Über den Fotoblog

Jeden Monat ein anderer Experte. Wir laden bekannte Blogger und Spezialisten aus der internationalen Fotoszene ... Read more »

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Another expert every month: We invite well-known bloggers and specialists from the international photography scene... Read more »

Interaktion 3: Weltstadt vs. Wettbewerb

Blick aus dem Plaza Hotel, Seoul, auf die City Hall und die Eislaufbahn.  ©Nadine Barth

Blick aus dem Plaza Hotel, Seoul, auf die City Hall und die Eislaufbahn.
©Nadine Barth

U-Bahn, Seoul. ©Nadine Barth

U-Bahn, Seoul.
©Nadine Barth

Eingang zur kürzlich eröffneten Seoul Metropolitan Library, die mehr als 200.000 Bücher sowieso audiovisuelle Materialien und digitale Sammlungen beherbergt.  ©Nadine Barth

Eingang zur kürzlich eröffneten Seoul Metropolitan Library, die mehr als 200.000 Bücher sowieso audiovisuelle Materialien und digitale Sammlungen beherbergt.
©Nadine Barth

Handyhüllen mit den Porträts koreanischer Popsänger ("K-Pop" oder "Gayo"). Sehr beliebt: Hero Jaejoong von der Gruppe JYJ. ©Nadine Barth

Handyhüllen mit den Porträts koreanischer Popsänger. Sehr beliebt: Hero Jaejoong von der Gruppe JYJ.
©Nadine Barth

Dort unten vor der City Hall fahren sie Schlittschuh. Immer im Kreis. Ihre Kufen stecken in blauen Plastikstiefeln, alle gleich, alle im Kreis. Es ist kalt, ein harter Wind knallt an die glänzenden Fassaden der Hochhäuser. Seoul. Südkorea. Ich verlasse das Hotel, laufe die Straße hoch, oben zum Palast, das Alte gegen das Neue, Touristen fotografien sich mit den Guards, in einem Markt gibt es ausschließlich getrocknete Persimonen, eine südkoreanische Frucht, ein bisschen schmeckt sie wie Aprikose, nur fleischiger. Das Süße, es zieht sich weiter, quietschbunte Farben, das lachende Mädchen an dem postmodernen Bau der Bibliothek, die blinkenden Neonreklamen, Stände, an denen Puffreis geröstet wird. Und überall werben die koreanischen Boygroup-Jungs für irgendwelche Produkte: sei es eine Pflegeserie, ein alkoholisches Getränk oder ein technisches Gerät. Ihre Gesichter schmücken Coffee-to-go-Becher, Kalender, Handyhüllen. Ich gehe weiter, wärme mich zwischendurch in den Multibrand-Stores der globalen Welt: Zara, H&M, Uniqlo. Es scheint, das Authentische dieser Stadt liegt irgendwo zwischen Pop und Puffreis, an diesem Abend finde ich es in einem kleinen Laden, in dem es nur ein traditionelles koreanisches Gericht mit gebackener Ente gibt, dazu eine Flasche kühles Soju (ein Bambusschnaps, der sofort in den Kopf geht, für den aber Youngsters werben – „happy water“ –), und an der Wand hängt, weltstädtisch, ein Schild mit dem Passwort für die WLAN-Verbindung.

Portfoliosichtung in der Illwoo-Foundation. Hier präsentiert An Kyunghee ihr Projekt. Sie ist gelernte Buchbinderin. ©Nadine Barth

Portfoliosichtung in der Illwoo-Foundation. Hier präsentiert An Kyunghee ihr Projekt. Sie ist gelernte Buchbinderin.
©Nadine Barth

Portfoliosichtung in der Illwoo-Foundation. Chicago vs. Seoul – eine Arbeit von Kim Soohyun. ©Nadine Barth

Portfoliosichtung in der Illwoo-Foundation. Chicago vs. Seoul – eine Arbeit von Kim Soohyun.
©Nadine Barth

Portfoliosichtung in der Illwoo-Foundation. Das Thema von Lee Wonchal: Uhren, Zeit, Vergänglichkeit.  ©Nadine Barth

Portfoliosichtung in der Illwoo-Foundation. Das Thema von Lee Wonchal: Uhren, Zeit, Vergänglichkeit.
©Nadine Barth

