Kuratieren 3: Jesus Pastor, Capitis, Berlin

Installationsansicht "JESUS PASTOR: Miradas" bei Capitis. Aufmacherbild der Serie "Amador Rabal"

Installationsansicht “JESUS PASTOR: Miradas” bei Capitis. Aufmacherbild der Serie “Amador Rabal”

Wände sind wie Bücher, die sich uns aufblättern, am Anfang kennen wir die Geschichte noch nicht, Seite um Seite tauchen wir aber tiefer ein in die Charaktere, folgen ihren Gedanken und Abenteuern, am Ende sind sie uns zu vertrauten Freunden geworden, von denen wir uns ungern wieder verabschieden. Es gibt gradlinige Geschichten und verschlungene und manchmal verworrene, es gibt eher schlichte, einfache Erzählungen und es gibt vielleicht auch das lyrisch hingetupfte Gedicht – übersetzt in die Bild-auf-Wand-Sprache wäre das dann nur ein kleines Bild irgendwo als Kontrapunkt zum Rest der Welt. Die meisten Geschichten auf Wänden mit Bildern verlaufen von A nach B, in einer Linie, auf gleicher Höhe. Diese liegt in der Regel bei 1,50 m Bildmitte. Und wenn der Abstand zwischen den Bildern auch noch gleich ist, kann man so einer Installation gut folgen, sie ist meist kraftvoll und klar und beruhigt den Betrachter. Spannend wird es, wenn die Wand groß genug ist, eine „freie Hängung“ zu versuchen, sie bietet viel Raum für Interpretationen, kann Querverbindungen schaffen, die Phantasie entfesseln.

Ausstellungsaufbau "JESUS PASTOR: Miradas" bei Capitis. Foto: Nadine Barth

Ausstellungsaufbau “JESUS PASTOR: Miradas” bei Capitis. Foto: Nadine Barth

Ausstellungsaufbau "JESUS PASTOR: Miradas" bei Capitis. Foto: Nadine Barth

Ausstellungsaufbau “JESUS PASTOR: Miradas” bei Capitis. Foto: Nadine Barth

Ausstellungsaufbau "JESUS PASTOR: Miradas" bei Capitis. Foto: Nadine Barth

Ausstellungsaufbau “JESUS PASTOR: Miradas” bei Capitis. Foto: Nadine Barth

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Installationsansicht "JESUS PASTOR: Miradas" bei Capitis. Foto: Nadine Barth

Installationsansicht “JESUS PASTOR: Miradas” bei Capitis. Foto: Nadine Barth

Die Ausstellung, um die es hier geht, hängt in der Berliner Galerie Capitis, einem neuen Ort für Porträtfotografie. Eine der Serien von Jesus Pastor heißt „Amador Rabal“, es geht um einen Totengräber, den der Künstler einige Monate mit der Kamera begleitete. Bei der Arbeit auf dem Friedhof, beim Essen zu Haus, beim Kartenspielen mit Freunden, selbst beim Schlafen schaute er ihm zu. Zwar hätte man einen chronologischen Ablauf, der dem Ablauf eines Tages entspräche, machen können, interessanter ist aber eine eher assoziative Hängung, die Raum zu Atmen lässt. Auch hier gibt es zwar eine Mittellinie auf 1,50 m, die Verteilung der Bilder erfolgte mit zwei unterschiedlichen Abständen zueinander. Die Frage war dann: Wohin sollte das nachdenkliche Porträt, das in gewisser Weise alle anderen Bilder überschaut?

Installationsansicht "JESUS PASTOR: Miradas" bei Capitis. Foto: Nadine Barth

Installationsansicht “JESUS PASTOR: Miradas” bei Capitis. Foto: Nadine Barth

Eröffnung "JESUS PASTOR: Miradas". Foto: Nadine Barth

Eröffnung “JESUS PASTOR: Miradas”. Foto: Nadine Barth

Eröffnung "JESUS PASTOR: Miradas". Foto: Nadine Barth

Eröffnung “JESUS PASTOR: Miradas”. Foto: Nadine Barth

Im unteren Stockwerk finden wir die klassische Installation der Serie von 11 Nonnen, die Jesus Pastor in seiner Heimatstadt Soria in Spanien fotografierte. Durch die Gleichheit in der Bildkomposition war klar, dass die Porträts, übrigens gedruckt als Silbergelatineprints, in einer Reihe hängen sollten. Jede Nonne hat den Blick leicht nach oben gerichtet – angeordnet sind sie also zueinander, so dass in der Mitte eine Art Klimax entsteht und eine imaginäre Linie in den Himmel gehen mag. Und so treten das Unten – die Nonnen, die nach oben schauen – und das Oben – der Totengräber, der herab schaut – miteinander in einen Dialog. Und die Geschichten verschmelzen zu einem Buch.

Installationsansicht "JESUS PASTOR: Miradas" bei Capitis. Foto: Jesus Pastor

Installationsansicht “JESUS PASTOR: Miradas” bei Capitis. Foto: Jesus Pastor

Installationsansicht "JESUS PASTOR: Miradas" bei Capitis. Zu sehen: Porträts der Serie "Inhabited Silence". Foto: Jesus Pastor

Installationsansicht “JESUS PASTOR: Miradas” bei Capitis. Zu sehen: Porträts der Serie “Inhabited Silence”. Foto: Jesus Pastor

Jesus Pastor, aus der Serie "Inhabited Silence", ©Jesus Pastor

Jesus Pastor, aus der Serie “Inhabited Silence”, ©Jesus Pastor

Jesus Pastor am Eröffnungstag seiner Ausstellung bei Capitis. Foto: Nadine Barth

Jesus Pastor am Eröffnungstag seiner Ausstellung bei Capitis. Foto: Nadine Barth

Die Ausstellung läuft noch bis zum 13. Januar 2018. capitis-studios.de