Noga Shtainer “Pandora”

© Noga_Shtainer, from the series "Pandora", Ella and Zohar my sister and my daughter, Israel 2014

© Noga Shtainer, from the series “Pandora”, Ella and Zohar my sister and my daughter, Israel 2014

© Noga Shtainer, from the series "Pandora", Homesick, Berlin 2017

© Noga Shtainer, from the series “Pandora”, Homesick, Berlin 2017

© Noga Shtainer, from the series "Pandora", Zohar (my daughter), the begining of the winter, Berlin 2016

© Noga Shtainer, from the series “Pandora”, Zohar (my daughter), the beginning of the winter, Berlin 2016

© Noga Shtainer, from the series "Pandora", I can not see my way but I know the way of my daughters, Berlin 2016

© Noga Shtainer, from the series “Pandora”, I can not see my way but I know the way of my daughters, Berlin 2016

„Als das Kind Kind war. Bei der Fotografin Noga Shtainer tritt das Kind als göttliches Unschuldswesen auf, das den Wald ausschließlich als Ort der Versprechungen begreift. Niemand, der störend in das kindliche Treiben eingreift. Alles Buschwerk dient allein dem vergnüglichen Versteckspiel. Noga Shtainer zeigt das lustvolle Verkleiden mit Masken. Die Puppe wird zum treuesten Wegbegleiter. Doch je mehr man sich den sorgsam aufbereiteten Inszenierungen dieser Kindwelt übergibt, desto mehr kippen die darin dargestellten Situationen, werden immer mysteriöser und berühren etwas im Innersten des Betrachters.

Dann sind die Kinder plötzlich viel zu ernste Wesen. Der Wald zeigt sich als dräuende Kulisse. Das Verschlingende der Pflanzen wirkt ängstigend. Die Maskierung dient als Abwehr gegen alles bedrohliche Äußere, hinter dem sich das wahre, das eigentliche Selbst zu schützen versucht. Vertrautes Spielzeug entwickelt sonderbares Eigenleben. Die Ungestörtheit verkehrt sich in eine alle Szenen durchströmende Einsamkeit. Die äußere Welt wird zu einer Spiegelung der inneren Welt, zu einem Ort seelischer Verfasstheit.

Shtainers Bilder sind magische Beschwörungen einer Sehnsucht nach Kindheit, die uns innewohnt, der sich gleichzeitig aber immer wieder dunkle Phantasien aufdrängen. Das Seltsame daran ist, dass man sich der Düsterkeit der Bildinhalte als Betrachter keineswegs entziehen möchte. Alles scheint darin möglich, das Schöne wie das Schreckliche. Keinesfalls verlassen wir fluchtartig die Szenen. Da ist ein halluzinatorischer Sog, der uns tief und tiefer in die Zonen der Unerklärlichkeiten treibt. Immer stärker verfangen wir uns in den Bildern, um uns am Ende benommen aus den von der Fotografin ausgebreiteten magischen Landschaften wieder herauszubewegen. Doch Noga Shtainers Inszenierungen laden den Betrachter ein: er kann zurückkehren, wann immer er will. Ihre Bilder halten die Tür einen Spalt auf in verschüttete Erinnerungen.“

Peter Lindhorst

© Noga Shtainer, from the series "Pandora", self portrait as a mother, a wife and a woman, 2014

© Noga Shtainer, from the series “Pandora”, self-portrait as a mother, a wife and a woman, 2014

© Noga Shtainer, from the series "Pandora", Zohar my daughter, 2.5 years old, Berlin 2014

© Noga Shtainer, from the series “Pandora”, Zohar my daughter, 2.5 years old, Berlin 2014

© Noga Shtainer, from the series "Pandora", Homesick #2, Berlin 2017

© Noga Shtainer, from the series “Pandora”, Homesick #2, Berlin 2017

Die israelische Fotografin Noga Shtainer (*1982 in Zefat, Israel) lebt und arbeitet seit 2010 in Berlin. Während Noga Shtainer versucht, sich selbst und ihre Familie im Jetzt neu zu verorten, führen uns ihre Schwarzweißaufnahmen zurück in die Kindheit, die hinter einem Schleier und hinter einer Maske verborgen bleibt. Jede Generation ist bereit, Grenzen zu verschieben und mit den Traditionen zu brechen, um Wandel zu ermöglichen. Es ist ein Prozess der Transition – einer Reise – von einem Zustand in einen anderen, von einem Ort hin zu einem anderen Ort, von einer Generation zur nächsten. Mit den Augen ihrer Töchter und durch sie hindurch sieht Noga den Transformationsprozess ihrer eigenen Person als Frau, als Ehefrau, als Mutter, aber auch als Freundin und Begleiterin. Auf eloquente Art und Weise verortet sich die Fotografin direkt und unmittelbar in ihrem neuen Umfeld, immer ihrer eigenen Geschichte und Herkunft gewahr. Im griechischen Mythos „Pandora“ versteckt sich die Hoffnung in einer Büchse, durch die, wenn sie unachtsam geöffnet wird, Klagen und Mühsal in die Welt gelangen – sofern sie sorgsam geöffnet wird, die Hoffnung Einzug hält.

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Noga Shtainer

www.artnoga.com

Podbielski Contemporary

www.podbielskicontemporary.com