Die Fotografen sind nervös. Es steht viel auf dem Spiel. Das Preisgeld ist hoch, das Prestige, die Ausstellung, dann die Publikation. Ein internationales Fotobuch. 2012 erschien „Photogenic Drawings“ von Sung Soo Koo bei Hatje Cantz, 2013 Hyun Mi Yoo „Cosmos“, 2014 Yoon Ji Seon „Rag Face“. Im Juni wird der Letztjahresgewinner Won Beomsik auf den Markt kommen, die Mappe mit den Bildern liegt bereits in Ostfildern bei unserem Grafiker. Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Architektur, die es so nicht geben kann – ein Spiel mit Statik, Imagination und Perspektive. Stadt ist auch das Thema der meisten Teilnehmer dieser Portfolio-Sichtung. Einer rollt ein riesiges Panormabild der Skyline von Seoul aus, im Vordergrund eine Baustelle. Dazu schiebt er mir einen Stapel kleinere Prints hin, Häuser, die abgerissen werden, Schutthaufen, Eisenträger, umgestürzte Betonpfeiler. Die rasante Veränderung der Megacity. Ein anderer versucht, das Leben seiner Mutter in einem ärmlichen Stadtteil Seouls mit seinem Leben als Fotostudent in Chicago durch Diptychen zu greifen. Der nächste legt 20-30.000 Bilder übereinander, die am Fluss durch die Stadt entstanden sind, vom Vogel bis zur Autokarawane, so dass eine Art nächtliches Himmelsbild entsteht mit Lichterpunkten, die wie Sterne im All aussehen: „Cheonggye Uriverse“ nennt er es (nicht Universe, sondern das Wort River sollte mit vorkommen). Auf seinem Namensschild steht „Kim, Moon“, und ich denke, wie passend, dass sein Vorname Mond bedeutet, tut es aber natürlich nicht auf koreanisch, wie mir mein Übersetzer dann erklärt.

Park Chanmins Serie über "Blocks".

Park Chanmins Serie über “Blocks” – Urbanscape.

Francois Hebel, langjähriger Leiter des Fotofestivals in Arles, bei seinem Plädoyer für die Arbeit von No Sangik über die Auswirkungen von Krebs. Vorn im Bild: Shin Suejin, die Kreativdirektorin der Illwoo-Foundation. ©Nadine Barth

Francois Hebel, langjähriger Leiter des Fotofestivals in Arles, bei seinem Plädoyer für die Arbeit von No Sangik über die Auswirkungen von Krebs. Vorn im Bild: Shin Suejin, die Kreativdirektorin der Illwoo-Foundation.
©Nadine Barth

Ausstellungshalle der Illwoo-Foundation. ©Nadine Barth

Ausstellungshalle der Illwoo-Foundation.
©Nadine Barth

Natürlich ist es eine Herausforderung, zu entscheiden, wer jetzt der beste ist, und wir fünf Juroren, drei Koreaner, ein Franzose und ich, tragen fleißig Noten ein für die Bedeutung der fotografischen Position, die Konkurrenzfähigkeit auf dem internationalen Markt, für Nachhaltigkeit bzw. Treue zu sich und seiner Arbeit. Ein schwieriger Punkt, der letzte, denn wie kann ich beurteilen, ob jemand, den ich 20 Minuten lang spreche, so etwas wie Treue zu sich erfüllt? Was auffällt, ist eine gewisse Distanz, die alle Arbeiten ausstrahlen. Sicher, manchmal geht es um Identität, um Trauer, um Verlust. Doch die Antwort wird nicht in schonungsloser Nähe gesucht, eher in einer abstrakten, allgemeingültigen Aussage. Und die stärksten Arbeiten sind die, in denen die Reduktion auf das Wesentliche, etwa in architektonischer Sicht, neue Formen von Wirklichkeit produziert. Später, in der Jurysitzung, geht die Diskussion um die Frage, wer sich Fotograf nennen darf und wer nicht, ob man den einfachen oder den schwierigen Weg gehen soll, was sich ziemt und was nicht, was machbar ist und was nicht, und nach leidenschaftlichen Plädoyers stehen die drei Gewinner fest. Wir klatschen, packen ein, und Suejin, die Kreativdirektorin der Illwoo-Foundation, fährt mit uns noch zu ihrem Office. An den Wänden Bilder eines weiteren koreanischen Fotografen: Taewon Jang. Sein Buch „Stained Ground“ ist auch gerade bei Hatje Cantz erschienen – grell beleuchtete Industrieanlagen, poetisch und bedrohlich zugleich. In dem Projektraum arbeitet Kreativdriektoin Suejin an dem nächsten Buch, „Korean Contemporary Photography“, überall kleben Miniaturen der Fotografien, auch hier wieder das Spannungsfeld „Wirklichkeit“ und „Imagination“, so steht es auf kleinen Schildchen über den Bildergruppen. Wir trinken einen Beringer, einen kalifornischen Rotwein, und später fahren wir mit Suejin noch durch das Gangnam-Viertel südlich des Han-Flusses. Viele Stores sind noch offen, es ist Samstag, die Stadt breitet ihre Arme aus, das Neue gewinnt gegen das Alte, zumindest für den Moment. Und vor der City Hall kippen sie Wasser auf die Eisfläche, damit sie für morgen schön glatt werde.

