Interview

mit M. Braschler und M. Fischer

Die Journalistin Nadine Olonetzky im Gespräch mit Mathias Braschler (*1969 im Aargau) und Monika Fischer (*1971 im St. Galler Rheintal) über ihr Buch Schicksale des Klimawandels. Die beiden Fotojournalisten sind acht Monate lang durch 16 Länder und alle Kontinente gereist, um dem Klimawandel ein Gesicht zu geben.

Wie haben Sie zur Fotografie gefunden?

Mathias Braschler: Das ist eine lustige Geschichte! Wie viele Jugendliche wollte ich eine Reise mit dem Interrail-Ticket machen, brauchte Geld und hatte es verpasst, mich um einen Sommerjob zu kümmern. Dann bot sich überraschend die Möglichkeit, beim Dorffotografen, der ein Freund meiner Eltern war, zu arbeiten. Er hatte einen Fotoladen, bot Passfotos an. Dann las ich eine Biografie über Robert Capa, sah 2000 die Magnum-Ausstellung im Kunsthaus Zürich und war völlig fasziniert. Zuerst war es also die Technik, die mich begeisterte, dann war es Magnum mit Capa, Werner Bischof, Herni Cartier-Bresson. Dass man als Fotograf Geschichten erzählen kann – das war der Ausgangspunkt. Nach der Matura fühlte ich mich allerdings noch nicht reif für die Fotografie. Ich studierte zuerst zwei Jahre lang Geografie und moderne Geschichte und begann als Autodidakt unter anderem für die Studentenzeitung zu fotografieren. Ich verliess die Uni erst, als ich die tiefe Überzeugung hatte, dass ich es als Fotograf schaffen würde. Ein Glück war, dass ich Workshops beim Fotografen Alberto Venzago besuchen und relativ bald auch von Aufträgen leben konnte. Magnum war mein Vorbild.

Monika Fischer: Ich studierte Romanistik, Germanistik und Geografie – wir lernten uns auch im ersten Jahr des Studiums kennen – , wollte aber zum Theater und war Hospitantin sowie Assistentin, unter anderem am Schauspielhaus und am Opernhaus Zürich. Ein Semester studierte ich in Madrid, lernte den Regisseur Jürgen Flimm kennen und wurde dann seine Assistentin am Opernhaus Zürich. Mitglied eines Teams zu sein, mit all den Werkstätten, den Musikern und Sängern zu tun zu haben, und nach sechs Wochen ein Werk auf die Bühne zu bringen – das war auch sehr schön. Allerdings war ich manchmal etwas neidisch auf Mathias, weil der so viele Reisen machen konnte! Ich interessierte mich damals intensiv für die lateinamerikanische Literatur, Gabriel Garcia Marques etwa. Irgendwann wollte ich selbst unterwegs sein, echten Menschen begegnen. Das richtige Leben kam mir teilweise surrealistischer vor als alles, was wir auf der Bühne mit Phantasie zustande brachten. Unser erstes gemeinsames Projekt war dann lustigerweise eine Oper in Manaus! Sie basierte auf Fitzcarraldo, die Musiker kamen alle aus Osteuropa.

Mathias Braschler: Ich war zuerst allein unterwegs, traf auf diese Musiker, die mir als »displaced artists« erschienen, und meine Idee war, sie so zu porträtieren, dass das zum Ausdruck kam. Doch zuerst rief ich Monika an und sagte ihr, sie müsse sofort nach Manaus fliegen! Wir machten die Porträts dann zusammen; das war 2002. Wie gesagt, war die Magnum-Fotografie mein Ideal gewesen, ich arbeitete mit der Nikon F3 oder der Leica M6, ohne Blitz. Doch dann geschah 9/11. Ich war damals gerade in New York und bekam den Auftrag, zwei Wochen lang exklusiv für Newsweek die Katastrophe zu dokumentieren. Es war das erste Mal, dass ich in einer echten Magnum-Situation war: Etwas Schreckliches war passiert, und ich sollte das Geschehen in Bilder umsetzen. Es wurde eine entscheidende Erfahrung, denn ich merkte, dass es mir gar nicht entsprach zu fotografieren, wenn die Menschen von einer solchen Katastrophe betroffen sind. Ich wollte eher helfen oder zurücktreten, den Menschen Raum geben. Ich begann mich von Reportagen dieser Art zurückzuziehen und mich – gemeinsam mit Monika – der Porträtfotografie zuzuwenden.

