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- Christoph Platz
Herr Platz, bitte stellen Sie sich doch kurz vor und erläutern Sie uns Ihre Tätigkeit bei der Documenta.
Ich heiße Christoph Platz und bin jetzt seit August 2010 bei der Documenta. Ich habe als erster Curatorial Assistant (kuratorischer Assistent) angefangen und bin somit Teil des Departments. Das ist die Schnittstelle zwischen der Künstlerischen Leiterin, den Künstlern und Projekten, dem technischen Team und vielen anderen.
Welche Erfahrungen bringen Sie für diese Aufgabe mit?
Ich hatte vorher ein Stipendium für Kuratoren auf Schloss Ringenberg in Nordrhein-Westfalen. Und davor war ich bei den Skulptur Projekten 07 in Münster, wo ich auch meine Magisterarbeit als Kunsthistoriker abgeschlossen habe. Weil ich direkt im Anschluss an die Skulptur Projekte eine Weile im Westfälischen Kunstverein gearbeitet hatte, habe ich über die historische Entwicklung des Vereins zwischen 1945 und 1977 geschrieben, das entsprechende Buch gibt es seit Anfang 2011.
Dann kennen Sie sich also mit Kunstgroßprojekten aus?
Ja, das würde ich behaupten. Die Skulptur Projekte Münster sind natürlich kleiner und die Stadt ist, was den Umgang mit Architektur betrifft, ein bisschen auch der Gegenentwurf zu Kassel. Dort gab es 2007 insgesamt 35 Projekte. Die Documenta ist wesentlich größer und internationaler als die Skulptur Projekte.
Es wird auch in viel größeren Teams gearbeitet?
Genau. Wir hatten in Münster ein Großraumbüro. Da gab es drei kuratorische Assistenten. Hier gibt es jetzt sieben. Es sind einfach ganz andere Verhältnisse.
Wie setzt sich die Gruppe der Curatorial Assistants zusammen? Ist sie sehr international zusammengewürfelt?
Es sind vor allem Kunsthistoriker, die aus kuratorischen Laufbahnen, aus größeren institutionellen Zusammenhängen oder aus der Künstlerbetreuung kommen, und die alle zwischen Anfang und Mitte 30 sind.
Wie würden Sie die Arbeitsaufteilung charakterisieren?
Es ist eine sehr dynamische Struktur. Wir haben Leute, die für zehn oder zwölf Projekte zuständig sind, die eher installativer Natur sind, aber zugleich zehn anderen zugeordnet, die sehr performativ sind. Ich habe ungefähr 30 Projekte, bei denen sich das auch stark durchmischt. Aber es verschiebt sich auch immer wieder ein bisschen was.
Wie sieht die tägliche Arbeit aus? Findet das meiste hier vor Ort statt, oder sind auch Reisen erforderlich?
Ja, das schon. Das kommt immer ganz auf den Künstlertypus an, und in welchem Stadium man sich mit der Entwicklung des Projektes befindet. Ich war zum Beispiel gestern noch in der Schweiz, weil es da auch um eine ganz spezielle Geschichte geht, die man eben nur mit dem Künstler und den zuständigen Fachleuten vor Ort klären kann. Es gibt natürlich auch Künstler, die etwa nicht reisen können, die man dann selbst besucht. Reisen sind also immer mal wieder erforderlich.
Der enge Kontakt mit den Künstlern ist also erwünscht?
Der enge Kontakt mit den Künstlern ist eigentlich das, was hier am größten geschrieben wird, weil sich im Prozess der Entwicklung eines Projektes sehr viel verändert: Recherchetätigkeit, der Dialog mit dem Künstler, das ständige Abgleichen des Projektstandes. All das ist sehr wichtig. Es geht natürlich auch um organisatorische Dinge, die zusammen mit dem Künstler geklärt werden müssen.
Was macht Ihnen an der Arbeit am meisten Spaß?