Arbeiten von Taewon Jang in dem Projectspace von Shin Suejin. ©Nadine Barth

Arbeiten von Taewon Jang in dem Projectspace von Shin Suejin.
©Nadine Barth

Blick aus dem Plaza Hotel, Seoul. ©Nadine Barth

Blick aus dem Plaza Hotel, Seoul.
©Nadine Barth

Interaktion 2: Fashion Week vs. Fashion Portraits

Augustin Teboul Ausstellung im Kronprinzenpalais. ©Markus Braumann

Augustin Teboul Ausstellung im Kronprinzenpalais.
©Markus Braumann

Vernissagegäste vor den den Bildern mit Angelika Taschen und Veronika Heilbrunner, fotografiert von Stefan Milev. ©Nadine Barth

Vernissagegäste vor den den Bildern mit Angelika Taschen und Veronika Heilbrunner, fotografiert von Stefan Milev.
©Nadine Barth

Iris Berben, fotografiert von Stefan Milev, für Augustin Teboul.

Iris Berben, fotografiert von Stefan Milev, für Augustin Teboul.

Sounds of Black. Die Zwischentöne des Dunklen. Das Echo der Nonchalance. Nachdenklich sitzt sie auf einer Kommode, den Kopf aufgestützt, die Haltung, perfekt und doch in sich gekehrt, als sei kein Betrachter da, der diese Szene in sich aufaugen könnte. Be my Muse, just for one day – das ist das Motto dieser Fotosession. Und die schöne Frau, die dort auf der Kommode sitzt, ist Iris Berben, der Ort das Soho House Berlin, das Jahr 2014. Dezember war’s. Die Schauspielerin ist eine der Musen, die sich die jungen Designer Annelie Augustin und Odély Teboul für die Inszenierung ihrer neuen Kollektion gewünscht haben. Give me your attitude, you are my inspiration. In and all black. Schwarz als Farbe der Saison, Nicht-Farbe, als dunkler Fleck, der Raum lässt für Inspiration. Geschichten, die sich verfangen, Haltungen, Visionen. Von irgendwoher klingt Musik, Agnes Obel haucht „Black turns beat me bright, / Turning on the light, / Today is gonna be the day / You hear somebody say,/ We need you right away.“ – auch sie eine der Musen dieser Serie. Wie Peaches, Dirk von Lowtzow, Anika, Meret Becker, Ulrike Theusner, Eva & Adele, Donata Wenders, Jorinde Voigt, Sabrina Querci, Angelika Taschen und so weiter. Eine wilde Mischung aus der Kreativwelt, Persönlichkeiten, die etwas schaffen, sei es Bühnenbilder, Bücher oder Kunst, nun vereint in einer Ausstellung, die im Kronprinzenpalais hängt, nur zur Fashion Week, nur für geladene Gäste. Im Zwielicht der Scheinwerfer nippen die Fashionistas an ihrem Lillet-Cocktail mit Frucht, Models flanieren die Treppe hoch und runter, präsentieren die Herbst-Winter-Kollektion 2015/2016, DJ Hugo Capablanca legt auf, auch er einer der Protagonisten auf den Bildern, sein Markenzeichen ein Hut, verwegen, schwarz.

DJ Hugo Capablanca. ©Nadine Barth

DJ Hugo Capablanca.
©Nadine Barth

Künstlerpaar Eva & Adele bei der Modepräsentation von Augustin Teboul.  ©Markus Braumann

Künstlerpaar Eva & Adele bei der Modepräsentation von Augustin Teboul.
©Markus Braumann

Agnes Obel, fotografiert von Stefan Milev, für Augustin Teboul.

Agnes Obel, fotografiert von Stefan Milev, für Augustin Teboul.

Inszenierung von Augustin Teboul. ©Nadine Barth

Inszenierung von Augustin Teboul.
©Nadine Barth

Am nächsten Tag stellen im gleichen Palais Designer aus, kein normaler Showroom, sondern als Installation, verteilt im ganzen Haus, jedes Label eine Ecke, sorgsam inszeniert auf dem Mosaikparkett – flackernde Lichtbilder bei Perret Schad, ein Videoscreen bei Allude, bunte Klötze in Mark Rothko Marnier bei Schumacher. Augustin Teboul haben natürlich ihre beiden Puppen in den Raum der Ausstellung gestellt, laszive Posen, schwarze Umhänge, wollig, glänzend, glatt, ein Touch Rock’n’Roll, der sich mit luxuriöser Eleganz verbindet. Überhaupt ist bei dieser Berliner Fashion Week einiges anders, die legendäre Stil-Konferenz des Zeit-Magazins wurde diesmal zusammen mit der Vogue veranstaltet, auch im Palais, und Christiane Arp, charismatische Chefredakteurin des Hochglanzmagazins, hatte am Montag die Gründung eines German Fashion Design Councils angekündigt – damit das kreative Potenzial in Deutschland und dessen Relevanz als Wirtschafts- und Kulturgut an Einfluss gewinne. Auf ihren offiziellen Porträts schaut Christiane Arp meist sehr ernst und konzentriert, und auch Stefan Milev hat für Augustin Teboul diese fokussierte Aura eingefangen, unterstrichen durch eine beiläufig Gestik der Hand am Revers, ein zeitloses Bild, madonnengleich.

