Über den Fotoblog

Jeden Monat ein anderer Experte. Wir laden bekannte Blogger und Spezialisten aus der internationalen Fotoszene ... Read more »

About the Blog

Another expert every month: We invite well-known bloggers and specialists from the international photography scene... Read more »

Zum 100. Geburtstag von Gerd Hatje

Am 14. April wäre Gerd Hatje 100 Jahre alt geworden. Als 30jähriger konnte er eine Lizenz zur Gründung des Verlags von der amerikanischen wie von der französischen Militärregierung erwerben. Er sah seinen Verlag als “Privatuniversität”. Und seine Liebe  zur Kunst sowie seine große Neugierde waren Basis für zahlreiche Begegnungen mit Künstlern und Kunstfreunden und Ansporn für gutgemachte Bücher. “Eigentlich habe ich den Verlegerberuf beim Schwanz aufgezäumt. Aufgrund meiner Ausbildung und eines ästhetischen Wunschdenkens hatte ich die klare Vorstellung, dass ein Buch schön sein muss. Ich wollte Bücher machen, wusste ja als Schriftsetzer um das Geheimnis des Buches. So habe ich mit dem Objekt angefangen und nicht mit dem Inhalt des Objektes.[...] Die Inhalte habe ich lernen müssen oder vielmehr lernen dürfen und zwar durch Begegnungen mit Menschen. Das meiste habe ich durch Menschen gelernt.” Gerd Hatje in einem Interview anlässlich einer Ausstellung im Institut français de Stuttgart, 2002.

Gerd Hatje would have been 100 years old on April 14. At the age of 30, right after the end of WWII, he was able to obtain a license to start a publishing company from both the American and French provisional governments. He thought of his company as a “private university.” Both his love for art and his vast curiosity were the basis for many meetings with artists and art lovers, while also spurring him to make high-quality books. “Actually, I learned how to be a publisher backwards. Due to my education and my wishful ideas about aesthetics, I had a clear idea that a book had to be beautiful. I wanted to make books, and as a typesetter, I knew the secret behind a book. So I started with the object, not with the contents of the object. . . . I had to learn about the contents—or rather, I was privileged to be able to learn about the contents through my meetings with others. I learned the most from people.” Gerd Hatje, interviewed at an exhibition at the Institut français de Stuttgart, 2002.

FASSBINDER – JETZT im Martin-Gropius-Bau in Berlin

fassbinder_keyvisual_berlin_2015-b769

Mit einem Hinweis auf die Ausstellung „FASSBINDER – JETZT“ im Berliner Martin-Gropius Bau verabschiede ich mich als Fotoblogger des Monats. Fotografie als Experiment, Fotografie an der Grenze zu Film, Malerei und Skulptur, das war mein Thema. Vom 6. Mai bis zum 23. August kann man in Berlin das Werk des Filmregisseurs sehen, der in nur 16 Jahren 44 Filme geschaffen hat. Anlass ist der 70. Geburtstag von Rainer Werner Fassbinder am 31. Mai. Die Präsentation mit den drei Schwerpunkten “Werkstatt”, “Kostüm” und “Bildende Kunst” verdeutlicht die Geschlossenheit von Fassbinders Werk und seinen Einfluss auf die aktuelle Kunstproduktion.

www.gropiusbau.de

Kazuna Taguchi bei Photo London

TAGUC12696_It is as it is ☆_highres

© Kazuna Taguchi / Courtesy of Christophe Guye Galerie, Zurich, Switzerland

Eine ungewöhnliche Position zwischen Fotografie und Malerei nimmt das Werk der japanischen Künstlerin Kazuna Taguchi ein: abfotografierte Werke monochromer Acrylmalerei. Das Ergebnis sind entrückte Arbeiten, die Ende Mai bei der Photo London im Somerset House zu sehen sind. Die Künstlerin wird neuerdings von der Galerie Christophe Guye in Zürich vertreten.