Haben Sie, Monika Fischer, an Ihr Studium und Ihre Theaterarbeit eine Ausbildung als Fotografin angefügt?

Monika Fischer: Nein, ich bin »learning by doing« in die Fotografie hineingewachsen. Auch ich bin also Autodidaktin, wobei ich schon von Beginn unserer Beziehung an Arbeiten im Archiv übernommen habe. Obwohl ich die Arbeit im grossen Team eines Theaters auch genossen habe, war – und ist – die Freiheit des Reisens, die mit der Fotografie verbunden ist, wunderbar. Weil wir Porträts fotografieren, lernen wir die verschiedensten Menschen kennen. Ein Austausch findet statt, wir sehen in diese Leben hinein. Das hat mir immer sehr gefallen.

Das Thema Klimawandel liegt zwar in der Luft, doch es braucht für die Durchführung einer solchen Reise, wie Sie sie unternommen haben, eine hohe Dringlichkeit. Weshalb haben Sie sich dazu entschlossen?

Mathias Braschler: Wir greifen immer Themen mit gesellschaftlicher Relevanz auf. Politik interessiert uns, und die Fotografie bietet die Möglichkeit, in ganz kleinem Rahmen etwas zu tun, das über das Mindestmass – abstimmen und wählen zu gehen – hinausgeht. Wir können glücklicherweise mit grossen Zeitschriften wie Stern, The Guardian Magazine oder Vanity Fair Italia regelmässig zusammenarbeiten. Weil so auch einmal 20 Seiten mit unseren Bildern erscheinen, können wir an Themen bleiben, die uns wichtig sind. Schicksale des Klimawandels entstand aus unserer China-Reise heraus. Auf der 30'000-Kilometer-Reise durch China konnten wir wie im Zeitraffer beobachten, was passiert, wenn sich ein Land sehr schnell entwickelt. In gewissen Regionen leben die Leute wie vor 1000 Jahren, daneben gibt es hochmoderne Gebiete, und man sieht die Umweltzerstörung, die unglaublich grosse Belastung, die der Mensch für die Natur geworden ist. Dort entstand die Idee, ein Projekt zum Klimawandel zu realisieren, wobei dieser ja ein weltweites Problem ist.

Monika Fischer: Ein Problem in der Berichterstattung zum Klimawandel ist, dass zuweilen der Eindruck entsteht, es handle sich jeweils um ein lokales Phänomen. Das macht es relativ einfach, sich von den einzelnen Berichten zu distanzieren. Wir wollten den Klimawandel deshalb an Orten dokumentieren, die über den ganzen Globus verteilt sind; so kann man das Phänomen nicht mehr so leicht wegschieben. Es betrifft alle, und es ist ja erst der Anfang. Doch noch 2009, als wir mit der Arbeit begannen, führten wir selbst in unserem Freundeskreis die unglaublichsten Diskussionen darüber, ob es den Klimawandel überhaupt gebe oder nicht. Viele sagten, es sei ein Medienhype, wie es in den 1980er-Jahren der Borkenkäfer und das Waldsterben waren. Die Folgen schnell eintretender Katastrophen wie Erdbeben oder Tsunamis sind leichter zu zeigen als die Zeichen eines schleichenden Prozesses.

Wie haben Sie sich vorbereitet, die Orte ausgewählt, die Route bestimmt?

Monika Fischer: Wir recherchierten rund sechs Monate lang, lasen Bücher und Artikel zum Klimawandel, trafen die verschiedensten Wissenschaftler. Wir wollten wissen: Wo passiert der Klimawandel überhaupt? Und wie? Es ist teilweise sehr schwierig zu unterscheiden, ob etwas eine Folge des Klimawandels ist oder eher die Folge schädlichen menschlichen Handelns; es spielen natürlich immer mehrere Faktoren zusammen. Es war deshalb wichtig herauszufinden, was wirklich ein Problem des Klimawandels ist und was nicht. Der Aral-See beispielsweise hätte uns als Ort gepasst, aber seine Fläche ist so ungeheuer geschrumpft, weil der Mensch viel zu viel Wasser verbraucht. Und dann wollten wir auch die verschiedenen Klimazonen und Landschaftstypen vertreten haben. Mathias Braschler: Wir waren uns bewusst, dass Angriffe von denjenigen kommen würden, die den Klimawandel negieren. Deshalb mussten wir sehr genau recherchieren, uns mit Fachleuten treffen, hieb- und stichfeste Beispiele finden. Organisationen, die sich für die Natur engagieren, versuchten mitunter auch, uns Orte zu vermitteln, an denen die Umweltschäden nicht hauptsächlich die Folge des Klimawandels waren. Aber es war sehr wichtig, es hier möglichst genau zu nehmen und vorsichtig zu sein.