Christiane Arp, Chefredakteurin der deutschen Vogue, fotografiert von Stefan Milev.

Christiane Arp, Chefredakteurin der deutschen Vogue, fotografiert von Stefan Milev.

Bühnenbildnerin Zana Bosnjak. ©Stefan Milev

Bühnenbildnerin Zana Bosnjak.
©Stefan Milev

Das Designer-Duo Augustin Teboul, fotografiert von Stefan Milev

Das Designer-Duo Augustin Teboul, fotografiert von Stefan Milev

Vielleicht hat Fotografie die Kraft, einen Streifen der Bedeutsamkeit durch die eigenen Gedanken zu ziehen. Indem die Hundertstelsekunde den Moment einfängt, der Mensch verbunden mit seiner Umgebung, ob Zuhause oder im Hotel, ob im Studio oder auf der Terrasse, die Zeit, das Vorher, das Danach fällt an den Seiten herunter, der Moment bleibt, das eine Lächeln, der tiefe Gedanke, der Zug an der Zigarette. Herausgelöst aus dem Strom, der Notwendigkeit, weiterzumachen, vielleicht auch eine kurze Bewusstwerdung, wo man steht, auch wenn das erst später geschieht, wenn man sich etwa selbst dort hängen sieht, in so einer Ausstellung, zwischen Menschen, die man aus dem Kino kennt oder dem Borchardt, und die Frage im Raum schwebt, was machst Du, was denkst Du, wer bist Du, hier, für den Moment, der gewesen, als das Foto entstand, Nadine Barth, Editor, at home, und die Fotografien im Hintergrund die sind, die ich selbst mal aussuchte, die an Wänden hängen und auf dem Boden stehen, in einem Loft, das auch zur Vergangenheit gehört, weil ich vor ein paar Wochen dort ausgezogen bin. Und diesen Gedanken, dass selbst diese Ausstellung nur ein kurzes Aufflackern im Bildergedächtnis der Zeit sein mag, morgen abgehängt, konserviert in einem Katalogbüchlein, dieses Gefühl der Vergänglichkeit und gleichzeitiger Verewigung nehme ich mit hinaus in den Nieselregen, es ist dunkel, Lichterpunkte glitzern auf dem nassen Asphalt. Dunkelschwarz und schön.

Nadine Barth vor ihrem Porträt, fotografiert von Stefan Milev. ©Kerstin Kraus

Nadine Barth vor ihrem Porträt, fotografiert von Stefan Milev.
©Kerstin Kraus

Selbstporträt des Fotografen Stefan Milev.

Selbstporträt des Fotografen Stefan Milev.

 

Interaktion 1: Verletzte Landschaft vs. Vernissagegäste

 

 

Im Raum Vernissagegäste in der Alfred-Ehrhard-Stiftung. ©Nadine Barth

Im Raum
Vernissagegäste in der Alfred-Ehrhard-Stiftung.
©Nadine Barth

Grande Dixence von Jörn Vanhöfen über Kuckei + Kuckei, Berlin

Grande Dixence
von Jörn Vanhöfen
über Kuckei + Kuckei, Berlin

Sie stehen im Raum, die Landschaft umfängt sie. Gibt einen Halt. Oder auch nicht. Es sind verletzte Landschaften, Natur, die Spuren trägt. Der Zivilisation. Der Zerstörung. So schön, die Autobahn durchs Gebirge, so grausam, das verlassene Haus. Ein Staudamm als Zeichen technischen Könnens, als Fortschritt, als Mauer aber auch, Betonköpfe, betonierte Welt. Betrachter, die unentschlossen sind, wie sie sich verhalten sollen. Wozu in die Ferne schweifen. Warum sich auseinandersetzen. Und dann – die Sehnsucht nach dem Unberührten. Die Sehnsucht nach dem Einssein mit dem Berg, der Luft, dem Himmel. Ich schlage einen Anker ins Bild, um mich festzuhalten.

Wir fuhren im Sommer immer an den Lago Maggiore. Meine Großeltern hatten dort ein Haus, eines dieser lustigen Fertighäuser aus Pappmaché, aber die Terrasse war schön und man hatte einen wundervollen Blick auf das Bergmassiv der Schweiz. Schneebedeckte Kuppeln. Damals gab es den langen Tunnel durch den Gotthard noch nicht. Wir fuhren über den Pass, im Ro80 meines Vaters, ein leises Surren auf dem Weg, je höher man kam, desto kühler und frischer wurde die Luft, und ich erinnere mich, dass wir ständig halten mussten, weil der Kühler kochte, Wankelmotor, und zwischen den Stützpfeilern des Tunnels sah man einen Gebirgssee in der Ferne, die Luft war kühl und frisch, dabei war es Juli, als Proviant gab es Kirschen.

