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Supertrees

Series: Reading the Landscape

Just off the coast of Singapore, only seventy kilometers as the crow flies from the devastation on Rangsang Island, is an artificial island built of sand dug from the sea bed where plants are being cultivated on a new scale. Creatives have designed “supertrees” which sprout from its soil, and by which they aim to attract visitors from all over the world to the “Gardens by the Bay.”

 

 

Sumatra, Riau Province, Indonesia, March 2012.

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Sumatra, Riau Province, Indonesia, March 2012.
We ran into Amin and Yanti Petani while walking down a road. They told us that they had just been building their own house. They had finally won their land back after a ten-year legal battle with an international paper company. The land had originally been a small paradise where their ancestors had also lived. However, before they got the land back, the paper company harvested it for one last time.

In many places in Indonesia, there is no properly held land registry. This situation makes it easier for companies to exploit the land for their own purposes on a large scale.

 

Sumatra, Provinz Riau, Indonesien, März 2012.
Entlang einer Straße begegneten uns Amin und Yanti Petani. Sie berichteten, dass sie sich gerade ihr eigenes Haus bauten. Ihr Grundstück hatten sie nach einem zehn Jahre andauernden Rechtsstreit gegen einen internatio­nalen Papierkonzern nun endlich zurückbekommen. Das Land war ursprünglich ein kleines Paradies, wo auch
Ihre Vorfahren lebten. Bevor sie ihr Land  zurück bekamen erntete der Papierkonzern das Land zum letzten Mal ab.

In vielen Gegenden Indonesiens gibt es keine Urkunden, die den Landbesitz dokumentieren.

So ist es leicht die Bauern zu enteignen.

Waterways in the forest

Primary Swamp Forest 04 cmykkorr

Dusk, Primary Swamp forest1.2cny086k

 

Das schwarze Wasser dieser Flussstraße war Heimat unzähliger, dunkel geschuppter Salzwasser­krokodile. Hoch in den Bäumen konnte ich täglich Orang-Utans, Nasenaffen und andere Primaten bei ihren Mahlzeiten beobachten. Nachts beleuchteten Millionen von Glüh­würmchen die Wasserwege durch diesen Urwald.

The black waters of this waterway were home to countless dark-scaled salt water crocodiles. Every day I could watch orangutans, proboscis monkeys, and other primates feeding high up in the trees. At night, millions of fireflies lit up the streams through this forest.

 

Primary Swamp Forest 02cmyk

 

Primary Swamp Forest 03.3cmyk

Deforestation of primary swamp forest in Sumatra for a paper company.

Logging Vertical dyptich

 

Diptych, Deforestation of 800,000 hectares of swamp forest, Sumatra, Riau Area, Rangsang Island 03/2012

März 2012 und November 2013 besuchte ich zusammen mit Akmal, ebenfalls Umweltaktivist, Rangsang Island, eine Insel vor Sumatra. Sie gehört zu Sumatras Provinz Riau, wo ein großer Papierkonzern die staatliche Konzession erhalten hatte, insgesamt 800.000 Hektar primären Sumpfurwald zu roden, trockenzulegen und das Land für Akazienanpflanzungen zu nutzen. Auf unserem Weg zu den Inseln kamen uns pausenlos mit Tropenholz überladene Schiffe entgegen. In den Gewässern vor den Inseln lagen unzählige rauchende Minenschiffe vor Anker. Deren Besatzung suchte nach Silber.

Mit dem Oberhaupt der lokalen indigenen Bevölkerung und einigen seiner Freunde schlugen wir uns stundenlang mit Macheten einen Weg durch dichten Primärurwald bis zu der Stelle, wo von Tagesanbruch bis zur Dämmerung pausenlos die Motorsägen heulten, um dieses Gebiet für einen Papierkonzern nutzbar zu machen. Das ganze Areal wurde streng von Security bewacht. Zu Beginn wurden kilometerlange Schneisen in den Urwald geschlagen, um danach mit schweren Baggern breite Wasserkanäle aus dem meterdicken Torfboden des Urwalds auszuheben. Wertvolle Bäume wurden zuerst abgeholzt und mit Booten auf den künstlichen Wasserwegen abtransportiert. Alles was nicht verwertbar war, wurde anschließend verbrannt. Akazienbäume ersetzten schließlich die Vielfalt, um dann nach sieben Jahren Reifezeit als Maische in den großen Bottichen der Papierhersteller zu landen.

Dieses Diptychon entstand im März 2012. Im nächsten Jahr besuchte ich diesen Ort erneut. Der Primärurwald war inzwischen restlos abgeholzt. Junge Akazien hatten jetzt ihren Platz eingenommen. Zu meiner eigenen Sicher­heit hielten mich meine Begleiter zurück, das Areal zu betreten, auf dem der noch verbliebene Primär­urwald nun abgemäht wurde.