Es findet eine intensive Kommunikation zwischen den Künstlern und der Künstlerischen Leiterin statt. Wir arbeiten ganz unmittelbar mit den Künstlern, woraus sich dann eine sehr dynamische Kommunikationsstruktur entwickelt, die natürlich auch die Agenten mit einbezieht. Je nach Künstler, nach Projekt und Status des Projektes ist das aber völlig unterschiedlich.
Haben Sie eigentlich auch Künstler vorschlagen können?
Ich bin hier nicht mit dem Anspruch angetreten, bestimmte Künstler, die mir auf der Seele brennen, auf die Documenta zu bringen. Ich habe eher ein Interesse daran gehabt, an dem Prozess teilzunehmen. Sich an einer Stelle einzubringen und dann daran zu arbeiten. Wenn man ein bestimmtes Interesse für zeitgenössische Kunst hat, und auch weiß, mit welchen Künstlern, in welchem Rahmen und zu welchen Themen Carolyn bisher gearbeitet hat, dann gibt es natürlich auch viele Dinge, die sich decken. Dann denkt man, ach, mit dem wollte ich auch schon arbeiten, und jetzt möchte er ein wahnsinniges Projekt realisieren, in das ich mich einbringen und alles möglich machen kann- wie sagt man so schön: To make it happen.
Was erwartet Sie in den nächsten Wochen und Monaten, wenn sich die Projekte mehr konkretisieren und auch mehr in Richtung Abschluss kommen?
Konkret natürlich das Arbeiten mit den Künstlern hier vor Ort. Es ist ganz stark von Interesse, dass die Künstler häufig nach Kassel kommen und dass wir hier zusammen mit ihnen und dem technischen Team darüber brüten, wie jetzt die nächsten Schritte aussehen.
Also ist es schon ein Anliegen der künstlerischen Leitung, die Künstler sehr mit dem Ort Kassel vertraut zu machen. Die Documenta nicht als einen frei schwebenden Organismus zu begreifen, sondern wirklich mit der Anbindung auch an den Ort, wo sie stattfindet?
Ja, es geht ja gar nicht anders. Ich glaube, wir brauchen nicht von Ortsspezifität zu sprechen. Aber wir können schon davon sprechen, dass die Künstler an einen Ort kommen, wo eine Ausstellung seit 1955 lokalisiert ist und immer wieder die Frage im Raum steht, wieso.
Die Documenta erfordert viel Arbeit. Da bleibt wenig Zeit für Freizeit oder für Documenta-freie Zeit. Gibt es trotzdem Freiräume, die Sie sich hier geschaffen haben? Haben Sie Lieblingsorte in Kassel, wo Sie hingehen, um mal nachzudenken oder zu entspannen?
Als ich angefangen habe, war es noch Sommer. Der Auepark ist eine ganz großartige Adresse hier. Und er ist ein bisschen zu groß für die Stadt, um überfüllt zu sein.
Was sind Ihre Zukunftspläne? Die Beschäftigung auf der Documenta kann ja auch Sprungbrett sein für alles Mögliche, auch international gesehen...
Ich denke nicht darüber nach, was folgt. Ich arbeite gerade mit meinen Projekten auf die Umsetzung und die Ausformulierung hin. Die möchte ich dann erst einmal sehen. Ich bin nicht bestrebt, jetzt schon an die Anschlussmonate zu denken. Man muss auch ein bisschen über die eigenen Energien und Kapazitäten nachdenken. Natürlich ist die zeitgenössische Kunst sehr schnelllebig. Das Arbeiten in Projekten eine ganz spezielle Geschichte mit relativ kurzen Verträgen und Aufenthalten und im Grunde sehr flüchtig. Aber ich mag es sehr, mit guten Künstlern zusammenzuarbeiten. Mal sehen, was kommt.
02.05.2012
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Ausstellungshinweis
dOCUMENTA (13) Ausstellung 9.6.-16.9.2012