Kazuna TAGUCHI

© Kazuna Taguchi / Courtesy of Christophe Guye Galerie, Zurich, Switzerland

www.christopheguye.com

David Lynch im Flatz Museum Dornbirn

Mit seinen „Factory Photographs“ – entstanden zwischen 1980 und dem Jahr 2000 – ist David Lynch als Fotograf bekannt geworden. „I love industry. Pipes. I love fluid and smoke. I love man-made things. I like to see people hard at work, and I like to see sludge and man-made waste.” So hat Lynch seine Serie kommentiert. Doch Menschen waren hier keine zu sehen. Stattdessen: dunkle, monströse Maschinen, labyrinthische Werkhallen, Ruinen der Moderne. Lynch ist ein Liebhaber des Unheimlichen.

Lynch Emily_Scream

(c) David Lynch: “Emily Scream”

Nach Sigmund Freud ist „Das Unheimliche“ stets im gleichen Maße vertraut wie unvertraut. Es ist für ihn „Wiederkehr des Verdrängten“, das sich in einem unheimlichen, existenziellen Gefühl äußert, einem Gefühl des Nicht-zuhause-seins. In seinen Filmen wie „Eraserhead“, „Blue Velvet“, „Twin Peaks“, „Lost Highway“ oder „Mulholland Drive“ ist es David Lynch immer wieder gelungen, dieses Gefühl zu transportieren – und eine neue Ästhetik des Unheimlichen zwischen Horror und Film noir zu erschaffen.

B 2227

(c) David Lynch: “Come See For Yourself”

In der Fotografie gelingt ihm das in vielen Arbeiten auch, wie jetzt die Ausstellung „David Lynch. Transient – Fotografien“ zeigt, die ab dem 11. April im Flatz Museum in Dornbirn zu sehen ist. Es ist die erste Einzelausstellung in Österreich, die Bilder von psychologischer Dichte und experimenteller Kraft zusammenbringt: „Es ist egal, wo eine Sache anfängt, was zählt, ist darauf zu achten, wohin die Ideen dich führen“, so David Lynch.

www.flatzmuseum.at

Anders Petersen-Retrospektive im Münchner Stadtmuseum

01_from Back Home, 2009

Bis zum 28. Juni zeigt das Münchner Stadtmuseum mit dem 1944 geborenen schwedischen Fotografen Anders Petersen einen Künstler, dessen Interesse jenen gilt, die am Rande der Gesellschaft stehen: Seine Bilder fand er in Animierlokalen, Gefängnissen, psychiatrischen Anstalten oder Pflegeheimen – weltbekannt wurde Petersen mit seinen Fotografien, die im Hamburger Café Lehmitz in den späten sechziger Jahren entstanden sind: Porträts von Prostituierten, Obdachlosen und Trinkern, die ein Lebensgefühl jenseits gesellschaftlicher Normen auf unvergleichliche Weise spiegeln.

02_paris, 2006

„Ein Bildnis, das bedeutet auch, dass es nicht nur den Anderen sondern möglichst einen selbst darstellt, also ein Selbstbildnis ist. Das ist interessant, jedenfalls für mich.“ So hat Anders Petersen seine fotografische Philosophie einmal beschrieben: „Ich suche eine Beziehung zu den Menschen, die ich fotografiere. Und das hat viel zu tun mit dem Verlangen, den Träumen, den Geheimnissen. Vielleicht auch mit unseren Alpträumen und Ängsten.“

10_soho, 2011

Und weiter: „Für mich geht es beim Moment des Fotografierens auch um eine Nähe zu mir selbst. Um den Versuch, die Wirklichkeit zu erleben, anstatt sie lediglich darzustellen, und in diesem Erleben möglichst präsent zu sein. Manchmal ist es ein Glücksfall, man hebt die Kamera, und das Leben springt hinein wie ein Kaninchen. Alles wird bis zum Äußersten getrieben.“ Die Ausstellung zeigt etwa 400 Originalaufnahmen aus sämtlichen Werkphasen sowie den Dokumentarfilm „A Film about with Anders Petersen“. Zur Ausstellung ist im Schirmer/Mosel Verlag München die Monografie „Anders Petersen“ erschienen.

