Kunstlexikon

Architekturbiennale Venedig

Biennale Venedig

Die 14. Architekturbiennale in Venedig kürt zur Eröffnung die besten Beiträge.

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Monolith. Controversies

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Pavilion of Chile

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ISBN 978-3-7757-3827-9
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Alle zwei Jahre pilgern Architekturfans aus aller Welt auf die Architekturbiennale in Venedig: Die bedeutendste internationale Ausstellung für Architektur und Stadtentwicklung bietet einen umfangreichen Überblick über aktuelle Strömungen und Visionen der Zunft.

»So anregend, so klug und zugleich sinnlich wie diese war wohl noch keine Architektur-Biennale zuvor.« (Der Tagesspiegel über die 14. Internationale Architekturbiennale Venedig)

Die Architektur gilt seit dem römischen Architekten Vitruv als »Mutter aller Künste«, Venedig als eines ihrer wichtigsten Zentren: der Architekturbiennale. Die Geschichte der Großausstellung begann 1975, als der italienische Architekt Vittorio Gregotti im Rahmen der Kunstbiennale in Venedig einen Architektursektor in den Magazzini del Sale einrichtete, der so begeistert aufgenommen wurde, dass der Baukunst auch bei den Biennalen von 1976 und 1978 Platz eingeräumt wurde. Die erste offizielle Architekturbiennale fand schließlich 1980 unter der Leitung des Architekten Paolo Portoghesi und dem Motto La presenza del passato statt – der Auftakt zu einer bis heute andauernden Erfolgsgeschichte, in der sich die Ausstellung, die seither alle zwei Jahre im Wechsel mit der Kunstbiennale stattfindet, als ein einflussreicher Protagonist der internationalen Architekturdebatten etabliert hat.

Nachdem die ersten vier Ausgaben der Biennale noch als reine Themenausstellungen konzipiert waren, führte der künstlerische Leiter der 5. Internationalen Architekturausstellung, der Architekturhistoriker Francesco Dal Co, ergänzend die Präsentation der einzelnen Nationen in Länderpavillons ein. Ganz nach dem Vorbild der bereits 1895 gegründeten Kunstbiennale präsentierten nun Architekten wie Coop Himmelb(l)au, Peter Eisenman, Frank O. Gehry oder Herzog & de Meuron ihre Konzepte und Werke in den nationalen Pavillons. Auch wenn kritische Stimmen dieses Konzept in Zeiten der Globalisierung für obsolet erachten: Bis heute halten die Kuratoren an den Länderschauen fest, unter ihnen etwa der österreichische Architekt Hans Hollein als Direktor der sechsten Architekturbiennale, in dessen »Amtszeit« zudem erstmals der Goldene Löwe als Preis für den besten nationalen Beitrag verliehen wurde.

Architektur und Architekten im engeren Sinne standen im Zentrum der frühen Biennalen, Massimiliano Fuksas, der im Jahr 2000 unter dem Motto Less Aesthetics, More Ethics die siebte Ausgabe kuratierte, erweiterte erstmals den thematischen Fokus, indem er die Biennale dem städtischen Wandel und dabei vor allem der Entwicklung der Megalopolis im 20. Jahrhundert widmete: die Architekturausstellung als »Labor«, um den Blick für urbane Veränderungen und Fragen zur Zukunft der Stadt zu schärfen.

In den folgenden Jahren stieg das Interesse am Architekturdiskurs auch in einer breiteren Öffentlichkeit stetig. Als Besuchermagnet erwies sich beispielsweise die neunte Biennale mit dem Titel Metamorph, die 2004 unter der Leitung des Schweizer Architekturhistorikers Kurt W. Forster die neuen Formen einer organischen oder biomorphen Architektur in den Mittelpunkt stellte. Über 115 000 Gäste aus aller Welt wurden in nur zwei Monaten von den immer kühneren Architekturträumen – von Greg Lynn bis Zaha Hadid – angelockt, die nicht zuletzt dank moderner Computertechnologie denk- und realisierbar wurden. Während einer Laufzeit von drei Monaten konnte die zwölfte Architekturbiennale im Jahr 2010 sogar über 170 000 Besucher und einen positiven Zuspruch der Medien verbuchen: People meet in architecture lautete das Leitthema der japanischen Architektin und Pritzker-Preiträgerin Kazuyo Sejima, die als erste Frau in der dreißigjährigen Geschichte der Biennale die Ausstellung verantwortete. Mit ihrer unprätentiösen Grundidee – »den Menschen und der Gesellschaft zu helfen, mit der Architektur und untereinander zu kommunizieren« – verzichtete sie auf die Theorielast vergangener Architekturbiennalen, auf große Namen, ikonische Bauten und kulinarisch-opulente Präsentationen, auf eine Leistungsschau der Nationen.

Doch so sehr die Architekturbiennale immer wieder auch als anachronistische Selbstdarstellung der teilnehmenden Staaten hinterfragt wird: Wie etwa die 12. Biennale zum Thema Common Ground unter der Direktion des britischen Architekten David Chipperfield machte auch die diesjährige 14. Biennale die Lagunenstadt wieder zum bedeutenden Treffpunkt für Architekten und Architekturbegeisterte aus aller Welt. Sie gehöre zur »eindringlichsten, ernsthaftesten und verwirrendsten seit vielen Jahren«, schwärmte etwa die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Ihr Kurator Rem Kohlhaas, einer der Superstars der zeitgenössischen Architektur, hielt unter dem Motto Absorbing Modernity Rückschau auf hundert Jahre Moderne und legte auch in den 65 Nationenpavillons den Fokus auf die Fundamentals, die Grundelemente des Bauens wie den Boden, die Wand, die Decke, das Dach, die Tür, das Fenster, die Fassade.
Diese Architekturbiennale, eine Art Forschungsplattform, auf der Geschichte und Gegenwart auf spannende Weise miteinander verknüpft waren, lud zum Kommen, Verweilen und Wiederkommen ein – erstmals insgesamt sechs Monate (und damit so lang wie die Kunstbiennale) waren die Tore zu den Werfthallen des Arsenale und den Länderpavillons im Park der Giardini geöffnet.

3.11.2014 Stefanie Gommel

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