Die Vorgeschichte II

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Ausstellungsansicht “Die Bielefelder Schule – Fotokunst im Kontext”

Nachdem ich gestern bereits kurz auf eine Ausstellung in Wolfsburg zur Avantgarde und zum Neuen Sehen aufmerksam gemacht habe, will ich hier noch auf einen anderen, mittlerweile historischen Zweig der Abstraktion hinweisen: die Bielefelder Schule. Auch wenn der Begriff etwas umstritten und die Schule alles andere als monolithisch ist, so hat sie mit Fotologen wie Gottfried Jäger oder Karl Martin Holzhäuser interessante Grundlagenforscher zur Fotografie hervorgebracht. Jägers frühe Anlehnungen an die konkrete Kunst der 1960er Jahre und seine sogenannte “Generative Fotografie”, die er zusammen mit Kilian Breier oder Hein Gravenhorst entwickelt hat, waren eine bewusste Abkehr von der in den Nachkriegsjahrzehnten dominierenden “subjektiven fotografie” eines Otto Steinert. Es ging Jäger und den anderen Bielefelder Künstlern nicht mehr um den abbildenden Charakter sondern um die bildgebenden Potentiale der Fotografie. Später, in den 1980er Jahren, unternahm Gottfried Jäger, der in diesem Jahr mit dem Kulturpreis der DGPh geehrt worden ist, auch interessante Materialbefragungen, die als ästhetische Vorläufer der Arbeiten Christiane Fesers oder Marco Breuers gelten könnten.

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Gottfried Jäger, Generative Arbeiten, Lochblendenstruktur 3.8.14 F, 1967; Camera obscura-Arbeit, Silbergelatineprint, 50×50cm, 2008

In Bielefeld selbst ist derzeit eine umfangreiche Ausstellung zur “Bielefelder Schule” zu sehen. Diese enthält neben den oben beschriebenen Pionierleistungen aber auch zahlreiche andere Positionen, die im Laufe der letzten 50 Jahre an der FH der Stadt entwickelt worden sind. Dabei ist die von Enno Kaufhold kuratierte Rückschau mit zwei Etagen und zahlreichen Nebenräumen derart geräumig, dass auch die Arbeiten von Jäger und Holzhäuser am Ende nicht zu kurz kommen. Besonders ein Blick in die kleinen Nebenräume, in denen unter anderem experimentelle kleine Videos von Gottfried Jäger gezeigt werden, lohnt sich. Zudem sollte man auch die zahlreichen Fotobildbände aus den 70er bis 90er Jahren nicht vergessen. Was damals bereits zum Thema fotografische Abstraktion publiziert worden ist, stellt vieles von heute in den Schatten. Und bei manchen ausgestellten Büchern wünschte man sich eine Neuauflage.

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Karl Martin Holzhäuser, Licht-Bilder, Lichtmalerei, 180.18.2003; Licht auf SW-Barytpapier, Unikat, 120×120cm

 

Und wer darüberhinaus auch noch “klassische” Fotografie sehen will, der sollte die Serien von Katharina Bosse, Andrea Diefenbach oder Jürgen Escher nicht verpassen. Besonders Bosses “A Portrait of the Artist as a young Mother” ist ein Höhepunkt der Bielefelder Ausstellung.

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Ausstellungsansicht “Die Bielefelder Schule – Fotokunst im Kontext”

“Die Bielefelder Schule – Fotokunst im Kontext”. Noch bis zum 7.12.2014. Alte Stadtbibliothek. Bielefeld.