Nadine Barth

Nadine Barth, geboren in Hamburg, studierte Philosophie, Literatur und Kunstgeschichte, und arbeitete zunächst als freie Autorin. Sie lebte in Los Angeles und Sao Paulo, schrieb einen Roman und trat bei Poetry Slams auf. Von 1998 bis 2004 arbeitete sie bei AMICA, zuletzt als stellvertretende Chefredakteurin. Von 2004 bis 2006 Managing Director der ersten deutschen Galerie für Modefotografie in Hamburg und Berlin, 2006 gründete sie ihre Agentur barthouse culture concepts (www.barthouse.de), die Ausstellungen und Kulturprojekte organisiert. Herausgeberin diverser Fotobücher, z.B. "Verschwindende Landschaften" (2008, Dumont) mit Fotos von Hiroshi Sugimoto, Thomas Struth, Joel Sternfeld, Olaf Otto Becker, Robert Adams, Peter Bialobrzeski, etc., Monographien von Martin Roemers ("Relics of the Cold War", 2009, "The Eyes of War", 2011, "Metropolis", 2015, alle Hatje Cantz), Thomas Hoeffgen ("African Arenas", 2010, Hatje Cantz), Carolin Saage ("25/7", 2013, Seltmann + Söhne), Daniel Josefsohn ("OK DJ, 2014, Hatje Cantz), Tor Seidel ("The Dubai", 2014, Hatje Cantz), Anatol Kotte ("Iconication", 2015, Hatje Cantz) und Modebücher ("Berlin Fashion", 2008, Dumont, und "German Fashion Design 1946-2012", Distanz). Als Kuratorin verantwortete sie u.a. die Blockbuster-Ausstellungen "Traumfrauen" und "Traummänner" im Haus der Photographie, Deichtorhallen, Hamburg, die auch in Moskau und Rostock zu sehen war. Von 2009 bis 2013 organisierte sie das Ausstellungsprogramm der Galerie Contributed in Berlin (www.contributed.de). Ihr Charity-Projekt "Amazonen" über Frauen mit Brustkrebs mit Fotografien von Esther Haase und Jackie Hardt tourte durch Deutschland, Österreich und Italien. Sie ist Kuratorin für die Kunst-Plattform von Sleek (www.sleek-art.net) und Inspiring Editor für die deutsche L’Officiel Hommes.

Nadine Barth, born in Hamburg, studied philosophy, literature, and art history, began her career as a free-lance author. She lived in Los Angeles and Sao Paulo, wrote a novel, and performed at poetry slams. From 1998 to 2004 she worked for AMICA, most recently as one of the Chief-in-Editors. From 2004 to 2006 she was the Managing Director of the first German gallery for fashion photography in Hamburg and Berlin; in 2006 she founded her agency, barthouse culture concepts (www.barthouse.de, www.facebook.com/BarthouseConcepts), which organizes exhibitions and cultural projects. Editor of diverse photography books, such as Verschwindende Landschaften (2008, Dumont) with photographs by Hiroshi Sugimoto, Thomas Struth, Joel Sternfeld, Olaf Otto Becker, Robert Adams, Peter Bialobrzeski, etc.; monographs on Martin Roemers (Relics of the Cold War, 2009, The Eyes of War, 2011, and Metropolis, 2015, all published by Hatje Cantz); Thomas Hoeffgen (African Arenas, 2010, Hatje Cantz); Carolin Saage (25/7, 2013, Seltmann + Söhne); Daniel Josefsohn (OK DJ, 2014, Hatje Cantz); Tor Seidel (The Dubai, 2014, Hatje Cantz), Anatol Kotte (Iconication, 2015, Hatje Cantz); and books on fashion (Berlin Fashion, 2008, Dumont, and German Fashion Design 1946-2012, Distanz). As a curator she has been responsible for the blockbuster exhibitions Traumfrauen and Traummänner at the Haus der Photographie, Deichtorhallen, Hamburg, which was also seen in Moscow and Rostock; for the past three years she has also been in charge of the exhibition program for the Galerie Contributed in Berlin (www.contributed.de). Her charity project, Amazonen, about women with breast cancer, featured photographs by Esther Haase and Jackie Hardt, has been touring through Germany, Austria, and Italy. She is one of the curators of the art platform of Sleek Magazine (www.sleek-art.net) and inspiring editor for the german issue of L’Officiel Hommes.

