Olaf Otto Becker

Olaf Otto Becker (*1959 in Lübeck-Travemünde) studierte von 1981-89 Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Fotografie in Augsburg und anschließend Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Er hat zahlreiche Auszeichnungen für seine Fotografien erhalten und war mit vielen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland vertreten. Im Hatje Cantz Verlag hat er bereits drei Publikationen herausgegeben. Für sein neues Buch „Reading the Landscape“ zeigt er uns hier einen „Blick hinter die Kulissen“ und beschreibt das Making of.

Olaf Otto Becker (*1959 in Lübeck-Travemünde) studied communications design (majoring in photography) from 1981-1989 in Augsburg, and then later studied photography at the Ludwig Maximilian University in Munich. He has received many awards for his photographs and they have been shown in numerous solo and group shows, both in Germany and abroad. He has already published three books with Hatje Cantz. For his new book, Reading the Landscapes, he is providing us with a “peek behind the curtain,” describing the “making of” the project.

Die Vorbereitung zu dem Primärurwaldthema hat viel Zeit in Anspruch genommen

saegewerk Bolivien

Bereits 2008 begann ich mit ersten Recherchen zu dem Thema in Bolivien und Brasilien. Ich suchte nach verlässlichen Kontakten vor Ort, um die Zerstörung von primären Urwäldern fotografieren zu können. Ich stieß dabei 2009 auf einen Deutsch-Bolivianer, der von einem Naturschutzreservat berichtete, das durch private Spenden entstanden war und nun von der einheimischen Bevölkerung und von Kriminellen in Besitz genommen wurde, um den Wald abzuholzen. Er war mit der Betreuung dieses Areals betraut, musste jetzt jedoch tatenlos zusehen, wie das gesamte Gebiet zerstört wurde.

Mehrere Wochen war ich dann im August 2010 mit ihm in den Regenwaldgebieten Boliviens unterwegs, um Spuren der illegalen Abholzung, unter anderem für den Kokaanbau, zu dokumentieren. Auf unserem Weg dorthin wurden sehr bald Kubaner auf uns aufmerksam und ließen uns fortan nicht mehr aus den Augen. Meine Guides änderten daraufhin die Route. Erst als wir von der mühsamen Reise im Tiefland Boliviens zurückkamen, gestanden sie mir, dass sie mich aus Angst vor den Kubanern an einen anderen Ort gebracht hatten. Es entstanden deshalb nur wenige Aufnahmen in Bolivien. Bei einer Security­-Kontrolle am Flughafen Sao Paolo wurde später fast die Hälfte der belichteten Negative von einer defekten Röntgenmaschine zerstört.

Nach diesem anfänglichen Rückschlag setzte ich dann im gleichen Jahr meine Recherchen in Brasilien, Indonesien, Malaysia, Afrika und Sibirien fort. Wichtig war mir bei allen Recherchen, vertrauensvolle und seriöse Kontaktleute zu finden, die auch die Sicherheitslage vor Ort gut bewerten konnten. Interessante Gebiete, bei denen ein sehr hohes Risiko für unser Leben bestand, wurden nicht besucht. Sicherheit war und ist für mich immer ein wichtiger Aspekt.

 

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Abholzung In Bolivien

 

 

Der Titel „Reading the Landscape“

Filmstill Rangsang Island08

Der Titel „Reading the Landscape“ beschreibt eigentlich genau das, was ich schon immer gemacht habe. Es ist eine Art Lesen der Landschaft, ein Herauslesen, eine Spurensuche und gleichzeitig ein Auflesen von für mich Bemerkenswertem. Die aufgelesenen Bilder füge ich zu einer Geschichte zusammen, die ich dem Betrachter mit meinen Büchern und Ausstellungen zur Betrachtung anbiete. Dieses Lesen in der Landschaft geschieht dabei immer in einem Art Areal, einer Insel (Island, in der Serie Under the Nordic Light), einer Küstenlinie (Grönland,  Serie Broken Line), oder Eisschmelzzone (Innlandeis Grönlands, Serie Above Zero). Dabei interessieren mich vor allem die Grenzen der Landschaften, die bisher vom Menschen noch relativ unberührt waren und sich bis jetzt aus sich selbst heraus ohne großen Einfluss des Menschen geformt haben. Ich suche dann dort nach bemerkenswerten Orten, nahezu unberührter Natur und ich suche nach den Spuren, die zeigen, wie wir von diesem Land Besitz nehmen und diese Landschaft damit verändern. Die Bilder meiner  Landschaften drücken meine Bewunderung, meine Freude und mein Staunen über die Schönheit des Vorgefundenen aus, aber natürlich auch meine Traurigkeit, manchmal auch meine Wut. Ich betrachte die Welt wie mit großen Kinderaugen. Ich versuche, das Gesehene für mich visuell zu begreifen, ich lasse es auf mich wirken und lese manche dieser Eindrücke mit meiner Kamera auf und trage diese wie eine visuelle Erfahrungsgeschichte in einem Buch zusammen, die ich dann nach der Fertigstellung wie eine vielfach gestreute Flaschenpost  mit der Öffentlichkeit teile.

 

Erste Exemplare des Buches “Reading the Landscape” am Montag 08. September um 19.00 Uhr

Foto

Gestern bin ich mal wieder aus Grönland zurückgekommen, wo ich ca. 10 Tage lang Klimaforscher auf einem Schiff bei Messungen in abgelegene Fjorden Westgrönlands begleitet habe.

Vor meiner Abfahrt wurde das Buch “Reading the Landscape” in der Nähe von Stuttgart gedruckt. Danach ging das Buch zum Buchbinder. Eigentlich hätten die ersten Exemplare heute schon hier bei mir in München sein müssen. Leider sind sie noch nicht da. Nun werde ich die ersten 20 Exemplare wohl auch erst  am kommenden Montag Abend bei meiner Buchvorstellung bei Sautter + Lackmann sehen.

Den Druck habe ich vor Ort an der Druckmaschine nach meinen eigenen Proofs zusammen mit dem Drucker Bogen für Bogen abgestimmt. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Nun bin ich gespannt auf den Gesamteindruck des Buches.