Wie haben Sie die Reise finanziert?

Mathias Braschler: Wir arbeiten fast immer mit mehreren, relativ grossen Medienpartnern zusammen und verkaufen ihnen die Rechte jeweils für ihre Sprachregion. Bei diesem Projekt waren das der Stern für den deutschsprachigen Raum, The Guardian Magazine für den englischsprachigen, Le Monde für Frankreich sowie Vanity Fair Italia für Italien. Tatsächlich sind diese Medien immer noch bereit, für solche Grossprojekte wesentlich mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Das reichte allerdings noch nicht. Wir haben dann das Global Humanitarian Forum von Kofi Annan angefragt – leider existiert das GHF inzwischen nicht mehr –, konnten das Projekt präsentieren, und der damalige Direktor Walter Fust unterstützte uns, indem er uns eine Defizitgarantie von 50'000.- Franken gab. Da hatten wir sehr viel Glück.

Monika Fischer: Wir hatten sehr hohe Reisespesen. Manche Orte waren nicht so einfach zu erreichen, Kiribati zum Beispiel. Da konnten wir nicht einfach ins Flugzeug sitzen und nach drei Stunden aussteigen ... Zudem brauchten wir überall Übersetzer, damit die Leute in ihrer eigenen Sprache erzählen konnten. Kamen wir irgendwo an, auf einem Atoll oder in einem abgelegenen Dorf, dann mussten wir uns zuerst auf diesen Ort einlassen, die gesellschaftlichen Muster kennenlernen, diejenigen Menschen ausfindig machen, die uns einführen können. In jedem Land, in jeder Kultur waren das neue Muster.

Wie fanden Sie zu denjenigen Menschen, die nun im Buch porträtiert sind?

Mathias Braschler: Wir arbeiteten mit Guides vor Ort, mit Leuten also, die verstanden, worum es uns ging. Diese brachten uns an die entsprechenden Orte und zu den Menschen. Es war wichtig, dass wir nicht schon alles von der Schweiz aus organisierten, damit nicht etwa ein Bauer im Himalaya von NGO-Mitarbeitern vorher »gebrieft« werden konnte, was er uns erzählen soll. Wir schauten also erst dort, wer infrage kommen würde. Und es gab wirklich genug Menschen, die unter dem Klimawandel litten!

Wenn Sie nun eine Person oder Familie gefunden hatten, die Sie porträtieren wollten: Wie gingen Sie vor? Wie wählten Sie den Ort für das Porträt?

Monika Fischer: Wir bestimmten den Ort, wo das Porträt fotografiert werden sollte, wobei wir natürlich eine Umgebung wählten, die mit den Menschen und dem Thema verbunden war. Wir fotografierten die Leute dort, wo sie leben, gingen also nicht etwa ins Nachbardorf, weil es dort schöner ist. Eine Familie in Kuba beispielsweise hatte aus den Resten des Hurrikans eine kleine Küche zusammengebaut; diese sieht man nun im Hintergrund.

Mathias Braschler: Wir sagten zwar, wo jemand hinstehen soll. Aber dann schauten wir auch, wie sich diese Person in der Situation verhielt. Wie reagiert jemand, was tut jemand, wenn er sich nicht beobachtet fühlt? Auch damit arbeiteten wir.

Auffällig scheint mir die Höhe des Blickwinkels in Ihren Porträts: Die Menschen sind fast immer leicht von unten aufgenommen, die Umgebung wirkt wie eine kleine Bühne. Und die Porträtierten sind ernst und scheinen nichts vorzuspielen.