Der Berg Jörn Vanhöfens Bild "Gotthard #45"

Der Berg
Jörn Vanhöfens Bild “Gotthard #45″

 

Der Tunnel Den Gotthard bezwingt man nicht mit einem Ro80, jedenfalls nicht mehr

Der Tunnel
Den Gotthard bezwingt man nicht mit einem Ro80, jedenfalls nicht mehr

Fotografien von Landschaften berühren. Sie erinnern uns an das Woher, sie nehmen uns an die Hand, erzählen uns eine Geschichte. Ansel Adams zeigte uns die Grandiosität der Canyons und die Weite der Wüste, und er setzte sich zeitlebens für den Erhalt der Nationalparks ein. Die New Topographics verknüpften ihre Lust an der konzeptuellen Dokumentation mit einer beginnenden Zivilisationskritik. Sie zeigten Spuren der Veränderung vor allem an den Rändern des urbanen Raums. Dort, wo die Stadt zerfließt, sich in die Natur ergießt, sie vereinnahmt, sie verschluckt. Robert Adams schockierte uns mit abgeholzten Wäldern, Stephen Shore versöhnte uns mit poppigen Tankstellen. Bernd und Hilla Becher richteten ihr Augenmerk auf die Zeichen des Industriellen.

Jörn Vanhöfen reist an Orte, die sich besonders rasant verändern: in die Townships Afrikas, an die Chicagoer Börse, zu den Waldbränden Apuliens oder ins Ruhrgebiet mit seinen verlassenen Kohleabbau-Halden. 2011 erschien sein Epos „Aftermath“ bei Hatje Cantz. In der Alfred-Ehrhardt-Stiftung sind nun neuere Arbeiten zu sehen. Christiane Stahl, die Leiterin, weist auf den leisen Optimismus der großformatigen Ansichten hin, auf die Natur, die sich Teile der Zivilisation zurückhole. Sträucher, die sich an den Wänden der zerfallenden Siedlung emporschmiegen. Am Ende zerfalle das Menschengemachte wieder zu Staub – ein Zirkel aus Entstehen und Vergehen, und so heißt die Ausstellung auch „Loop“. (bis 26. April 2015, http://www.alfred-ehrhardt-stiftung.de).

Das Publikum 9.1.2015 – Alfred-Ehrhard-Stifung, Berlin ©Nadine Barth

Das Publikum
9.1.2015 – Alfred-Ehrhard-Stifung, Berlin
©Nadine Barth

Die Macher Fotograf Jörn Vanhöfen + Christiane Stahl, Leiterin der Alfred-Ehrhardt-Stiftung

Die Macher
Fotograf Jörn Vanhöfen + Christiane Stahl, Leiterin der Alfred-Ehrhardt-Stiftung

Wo ist die Kuh? Die Suche nach einem Detail im Bild "Manshea Nasir Cairo" von Jörn Vanhöfen. ©Nadine Barth

Wo ist die Kuh?
Die Suche nach einem Detail im Bild “Manshea Nasir Cairo” von Jörn Vanhöfen.
©Nadine Barth

Das Publikum folgt den Gedankengängen aufmerksam, die Weingläser bleiben für einen Moment unberührt. Es sind die großen Themen der Welt, die hier in den Berliner Ausstellungsraum kurz Einzug halten. Man schaut, man denkt, man spricht. Und erinnert sich an seinen eigenen Bezug zur Landschaft. Unter den Gästen ist auch Hans-Christian Schink, der mit seinem Zyklus „Verkehrsprojekte“ (Hatje Cantz, 2004) einst demonstrierte, wie der Asphaltwahn die ostdeutschen Landschaften vereinnahmte. Die Autobahn als Monument – eine damals gleichermaßen poetische wie bedrohliche Vision. In „Tohoku“ (Hatje Cantz, 2013) dokumentierte er die Folgen des Tusnamis nach dem Reaktorunfall von Fukushima. Bis Gras darüber wachse. http://www.hc-schink.de

Der Besucher Hans-Christian Schink mit seiner charmanten Begleiterin

Der Besucher
Hans-Christian Schink mit seiner charmanten Begleiterin

Der Traveller vor dem Gletscher. Er plant seinen nächsten Trip. ©Nadine Barth

Der Traveller
vor dem Gletscher. Einssein mit der Natur.
©Nadine Barth

Die Reise Vor einem Bild von Jörn Vanhöfen, das er in Wustrow aufgenommen hat. Bald wird dort wieder die Natur herrschen… ©Nadine Barth

Die Reise
Ein Rucksack vor einem Bild von Jörn Vanhöfen, das er in Wustrow aufgenommen hat. Bald wird dort wieder die Natur herrschen…
©Nadine Barth

Und der Traveller, der vor mir steht und sich in das Gebirgsmassiv vertieft, hat seinen Rucksack unter eines der Bilder gestellt. Er ist der Vorbote des zivilisatorischen Prozesses. Er hisst die Fahne, nach ihm kommt der Weg, die Autobahn, der Tunnel durch den Gotthard, das Flugzeug, das All. Ich stelle mein Glas ab und gehe hinaus auf die regennasse Straße. An der Ecke liegt ein entsorgter Weihnachtsbaum.

