Interview

mit Gerhard Richter

Gerhard Richter

© Dirk Gebhardt

Gerhard Richter Catalogue Raisonné. Volume 1

Gerhard Richter Catalogue Raisonné. Volume 1
Nos. 1-198 1962-1968

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ISBN 978-3-7757-1978-0
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Gerhard Richter Catalogue Raisonné. Volume 2

Gerhard Richter Catalogue Raisonné. Volume 2
Nos. 199-388 1968-1976

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ISBN 978-3-7757-1979-7
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Gerhard Richter Catalogue Raisonné. Volume 3

Gerhard Richter Catalogue Raisonné. Volume 3
Nos. 389-651-21976-1987

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ISBN 978-3-7757-1980-3
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Gerhard Richter Catalogue Raisonné. Volume 4

Gerhard Richter Catalogue Raisonné. Volume 4
Nos. 652-1-805-61988-1994

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ISBN 978-3-7757-1981-0
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Im Gespräch mit Stefan Koldehoff gibt Gerhard Richter erstmals genaue Einblicke in die Entstehungszusammenhänge seiner berühmten »1260 Farbfelder«.

Herr Richter, erinnern Sie sich noch daran, warum der Karton mit dem Raster mit dem Raster aus dreistelligen Zahlen vor mehr als 40 Jahren entstanden ist?

Das war eine Vorlage für den Drucker, der damals die Seriegraphien der »1260 Farbfelder« gedruckt hat. Bei einem Gemälde kann ich ja die Farben selbst anrühren. Bei einer Grafik muss das an der Druckmaschine geschehen, und dafür war diese Karte nötig.

… auf der jede Zahl für eine Farbe steht.

Genau. Grundlage für die Bilder waren die Grundfarben Gelb, Blau und Rot, aus denen alle Felder entstanden sind – in jeweils unterschiedlichen Mischungsverhältnissen. Die Zahl 175 steht für einen Teil Gelb, sieben Teile Blau und fünf Teile Rot.

Und die Anordnung der Farben, die so zustande kamen, auf dem Bild bestimmte dann der Zufall?

Die habe ich gelost: Alle Farben wurden auf Zettel geschrieben, in einen Topf geworfen und dann gezogen und auf solchen Karten notiert. Manchmal habe ich dafür auch kleine Kunststoffplättchen benutzt, mit denen Kinder spielen. Und manchmal auch einen Eimer voller Tischtennisbälle. Wenn dann ein Bild fertig zusammengestellt war, kamen die Nummern wieder in den Topf, und dann wurde neu gezogen.

Und die kleinen Häkchen über den Zahlen stammen vom Drucker, wenn eine Farbe erledigt war?

Wahrscheinlich. Das ist so lange her …

Die ersten Farbfelder-Bilder entstanden 1966 aber noch deutlich zufälliger.

Das waren Farbmusterkarten, die ich so in einem Laden gefunden und abgemalt hatte. Das war sehr von der Pop-Art beeinflusst. Danach habe ich dann aber ziemlich schnell ein System gesucht und gefunden. Auch als Reaktion darauf, dass die Abstraktion damals ja fast wie eine Religion gefeiert wurde. Die Farbfelder-Bilder waren ja immer polemisch gemeint: als Antwort auf diese sektiererische Annahme, bestimmte Farben würden neben anderen besser wirken. Das ging ein bisschen gegen Josef Albers und Max Bill und Richard Lohse. Lohse hat das auch gemerkt. Er hat mir bei einem Abendessen während der Biennale in Venedig mal scherzhaft mit dem Finger gedroht und gesagt: »Ich weiß genau, was Du damit gemeint hast.«

Wie wichtig ist Ihnen bei Ihrer Arbeit die Vorbereitung, die Planung?

Die Farben sind ganz bewusst ungeplant nach dem Zufallsprinzip angeordnet. Ich wollte eine gleichgültige Wirkung erzielen – gegen diese seltsamen Theorien, die den Farben eine Funktion zuweisen wollen. Aber ich musste dafür natürlich auch eine gute Form finden: Wie groß sollten die Bilder sein? Welche Proportionen konnten die Felder selbst haben – zueinander, aber auch im Verhältnis zum Bildformat? Wie breit müssen die Stege dazwischen sein? Das war natürlich alles überlegt und geplant. Kunst ist ja nie nur Inhalt sondern immer auch Form.

33 Jahre später haben Sie dieses System dann wieder benutzt – bei Ihrem Glasfenster für den Kölner Dom.

Ja, aber nicht genauso. Beim Domfenster hatte ich tatsächlich erst eine Reproduktion der »4096 Farben« hinter ein Schema des Maßwerks gelegt. Das ist ja ein Bild, auf dem die Farbquadrate unmittelbar aneinanderstoßen. Das war die Grundlage, auf der ich dann weiter gearbeitet habe. Es gab bei dieser Arbeit allerdings, anders als bei den Bildern in den 70ern, einzelne Korrekturen des Zufalls: wenn zum Beispiel die Gefahr bestand, dass an einer Stelle etwas Gegenständliches erkannt werden könnte. Oder wenn es in einem Bereich zu warm oder zu kalt wurde. Es sollte ja neutral bleiben. Und es gibt Spiegelungen und Wiederholungen. Die muss man aber mal erst finden.

Nun kommt dieser Karton zur Versteigerung. Ihre Arbeitsweise wird damit öffentlich. Ist das ein Problem?

Nein, überhaupt nicht. Die Entstehung der Farbfelder-Bilder ist ja kein Geheimnis. Ein schlechtes Zeichen wäre es nur, wenn sie zu teuer würden. Das ist ja eine Dokumentation, kein eigenes Kunstwerk.

Das Interview führte Stefan Koldehoff für »Das Journal«. Ein Magazin der Villa Grisebach, das seit sechs Jahren von Florian Illies anlässlich aktueller Auktionen herausgegeben wird. Das Porträt von Gerhard Richter in seinem Kölner Atelier stammt von Dirk Gebhardt – herzlichen Dank!

Im April 2017 erscheint der zweite Teil des sechsbändigen des Gerhard-Richter-Werkverzeichnisses von Dietmar Elger. Darin werden die Werke der Jahre 1968 bis 1976 vorgestellt, darunter auch die Farbfelder-Arbeiten.

 

 

 

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