08_karlstad_schweden, 2000

www.muenchner-stadtmuseum.de

 

 

“The Destructive Art of Hurricane Sandy” im Stadthaus Ulm

4_Sandy-Art-by R-Taylro_LadyDi

In einer Kabinett-Ausstellung präsentiert das Stadthaus Ulm aktuell das durch den Wirbelsturm Sandy zerstörte Werk des Pressefotografen Randy G. Taylor, dessen Archiv mit Fotos, Dias und Negativen im Oktober 2012 geflutet wurde. 30.000 Arbeiten sind seitdem mit Schimmel, Dreck und Bakterien überzogen.

7_Sandy-Art by R-Taylor_Gorilla

Wie diese Bilder heute aussehen, welche besondere Schönheit unter dem Schmutz steckt, das ist nun in Ulm zu bestaunen. Die Ausstellung wurde von Randy Taylor und Stadthaus-Kurator Tommi Brem zusammengestellt. Sie zeigt einen Ausschnitt des geretteten Materials und dokumentiert die ungewöhnliche “Kollaboration” von Fotograf und Naturgewalt.

 

http://stadthaus.ulm.de/stadthaus/weitere_infos.135204.htm

Susa Templin in der Kölner Thomas Rehbein Galerie

Templin 2

Schon seit Jahren irritiert das Werk von Susa Templin. Fotografie begreift sie nicht als eine Sache, die man in einem Rahmen versteckt. Im Gegenteil. Schon vor Jahren klebte die ehemalige Städelschülerin Fotocollagen, machte Farbkopien von Fotos, baute kleine Skulpturen, fertigte Zeichnungen und Aquarelle, entwarf Installationen und Ateliersituationen. Es ist vor allem die Sehnsucht, städtische Räume für sich zu entdecken, die Templin vorantreibt. „Was mich interessiert, ist die Frage, wie die Menschen in der Stadt leben und was dabei besser und schöner sein könnte“, sagt Templin – und tatsächlich sind ihre Orte von bisweilen flimmernder Schönheit.

Templin1

Dass sie diesen Glanz mit einer rauen Präsentation zu brechen sucht, die ihre künstlerische Arbeit seit Jahren begleitet, macht Sinn. Die Kunstausstellung als provisorischer Notizzettel, auf den man kritzelt, skizziert, schneidet und kratzt ist eine Idee, die nichts an Faszination verloren hat. Die Ausstellung, ein schwebendes Verfahren, das Verwirrung stiftet: „Ich will, dass der Betrachter wach wird. Und das wird er oft, wenn er nicht genau weiß, was er von den Dingen halten soll“, so Templin.

Templin3

Jetzt sind ihre neuen Arbeiten unter dem Titel „Räume“ bis zum 11. April in der Galerie Rehbein in Köln zu sehen. Bis heute ist Susa Templins Thema der Raum geblieben, wie Miriam Walgate zu der Ausstellung schreibt: „Auf ihrer Suche nach Bildlösungen setzt Susa Templin wiederholt ihren eigenen Körper in Beziehung zum Raum und lässt selbst den Akt des Fotografierens einfließen. Gekennzeichnet von blasser, atmosphärischer Farbigkeit, partieller Unschärfe und Mehrfachbelichtung wird in den Motiven von Mobiliar, Vorhängen, den Beinen der Künstlerin, Türen und Fenstern die physische Dimension räumlicher Erinnerung erfahrbar gemacht.“

 

http://www.rehbein-galerie.de/exhibition_detail.php?exhibition=89

 

Neue Ausgabe von CRITICA

Gerade erschienen ist die neue Ausgabe der Zeitschrift CRITICA, die auf dem Gebiet der Philosophie und der Kunsttheorie für spannende Diskurse sorgt. Die aktuelle Ausgabe beschäftigt sich mit  „Realität & Möglichkeiten“ und enthält Beiträge von Elize Bisanz, Christoph Kammertöns, Marc Peschke, Sabine Dehnel, Julia-C. Dissel, Danièle Perrier, David Altmejd, Jeppe Hein und Michel François. Die Zeitschrift erscheint als E-Book und auch als Print-Ausgabe.