Kuratieren 2: Joel Meyerowitz, CO Berlin

Joel Meyerowitz, Presseführung, CO Berlin, 8. Dezember 2017. Foto: Nadine Barth

Joel Meyerowitz, Presseführung, CO Berlin, 8. Dezember 2017. Foto: Nadine Barth

Installationsansicht Joel Meyerowitz "Why Color?", CO Berlin. Foto: Nadine Barth

Installationsansicht Joel Meyerowitz “Why Color?”, CO Berlin. Foto: Nadine Barth

Er ist einer der Stars der New Color Photography, dieser Bewegung in den 1970er Jahren, als sich eine junge Generation von Fotografen in Amerika aufmachte, Farbe als künstlerisches Ausdrucksmittel zu benutzen. Bis dato galt nur Schwarz-Weiß als adäquate Wahl für Fotografie, Farbe war für Hobby-Knipser, galt als gewöhnlich und wenig kunstvoll, Walker Evans nannte sie gar „vulgär“. Joel Meyerowitz hatte auch mit Schwarz-Weiß angefangen, bevor er auf Cape Cod die Zeit der „blauen Stunde“ einfangen wollte, und sich dachte, Tradition egal, ich probiere etwas Neues. 1976 war das. Er machte dann Vergleiche, fotografierte mit zwei Kameras, legte die Ergebnisse nebeneinander. Die Farbabzüge gewannen ganz klar.

Joel Meyerowitz, CO Berlin, 8. Dezember 2017. Foto: Nadine Barth

Joel Meyerowitz, CO Berlin, 8. Dezember 2017. Foto: Nadine Barth

Joel Meyerowitz & Felix Hoffmann, Press Conference, CO Berlin, December 8, 2017. Foto: Nadine Barth

Joel Meyerowitz & Felix Hoffmann, Press Conference, CO Berlin, December 8, 2017. Foto: Nadine Barth

Installationsansicht Joel Meyerowitz "Why Color?", CO Berlin. Foto: Nadine Barth

Installationsansicht Joel Meyerowitz “Why Color?”, CO Berlin. Foto: Nadine Barth

Joel Meyerowitz, New York City, 1976

Joel Meyerowitz, New York City, 1976

Die Idee der Ausstellung mit dem Titel „Why Color?“ setzt genau hier an. Sie stellt die Reihen der Schwarz-Weiß-Abzüge den ersten Versuchen gegenüber, der Farbe zu folgen. Alle Prints, die bei CO Berlin hängen, hat Joel Meyerowitz selbst gemacht. Viele sind über 40 Jahre alt. Und sie zeigen, anders als das, was wir in der heutigen Digitalen Welt gewohnt sind, Unschärfen, Farbstiche, Zwischenräume. Analoge Fotografie eben und analoge Abzüge. Besonders schön: Dye Transfer Prints. Das Verfahren, bei dem mit Gelatine-Druckplatten gearbeitet wird, erzeugt eine hohe Farbsättigung und eine dreidimensionale Anmutung. Nur noch wenige Labore auf der Welt bietet diese Leistung an, in den letzten Jahren wurde Dye Transfer aber wieder vermehrt nachgefragt. Joel Meyerowitz betont, wie wichtig es sei, seine eigenen Abzüge zu machen. Um eine Idee davon zu haben, was man als Künstler ausdrücken möchte.

Installationsansicht Joel Meyerowitz "Why Color?", CO Berlin. Foto: Nadine Barth

Installationsansicht Joel Meyerowitz “Why Color?”, CO Berlin. Foto: Nadine Barth

Installationsansicht Joel Meyerowitz "Why Color?", CO Berlin. Foto: Nadine Barth

Installationsansicht Joel Meyerowitz “Why Color?”, CO Berlin. Foto: Nadine Barth

Installationsansicht Joel Meyerowitz "Why Color?", CO Berlin. Foto: Nadine Barth

Installationsansicht Joel Meyerowitz “Why Color?”, CO Berlin. Foto: Nadine Barth

Joel Meyerowitz, Sasha, Wellfleet, Massachusetts, 1981

Joel Meyerowitz, Sasha, Wellfleet, Massachusetts, 1981

Der Presse-Tross zieht weiter, dem charismatischen Meister hinterher, fasziniert. Lange Reihen von holzgerahmten Silbergelatine Prints entlang, wir stoppen vor einem Palmenbild, das als Tapete an der Wand klebt, daneben ein kleines mit dem gleichen Motiv. Später frage ich Felix Hoffmann, Kurator der Ausstellung, nach dem Hintergrund dieser Art von Hängung. Er wollte Akzente setzen erklärt er, die Besucher zwischendurch mal aufrütteln, sie eintauchen lassen in die Bilder. Und dann wieder: Schaukästen, die zeigen, wo die Bilder dann „gelandet“ sind: Auf den Titelseiten der Magazine, auf Werbeplakaten für Filme, auf Covern von LPs – etwa dem legendären Album der Pat Metheny Group American Garage von 1979. Die silbernen Trailer glänzen noch heute unter der gleißenden Sonne wie frisch poliert.