Weihnachtsbuch-Tipp von Ines Sutter, Herstellerin: Filip Dujardin. Fictions

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Ein dicker Bauch ist auch eine statische Herausforderung.

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Weihnachtsbuch-Tipp von Karin Osbahr, Project Managerin: Jacqueline Hassink. View, Kyoto. On Japanese Gardens and Temples

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Kyoto war über 1000 Jahre Kaiserstadt und hat 1600 buddhistische Tempel und 400 Shinto-Schreine. Dieses alles wäre beinahe im August 1945 vernichtet worden, denn über Kyoto als primäres Ziel sollte, wäre es nach den amerikanischen Militärs gegangen, die ersten Atombombe abgeworfen werden. Dank des damaligen Kriegsministers Henry Stimson, der um die kulturelle und religiöse Bedeutung Kyotos wusste, blieb diese Stadt verschont. Und so können wir uns auch heute noch der zahlreichen Tempelanlagen und Gärten erfreuen.

Kyoto ist eine Großstadt mit 1,5 Millionen Einwohner, was man, kaum dass man eine Tempelanlage betreten hat, bald vergisst. In den bekanntesten wie dem Ryoan-ji wuseln zwar die Touristen, doch vermitteln auch da die Kare-san-sui (Zengärten) große Ruhe. Denn schnell wird klar, dass die pedantisch geharkten Muster in den Kieselfächen, die um ein paar wenige Felsen fließen, aus einem Akt der Meditation entstanden sind.

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Jacqueline Hassink hat in Kyoto ein paar wenige – 29 kommen aber immerhin zusammen – dieser Tempelanlagen fotografiert, menschenleer. Sie zeigt uns Innenräume, Gärten und die Interaktion von Innenraum und Garten, was zu interessanten Betrachtungen führen kann, etwa wenn streng geometrisch gestaltete, nahezu leere Räume auf eine üppige runde, bunte, plüschige Natur treffen. In dieser Gartenkultur ist nicht das Moos der Feind des Rasens, sondern der Rasen Feind des Mooses. Dadurch dass die Tempel aus Holz sind und große Öffnungen zum Garten hin haben, ist die Natur auch immer Teil des Gebäudes. Hassink hat die Aufnahmen zu verschiedenen Jahreszeiten gemacht, so während der allseits beliebten Kirschblüte, aber auch im Winter, wenn Schneetupfen auf kahlen Ästen liegen.

Dieses auch haptisch hochinteressante Buch hat zudem den Deutschen Fotobuchpreis in Silber bekommen.

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Weihnachtsbuch-Tipp von Kathrin Hardock, Herstellungsassistenz: Olaf Otto Becker. Broken Line

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Ein Naturthriller für kuschlige Winterabende

Was gibt es Schöneres, als es sich bei Kälte im Wohnzimmer vor Kamin (oder Heizung) gemütlich zu machen? Eine Tasse Tee und ein spannendes Buch – mehr braucht man für einen gemütlichen Abend nicht.

Die von Olaf Otto Becker in drei Sommern aufgenommenen Bilder dokumentieren Grönlands Landschaft, die geprägt ist von Wasser in all seinen Aggregatzuständen. Auf den ersten Blick sind die Aufnahmen einfach nur schön und laden zum Träumen ein – und wo lässt es sich besser von eisiger Kälte träumen als in behaglicher Atmosphäre im eigenen Wohnzimmer?

Wer sich jetzt fragt, worin bei so wildromantischen Landschaftsaufnahmen der Thrill-Faktor besteht, der stelle sich diesen Landstrich in 100 Jahren vor: Wie viele Eisberge und Gletscher dann noch existieren werden und wie viele schneefreie Flächen der “Grüninsel” selbst im Winter sichtbar sein werden, kann keiner verlässlich vorhersagen.

Dies als Prophezeiung verstanden, wird erst die Zukunft die Auflösung dieses Thrillers bringen. Aber wem bei der weihnachtlichen Besinnlichkeit langweilig wird, der kann sich mit diesem Buch wieder sanft auf den Boden der klimatischen Tatsachen holen lassen.

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Weihnachtsbuch-Tipp von Meike Gatermann, Presseleitung: Julian Röder “World Wide Order”

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International bekannt wurde Julian Röder (*1981), Mitglied der Fotoagentur Ostkreuz, mit seiner Serie The Summets über Protestmärsche, Demonstrationen und Gegenmärsche zu G8- und EU-Gipfeln.  Die Vermummung gehört sozusagen zum Anfang seiner Karriere. Und die ist beachtlich. Gerade hat Julian Röder den Ellen-Auerbach-Preis erhalten, das Fotobuch den Deutschen Fotobuchpreis in silber.