Monika Fischer: Wir haben einen Rahmen, Licht, die Umgebung, die Menschen. Wir lassen den Leuten auch einen gewissen Freiraum, damit sie sich selber inszenieren oder darstellen können; das ist Teil des Bilds. Wir zeigen ihnen jeweils zuerst Polaroid-Bilder. Die Reaktion auf diese erste Fotografie prägt dann das Porträt ebenfalls. Wir wollen den Menschen jedenfalls eine Position der Stärke geben. Die Leute sind zwar Opfer des Klimawandels, aber wir wollen nicht noch auf sie hinunterschauen, wenn man so sagen will. Wir wollen ihnen eine Stimme geben, sie in Würde zeigen. Jeder hat seinen Stolz, und es geht auch darum zu würdigen, dass diese Menschen kämpfen und sich anzupassen versuchen.

Mathias Braschler: Der tiefere Kamerastandort hat auch den Vorteil, dass die Menschen etwas freier vor dem Himmmel stehen und nicht vor Büschen oder Häusern fast verschwinden. So dominiert die Umgebung nicht alles, und man kann die Menschen als Person wirklich wahrnehmen.

War es immer klar, dass die Porträts in Farbe fotografiert werden sollen? Und wie viele Porträts haben Sie ins Buch aufgenommen?

Monika Fischer: Um die unterschiedlichen Kulturen deutlich zu machen, war uns klar, dass die Porträts in Farbe sein sollten. Wir arbeiten mit der Mittelformatkamera Hasselblad und mit der Grossformatkamera Linhof. Die Negative – leider gibt es den Farb-Negativfilm, den Kodak 160 MC bald nicht mehr – digitalisieren wir und beliefern die Medien mit diesen Daten. Wir retuschieren die Bilder so weit wie nötig, ändern aber nichts mit Photoshop.

Mathias Braschler: Von rund 90 fotografierten Porträts haben wir 60 ins Buch aufgenommen.

Gab es Menschen, die sich weigerten, sich porträtieren zu lassen?

Mathias Braschler: Nein, es waren alle dazu bereit. Allerdings gab es – in Australien etwa oder in den USA – Leute, die offensichtlich unter den Folgen des Klimawandels litten, seine Existenz aber dennoch vollkommen negierten. Ein extremes Beispiel erlebten wir gleich zu Beginn der Reise in Australien. Es war 47 Grad im Schatten, der heisseste Tag in der jüngeren Geschichte Australiens, doch der Bürgermeister von Deniliquin kam in unser Motel und erklärte, der Klimawandel existiere nicht. Doch das Lebenssystem der Farmer, das über zwei, drei Generationen aufgebaut worden war, musste aufgegeben werden. Das passierte dort vor der Haustür.

Monika Fischer: Jemand erzählte uns auch, dass viele Farmer Selbstmord begangen hätten, weil sie keine Zukunft mehr gesehen hatten; das, was aufgebaut worden war, ging nicht mehr so weiter. Vor allem in den industrialisierten Ländern, in den USA, in Australien, aber auch in Spanien begegneten wir der Weigerung, den Klimawandel wahrzunehmen.

Liest man die erschütternden Berichte der Menschen, die Sie porträtiert haben, sieht man, dass die Auswirkungen des Klimawandels für viele keine andere Wahl lassen, als den Ort, an dem sie eigentlich gerne leben würden, zu verlassen.

Monika Fischer: Vor allem bei den Völkern, die noch Subsistenzwirtschaft betreiben, sind die Auswirkungen enorm. Sie versuchen sich zwar anzupassen, Fischer werden Bauern und Bauern Nomaden oder umgekehrt. Doch es entstehen auch viele soziale Konflikte aus diesem erzwungenen Wandel.

Mathis Braschler: Es wird ein riesiges Problem auf uns zukommen. Wir beobachteten, dass alle diese Menschen bereits am Rand des Möglichen leben. In der Sahelzone zum Beispiel wird es in den kommenden 20 Jahren mit Sicherheit nur schlimmer, und diese Menschen werden ihre Region verlassen müssen.