 

Between March 2012 and November 2013, Akmal, another environmental activist, and I visited Rangsang Island off the coast of Sumatra. It is part of the Suma­tran pro­v­ince of Riau, where a large paper company had received a state license to exploit 800,000 hec­tares of primary swamp forest, clearing and draining the land so it could be used for planting acacia trees. On our way to the island we passed a constant stream of boats heading in the opposite direction, each one overloaded with tropical wood. In the waters off the island countless smoking mining ships lay at anchor. Their crews were looking for silver.

Accompanied by the head of the local indigenous population and some of his friends, we hacked our way with machetes for hours through the primary forest, until we came to a place where chainsaws could be heard roaring constantly from dawn till dusk. The site was being prepared for exploitation by one of the paper companies, and the entire area was under heavy security surveillance. First open strips, several kilometers long, were cut into the primary forest, and then broad water channels were dug through the forest’s peaty soil using heavy diggers. Valuable trees were cut down first and transported away along the artificial waterways. Then everything that couldn’t be used was burned. Finally, the diversity of the forest was replaced by acacia trees, which take seven years to mature before ending up as mash in the paper manufacturers’ big vats. I shot this diptych in March 2012. The next year I visited this place again. By then, the primary forest had been completely cut down, and young acacia trees had taken their place. The area had been razed of its remaining primary forest, and for my own safety my companions stopped me from entering it.

Mit der 8 x 10 inch Kamera auf einem 800 Hektar großem illegal abgeholztem Areal in Zentralborneo unterwegs.

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Illegale Abholzung in Tumbang Karan, Zentral Kalimantan, Inonesien

Durch eine deutsche Dokumentarfilmerin bekam ich die Adresse von Nordin, einem Umweltrebellen im Süden Borneos, der in Indonesien sehr gut vernetzt ist. Mit ihm brach ich dann im März 2012 auf, um mir im Süden Borneos die Spuren der legalen und illegalen Zerstörung der primären Wälder anzusehen. Wir waren mehrere Wochen in Zentralkalimantan unterwegs. Was ich hier jedoch sah, erschütterte mich zutiefst: trostlose Areale abgesägter Urwaldriesen, brandverwüstete Flächen, lebloser Sekundärwald und Palmölfelder, pestizidverseucht und überschattet von dem Rauch pausenlos kochender Palmölmühlen.

Auch die letzten Bergregionen Zentralkalimantans werden nicht von neuen Palmölplantagen verschont. Dort wo es zu steil für die Plantagen ist, werden die wertvollen Bäume einfach mit Motorsägen für den Export in die westliche Welt zerlegt. Zurück bleibt verwüsteter Urwald.

Ein Tipp aus Tumban Kalang im März 2012 führte uns in das Zentrum Kalimantans. Dort brachten uns Dorfbewohner zu einer 7 000 Hektar großen, illegalen Abholzung einer malaysischen Palmölgesellschaft: Der Primärurwald war bereits restlos abgeholzt. Vor Ort fanden wir auch ein Sägewerk, in dem die wertvollen Hölzer gleich zu Brettern verarbeitet wurden. Was nicht verwertbar war, ließ man einfach liegen. ( siehe Bild oben) Wir meldeten die Abholzung nach unserem Besuch den Behörden.

 

 

Ein einzelner Weißer in nicht touristischen Gegenden Brasiliens, wo zudem illegale Abholzung stattfindet, bedeutet in der Regel nichts Gutes.

Holzlager

Die Recherche zu meinem Buch war durchweg schwierig und mühsam. Die Zerstörung der primären Urwälder ist zwar weltweit in Gang, zuverlässige und gut organisierte Kontaktpersonen vor Ort zu finden, war jedoch schwer. Zudem wollte ich Gebiete aufsuchen, die bis jetzt noch nicht so im Fokus der Öffentlichkeit standen. Die Kontakte in Brasilien waren alle problematisch. Nirgendwo konnte meine Sicherheit gewährleistet werden. Einfach hinfahren und sich umschauen wäre keine Option gewesen. In abgelegenen Gegenden fällt man als Weißer überall auf. Je abgelegener die Gegend, um so sicherer ist es, dass man bei all seinem Tun beobachtet wird. Jede Information, die die Einheimischen auffangen, wird rasend schnell verbreitet. Ein einzelner Weißer in nicht touristischen Gegenden Brasiliens, wo zudem illegale Abholzung stattfindet, bedeuteten der Regel nichts Gutes.  Da werden schnelle Entscheidungen getroffen.