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Der Zusammenhang von Macht, Geld und Wirtschaft interessiert ihn. Dabei bleibt Julian Röder am Rande des Geschehens stehen, beobachtet und trifft dann eine Szenerie im Kern. Oder Patronen auf einer Waffenmesse in Abu Dhabi glitzern im Scheinwerferlicht wie Diamanten in einer Schmuckauslage. Mich hat bei dem Buch der Blick aufs Wesentliche oder scheinbar Nebensächliche von Julian Röder fasziniert. Und genauso wie man bei seinen Bildern einen zweiten Blick riskieren sollte, unterstützt auch die Herstellung des Buchs durch unterschiedliche Papiere und  teilweisen Lackdruck sowohl die drei verschiedenen Werkreihen als auch die Hochglanzfassade so mancher Wirtschaftsbranchen.

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Übrigens sind seine Bilder noch bis zum 3. Februar in der Guardini Stiftung in Berlin zu sehen.

Weihnachtsbuch-Tipp von Martina Mailänder, KQ-DAILY Online-Redaktion: Andreas Magadanz “Stammheim”

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Wegen seiner wenig heimeligen Atmosphäre eigentlich kein Titel für unter den Weihnachtsbaum, aber ein viel zu starkes zeitgeschichtliches Buchmonument, als dass es in der Backlist verborgen bleiben sollte: STAMMHEIM von Andreas Magdanz.

Der Band dokumentiert in nüchtern kühlen Schwarzweiß-Fotografien die Räumlichkeiten der Stuttgarter JVA, die zum Synonym geworden sind für den Terror Ende der 1970er-Jahre, als den führenden Köpfe der Rote Armee Fraktion hier der Prozess gemacht und dafür eigens ein neuer Hochsicherheitstrakt errichtet wurde. Dieser galt lange ob seines architektonischen Zuschnitts und der damit verbundenen Sicherheitstechnik als Musterbeispiel im Ländle. Noch heute steht die JVA im Norden Stuttgarts im (Ver-)Ruf ein hartes Pflaster selbst für die harten Jungs zu sein.

Doch in dem Mehrzweckbau von damals sitzt heute keiner mehr ein, er muss dem baulichen Zeitgeist der Gegenwart weichen. Bevor die Bagger angerückt sind, durfte Andreas Magdanz 2010/2011 mit einer digitalen Großbildkamera im Innern der JVA und aus der Luft dokumentieren, wie die Wohnblöcke der Justizvollzugsbeamten direkt hinter der Mauer mit Stacheldraht obenauf liegen, welche Unordnung in der Kleiderkammer herrschte und wie man die ungelüftete Muffigkeit der Mehrpersonen-Zellen förmlich riechen kann.

Dass man dabei auf ein Fensterkreuz starrt, an dem sich Gundrun Ensslin erhängt hat? Nichts im Bild deutet darauf hin. So sachlich präzise und trotzdem ästhetisch kann Dokumentar-Fotografie sein.

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Manifest des Tabularismus

Manifest des Tabularismus

Sieben Thesen für die Erneuerung der Fotografie

  1. Von heute an ist die Fotografie tot. Alle Abbilder sind gemacht; alle Wiedergaben sind verfertigt. Und doch ist man der Welt nicht nähergekommen. Die letzten Bilder stehen noch aus. Der Tabularismus umfasst die letzten Bilder der Fotografie.

  2. Der Tabularismus ist Zeichen und keine Bezeichnung. Er bezeugt nicht, was in der Welt ist; er ist die Welt selber. Er ist Bild und niemals Abbild. Mit dem Tabularismus kommt die Fotografie zu sich selbst.

  3. Der Tabularismus ist ein Zerstörer. Er rüttelt an der Hülle des Weltraums und untergräbt den Behälter der sichtbaren Dinge. Selbst die stürzende Linie wird von ihm noch gebrochen. Mit jeglichen Fluchten steht er im Krieg.

  4. Der Tabularismus ist Schöpfer. Von den Rändern des Sichtbaren her nimmt er sein Licht; von den Erkenntnisresten nimmt er die Schatten. Das Licht und das Dunkel sind seine wahren Motive.

  5. Der Tabularismus ist Spiel. Er ist Tanz und Zerstreuung; er ist Annäherung und Loslösung. Er sucht nicht nach Wahrheit; jede Wahrheit ist Täuschung. Authentisch ist der Tabularismus nur zu sich selbst.

  6. Der Tabularismus ist Kunst. Und als Kunst ist er Freiheit. Er sprengt den Korpus der Apparaturen; er bricht den Willen der Kameraboxen. Jedes harte Gehäuse steht quer zu der Freiheit.