Monika Fischer: In Bangladesch konnten wir das auch beobachten. Es gibt die Landflucht, die Menschen gehen in die Städte. In Dakar leben von 12 Millionen Einwohnern 3 Millionen in Slums, und davon sind 1 Million reine Klimawandel-Flüchtlinge. Und diese Zahl ist wohl konservativ gerechnet. Man sieht dort, was passiert, wenn diese Menschen vom Land in die Stadt ziehen. Oder auf den pazifischen Inseln: Da leben die Menschen auf ihrem Atoll, gehen fischen, bauen Gemüse an, führen ein einfaches Leben ohne Geld – eigentlich das nachhaltigste Leben, das man führen kann. Die Jugendlichen müssen nun nach Australien gehen, eine Ausbildung machen, lernen, mit Geld umzugehen und in den dortigen Häusern zu wohnen. Sie müssen, obwohl sie das nicht wollen, einen völlig neuen Lebensstil annehmen. Ein grosses Thema des Global Humanitarian Forum GHF war deshalb auch »Climate Justice«. Denn zuerst trifft es die Armen, die von einem Betrag von unter 1 $ pro Tag leben und keine Reserven haben. Es trifft also diejenigen, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben. Und: Diejenigen, die naturverbunden leben, beobachten die Veränderungen zuerst. Das ist übrigens auch in der Schweiz so. Der Bergführer und der Hirte sehen die Veränderungen schneller als der Städter.

Mathias Braschler: Es ist extrem schwierig zu vermitteln, dass es immer wärmer wird. Weil der Klimawandel langsam ist, gewöhnen sich die Menschen gewissermassen an Überschwemmungen, enorme Stürme oder Monstergewitter. Dass die Auswirkungen dieses schleichenden Prozesses so gross sind, beschäftigt nun aber auch die Versicherungen, die Swiss Re zum Beispiel, die eine Abteilung speziell zum Klimawandel führt. Die elf heissesten Jahre seit Erfassung der Messungen ab 1850 waren alle in den letzten 15 Jahren. Man kann beobachten, dass Wetterphänomene, die es an einem Ort gibt, aber nur selten oder sogar nur alle 500 Jahre auftreten, häufiger und mit ungewohnter Intensität auftreten. Die Swiss Re musste letztes Jahr über 100 Grossschaden-Ereignisse bearbeiten, die auf Klimawandel zurückzuführen waren. Die Zahlen zeigen, dass die Häufigkeit zugenommen hat.

Wie haben Sie die Interviews geführt?

Monika Fischer: Viele Menschen haben das Wort Klimawandel ja noch nie gehört. Wir sassen mit ihnen zusammen, fotografierten sie und interviewten sie mithilfe der Übersetzer. Die Fragen lauteten: Was hat sich verändert? Was beobachten sie, was sind ihre Probleme? Die Antworten hielten wir mit der Video-Kamera fest.

Mathias Braschler: Was diese Menschen erzählen, ist sehr beeindruckend. Wir haben rund 500 Gigabyte Video-Interview-Material und möchten damit eigentlich gerne einen Film machen, den wir auch in Ausstellungen zeigen könnten. Das ist unser nächstes Projekt!

Was sind Ihre Pläne, wie soll es weitergehen mit Schicksale des Klimawandels?

Mathias Braschler: Ausstellungen sind uns wichtig, dass die Fotografien in Zeitschriften erscheinen, und nun auch, dass das Buch wahrgenommen wird. Wir bekamen auch von wissenschaftlicher Seite bereits ein Echo. Das Institut für Athmosphärenphysik und Klimawissenschaften der ETH Zürich hat uns beispielsweise eingeladen, das Projekt vorzustellen. Die Wissenschafter haben zwar theoretisch damit zu tun, möchten aber sozusagen wissen, wofür sie arbeiten.

Monika Fischer: Wir haben eine Verantwortung gegenüber den Porträtierten. Viele waren begeistert, dass sich endlich jemand für ihre Situation interessiert. Wir können ihre Probleme zwar nicht lösen, aber wir versprachen, möglichst vielen Menschen davon zu erzählen bzw. sie erzählen zu lassen, was da passiert. Durch die Porträts und O-Ton-Texte kann man eine emotionale Ebene ansprechen, ohne als Weltverbesserer aufzutreten. Wenn wir damit nur einige Wenige dazu bringen, das eigene Handeln zu überdenken, ist etwas gewonnen.

05.10.2011

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