KUNST UND GESELLSCHAFT

KUNST UND GESELLSCHAFT

Welche Rolle kann Kunst bei der Gestaltung der Zukunft spielen? Diese Frage steht im Zentrum von Kunst und Gesellschaft 1972–2022–2072, das zugleich eine Einladung ist, visionäre Projekte zu entdecken, die vergessen waren, genauso wie Kunstwerke der Gegenwart, die zukunftsweisend sind.
Das Buch ist die erste interdisziplinäre Auseinandersetzung mit der Bedeutung der Kunst für die Olympischen Sommerspiel in München 1972 und spürt der innovativen Kraft der damaligen Visionen und ihren gesellschaftlichen und gestalterischen Zusammenhängen nach, die auch heute nicht an Relevanz verloren haben.

Kunst und Gesellschaft 1972–2022–2072

Seit der Moderne steht die bildende Kunst für Innovation und gesellschaftlichen Impetus. Als Teil des Gesamtkunstwerks der XX. Olympiade in München, so die Vision der Planer, sollte sie ihr Potenzial als emanzipatorische und gestalterische Kraft nachhaltig entfalten. Architektur, Design, Kunst und Kultur standen für ein demokratisches und weltoffenes Deutschland. Von Otl Aichers grafischem Gesamtkonzept, das an die Stelle der pathetischen Farben der antretenden Nationen die Heiterkeit des Regenbogenspektrums setzte, zu den revolutionäre Konzepten der internationalen Avantgarde, wie Walter De Maria, Gerhard Richter, Blinky Palermo, Andy Warhol oder Dan Flavin für die olympischen Sportanlagen, den öffentlichen Raum und das spielerische und partizipative Kulturprogramm. Vieles davon blieb Entwurf. 

Kunst und Gesellschaft 1972–2022–2072 | Dia- und Filmprojektionen im Multivisionszentrum der Spielstraße


Das tragische Attentat auf israelische Athleten setzte der »Spielstraße«, dem in der olympischen Geschichte einzigartigen und durchaus als kritischem Kontrapunkt konzipierten Rahmenprogramm rund um den Olympiasee, an dem mehr als 1 Millionen Menschen aus aller Welt teilgenommen hatten, ein abruptes Ende. Ein kleines Zeichen der Verbindung und der Hoffnung gelang es mit den Mitteln der Kunst zu setzen: Am Abschlussabend der Olympischen Spiele erstrahlte Otto Pienes 460 Meter langer und 5 Meter breiter Regenbogen aus fünf einzelnen Stratofilmschläuchen, gefüllt mit Helium, in einer Höhe von bis zu 125 m über dem nächtlichen Olympia-Gelände in den Farben Orange, Gelb, Grün, Hellblau, Violettblau.

Kunst und Gesellschaft 1972–2022–2072

 

In die Gegenwart führen die Bilder der künstlerischen Projekte des Fotografen Jörg Koopmann. Anlässlich des 50. Jubiläums der Spiele 2022 im Rahmen des »Festival des Spiels, des Sports und der Kunst« im Münchner Olympiapark setzten sich rund 250 Künster*innen in Performances, Konzerten, Filmen, digitale Projekten und Installationen spielerisch und kritisch zugleich mit den Themen Sport, öffentlicher Raum, Partizipation, Gedenken, Demokratie, Zukunft, Gesellschaft, Medien, Gestaltung, Inklusion und Nachhaltigkeit unter den Paradigmen des 21.Jahrhunderts, auseinander.  

Kunst und Gesellschaft 1972–2022–2072

Der Zukunft gehört der dritte Teil des Buchs: Über 40 internationale Künstler*innen, Gestalter*innen, Kurator*innen und Theoretiker*innen – darunter Clémentine Deliss, Hans Ulrich Obrist, Cao Yu, Alexander Kluge und Goshka Macuga – richten ihren Blick auf die Zukunft: »2072« steht für die Vision einer künftigen, von Vielfalt und Frieden geprägten Kultur und Gesellschaft. Besondere Relevanz bekommt das Buch auch, da 2024 wieder Olympische Spiele in Europa, in Paris stattfinden und auch hier die Kunst eine wichtige Rolle spielen soll. Angesichts dessen wird überraschend sein, wie überaus gegenwärtig und zeitgemäß die Kunst für Olympia in München 1972 war und ist

Kunst und Gesellschaft 1972–2022–2072

Das Buch erscheint in einer deutschen und englischen Ausgabe und ist darüber hinaus auch als ePub und e-PDF verfügbar. Kunst und Gesellschaft 1972–2022–2072 und Art and Society 1972–2022–2072 wurde von der Kunstwissenschaftlerin Elisabeth Hartung konzipiert und von ihr gemeinsam mit dem Münchner Kulturreferenten Anton Biebl herausgegeben.

Bildcredits: Dia- und Filmprojektionen im Multivisionszentrum der Spielstraße Foto: Lore Springorum-Höllweg, saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau, KIT, Werkarchiv Behnisch & Partner


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