  7. Der Tabularismus ist Zukunft. Und doch ist er eingebettet in eine Geschichte. Er hat Traditionen; er hat Mütter und Väter. Im Dunkel der Aufklärung warten sie auf die Rückkehr des Lichts.

Ralf Hanselle und Stefan Heyne im November 2014

Der Nullpunkt

“Man sieht, was man am besten aus sich sehen kann” C. G. Jung

Der Anfang war das Ende. Als der französische Physiker Francois Arago am 19. August 1839 der Weltöffentlichkeit die Fotografie vorstellte, da war das in gewisser Weise ein Endpunkt. Natürlich, die Technik wurde noch verfeinert. Auf die Daguerreotypie folgte das Negativverfahren, auf Glasplatten folgten Rollfilme. Doch eigentlich war an diesem Sommertag vor 175 Jahren die Sache im wahrsten Sinne des Wortes im Kasten. Das Ziel war erreicht. Das Bild innerhalb einer Kamera lies sich auf chemischen Weg fixieren. Alles andere waren nur “fine tunings”. Selbst als Steven Sasson 1975 ein Bild erstmals nicht mehr chemisch sondern auf elektronischem Wege einschrieb, war das im Grunde genommen nur ein Remake der alten Idee. Mit der Daguerreotypomanie, die die europäische Öffentlichkeit 1839 erfasst haben soll, schien aller Welt klar zu sein, was Fotografie ist.

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Marco Breuer. Ausstellungsansicht in der Yossi Milo Gallery

Vielleicht ist es bei so viel Gewissheit kein Wunder, dass der deutsch-amerikanische Fotokünstler Marco Breuer in der hiesigen Foto-Szene nahezu ein Unbekannter geblieben ist. In einem Land, in dem man alles weiß und in dem man in fotokünstlerischen Dingen zudem noch recht erfolgreich ist, muss man nichts mehr hinterfragen. Die großen Debatten sind geführt. Das Bild ist im Kasten. Ganz anders ist das in Breuers-Wahlheimat New York. Hier lebt der 1966 in Landshut geborene Künstler seit mehr als zwanzig Jahren. In den USA zählt Breuer zu den wichtigsten Fotokünstlern seiner Generation. Seine Werke sind dort längst in allen großen Ausstellungshäusern vertreten - vom Getty Museum über das MoMA bis zum ICP. 

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Untitled (C-1379), 2013
Chromogenic Paper, burned/scraped
20″ × 16″ (50.8 × 40.6 cm)
Unique

Wieso also hat es der Prophet im eigenen Land so schwer? Vielleicht liegt die Breuer-Ignoranz in Deutschland ja tatsächlich an der festen Gewissheiten darüber, was eine Fotografie zu sein habe. In dem Land, in dem Christian Schad einst seine Schadographien entwickelt , in dem Lázló Moholy-Nagy merkwürdige Gegenstände auf unbelichtetes Fotopapier gelegt und Gottfried Jäger sogenannte Lochblendenstrukturen entwickelt hat, hat man den Fotografie-Begriff in den letzten Jahrzehnten etwas ausgedünnt. Eine Fotografie ist heute irgendwas mit Hochöfen, mit Plattenbauten oder Mittelschichtsmief . Keineswegs aber ist sie das, was Marco Breuer darunter versteht: lichtempfindliches Papier.

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Untitled (C-1469), 2014
Chromogenic Paper, exposed/embossed/folded/burned/scraped
20 1/8″ × 14 1/8″ (51.1 × 35.9 cm)
Unique

Man kann vieles mit diesem Papier anstellen: Im Stile der Avantgarden kann man Krawatten, Tapeten und Kaffeefilter darauf legen und es anschließend belichten. Man kann es ritzen, wässern, sogar anzünden. All das hat Marco Breuer in den zurückliegenden Jahren getan. Das Ergebnis sind Spuren des Experimentellen. EInschreibungen des Zufälligen. Materialuntersuchungen. Fotobefragungen. Bilder, die ohne Umwege vom Künstler auf das Material gegangen sind. Sie stellen die Frage nach dem, was Fotografie ist, auf radikale Weise neu. Ist Fotografie ein festgeschriebener Prozess? Ein Weg vom Objekt über die Kamera auf das Papier? Ist sie ein Bildträger? Ein Bedeutungsfeld? Was meinen wir eigentlich genau, wenn wir von Fotografie reden? Vielleicht ist sie vor allem dieses: ein großes Geheimnis. Dann wären Breuers Arbeiten Fotografie im bis dato besten Sinne des Wortes. Dann wäre 1839 nicht das Ende sondern ein immerwährender Anfang. Der Kasten jedenfalls wäre wieder offen.

large-marco_breuer-untitled_c_1478

Untitled (C-1478), 2014
Chromogenic Paper, burned/scraped
20 3/8″ × 16 1/4″ (51.8 × 41.3 cm)
Unique