Manifest des Tabularismus

Manifest des Tabularismus

Sieben Thesen für die Erneuerung der Fotografie

  1. Von heute an ist die Fotografie tot. Alle Abbilder sind gemacht; alle Wiedergaben sind verfertigt. Und doch ist man der Welt nicht nähergekommen. Die letzten Bilder stehen noch aus. Der Tabularismus umfasst die letzten Bilder der Fotografie.

  2. Der Tabularismus ist Zeichen und keine Bezeichnung. Er bezeugt nicht, was in der Welt ist; er ist die Welt selber. Er ist Bild und niemals Abbild. Mit dem Tabularismus kommt die Fotografie zu sich selbst.

  3. Der Tabularismus ist ein Zerstörer. Er rüttelt an der Hülle des Weltraums und untergräbt den Behälter der sichtbaren Dinge. Selbst die stürzende Linie wird von ihm noch gebrochen. Mit jeglichen Fluchten steht er im Krieg.

  4. Der Tabularismus ist Schöpfer. Von den Rändern des Sichtbaren her nimmt er sein Licht; von den Erkenntnisresten nimmt er die Schatten. Das Licht und das Dunkel sind seine wahren Motive.

  5. Der Tabularismus ist Spiel. Er ist Tanz und Zerstreuung; er ist Annäherung und Loslösung. Er sucht nicht nach Wahrheit; jede Wahrheit ist Täuschung. Authentisch ist der Tabularismus nur zu sich selbst.

  6. Der Tabularismus ist Kunst. Und als Kunst ist er Freiheit. Er sprengt den Korpus der Apparaturen; er bricht den Willen der Kameraboxen. Jedes harte Gehäuse steht quer zu der Freiheit.

  7. Der Tabularismus ist Zukunft. Und doch ist er eingebettet in eine Geschichte. Er hat Traditionen; er hat Mütter und Väter. Im Dunkel der Aufklärung warten sie auf die Rückkehr des Lichts.

Ralf Hanselle und Stefan Heyne im November 2014