Gerd Hatje und Pablo Picasso

»Der Michelangelo des 20. Jahrhunderts« (Gerd Hatje)

Die Bewunderung für sein künstlerisches Schaffen war groß: Seit der ersten Publikation zu Pablo Picasso im Jahr 1955 gab Gerd Hatje über 20 Bücher zu dem gewaltigen Lebenswerk des »Jahrhundertkünstlers« heraus. Der Verleger hat den spanischen Maler jedoch nie persönlich kennengelernt. Pablo Picasso hatte Gerd Hatje zu seinem 70. Geburtstag eingeladen, doch befand er sich zu dieser Zeit auf Reisen in den USA. Über ihre gemeinsamen Buchproduktionen aber waren Gerd Hatje und Pablo Picasso über Jahrzehnte verbunden.
Werner Spies, ein international renommierter Kunsthistoriker und Picasso-Experte, den mit Gerd Hatje seit den 1960er-Jahren eine freundschaftliche Beziehung verband, schilderte in einer Festschrift zum 75. Geburtstag Hatjes die Reaktion Picassos auf Das plastische Werk: »Und dann kam der große Tag, an dem ich Picasso erstmals in Mougins aufsuchen durfte. Mit gutem Gewissen, wohlbewaffnet, mit Gerds ›dummy‹ in den Händen. Und sicher habe ich es dieser zu verdanken, daß mich Picasso, plötzlich auf unerhörte Weise von seinem plastischen Werk bewegt, mit größter Freundlichkeit behandelte. […] Als ich ihm dann bei einem späteren Besuch das fertige Buch brachte, sprach er einen Satz, der die Arbeit Gerds sicher ebenso auf unvergessliche Weise belohnte wie meine eigene: ›Es kommt einem vor, als entdeckte man eine unbekannte Zivilisation.«

Pablo Picasso – Linolschnitte aus dem Jahr 1962 wurde ebenfalls von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet und gilt als eine Preziose unter den »schönsten Büchern«: Die Reproduktionen wurden mit Spezialfarben in der gleichen Reihenfolge gedruckt wie bei den Originalkunstwerken. Die Bücher wurden daher nicht selten von den Käufern auseinandergeschnitten, die Einzelseiten – mit Erfolg – als Originallinolschnitte verkauft …

                  

Von 1930 bis 1937 schuf Pablo Picasso eine Folge von Grafiken, die nach dem Kunsthändler Ambroise Vollard benannt wurde, der sie bei Picasso in Auftrag gab. Pablo Picasso – Suite Vollard, 1955 von Gerd Hatje veröffentlicht, wurde als erste Publikation des Verlags als eines der »schönsten deutschen Bücher« prämiert.

Der Klassiker über das plastische Werk Picassos von 1971, der, ungemein erfolgreich, in mehreren Neuauflagen erschien, machte Kunstliebhabern »eines der bestgehüteten Geheimnisse unseres Jahrhunderts« (Werner Spies) zugänglich – in gekonnter Gestaltung mit Reproduktionen im Tiefdruckverfahren und eingeklebten Farbtafeln.

Über Picasso schreiben, Picasso ausstellen, Picasso verlegen: Gerd Hatje mit Werner Spies und Götz Adriani bei der Eröffnung der Ausstellung »Picasso – Pastelle Zeichnungen Aquarelle« in der Kunsthalle Tübingen, 1986; Foto Franziska Adriani.