Gedanken zu einem Fotospaziergang – oder zu Neudeutsch, zum (Insta-)Walk

Gehetztes Durch-die-Straßen-Rennen, den Blick stur geradeaus gerichtet, zielstrebig von A nach B gelangen – so sieht es meist aus, wenn man im Trubel der Stadt einen Moment lang inne hält und sich umschaut. Lauter Menschen, die wie vom Wind nach vorn geneigt dahineilen, mit Blick auf das Smartphone, am Telefonieren, immer unter Strom. Vieles entgeht einem in diesem Tempo. Und selbst jene, die lange an einem Ort sitzen, schauen selten mal nach oben, an den Fassaden empor oder auf die ganz kleinen Details in der nahen Umgebung: Pflanzen, die zwischen Gehsteigfugen herauswachsen, Wandfresken, die an unmöglich hohen Stellen an Gebäuden aufgebracht wurden ― von trompetenden Engeln oder harfespielenden Jünglingen. Graffiti, die das Stadtbild prägen und kalligrafische, abstrakte oder farbenfrohe Qualitäten haben können. Menschen, die auf ihren Balkonen ganze Universen errichtet haben, Schaufensterdekorationen, die einen mit ihren zusammengewürfelten Inhalten zum Schmunzeln bringen, architektonische Besonderheiten oder skurrile Details, die bei genauerer Betrachtung viel über die Zeit ihrer jeweiligen Entstehung preisgeben. Zusammengebastelte Provisorien, die Fahrräder sein sollten, Urban Gardening im Stadtgebiet, kleine versteckte Streetart-Überraschungen, wundersam geformte Fenstersimse, typografische Auffälligkeiten und absurde Sprüche… – die Liste ließe sich ewig fortführen.

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