(un)Wanted bei BredaPhoto 2016

Nächsten Monat beginnt das Fotofestival “BredaPhoto“. Wie der Name schon sagt, das Festival findet in Breda im Süden der Niederlande statt. Ich werde dort auch mit einer Ausstellung vertreten sein. Zu dem Anlass möchte ich gerne ein paar Sätze über das Festival sowie mein Projekt schreiben.

Vor einigen Monaten bekam ich eine Anfrage, ob ich eine neue Serie für das diesjährige Festival fotografieren will. Es ist eins der größten Fotofestivals der Niederlande und findet dieses Jahr zum 7. Mal statt. Ich war persönlich noch nie dort, aber habe bereits einige interessante Dinge über das Festival gehört. Die Ausstellungen sind auf über 25 Locations in der ganzen Stadt verteilt, insgesamt stellen rund 70 Fotografen ihre Arbeiten aus und es werden um die 80 000 Besucher erwartet. Mainact ist der Magnumfotograf Carl de Keyzer mit seiner Arbeit “Cuba, La Lucha“, wofür er die kubanische Transformation vom kommunistischen Regime hin zum Kapitalismus dokumentierte.
Doch es gibt auch eine Vielzahl anderer Aktivitäten, wie eine Masterclass, verschiedene Lesungen und Diskussionsrunden oder Führungen und Workshops. Das Festival beginnt am 15. September und endet am 30. Oktober.

Announcing the BredaPhoto 2016 theme from BredaPhoto on Vimeo.

Das diesjährige, Thema des Festivals lautet “You“. Ich konnte anfangs nicht viel mit diesem vorgegebenen, abstrakten Thema anfangen. Es erinnerte mich irgendwie an die Aufnahmeprüfungen fürs Fotografiestudium. Damals musste ich mich auch mit Themen wie “Heimat“ oder “Kontrast“ herumschlagen, um einen der begehrten Studienplätze zu bekommen. Ich hatte aber große Lust an dem Festival mitzuwirken und nahm dies als Anlass ein neues Projekt zu beginnen.

Zu meiner Arbeit:
Da es in unserer Gesellschaft immer mehr Menschen gibt, die auf selbstständige Weise ihr Geld verdienen, war die Idee des Kurators, eine Reportage über ein Unternehmen zu machen, das auf innovative Art und Weise eine Lösung für ein bestehendes Problem gefunden hat.
Nach einigem Grübeln hatte ich die Idee, eine Geschichte über ein Unternehmen zu fotografieren, auf das ich schon vor längerer Zeit aufmerksam geworden war. Ich war damals auf einem Festival in Amsterdam und aß dort Gänsebrust bei einem improvisierten Essensstand. Es schmeckte gut, allerdings brach ich mir an einem Schrotkorn beinahe einen Zahn aus. Auf die Frage ob und wo denn die Gans geschossen wurde erzählte die Köchin mir, dass sie auf dem Amsterdamer Flughafen erlegt wurde. Ich kam mit ihr ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass sie zusammen mit ihrem Freund, Essen aus Schädlingstieren zubereitet – sie nennen sich “Die Küche des unerwünschten Tieres”.
Ich musste gleich an diese Begegnung denken, als mir der Kurator von seiner Idee erzählte. Ich nahm also Kontakt mit ihnen auf und bekam eine Zusage. Kurz darauf begann ich Nicolle und Rob, die beiden Initiatoren des Projektes fotografisch zu begleiten.
Die beiden sind ein Künstlerpaar, das die Küche des unerwünschten Tieres ins Leben gerufen hat. Sie wollen auf die Verschwendung von Fleisch von Schädlingstieren, was sich perfekt für den menschlichen Verzehr eignet, aufmerksam machen.
Auf der Karte der Beiden stehen, außer Flughafengänsen, noch eine Vielzahl anderer Tiere, die der Mensch als minderwertig betrachtet. Sie verwenden beispielsweise Stadttauben, Bisamratten, Flusskrebse, Ponys, Füchse oder Krähen für ihre Gerichte. Am besten laufen Gänsekroketten und der “My little Pony Burger“.
Ich habe aber nicht nur Nicolle und Rob begleitet, sondern bin auch mit auf die Jagd nach Schädlingen gegangen. So habe ich z.B. einen “Schädlingsbekämpfer“ beim Taubenfangen in Amsterdam oder eine Flusskrebsfischerin bei der Arbeit begleitet.
Bei dem Festival werden 21 Bilder aus der Serie ausgestellt. Die Ausstellung befindet sich bei STEK, einer Art kreativem Industriegebiet auf dem Festivalgelände. Ich werde die erste Woche in Breda sein und bin gespannt darauf.

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