Weihnachtsbuch-Tipp von Karin Osbahr, Project Managerin: Jacqueline Hassink. View, Kyoto. On Japanese Gardens and Temples

JAP_Kyoto_2

Kyoto war über 1000 Jahre Kaiserstadt und hat 1600 buddhistische Tempel und 400 Shinto-Schreine. Dieses alles wäre beinahe im August 1945 vernichtet worden, denn über Kyoto als primäres Ziel sollte, wäre es nach den amerikanischen Militärs gegangen, die ersten Atombombe abgeworfen werden. Dank des damaligen Kriegsministers Henry Stimson, der um die kulturelle und religiöse Bedeutung Kyotos wusste, blieb diese Stadt verschont. Und so können wir uns auch heute noch der zahlreichen Tempelanlagen und Gärten erfreuen.

Kyoto ist eine Großstadt mit 1,5 Millionen Einwohner, was man, kaum dass man eine Tempelanlage betreten hat, bald vergisst. In den bekanntesten wie dem Ryoan-ji wuseln zwar die Touristen, doch vermitteln auch da die Kare-san-sui (Zengärten) große Ruhe. Denn schnell wird klar, dass die pedantisch geharkten Muster in den Kieselfächen, die um ein paar wenige Felsen fließen, aus einem Akt der Meditation entstanden sind.

JAP_Kyoto_1

Jacqueline Hassink hat in Kyoto ein paar wenige – 29 kommen aber immerhin zusammen – dieser Tempelanlagen fotografiert, menschenleer. Sie zeigt uns Innenräume, Gärten und die Interaktion von Innenraum und Garten, was zu interessanten Betrachtungen führen kann, etwa wenn streng geometrisch gestaltete, nahezu leere Räume auf eine üppige runde, bunte, plüschige Natur treffen. In dieser Gartenkultur ist nicht das Moos der Feind des Rasens, sondern der Rasen Feind des Mooses. Dadurch dass die Tempel aus Holz sind und große Öffnungen zum Garten hin haben, ist die Natur auch immer Teil des Gebäudes. Hassink hat die Aufnahmen zu verschiedenen Jahreszeiten gemacht, so während der allseits beliebten Kirschblüte, aber auch im Winter, wenn Schneetupfen auf kahlen Ästen liegen.

Dieses auch haptisch hochinteressante Buch hat zudem den Deutschen Fotobuchpreis in Silber bekommen.

Zum Buch