Interview

mit William Lim

William Lim

Photo: Josiah Leung

Buch zum Thema

The No ColorsWilliam Lim

The No ColorsWilliam Lim
Living Collection in Hong Kong

Vergriffen
ISBN 978-3-7757-3788-3
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»Die Geschichte der zeitgenössischen Kunst in Hongkong ist keine 20 Jahre alt und in der Zukunft wird es noch viele neue Entwicklungen geben. Wir stehen als Sammler von Kunst aus Hongkong noch ganz am Anfang und der Weg ist noch lange nicht zu Ende.« Christoph Noe im Gespräch mit dem Sammler William Lim.

Ihre Sammlung besteht überwiegend aus Werken zeitgenössischer Künstler aus Hongkong. Wann haben Sie Ihre Sammlung begonnen und lag Ihr Schwerpunkt von Anfang auf zeitgenössischer Kunst?

Ich habe 2005 damit begonnen, zeitgenössische chinesische Kunst zu sammeln. Irgendwann 2006 hat man mich mit der Kunstszene Hongkongs bekannt gemacht und ich habe mich mehr in Richtung der Künstler dort bewegt. Deren Arbeiten wurden damals noch nicht gehandelt, was mich besonders interessiert hat. Es gab noch keinen richtigen Kunstmarkt in Hongkong und sie machten ihre Werke für kleine Ausstellungen.

Diese Situation hat sich dann schnell gewandelt. Künstler aus Hongkong werden heute in einer ganzen Reihe von Galerien gezeigt und es gibt sehr viel mehr Möglichkeiten für sie. Außerdem ist die jüngere Generation gerade dabei, ihren künstlerischen Ansatz zu verändern.

Haben sich die Veränderungen in der Kunstszene Hongkongs auch auf Ihre Sammlertätigkeit ausgewirkt?

Zu Anfang habe ich versucht, in meiner Sammlung ein möglichst breites Spektrum künstlerischen Schaffens zu erfassen und so fanden sich dort fast alle Künstler der Stadt. Heute konzentriere ich mich auf bedeutende Arbeiten und sammle nur noch eine Auswahl an Künstlern.

Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer Sammlung, was die Künstler betrifft? Interessieren Sie sich mehr für unbekannte oder für arrivierte Künstler?

Einige der Künstler waren noch relativ unbekannt, als ich mit meiner Sammlung begann. Inzwischen werden ihre Arbeiten auf großen internationalen Ausstellungen gezeigt. Daher kann ich nicht wirklich sagen, ob ich mich mehr auf unbekannte oder auf bekannte Künstler konzentriere. Aber natürlich ist es befriedigender, einen noch unentdeckten Künstler selbst zu entdecken.

Verfolgen Sie den weiteren Weg der Künstler ihrer Sammlung oder bieten Sie ihnen Unterstützung bei der Entwicklung ihrer Karriere an, etwa im Fall von noch unbekannten Künstlern?

Ich kann nicht in jedem Fall den Kontakt halten, weil sich die Künstler Hongkongs heute auch auf internationalem Parkett bewegen. Aber ich gebe ihre Arbeiten als Leihgaben an Ausstellungen weiter, was der Entwicklung ihrer Karriere sicher förderlich ist.  

Sie sind selbst Architekt und auch Künstler. Kunst zu sammeln ist selbst auch ein kreativer Prozess. Verstehen Sie das Sammeln als eigene Kunstform?

Für mich ist Sammeln fast so etwas wie eine Reise. Das Ziel ist dabei immer offen. Die Geschichte der zeitgenössischen Kunst in Hongkong ist keine 20 Jahre alt und in der Zukunft wird es noch viele neue Entwicklungen geben. Wir stehen als Sammler von Kunst aus Hongkong noch ganz am Anfang und der Weg ist noch lange nicht zu Ende.

Heute ist die Kunstszene in China und Hongkong sehr dynamisch, auch was die Sammler angeht. Was inspiriert die Leute dazu, zeitgenössische Kunst zu sammeln? Woher rührt dieses ständig zunehmende Interesse?

Im Augenblick gibt es international eine Menge Interesse am Kunstmarkt Hongkongs – die Art Basel Hongkong ist nur ein Beispiel. Viele internationale Konzerne kaufen Werke von Künstlern der Metropole. Angesichts dieser Situation finden auch viele gut verdienende junge Leute Kunst als Anlageobjekt interessant und überlegen, in Hongkong-Kunst zu investieren, solange sie noch vergleichsweise bezahlbar ist.

Zeigt das Buch ihre gesamte Sammlung? Oder haben Sie eine Auswahl getroffen?

Fast alle meiner Arbeiten von Künstlern aus Hongkong sind enthalten. Lediglich auf die traditionelleren und länger etablierten Künstler habe ich verzichtet und auf alle Werke, die nicht direkt aus der Stadt stammen.

In China eröffnen gerade viele Privatmuseen. Haben Sie Pläne, Ihre Sammlung für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen?

Die Situation von privaten Museen ist in Hongkong anders als in China. Die Grundstückspreise sind exorbitant hoch und daher lassen sich Sammlungen nur schwer angemessen der Öffentlichkeit präsentieren.

Mir gehört ein kleines Studio, das ich während der Kunstmessen für Besucher öffne. Es ist für mich nicht wichtig, ein eigenes Privatmuseum zu besitzen. Ich hoffe lediglich, dass meine Sammlung einmal dabei helfen wird, die heutige Situation der Künstler Hongkongs zu dokumentieren. Und natürlich auch, dass man in der Zukunft meine Sammlung bedeutsam finden wird und sie den Leuten Mut macht.

Was die Gegenwart angeht, bin ich einfach nur froh, durch die Veröffentlichung dieses Buchs Einblicke in meine Sammlung geben zu können. Ich hoffe, das wird noch mehr Aufmerksamkeit auf die Kunstszene von Hongkong lenken.

Weshalb veröffentlichen Sie ein Buch?

Wie gesagt, erhoffe ich mir, dass das Buch einen neuen Blick auf die Entwicklungen in der lokalen Kunstszene eröffnet. Für mich war die Entstehung des Bandes ein interessanter Lernprozess, der mir neue Einblicke in meine eigene Sammlung gab und mir dabei half, eine andere Perspektive einzunehmen. Ein Teil des Buchs widmet sich Interviews mit Künstlern, Kuratoren, Kunstkritikern und anderen Menschen, die sich in der Kunstszene der Stadt oder in der Welt der Kunst im Allgemeinen engagieren. Dieser Arbeitsprozess war sehr bereichernd und begeisternd.

Sie haben für die Publikation ein recht ungewöhnliches Format gewählt.

Ein relativ kleines Format ist häufig ein Kennzeichen für Kunst aus Hongkong. Diese Tendenz nimmt das Buchdesign auf, wir finden das passt sehr gut. Ich habe mir das Buch eher als handliches Nachschlagewerk gedacht, es sollte keine Trophäe für den Couchtisch werden.

14.5.2014

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