Schaukasten der Ausstellung Joel Meyerowitz "Why Color?", CO Berlin

Schaukasten der Ausstellung Joel Meyerowitz “Why Color?”, CO Berlin

Joel Meyerowitz, Florida, 1968

Joel Meyerowitz, Florida, 1968

Die Ausstellung läuft noch bis zum 11. März 2018. co-berlin.org

Kuratieren 1: Ola Kolehmainen, HAM, Helsinki

Installationsansicht OLA KOLEHMAINEN "Sacred Spaces". Foto: Nadine Barth

Installationsansicht OLA KOLEHMAINEN “Sacred Spaces”. Foto: Nadine Barth

Können Farben musikalisch sein? Die Komposition in Helsinki antwortet mit einem sanftem „Kyllä“ (finnisch für „Ja“). Gestrichen mit den Farben von Farrow & Ball, diesen sündhaft teuren, satt auftragenden, ungemein schönen Tönen – natürlich eco-friendly –, die man gern in Penthäusern zwischen Berlin und New York verwendet, blättert sich hier eine ganze Welt auf, in die man gern eintaucht. Verantwortlich für das Farbkonzept zeichnet das renommierte Architektur-Büro Sauerbruch Hutton, und Louisa Hutton erkärt auch bereitwillig einer fröhlichen Schar von Freunden, Sammlern und Wegbegleitern auf dem Pre-Opening, was es mit den Farben auf sich hat. Jedem Bild, sagt sie, sei ein eigener Raum zugeordnet, ein Farbraum, in dem es atmen könne. Es gäbe Sequenzen verschiedener Bewegungen, Proportionen, Dimensionen. Eine Art Reigen der Bilder.

Installationsansicht OLA KOLEHMAINEN "Sacred Spaces". Foto: Nadine Barth

Installationsansicht OLA KOLEHMAINEN “Sacred Spaces”. Foto: Nadine Barth

Installationsansicht OLA KOLEHMAINEN "Sacred Spaces". Foto: Nadine Barth

Installationsansicht OLA KOLEHMAINEN “Sacred Spaces”. Foto: Nadine Barth

Opening OLA KOLEHMAINEN "Sacred Spaces". Foto: Nadine Barth

Opening OLA KOLEHMAINEN “Sacred Spaces”. Foto: Nadine Barth

Installationsansicht OLA KOLEHMAINEN "Sacred Spaces". Foto: Nadine Barth

Installationsansicht OLA KOLEHMAINEN “Sacred Spaces”. Foto: Nadine Barth

Die Serie „Sacred Spaces“ beinhaltet Bilder von Moscheen, Synagogen, Kathedralen und sogar umgewidmeten Räumen. Jedem Motiv wurde in der Ausstellung auch eine eigene Art der Rahmung zugeordnet. Manche Prints sind klassisch mit Holz und Abstandsleiste gerahmt, andere wurden kaschiert und mit einer Arcrylschicht veredelt. Einige bestehen aus mehreren Einzelbildern, ein für Ola typisches Verfahren. Einzelblicke werden zu einem Gesamtblick, der die Komplexität des Ganzen begreifbar macht.

Opening OLA KOLEHMAINEN "Sacred Spaces". Foto: Nadine Barth

Opening OLA KOLEHMAINEN “Sacred Spaces”. Foto: Nadine Barth

Detail of OLA KOLEHMAINEN "San Pietro, 1626 I, 2017"

Detail of OLA KOLEHMAINEN “San Pietro, 1626 I, 2017″

Installationsansicht OLA KOLEHMAINEN "Sacred Spaces". Foto: Nadine Barth

Installationsansicht OLA KOLEHMAINEN “Sacred Spaces”. Foto: Nadine Barth

Detail of OLA KOLEHMAINEN "Selimiye 1575 III, 2014"

Detail of OLA KOLEHMAINEN “Selimiye 1575 III, 2014″

Die Kuratorin der Ausstellung, Claire Gold, spricht von einem „Gesamtkunstwerk“, das die Ausstellung darstellt. Sie hatte die Aufgabe, alle Beteiligten zu koordinieren, den Bildern Olas ihre zugedachten Räume zu verschaffen, das Licht zu leiten. Sogar ein Sound-Designer war mit an Bord – er komponierte eigenes für die Schau einen sakral-inspirierten Ton-Teppich. Am Eröffnungsabend trägt Claire Gold rot, passend zum Aufmacher-Werk. Am Ende: ein strahlender Künstler, erleuchtet von der Fassade seiner Lieblings-Kathedrale.