In Sibirien hatte ich einige Kontakte. Das Reisen und die Fortbewegung vor Ort, um in die abgelegenen Gebiete zu kommen, war logistisch und finanziell jedoch unüberschaubar. Auch gab es hier für mich Sicherheitsprobleme, weil auch staatliche Stellen an der Abholzung beteiligt sind. Mit Behörden in Russland wollte ich mich nicht anlegen. Aus diesem Grund konnte ich bis heute keine Aufnahmen in Brasilien und in Russland machen.

In meinem Buch beschäftige ich mich im wesentlichen mit Gebieten In Malaysia und Indonesien.

Die Vorbereitung zu dem Primärurwaldthema hat viel Zeit in Anspruch genommen

saegewerk Bolivien

Bereits 2008 begann ich mit ersten Recherchen zu dem Thema in Bolivien und Brasilien. Ich suchte nach verlässlichen Kontakten vor Ort, um die Zerstörung von primären Urwäldern fotografieren zu können. Ich stieß dabei 2009 auf einen Deutsch-Bolivianer, der von einem Naturschutzreservat berichtete, das durch private Spenden entstanden war und nun von der einheimischen Bevölkerung und von Kriminellen in Besitz genommen wurde, um den Wald abzuholzen. Er war mit der Betreuung dieses Areals betraut, musste jetzt jedoch tatenlos zusehen, wie das gesamte Gebiet zerstört wurde.

Mehrere Wochen war ich dann im August 2010 mit ihm in den Regenwaldgebieten Boliviens unterwegs, um Spuren der illegalen Abholzung, unter anderem für den Kokaanbau, zu dokumentieren. Auf unserem Weg dorthin wurden sehr bald Kubaner auf uns aufmerksam und ließen uns fortan nicht mehr aus den Augen. Meine Guides änderten daraufhin die Route. Erst als wir von der mühsamen Reise im Tiefland Boliviens zurückkamen, gestanden sie mir, dass sie mich aus Angst vor den Kubanern an einen anderen Ort gebracht hatten. Es entstanden deshalb nur wenige Aufnahmen in Bolivien. Bei einer Security­-Kontrolle am Flughafen Sao Paolo wurde später fast die Hälfte der belichteten Negative von einer defekten Röntgenmaschine zerstört.

Nach diesem anfänglichen Rückschlag setzte ich dann im gleichen Jahr meine Recherchen in Brasilien, Indonesien, Malaysia, Afrika und Sibirien fort. Wichtig war mir bei allen Recherchen, vertrauensvolle und seriöse Kontaktleute zu finden, die auch die Sicherheitslage vor Ort gut bewerten konnten. Interessante Gebiete, bei denen ein sehr hohes Risiko für unser Leben bestand, wurden nicht besucht. Sicherheit war und ist für mich immer ein wichtiger Aspekt.

 

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Abholzung In Bolivien

 

 

Der Titel „Reading the Landscape“

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Der Titel „Reading the Landscape“ beschreibt eigentlich genau das, was ich schon immer gemacht habe. Es ist eine Art Lesen der Landschaft, ein Herauslesen, eine Spurensuche und gleichzeitig ein Auflesen von für mich Bemerkenswertem. Die aufgelesenen Bilder füge ich zu einer Geschichte zusammen, die ich dem Betrachter mit meinen Büchern und Ausstellungen zur Betrachtung anbiete. Dieses Lesen in der Landschaft geschieht dabei immer in einem Art Areal, einer Insel (Island, in der Serie Under the Nordic Light), einer Küstenlinie (Grönland,  Serie Broken Line), oder Eisschmelzzone (Innlandeis Grönlands, Serie Above Zero). Dabei interessieren mich vor allem die Grenzen der Landschaften, die bisher vom Menschen noch relativ unberührt waren und sich bis jetzt aus sich selbst heraus ohne großen Einfluss des Menschen geformt haben. Ich suche dann dort nach bemerkenswerten Orten, nahezu unberührter Natur und ich suche nach den Spuren, die zeigen, wie wir von diesem Land Besitz nehmen und diese Landschaft damit verändern. Die Bilder meiner  Landschaften drücken meine Bewunderung, meine Freude und mein Staunen über die Schönheit des Vorgefundenen aus, aber natürlich auch meine Traurigkeit, manchmal auch meine Wut. Ich betrachte die Welt wie mit großen Kinderaugen. Ich versuche, das Gesehene für mich visuell zu begreifen, ich lasse es auf mich wirken und lese manche dieser Eindrücke mit meiner Kamera auf und trage diese wie eine visuelle Erfahrungsgeschichte in einem Buch zusammen, die ich dann nach der Fertigstellung wie eine vielfach gestreute Flaschenpost  mit der Öffentlichkeit teile.