After Work

»… wenn er in Irland Fisch fing.« (Wolfgang Pehnt)

Das Verlagsprogramm Gerd Hatjes wurde nicht nur für seine außerordentliche »Qualität«, sondern auch für seine »undogmatische Lebendigkeit« (Tagesanzeiger) gerühmt – ein Programm, in dem auch Bücher wie Tilden lehrt Tennis (1951) oder das Jazz-Lexikon (1953) ihren Platz fanden. Die Begeisterung Hatjes für den »weißen Sport oder die Jazz-Musik spiegelte sich auch in den Verlagsveröffentlichungen wider. Gerne ließ er sich von seinem Hauptweg auf Nebenwege verleiten, denn er war »immer auf dem Weg, aufgeschlossen, entflammbar, begeisterungsfähig« (Uwe M. Schneede). Mitarbeitern und Weggefährten zeigte sich Gerd Hatje darüber hinaus als »überaus soziabler, heiterer und häufig schwärmerischer Menschenfänger« (Werner Spies) – seine frühen Faschingsfeste oder Betriebsausflüge etwa sind legendär.

                  

Ein Faible für »weiße Sportarten«: Neben dem Skifahren, das Gerd Hatje noch mit 80 Jahren in die Berge lockte, begeisterte er sich schon früh für Tennis. Das Foto zeigt Hatje um 1939/40. Der Amerikaner William Tilden, genannt »Big Bill«, galt zwischen den 1920er- bis 1950er-Jahren als einer der überragenden Tennisspieler. Der Ratgeber Tilden lehrt Tennis führte jahrelang die Charts der bestverkauften Bücher im Verlag Gerd Hatje an.

All that Jazz … Von seiner ersten USA-Reise brachte Gerd Hatje die Begeisterung für den Jazz mit und veranstaltete regelmäßige Jam Sessions mit Live-Musik in der Stuttgarter Heidehofstraße – bis weniger musikbegeisterte Nachbarn der kleinen, feinen Tradition ein Ende bereiteten; Foto Hannes Kilian.

In den frühen 1950er-Jahren wurden in den von Mitarbeitern und Künstlern dekorierten Verlagsräumen in der Heidehofstraße glanzvolle Faschingsfeste gefeiert. Auf dem Foto: Fasching an der Hochschule für Gestaltung in Ulm mit – Max Bill, Ursula und Gerd Hatje – im Jahr 1957.

Betriebsausflüge führten, so der ehemalige Lektor Wolfgang Pehnt, bis nach »nach Burgund oder Bergamo, wenn zufällig der größere Scheck eines internationalen Verlagspartners eingetroffen war.« Anlässlich des vierzigjährigen Verlagsjubiläums lud Gerd Hatje seine Mitarbeiter 1986 nach Süditalien (Foto) ein.

                

Eine augenzwinkernde Notiz an den in New York weilenden Gerd Hatje, verfasst von David Douglas Duncan, der durch seine Fotoessays über Pablo Picasso bekannt wurde. Auf eine solche Art von »ketzerischen Gedanken« kamen manchmal auch seine Mitarbeiter, »wenn der Verleger wochenlang die Staaten bereiste« oder »wenn er in Irland Fisch fing« (Wolfgang Pehnt). »… am liebsten Lachs«: Der passionierte Angler Gerd Hatje beim Fischen in Kanada im Sommer 1987.

Bis ins hohe Alter verfolgte Gerd Hatje die aktuellen Entwicklungen der Kunst, der Architektur, der Musik, der Literatur; es ließ sich mit ihm trefflich über die jüngsten Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth wie über den neuesten Film von Wim Wenders räsonieren. Gerne flanierte er während der Biennale Venedig durch die Giardini – wie hier im Sommer 1999; Foto Georg A. Hermann.