CRITICA_cover

Coverabbildung (c) Marc Peschke 2015, aus der Serie “Maschera”

Das Herausgeber-Team versteht CRITICA als „unabhängige Zeitschrift mit der Zielsetzung, den wissenschaftlichen Austausch auf dem Gebiet der Philosophie und der Kunst(-theorie) zu fördern.“ Herausgeberin der Zeitschrift ist die Philosophin und Kunsttheoretikerin Julia-Constance Dissel. Einreichungen von Künstlern und Kunsttheoretikern sind sehr willkommen!

 

www.critica-zpk.net

„Ein Traum von einer Stadt“ in Karlsruhe

(c) Christine Erhard (klein)

(c) Christine Erhard

Ein interessantes Programm an der Grenze zwischen Architektur und Bildender Kunst bietet das Architekturschaufenster in Karlsruhe. Aktuell ist die Ausstellung „Ein Traum von einer Stadt“ mit Arbeiten von Christine Erhard, Johanna Jakowlev und Karl-Heinz Bogner zu sehen. Die von Simone Kraft kuratierte Schau zum 300. Stadtgeburtstag Karlsruhes versammelt bis zum 27. März Kunst, welche die besondere Geschichte der Planstadt reflektiert.

(c) Johanna Jakowlev (klein)

(c) Johana Jakowlev

Simone Kraft: „Die künstlerischen Positionen reflektieren diese Themen aus unterschiedlichen Perspektiven. Ihre Arbeiten bieten neue Denkanstöße, andere Sichtweisen, einen Blick ‚um die Ecke‘ auf vertraute urbane und architektonische Besonderheiten, auf den Traum von Stadt – nicht nur in Karlsruhe, sondern über den Stadtrand hinaus.“ Zu sehen sind Arbeiten der Düsseldorfer Fotokünstlerin Christine Erhard, Malerei von Johanna Jakowlev und Objekte von Karl-Heinz Bogner.

(c) Karl-Heinz Bogner (klein)

(c) Karl-Heinz Bogner

http://www.architekturschaufenster.de/programm/ein-traum-von-einer-stadt-1/

Wanderausstellung „FRONT 14/18. Der Erste Weltkrieg in 3D“

51786

Fotografie an der Grenze zwischen zweiter und dritter Dimension: Derzeit zeigt eine Wanderausstellung des Landschaftsverband Westfalen-Lippe ungesehene Bilder. Fotografien aus dem ersten Weltkrieg, Männer mit Gasmasken, Schützengräben, Verwundete, Tote, zerstörte Dörfer – und das mittels Spezialbrille lebensecht in 3D. Präsentiert werden stereoskopischen Aufnahmen der beiden Frontsoldaten Karl Bußhoff und Otto Mötje, die aus zwei westfälischen Privatsammlungen stammen und Teil des Bildarchivs des LWL-Medienzentrums für Westfalen sind. Nun werden sie – erstmals öffentlich – gezeigt.

51787

Das LWL-Museumsamt präsentiert die von der LWL-Kulturstiftung geförderte Ausstellung bis 2017 in insgesamt 13 Stationen in der Region. Das Buch zur Ausstellung ist im Tecklenborg-Verlag erschienen.

51792

Dr. Volker Jakob, einer der Kuratoren des LWL-Medienzentrums: „Die Bilder vermitteln unverstellte Einsichten in den Alltag des Stellungskrieges, wie man sie bisher sehr selten gesehen hat.“ Eine große Aufgabe war die Restaurierung, wie Bildwissenschaftler Stephan Sagurna erläutert: „Die sensiblen fotografischen Emulsionen waren teils verblichen, bröselten von den Glasplatten ab oder waren seinerzeit schon fehlerhaft belichtet und verarbeitet worden.“

51789

www.lwl.org