gast und am Samstag mit Mik Artistik eine Band, die (fast) alle Besucher innerhalb kurzer Zeit auf die Tanzfläche brachte. Kein Wunder, ist doch Mik Artistik mit ihrem rauen, aber charismatischen Sänger die Lieblingsband der beiden Initiatoren… Beider Lieblingsbäcker lieferte die Grundverpflegung und das Team eines englischen Meisters im Grillen das Essen am ersten Abend. Das war (fast) alles im Eintrittspreis inbegriffen, zudem konnte man Tee trinken, soviel man wollte. Der wiederum kam von Canton Tea, einem der wenigen und ausschließlich lokalen Sponsoren des Festivals. Denn die Organisatoren verzichteten von vornherein auf die Akquise großer Sponsoren, um beweglich und vor allem unabhängig zu bleiben. Die Besucher bekamen ein hochkarätiges und dabei kurzweiliges Programm, wofür sie freilich einen entsprechenden Obulus zu entrichten hatten. Aufgrund des beschränkten Raums und der bewussten Konzentration auf das Wesentliche standen nur 125 Dauer- und 50 Tageskarten zur Verfügung. Die Veranstalter hätten locker das Doppelte verkaufen können…

Zurück zu den anfangs genannten Standardbestandteilen eines Fotobuchfestivals. Eine Schau der besten Bücher oder Portofolio-Viewings gab es ebensowenig wie einen Wettbewerb um den schönsten oder eindruckvollsten Fotobuchentwurf. Die Ausstellung beschränkte sich auf drei Bilder von grotesken Vogelscheuchen als Ausblick auf das nächste Buch von Peter Mitchell. Was selbstverständlich nicht fehlte, war ein Marktplatz im Obergeschoss über dem Saal. Dort gab es zwischen Fotobuchpreziosen (von Quaritch und 5 Uhr 30) und Rudi Thoemmes´ eigenem Stand RRB mit neuen und alten Büchern zwei Fachhändler für Aktuelles (Photobookstore.uk, Café Lehmitz), einige Verlagsstände sowie ein Angebot von Hochschulen und britischen Fotogalerien. Schließlich waren auch zwei Eigenverlage zugegen, nämlich Nobody Books von Stephen Gill und Rorhof Books aus Südtirol. Ich weiß nicht, wie erfolgreich die Verkäufe liefen. Aber das engagierte und fachkundige Publikum wird schon seinen Teil dazu beigetragen haben, dass sich die Reise nach Bristol auch für die Händler gelohnt hat. Bei Gill bildeten sich zum Signieren Schlangen. Der Fotograf Nicoló Degiorgis hatte an seinem Rorfhof-Stand „nur“ drei Publikationen im Angebot – sein neues Buch Hidden Islam über unscheinbare Moscheen in italienischen Städten war am Ende des Festivals ausverkauft! Vielleicht ein Zeichen sowohl für das Niveau des Buches als auch des Publikums…

Bristol hat sich also mit einem „Weniger ist mehr!“ und einer hohen Qualität im Detail im Verein mit einer im Hintergrund völlig reibungslos laufenden Organisation für ein Konzept entschieden, das der Fotobuchgemeinde ein Angebot macht, dass mit seiner angenehmen Atmosphäre, ohne Hektik und mit hohem Wohlfühlfaktor, ein Angebot macht, das man auch im nächsten Jahr nicht wird ablehnen können. Bristol ist mit dem Flugzeug von Berlin aus in zwei Stunden zu erreichen, also nicht aus der Welt. Die nächste, ähnlich konzipierte, aber nur eintägige Veranstaltung zum Thema „Propaganda“ wird schon am 12.10.2014 in Bristol stattfinden. Das nächste Photobook Bristol folgt zwischen dem 12. und 14.6.2015 unter dem schon jetzt kontrovers diskutierten Arbeitstitel „Women and the Photobook“. Mit dem eine Woche zuvor über die Bühne der Kasseler documenta-Halle gehenden 7. Fotobookfestival (4.-7.6.2015), das Martin Parr als Fotobuchautor in den Mittelpunkt stellen wird, ist eine freundschaftliche Kooperation im Werden. Wenn nächstes Jahr mit der ebenfalls in den Juni gelegten, selbstbewussten Veranstaltung in Wien gleich drei Fotobuchfestivals innerhalb weniger Tage auf Besucher warten, wird sich zeigen, wer das beste Konzept und Programm bietet. Die Bristoler jedenfalls dürften mit der klugen Strategie „Small is beautiful“ keine Probleme bekommen, ihr Potential erneut voll auszuschöpfen.

The Southbank, Bristol

The Southbank, Bristol

Not in Parr/Badger on stage…

Not in Parr/Badger on stage…

Donovan Wylie (l.) and Paul Seawright with Kent Grant (r.)

Donovan Wylie (l.) and Paul Seawright with Kent Grant (r.)

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Peter Mitchell presenting his slides

Peter Mitchell presenting his slides

The Portuguese photobook specialists

The Portuguese photobook specialists

Rudi Thoemmes, Joachim Schmid, Onny

Rudi Thoemmes, Joachim Schmid, Onny

British food: Martin Parr, Simon Baker, Manfred Heiting

British food: Martin Parr, Simon Baker, Manfred Heiting

Stephen Gill

Stephen Gill

Corinne Noordenbos, Bart Sorgedrager

Corinne Noordenbos, Bart Sorgedrager

Sebastien Girard (and others)

Sebastien Girard (and others)

Bruno Ceschel

Bruno Ceschel

Self publish be happy…

Self publish, be happy (on stage)

Self publish, be happy (after work)

Self publish, be happy (after work)

Dieter Neubert and Manfred Heiting looking at Horacio Fernandez new book „Spain – photobooks 1905-1977“

Dieter Neubert and Manfred Heiting looking at Horacio Fernandez new book „Spain – photobooks 1905-1977“

Nicoló Degiorgis, Martin Parr, Stephen Gill

Nicoló Degiorgis, Martin Parr, Stephen Gill

Max Pinckers signing his new book „Will They Sing Like Raindrops or Leave Me Thirsty“

Max Pinckers signing his new book „Will They Sing Like Raindrops or Leave Me Thirsty“

Photobook tradingroom

Photobook tradingroom

Photobook tradingroom

Photobook tradingroom

Anouk Kruithof, Martin Parr

Anouk Kruithof, Martin Parr

Ecki Heuser

Ecki Heuser

From Germany: Dieter Neubert, Ruth Lahrmann, Hansgert Lambers

From Germany: Dieter Neubert, Ruth Lahrmann, Hansgert Lambers

The future of photobooks: Stephen Gill, Michael Mack, Dewi Lewis, Thijs Groot Wassink, Martin Parr

The future of photobooks: Stephen Gill, Michael Mack, Dewi Lewis, Thijs Groot Wassink, Martin Parr

Richard Sporleder loads his car

Richard Sporleder loads his car

Joachim Schmid with his work „Other People’s Photographs“ in Martin Parr’s library

Joachim Schmid with his work „Other People’s Photographs“ in Martin Parr’s library

Martin Parr with special guests in his library

Martin Parr with special guests in his library

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