Kunstlexikon

August Macke und Franz Marc – eine Künstlerfreundschaft

August Macke und Franz Marc

August Macke, um 1904 (links), Franz Marc, 1913 (rechts); Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München, Foto: Simone Gänsheimer, Ernst Jank

Kurzbiografie

Die beiden großen Maler der Klassischen Moderne, August Macke und Franz Marc, verband eine enge Freundschaft, die nicht nur in menschlicher, sondern auch in künstlerischer Hinsicht eine der besonderen Ereignisse der Kunst des 20. Jahrhunderts ist.

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August Macke und Franz Marc

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Celebrate Friendship

»Gewiß ahnt das Deutschland von heute nicht, was alles es diesem jungen, toten Maler schon verdankt, wieviel er gewirkt und wieviel ihm geglückt ist. Alles, was seine geschickten Hände anfaßten und wer ihm nahe kam, wurde lebendig, jede Materie und am meisten die Menschen, die er magisch in den Bann seiner Ideen zog. Wie viel verdanken wir Maler in Deutschland ihm! Was er nach außen gesät, wird noch Frucht tragen und wir, als seine Freunde, wollen sorgen, daß sie nicht heimlich bleibt.« (Franz Marc in seinem Nachruf auf August Macke, 1914)

Als der 22-jährige August Macke (1887–1914) den sieben Jahre älteren Franz Marc (1880–1916) erstmals in dessen Atelier in der Schellingstraße besuchte, war dies der Beginn einer engen Freundschaft zwischen den in ihrem Temperament völlig unterschiedlichen Persönlichkeiten, die nicht nur für die beiden Menschen wertvoll, sondern auch für die Kunst ihrer Zeit bereichernd war. Macke hatte am 6. Januar 1910 in einer Münchener Galerie Lithografien Marcs gesehen und war davon so angetan, dass er ihm noch am selben Tag seine Aufwartung machte. Ihre Verbundenheit währte nur vier Jahre, nur wenige Wochen nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde sie durch den Tod Mackes an der Westfront jäh beendet. Marc, der zwei Jahre später ebenfalls auf dem Schlachtfeld fallen sollte, verfasste einen erschütternden Nachruf auf seinen Begleiter. Auch in einem Brief an den Kunstmäzen Bernhard Koehler brachte er seine tiefe Trauer zum Ausdruck: »Es ist wahrlich das Grausamte, was dieser Krieg mir bringen konnte, so ging einfach ein Stück von mir mit in seinen Tod.«

In der kurzen, zwischen Kennenlernen und Abschied liegenden Zeit entspann sich ein intensiver künstlerischer Austausch zwischen den beiden Malern. Sie pflegten hierfür nicht nur eine rege Korrespondenz, sondern statteten sich regelmäßig Besuche ab, sei es in Tegernsee oder später im ebenfalls beschaulichen Bonn bei August Macke, sei es im oberbayerischen Sindelsdorf bei Franz Marc. Macke wie Marc fanden ihre künstlerischen Anregungen nicht in der Dynamik der Großstädte, sondern in der Begegnung mit einer harmonischen Welt nahe der Natur. Diese Orte waren jedoch keinesfalls Orte der Selbstverlorenheit und Isolation, beide Maler unternahmen zahlreiche Reisen, um Museen zu besuchen oder andere Künstler zu treffen, darunter 1912 in Paris etwa Robert Delaunay, dessen Serie der Fenêtres sie tief beeindruckte und inspirierte. Sie beteiligten sich an künstlerischen Debatten und stießen selbst Diskussionen an, beispielsweise zu traditionellen Farbtheorien oder einer neuen, gegenstandslosen Kunst. Auch tauschten sie sich über ihre oft überraschend parallelen Einschätzungen zu Kunstströmungen der Zeit wie Kubismus, Futurismus oder Orphismus aus. Gemeinsam organisierten sie Ausstellungen wie 1913 mit Herwarth Walden den Ersten Deutschen Herbstsalon in Berlin, der als größte Präsentation der internationalen Avantgarde vor dem Ersten Weltkrieg großes Aufsehen erregte. Bei ihren Aktivitäten, etwa für die Künstlergruppe Blauer Reiter, aber auch in ihren Briefen begaben sie sich auf die klärende Suche nach ihrem individuellen künstlerischen Standort. Ihr gemeinsam gemaltes Wandbild Paradies, das 1912 im Bonner Atelier Mackes entstand, ist ein weiteres Zeugnis ihrer Verbundenheit.

So ergibt sich das Bild einer Künstlerfreundschaft, die für beide Maler trotz Differenzen in künstlerischen oder kulturpolitischen Fragen für die Entwicklung des eigenen Werkes essenziell war – für den Augenmenschen August Macke, der sich ganz auf die sichtbare Welt bezog, der im »Durchfreuen der Natur« das Gesehene zu strahlenden Farbklängen verwandelte, wie für den Theoretiker Franz Marc, der nach spiritueller Durchdringung der Welt strebte, dessen (Tier-)Bilder als Symbole einer hinter den Dingen liegenden geistigen Wahrheit lesbar sind.

11.11.2014 Stefanie Gommel

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