Curator CLAIRE GOLD in front of OLA KOLEHMAINEN "Sehzade 1548 VII, 2014"

Curator CLAIRE GOLD in front of OLA KOLEHMAINEN “Sehzade 1548 VII, 2014″

Architect LOUISA HUTTON checking the color design of the show of OLA KOLEHMAINEN, Foto: Nadine Barth

Architect LOUISA HUTTON checking the color design of the show of OLA KOLEHMAINEN, Foto: Nadine Barth

A happy artist on the night of his opening at HAM: OLA KOLEHMAINEN in front of his work "Suleymaniye 1558 XI, 2014", Foto: Nadine Barth

A happy artist on the night of his opening at HAM: OLA KOLEHMAINEN in front of his work “Suleymaniye 1558 XI, 2014″, Foto: Nadine Barth

Die Ausstellung läuft noch bis zum 4. März 2018. https://www.hamhelsinki.fi/de/

Shortcuts 13

5 questions on photography
Today: Andres Serrano, photographer
Met at the opening of his exhibition at Musée Europeen de la Photographie, Paris

AndresSerrano_©NadineBarth

How do you see photography today?
The same way I saw it yesterday. The only difference is that there is a lot of digital photography now. I have a problem with digital photography. Because it looks manipulated and it looks fake. The other thing is everybody can be a photographer, everybody with an iphone is a photographer, and that means there are few artists left who are real photographers.

What has impressed you recently?
I have to tell you my own work impresses me the most, and I have two exhibitions right now in Paris. The other thing that impresses me is a photo I took in 2012 for my american series, which I never showed before, now for the first time, and it’s a portrait of Donald Trump. It’s a special portrait for me now, because it’s a picture of the president of the United States.

Your first photo book?
I don’t remember the first one. I still like my book on The Morgue. That has been very special to me. It’s out of print now, I think we should publish it again.

Next project?
I’m thinking about it. Jerusalem „Salvation“ is a recent project. „Torture“ is a new project. And I’m planning more museum shows in the next future. My next project should be my memories. I’ve been putting off for years.

Photography is …
… not dead.

Shortcuts 12

5 Fragen zur Fotografie.
Heute: Josephine Raab, Gute Aussichten GmbH
Getroffen bei der Eröffnung Gute Aussichten 2016 / 2017, NRW-Forum, Düsseldorf

JosephineRaab_©NadineBarth

Wie siehst du Fotografie heute?
Seit 12 Jahren organisieren wir mit gute aussichten – junge deutsche fotografie eine der begehrtesten Auszeichnungen für junge künstlerische Fotografie. Wir sehen eine enorme kreative Bandbreite, die das Primat der Düsseldorfer Schule hinter sich gelassen hat und sehr diverse Positionen hervorbringt. Die klassischen Genres wie Reportage, Dokumentation, Portrait, Stilllife oder Landschaft werden dabei permanent neu interpretiert, erweitert und ergänzt. Aktuell wandert Fotografie installativ in den Raum, arbeitet mit Ton- oder Film, mit Websites, mit found footage oder recycelt vorhandenes Bildmaterial. Sie entsteht mit der Handykamera, durch Scanner, durch Bearbeitungen in der Dunkelkammer oder mit selbst erdachten Apparaturen und natürlich nach wie vor mit der klassischen Kamera – analog wie digital. Ein enorm wandelbares Medium!

Was hat dich kürzlich beeindruckt?
Begeistert hat mich die Ausstellung „Echolalia“ der 1963 in Belgien geborenen Künstlerin Ana Torfs im Museum Calouste Gulbenkian in Lissabon. Die Ausstellung vereinte vier Installationen einer Künstlerin, die, ausgehend vom Wort, mit Fotografie, Text, Installation, Film- und Dia-Projektionen, bedruckten Stoffen und Wandbehängenn arbeitet. Torfs visuelle Untersuchung gilt ethymologischen Prozessen und narrativen Strukturen und umkreist Begriffe wie lexikalische Determinierung, Repräsentation und Bedeutungsverschiebung. Damit überschreitet sie klassische Genregrenzen so spielend wie spielerisch und steht exemplarisch für eine neue Generation von “visuellen” Künstlern.

Dein erstes Fotobuch?
Das Allerserste war sicherlich ein Familienalbum! Mit etwa 10 Jahren bekam ich Bücher über die Entdeckung Afrikas geschenkt und vertiefte mich begeistert in die Fotografien einer mir fremden Welt.

Nächstes Projekt?
gute aussichten hält uns in Atem: die nächste Ausstellung der aktuellen Preisträger eröffnet im März 2017 in den Deichtorhallen Hamburg. Parallel organisieren wir gute aussichten deluxe, eine Wanderausstellung mit neuen Werken von 23 Preisträgern der letzten 12 Jahre, die im Frühsommer in Mexiko City startet.

Fotografie ist …
… ein Augenöffner.