Kunstlexikon

NOH Suntag

Kurzbiografie

NOH Suntag (*1971 in Seoul) lebt in Seoul. Seine Fotografien entstehen in Nord- und Südkorea, es interessieren ihn die Ambivalenzen und Brüche innerhalb und zwischen den beiden Gesellschaften. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen.

Buch zum Thema

NOH Suntag

NOH Suntag
Ausnahmezustand

Vergriffen
ISBN 978-3-7757-2261-2
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Balance zwischen politischer Aussage und künstlerischer Ästhetik

»Zeitgenössischer Fotojournalismus at its best.« (PROFIFOTO)

Der einzelne Mensch geht in NOH Suntags Farbbildern der Fotoserie Red House unter. Mit ihren farbigen Tafeln in Händen werden Tausende, die den offiziellen Staatsakten im Stadion von Pjöngjang beiwohnen zum Ornament der Masse, die der Propaganda Nordkoreas dient. Staffagen für ein politisches System. Jeder einzelne Volksgenosse wie ein Pixel. Alle zusammen verdichten sich zu riesigen Megapixel-Bildern, die dem sozialistischen Bilderkanon proletarischer Glückseligkeit entsprechen. Faszinierende und befremdliche Tableaux vivants der Gegenwart.

Doch dem Südkoreaner NOH Suntag geht es nicht darum Nordkorea einseitig politisch vorzuführen. Der Alltag im Süden wie im Norden ist durchdrungen von gleichermaßen subtilen wie offen gewalttätigen Situationen. Die Massenaufläufe in Nordkorea entsprechen den südkoreanischen Polizeiformationen, die geschlossen, Schild an Schild, gegen Demonstranten vorgehen.

Obwohl sich NOH mit seiner Kamera häufig an die Brennpunkte politisch-gesellschaftlicher Spannung begibt, sind seine Aufnahmen nicht reißerisch oder spektakulär. Er integriert den Betrachter, indem er auf Abstand geht. NOHs Aufnahmen halten dabei immer die Balance zwischen politischer Aussage und künstlerischer Ästhetik. NOH interessieren die Ambivalenzen und Brüche innerhalb und zwischen den beiden Gesellschaften. Er versucht die Mechanismen und Mächte offen zu legen, die sein Land einer Zerreißprobe ausliefern.

Seine meist über Jahre entwickelten Serien aus Schwarz-Weiß- und Farbfotografien beobachten Konfliktsituationen innerhalb der gegenwärtigen koreanischen Gesellschaft. Diese Ambivalenz findet ihre Entsprechung in NOHs eigenwilliger fotografischer Ästhetik, die das Dokumentarische mit dem Fiktiven, die Momentaufnahme mit strenger Komposition verbindet.

28.06.2010 Caroline Schilling

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