Drohnen, überall Drohnen!

Passend zum Neustart in Hamburg habe ich mit zwei Freunden in eine professionelle Drohne investiert. Ich bin eigentlich nicht besonders an Technik interessiert, doch dieses Stück Hightech ist sehr beeindruckend. Es ist eine DJI Inspire 1 Raw (falls das jemandem was sagt…), kostet mit Zubehör rund 7000€ und ist vollgestopft mit schlauen Sensoren und blinkenden Lämpchen.
Wir haben uns aus verschiedenen Gründen entschlossen eine Drohne anzuschaffen. Wie gesagt, die Technik ist nicht der Hauptfokus, vielmehr ist es die neue Perspektive als Zusatz zu dem was wir als Fotojournalisten eh machen – Nämlich Geschichten erzählen. Natürlich müssen wir zu diesem Zweck Herr dieses komplexen Gerätes werden und die vielen Knöpfe betätigen können. Dies kostet Zeit Nerven und Übung. Nach einer ersten Bruchlandung in einer Tanne ist das Gerät allerdings gerade im “Krankenhaus“.

Übung macht den Meister. Illegaler Drohnenflug im Garten. © Julius Schrank

Übung macht den Meister. Illegaler Drohnenflug im Garten. © Julius Schrank

Wenn man sich in der Welt der Luft und Drohnenfotografie mal umschaut, fällt mir auf, dass die Leute eher technikversierte Amateure als professionelle Fotografen sind. Deshalb gibt es zahlreiche Anbieter für Drohnenaufnahmen. Meist findet man auf deren Websites Aufnahmen von Firmengeländen, Hochzeiten oder Blumenfeldern. No offence, doch ich denke eine Drohne bietet auch im Bereich der journalistischen Fotografie viele Möglichkeiten und ist weit unterschätzt. Bei meiner Recherche fiel mir auf, dass es noch nicht viele Beispiele gibt, bei denen die Vogelperspektive als erzählerisches Mittel für journalistische Geschichten genutzt wird.
Ein paar Arbeiten habe ich jedoch gefunden und möchte diese gerne vorstellen:

Thomas van Houtryve’s Arbeit „Blue Sky Days“ ist so eine. Van Houtryve hat in den USA Luftbilder von Situationen gemacht, die an den US Drohnenkrieg in Pakistan oder dem Jemen erinnern, der bisher tausende Zivilisten das Leben kostet hat. Er nimmt uns mit in die Welt eines Drohnenpiloten der U.S.Army der aus einem Kontrollzentrum in Nevada oder New Mexico über Leben und Tod am anderen Ende der Welt entscheidet. Dazu überflog Van Houtryve Orte und Situationen des alltäglichen Lebens in den USA. Von oben betrachtet hätten diese Bilder ebenso im afghanisch-pakistanischem Grenzgebiet gemacht sein können. Schaut man genauer hin, entpuppt sich zum Beispiel die Ansammlung betender Muslime als eine Yogasession im Park von San Francisco.

Suspect behavior - People exercise in a public park in San Francisco. Aus der Serie "Blue Sky Days". © Tomas van Houtryve

Suspect behavior – Menschen beim Workout in einem öffentlichen Park in San Francisco. Aus der Serie “Blue Sky Days”. © Tomas van Houtryve

Ein weiteres Beispiel ist die Arbeit des italienischen Fotografen Rocco Rorandelli. Er fotografierte die Flüchtlingsroute quer durch Europa aus der Vogelperspektive. Seine Aufnahmen zeigen Menschen auf der Flucht, irgendwo zwischen Griechenland und Deutschland. Auf dem ersten Blick wirken die Bilder anonym, aus großer Distanz aufgenommen, fast wie Ausschnitte aus einer Landkarte. Doch schaut man genauer, offenbaren sie zahlreiche Details – der Müll entlang des Weges, Schlangen bei einer Essensausgabe, Menschen die sich gegenseitig aus dem Matsch ziehen.
Mich erinnern einige der Aufnahmen an Ameisenstraßen, die sich durch die Natur ziehen. Irgendwie planlos und doch scheinen alle ein Ziel zu verfolgen.

Aus Rocco Rorandelli's Serie: "Trans Europe Migration".

Aus Rocco Rorandelli’s Serie: “Trans Europe Migration”.

Fakt ist: Drohnen sind angesagt und ein neuer Verkaufshit. Vor kurzem war ich im Mediamarkt und sah dort ein Angebot von ca. 20 Drohnen in verschiedensten Ausführungen und Preiskategorien. Es gibt auch bereits ein Drohnen-Pendant zu Instagram; Es heißt (wie auch sonst)  “Dronestagram“. Letzten Monat wurde zum dritten mal der “International Drone Photography Award“ von Dronestagram und National Geographic verliehen. Es wurden über 6000 Bilder eingesendet….

Allerdings werden Drohnen mittlerweile weitaus breiter eingesetzt als zum Fotos machen und Krieg führen. So wurde Ende 2014 in Londons größtem Kultur und Konferenzzentrum, dem “Barbican“ eine life musik-performance mit verkleideten Drohnen aufgeführt: Das Loop>>60Hz. Dabei wurde die Stimme des Sängers von den Drohnen, an denen Lautsprecher befestigt waren, durch den Theatersaal getragen. Auch der Cirque du Soleil entwickelte eine beeindruckende Performance bei der Mensch und 10 Quadrocopter synchron miteinander Tanzten.

Wie sich die Drohenfotografie in Bereich der erzählerischen Fotografie weiterentwickeln wird bleibt abzuwarten. Ich denke, wir werden in Zukunft noch einige innovative Projekte zu sehen bekommen.