Seit ihrer Gründung durch Arnold Bode im Jahr 1955 ist die documenta ein Experimentierfeld für zeitgenössische Kunst. Alle fünf Jahre pilgern Kunstinteressierte aus aller Welt nach Kassel, um sich über die aktuelle Kunst zu informieren und sie unmittelbar zu erleben.
Für die künstlerische Leiterin der dOCUMENTA (13), Carolyn Christov-Bakargiev, ist die documenta einmal mehr ein frei zu definierendes Feld. Ihre Methoden ähneln denen der Künstler, mit denen sie arbeitet. Festgeschriebene Konzepte, starre Ideologien und eindimensionale Thesen sind für sie dabei nur als Formen von Interesse, die es neu zu betrachten und zu überarbeiten gilt.
Inzwischen laufen die Vorbereitungen für den Sommer 2012 bereits auf Hochtouren: Mehr als die Hälfte der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler ist bereits eingeladen und bereitet ihre Projekte vor. Ein Kreis von rund zwanzig Beraterinnen und Beratern sowie Agentinnen und Agenten aus verschiedenen Ländern und wissenschaftlichen Disziplinen unterstützt die künstlerische Leiterin und gestaltet mit ihr gemeinsam den – bewusst offenen – Prozess der Entstehung der dOCUMENTA (13).
»In einer Kunstwelt, die von der Rhetorik des Kuratierens beherrscht wird«, sagt Christov-Bakargiev, »bietet ein Agieren ohne vorgefasstes kuratorisches Konzept die Gelegenheit, die Fähigkeit des Netzwerkens im digitalen Zeitalter aufzugreifen und dabei gleichzeitig einen kritischen Blick auf die politischen Auswirkungen der Vernetzung und des Datenaustauschs zu richten.« Christov-Bakargiev zufolge beruht ihre Herangehensweise »auf einer präzisen Poetik und den Möglichkeiten eines komplexen Engagements in der Gegenwart. Ganz bewusst folgt die dOCUMENTA (13) deshalb nicht einem einzigen, übergreifenden Konzept, sondern führt, wie in einer Choreografie, vielfältige Materialien, Methoden und Wissensformen zusammen. Denn wenn wir die letzten dreißig Jahre in dem Wissen lebten, dass die Welt komplex, chaotisch und nicht-linear ist, und wenn dieses Wissen zu einer Ökonomie der Partizipation geführt hat, dann muss die documenta auf der anderen Seite danach streben, die Einbildungskraft als einen Raum der Genauigkeit zu nutzen, in dem unsere Definitionen des Politischen ausgeübt und herausgefordert werden.«
Als Vorspiel zur Ausstellung der dOCUMENTA (13) und als Teil von ihr wurde bereits eine Reihe öffentlicher Aktivitäten ins Leben gerufen und umgesetzt, darunter eine Konferenz in Turin im September 2009, die seit Juni 2010 stattfindenden AND AND AND-Projekte, die Installation der Skulptur Idee di Pietra von Giuseppe Penone im Karlsaue-Park zur Sonnenwende 2010 und die Vorführung von Pierre Huyghes Film The Host and the Cloud im Kasseler Gloria-Kino im Februar 2011. Außerdem sind die beiden Künstlerbücher Guillermo Faivovich & Nicolás Goldberg, The Campo del Cielo Meteorites – Vol. 1: „El Taco“ und seeing studies, herausgegeben von Natascha Sadr Haghighian und Ashkan Sepahvand für das institut für inkongruente übersetzung im Hatje Cantz Verlag erschienen, wie auch die ersten Beiträge innerhalb der 100 Notizen – 100 Gedanken-Reihe, denen zahlreiche weitere Publikationen folgen werden.
31.03.2011






