Georgia on My Mind: Ein Bericht aus Fotofestival-landia, Kolga Photography Festival, Tbilisi, Georgien

Seit die Rencontres de la Photographie in Arles vor mehr als 45 Jahren das Fotofestival Phänomen gelauncht hat, hat diese Mutter von allen Fotofestivals  ein Fotomostrum in die Welt gebracht. Jeden Tag gibt es noch ein neues Fotofestival irgendwo in der Welt, oder so scheint es. Jedes Dorf und jede Grossstadt will Status mit etwas Kulturelles aufpeppen. Und von den hunderten oder so Fotofestivals, wie kann man etwas Sinnvolles aus dieser Bilderflut herausfischen? Naja, eine gute Frage…

Also, natürlich, gibt es viele sogenannte Fotofestivals, die nicht kuratiert sind und nur „Celebrations of Photography,“ oder solche, die mit vielen verschiedenen Ausstellungen, die nichts miteinander zu tun haben, über Monate stattfinden: zum Beispiel die Hamburger Triennale…

Gott sei Dank gibt es Festivals die streng kuratiert und konzentriert sind—z.B.: Houston Fotofest und das niederländische Noorderlicht. Dort kann man wirklich etwas von Fotografie lernen und diverse Fotografen, Kritiker, Galeristen, usw., treffen.

Diese Beispiele sind Musterkinder der Fotofestivalszene. Im Fall von Houston aber, gibt es auch noch etwas Wichtiges: „The Meeting Place,“ mit organisierten Portfolio Reviews, die Chancen bieten, Kontakte und Beziehungen zwischen Fotografen, Kuratoren, Sammlern und Kollegen zu etablieren und zu verbessern. Keiner wird schnell reich und berühmt – aber, langsam, langsam, wer weiss?

Dann gibt es auch Festivals wie Photo Phnom Penh in Kambodscha und Kolga in Tbilisi, Georgien, die eine Art „Mentoring” Funktion haben, wobei es Workshops gibt, die jungen Fotografen helfen sollen ihre Fähigkeiten zu verbessern und durch Austausch mit anderen Kollegen neue Ideen zu bringen und Kontakte aufzubauen. Beide Seiten lernen von den anderen und können voneinander profitieren. Es ist eine Win-Win Situation.

Hier in Georgien, findet jetzt  das dritte Kolga Tbilisi Photo statt, das ein gutes Beispiel dafür ist.

Unter der Leitung von Beso Khaindrava und Tina Schelhorn gibt es sehr gute, streng kuratierte Ausstellungen zu diversen Themen, Workshops, und Portfolio Reviews in einem wunderschönen Ambiente in der georgischen Hauptstadt, wo Wein und Gastfreundlichkeit angeblich erfunden worden sind.

Es gibt kaum etwas Schöneres, als mit Fotografen aus verschiedenen Ländern zusammen zu sein—in einem Café oder einer Galerie und dabei stundenlang über Fotos und Ideen zu reden—und das Alles mit einem guten Saperavi Rotwein oder Natakhtari Bier und etwas Khachapuri oder Khinkali!  Arles soll neidisch sein!

Ein Paar Beispiele der Bandbreite von Kolga Tbilisi Photo

Ausstellungen:
Jemal Kasradze: Georgia of 80-90 years
Dina Oganova: I Am Georgia
Euromaidan: The True Story
Natan Dvir: Stories on Faith – Belief
Claudio Cambon: Stories on Faith – Violence and Catharsis
Dirk Gebhardt: The Dry Heart of Brazil – O Sertão
“Ladies Only ” – 32 Women Photographers

Workshops von:
Beatrix Reinhardt: Creating a Sense of Place by Investigating Space
Natan Dvir: Street Photography – Capturing Tbilisi’s Spirit
Laura Hynd: The Letting Go – Accessing Your Within
Dirk Gebhardt: Empathy, Trust and Mission, Your Personal Story Telling
Wolfgang Zurborn: In The Streets of Tbilisi
Mary Ann Lynch: Straight from the Heart: Finding/Refining Your Visual Voice
Claudio Cambon: The Mtkvari River: A Carrier of Life and Meaning

Wie man schnell sehen kann, ist Kolga auf Storytelling und Diversity fokussiert. Es bringt Photostudenten aus Deutschland und Georgien zusammen. Es verhilft jüngeren georgischen Fotografen wie Dina Oganova und Altmeistern wie Jemal Kasradze zu Aufmerksamkeit. Die Webseiten und Facebookseiten des Festivals ermöglichen es, viel mehr Präsenz für die Fotoszene hier in Georgien und im Kaukasus, ein zu oft übersehenes Gebiet mit einer erstaunlich reichen kulturellen Geschichte—auch in der Photographie– zu schaffen.

Jetzt, 25 Jahren nach dem Mauerfall, ist das post-sowjetische Universum immer noch im Flux und in den Nachbarländern, wie der Ukraine, bebt es immer noch. Hier, wo Kulturen zu oft beerdigt oder offiziell vergessen wurden, sind Stories besonders wichtig. Ob von der Wendezeit, wie in den Bildern von Kasradze oder von der allerersten Post-Wende Generation, wie in den Portraits von Oganova, Kolga Tbilisi Photo bringt die Vielfältigkeit von Georgien ans Licht.

http://www.kolga.ge

https://www.facebook.com/pages/KOLGA-TBILISI-PHOTO/211901708930035